Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Laszlo Zoltan:
Fehlende Spannung
Alles über Heather von Weiner Matthew
Ein Kennzeichen der Novelle ist die Kürze. Diese Art der Erzählform hat Matthew Weiner wohl gewählt, denn für einen Roman wäre der Stoff wohl zu dünn gewesen. Auf knapp 130 Seiten schildert er gesellschaftskritisch und ironisch das konfuse Eheleben einer amerikanischen Familie, deren Tochter Heather alles ins Wanken bringt.
So lange, bis es zu einem Mord kommt. Der Leser fühlt sich wie ein Besucher in einem Aquarium vor dem Haifischbecken. Er beobachtet die Fische und den Hai und fragt sich, wann er zuschlägt und wer daran glauben muss. In dieser Geschichte ist es vorhersehbar und ohne Reiz.
Rezensionen von AngiF:
Der rechte Platz im Leben
Die Abenteuer der Cluny Brown von Sharp Margery
Mr. Porritt hat es nicht leicht mit seiner Nichte, ständig muss er sie aus misslichen Situationen retten. Wieso benimmt sie sich so abnormal, denn das ist es doch: nicht normal! Wie kann sie allein zum Teetrinken ins Ritz gehen? Wer bleibt schon einen ganzen Tag im Bett liegen, Orangen verzehrend, um den Kopf freu zu bekommen, nur weil es so in einem Artikel stand? Nun Cluny tut es.
Als sie sich wieder einmal eine Eskapade leistet, die Mr. Porritt nicht gutheißen kann, reißt ihm der Geduldsfaden. Er schickt sie aufs Land, um eine Stellung anzutreten. Da konnte Cluny noch so wütend sein, verletzt sogar, alle Diskussionen nützen ihr nichts. Sie wird nach Friars Carmel geschickt. Dort ist man froh, als man das neue Hausmädchen sieht, keine umwerfende Schönheit wie das vorherige, dieses Mal bleiben Komplikationen wohl erspart. Doch die Hausdame und die Lady von Friars Carmel können nicht wissen, dass Clunys unkonventionelle Art schon ausreicht, um zu betören. Wird Cluny nun den richtigen Platz in ihrem eigenen Leben finden?
In exklusiver, hoch anspruchsvoller Sprache hat die Autorin Margery Sharp ihren Roman verfasst. Ein Riesenlob auch an die Übersetzerin Wibke Kuhn, die perfekt den Ton des Buches getroffen hat. Margery Sharps Schreibstil ist unvergleichlich und ganz wunderbar. Die Geschichte sprüht nur so vor amüsanten Szenen und mit ihrer Detailliebe zeichnet sie sie so hervorragend, dass ich sie bildlich vor mir sehe. Die Charaktere sind einmalig und voller Seele.
Kleines Extra-Wissen: Die Autorin dürfte uns allen bekannt sein, hat sie doch das Buch „Bernhard und Bianca“ geschrieben, dass ich als Kind gelesen habe und natürlich dessen Verfilmung ich gesehen habe.
Von Herzen gerne vergebe ich diesem Buch fünf von fünf möglichen Sternen und empfehle es natürlich weiter. Leser, die Coming of Age Romane lieben, werden von diesem begeistert sein, der zeigt, wie es einer jungen Frau, die ich als Freigeist bezeichnen möchte, Ende der 30er Jahre in Großbritannien erging.
Rezensionen von KimVi:
Fesselnder Roman, der zum Nachdenken anregt
Die Vergessenen von Ellen Sandberg
Manolis Lefteris führt in München ein angesehenes Autohaus. Keiner weiß, dass er außerdem der Mann ist, der ganz besondere Aufträge erledigt. Dieses Mal soll er Unterlagen besorgen, die auf keinen Fall in die falschen Hände geraten dürfen. Manolis hält diesen Auftrag für reine Routine, doch dann entwickelt er sich anders als gedacht.
Manolis kommt einem unglaublichen Verbrechen auf die Spur, das seit Jahrzehnten ungesühnt ist und muss eine Entscheidung treffen.
