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Rezensionen von ikatzhorse2005:
Verzauberter Inselwinter
Nordlicht - Im Land der wilden Pferde.Müller:Nordlicht.1.Im Land d.wild.Pf. von Karin Müller
Nordlicht Im Land der wilden Pferde von Karin Müller 2018 Schneiderbuch EGMONT
Elin, ein typisches Teenagermädchen ist wenig begeistert von der Idee ihrer Mutter, ihre Ferien in Island zu verbringen, im Winter! Weder Shopping noch tolle Events, nur Kälte, Schnee und Dunkelheit. Elin erwartet nichts.
Doch ihr Herz schlägt für Pferde und die gibt es in diesem Land genug. Ach nein, sie hat ja abgeschlossen mit diesen sanften Wesen, aus und vorbei! Doch dann entdeckt sie sie, diese zähen wuscheligen, zahlreichen Islandpferde. Langsam lässt sie unterdrückte Gefühle in ihr Herz zurück, ihre Sehnsucht wächst und damit die Verbundenheit zu den Tieren. Besonders zu einer kleinen traurigen Stute. Gegenseitig helfen sie sich ihre schmerzhafte Vergangenheit zu bewältigen.
Karin Müller schafft es in authentischer Sprache aus der Perspektive der Hauptprotagonistin die Vielfältigkeit und den Zauber Islands zu beschreiben. Spielend lernt man zwischen zwei Buchdeckeln fremde Orte und Welten kennen. So entdeckt Elin beim Reisen ein Stück ihres eigenen vergessenen Ichs wieder. Manchmal sollte man das Leben mit anderen Augen sehen und sich auf ein Abenteuer einlassen. So bieten sich oft ganz neue Perspektiven.
Mystische Begegnungen mit dem Jungen Kari sorgen für abwechslungsreichen Lesespaß. Ein vorsichtiges Kennenlernen, einfühlsam und inspirierend schreibt die Autorin Zeile für Zeile zu einer magischen Geschichte mit einem Hauch Romantik. Spannend spinnt sich der Bogen durch das Sehnsuchtsland der Elfen und bis zur Abreise von Elin fühlt man sich wohl und heimisch auf dieser Insel.
Es werden nicht alle Geheimnisse gelöst. Welche magische Verbindung hat dieses Mädchen zu Island? Wird sie Kari und die kleine Islandstute wiedersehen? Welche Bedeutung hat Karis Geschenk?...
Der 1.Band konnte mich dank glaubhaft gezeichneten Charaktere, der einmaligen Beschreibungen Islands und der Natur prima mitnehmen.
Ich habe mich sehr wohl gefühlt und mir hat diese Reise zum Nordlicht sowie das Abenteuer Island sehr gefallen. Ein Buch für Jugendliche und Junggebliebene, Pferdefreunde, Islandfans und diese, die es werden wollen. Sehr lesenswert! Ich freue mich auf Band 2!
Rezensionen von andree.feyertag@hotmail.com:
Etwas Vorübergehendes
Alles über Heather von Weiner Matthew
Heather ist etwas ganz und gar Besonderes, mehr noch, als man zuvor ahnt. Eine spritzig, spannende Geschichte, die, bevor man in ihr eingetaucht ist, endet - etwas Vorübergehendes.
im Shop ansehen weitere Rezensionen von andree.feyertag@hotmail.comRezensionen von LadyIceTea:
Süß wie der Duft von Schokolade
Novemberschokolade von Ulrike Sosnitza
Lea führt in Würzburg eine kleine Chocolatiere. Der Laden und die wundervollen, kleinen Pralinen sind ihr wahr gewordener Traum, den sie schon als kleines Mädchen gehegt hat. Doch dann kündigt ihre Vermieterin die Verträge und Lea sieht sich der hoffnungslos scheinenden Aufgabe gegenüber, ihre Chocolatiere zu retten.
