Kunden em pfehlungen
Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:
Freiheit setzt Gleichheit in wichtigen Bereichen menschlichen Lebens voraus
Gleichheit. von Pickett Kate; Wilkinson Richard
Die Autoren legen eine bahnbrechende Studie vor, die zahlreiche Fragen aufwirft und vielfältige Anregungen für weitere Forschungsarbeiten liefert. Die zentrale Erkenntnis der Arbeit, dass nämlich ein starkes Wohlstandsgefälle innerhalb einer Gesellschaft zu zahlreichen negativen und von niemanden beabsichtigten gesellschaftlichen Folgen führt, müsste eigentlich jedem jenseits partei-ideologischer Grabenkämpfe zu denken geben.
Die theoretischen Erklärungsansätze, die für diesen Befund geliefert werden, machen den besonderen Reiz der Studie aus und dürften wohl am ehesten zur kritischen Auseinandersetzung anregen. Gibt es neben den geschilderten Statuskämpfen, bei denen es um Selbstbehauptung und um Mithaltenkönnen auf der sozialen Stufenleiter geht, noch weitere mögliche Erklärungen für den aufgezeigten empirischen Befund?
Zukünftige Studien werden zeigen, wie weit der theoretische Ansatz dieser Studie trägt bzw. in welchen Punkten er zu modifizieren ist. Das Buch ist sehr verständlich geschrieben und durch zahlreiche Grafiken anschaulich gestaltet.
Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:
Erschütternder Weckruf
Selbstverbrennung von Hans Joachim Schellnhuber
Dieses Buch liest sich gleichsam als Vermächtnis eines Klimaforschers, der in seiner 'Verzweiflung' (vgl. S. 642) den wissenschaftlichen 'Elfenbeinturm' verlässt, unangenehme Wahrheiten deutlicher und drastischer beim Namen nennt als dies im herkömmlichen Wissenschaftsbetrieb üblich ist und damit das Risiko auf sich nimmt, als unwissenschaftlich und subjektiv-emotional diffamiert zu werden.
Dieser Gefahr dürfte sich Schellnhuber sehr wohl bewusst gewesen sein, aber er möchte ja gerade mit diesem Buch nicht wieder nur Fachkolleg_innen, sondern möglichst viele Menschen erreichen. Tatsächlich gelingt es dabei dem Autor komplexe Sachverhalte auf verständliche Weise darzulegen, wobei er seine Ausführungen mit geschichtlichen, kulturellen, ethisch-moralischen und biographischen Einsprengseln auf brilliante Weise anreichert.
Das Buch ist über weite Strecken kein 'langweilig trockenes' Sachbuch, sondern ein spannendes, mit viel Humor und Engagement verfasstes Werk.
Rezensionen von LadyIceTea:
Eine gute Idee, die mich leider nicht überzeugen konnte
Sterne über dem Meer von Freeman Kimberley
Als Victoria Camber das Büro ihrer kranken Mutter in Bristol ausräumt, bringt der Fund eines Briefes sie auf die Spur eines Familiengeheimnisses und der dramatischen Lebensgeschichte einer ihr unbekannten Frau. Nordengland 1874: Endlich ist Agnes Resolute volljährig und darf das Findelhaus, in dem sie aufgewachsen ist, verlassen.
Vor ihrer Abreise erfährt sie, dass ihr als Baby ein Andenken mitgegeben wurde – ein Knopf mit einem Einhorn. Agnes glaubt zu wissen, wem der Knopf gehörte: Genevieve Breakby, der Tochter einer noblen Familie. Doch diese hat England mittlerweile Richtung Australien verlassen. Und so begibt sich Agnes auf Suche nach ihrer Mutter und eine ungewisse Reise
Da ich sehr gerne Romane lese, die im 19. Jahrhundert spielen und am besten noch im Ausland oder mehreren Ländern, schien dieses Buch richtig für mich. Die Idee mit Gegenwart und Vergangenheit hat mich auch sehr gereizt.
Leider wurde dies alles nicht besonders gut umgesetzt.