Ellen Sandberg, die Krimifans eher unter dem Namen Inge Löhnig kennen dürften, erzählt diesen interessanten und zum Nachdenken anregenden Roman, auf verschiedenen Zeitebenen. Im Jahr 1944 verfolgt man die erschütternden Beobachtungen, die die Krankenschwester Kathrin in einer sogenannten Heil- und Pflegeanstalt macht. Dieser Handlungsstrang wechselt sich mit dem aktuellen Geschehen, in dem sich Manolis Lefteris auf die Suche nach den geheimnisvollen Dokumenten macht und dabei auf die Journalistin Vera Mändler, eine Nichte Kathrins, trifft.
Der Einstieg in diesen Roman verläuft zunächst eher gemächlich, da man sich erstmal mit den unterschiedlichen Strängen und den jeweiligen Akteuren vertraut machen muss. Beide Perspektiven sind aber von Anfang an interessant, da man erfahren möchte, wie sich das alles verbinden wird. Im weiteren Verlauf nimmt die Handlung dann auch deutlich an Fahrt auf. Denn im aktuellen Strang spitzen sich die Ereignisse zu und in der Perspektive, die sich in der Vergangenheit zuträgt, mag man kaum glauben, was man dort erfährt.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und angenehm lesbar. Es gelingt der Autorin hervorragend, Protagonisten und Handlungsorte so zu beschreiben, dass man sie vor Augen hat. Deshalb kann man mühelos in die Geschichte eintauchen. In beiden Handlungssträngen fiebert man mit den Protagonisten mit und macht sich Gedanken, wie das alles enden wird. Auch wenn man glaubt, das Ende vorherzusehen, wird man durch unvorhersehbare Wendungen überrascht, sodass man förmlich in den Sog der Ereignisse gerät.
Ich habe mich beim Lesen dieses Romans ausgesprochen gut unterhalten, da ich mühelos in die Geschichte eintauchen konnte und früh in den Sog der Handlung geriet. Dadurch mochte ich das Buch nur ungern aus der Hand legen und habe es deshalb beinahe in einem Rutsch gelesen. Ich habe dabei mit den Protagonisten mitgefiebert und mochte manchmal kaum glauben, was dort geschrieben stand. Vor allen Dingen deshalb, da ich mir immer vor Augen hielt, dass die Ereignisse in der fiktiven Heilanstalt, ja tatsächlich an anderer Stelle geschehen sind. Auf meiner persönlichen Bewertungsskala bekommt das Buch alle fünf Bewertungssterne, da es mich berührt und zum Nachdenken angeregt hat.
Rezensionen von begine:
Verlorene Jugend
Die Vergessenen von Ellen Sandberg
Dieses Buch besteht aus Tagebucheinträgen 1941 bis 1945, die Carry Ulreich in Rotterdam, während der deutschen Besatzung, geschrieben hat.
Erst im letzten Jahr hat ihr Sohn Die Tagebücher mit zur Buchmesse mitgebracht und einen Verlag gesucht.
Als sie gedruckt sind kommt Carry Ulreich erstmals wieder in die Niederlande.
Carry sagt:“Meine Geschichte ist wie von Anne Frank mit Happy End“
Das Buch wühlt auf, so wie Carry ihr Tagebuch führt ist im Anfang langsam, dann immer intensiver. Die letzten Jahre leben sie und ihre Familie versteckt bei einer christlichen Familie. Die letzten Monate waren kritisch, denn es gab immer wieder Gerüchte das die Alliierten kommen. Aber dann ist die Gefahr von Entdeckung besonders groß, kurz vor dem Frieden. Es ist interessant zu lesen, wie die Befreiung Rotterdams stattfand.
Nachts träume ich vom Frieden ist ein wichtiges Buch, das die späteren Generationen über diese Zeit lesen. Die Autorin lässt uns an diese Zeit teilnehmen. Sie schreibt nicht nur traurige Begebenheiten, sondern berichtet auch über kleine Freuden.
Es ist eine berührende Lektüre.
