Kunden em pfehlungen
Rezensionen von begine:
Familie
Anaïs Barbeau-Lavalette geht nach dem Tod ihrer Großmutter Suzanne auf die Suche ihrer Wurzeln. Die Beziehung ihrer Mutter und Großmutter ist schon vor Anais Geburt zerschnitten, so hat sie sie nie richtig kennengelernt. Die Mutter Manon leidet unter der Zurückweisung.
Suzanne Meloche ist eine kanadische Künstlerin und Dichterin, sie wird 1926 geboren und stirbt 2009 in Ottawa.
Sie findet Quebeck die Automatismus Gruppe,
Sie heiratet Marcel Barrbeau, bekommt 2 Kinder, sie scheint sie zu lieben, plötzlich gibt sie sie weg und trennt sich von Marcel. Suzanne ist rätselhaft, aber das haben ihre Kinder und die Enkeltochter ja am eigenen Leib erfahren.
Anais zeichnet ein interessantes liebevolles Porträt ihrer Großmutter. Sie hat einen guten Schreibstil und kann mich mit der Geschichte fesseln.
Rezensionen von manu63:
Opulent und weitschweifig
Quendel (Quendel, Bd. 1) von Caroline Ronnefeldt
Quendel ist ein Fantasyroman der Autorin Caroline Ronnefeldt und sie nimmt die Leser mit zu den Quendel. Ein Volk das mich beim lesen stark an die Hobbits erinnerte und das am Rande des Waldes Finster lebt. Finster wird von den Quendel nicht betreten da man von dort nicht zurückkehrt. Als der Kartograph Bullrich Schattenbart beschließt die weißen Flecken auf seiner Karte zu schließen beginnt das Abenteuer.
Nicht nur Bullrich Schattenbart gerät in Gefahr, auch seine Nachbarn die ihn suchen gehen.
Der Schreibstil der Autorin ist weitschweifig und blumig, die Geschichte geht langsam voran und vieles wird ausführlich geschildert. Nichts für Leser die eine straffere Handlungsfolge bevorzugen. Für diese ist der eher gemächliche Fortgang quälend zu lesen. Wer sich, wie ich selber auch, auf eine märchenhafte Welt mit kleinen netten Wesen einlässt bekommt Unterhaltung auf hohem Niveau, das dem Erbe Tolkiens folgt. Wer Bücher wie Der kleine Hobbit mag wird mit Quendel nichts falsch machen. Leider endet die Geschichte offen und ruft nach einer Fortsetzung, darüber ist aber noch keine Information zu finden. So hoffe ich das es in der Zukunft mit den Quendel weiter geht und würde mich dann auch wieder in diese märchenhafte Welt entführen lassen.
Rezensionen von manu63:
Save me
Save Me von Mona Kasten
Save me ist der erste Band der Maxton Hall Reihe der Autorin Mona Kasten. Ruby Bell hat das begehrte Stipendium an einer der renommiertesten und teuersten Privatschulen Englands erhalten und folgt nun zielstrebig ihren Weg einen Studienplatz in Oxford zu bekommen. Dabei möchte sie möglichst unsichtbar bleiben.
Doch dann sieht Ruby etwas, das den Ruf der Familie Beaufort ruinieren könnte und ab da gerät sie in den Fokus von James Beaufort der bisher nur an Partys und Vergnügen gedacht hat.
Anfangs folgt die Geschichte dem bekannten Schema, junges strebsames Mädchen aus einfachen Verhältnissen begegnet dem Bad Boy der Schule und erregt seine Aufmerksamkeit, dabei geht einiges unrund und als Leser glaubt man zu wissen das am Ende alles gut wird. So nicht hier, die Autorin bringt unerwartete Wendungen in die Geschichte, die alles immer wieder drehen und neue Perspektiven eröffnen. Die Geschichte wird aus der Sicht von Ruby und James erzählt und die Wechsel der Perspektiven sind gut markiert. Durch die unterschiedlichen Einblicke in die Gedankenwelt der Protagonisten hat man als Leser einen Wissensvorsprung und gute Einblicke in die Ursprünge der jeweiligen Handlungen. An einigen Stellen hätte ich der Autorin gerne zugerufen „ja, ich weiß das Ruby unbedingt nach Oxford möchte“. Das wurde mir einfach zu oft und breit ausgewalzt, das war für mich jedoch der einzige Schwachpunkt der Geschichte.
