Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bibliomarie:
Seniorensammelstelle
Heimelig von Blanca Imboden
Nelly ist 77, immer noch neugierig auf das Leben und fit. Warum wählt sie eine Seniorenresidenz? Weil ihre umtriebige, alles optimierende Tochter Trudi nach dem Tod des Vaters das alte Elternaus abreißen liess und ein neues Familienhaus baute. Auch für die Mutter würde sich doch in einer Einliegerwohnung Platz finden.
Doch Nelly behagt das nicht, abhängig möchte sie nicht werden, dann lieber ein Heim. Wo es doch ganz neu ist und den Namen „Heimelig“ trägt. Aber der Schein trügt. Nicht umsonst treibt seit einiger Zeit ein Poltergeist sein Unwesen und setzt auf jedem Schild ein „Un“ vor den Namen. Es ist der alltägliche Frust mit zu wenig Personal und zu engen Zeitplänen. Mit der Massentauglichkeit, die keinen Platz für individuelle Wünsche lässt. Es sind Kleinigkeiten die Nelly stören. So wird nach einem kurzen Anklopfen immer sofort die Tür geöffnet, eigentlich eine Unhöflichkeit. Die Küche ist altersgerecht, aber warum muss sie deshalb geschmacksarm und weich verkocht sein?
Aber Nelly muckt auf. Nicht nur, dass sie beschließt sich mit kleinen Tagesausflügen ihre Zeit zu vertreiben, sie wird auch zur Protokollantin der Beschwerden. Sie wollen der Direktorin Meier nicht das Leben schwermachen, aber sie auch nicht einfach unterbuttern lassen. Ja, mit Nelly kommt Trubel in das Heim.
Dieser Roman ist dem Leben abgelauscht. Die meisten älteren Leser werden Erfahrungen mit dem Umgang ihrer Eltern und Großeltern haben, sie werden vielleicht auch das eine oder andere Altenheim kennen. Vielleicht auch mit Grauen an die Zukunft denken, wenn sie selbst vielleicht einmal in einem solchen „Mumienspeicher und Runzelsilo“ – wie die Insassen ihr Haus mit Selbstironie nennen – leben müssen.
Es wird viel gelacht in diesem Buch, Frau Imboden hat eine ganze Menge komische und witzige Einfälle verarbeitet, die dabei ganz realistisch sind. Es wird aber auch geweint – denn Trauer und Tod kann man nicht ausblenden. Ich muss gestehen, auch ich habe ein-zwei Tränchen verdrücken müssen.
Mir hat das Buch großen Spaß gemacht und trotzdem auch einen realistischen Blick auf das Alter ermöglicht und für die Situation in Altenheimen sensibilisiert. Das ist ein großer Verdienst der Autorin, die ihre Erfahrungen gründliche Recherche eingebracht hat.
Rezensionen von Gaby 2707:
An die neue Kommissarin muss ich mich erst noch gewöhnen
Hannas Leichen von Alex Buchenberger
Kaum hat Softwareentwickler Florian Bauer seine Frau Anna mit seinem Geschäftspartner und bis dahin besten Freund Lothar Brinkmeier in seinem Bett erwischt und rausgeschmissen, werden sie am darauf folgenden Morgen von Brinkmeiers Zugehfrau tot in seinem Swimmingpool gefunden. Suizid, Unfall oder Mord – diese Frage müssen sich Kriminalhauptkommissarin Hanna Schmiedinger und ihr Kollege Rainer Talgruber von der Kripo in Traunstein fragen.
Da wird auch schon das nächste Mordopfer gefunden…
Dies ist der erste Fall für die Traunsteiner Ermittlerin und ihr Team. Demzufolge erfahre ich hier schon mal sehr viel Privates von den Ermittlern, aber auch von den weiteren handelnden Personen. Richtig sympathisch ist mir Hanna bis jetzt nicht geworden, was auch an der meist etwas derben Sprache und dem rüden Umgangston, den sie pflegt, liegen mag. Rainer dagegen kann ich mir als guten Freund durchaus vorstellen. Die Gedanken der Handelnden werden kursiv dargestellt. Das lässt mich noch näher an dem Geschehen teilhaben.
