Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Janine2610:
Super Thematik mit schwachen Charakteren in schlechter Handlung
Doch mit den Clowns kamen die Tränen von Johannes Mario Simmel
Und hier haben wir es wieder: eine Journalistin/Reporterin, die geheimen Machenschaften auf den Fersen ist, diesmal allerdings einen ganz persönlichen Grund hat, warum sie sich durch ihre Schnüffelei in Gefahr begibt: ihr Sohn wurde von den Verantwortlichen ermordet. Irgendwie kommt mir dieses Szenario aus einigen meiner zuletzt gelesenen Büchern sehr bekannt vor.
Aber durch keines davon war ich so wenig überzeugt von der Story wie durch diese ...
Die Protagonistin Norma Desmond ist mir leider bis zum Schluss durch und durch unsympathisch geblieben. Sie war mir einfach zu wenig greifbar, ich konnte mich überhaupt nicht mit ihr identifizieren. Mein Freund, mit dem ich das Buch gemeinsam gelesen habe, hat sie als persönlichkeitslos beschrieben und ich finde, das passt auch sehr gut zu ihr. Darüberhinaus fanden wir es relativ realitätsfern, dass sie als Journalistin überall mithin genommen, beispielsweise auch zu Polizeieinsätzen, und ständig beschützt wurde.
Normas Gedanken gingen manchmal auch einfach überhaupt nicht, viel zu platt und kitschig und überhaupt kam das daher. – So auf die Art: »Jan, oh Jan, nein, nein, ich kann nicht!«
~ Die Angst. Das Misstrauen. Die Wurzel allen Übels. ~
(S. 322)
Die Story ganz allgemein betrachtet, konnte uns nicht überzeugen. Sie wirkte oft wie ein vorhersehbarer Krimi, in dem es eine "böse" und eine "gute" Seite gab, die aber trotzdem beide irgendwie von Hass getrieben waren. Und am Ende die noch unvermeidliche Entführung, um nochmal so ein bisschen zusätzliche Spannung reinzubringen. Meiner Meinung nach war das alles viel zu gewollt.
Nicht zu vergessen: es gab natürlich auch noch einen Verräter, um den sich alles dreht und den man aufspüren mag, aber durch Simmels Art, die Geschichte zu erzählen (zu der ich gleich noch was sage), interessiert es einen einfach nicht mehr/ist es einem egal, wer der Verräter ist.
Mir persönlich war einiges zu viel: zu viele Handlungsstränge, auf die man sich hätte konzentrieren sollen, zu viele Personen(namen) und zu viele besuchte Orte, die ich mir nicht merken konnte. Dafür, dass das eigentlich Trivialliteratur und so schlecht geschrieben war, war es mir viel zu komplex. Hinzu kamen andauernd diese kurzen Sätze, die beim laut Vorlesen das Gefühl vermittelt haben, einen abgehackten Text zu lesen. Dadurch kommt der Lesefluss halt überhaupt nicht in Schwung und es macht keinen Spaß.
Es war so Vieles unnötiges Geschreibsel mit dabei, das den Fall überhaupt nicht weitergebracht hat und oft habe ich mich deswegen beim Lesen ja noch nicht mal wirklich drauf konzentriert, was ich gelesen habe. Erstens ist mein Freund dabei eingeschlafen und dann war das irgendwie so: der eine schläft und die andere liest einfach nur mehr Buchstaben vor. Und das soll es nicht sein!
~ Wer Frieden will, muss Grenzen öffnen und nicht Mauern bauen! ~
(S. 299)
So, bevor ich jetzt nur Negatives über meinen ersten Roman von Johannes Mario Simmel schreibe, will ich gerne auch noch was Positives loswerden: Die Geschichte ist durchaus gesellschaftskritisch, aber dafür ist Simmel auch bekannt. Leider fehlt ihm ein bisschen das Talent zu unterhalten. Seine Recherchen in den Nebenstorys waren echt gut und vor allem interessant. Man merkte, dass der Autor sich mit der Thematik ausreichend auseinandergesetzt hat. Beispielsweise ging es um geschichtliche Hintergründe verschiedener realer Personen, die Atombomben gebaut haben. Aber auch um Beschreibungen über die DNA/die Vererbungslehre, die ich ziemlich spannend fand.