Für mich ein guter Auftakt einer Trilogie die alles vereint was eine gute Liebesgeschichte für mich ausmacht. Dabei wartet sie mit einigen Überraschungen auf und die Charaktere werden im Laufe der Geschichte immer lebendiger. Auch die Nebenrollen werden gut angelegt. Freunde und Familie geben den jeweiligen Protagonisten das passende Umfeld.
Rezensionen von niknak:
Drei Frauen ermitteln in einem Mordfall
Yasemins Kiosk von Christiane Antons
Inhalt:
Die drei Freundinnen Yasemin, Nina und Doro haben es nicht leicht, da alle ihre eigenen Probleme haben. Doro hat seit 15 Jahren ihre Wohnung nicht mehr verlassen, Nina wurde als Polizistin suspendiert und Yasemin wird von einem Stalker verfolgt. Als nun auch noch eine Leiche im Container vor Yasemins Kiosk gefunden wird, und die Polizei an Selbstmord glaubt, sehen die drei nur einen Ausweg: Sie müssen auf eigene Faust ermitteln und den Täter suchen.
Mein Kommentar:
Dies ist das Debüt der Autorin Christiane Antons und sie hat dabei einen kurzweiligen und unterhaltsamen Krimi geschaffen.
Die Autorin hat einen tollen und flüssigen Schreibstil, sodass sich das Buch sehr leicht und schnell lesen lässt.
Die drei Frauen sind sehr liebenswürdig und haben alle einen ganz eigenen Charakter. Dabei ergänzen sie sich aber sehr gut und jede hat ihre eigenen Fähigkeiten, um den Fall zu lösen.
Doro verlässt zwar nie das Haus, dafür sind ihre Fähigkeiten am Computer aber sehr beeindruckend, wenn auch nicht immer legal. Yasemin ist die Jüngste im Bunde und durch ihren jugendlichen Leichtsinn muss man oft Lachen. Sie hat lockere Sprüche auf Lager und nimmt das Leben nicht immer so ernst. Auch Nina hat ihre Eigenheiten: So hat sie Probleme im Umgang mit Männern, was auch zu humorvollen Szenen führt. Leider erfährt man als Leser nicht allzu viel über die Hintergründe.
Trotzdem sind alle drei sehr genau beschrieben und man schließt sie alle drei als Leser sehr schnell ins Herz. Die Autorin hat dabei alle drei sehr gut und genau ausgearbeitet.
Leider kommt die Spannung teilweise fast zu kurz, da mehr vom liebevollen und toughen Frauentrio beschrieben ist, als vom Krimi selbst.
Dennoch möchte ich gerne eine Fortsetzung lesen, um zu wissen wie es mit den Frauen weitergeht und wie sie ihre Probleme hoffentlich in den Griff bekommen. Das Buch bietet hierfür genügend Potential, um als Reihe zu erscheinen, auch da das Ende offene Punkte beinhaltet. Zwar wird die Leiche und der Täter aufgeklärt, dennoch werden nicht alle Fragen des Lesers rund um das Trio beantwortet.
Mein Fazit:
Ein humorvoller Krimi, der für kurzweilige und unterhaltsame Lesestunden sorgt und auf einen Nachfolger hoffen lässt.
Ganz liebe Grüße,
Niknak
Rezensionen von yellowdog:
Lesefest
Die Büglerin von Heinrich Steinfest
Die Büglerin ist ein ungewöhnlicher, detailreicher Roman, was man bei einem Autor wie Heinrich Steinfest erwarten kann.
Er erzählt die Lebensgeschichte von Tonia Schreiber. Auf einem Segelboot geboren, in Wien aufgewachsen, später in Hamburg und Wien. Sie war eine wohlhabende Meeresbiologin, die nach einem schweren Schicksalsschlag, für den sie sich die Schuld gibt, zurückzieht, sich zur Sühne von ihrem Reichtum trennt und als Haushälterin und Büglerin arbeitet.