Durch das viele Private geht leider die Spannung, die sich langsam aufbaut, immer wieder verloren. Schon früh hatte ich einen Verdacht, wer hier als Mörder seine Finger im Spiel haben könnte, was aber dem Lesegenuss keinen Abbruch getan hat. Was mich eher gestört hat, sind die vielen kleinen Nebenschauplätze, die zum einen nichts mit dem Fall zu tun hatten. Die mir aber auch zum Teil überhaupt nicht gefallen haben und sehr unrealistisch wirken. Es kam mir vor, als wenn plötzliche Ideen noch schnell verarbeitet werden müssten. Auch die Ermittlungen selbst kommen für mich unglaubwürdig rüber und haben mit Plizeiarbeit in meinen Augen wenig zu tun. Trotzdem hat mich das Ende mit seiner schlüssigen Auflösung entspannt zurück gelassen.
Gut gefallen haben mir die Beschreibungen der Umgegend, wenn die Kommissare unterwegs waren. Hier habe ich mich in Trostberg und Burghausen wie zuhause gefühlt.
Wer Krimis mag, die nicht bierernst gemeint sind, mit einem derben Zungenschlag und vielen kleinen Nebenschauplätzen, der ist hier genau richtig. Ich bin gespannt, welchen Fall Hanna das nächste Mal aufzulösen hat.
Rezensionen von BarbaraM:
Ein wunderbares, spannendes Abenteuer gewürzt mit ganz viel Apfelkuchenduft!
Das Apfelkuchen-Geheimnis von Breinl Juliane
Vorsicht: Während des Lesens umweht einen förmlich der Duft von frischgebackenem Apfelkuchen ;-)
Seit zehn Jahren ist Zippa ein Einzelkind und dann kamen da plötzlich ihre beiden Zwillingsbrüder dazu. In ihrer Familie herrscht natürlich erst einmal Chaos und Zippa steht nicht mehr nur im Rampenlicht für ihre Eltern und auch ihrem Hobby, dem Backen, kann sie nicht mehr ungestört nachgehen.
Und dann verstirbt plötzlich auch noch die Uroma Mila. Doch Urmila hat eine spannende Überraschung für Zippa bereit: eine Schatzsuche. Zippa ist natürlich neugierig und gemeinsam mit ihren Freunden kommt sie einem alten Familiengeheimnis auf die Spur und auch Zippas heißgeliebtes Hobby „Backen“ spielt hierbei eine wichtige Rolle.
Mit ihrem Buch „Das Apfelkuchen-Geheimnis“ ist Juliane Breinl ein wunderbares, lebendiges und sehr lesenswertes Abenteuer gelungen, das im Verlag arsEdition 2019 erschienen ist und in der gebundenen Ausgabe 192 Seiten umfasst. Es ist geeignet für Kinder ab 9 Jahren, spricht sicherlich auf den ersten Blick Mädchen an, ist aber auch für Jungs lesenswert.
Juliane Breinl gelingt es in einer absolut kindgerechten, klar verständlichen und modernen Sprache ihre Geschichte zu schreiben. Sie schafft es ab der ersten Seite eine Nähe zu ihren Lesern zu erzeugen. So macht das Lesen Spaß und Freude und die Geschichte ist spannend wie ein Krimi!
Prima gefallen hat uns die Protagonistin Zippa. Wir konnten prima mit ihr mitfühlen, uns mitfreuen und uns mit ihr ängstigen. Aber auch die anderen Charaktere haben uns begeistert.
Das Thema „Freundschaft“ wird in diesem Buch toll angegangen. So werden von Juliane Breinl ganz alltägliche Momente aufgegriffen, wie etwa ein Streit zwischen Max und Zippa, kleine Eifersüchteleien wegen „Stöcki“, aber eben auch die Wertschätzung der Freunde, die zweite Chance und die Bereitschaft, sich auf einen Menschen einzulassen.
Es werden Lösungen aufgezeigt und die Freundschaft entwickelt sich unter den Kindern prima weiter.
Das anfängliche Thema „Einzelkind versus Geschwisterkind“ wird von der Autorin ebenfalls prima aufgegriffen. Und auch hier hat sich Zippa - auch dank ihrer Freunde und natürlich Eltern - positiv entwickelt.