Fangen wir mit der Gestaltung an. Das Cover finde ich sehr schön und es passt super zu dem Genre und der Geschichte. In dem Buch gibt es einen langen Brief, leider hat der Verlag hier eine Schreibschrift ausgewählt, die unglaublich anstrengend zu lesen ist. Dafür ist der Brief einfach zu lang. In unserer Leserunde wurde dies auch von der Mehrheit bemängelt. Sonst ist der Aufbau gut gelungen und auch der Schreibstil lässt sich angenehm lesen.
Leider hat mir auch der Brief an sich nicht gut gefallen. Es war zwar interessant, dadurch noch einen dritten Erzählstrang zu erhalten aber dieser Brief war weder wie ein Brief, noch wie ein Tagebuch oder ähnliches geschrieben. Es wirkte eher wie ein Buch, welches recht konstruiert geschrieben wurde. Das fand ich sehr schade, denn es gab einige Stellen die dadurch etwas ihre Glaubwürdigkeit verloren haben.
Den Erzählstrang der Gegenwart gab es auch nur, um den Brief zu rechtfertigen. Den Victoria liest diesen Brief in der Gegenwart. Es geht zwar auch um ihre an Alzheimer erkrankte Mutter und ein wenig um ihr Leben aber alles nur sehr knapp und nebenbei. Ich hätte es schöner gefunden, wenn der Erzählstrang um Agnes die Gegenwart gewesen wäre und die Ereignisse des Briefs die Vergangenheit erzählt hätten.
Die Teile mit Agnes haben das Buch für mich ein wenig rausgeboxt. Sie konnten es zwar nicht vollends retten aber so war es für mich zumindest nicht dauerhaft nicht gut. Es hat mir Spaß gemacht, Agnes auf ihrer Suche zu begleiten und zu erleben, wie sie mit den Unwegsamkeiten umgeht und was für Menschen sie trifft. Die Geschichte um Agnes herum, was ihre Zeit im Findelhaus angeht, die Zeit in London und die Reisen danach, sind recht spannend erzählt und da ging das Lesen dann auch ganz schnell. Leider muss ich aber auch hier sagen, dass einiges ein wenig konstruiert wirkte und Agnes öfter mal ein wenig zu stark und draufgängerisch wirkte. Sie war schließlich ein armes Findelkind und keine mutige Schwertkämpferin.
Bei diesem Buch trifft für mich eindeutig zu: Kann man lesen, muss man aber nicht.
Es ist kein Buch um das man einen Bogen machen muss, denn unterhalten hat es mich aber es ist definitiv kein Knaller, den man unbedingt gelesen haben muss.
Rezensionen von yellowdog:
Giganten unter den Denkern
Zeit der Zauberer von Wolfram Eilenberger
Zeit der Zauberer ist ein Buch über deutsche Philosophie in einer entscheidenden Zeit, das mir ausgezeichnet gefällt. Man muss aber ein geeigneter Leser für das Buch sein. Der Philosophie-Spezialist weiß vielleicht schon zu viel, der absolute Laie zu wenig. Beide Extreme können wahrscheinlich wenig mit dem Buch anfangen.
Man sollte also schon wissen, wer die Hauptfiguren dieses Buches waren und welche Bedeutung sie hatten.
Martin Heidegger, Walter Benjamin, Ludwig Wittgenstein und der heutzutage vielleicht etwas weniger bekannte Ernst Cassirer haben die Philosophie des zwanzigsten Jahrhunderts geprägt und alle waren sie besondere Persönlichkeiten, wenn auch sehr verschiedene.
Dadurch, dass das Buch sehr erzählend gehalten ist und kapitelweise immer wieder zwischen den vieren wechselt, dennoch Zusammenhänge erkennen lässt, erhält das Buch eine besondere Spannung. Diese Spannung wird auch nahezu über den gesamten Text aufrechterhalten. Die Entwicklungen der Philosophie-Zauberer werden gut gezeigt, sowohl anhand ihres Lebens als auch den gesellschaftlichen Strömungen der Zeit, die auf ihre philosophischen Werke einwirkt.
Nur selten gab es Passagen, die mich wenig erreichten.
Dafür sind einige Momente so gut ausgeführt, dass sofortiger Lesegewinn entsteht. Dazu gehören z.B. Heideggers und Cassirers Philosophiediskussion beim Gipfeltreffen in Davos, Wittgenstein in Cambridge, Walter Benjamins ständige Finanzprobleme oder Heideggers Affäre mit Hannah Arendt und die Entstehung von Sein und Zeit. Man könnte viele weitere aufzählen.