Also es gab sie, diese Stellen, die sehr interessant und verfolgenswert waren, das kann ich nicht leugnen. Das war es dann aber leider auch schon mit Positivem.
Grundsätzlich hätte Simmel den Charakteren mehr Persönlichkeit geben sollen, vieles unnötiges Gelaber weglassen und das Buch somit um ein Drittel kürzen können, dann wäre meine Bewertung schon mal ein wenig besser ausgefallen. Dafür, dass das Buch eigentlich eine sehr spannende Thematik behandelt und dadurch auch eine spannende Handlung hätte geschaffen werden können, hat es in mir leider nicht sonderlich viel Spannung erzeugt.
Rezensionen von DieLeserin:
Starkes Debüt über japanische Widersprüchlichkeit!
Endstation Tokio von Buckler James
Ein starkes Debüt legt uns James Buckler vor, der selbst in Japan lebte und uns dieses Land der Widersprüche aus den Augen eines „gaijin“, eines Ausländers, zeigt.
An der Seite von Alex Malloy, der als Englischlehrer an der Excelsior School in Shinjuku Dori arbeitet, ziehen wir durch die Straßen Tokios.
Eine Stadt des Lärms, des Rauchs, der Lichter, der 4-Liter-Sake-Flaschen und teuren Frauen, die sich ihre Einkäufe nur mithilfe von Boyfriends finanzieren können. Und das obwohl Japaner ständig auf Ruf und Ansehen bedacht sind.
Genau diese Widersprüche stellt Buckler in den Vordergrund. Geschäftsmäßiges Treiben wechselt zu ständigen Aberglauben, Ruf und Ansehen sind wichtiger als Gerechtigkeit und Freundschaft.
All das zeigt Buckler verpackt in eine Geschichte, die an eine Abwärtsspirale erinnert. Denn für Alex Malloy hätte Tokio eigentlich ein Neuanfang sein müssen, doch dieser Neuanfang erinnert in der Tat an eine Endstation, denn wenn mal die Yakuza hinter einem her, kann man sich nicht mehr viel erhoffen.
Zudem ist Alex eine Figur, die eigentlich alles richtig machen will, bei der aber das Schicksal wie eine Kettenreaktion des Bösen zuschlägt und ihn hinabzieht in den Strudel japanischer Doppeldeutigkeit und Tokios Unterwelt. Böse wird das enden, das ahnt der Leser. Und das lässt ihn bis zum Schluss den japanischen Ausflug genießen.
Wer Japan kennenlernen möchte, wird dieses Buch lieben. Ich habe jede Seite davon genossen. Uchi-soto. Drinnen und draußen.
Rezensionen von yellowdog:
Schriftsteller*innen und der Rechtspopulismus
Unsere Antwort. Die AfD und wir. von Rudolph Bauer; Zoë Beck; Lena Falkenhagen; Klaus Farin; Nina George; Werner Schlegel; Carlos Collado Seidel; Leonhard F. Seidl; Sophie Sumburane; Michael Wildenhain
Vom Umgang mit der AfD. Dieses Buch startet eine Diskussion darüber u.a. im Kontext des Literaturbetriebes. Es gibt darüber sehr unterschiedliche Einstellungen. Ausgangspunkt ist die Forderung nach einer Unvereinbarkeitsvereinbarung des ver.di als Erklärung gegen Afd-Mitglieder. Das könnte ein wichtiges Signal sein, von der neuen Rechten aber auch polemisch ausgeschlachtet werden.
Ein Dilemma!
Es gab in der jüngeren Vergangenheit auffällige Vorfälle, in denen Schriftsteller wie Uwe Tellkamp mit seinen unsachlichen und unrichtigen Aussagen für einen Skandal sorgte oder die Provokationen rechter Verlage auf den Buchmessen.
Die Autoren gehen in ihren Beiträgen teilweise auf die anderen ein. Herausgeber ist Klaus Farin. Gut gefallen hat mir der Beitrag von Bestsellerautorin Nina George, die klare Worte schreibt. Leider wird von den Wortführern wenig auf sie eingegangen. Thrillerautorin Zoe Beck hält die AfD für äußerst gefährlich, während Klaus Farin glaubt, dass diese armselige Partei nur lästig sei und bald wieder verschwindet.