Das Cover des Buches ist absolut passend zur Geschichte: Max und Zippa mit Spaß und Leidenschaft beim Backen des leckeren Apfeltalers. Meine Tochter und mich hat es total angesprochen.
Ein tolles Highlight wartet außerdem am Ende des Buches: das originale Apfeltaler-Rezept!
Und da uns nun so alles gefällt: die Geschichte insgesamt, die Charaktere, das passende Cover und der frische Schreibstil von Juliane Breinl, vergeben wir glatte 5 von 5 Punkten und wir hoffen darauf, das es noch weitere Bände um Zippa und ihr Backtalent geben wird.
Rezensionen von KimVi:
Solider Krimi mit atemberaubender Hintergrundkulisse
Nachts schweigt das Meer von Kate Penrose
Detective Inspector Ben Kitto braucht dringend eine Auszeit und kehrt deshalb auf seine Heimatinsel Bryher zurück. Er hofft, dass er seinem Onkel beim Bootsbau helfen und somit auf andere Gedanken kommen kann. Denn nach dieser Auszeit muss Ben Kitto entscheiden, wie es beruflich weitergehen soll. Doch Ruhe und Erholung findet Ben auf der Insel nicht.
Denn bereits bei seiner Ankunft wird die 16-jährige Laura Trescothick vermisst und kurz darauf ermordet aufgefunden. Ben Kitto bietet an, die Ermittlungen zu übernehmen, da er die Insel und ihre Bewohner kennt....
Die Handlung dieses Krimis trägt sich auf Bryher, einer der Scilly-Inseln, die zu Cornwall gehören, zu. Der Autorin gelingt es hervorragend, die besondere Atmosphäre der Insel zu beschreiben. Man hat beim Lesen das Gefühl, die tosenden Wellen zu hören und Salzwasser und Wind auf der Haut zu spüren. Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven betrachtet. Den größten Teil der Handlung erzählt Ben Kitto selber. Außerdem gibt es immer wieder kurze Einschübe, in denen man erfährt, was gerade bei Rose passiert. Rose ist die Kräuterfrau der Insel und scheint in großen Schwierigkeiten zu stecken.
Ben Kitto wirkt vom ersten Moment an sympathisch und deshalb folgt man gerne seiner Erzählung. Trotzt der Jahre, die er nicht auf der Insel verbracht hat, scheint er noch einen guten Draht zu den Bewohnern zu haben. Schon bald hat er mehr Verdächtige als ihm lieb sind und leider sind auch gute Freunde dabei. Gerade deshalb versucht Ben Kitto Details, die nach und nach ans Tageslicht kommen, unvoreingenommen zu betrachten. Die Handlung ist durchgehend interessant, plätschert aber eher gemächlich vor sich hin. Echte Spannung stellt sich beim Lesen nicht ein, dennoch macht es Spaß, der soliden Krimihandlung zu folgen und eigene Überlegungen, hinsichtlich des Täters, anzustellen. Da nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint, lässt sich der Täter nicht so leicht überführen.
Auch wenn ich mir ein wenig mehr Spannung erhofft hatte und die Handlung für meinen Geschmack etwas zu gemächlich vor sich hin plätscherte, habe ich den Aufenthalt auf der Scilly-Insel genossen. Denn Detective Inspector Ben Kitto wirkte auf mich sehr sympathisch und der Fall selbst hielt für mich einige Überraschungen bereit.
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Beschwingt und gleichzeitig etwas wehmütig
Zwischen dir und mir das Meer von Katharina Herzog
Schon lange stand der Roman mit dem schönen Cover auf meiner Merkliste. Es ist zwar ein Stand alone, wird aber unter "Farben des Sommers" als Reihentitel genannt. Es ist mehr das einheitlich gestaltete Cover, der die Bücher einheitlich aussehen lässt. Alle drei können in beliebiger Reihenfolge gelesen werden.
Das gelbe Buch führt den Leser von Amrun an die italienische Amalfiküste - von Meer zu Meer.
