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Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:

Weckruf gegen die Ökonomisierung sämtlicher Lebensbereiche

Postdemokratie von Colin Crouch

Der Autor versteht unter "Postdemokratie" nicht einfach eine Zeit "nach" der Demokratie, wie man vielleicht meinen könnte. Ähnlich wie wir z.B. in der postindustriellen Gesellschaft nach wie vor von Industrieprodukten umgeben sind, aber die Industrie in einer Dienstleistungsgesellschaft nicht mehr länger den Hauptantriebsfaktor bildet, so sind auch in der Postdemokratie zwar viele formale Bedingungen für Demokratie (Parteien, Wahlen, abwählbare Regierungen, etc.

) noch vorhanden, aber wirtschaftliche Lobbygruppen und ökonomische Prinzipien werden immer mehr zu den eigentlich bestimmenden Faktoren im politischen und gesellschaftlichen Geschehen.

Besonders bedenklich ist diese Entwicklung, wenn sie in Bereichen Platz greift, die auf Solidarität und Chancengleichheit ausgerichtet sind und nicht einfach ohne Qualitätsverlust kommerzialisiert werden können, wie z.B. im Gesundheitswesen oder in der Bildung. Die einseitig auf Effizienz und Quantität orientierte betriebswirtschaftliche Herangehensweise in Bereichen, in denen es vor allem um Qualität geht, stellt eine „Kolonialisierung“ kommunikativ strukturierter Lebenswelten durch ökonomische Prinzipien dar (vgl. Habermas).

Leider wird man dem Autor in dem Befund Recht geben müssen, dass die traditionelle Parteienpolitik inzwischen personell und ideell zu sehr mit der Wirtschaft verflochten ist, als dass sie ihr gegenüber noch ausreichend selbstbewusst auftreten könnte. Einen möglichen Ausweg sieht Crouch in der Aktivierung zivilgesellschaftlicher Gruppen, die entsprechenden Druck bzw. Einfluss auf etablierte Parteien ausüben könnten.

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Rezensionen von gerkenfranziska@gmail.com:

Traurig, lustig und tiefgründig zugleich

Für immer ist die längste Zeit von Abby Fabiaschi

Dieses Buch ist zugleich traurig und witzig. Maddy, Ehefrau und Mutter, nimmt sich das Leben und lässt ihre Familie ohne einen Hinweis auf den Grund zurück. Nun hängt sie zwischen den Welten fest und kann die Menschen beobachten und mit etwas Übung Signale in die Köpfe der anderen senden. Ihr wird schnell klar, ihr Mann braucht eine neue Frau, die sich um ihn und die Tochter kümmert – und sie hat da auch schon jemanden im Blick.

In der Zwischenzeit müssen Brady und Eve sich mit ihrer Trauer und ihren Schuldgefühlen auseinandersetzen.

Die Geschichte wird immer abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Maddy, Brady und Eve erzählt. So bekommt man ganz schnell einen Einblick in die Charaktere und deren Gefühlswelt. Der Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig – die Seiten fliegen nur so dahin und man mag gar nicht aufhören zu lesen. Außerdem ist das Buch mit einer großen Portion Humor ausgestattet, was die Geschichte so wahnsinnig unterhaltsam und gleichzeitig auch aushaltbar macht, ohne dass man ununterbrochen ein Taschentuch in der Hand halten muss.

Es gibt aber natürlich auch soo viele Szenen, die sehr berühren und zum Nachdenken bringen. Die Trauer, die Wut, die Schuldgefühle – aber auch, wie Tochter und Vater versuchen, sich wieder einander anzunähern und ihr Leben irgendwie mit dieser unvorstellbaren Lücke neu zu organisieren.

Fazit: Ein Buch, das zum Lachen und Weinen bringt, das unterhält und mit seiner Aussage nachwirkt. Absolut lesenswert.

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Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:

Sehr gute Einführung in die Welt der "Commons"

Für immer ist die längste Zeit von Abby Fabiaschi

Das Buch bietet eine Sammlung von Beiträgen zu Gemeingütern, die eine breite Palette aufzeigt, wo überall Gemeingüter bzw. Commons im wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Bereich eine Rolle spielen (sollten). Dabei helfen die unterschiedlichen Beiträge, für die vielfältigen Facetten dieses Themas zu sensibilisieren.