Warum als Büglerin? Das kann man nicht hinterfragen, letztlich einer von vielen originellen Einfällen des Autors. Dabei trifft Tonia in ihren Kunden reichlich schräge Typen.
Manchmal wünscht man sich, Steinfest würde erzählerischer schreiben, viele Passagen, besonders am Anfang, wirken wie ein Bericht mit vielen Details. Dadurch entsteht zunächst eine gewisse Distanz zur unnahbaren Hauptfigur. Das verliert sich später zum Glück, als sie Karl Dyballa kennenlernt, mit dem sie sich anfreundet Doch das tragische Ereignisse der Vergangenheit lässt sie auch nach Jahren nicht los. Zum Ende hin wird es dramatisch, als Tonia auf die Spur der vergangenen Ereignisse gerät und schließlich Dyballas Tochter verschwindet
Ein erstaunliches Buch, sehr lesenswert, fast schon ein Lesefest!
Rezensionen von niknak:
Spannende Liebesgeschichte
Close to you von Isabell May
Inhalt:
Violet Darcy ist auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit. Seit zwei Jahren steht ihr Leben komplett Kopf, sodass sie beschließt ihre Familie und ihren besten Freund in Florida hinter sich zu lassen und in Maine neu zu beginnen. Auf den Weg nach Maine lernt die junge Frau Aiden kennen. Aiden ist ein sehr verschlossener Mensch, der auf den ersten Blick äußerst distanziert und unsympathisch wirkt.
Die zwei können sich nicht leiden, oder etwa doch?
Kommentar:
Das Buch ist in der Ich-Perspektive von Violet geschrieben. Dadurch bekommt man eine ziemlich einseitige Blickweise auf das Buch. Ich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Die Autorin hat einen lockeren und spannenden Schreibstil.
Die Inhaltsangabe dieses Buches hat mich sehr neugierig gemacht. Der Bastei Lübbe Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, sodass ich das Buch lesen konnte. Vielen Dank dafür.
Violet Darcy ist am Anfang ein sehr schüchternes Mädchen, das bei Körperkontakt schnell in Panik ausbricht. Später fühlt sie sich sicher in Maine und zeigt dadurch eine total andere Persönlichkeit. Im Laufe des Buches erfährt man die Hintergründe, wieso sie so geworden ist und wieso sie unbedingt aus Florida wegmusste.
Backen ist für Violet das Größte. Dadurch bekommt sie ihren Kopf frei und kann einfach mal entspannen. Sie hat nur einen Koffer aus Florida mitgebracht, aber ihr Backzeug durfte in ihrem Gepäck nicht fehlen. Ich kann Violet in dieser Hinsicht sehr gut verstehen und mich super in sie hineinversetzen. Backen ist auch meine Leidenschaft und durch die gleichbleibenden, monotonen Bewegungen kann ich mich super entspannen. Durch ihr Hobby ist mir Violet gleich viel sympathischer vorgekommen.
Aiden Morrison hat einen sehr distanzierten und kühlen Charakter und er neigt leicht zu Wutausbrüchen. Trotzdem war er mir auf Anhieb sympathisch. Ziemlich am Ende des Buches erfährt man wodurch Aiden so geworden ist, wie er nun ist.
Aiden hat immer einen kleinen, schwarzen Lederkoffer bei sich. Ich war sehr überrascht, als ich erfuhr was sich in diesem Koffer befindet. Dies möchte ich jedoch nicht verraten, da sonst Spannung verloren gehen würde.
Beide Hauptcharaktere haben mit großen, ernstzunehmenden Problemen zu kämpfen, die sehr unterschiedlich sind. Beiden fehlt jedoch die positive Unterstützung seitens der Eltern bzw. einer Bezugsperson.
Es gibt einige Nebencharaktere die den gesamten Plot abrunden. Sie spielen einen wichtigen Teil in der Geschichte, denn ohne einige Charaktere wäre die Geschichte unvollständig und es würde etwas fehlen.