Da kommen ihr ihr Nachbar Alessandro und der Flyer eines Pralinenwettbewerbs wie ein Wink des Schicksals vor. Dass sie damit Geschehnisse in Gang setzt, die ihre Familiengeschichte in ein neues Licht rücken, ihre Mutter erscheinen lassen und alles in andere Bahnen lenken, hat Lea nicht in ihren kühnsten Träumen erwartet.
Schon auf den ersten Seiten hat mich der wundervolle Schreibstil in seinen Bann geschlagen. Man merkt direkt zu Beginn, wie wichtig in dieser Geschichte Gerüche und Düfte sind. Die Schilderungen der Autorin haben mich die Düfte selbst nahezu wahrnehmen lassen.
Auch die kleinen, Pralinen und Leas Arbeit in ihrer Chocolatiere konnte ich mir wunderbar vorstellen.
Die Geschichte und ihr Verlauf sind toll durchdacht und zwischendurch wirklich spannend. Die Charaktere sind vielfältig und nicht alle sind sympathisch, was mir in solchen Geschichten auch immer positiv ins Auge fällt.
Während des Lesens habe ich gerne mit Lea mitgefiebert und wollte sie das ein oder andere Mal gerne in Alessandros Arme schubsen. Auch die Beschreibungen der Naschwerke und Gerüche, haben bei mir einen Heißhunger entfachen können.
Es hat wirklich Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen und auch das Ende hat mir wirklich gut gefallen.
Rezensionen von LadyIceTea:
Ein wenig wie im Märchen
Das Café der kleinen Wunder von Barreau Nicolas
Nelly lebt ihr ruhiges und sicheres Leben in Paris. Seit über einem Jahr ist sie in ihren Professor verliebt und wartet auf ein Zeichen, um es ihm zu sagen. Doch als er sich ausgerechnet in ihre italienische Studienkollegin verliebt, wird es Zeit für Nelly zu anderen Ufern aufzubrechen. Sie findet ein altes Buch ihrer Großmutter, hebt ihr Erspartes vom Konto ab, kauft sich eine rote Handtasche und begibt sich nach Venedig.
Und genau hier, in einem kleinen verwunschenen Café wird sich alles ändern.
Ich mag die Bücher von Nicolas Barreau sehr gerne. Sie sind immer ein wenig verworren und mit einem besonderen Gefühl geschrieben. Mich erinnern seine Geschichten an Märchen, denn oft ergeben sich Dinge, die so gar nicht ins normale Leben passen würden.
"Das Café der kleinen Wunder" ist ebenso ein Buch, auch wenn ich gestehen muss, dass dieses Buch nicht mein liebstes Buch des Autors geworden ist.
Die Geschichte um Nelly und ihrer Suche nach einem Zeichen, hat mir im Großen und Ganzen sehr gut gefallen. Für meinen Geschmack hätte sie aber ein paar Seiten kürzer sein können. Ich finde, sie hat sich an einigen Stellen ein wenig zu sehr in Beschreibungen verlaufen und sich Schilderungen ergeben, die nicht unbedingt zur Haupthandlung beigetragen haben. Dadurch wurde es für mich manchmal schon fast ein bisschen langatmig.
In diesen Momenten hat mich die Atmosphäre des Buchs jedoch weiterlesen lassen. Aufhören wollte ich auch trotz der längeren Stellen sowieso nicht.
Mir hat es gefallen, wie Nelly Venedig entdeckt und Valentino kennen lernt. Manchmal war mir Nelly ein wenig zu eingefahren in ihrem Verhalten aber auch hier gab es eine schöne Entwicklung in der Geschichte. Die einzelnen Fäden wurden wieder kunstvoll miteinander verwoben, so dass es mir wirklich manchmal wie in einem Märchen vorkam, denn zufällig war nichts mehr davon.
Hier kann man sich einfach auf ein schönes Ende verlassen.
Auch wenn das Buch nicht mein liebstes von Nicolas Barreau wird, hat es mir trotzdem gut gefallen.