Rezensionen von yellowdog:
Clunys Weg
Die Abenteuer der Cluny Brown von Sharp Margery
Margery Sharp gehört zu den leider fast vergessenen Autorinnen, daher ist es erfreulich, dass mit diesem Buch ein Roman von ihr wieder aufgelegt wurde. Es macht Spaß, diesen unterhaltsamen Roman zu lesen. Der Erfolg der beliebten Fernsehserie Dowton Abbey öffnet den Blick einer größeren Leserschaft auf die britische Gesellschaft im Wandel, auch im Verhältnis Herrschaft und Diener.
Die junge Cluny Brown wird in Stellung als Stubenmädchen bei einer aristokratischen Familie in Devon gegeben. Ein Haushalt mit Toleranz, aber doch mit starren Regeln. Cluny verhält sich aber oft unbewusst gegen die Regeln der Konventionen. Sie sieht nicht ein, warum es so viele Beschränkungen geben soll und bleibt sich selbst treu. Deshalb halten sie viele für merkwürdig, manche aber für erstaunlich und erfrischend!
Der 1944 geschriebene Roman ist amüsant geschrieben mit einer liebenswerten Hauptfigur. Aber auch die politischen Gegebenheiten des Jahres 1938 werden langsam sichtbar. Die Zeichen stehen auf Krieg.
Interessante Figuren werden aufgebaut. Da ist zum Beispiel ein Gast der adeligen Familie, der polnische Schriftsteller Adam Belinski, der offenbar fliehen musste. Andrew, der Sohn der Familie, hatte ihn eingeladen, aber auch Adam Belinski ist ein Freigeist. Andrew möchte das auch sein, bleibt aber doch ein junger Schnösel. Dann gibt es noch die schöne Betty, in die Andrew verliebt ist.
Man merkt dem Roman sein Alter schon hin und wieder deutlich an. Insbesondere sprachlich, aber das muss kein Nachteil sein, denn auch der Ton der Vergangenheit kann seinen eigenen Humor und Qualität haben. Diese Qualität liegt in der leichten Überspitzung bei der Charakterisierung der Figuren, bei dem ein milder Spott mitklingt.
Rezensionen von begine:
Die Frauen einer Familie
Was nie geschehen ist von Nadja Spiegelman
Nadja Spiegelman zeichnet in diesem Roman die Frauen in dreier Generationen ihrer Familie. Eine liebevolle Abrechnung Nadjas mit ihrer Mutter Francoise umd der Großmutter Josee und deren Mutter Mina. Da erleben wir einige Tragödien. Nadja erzählt auf ehrliche Weise über ihre eigene Lebensgeschichte.
Ihr Verhältnis zu ihrer Mutter sind eigentlich ziemlich normal, als Tochter ist man oft anderer Meinung. Francoise arbeitet und lebt in New York. Geboren ist sie in Frankreich, wie alle weibliche Vorfahren.
Interessant ist wie Nadja ihre Großmutter Josee über ihre Kindheit und und die deren Tochter ausfragt, wie sie sich erst sträubt, aber dann nachgibt und berichtet.
Interessanter Weise können die Mütter und Töchter nicht richtig miteinander sprechen. Erst Großmutter und Enkelinnen können über alles reden.
Die Geschichte besticht mit wunderbare Dialoge, allerdings gehen sie immer mit verschiedenen Personen. Das verlangt etwas an Konzentration.
Als Francoise Auszüge liest, sagt sie es wäre hart. Sie erinnert sich anders. So erfährt man, das es immer verschieden Ansichten der Erinnerung gibt.
Der Roman ist flüssig und inspirierend zu lesen.
Ein interessanter Lebensbericht, den ich gerne gelesen habe.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Vom Findelhaus auf die Barrikaden
Was nie geschehen ist von Nadja Spiegelman
Das Kreuz im Apfel ist ein überliefertes Symbol des Todes. Der oder diejenige, die es beim Aufschneiden eines Apfels entdeckt, muss sterben.
Der historische Roman ist die Geschichte der fiktiven Katharina Hofstätter, die als Waise bei Bauern am Rande von Wien aufwächst und von einem rechtschaffenen Pfarrer lesen und schreiben lernt.