Mein Fazit:
Wer keine seichte Liebesgeschichte sucht, ist bei diesem Buch genau richtig. Die Protagonisten erleben ihre Höhen und Tiefen und ziehen dadurch den Leser in ihren Bann.
Ganz liebe Grüße,
Niknak
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine aufwühlende Familengeschichte
Close to you von Isabell May
Mit dieser Familiengeschichte, die sie von 1919 bis in die 1970er Jahre erstreckt ist Tim Tichatzki ein aufwühlendes Debüt gelungen.
Er zeichnet den Weg zweier Jugendfreunde, Willi und Maxim, nach, die sich weit auseinander entwickeln: Willi, ist Mitglied der mennonistischen Glaubensgemeinsachft, die der Gewalt abschwören und Maxim, der im nachrevolutionären Russland, zum gefürchteten Schlächter wird.
Sie werden sich Jahrzehnte und viele Tote später in einem Arbeitslager wiederbegegnen.
Meine Meinung:
Obwohl als „Historischer Roman“ deklariert, steht gleich auf dem Cover „nach einer wahren Geschichte“. So weiß der Leser gleich, woran er ist. Worauf vermutlich die wenigsten gefasst sind, ist die Brutalität mit der das ehemalige Zarenreich in einen modernen (?) Staat umgewandelt werden soll. Zuerst Lenin, dann Stalin – die beiden wollen aus dem rückständigen Bauernstaat eine floriernde Industrienation machen, koste es was es wolle. In diesem Fall: Millionen von Menschenleben. Bauern, die zwangsweise in Kolchosen umgesiedelt werden und dort unter unmenschlichen Bedingungen und unfähigen, aber brutalen Aufsehern Getreide „erzeugen“ sollen. Familien werden auseinander gerissen, echte oder vemeintliche Regimegegner verhaftet, verschleppt und ermordet.
In diesen geschichtlichen Kontext spielt sich das Leben der Mennoniten der Ukraine, die lange als Kornkammer Russlands bezeichnet wurde, ab. Die Menschen sind willkürlichen Repressalien und Gewaltorgien ausgesetzt, die Ausübung der Religion wird wie überall in der Sowjetunion verboten.
Kaum keimt ein wenig Hoffnung auf, wie zum Bespiel der Einmarsch der Deutschen in Russland, wird diese sofort wieder zunichte gemacht. Zwar wird die Familie Bergen Richtung Westen bis Thüringen, evakuiert, das dann nach dem Zweiten Weltkrieg als russiche Zone nach der Teilung Deutschlands unter sowjetischen Einfluss steht. Dann gerät die Familie zwischen die Mühlsteine der Politik und wird als „Deutsche“ in ein Arbeitslager nach Sibirien verfrachtet. Erst in den 1970er gelingt es den Mitgliedern der Familie Bergen, die auch die Familie des Autors ist, die Ausreise nach Deutschland.
Ohne jegliches Pathos blickt Tim Tichatzki auf eine der dunkelsten und blutigen Jahrzehnte der Geschichte zurück. Mit bewegenden Worten und ohne Effekthascherei wird das Grauen, das Stalins Schergen verübt haben, dargstellt. Als historisch interessierte Leserin sind mir die Gräueltaten des Sowjetregimes in großen Zügen bekannt. In der detaillierten Darstellung habe ich sie jedoch noch nicht betrachtet. Lenin, Stalin, Blochin, Jeschow oder Beria sind für mich keine Unbekannten. Auch Fünf-Jahres-Pläne, die Säuberungen im „Großen Terror“ und die Millionen (Hunger)Toten durch völlige Fehlplanung und Verrohung der Machthaber sind mir geläufig.
Auf Grund der riesigen Zahl an Opfern ist es schwer, sich dem Einzelnen zu nähern. Dies gelingt mit diesem Roman in eindrucksvoller Weise. Die Personen sind authentisch dargestellt. Hin und wieder habe ich das Gefühl gehabt, den einen oder anderen „beuteln“ zu müssen, weil mir die friedvolle an Naivität grenzende Haltung der Gemeindemitglieder ein wenig zugesetzt hat. Doch dies ist natürlich dem Wissen von heute geschuldet. In der aktuellen Situation und in ihrem beinahe unerschütterlichen Glauben an das Gute im Menschen, konnten die Mitglieder dieser mennonitsche Gemeinde nicht anders handeln.