Rezensionen von Marianne Schaffer-Schellander:
Lesen-Vergessen-Entsorgen
Alles über Heather von Weiner Matthew
Ich fand weder den Inhalt noch den Stil des Buches ansprechend. Seine emotionale Kälte wirkte auf mich abstoßend. Obwohl der Autor Matthew Weiner es wenigstens schaffte, auf den letzten dreißig Seiten spannend zu werden, ist das wirklich Positive des Buches seine Kürze.
im Shop ansehen weitere Rezensionen von Marianne Schaffer-SchellanderRezensionen von Bellis-Perennis:
Mathe einmal anders
Wetten, dass Sie Mathe können von Thomas Rießinger
Thomas Rießinger hat mit diesem Buch keine Mathe-Lehrbuch im herkömmlichen Sinn herausgebracht. Schon der Einstieg mit den beiden Aufgaben aus der Sendung „Wetten, dass“ zeigt, dass Mathematik mehr ist, als der Albtraum der meisten Schüler.
Elegant gelingt es ihm, bekannte (und unbekannte) Rechenregeln und Formeln in den Text einzubauen.
Auf keiner Seite ist bei mir Langeweile aufgetreten.
Die heitere bisweilen ironische Schreibweise hat mir recht gut gefallen.
Vielleicht sollten angehende Mathe-Lehrer dieses Buch lesen, um es später in ihrem Unterricht einzubauen. Damit könnten bei Mädchen und Burschen die Scheu vor Mathe genommen und eventuell ein verstärktes Interesse geweckt werden.
Fazit:
Ein gut gelungenes Buch zum Thema Mathematik, dem ich gerne 4 Sterne gebe.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Thriller mit Gänsehautfeeling
Insel 77 von Halvar Beck
Der Autor entführt uns in eine sehr befremdliche und menschenfeindliche Welt: Auf eine Ölbohrinsel in der Nordsee.
Die junge Ärztin Kristin ist neben der Arzthelferin die einzige Frau in dieser rauen von Männern dominierten Welt. Eigentlich hätte Kristins Bruder Marius den selben Arbeitsrythums wie sie.
Doch beim letzten Zyklus war er nicht mit an Bord des Hubschraubers, der sie auf das Festland zurückbringen sollte und auch sonst findet sich keine Spur von Marius.
An ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt, beginnt sie die Suche nach ihrem Bruder. Dabei wird sie in die auf der Bohrinsel herrschenden Hierarchien und Seilschaften verstrickt, aus denen es kaum ein Entrinnen gibt. Es ist Kristin unmöglich etwas über den Verbleib von Marius herauszufinden. Rätselhafte Todesfälle, bei denen Leichen und Krankenakten veschwinden, Drohbriefe und Überfälle auf Kristin, lassen bei den Lesern Gänsehaut aufziehen.
Sie weiß nicht, wem sie noch vertrauen kann. Sie kommt dem Geheimnis der Bohrinsel immer näher und gerät deshalb in akute Lebensgefahr. Ist hier eine Verschwörung im Gange? Und wenn ja, gegen wen?
Meine Meinung:
Der Autor, der für diese Geschichte das Pseudonym Halvar Beck verwendet, hat ein sehr beklemmendes Szenario entworfen: Eine toughe Frau in einer höchst unwirtlichen Arbeitswelt, die bis auf eine andere Frau, nur aus hart gesottenen Männern besteht sowie die Enge und Abgeschiedenheit einer Ölplattform, die den Naturgewalten ausgeliefert ist.
Immer enger zieht sich die Bedrohung um die junge Ärztin zusammen. Als Leser gerät man in einen Sog, der kaum auszuhalten ist. Ich konnte das (fertige) Buch gar nicht mehr weglegen, obwohl ich die Rohfassung und den Inhalt schon kannte.
Obwohl ich beruflich auch mehr mit Männern zu tun habe, könnte ich auf einer Bohrinsel nicht anheuern. Mir persönlich wäre das Gefühl, Menschen und der Naturgewalt auf Biegen und Brechen ausgeliefert zu sein, zu bedrohlich.