Wolfram Ellenberger hat ein sehr unterhaltendes, lebhaftes Buch voller Tempo geschrieben, dass sich der Interessierte Leser nicht entgehen lassen sollte.
Rezensionen von B?cher1990:
Susi Schimmel
Susi Schimmel von Leonora Leitl
Das bunt illustrierte Sachbilderbuch „Susi Schimmel. Vom Verfaulen und Vergammeln.“ von Leonora Leitl erschien 2018 im Tyrolia Verlag. Die Hauptfigur Susi Schimmel, ein Gießkannenschimmelpilz, begleitet den Leser durch die Kapitel, in denen von den Aufgaben, den Untergruppen und den bevorzugten Lieblingsspeisen der diversen Schimmelarten erzählt wird.
In einer leicht verständlichen Sprache, mit vielen detaillierten Anmerkungen und farbenfrohen Zeichnungen bringt die Autorin selbst den Kleinsten ein Thema dar, das uns alle betrifft. Interessante Details aus Kultur, Medizin und Geschichte bringen den Leser zum Schmunzeln und klären auf.
Rezensionen von yellowdog:
Wilm! Geef mi dorup noch' Kruiden
Deichfürst von Heike van Hoorn
Heike van Hoorn entwirft ihre Hauptfigur Gertrud Boekhoff, Journalistin für das Rheiderländer Tagblatt, als Original und als Kumpeltyp, sehr sympathisch.
Zweite Hauptfigur ist der Kriminalhauptkommissar Stephan Möllenkamp, der zur Kripo Leer gehört und verheiratet ist.
Beide beschäftigt der Mordfall an einem 80jährigen Mann, der aufgefunden wurde.
Das Opfer hat offenbar auch eine mysteriöse Vergangenheit.
Das detailreich gemachte Cover erwirkt wirklich eine Ostfriesland-Atmosphäre, die sich schnell auch im Text wiederfindet. Dazu gehört zum Beispiel ein Plattdeutsch-Dialekt der Einwohner, oder auch Konflikte zwischen denen die zur Meyer Werft in Papenburg mit deren Ozeanriesen gehören und denen deren Existenz als Krabbenfischer dadurch in Gefahr gerät.
Das finde ich ziemlich glaubwürdig entworfen.
Hinzu kommt ein Handlungsstrang, der im Jahr 1946 und später in den fünfziger und sechziger Jahren angesiedelt ist.
Es scheinen Ereignisse der Gegenwart und der Vergangenheit eine Rolle im Mordfall zu spielen.
Mehr sollte man an dieser Stelle nicht über den Fall verraten.
Der Krimi ist zwar relativ konventionell, aber das muss ja nicht unbedingt negativ sein. Das Buch überzeugt durch Realismus, so ist auch die Teamarbeit zwischen Polizei und der Lokalreporterin nicht gerade einfach. Sie ermitteln nicht wirklich zusammen. Ich könnte mir vorstellen, dass sich bei einer möglichen Fortsetzung in dieser Hinsicht noch mehr ergibt.
Rezensionen von niknak:
Sehr berührende Geschichte über das Schicksal zweier Menschen in Zeiten der Apartheit
Summ, wenn du das Lied nicht kennst von Bianca Marais
Inhalt:
Der 16.6.1976 verändert das Leben zweier Menschen und verbindet sie auf wundersame Art und Weise.
Die neunjährige Robin Conrad wächst behütet in einem Vorort von Johannisburg auf, als an diesem Tag ihre Eltern ermordet werden. Da sie sonst keine Verwandten hat, kommt sie zu ihrer Tante Edith nach Soweto.
Diese weiß allerdings nicht wie sie plötzlich mit einem Kind umgehen soll, da sie selbst keine hat und auch noch als Stewardess arbeitet und viel unterwegs ist.
Beauty Mbali macht sich zur selben Zeit auf die Suche nach ihrer Tochter Nomsa, die an einem Schüleraufstand beteiligt sein soll, der sehr blutig durch die Polizei zerschlagen wird.
Das Schicksal führt Robin und Beauty zusammen und sie entwickeln eine dicke Freundschaft, die es normalerweise unter Weißen und Schwarzen nicht gibt. Trotzdem können sie sich gegenseitig helfen, bis Robin eine fatale Entscheidung trifft.