Insbesondere der Beitrag von Ulrich Brand ("Das Zusammenwirken von Bewegungen. Commons als kritisch-emanzipatorische Weltsicht und strategische Perspektive") war für mich sehr aufschlussreich.

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Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:

Ausgezeichnete Grundlegung der Commons-Theorie mit vielen Praxisbeispielen

Commons von Heinrich-Böll-Stiftung e.V.; Silke Helfrich

Das Buch präsentiert im ersten Abschnitt "Paradigmenwechsel" eine theoretische Grundlegung der Commons-Idee, wobei hier m.E. die Beiträge von Stefan Meretz (Ubuntu-Philosophie. Die strukturelle Gemeinschaftlichkeit der Commons: 58-65) und Ugo Mattei (Eine kurze Phänomenologie der Commons: 70-78) besondere Erwähnung verdienen.

Einen raschen Überblick gewinnt man, wenn man sich den anschaulichen Vergleich zwischen der herkömmlichen kapitalistischen Gewinn-Logik und der Commons-Logik im Beitrag von Silke Helfrich ansieht (Das "Betriebssystem" der Commons: 66-69).

Das Buch bietet weiters eine Fülle von Praxisbeispielen, sodass einem beim Lesen immer mehr die Augen dafür geöffnet werden, was alles möglich sein könnte.
Das Buch kann übrigens - wie könnte es bei Commons anders sein - auf der Website der Heinrich-Böll-Stiftung bzw. hier auf tyrolia kostenlos heruntergeladen werden.

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Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:

Sachlich und gut verständlich

Soziologie des Wohlfahrtstaates von Carsten G. Ullrich

Der Autor legt in seinem Buch eine wohltuend sachliche und gut verständliche Einführung in verschiedene Aspekte des Wohlfahrtsstaates vor wie z.B. soziale Sicherheit, Armut und soziale Ungleichheit. Obwohl die Studie sich vor allem auf deutsche Verhältnisse bezieht, wird in der Regel auch der internationale Vergleich herangezogen, um Unterschiede in den einzelnen Wohlfahrtsstaatstypen zu untersuchen.

Besonders erwähnenswert sind Verständnisfragen und kommentierte Literaturangaben am Ende jeden Kapitels sowie ein Begriffsglossar am Ende des Buches.

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Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:

Gut gemeint, aber schießt über das Ziel hinaus

Gemeinwohl-Ökonomie von Christian Felber

Felber vertritt in seinem Buch zur Gemeinwohlökonomie die These, dass grundlegende menschliche Werte - wie etwa Solidarität, Kooperation und Teilen -, die wir im normalen Umgang miteinander und in der Gesellschaft insgesamt wertschätzen, auch im Bereich der Wirtschaft gelten sollten.

So wichtig dieses Anliegen ist, so hätte man sich doch einige Präzisierungen gewünscht, ganz zu schweigen von der schwierigen, um nicht zu sagen aussichtslosen Umsetzung seiner Ideen.

Was die Präzisierungen betrifft: Man ist doch einigermaßen überrascht, dass für Felber "Wirtschaft" per se als Konkurrenzunternehmen angesehen wird, in der es nur darum geht, sich gegenseitig gleichsam "fertig zu machen". Gilt dies auch für jeden Handwerker, jeden Ortsbäcker, jeden Landwirt? "Wirtschaft" gerät in Felbers Buch zur Chiffre für ein rein egoistisches Gewinnstreben - eine differenziertere Sichtweise wäre hier sicher von Vorteil gewesen.

Eine weitere Schwierigkeit, die im Buch aber kaum thematisiert wird, ist die Frage der konkreten Umsetzung im Rahmen einer globalisierten Ökonomie. Der Vorschlag, Schutzzölle für jene Gebiete einzurichten, in denen bereits nach der Gemeinwohlökonomie gewirtschaftet wird, mutet jedenfalls ziemlich anachronistisch an.