Fazit:
Ein Buch, das eine noch viel zuwenig aufgearbeitete dunkle Phase der europäischen Geschichte behandelt. Allerdings ist das Buch nichts für zartbesaitete Gemüter. Gerne gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Hexen - gibt's die`?
Die Hexe von Norderney von Christian Hardinghaus
Carsten Kummer, seines Zeichens Kriminalhauptkommissar in Bremen, wird von seiner Ex-Geliebten Gesa, nach langen Jahren des Schweigens um Hilfe gebeten. Ihre gemeinsame Tochter Merle wurde tot aufgefunden und Gesa glaubt nicht an einen Selbstmord. Kummer, der von der Existenz (s)einer Tochter bislang keine Ahnung hatte, reist nach Norderney, um Erkundigungen einzuholen.
Blöderweise kann er sich der erotischen Ausstrahlung Gesas wieder nicht entziehen.
Der ermittelnde Beamte Gerd Rickmer glaubt nicht an Gesas Theorien bis eine weitere junge Frau ermordet aufgefunden wird. Henrieta ist rothaarig wie Gesa und Merle …
Nun ist, wie man so schön sagt, die Kacke am Dampfen, weil es auch die eine oder andere Unaufmerksamkeit während der Ermittlungen gibt. Dem Inselsheriff Ingo Ahlers gelingt es immer wieder die Recherchen zu sabotieren. Haben er oder sein Sohn Hauke mit den Morden zu tun?
Und was ist mit Marcel Kramer, dem sonderbaren Einsiedler und Archivar, der im verfallenen Leuchtturm wohnt?
Über diesen gegenwärtigen Toten schwebt, wie eine dunkle Wolke, die Lebensgeschichte von Dortje Freding, jener rothaarigen Frau, die als Hexe verurteilt, sich 1544 mit einem gewagten Sprung ins offene Meer, dem Feuertod auf dem Scheiterhaufen entzog.
Meine Meinung:
Der Prolog mit seiner historischen Handlung lässt auf einen komplexen Krimi/Thriller schließen. Die Leser werden hier nicht enttäuscht.
Christian Hardingshaus ist Meister (das passt gut zu den Hexen) der hintergründigen Spannungsliteratur. Nichts ist wie es scheint.
Die verzeifelte, unverstandene Mutter Gesa manipuliert genauso wie der psychopathisch wirkende Dorfsheriff Ingo Ahlers. Dazwischen scheinen Gerd Rickmer und sein Team leicht überfordert. Carsten Kummer, Merles Vater, ist emotional aufgeladen und sollte eigentlich gar nicht ermitteln, denn seine Alleingänge verschlimmern die verworrene Situation nur noch mehr. Doch Rickmer braucht jeden Mann und so steigt die Spannung von Seite zu Seite. Gekonnt führt uns der Autor in die Irre. Er legt heiße Spuren, die dann recht bald erkalten. Der Showdown hat es in sich.
Der schreibstil ist wie gewohnt flüssig und fesselt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite.
Durch die genaue Beschreibung der Örtlichkeiten lässt sich die Insel beinahe ohne echte Ortskenntnis durchwandern. Ich konnte förmlich die Wellen rauschen hören und das Salz auf meinen Lippen spüren.
Die Charaktere haben Ecken und Kanten. Besonders die Ermittler sind nicht fehlerlos. Sie wirken mitunter ein wenig überfordert, manchmal ist die Hierarchie nicht ganz klar und so kann sich Chemiker Balthasar Bärlein ein wenig über Gebühr in Szene setzen. Fans von Christian Hardinghaus kennen Bärlein bereits aus „Schlemihls Schatten“. Dort hat er mit seinem aufdringlichen Körpergeruch für Atemlosigkeit gesorgt, hier geht er den Leuten mit seinem überbordenden Deodorantverbrauch auf die Nerven. Ob es im nächsten Fall gelingt, Bärleins olfaktorische Beleidigungen für seine Umgebung, in Zaum zu halten?