Dieses Bedrohungsszenario ist dem Autor sehr gut gelungen. Sehr lange ist nicht klar, wer oder was dahinter steckt, wem Kristin noch vertrauen kann.
Fazit:
Wer gerne Thriller liest und an Verschwörungstheorien Gefallen findet, ist hier genau richtig.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine großartige Biografie
Margaret Stonborough-Wittgenstein von Margret Greiner
Autorin Margret Greiner beschenkt ihre Leser mit dieser Biografie über Margaret Stonborough-Wittgenstein, die sich spannend und lebendig wie ein Roman liest.
Wer ist sie nun, diese Frau, die den selben Vornamen wie die Autorin trägt?
Margaret (1882 – 1958) ist das siebente Kind der reichen Unternehmerfamilie Wittgenstein in Wien geboren.
Karl Wittgenstein hat sein Vermögen mit Stahl- und Eisenfabriken gemacht. Er führt seine Familie wie die Unternehmen: Streng und autoritär. Darunter leiden die Ehefrau Leopoldine geborene Kallmus und vor allem die fünf Söhne. Sie sollen in die technischen Fußstapfen des Vaters treten und an technische Studien betreiben. Daran zerbrechen drei, die später Selbstmord begehen werden.
Die Töchter dürfen sich den schönen Künsten widmen und Hermine, die älteste, wird von Karl als Kunstkennerin und Beraterin hochgeschätzt.
Margarete, genannt Gretl, entwickelt recht bald einen eigenständigen oft sturen Charakter. Sie ist wissbegierig und eine begnadete Mathematikerin. Rein intellektuell käme für sie ein technisches Studium in Frage. Allein zu dieser Zeit sind Frauen am k.& k. Polytechnikum, wie die Technische Hochschule heißt, nicht zugelassen. So widmet sie sich den Künstlern der Secession wie Josef Hoffmann und Gustav Klimt.
Gretl lernt den Amerikanischen Fabrikanten Jerome Stonborough kennen, der ihre kluge Konversation sehr schätzt und ihrem Wissen auf Augenhöhe begegnet. Man heiratet 1905 und bekommt zwei Söhne Thomas und John. Die ersten Risse in der Ehe zeigen sich bald. Jerome erscheint als unsteter Mensch, weswegen die Familie mehrfach umsiedeln muss. Margaret schafft es immer wieder ihren Söhnen ein gemütliches Zuhause zu bieten. Sie geht in ihren Einrichtungs- und Gestaltungsplänen so richtig auf. Häuser und Wohnungen werden mit viel Liebe zum Detail und stilsicher kostbar eingerichtet.
Zweimal muss Margaret, die durch ihre Heirat mit Jerome amerikanische Staatsbürgerin geworden ist, ins Exil: Einmal während des Ersten Weltkriegs geht sie in die Schweiz, weil sie als Amerikanerin als Staatsfeindin gilt. Das andere Mal 1940 emigriert sie nach Amerika. Die Nürnberger Rassengesetze
machen aus der österreichischen Familie, sogenannte „Geltungsjuden“. Obwohl sie sich ihrer jüdischen Wurzeln gar nicht bewusst ist, zählen für die Nazis allein die jüdische Herkunft der Großväter.
Während der beiden Weltkriege entfaltet sich Gretls Organisationstalent. So lässt sie, angesichts der Berichte über hungernde Kinder in Wien, trotz aller behördlicher Schikanen Kondensmilch im Wert von 100.000 Schweizer Franken nach Wien bringen.
Die Nazizeit bringt sie an ihre emotionalen und körperlichen Grenzen. Sie verbringt wie ihre Schwester Hermine ein paar Tage in „Schutzhaft“, bevor sie es unter hohem finanziellen Einsatz schafft, zumindest einen ihrer jüdischen Großväter zu einem „Arier“ zu machen.