Meine Aufgabe als Rezensent dieses Buches kann es nicht sein, mich für einen dieser Ansätze zu entscheiden. Ich kann aber sagen, dass ich diese Diskussion an sich für sinnvoll und wichtig halte. Das Buch ist außerdem sogar interessant zu lesen.
Rezensionen von heinoko:
Wenn die Stille Lapplands die Seele heilt
Helle Tage, helle Nächte von Hiltrud Baier
Ein Buch, in dem nicht viel geschieht, und doch so viel Entscheidendes. Gemächlich erzählt, der Landschaft Lapplands angepasst in seiner Weite und Einsamkeit und Stille.
Eine Kleinstadt, am Fuß der Schwäbischen Alb. Hier lebt Anna Albinger, knapp über 70, an Lungenkrebs erkrankt, einsam, durch eine jahrzehntelange Lüge niedergedrückt.
Und Frederike, Nichte von Anna, von ihr als Kind liebevoll aufgezogen, knapp über 50, frisch geschieden, orientierungslos, was ihr zukünftiges Leben betrifft. Als Anna sie bittet, einen Brief persönlich zu überbringen, und zwar an Peter Svakko, 3.000 km entfernt im schwedischen Lappland lebend, lässt sich Frederike nur sehr widerwillig darauf ein, diese eindringliche Bitte ihrer Tante zu erfüllen. Doch schließlich macht sie sich mit ihrem Campingbus auf eine lange, lange Reise…
Der Roman wird wechselnd aus zwei Perspektiven erzählt. Anna berichtet über ihr stilles Leben, in der die Krankheit eine große Bandbreite an Gefühlen auslöst, Selbstmitleid und Kampfgeist, Depression und trotzigen Überlebenswillen, Verunsicherung und Angst. Über allem jedoch stehen Erinnerungen, intensive Erinnerungen an ihre eigene Kindheit.
Dramaturgisch von der Autorin geschickt eingestreut, werden in jedem Anna-Kapitel mehr und mehr Erinnerungen lebendig, und einem Puzzle gleich entwickelt sich ein Bild, das das alles überschattende Schuldgefühl Annas‘ erklärt. In den Frederike-Kapiteln machen wir uns mit ihr auf eine lange Reise, äußerlich und innerlich. Auch Frederike hat aufgrund ihrer Lebenserfahrungen eine eher negative Sicht auf die Dinge, lässt sich aber doch ein auf das, was ihr auf dieser Reise begegnet und erfährt eine ungeahnte Wandlung.
Die Autorin erzählt so hautnah, dass ich Annas‘ Schmerzen fast körperlich spüre, mit Herzklopfen zum ersten Mal in einem Helikopter sitze oder die Juni-Morgenkälte Lapplands in meine Knochen kriecht. Und ich erlebe mit den Augen der Autorin eine überwältigend schöne Landschaft, die den Menschen zurückführt auf das, was wesentlich ist. Die Liebe der Autorin zu Lappland teilt sich unmittelbar mit und hallt noch lange nach Beendigung des Buches nach. Es ist nicht wichtig, dass die Geschichte vorhersehbar endet. Wichtig ist, wie gekonnt Hiltrud Baier die großen Lebensthemen mit leichter Hand skizziert und gerade durch die Leichtigkeit und Ruhe eine Intensität erreicht, die mich im Innersten bewegt und nicht mehr loslässt.
Rezensionen von nuean:
Spannend, mitreißend und überraschend! Auf der Suc
Vier.Zwei.Eins. von Erin Kelly
Klappentext:
Am Anfang stand der Betrug. Es folgte die Lüge. Dann war es nur noch Feigheit.
Und keiner hatte die leiseste Ahnung, in welche Katastrophe uns das alle führen würde.
Im Sommer 1999 erleben Kit und Laura eine totale Sonnenfinsternis in Cornwall.
Beide sind jung und verliebt, sie sind fest davon überzeugt, dass sie noch viele solche Naturereignisse gemeinsam beobachten werden.
Im fahlen Dämmerlicht danach, als sich der Schatten auflöst, glaubt Laura etwas gesehen zu haben. Eine brutale Vergewaltigung. Doch der Mann bestreitet alles. Die Frau schweigt. Seine Aussage gegen die von Laura.