Ja, es wird einen bzw. hoffentlich mehrere neue Fälle geben, denn die Figur Carsten Kummer ist als Serienheld ausgelegt. Naja, vielleicht nicht als „Held“ im herkömmlichen Sinn, aber als Ermittler, der sein Schicksalpäckchen mit Bravour schleppt.
Fazit:
Ein fesselnder Serienauftakt, dem ich sehr gerne 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung gebe.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Funkenfeuer - ein schöner alter Brauch
Funkenfeuer von Martin Mucha
„Funkenfeuer“ ist ein alter, schwäbisch-alemannischer Feuerbrauch, der noch heute in Vorarlberg, der Schweiz, Liechtenstein und anderen Gebieten mit schwäbisch-alemannischer Bevölkerung gepflegt wird. Er findet am ersten Sonntag nach dem Aschermittwoch statt. Höhepunkt ist das Verbrennen der „Funkenhexe“.
Der Vorarlberger Funkenbrauch wurde 2010 in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.
Rund um diesen alten Brauch ist der Krimi von Martin Mucha angesiedelt.
Revierinspektor Hubert Schmiedle, von allen noch mit dem alten
Gendarmeriedienstgrad „Wachtmeister“ betitelt, hütet allein, aber dienstbeflissen, die Polizeiinspektion in einem fiktiven Dorf im Ländle. Es ist wenige Tage vor dem „Funkensonntag“. Da es zu einem beliebten Volkssport gehört, den „Funken“ der Nachbargemeinde zu stehlen oder zu zerstören, ist Schmiedles Aufmerksamkeit auf den eigenen „Funken“ fokussiert.
Da platzt die Nachricht, dass die junge, zugewanderte Lehrerin verschwunden ist, in seine Beschaulichkeit.
Schmiedle beginnt sich umzuhören. Bald ist klar, dass der Bürgermeister ein handfestes Motiv hätte, die Lehrerin verschwinden zu lassen: Sie hat ihn wegen sexueller Belästigung verklagt.
Doch wie dem geschäftigen Bürgermeister, der durch geschickte Manöver die meisten Dorfbewohner auf seiner Seite hat, beikommen?
Und außerdem den Funken nicht aus den Augen lassen?
Schmiedle, ein wortkarger, aber gewitzter Beamter, ist ein guter Zuhörer und so horcht er auf dem Dorfplatz, im Wirtshaus und vor allem seiner Ehefrau zu, wenn der neueste Dorfklatsch erzählt wird.
Wird die Lehrerin unversehrt wiederauftauchen? Und wird das Funkenfeuer ohne Zwischenfälle ablaufen?
Meine Meinung:
Martin Mucha hat hier einen großartigen Krimi geschrieben. Er beschreibt die Leute wirklich toll. (Ich habe mehrere Monate in Vorarlberg gearbeitet. Ja, genau solche Typen sind mir untergekommen!)
Hubert arbeitet bedächtig. Jede Hast und Hektik liegen ihm fern. Er kennt sein Dorf in und auswendig. Er liebt gutes Essen (auch in der Fastenzeit) und auch im Dienst hin und wieder ein Schnäpsle.
Herrlich auch die im breiten Dialekt geschriebenen Dialoge. Wegen der Mundart ist das Buch jetzt nicht unbedingt für jedermann leicht zu lesen. Leser mit alemannischen Wurzeln werden sich bestimmt sehr amüsieren.
Die Krimihandlung tritt zugunsten des Lokalkolorits zurück. Wir lernen eine Reihe von exquisiten hochprozentigen Obstsorten kennen und unternehmen einen Streifzug durch die Vorarlberger Küche. Mir ist beim Lesen über Vorarlberger Bergkäse, Kasspatzln und Ri(e)bel das Wasser im Mund zusammengelaufen. Witzig ist, dass Schmiedle zum Chinesen geht, wenn er ein goldbraunes SchniPo = Wiener Schnitzel mit Pommes Frittes essen möchte.
Eine besondere Freude hat mir das bejahrte Damenkränzchen bereitet. Ich kann sie mir wirklich gut vorstellen, die alten Damen, die auf die klingenden Namen Agathe, Crescencia (90 plus) und Walpurga hören.