Obwohl manche Ideen im Buch durchaus überlegenswert erscheinen, ist der z.T. radikale Duktus mancher Formulierungen wenig geeignet, bestehende Gräben zu überwinden bzw. um Verständnis für die eigene Position zu werben.

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Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:

Sehr gute Einführung in das Denken Camus'

Camus von Iris Radisch

Die von Iris Radisch vorgelegte Biographie ist nicht nur gründlich recherchiert, sondern sie bietet auch einen vorzüglichen Zugang, um Camus' Denken zu verstehen. Zu Recht betont die Autorin, dass sich Leben und Denken bei Camus nicht trennen lässt. Gerade der biographische Hintergrund macht erst vieles von dem, was Camus gedacht bzw.

geschrieben hat, wirklich verständlich.

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Rezensionen von begine:

Weiterleben

Camus von Iris Radisch

Abby Fabiaschis Roman „Für immer ist die längste Zeit“hat ein trauriges Thema, bringt aber auch viel Freude. Er ist auf eine etwas andere Art geschrieben.
Maddy ist vom Dach gestürzt und beobachtet und ersucht ihren Mann Brady und die knapp 17jährige Tochter Eve zu beeinflussen. Sogar eine Frau und Mutter will sie in Sorge um sie ausgesuchen.

Das ist zwar Fiktion, aber ein schöner Gedanke. Abwechselnd erfahren wir von den jeweiligen Empfindungen und Aktionen.
Die Autorin lässt ihre Personen emotionell reagieren. Brady und Eve geben sich die Schuld an Maddys Tod. Vater und Tochter müssen lernen ohne sie ein miteinander zu leben.
Der Roman besteht aus Trauer und Verlust und dann um einen Neubeginn, ein Vorher und ein Nachher. Das Cover ist freundlich gestaltet, ein Frühlingsbild. Abby Faschiani schreibt flüssig, leicht und mit Gefühl und Humor. Der Roman ist ruhig und realistisch. Ich war von dieser Geschichte gefesselt und habe sie genossen.

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Rezensionen von yellowdog:

Zwischen kunstvoll und künstlich gestrandet

Ein Geständnis von Thekla Chabbi

Thekla Chabbi dürfte den meisten Lesern durch ihre Zusammenarbeit mit Martin Walser (Ein sterbender Mann) ein Begriff sein. Auf dessen hohen literarischen Niveau bewegt sie sich dann aber doch nicht. Immerhin hat sie einen eigenen Ton und nutzt eine zeitlich verschachtelte Erzählweise mit kafkaesken Einschlag.

Die Protagonistin Amelie sitzt im Gefängnis, der Grund ist zunächst unklar. Sie wird regelmäßig von einem alten Herrn Blum besucht, der sie seelsorgerisch betreut. Ihre Gespräche wirken leicht rätselhaft auf den Leser. Dann gibt es die Rückblenden, aus denen sich die Zusammenhänge langsam mit Fortschreiten des Romans ergeben.
Amelie Frank war als Wirtschaft-Rechtsanwältin unzufrieden, eigentlich wollte sie kündigen.
Hinzu belastete sie die Trennung ihrer Eltern, die in eine Art Rosenkrieg ausartete.
Es ist auch sehr gut der Fahrradunfall herausgearbeitet, der für Amelie eine Art Erweckungsmoment einleitet. Das mündet in einem Interesse für Astrologie und der Begegnung mit dem suspekt wirkenden Mario. Eine unheilvolle Beziehung beginnt, die schnell in einer Enttäuschung endet.

Ich habe so meine Probleme mit den verhaltenen Dialogen, die möglicherweise in einer höhergestellten Gesellschaftsschicht gesprochen werden. Mir ist diese Sprache unbekannt und letztlich nicht ganz glaubwürdig. Walser Kunstsprache ist da im Vergleich kunstvoller.
Das verhindert natürlich nicht, dass man sich als Leser dafür interessiert, wie Amelie in ihre prekäre Situation geraten ist, die sich in Melancholie und innere Krise ausdrückt.
Ich begrüße auch ausdrücklich den psychologischen Ansatz um den Plot zu gestalten. Das Buch ist lesenswert!