Monate nach der Gerichtsverhandlung steht die Frau plötzlich vor Lauras und Kits Tür. Schleicht sich auf merkwürdige Weise in ihr Leben. Nur Kit scheint zu sehen, was Beth Taylor wirklich ist: eine Bedrohung.
15 Jahre später leben Laura und Kit unter falschem Namen an einem geheimen Ort. Keine Kontakte in die sozialen Medien, kein Eintrag im Telefonbuch, nur gelegentliche Telefonate. Etwas liegt noch immer im Dunklen, Laura fürchtet es, und sie ahnt, dass sie nur einen Teil des Bildes sieht. Doch dann steht Beth Taylor plötzlich vor Lauras Tür. Und jetzt drängt die Wahrheit mit aller Macht ans Licht…
Cover:
Mir gefällt das Cover gut. Es wirkt sehr düster mit seinem dunklen Hintergrund. Die große Schrift, die einfachen Zahlen als Titel machen neugierig was dahintersteckt.
Meine Meinung:
Die Geschichte um Kit, Laura, Beth und Jamie wird aus Kit´s und aus Laura´s Sicht erzählt, dabei wechselt es auch immer zwischen den Geschehnissen der Vergangenheit und der Gegenwart. Mir gefallen solche Zeitsprünge immer sehr gut und auch hier hat die Autorin dadurch auch eine super Spannung erzeugt. Anfangs hatte ich zwar etwas Probleme und musste mir die Überschriften genau angucken und auch zum Schluss habe ich mal kurz den Überblick verloren. Aber ansonsten kann man sich aufgrund der Handlung schon denken, in welcher Zeit man sich gerade befindet. Wechselnde Perspektiven finde ich auch immer gut, weil man so die Personen besser verstehen und ihre Handlungen nachvollziehen kann.
Der Schreibstil ist angenehm, flüssig und mitreißend. Die Charaktere gut beschrieben und so facettenreich, dass man sich mal in sie hineinversetzt und sie dann mal wieder nicht versteht.
Den Anfang fand ich etwas langatmig. Die genauen Beschreibungen der Sonnenfinsternis haben mich auch etwas genervt. Aber die Phasen der Sonnenfinsternis sind auch vergleichbar mit den Phasen des Buches, deswegen passt es im Nachhinein sehr gut. Und nach einigen Kapiteln war ich mittendrin in der Geschichte und wollte unbedingt wissen, wer die Wahrheit sagt, wer lügt und wie alles wirklich war. Es ist ein ständiges Auf – und Ab. Am Anfang hatte ich eine klare Meinung, die sich dann aber immer wieder geändert hat, bis ich gegen Ende gar nicht mehr wusste wem man noch vertrauen kann. Es gibt so viele Wendungen, Überraschungen und Unvorhersehbares was die Spannung auf die Spitze treibt. Ich konnte ab der Hälfte das Buch auch nicht mehr aus der Hand legen. Das Ende lässt mich sprachlos zurück, aber im Nachhinein macht vieles Sinn.
Der Schreibstil ist angenehm, flüssig und mitreißend. Die Charaktere gut beschrieben und so facettenreich, dass man sich mal in sie hineinversetzt und sie dann mal wieder nicht versteht.
Fazit: Spannend, mitreißend und überraschend! Auf der Suche nach der Wahrheit!
Rezensionen von C. P.:
Wenn du plötzlich nicht mehr schlafen kannst…
Das Morpheus-Gen von Rode Tibor
Das Leben des New Yorker Anwalts David Berger gerät aus den Fugen: Seitdem ihm sein bester Freund Alex diese neuen „Stay tuned“ Wachmach-Pillen gegeben hat, kann er einfach nicht mehr schlafen. Und kurz darauf ist Alex tot, Davids Freundin Sarah wird ebenfalls leblos in seiner Wohnung aufgefunden und nicht nur die Polizei ist dabei, David als Hauptverdächtigen zu jagen.
Was ist da los? David versteht die Welt nicht mehr. Hilfe bekommt er überraschend von Nina, welche er kurz zuvor im Schlaflabor kennen lernt und die vielleicht auch nicht die Person ist, die sie vorgibt zu sein. Zudem gibt ihm ein Brief seines Vaters Rätsel auf, denn dieser verstarb vor 30 Jahren bei einem Unfall – oder war es Mord?