Der weitere Lebensweg führt sie nach Wien zur jungen Witwe Karoline von Perin-Gradenstein, die nach dem frühen Tod ihres Mannes mit drei Kindern von ihrem Vater Unterhalt erhält.
Katharina ist wissbegierig und fleißig, so dass sie gemeinsam mit den Kindern ihrer Dienstgeberin Unterreicht erhält. Katharinas Traum ist, Medizin studieren zu dürfen, doch wie wir wissen ist das erst ab 1900 in Wien möglich.
Frau von Perin-Gradenstein ist selbst sehr unkonventionell, da sie mit dem Musikkritiker Alfred Becher ohne Trauschein zusammenlebt.
Die aufgeklärte und idyllische Situation im Haushalt der Perin-Gradensteins bricht mit den Revolutionen im März und Oktober 1848 zusammen. Katharina und Karoline beteiligen sich an den Aufständen. Sieht es im März noch so aus, als ob das Kaiserhaus Zugeständnisse machen will, so wird die Revolution nach dem Lynchmord an Kriegsminister Graf Latour von Fürst Windischgrätz und seinen Truppen blutig niedergeschlagen.
Alfred Becher und Karoline werden verhaftet, Becher anschließend hingerichtet.
Welche Rolle spielt Katharina, die vom ungarischen Medizinstudenten Andor Antal schwanger ist, bei der Verhaftung?
Meine Meinung:
Die Autorin hat es sehr gut verstanden, die Stimmung dieser Zeit einzufangen.
Das Leben der ärmlichen Bevölkerung und hier besonders der Frauen, die an der Schwerarbeit, Schwangerschaft, Geburt, Hausarbeit und Krankheit leiden, ist sehr eindrucksvoll beschrieben. Frauen sind zu dieser Zeit völlig der Willkür der Männer ausgesetzt. Sei es der Vater, Bruder oder Ehemann – sie allein bestimmen, ob und wieviel Geld die Frauen erhalten, wen sie heiraten, wo sie wohnen etc. etc..
Wir begegnen verschiedenen historischen Persönlichkeiten, wie zum Beispiel Dr. Ignaz Semmelweis ein, der im Wiener allgemeinen Krankenhaus auf der Gebärstation seinen Dienst verrichtet, oder Dr. von Skoda, Dr. von Hebra oder den an einer Sepsis verstorbenen Pathologen Kolletschka. Der Ausflug in die Medizin der 19. Jahrhunderts finde ich extrem spannend. Doch ist er für die Handlung stellenweise zu ausführlich. Hier doziert die Autorin ein wenig. Die neuartige Untersuchungsmethode des Abklopfens von Skoda wäre am lebenden Objekt, also bei einer lungenkranken Patientin (z.B. Sepherl) besser angekommen, als diese Methode einfach zu beschreiben.
Obwohl dies die Geschichte von Katharina Hofstätter sein soll, nehmen stellenweise andere, historische Persönlichkeiten wie Perin-Gradenstein, Becher oder Jellinek
einen großen Raum ein. Stellenweise ist für mich persönlich ein bisschen eine ungleiche Gewichtung.
Was mich allerdings gestört hat, sind die ähnlichen Namen Karoline und Katharina. Gut, an der historischen Karoline ist wenig zu rütteln, doch bei der fiktiven Gestalt wäre eine Josefine, Elisabeth, Barbara oder Rosa, ein bisschen gemütlicher zu lesen gewesen. So muss man als Leser immer wie ein Haftelmacher aufpassen, wer jetzt gemeint ist.
Gut gefallen mir die zahlreichen Quellenangaben im Anhang.
Fazit:
Eine dramatische Geschichte aus dem Wien des 19. Jahrhunderts. Gern gebe ich 4 Sterne.
Rezensionen von Lady:
Zwischen Himmel und Erde
Für immer ist die längste Zeit von Abby Fabiaschi
Du kannst dir nicht aussuchen, wie du stirbst. Oder wann. Du kannst nur entscheiden, wie du lebst. Jetzt. (Joan Baez)
Dieses Zitat von Joan Baez möchte ich meiner Rezension voranstellen, weil es meiner Ansicht nach die Botschaft des Buches "Für immer ist die längste Zeit" von Abby Fabiaschi gut zusammenfasst.