Mein Kommentar:
Die Autorin Bianca Marais wurde selbst in Südafrika geboren und von einer Schwarzen großgezogen, da ihre Eltern viel arbeiteten. Daher hat sie in diesem Roman auch viele eigene Erfahrungen einbringen können, wodurch die Geschichte richtig glaubhaft und lebendig rüberkam. Sie erzählt die Geschichte aus zwei verschiedenen Perspektiven, was mir sehr gut gefallen hat.
Zum einen wird Robins Perspektive erzählt, die als Weiße wohlbehütet aufwächst und erst langsam lernen muss, dass die Schwarzen auch ganz "normale" Menschen sind und nicht weniger wert sind, als sie selbst. Ihre Entwicklung kann man sehr gut nachvollziehen und leidet dabei auch mit ihr mit. Sie versteht oft nicht die Unterdrückung oder Ungleichbehandlung von Schwarzen, aber auch von Juden und Homosexuellen, da die Autorin alle drei Randgruppen gekonnt ins Buch eingebaut hat.
Zum anderen erfährt man die Geschichte aus Beautys Sicht und ihren Problemen, mit denen die Schwarzen zu dieser Zeit zu kämpfen hatten. Man bekommt die Unterdrückung und Ungleichbehandlung mit und kann ihre Lage sehr gut verstehen. Man leidet richtig mit ihr mit und hofft, dass sich ihre Situation bald verbessert.
Trotz all der vielen schrecklichen Dinge, die in diesem Land passieren, gibt es auch Weiße, die sich für die Rechte der Schwarzen einsetzen und dabei oft sogar ihr Leben riskieren. Dies kam im Buch auch sehr gut rüber, da Beauty einige solcher Menschen kennenlernte, die ihr halfen ihre Tochter Nomsa doch noch lebendig zu finden.
Außerdem ist es der Autorin auch noch gelungen, die Trauerarbeit der Beiden über den Verlust der Eltern, aber auch der verschwundenen Tochter sehr gut rüberzubringen und dem Leser glaubhaft zu machen. Man konnte auch die Verarbeitung der Trauer richtig gut mitverfolgen.
Am Ende deutet Robin an, dass es noch eine Fortsetzung geben könnte, was mir sehr gut gefallen würde, da ich gerne erfahren möchte wie es mit den Protagonisten weitergeht und wie sich ihr Leben weiter entwickelt. Da das Ende relativ offen ist, könnte ich mir so etwas sehr gut vorstellen.
Mein Fazit:
Ein sehr bewegender Roman, der auf die Probleme in Zeiten der Apartheit aufmerksam macht und den Leser nachdenklich zurücklässt. Dabei hoffe ich auf eine Fortsetzung des Romans, um noch mehr darüber zu erfahren.
Ganz liebe Grüße,
Niknak
Rezensionen von yellowdog:
Geschicktes Erzählen zwischen den Zeiten
Eine Liebe, in Gedanken von Kristine Bilkau
Die Klaus-Michael-Kühne Preisträgerin Kristine Bilkau schreibt in ihrem zweitem Roman “Eine Liebe, in Gedanken” über eine gescheiterte Liebe in den sechziger Jahren. Die Hamburger Autorin verfügt über sprachliche Qualitäten, sie schreibt aber auch verhalten. Die Zurückhaltung ihrer Figuren Antonioa und Edgar ist wohl auch einer norddeutschen Mentalität geschuldet.
Jedoch sind sie nicht emotionslos, im Gegenteil. Doch ihre Emotionen verbergen sie, insbesondere Edgar schreckt vor zu viel Intensität zurück, schützt sich mit sprachlich aberwitzigen Briefen und wie im Klappentext bereits angedeutet schließlich auch mit räumlicher Distanz. Er geht nach Hongkong, Antonia bleibt voller Hoffnungen zurück, die sich nie erfüllen.
Ich frage mich, wie der Roman auf den Leser wohl wirken würde, wenn der Klappentext nicht die Handlung vorwegnehmen würde. Ich denke, damm wäre das Leseerlebnis noch stärker.
Ein Merkmal des Romans ist das Zeitportrait. Verhaltensweisen des Paars und der Gesellschaft werden genau gezeigt, fast könnte man sagen entlarvt.