Tibor Rode hat einen faszinierenden und spannenden Thriller erdacht um das sogenannte Morpheus-Gen, eine Mutation, welche bereits seit Jahrhunderten auftritt und die betroffenen zur ewigen Wachheit verdammt. Oder ihnen ewige göttliche Wachheit ermöglicht, das ist Ansichtssache. Interessiert verfolgte ich beim Lesen, wie David nach und nach einer großangelegten Vereinigung auf die Schliche kommt, welche seit Jahrhunderten im Dunklen ihre Fäden zieht und auch David bereits seit längerem für ihre Pläne einspannt. Zugleich ist er auf der Flucht vor tödlichen Profis, die ihn jagen, ohne zu wissen, wer und warum. Und auch Polizist und Ex-FBI-Agent Greg Millner, welcher bereits in „Das Mona Lisa Virus“ ermittelte, versucht, hinter Davids Geheimnis zu gelangen und die wahren Mörder ausfindig zu machen.
Aufgeteilt ist das Buch in viele, angenehm kurz gehaltene Kapitel, welche schnelle Szenenwechsel ermöglichen, so dass es zu keinem Moment langweilig wurde und ich das Gefühl hatte, in alle Handlungsstränge gleichzeitig involviert zu sein. Und auch wenn das Thema manchmal etwas mystisch angehaucht wirkt, wird doch alles wissenschaftlich erklärt. Sehr gefallen haben mir hierbei auch die historischen Persönlichkeiten, welche der Autor als frühere Beispiele der Schlaflosen anführte. Denn natürlich hat das Ausbleiben des Schlafes auch die ein oder andere Nebenwirkung…
Wer ganz genau beim Lesen auf die Details achtet, kann bei diesem Buch seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen und David einen Schritt voraus sein. So war mir schnell klar, was Davids Vater in diesem Roman für eine Rolle spielen wird, was das Buch aber für mich nicht weniger interessant machte.
Ein wirklich wohl durchdachter und unterhaltsamer Thriller mit leicht wissenschaftlichem Hintergrund, der bis zum Schluss spannend bleibt und auch ohne Morpheus-Gen zu einer schlaflosen Nacht führen kann.
Rezensionen von StefanieFreigericht:
„Selbst meine Angst hat mich im Stich gelassen“
Vier.Zwei.Eins. von Erin Kelly
Für Laura und Kit ist es die große Liebe, da teilen sie auch Kits Leidenschaft, bei Sonnenfinsternissen live dabei zu sein. Doch in Cornwall 1999 findet Laura zuerst ein Portemonnaie, dann dessen Besitzerin. Auf ihr liegt ein Mann. Es war einvernehmlich, wird er später sagen. Laura ist vom Gegenteil überzeugt.
„Zum ersten Mal begriff ich, dass Männer sich ebenso sehr davor fürchteten, dieser Tat bezichtigt zu werden, wie Frauen davor, sie zu erleiden.“ Was ist die Wahrheit, vor allem, was ist der Unterschied zwischen Wahrheit und Recht, was darf man tun, um jemanden zu schützen oder jemandem zu helfen? Bald werden Laura und Kit ihre Namen ändern und untertauchen. Was ist wirklich geschehen? Was war in Sambia? „Bei einer Wiederaufnahme würden wir Beth erneut begegnen. Und meine Lüge käme ans Licht. Ich weiß nicht, was schlimmer wäre.“
Der Hype trägt bei diesem Psychodrama mit Thrillerelementen und ohne explizite Beschreibungen (für Sensible), der Fischerverlag war klug, es nicht als reinen Thriller anzubieten. Der Aufbau lässt die Handlung von damals ab 1999 langsam immer näher an die Gegenwart von 2015 heranrücken, wechselt zwischen den Zeiten und den Perspektiven von Kit und Laura, immer die verschiedenen Phasen der Sonnenfinsternis als Überschrift, quasi sogar als eine Art Motto. Der Leser erfährt den Ausgangspunkt, zumindest darf er das annehmen, er erfährt von Lauras Panikattacken, ihrem Kratzen, von Jamies PR-Kampagne, von Kits Fürsorge und von Beths Anhänglichkeit. Doch ist hier alles so, wie es scheint?