Vor ihrer eigenen Auswanderung gelingt es ihr, gemeinsam mit Marie Bonaparte, Sigmund Freud und seiner Tochter die Ausreise aus Österreich zu ermöglichen.
Bereits 1946 ist es ihr gelungen, ihre Villa in Gmunden und das Stadtpalais in der Kundmanngasse, das sie gemeinsam mit Bruder Ludwig gebaut hat, restituiert zu bekommen.
1950 kehrt sie endgültig nach Österreich zurück.
Im Alter wird sie ihrem Vater immer ähnlicher. Sie schreibt mahnende Briefe an die längst erwachsenen Söhne und versucht die Menschen ihrer Umgebung nach ihrer eigenen Vorstellung zu formen.
Meine Meinung:
Margret Greiner hat ein lebendiges Bild dieser starken Persönlichkeit, der eigenes (Liebes)Glück nicht so recht vergönnt war, dargestellt. Wir erleben die Höhen und Tiefen ihres Lebens mit. Die Selbstmorde dreier Brüder, die Kriegsverletzung von Bruder Paul, der als einarmiger Pianist in die Geschichte eingeht und die depressiven Phasen ihres wohl berühmtesten Bruders, dem Philosophen Ludwig, sowie der Selbstmord ihres Mannes Jerome hinterlassen Spuren in Margrets Persönlichkeit. In späten Jahren wird sie über das Scheitern ihrer Ehe reflektieren und dabei zum Schluss kommen, dass ihr nicht so sehr verhasst war als laue Temperaturen. (S.220).
Zu Beginn bekommen wir Einblick in das Wiener Gesellschaftsleben um 1900. Wir dürfen dabei sein, als Gustav Klimt jenes Porträt von Gretl anfertigt, welches das Buchcover ziert. Die Begegnung der beiden finde ich äußerst gelungen. Gustav Klimt, immer als wortkarg und maulfaul beschrieben, lässt sich während der Sitzungen auf ein knisterndes Ping-Pong-Spiel der Worte mit Gretl ein. Für gewöhnlich sagt man dem Maler ja auch ein Verhältnis mit seinen Modellen nach …
Der Schreibstil der Autorin gefällt mir ausnehmend gut. Ich durfte ihn schon bei „Auf Freiheit zugeschnitten“, der Biografie über Emilie Flöge kennenlernen. Den wunderbaren Text ergänzen Zitate von Geschwistern und Zeitgenossen sowie Ausschnitte aus den vielen Briefen, die von Gretl noch erhalten sind. Herrlich ist auch Gretls Mix aus Wienerisch und Englisch, den sie spricht und schreibt. Eine Reihe von Fotos ergänzt diese penibel recherchierte Biografie.
Schmunzeln musste ich bei der Episode auf den ersten Seiten, bei der ihr Enkel Pierre das Porträt von Klimt als nicht besonders gelungen findet. „Du kannst das Bild natürlich auch verkaufen. Aber viel bringen wird es wohl nicht.“ (S.12) Diese Begegnung wird am Ende des Buches noch einmal aufgegriffen. „Hätt‘ ich mich vor siebzig Jahren nicht so despektierlich über Klimts Bild geäußert, hätte meine Großmutter mir ihr Porträt vermacht“ (Pierre Stonborough, S. 295).
Die Ausfertigung des Buchs ist wieder hochwertig. In violettem Leinen gebunden, der Schutzumschlag mit dem Gretls Porträt von Klimt und der erhabenen Jugendstillettern des Titels machen das Buch zu einem repräsentativen Geschenk für alle jene, die gerne außergewöhnliche Menschen kennenlernen wollen.
Fazit:
Eine großartig gestaltete Biografie, der ich gerne 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung gebe.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine interessante Biografie
Die Zarenmörderin - Das Leben der russischen Terroristin Sofja Perowskaja von Liliana Kern
Zunächst einmal zum historischen Hintergrund:
Seit 1855 herrscht Alexander II. (1818-1881) über Russland. Er gilt als Reformer. Seine Reformen umfassen u.a. die Modernisierung der Justiz, die Lockerung der Zensur, Einführung einer allgemeinen Wehrpflicht und teilweise Autonomie an den Universitäten.