Auffällig ist Antonias Stärke, die sie natürlich nicht vor Verletzungen schützt, aber doch immerhin ermöglicht, dass sie sich ihr eigenes Leben aufbaut. Reflektiert wird das Ganze durch ihre erwachsene Tochter, die nach dem Tod der Mutter dieser vergangenen Liebe nachspürt. Dieser Kunstgriff erlaubt ein geschicktes Erzählen zwischen den Zeiten, das ist deutlich effektiver als ein lineares Erzählen. So entsteht ein Beziehungsroman, der nicht nur ein Liebesroman ist und jegliche Elemente des Kitsches ausschließt.
Rezensionen von Pink Anemone:
Diese Ausgabe ist nicht nur vom Cover her eine Augenweide, sondern auch vom Inhalt. Da zahlt sich ein Re-Read definitiv aus.
Stolz und Vorurteil von Jane Austen
Nicht weniger als fünf Töchter haben die Bennets standesgemäß unter die Haube zu bringen. Kein leichtes Unterfangen für eine Familie auf dem Land, die nur über ein bescheidenes Vermögen verfügt. Ausgerechnet die intelligente Elizabeth, das Lieblingskind des Vaters, erweist sich als besonders schwieriger Fall.
Zum allgemeinen Unverständnis hat sie die Stirn, den Antrag eines wohlsituierten Pfarrers auszuschlagen. Statt dem Drängen der Familie nachzugeben, folgt Elizabeth hartnäckig ihrem eigenen Urteil ...(Klappentext)
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"Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, daß ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau. " (S. 5 - Anfang)
So beginnt Jane Austens Roman "Stolz und Vorurteil" und dieser Satz ist fast so berühmt wie Jane Austen und ihre Romane selbst.
"Stolz und Vorurteil" ist einer ihrer populärsten Romane und somit spare ich mir eine Zusammenfassung des Inhalts.
Es ist ein typischer Entwicklungsroman aus Jane Austens Feder mit viel Liebe zum Detail, der typischen auktorialen Erzählweise mit den bissigen und ironischen Bemerkungen der Erzählerin aus dem "Off" und somit ist es regelrecht erfrischend der Entwicklung der Protagonisten zu folgen.
Fast durchgehend lag mir ein Schmunzeln auf den Lippen, da Jane Austen es wirklich versteht das damalige Sittenbild aufs Korn zu nehmen.
"...<<man kann keine Frau wirklich gebildet nennen, die nicht das übliche Maß weit übertrifft. Eine Frau muss grundlegende Kenntnisse in Musik, Gesang, Zeichnen, Tanzen und moderner Sprache haben, um diese Bezeichnung zu verdienen, und außerdem das gewisse Etwas in Haltung, Gang, Tonfall, Benehmen und Sprechweise besitzen, sonst verdient sie die Bezeichnung nur zur Hälfte.>>" (S. 62)
Jane Austen ein literarisches Sittengemälde zu erschaffen, welches vor Ironie und Sarkasmus nur so strotzt.
Ebenso spitzzüngig werden hier die skurrilsten Personen porträtiert und dem Leser so auf humorvolle Art und Weise näher gebracht. Man liebt sie, man hasst sie, man bemitleidet sie. Durch so manche bissige Beschreibung kann man das Gefühl des genervt seins der Hauptprotagonistin bezüglich mancher Bekannten und Verwandten mehr als deutlich nachempfinden:
"Sir William Lucas und seine Tochter Maria, ein gutmütiges Mädchen, aber ebenso hohlköpfig wie er, wußten nichts zu sagen. was des Zuhörens wert gewesen wäre, und Elizabeth lauschte ihnen mit etwa demselben Vergnügen wie dem Rattern der Räder." (S.242)
Der Roman ist aber ebenso tiefgründig wie amüsant und auch die Romantik kommt hier nicht zu kurz, enthält der Roman doch eine der größten literarischen Liebesgeschichten.
"Stolz und Vorurteil" eignet sich daher hervorragend, um mit den Werken von Jane Austen zu beginnen und hier möchte ich Euch vor allem diese Ausgabe aus dem Penguin-Verlag ans Herz legen.