Sprachlich empfand ich das Buch als deutlich oberhalb des Genres, jetzt weniger durch eine besonders anspruchsvolle Wortwahl oder besondere Satzkonstrukte, dafür fielen die oft treffenden Bemerkungen auf: „Ich kann die soziale Säuberung meiner Nachbarschaft und den Zustrom attraktiver, gutsituierter Mütter nicht gutheißen, obwohl ich für Außenstehende wohl genauso wie sie aussehe.“ Oder „Selbst in guten Ehen ist ein Gespräch nie wirklich neutral; auf allem, was man sagt, lastet das Gewicht aller Gespräche, die man je geführt hat.“ Nur den Titel hätte man besser wörtlich übersetzt „He Said/She Said“ also „er sagte/sie sagte“. Dafür passt für mich auch das Ende, die Auflösung, wobei nach meiner Meinung sogar die richtigen Fragen offen bleiben, die an die Meinung des Lesers. Die vielen Wendungen und Hakenschläge hielten mich endlich wieder einmal vom Schlafen ab ;-)
5 Sterne mit nur ganz winzigen Abstrichen
Rezensionen von StefanieFreigericht:
Zeitverschiebung
Vier Tage in Kabul von Anna Tell
23. August 2014. Die schwedische Kriminalkommissarin Amanda Lund, 35, soll in Nordafghanistan eine internationale Einsatztruppe aufbauen, als Beraterin des afghanischen Truppenkommandanten, als sie ein Anruf ihres schwedischen Chefs Bill Ekman erreicht: zwei Mitarbeiter der Botschaft sind verschwunden.
Da man eine Entführung befürchtet, soll die als Sonderermittlerin und Unterhändlerin ausgebildete Amanda vor Ort in Kabul tätig werden. Doch der schwedische Botschafter Sven Leijonhufvud erschwert die Aufgabe, indem er nur spärlich mit Informationen herausrückt. Er scheint zu lügen…dann gelingt es Amanda, den Chauffeur der zwei Mitarbeiter zu finden (auch schön: angeblich zwei Menschen wurden entführt - NEIN: DREI). Parallel dazu wird in der schwedischen Heimat eine Leiche gefunden, das Justiz- und das Außenministerium mischen sich ungewöhnlich stark ein und die afghanische Polizei scheint ganz eigene Ziele zu verfolgen. Besteht für die Vermissten noch Hoffnung?
Autorin Anna Tell ist Politologin und Kriminalkommissarin, sie hat über 20 Jahre Polizei- und Militärerfahrung in Schweden und im Ausland. Vor allem kann sie gut Charaktere beschreiben, ich konnte mir das „Personal“ des Buches gut vorstellen, mochte die Protagonisten und wollte wissen, wie es mit ihnen weitergeht; es soll dieses der Auftakt einer Reihe sein. „Vier Tage in Kabul“ übernimmt den Titel (Fyra dagar i Kabul) und das Cover des schwedischen Originals, das 2017 erschien. Der Leser ist quasi in Echtzeit bei den vier Tagen in Kabul (und Schweden) dabei. Das gefiel also. Auch das Verhalten der Politik im Sinn von „es kann nicht sein, was nicht sein darf“ erscheint leider sehr plausibel.
Was mir missfiel: Ungereimtheiten, Überflüssiges, einiges.
Amanda sei am 10. Juli 1980 geboren, es ist August 2014 (diverse Polizeiberichte) und sie sei 35. Ich zähle 34?
Amanda bemerkt diverse Sicherheitslücken in der Botschaft: keine Sicherheitsübungen, Fenster werden geöffnet, Freizeitverhalten ist risikobehaftet, es wird aber kein Sicherheitstraining angeregt? In einer Gefährdungssituation?
Amanda ist Unterhändlerin, die Serie heißt „Unterhändlerin“, aber das kommt praktisch nicht zum Tragen – sie agiert als Sonderermittlerin, wäre doch auch ein Reihentitel? Die kurzen Andeutungen in z.B. den Unterhaltungen mit dem Botschafter (wann „nett“ sein, wann Druck) machen jedoch durchaus Appetit auf mehr. Viele der Bücher von Dania Dicken setzen Verhandlungstaktiken deutlich besser in Szene.