Eine meiner Lieblingsstellen:
„Doch die Mauer des adoleszenten Selbstvertrauens, das sich aus Arroganz und Testosteron speiste, bröckelte.“ (S.78)
Hier eine Kostprobe des Dialekts, wobei das wichtigste Wort gut erkennbar ist:
„Moll ja, un mir sön sega, supr, dass du Bolizischt bisch, wal dia andara sin A….«
Autor Martin Michael Mucha, 1976 in Graz geboren, lebt als verheirateter Familienvater in Wien. Seine Jugend verbrachte er allerdings in einem Dorf im Vorarlberger Walgau.
Fazit:
Ein etwas anderer Krimi, aber die Vorarlberger sind ja auch anders als die Innerösterreicher. Gerne gebe ich 5 Sterne und hoffe auf eine Fortsetzung.
Rezensionen von Suska:
Rasante Fortsetzung – und noch besser als der erste Band
Scythe - Der Zorn der Gerechten von Neal Shusterman
Nach ihrer Scythe-Ausbildung ist aus Citra Terranova nun Scythe Anastasia geworden. Sie hat ihre eigene Nachlesemethode entwickelt und in ihrer einstigen Mentorin Scythe Curie eine Vertraute gefunden. Ihr ehemaliger Mit-Lehrling und Konkurrent Rowan verfolgt derweil als inoffizieller Scythe Luzifer all diejenigen Scythe, die aus unmoralischen Gründen und Spaß am Töten nachlesen.
Als es einen Anschlag auf Anastasia und Curie gibt, wird schnell klar: Die Scythe der „neuen Ordnung“ drängen an die Macht.
Schon von Band 1 der Scythe Trilogie war ich begeistert. Die Welt, die Shusterman erschaffen hat, ist faszinierend und beängstigend zugleich. In einer Zukunft, in der es keine Krankheiten und keinen natürlichen Tod mehr gibt haben nur die Scythe die Macht über Leben und Tod. Wie in Band 1 bereits angedeutet wurde, wandelt sich das Scythetum, die Scythe der „neuen Ordnung“ genießen ihr Leben und die Nachlese und wollen sich weniger Regeln unterwerfen. Der Konflikt zwischen alter und neuer Ordnung spitzt sich im Verlauf der Geschichte zu.
Nachdem man in Band 1 Ausschnitte aus den Tagebüchern der Scythe lesen konnte, kommt in diesem Band nun der Thunderhead zu Wort. Die cloudbasierte künstliche Intelligenz, die das krankheitsfreie, friedliche Leben erst möglich gemacht hat und im Dienste der Menschheit steht. In die Scythe-Angelegenheiten darf der Thunderhead sich nicht einmischen und beobachtet von außen und mit wachsendem Unmut die Entwicklungen. Ein sehr spannender, mitunter beängstigender Einblick in die „Gedanken“ dieser künstlichen Intelligenz und eine Bereicherung für den Erzählstil. Nicht umsonst heißt die Originalausgabe des Buches „Thunderhead“.
Neben den bekannten Figuren lernt der Leser auch viele neue Protagonisten kennen, die alle für sich spezielle Charaktere sind und den Verlauf der Geschichte bereichern. Von einigen wird es noch Spannendes zu lesen geben.
Shusterman versteht sein Handwerk als Jugendbuchautor und obwohl ich eigentlich nicht (mehr) zur Zielgruppe gehöre, konnte mich das Buch von Anfang an fesseln. Das liegt zum einen an der Grundidee des Scythetums, der Unsterblichkeit und all seinen Folgen, zum anderen aber an den immer wieder überraschenden Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe. Das Ende lässt mich fassungslos und neugierig zurück, die Wartezeit bis Band 3 scheint unerträglich. Respekt an den Autor dafür.
Band 2 konnte mich noch mehr fesseln als Band 1, ist überraschender, fulminanter, aber auch düsterer und bereitet auf ein hoffentlich spektakuläres Finale in Band 3 vor. Ich kann es kaum erwarten.