Inzwischen kann ich 3 Ausgaben von "Stolz und Vorurteil" mein eigen nennen und die Übersetzung von Andrea Ott ist meiner Meinung nach für Jane Austen-Beginner sehr gut geeignet. Jane Austens Schreibstil wurde hier leicht modernisiert und daher verständlicher. Trotzdem gehen hier der erfrischende Esprit und der Humor einer Jane Austen keineswegs verloren.
Zudem enthält diese Ausgabe Anmerkungen, welche einem viele Bezeichnungen oder Geschehnisse verständlicher machen, sowie ein Nachwort der Übersetzerin selbst, welches interessante Einblicke zu dem Roman besteuern.
Falls in der Schule dieser Roman gelesen und besprochen werden soll, dann ist diese Ausgabe auch in dieser Hinsicht ans Herz zu legen.
Fazit:
Ich weiß nicht wie oft ich schon "Stolz und Vorurteil" gelesen habe, aber dieser Roman begeistert mich immer wieder aufs Neue und zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Mittlerweile besitze ich schon drei Ausgaben von "Stolz und Vorurteil" und die vorliegende Ausgabe ist nicht nur vom Cover her eine Augenweide, sondern auch vom Inhalt. Diese eignet sich aufgrund des leicht modernisierten Schreibstils hervorragend, um mit Jane Austens Romanen einzusteigen.
Von mir gibt es daher eine absolute Leseempfehlung und hoffe, dass noch weitere Jane Austen-Romane in diesem "Kleid" im Penguin-Verlag erscheinen werden.
© Pink Anemone
Rezensionen von Flamingo:
origineller Debütroman
Für immer ist die längste Zeit von Abby Fabiaschi
Die Geschichte von „Für immer ist die längste Zeit“ ist schnell erzählt. Mutter Maddy ist tot und beobachtet und lenkt jetzt „von oben“ das Leben ihrer Teenager-Tochter Eve und ihres Mannes Brady. Wie bewältigen sie die Trauer? Den Tod der Mutter? Ist der Tod der Mutter mysteriös? Wie geht es weiter im Leben der Hinterbliebenen? All diese Fragen beantwortet der Roman auf ernste UND humorvolle Weise.
Und ja, das passt zusammen und das schafft die Autorin in alternierenden Ich-Erzählerperspektiven aus der Sicht von Maddy, Brady und Eve.
Zwischendurch verzettelt sich die Autorin immer mal wieder mit Nebenschauplätzen, die die Handlung nicht voran treiben und dann wieder werden Ereignisse oder Situationen ruckizucki abgefrühstückt, so dass manches etwas unrund rüber kommt. Da ist noch Luft nach oben.
Was die Autorin aber wirklich super geschafft hat, ist, die Figuren zum Leben zu erwecken. Haha, no pun intended. Sie hat alle drei Hauptfiguren und auch die Nebenfiguren toll geschrieben. Und einen extra Punkt gibt es für den Epilog. Viele Autoren haben darauf ja keine Lust mehr oder ihnen ging die Luft aus oder was auch immer. Aber nicht so hier, es gibt einen schönen Epilog, der alles zum Ende bringt und der auch noch mal etwas Stoff zum Nachdenken und Diskutieren gibt.
Mir hat der etwas flapsige Erzählstil der Autorin gut gefallen, auch wenn ich manchmal das Gefühl hatte, dass die Übersetzung nicht ganz rund war. Ich würde definitiv wieder etwas von der Autorin lesen, dann aber wohl eher im Original.
Alles in allem ein gelungener Roman, der humorvoll zum Nachdenken anregt und eine schöne Geschichte erzählt. Man nimmt einiges mit nach der Lektüre. Wie gut kann man jemanden kennen können und wie leicht lässt sich eine tiefe Überzeugung erschüttern?
Nicht so gelungen finde ich den deutschen Titel des Romans. Das ist letzthin so eine Seuche, so verquirlte nichtssagende pseudo-philosophische Halbsätze auf den Titel zu klatschen. „I liked my life“ ist völlig in Ordnung mMn und hätte auch im deutschen funktioniert.
Das Cover ist zwar schön, inbesondere da ich völlig auf so Zeugs wie Blumen und Schmetterlinge abfahre, aber es hat nichts, aber auch gar nichts mit dem Buch zu tun. Auch hier ist das Original wieder besser gelungen.