Da stellt eine Frau fest, sie ist schwanger, gut, denn sie wünscht sich Kinder. Dennoch lebt sie von Kaffee, Koffeintabletten, es gibt Alkohol und sie begibt sich mehrfach in Lebensgefahr.
Recht früh gibt es ein Kapitel aus der Sicht eines lange namenlosen Afghanen, ab da weiß der Leser eigentlich fast alles zu den (meisten) Hintergründen. Warum nur? Mit dem zweiten Handlungsstrang hält sich die Autorin da zurück, aber es ist ja so modern geworden, Handlungen auch aus Opfer- und Tätersicht geschildert zu bekommen.
Und: nicht jeder Mitarbeiter einer Botschaft ist Diplomat, die Putzfrau beispielsweise bestimmt nicht. Da weckt der Klappentext hier den falschen Eindruck.
Bill darf Rechenschaft ablegen – und der Leser darf die Namen aller lesen, die vor ihm sitzen. Aller zehn, wobei eigentlich nur Teljer relevant ist? Ich kann mit Sätzen umgehen wie „Bill wurden alle Namen genannt“, ich will die nicht auch alle lesen.
Überhaupt, es gibt etliche Namen, auch viele Abkürzungen, NDS (der afghanische Nachrichtendienst), IED (improvised explosive devices), FRAU (der schwedische Nachrichtendienst),…eine kurze Liste bitte, gerade auch für Nicht-Schweden. Ich lerne ja gerne etwas dazu, aber da hier nur mit Begriffen um sich geworfen wird, wäre die Liste ausreichend. Erkenntnisse über Afghanistan? Weniger. Da eher Khaled Hosseini. Aber neu war mir, wie stark das schwedische Afghanistan-Engagement ist. Das hätte gerne genauer werden können, meinetwegen als Anhang.
Spannung naja geht so, gut zu lesen, inhaltlich teils nicht zufriedenstellend, angenehme Hauptpersonen. 3 Sterne, aber der Folgeband kommt ja auch erst in über einem Jahr.
Rezensionen von BarbaraM:
Ein realistisches, schön gestaltetes Kinder-Wissensbuch zum Thema „Wölfe“
Entdecke die Wölfe von Moritz Klose; Roland Gramling
„Entdecke die Wölfe“ von Moritz Klose und Roland Gramling ist 2018 im Natur und Tier Verlag erschienen und umfasst 64 Seiten. Das Buch ist Teil einer großen Wissensreihe, in der sich beispielsweise auch Bücher finden lassen wie „Entdecke die Korallenriffe, „Entdecke die Fledermäuse“ oder „Entdecke die Finken“.
Das Buch informiert umfassend und ausführlich über das Thema „Wölfe“. Nicht nur die verschiedenen Wolfsarten werden ausführlich dargestellt, sondern auch die Sprache der Wölfe, die Sinnesorgane, die Wolfsfamilie, das Sagen- und Märchentier „Wolf“ und die Speisekarte der Wölfe. Aber auch das Kapitel „Begegnung mit dem Wolf“, in dem man erfährt, wie man sich richtig verhält, wenn man einem Wolf in freier Wildbahn begegnet und „Hilfe für den Wolf“, in dem näher erläutert wird, wie das Zusammenleben von Mensch und Wolf wieder besser funktionieren kann, sorgen für zusätzliches Wissen. Zahlreiche schöne Fotos unterstreichen und ergänzen die zu lesenden Informationen.
Den Autoren gelingt es mit ihrem sehr informativen und dennoch kindgerechten Schreibstil, dem Leser ihre Leidenschaft „Wölfe“ nahe zu bringen. Sie belehren nicht, sie lehren auf sehr angenehme Art und Weise.
Meinem Sohn hat besonders gut die „Eulenkästchen“ mit „besonderem“ Wissen gefallen und natürlich das Wolfsquiz am Ende des Buches. Da konnte er sein neues Wissen gleich überprüfen und damit glänzen.
Fazit: Hier handelt es sich um ein realistisches und kindgerechtes Wissensbuch, das hoffentlich in viele Büchereien, Klassen- und Kinderzimmer Einzug finden.
Wir empfehlen es sehr gerne weiter.