Im Mittelpunkt steht Maddey. Sie ist tot. Vom Dach der Bibliothek gestürzt. Sie landet jedoch nicht im friedvollen Himmel, sondern blickt aus kurzer Höhe auf ihre Familie - ihre pubertierende Tochter Eve und den emotional unaufgeräumten Ehemann Brady - herab. Ohne Maddy sind sie schon in einfachen Dingen der Alltagsorganisation überfordert. Jetzt drohen sie an der Frage nach dem Warum zu zerbrechen. Maddy muss etwas tun. Doch ihre Möglichkeiten der Einflussnahme aus dem Jenseits sind begrenzt - sie ist ja auch neu hier.
Auf den ersten Blick führt das Cover des Romans in die Irre. Das Cover vermittelt eine positive Grundstimmung. Durch die zarten Farben wirkt es leicht, fröhlich, frühlingsfrisch und unbeschwert. Man könnte von einem heiteren Roman ausgehen. Trotzdem finden sich Symbole, die auf einen ernsten Hintergrund des Buches schließen lassen. In der christlichen Kunst ist der Schmetterling ein Zeichen des unvergänglichen Lebens und der Unsterblichkeit. Die Pusteblume ist ein Symbol des Loslassens, aber auch des Neubeginns. Insoweit ist die Thematik des Buches sehr ansprechend eingefangen und umgesetzt worden.
Der Titel "Für immer ist die längste Zeit" ist gut gewählt, auch wenn das englische Original "I loved my life" noch etwas aussagekräftiger ist.
Als ich mich auf die Lektüre dieses Buches eingelassen habe, wusste ich nicht, was mich erwarten wird. Die Themen "Tod" und "Selbstmord" sind sehr sensibel, und man sollte sie mit viel Fingerspitzengefühl behandeln. Der Roman "Für immer ist die längste Zeit" hat mich in einem positiven Sinne überrascht. Denn es beeindruckt durch seine inhaltliche Tiefe.
Das Geschehen wird aus der Perspektive von Maddy, Brady und Eve geschildert, die ihr Leben bis zu dem unerwarteten Tod von Maddy als eine typische gut situierte Familie in einer amerikanischen Kleinstadt verbracht haben. Finanzielle Sorgen haben sie nicht gekannt; familiäre Probleme sind unter den Tisch gekehrt oder in Alkohol ertränkt worden, damit die perfekte Fassade einer heilen Familie keinen unschönen Riss bekommt.
Nach dem Tod von Maddy wird das Leben von Brady und Eve auf den Kopf gestellt. Ein egoistischer Teenager und ein auf seinen Job fixierter Geschäftsmann müssen sich den vergangenen Ereignissen stellen, ihre familiären und anderen Beziehungen kritisch hinterfragen und sich mit dem schweren Thema (Mit-) Schuld auseinandersetzen. Im Laufe des Geschehens vollziehen die Protagonisten eine positive Veränderung; sie lernen miteinander respekt- und verständnisvoll umzugehen und werden zu reifen, zuverlässigen Menschen, die ihre Gefühle nicht mehr verstecken und ihre Mitmenschen zu schätzen wissen.
Abby Fabiaschi ist ein emotional tief berührender Roman gelungen, der zum Nachdenken über die eigenen (familiären) Beziehungen anregt. Aus diesem Grunde habe ich mich entschlossen, heute die Höchstpunktzahl von 5 Sternen zu vergeben. Dieses Buch ist wirklich lesenswert!
