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Rezensionen von Katharina Huchler:

Der Wahnsinnige unter den Irren...

Das Irrenhaus von Michael Krüger

Wir kennen sie alle, unsere lieben Nachbarn... Insgeheim sind doch alle ein bisschen irre. Aber das ist kein Vergleich zu dem, was den namenlosen Ich-Erzähler in Michael Krügers Roman erwartet!

Die Figuren scheinen Harold Pinters absurden Theaterstücken entsprungen zu sein: Da wittert der eine ein Riesengeschäft, indem er Friedhöfe zu Baugrund umwidmen und die Verstorbenen in kleinen Döschen in Kreisverkehr-Inseln einbuddeln will.

Da opfert der ehrgeizig-verzweifelte Derivatehändler sprichwörtlich seine eigene Haut, um den großen Deal zu landen.

Und dazwischen schwankt unsicher unser Protagonist, der sich über seine eigene Identität nicht im Klaren ist - und auch mal eine andere annimmt.

Absurd, schräg und (bis auf die etwas überbordenden Zitate) toll erzählt!

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Rezensionen von Katharina Huchler:

Märchenhafte Silhouetten

Das Irrenhaus von Michael Krüger

Lotte Reiniger war eine Filmpionierin und hat in den 1920ern den ersten abendfüllenden Animationsfilm geschaffen. Mit ihren filigranen Silhouettenfiguren zauberte sie Märchen, Opern-Nacherzählungen und andere Geschichten auf die Leinwand. Die Scherenschnitte waren stets liebevoll bis ins Detail ausgearbeitet.

Reiniger schaffte es, den Figuren allein durch deren Schatten Mimik, Gefühl und Ausdruck zu verleihen.

Diese Dokumentation erzählt das Leben von Lotte Reiniger: von ihrer tiefen Hingabe zum filmischen Erzählen, von der produktiven Zusammenarbeit mit ihrem Mann, vom Exil in London und natürlich von ihren Filmen. Beeindruckend!

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Rezensionen von Katharina Huchler:

Die hauchdünne Linie zwischen Dystopie und Prognose

Die Präsidentin von Durpaire François

Was wäre, wenn tatsächlich eine rechtspopulistische Partei an die Macht gelänge - und konsequent ihr Wahlprogramm in die Tat umsetzen würde?
Dieser Idee spürt der Graphic Novel von François Durpaire anhand der rechtsextremen Front National in Frankreich nach: Arbeitslosigkeit, Abschiebungen und Bespitzelung sind nur ein kleiner Teil der gesellschaftlichen Konsequenzen.

Ein gut recherchierter Graphic Novel mit hohem Realitätsbezug, der ohne Panikmache die wahrscheinlichsten Konsequenzen eines Wahlsiegs von Marine Le Pen darstellt.

Für Jugendliche und Erwachsene hochaktuelle Pflichtlektüre!

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Rezensionen von Katharina Huchler:

Unterhaltung für schlaflose Nächte

Das kleine Einschlafbuch für Große von Nicolas Mahler

Kaum geht das Licht aus, springt Ihr Gehirn an - und Sie kauen alle Fehler und Sorgen des Alltags wieder und wieder durch?

Dafür gibt es Abhilfe: Endlich gibt es ein Gute-Nacht-Buch für Erwachsene - mit viel Platz für Kritzeleien! Darin können Sie nicht nur Ihren eigenen Trauermarsch komponieren: Vervollständigen Sie die Weltschmerzspiralen oder malen Sie Ihre Schuldgefühle bunt aus.

Da ist für jeden was dabei!

Für ein Augenzwinkern in Nächten, in denen Sie einfach kein Auge zubekommen!

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Rezensionen von Katharina Huchler:

Aktuell und absurd

Die Terranauten von T. C. Boyle

Boyle schreibt in seinem neuen Roman in gewohnt angenehm lesbarer Prosa über den Gegensatz von Inszenierung und Natur, über die Dynamik in geschlossenen Gruppen und demonstriert die Absurdität der Suche nach einer neuen Lebenswelt für eine Zeit "nach der Erde".

Die Wahl von drei Erzählstimmen, die die Geschichte aus jeweils anderer Perspektive beleuchten, funktioniert wunderbar.

Die Erzählung bleibt auch dadurch spannend, da sich die Figuren stark entwickeln - und ich als Leserin meine Meinung über sie ändern musste.

Alles in allem ein solider Boyle, der sich aufgrund der Vielfalt an Themen (Ökologie, Soziologie, Psychologie) auch als Schullektüre eignet.

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Nach Picasso nur Gott...

Dora und der Minotaurus von Drakulic Slavenka

Im Mittelpunkt des Romans steht das Leben von Dora Maar, surrealistische Photographin und Malerin, die leider nicht durch ihr eigenes Werk Berühmtheit erlangte, sondern als Muse Pablo Picassos.

Drakulic' Roman beschreibt vor allem den Machtkampf, der in der Beziehung dieser beiden Künstler tobte.

Er führt uns außerdem in die Surrealisten-Szene des Paris der 1930er ein und lässt uns deren Stars wie Georges Bataille, Man Ray oder André Breton treffen.