Rezensionen von KimVi:
Pageturner
Der Todesschöpfer von Elias Haller
Im Kofferraum eines gestohlenen Wagens findet die Leipziger Polizei einen Gegenstand, der eiskaltes Grauen hervorruft. Es handelt sich nämlich um eine Glasfigur, in der ein menschlicher Schädel eingeschlossen ist. Kriminalhauptkommissarin Klara Frost wird mit den Ermittlungen betraut. Sie entdeckt Hinweise darauf, dass es weitere Figuren geben könnte.
Der Verdacht, dass hier ein Serienmörder am Werk ist, liegt nahe und bestätigt sich, als das BKA sich in Klara Frosts Ermittlungen einmischt. Plötzlich verschwindet die Ehefrau eines Glasfabrikanten. Klara Frost ermittelt mit Hochdruck, doch dabei wird sie ständig ausgebremst. Doch gerade das weckt ihren Ehrgeiz, den Täter so schnell wie möglich zur Strecke zu bringen. Sie ahnt allerdings nicht, dass sie selbst bereits ins Visier des Killers geraten ist.....
Nach "Der Augenmacher" ist "Der Todesschöpfer" bereits der zweite Fall für Kriminalhauptkommissarin Klara Frost, die selbst in Kollegenkreisen "Exorzistin" genannt wird. Da die Bände in sich abgeschlossen sind, kann man sie unabhängig voneinander lesen. Wenn man allerdings an der Weiterentwicklung der Charaktere interessiert ist, empfiehlt es sich, wie bei jeder anderen Bücherserie auch, die Reihenfolge einzuhalten. Dem aktuellen Fall kann man allerdings mühelos ohne diese Informationen folgen.
Auch bei diesem Thriller gelingt es Elias Haller problemlos, das Interesse an der Handlung sofort zu wecken und Spannung aufzubauen. Der Fall hat es dieses Mal wirklich in sich. Denn der Täter verfolgt einen perfiden Plan und geht mit seinen Opfern nicht gerade zimperlich um. Allzu zartbesaitet sollte man beim Lesen also nicht sein, denn der Autor beschreibt die Szenen so lebendig, dass beim Lesen spontan das Kopfkino einsetzt und ziemlich realistische Bilder liefert.
Die Charaktere wirken ebenfalls sehr authentisch, sodass man sich ganz auf die spannende Handlung einlassen kann. Klara Frost ist eine ziemlich taffe Ermittlerin, die aus der großen Masse heraussticht. Ihre Tätowierungen, ihre Vernehmungsmethoden und ihre Ermittlungsarbeiten sind wirklich einzigartig. Es macht großen Spaß, ihr Vorgehen und auch den Umgang mit den anderen Protagonisten zu beobachten.
Die bereits früh aufgebaute Spannung kann nicht nur durchgehend gehalten werden, sondern steigert sich sogar stetig. Dadurch gerät man in den Sog der Ereignisse und mag das Buch kaum noch aus der Hand legen. Überraschende Wendungen sorgen außerdem dafür, dass man die eigenen Ermittlungen, die man beim Lesen anstellt, verwerfen und ganz neu ansetzen muss. Denn der Täter ist nicht so leicht zu enttarnen.
Krimis und Thriller sind ja meine absoluten Favoriten und bei diesem Exemplar habe ich mich so spannend unterhalten, dass ich es beinahe in einem Rutsch durchgelesen habe. Ich habe bereits den ersten Band dieser Reihe und die komplette Erik-Donner-Serie von Elias Haller mit großer Begeisterung gelesen. Deshalb hat es mich auch besonders gefreut, in diesem Thriller auf einen alten Bekannten, nämlich den BKA-Mann Gabriel Rammler, aus der Donner-Reihe zu treffen und einen Hinweis darauf zu entdecken, dass Klara Frost und Erik Donner sich vielleicht kennen könnten. Das ist allerdings reine Spekulation. Da ich nicht nur ein großer Klara-Frost-Fan bin, sondern auch von Donner eigentlich nie genug lesen kann, gefällt mir der Gedanke allerdings extrem gut. Auf meiner persönlichen Bewertungsskala, bekommt der zweite Klara-Frost-Band alle fünf Sternchen, da ich ihn kaum aus der Hand legen konnte, da Plot, Charaktere und Spannungsaufbau mich vollständig überzeugen konnte.