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Rezensionen von Gaby 2707:

Ein erschreckender Blick zurück

Strandmord von Katharina Peters

Ruth Kranold, eine Ex-Polizistin aus Greifswald, muss bei diesem Schietwetter sehr langsam fahren. Nur so wird sie auf eine besinnungslose junge Frau aufmerksam, die am Straßenrand in einem Gebüsch liegt. Die junge Ina ist brutal zusammengeschlagen und grausamst verletzt worden. Ruth nimmt die junge Frau, die ich ganz zu Anfang der Geschichte kennenlerne, mit zu sich nachhause und päppelt sie auf.

Ein paar Tage später wird an einem Strand zwischen Glowe und Juliusruh auf Rügen eine schrecklich zugerichtete, erfrorene, nackte Frau gefunden. Die Tote, die 35-jährige Pharmareferentin Karola Thiel, bereitet Kommissarin Romy Baccare sehr unschöne Erinnerungen. Vor ca. 15 Jahren hat Romy so etwas schon mal gesehen – in München, ganz zu Beginn ihrer Kripozeit. Der damalige Täter wurde vor einem Jahr entlassen. Schlägt er jetzt hier im Norden wieder zu?

Da ich bei den ersten 6 Fällen schon mit Romy Baccare die Täter gesucht habe, ist es schön, wieder einmal auf Rügen zu sein und alte Bekannte aus den Kommissariaten in Bergen und Stralsund zu treffen. Wie auch die ersten Fälle, ist dieser abgeschlossen und kann, auch dank dem zum Schluss aufgeführten Verzeichnis der Ermittler, gut von Neueinsteigern gelesen werden.

Der Kriminalfall scheint recht eindeutig und präsentiert nacheinander eine Menge Verdächtige. Alibis werden überprüft, Verdächtige verhört, die Spannung steigt von Seite zu Seite. Aber obwohl die Kommissare in Bergen und Stralsund unter Hochdruck ermitteln, tappen sie lange Zeit im Dunkeln. Ich bin immer mittendrin, kann den Ermittlungen und den Gedanken der Ermittler sehr gut folgen. Aber die eigentlichen Zusammenhänge habe ich auch erst kurz vor Schluss durchblickt. Mich hat die Auflösung des Falles ziemlich schockiert und mitgenommen.
Nicht so gut gefallen hat mir, dass Romy diesmal persönlich viel zu nah an diesem Fall dran war und um ihr Leben fürchten musste. Ich würde mir wünschen, dass sie sich endlich einmal richtig von ihren schlimmen Erfahrungen erholen kann. Fälle, in denen die Ermittler nicht selbst involviert sind, lese ich einfach lieber.

Die meisten der Ermittler kenne ich ja schon länger. Da Kasper Schneider, der Lieblingskollege von Romy, nun im ersehnten Ruhestand ist, nur hier und da als Berater zu den Fällen hinzugezogen wird, und noch kein neuer Kollege da ist, nimmt seine Stelle z.Zt. der 30-jährige Polizeiobermeister Bernd Kasch ein. Unauffällig, still und nachdenklich macht er seine Arbeit, was Romys Urteil über ihn mit der Zeit revidiert. Mir gefällt Paschs Arbeitsweise sehr gut und ich würde mich freuen, wenn er weiter ein Teil des Teams bleiben würde.
Dieser Fall hält eine Menge unterschiedlicher Charaktäre aus den unterschiedlichsten Schichten bereit. Alle gut ausgearbeitet, farbig mit ihren Eigenarten skizziert und für mich gut vorstellbar dargestellt.

Aber auch die Insel Rügen bekommt mit ihrer winterlichen Schönheit, die hier gut vorstellbar gezeichnet wird, ihren Raum. Da ich erst im vergangenen Jahr dort war, habe ich einige Orte noch bildlich vor Augen. Absolut eine Reise wert.

Auch der 7. Fall für Rommy Baccare und ihren Freund und Partner Jan Riechter hat mich wieder fasziniert und sehr gut unterhalten. Ich hoffe bald wieder zu einem neuen Fall auf die Insel Rügen kommen zu dürfen.

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