Seine wichtigste Reform ist jedoch die Aufhebung der Leibeigenschaft für die Bauern 1861 und die Verteilung von landwirtschaftlichen Flächen an die Bauern. Die Zins- und Fronwirtschaft bleibt allerdings bestehen. Es gelingt nicht, die Landwirtschaft zu modernisieren. Allerdings erntet er dadurch erbitterten Widerstand der Großgrundbesitzer.
Vielen Theoretikern gehen die Reformen nicht weit genug. Deshalb erfolgt eine Radikalisierung der Opposition gegen das zaristische, imperiale Regime. Doch die Gegner sind sich nicht einig. Es gibt die Nihilisten und andere Gruppierungen. Besonders die Organisation „narodnja wolja“ (= Volkswille) ist zur Gewalt bereit. Ab 1878 werden Attentatspläne ausgearbeitet.
Zum Buch:
Sofja Perowskaja wird als Tochter einer reichen und einflussreichen Adelsfamilie in St. Petersburg geboren. Bereits als Kind spielt sie lieber mit Waffen als mit Puppen und lehnt die althergebrachte weibliche Rolle ab. Sofja ist überdurchschnittlich intelligent und will studieren. Vermutlich hat ihr despotischer Vater, der sowohl seine Ehefrau als auch seine Kinder misshandelt, einen großen Anteil daran, dass sie als 16-jährige ihr Elternhaus verlässt. In St. Petersburg lernt sie sie andere radikal eingestellte Jugendliche kennen. Zuerst schließt sie sich den Nihilisten an und identifiziert sich mit deren Ideen. Als die Nihilisten zerschlagen werden, findet sie Unterschlupf bei der radikalen Gruppe Volkswille. Zu Beginn ziehen die Mitglieder auch wirklich zu Bauern aufs Land, um ihren Willen zu erkunden bzw. zahlreiche Anhänger zu rekrutieren. Doch die meisten Bauern wollen weder schreiben noch lesen lernen und sind mit ihrem aktuellen Schicksal zwar nicht zufrieden, aber beschäftigt. Immer wieder dringt durch, dass man den Zaren als beinahe gottgleichen Imperator verehrt. Den radikalen Ideen der Gruppe können sich die Bauern nicht anschließen.
Es scheint, als arbeite die Organisation auf eigene Faust. Die Unterstützung von Millionen Bauern und Arbeitern bleibt aus.
Die Gruppe gerät in den Fokus der Geheimpolizei und immer wieder gelingt es Sofja noch rechtzeitig unterzutauchen.
In den Jahren 1879 und 1880 beteiligte sich Sofija Perowskaja aktiv an zwei Attentaten auf den Zaren, die jedoch misslingen. Nach und nach werden bedeutende Mitglieder des Volkswillen verhaftet, da die Gruppe unter ständiger Beobachtung steht.
Am 13. März 1881 gelingt es der Terrorgruppe, unter ihrer Leitung, den Zaren durch eine Bomben-Explosion zu töten.
Sofja Perowskaja, damals 27 Jahre alt, und die sechs anderen Attentäter werden verhaftet, vor Gericht gestellt und hingerichtet.
Meine Meinung:
Ich finde das Buch sehr interessant, vor allem aus Sicht der Gegner des Zaren. Bislang kannte ich zwar Alexander II. und seine Gemahlin Marija Alexandrowna, die gebürtige Prinzessin Marie von Hessen-Darmstadt (Die Hessin auf dem Zarenthron), sowie seine morganatische Ehefrau Jekaterina Dolgorukaja. („Katja, die ungekrönte Kaiserin“ aus dem Jahr 1959. In diesem kitschigen Film mit Curd Jürgens und Romy Schneider wird das Attentat dargestellt.).