Rezensionen von HEYN Leserunde Barbara Lichtenegger:
Nicht erfüllte Erwartung
Alles über Heather von Weiner Matthew
Am Klappentext steht, das Buch sei „atemberaubend“ - ich begann voll Erwartung zu lesen. Nach dem Lesen der Geschichte über Heather und Bobby kann ich diese Beschreibung subjektiv gesehen leider nicht bestätigen. Für mich trifft der Begriff zeitraubend eher zu.
im Shop ansehen weitere Rezensionen von HEYN Leserunde Barbara LichteneggerRezensionen von HEYN Leserunde, Renate Pfeiffer:
Eine Kosmopolitin aus Wien
Margaret Stonborough-Wittgenstein von Margret Greiner
Margaret Stoborough-Wittgenstein ist eine außergewöhnliche Frau, aufgewachsen in einer außergewöhnlichen Familie zur Zeit der aufregenden ersten Jahre des 20. Jahrhunderts.
Die Familie Wittgenstein, damals eine der reichsten Familien in Österreich, hat natürlich das Gesellschaftsleben in Wien geprägt, bei ihren Festen waren Persönlichkeiten aus Politik und Kultur zu Gast, Johannes Brahms war ein Freund des Hauses, die Maler der Secession und die Künstler der Wiener Werkstätten wurden unterstützt und gefördert.
Das Porträt, das Gustav Klimt 1905 von der 23jährigen Margaret malt, hängt heute in der Münchner Pinakothek.
Was Vater Karl, ein Stahlmagnat, begonnen hat, hat seine Tochter Margaret fortgesetzt. Eine Grande Dame der Wiener Moderne nennt sie die Biographin Margaret Greiner, die aus Briefen, Tagebüchern und anderen Aufzeichnungen der Familie ein lebendiges und vielschichtiges Bild zeichnet.
Die acht Wittgensteinkinder, künstlerisch begabte, eigenwillige Persönlichkeiten und sicherlich auch schwierig, sind ziemlich frei aufgewachsen, sehr privilegiert, aber doch dominiert von einem übermächtigen Vater. Es gab Hauslehrer für Mathematik und Latein, alles andere sollen sie aus Büchern lernen oder es "fliegt ihnen zu". Ein faszinierendes Erziehungskonzept, von dem vor allem die Mädchen der Familie profitieren. Für die Söhne gilt die freie Entfaltung nur bedingt, der Ernst des Lebens liegt in Finanzgeschäften, in Eisen und Stahl. Die älteren Brüder zerbrechen daran, sie begehen Selbstmord. Erst die beiden jüngsten, Paul und Ludwig, werden in öffentliche Schulen geschickt und wählen später ihren Beruf selber- Paul die Musik, Ludwig die Philosophie.
Margaret wird zu einer selbstbewussten und tatkräftigen Frau, sie interessiert sich für Naturwissenschaften, holt die formelle Ausbildung nach, macht die Matura und beginnt ein Studium. Und das alles bei einem Wanderleben mit ihrem amerikanischen Ehemann, das sie nach Berlin, New York, Zürich, Paris und wieder nach Wien führt – ein internationales, bewegtes Leben, und doch immer verbunden mit der Familie und mit Wien.
Obwohl die unverheiratete älteste Schwester Hermine als Familienoberhaupt gilt, gewinnt man den Eindruck ,dass Margaret ein stabiler Anker für alle ist, sie zieht die Fäden, organisiert und managt vieles im Hintergrund, auch in den schweren Jahren nach dem "Anschluss" Österreichs ans Deutsche Reich, als die Familie Wittgenstein wegen ihrer jüdischen Abstammung von den Nürnberger Gesetzen betroffen ist.
Ihren Reichtum und ihre Privilegien sieht Margaret Stonborough-Wittgenstein immer als Verpflichtung anderen zu helfen, sie zu fördern und sich selbst hohe Ziele zu setzen.
Sie ist nicht der Star im Rampenlicht, sondern eher die Regisseurin und Mäzenin in den Kulissen, sie nützt ihre Unabhängigkeit und geht selbstbewusst einen eigenständigen Weg in allen Zeiten der Umbrüche, die sie erlebt hat.
Eine umfangreiche Literaturliste im Anhang regt an, sich (wieder einmal) mit den Wittgensteins, Gustav Klimt, Sigmund Freud und ihrer Zeit zu befassen, man wird ihnen heuer zu den verschiedenen Gedenkterminen ohnehin immer wieder begegnen.