Begeistert bin ich Doras Gedanken und ihrer poetischen Stimme gefolgt, die alle Erlebnisse aus der Ich-Perspektive erzählt. Das psychologische Duell, das sich Dora und Picasso liefern, ist faszinierend und tragisch zugleich. Das Buch liest sich sehr flüssig - klar und ungeschönt schildert es die Stufen ihrer Abhängigkeit und (zum Teil mitverursachten) Zerstörung. Ein Frauenporträt, bei dem es sich lohnt, es mehr als einmal zu lesen.

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Das menschliche im Monströsen finden...

Die Hochzeit von Auschwitz von Erich Hackl

Ehrlich gesagt habe ich um die Bücher von Erich Hackl bisher einen Bogen gemacht, weil ich wusste, dass er über sehr düstere Themen schreibt. Nun bin ich auf "Die Hochzeit von Auschwitz" gestoßen - und das Buch hat mich absolut überzeugt und sehr berührt:

Aus ganz vielen verschiedenen Stimmen rekonstruiert der Chronist des Buches die Geschichte um Rudi und Marga Friemel: Rudi lernt als Spanienkämpfer die Spanierin Marga Ferrer kennen und lieben.

Doch ist er bereits mit einer Frau in Wien verheiratet, mit der er auch ein Kind hat. Aufgrund seiner politischen Aktivitäten wird er nach Auschwitz gebracht, wo er alles daran setzt, Marga doch noch heiraten zu können.

Es werden Erinnerungen erzählt, die sich ergänzen oder widersprechen und eben dadurch wirkt das Buch besonders authentisch. Es wird nicht immer geschildert, dass Rudi exakt dies oder jenes passiert ist, sondern Hackl schreibt auch, was gewesen sein könnte. Das macht die Geschichte umso reicher - und zu einem Panorama an Schicksalen.

Die titelgebende Hochzeit steht für ein kleines Stück Menschlichkeit, einen Hoffnungsschimmer, der selbst in einem Todeslager wie Auschwitz an allen Beteiligten nicht spurlos vorüber geht. Die Gefangenen bekommen dadurch ein Stück "Menschsein" zurück. Eben dieses Menschliche im Monströsen erspürt Hackl meisterhaft - auch in "Abschied von Sidonie" oder "Als ob ein Engel", Bücher, die ich gleich im Anschluss an die "Hochzeit" einfach lesen musste.

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Aktuell und absurd

Die Hochzeit von Auschwitz von Erich Hackl

Boyle schreibt in seinem neuen Roman in gewohnt angenehm lesbarer Prosa über den Gegensatz von Inszenierung und Natur, über die Dynamik in geschlossenen Gruppen und demonstriert die Absurdität der Suche nach einer neuen Lebenswelt für eine Zeit "nach der Erde".

Die Wahl von drei Erzählstimmen, die die Geschichte aus jeweils anderer Perspektive beleuchten, funktioniert wunderbar.

Die Erzählung bleibt auch dadurch spannend, da sich die Figuren stark entwickeln - und ich als Leserin meine Meinung über sie ändern musste.

Alles in allem ein solider Boyle, der sich aufgrund der Vielfalt an Themen (Ökologie, Soziologie, Psychologie) auch als Schullektüre eignet.

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Rezensionen von Katharina Huchler:

Alle Menschen sind gleich, es sei denn, wir entscheiden, dass du kein Mensch bist.

Underground Railroad von Colson Whitehead

Underground Railroad folgt der Flucht des Sklavenmädchens Cora durch die Südstaaten der USA.

Der fundiert recherchierte Roman ist spannend geschrieben und sehr umfassend: Umfassend nicht im Sinne von lang, sondern weil er viele Geschichten aus mehreren Perspektiven unterbringt, ohne dass das Buch überlastet wirken würde: Sklaven, Freigelassene, Abolitionisten, Sklavenhändler und die ?ganz normale = weiße Bevölkerung? finden ihren Platz.

Indem sich Colson Whitehead der Sprache aus dem Blickwinkel der Weißen bedient, macht er deutlich, wie die Dehumanisierung des ?Humankapitals? kontinuierlich weitergeführt wurde.

Colson Whitehead hat ein eindrückliches Schaubild der Sklaverei geschaffen, das keine grausamen Details verschweigt, sich aber auch nicht in Gewaltbeschreibungen erschöpft.
Hier steht der Mensch im Mittelpunkt und die auch durch die furchtbarsten Mittel nicht abzutötende Hoffnung und Sehnsucht nach Freiheit.

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Rezensionen von Katharina Huchler:

Geisterspuk im herrschaftlichen Anwesen

Nacht über Frost Hollow Hall von Carroll Emma

Man mische kindgerecht Elemente von REBECCA, DOWNTON ABBEY und DIE WÖLFE VON WILLOBY und erhält diesen zauberhaften Roman für Leser ab 10 Jahren.

Tilly stammt aus einer armen Familie und ist froh, im herrschaftlichen Anwesen der Barringtons eine Stelle ergattert zu haben. Doch geht es ihr nicht um die Arbeit an sich.

Vielmehr ist sie froh um die Möglichkeit, die Geheimnisse um den zehn Jahre zuvor verstorbenen Erben der Familie zu lüften...

Eine winterliche Geistergeschichte, die sich um Freundschaft, Familie, Mutig-Sein und Trauerbewältigung dreht.

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