Liliana Kern bringt uns den Lebensweg der Aristokratentochter, die sich so radikalisiert behutsam näher. Obwohl Sofja zu Beginn ihrer Agitationen gegen das Regime Terror ablehnt, findet sie sich mitten in der Spirale der Gewalt wieder. Als sie den „point of no return“ erreicht, gibt es keinen Weg zurück mehr. Selbst charismatisch, erliegt sie dem Einfluss von Scheljabow und wird der Kopf der Attentäter.
Einen interessanten Erklärungsversuch ihrer Motivation stellt die Autorin auf S. 232 auf: Der Mord am Zaren sei gleichzeitig der Mord an ihrem Vater und auch der Mord am Geliebten Scheljabow. Zar und Vater haben ihre Ehefrauen gedemütigt und betrogen, genauso wie Scheljabow seine zahlreichen Geliebten.
Der Mord am Zaren sei im Namen aller gedemütigten Frauen Russlands geschehen. Ein Zeichen, sich die Unterdrückung durch die Männer nicht mehr länger gefallen zu lassen.
Der Schreibstil ist sehr sachlich, beinahe schon trocken und sehr informativ. Eine interessante Biografie für die die Autorin in zahlreichen Archiven gestöbert hat (stöbern hat lassen).
Eine Frage hat sich für mich gestellt, die nicht beantwortet werden konnte: Wann ist Tyrannenmord gerechtfertigt?
Fazit:
Das Buch ist eine gute Ergänzung zur russischen Geschichte. Gerne gebe ich 4 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
... und es gibt sie doch!
Gravitationswellen von Hartmut Grote
Dr. Hartmut Grote, Physiker an der Uni in Cardiff, erklärt dem interessierten Laien ein Phänomen, an dem sich tausende von Wissenschaftlern beinahe die Zähne ausgebissen haben: Die Gravitationswellen.
In sieben Kapiteln versucht Dr. Grote die Schwierigkeiten der Kapazunder von Newton bis Einstein eine, mittels mathematischen Berechnungen gefundene Theorie, zu beweisen, darzustellen.
Selbst Albert Einstein war sich nicht sicher, ob die Gravitationswellen wirklich existieren. Deshalb sind die beiden ersten Kapitel ein wenig launig “Es gibt sie, es gibt sie nicht, ..” genannt.
Knapp 100 Jahre nachdem Albert Einstein seine Allgemeine Relativitätstheorie an der Preußischen Akademie der Wissenschaften vorgestellt, hat war es dann soweit:
Am 14. September 2015 ist der Nachweis gelungen: Es gibt sie!
Mittels Interferometer konnte Einsteins Theorie endlich bewiesen werden!
In den Kapitel 3-6 werden die Versuchsanordnungen, die notwendigen technischen Apparaturen der mehr als 50-jährigen Forschung erklärt und beschrieben.
Das letzte Kapitel gibt uns einen Ausblick auf zukünftige Rolle der Erkenntnis: Internationale Gremien wollen mit Hilfe der Gravitationswellen den Weltraum weiter erforschen.
Meine Meinung:
Professor Grote bemüht sich die technischen Apparaturen, die Messanordnungen und die Interpretation der Messergebnisse so zu erklären, dass sie auch von Nicht-Physikern verstanden werden.
Bei einigen Lesern wird sich vielleicht die Frage aufdrängen “Wozu brauchen wir das? Ist es gerechtfertigt aberwitzige Summen an Forschungsgeldern dafür auszugeben? Gibt es nicht andere Problem auf der Welt, die einer dringenden Lösung bedürfen, als den Nachweis zu erbringen, ob Einstein mit seiner Theorie recht hatte, oder nicht?
An dieser Stelle sei Goethes Faust (Faust I/Kap. 4) zitiert:
„Daß ich erkenne, was die Welt
Im Innersten zusammenhält,"
Fazit:
Ein spannendes Buch, das die Entschlüsselung eines der größten Rätsel der Physik kompakt darstellt. Gerne gebe ich 5 Sterne.