Wer ist der Mann, der eines Tages vor Lena und ihrer Grossmutter steht und nach Lenas Mutter sucht? Lena reist ihm nach, zusammen mit ihrer jüngeren unbekümmerten Schwester Zoe. Die Reise geht nach Italien, von dort kommt Matteo Forlani, der unbekannte Mann. Doch auch Lenas und Zoes vor einigen Jahren verstorbener Mutter stammt aus derselben Gegend wie Matteo. Was weiss er über Mariella?
Katharina Herzog erzählt uns in "Zwischen dir und mir das Meer" nicht nur die aktuelle Geschichte von Lena, Zoe und Matteo, sondern auch die Lebensgeschichte von Mariella. Von der Lena und Zoe nie etwas erfahren haben, da ihre Mutter ihnen kaum etwas von ihrer italienischen Heimat erzählte.
Die Autorin sorgt für einige Überraschungen, zeichnet vielschichtige Figuren wie zum Beispiel die beiden unterschiedlichen Schwestern, von denen die eine das Wasser meidet und vorsichtig lebt, während die andere jeden Nervenkitzel mitmacht. Matteo erscheint auf den ersten Blick wie ein Macho, doch es steckt mehr hinter dieser Macho-Fassade. Davon zeugt nur schon seine Reise nach Amrun, mit der die Geschichte beginnt.
Mit ein Grund, um das Buch zu lesen, war für mich Lenas Hobby mit dem Meerglasschmuck. Leider erfuhr man davon nur wenig. Ausglätten konnte das dafür Marielles Geschichte, die mich sehr berührte.
Der Roman macht Lust auf Ferien an der Amalfiküste, lässt einen vom Süden träumen, ist beschwingt und gleichzeitig etwas wehmütig.
Fazit: Wunderbar leichte, leicht melancholische Sommerstory.
4 Punkte.
Rezensionen von yellowdog:
Lebensabschnitt, literarisch betrachtet
Was das Leben kostet von Deborah Levy
Deborah Levy schreibt in diesem Memoir-Buch autofictional. Also ist die Icherzählerin jemand, der die Eckdaten der Autorin teilt und sogar ihre Bücher schreibt und doch nicht ganz sie ist. So erhält Levy die Möglichkeit, sich selbst und ihre Emotionen zu analysieren
Diese Form beherrscht Deborah Levy gut und Prosa und Essay vermengen sich im Text.
Die Icherzählerin schreibt stark reflektierend und zeigt den Alltag nach ihrer Trennung. Sie muss für sich und ihre Töchter ein neues Zuhause schaffen und einen Platz für s Schreiben finden und nicht zuletzt ausreichend Geld verdienen.
Die Überlegungen sind häufig philosophischer Natur, manches bezieht sich auf Simone de Beauvoir, Marguertite Duras oder sogar Martin Heidegger.
In der zweiten Hälfte des Buches liegt der Schwerpunkt auf den Erinnerungen an die verstorbene Mutter.
Der relativ kurze, aber stark verdichtete Text wurde aus dem Englischen von Barbara Schaden übersetzt, gefühlsmäßig sehr gut, würde ich sagen.
Rezensionen von TheUjulala:
40 Jahre Die Unendliche Geschichte
Die unendliche Geschichte von Michael Ende
Ich denke, es gibt genügend Rezensionen und vor allem detaillierte Buchbesprechungen zu “Die Unendliche Geschichte”. Ich werde deswegen hier keine standardmäßige Rezension schreiben, sondern eher auf meine Gefühle beim Lesen eingehen. Ich gehe davon aus, dass der Inhalt und der Verlauf der Unendlichen Geschichte meinen Lesern hier bekannt ist.
Trotzdem möchte ich darauf hinweisen, dass meine Ausführungen hier bestimmt Spoiler enthalten werden.
Mir ist klar, dass ich nicht auf Alles eingehen kann, aber ich hoffe, Euch ein Stückchen meiner Leseerfahrung näher zu bringen zu können.
Solltet Ihr die Unendliche Geschichte nicht kennen, dann empfehle ich Euch ganz dringend dies nachzuholen, und vielleicht erst dann meine Meinung hier zu lesen.
Die Ausgabe 2019
Die neue Ausgabe ist wunderschön gestaltet. Für die gesamten Illustrationen zeichnet sich Eva Schöffman-Davidov verantwortlich.
Klassischerweise hat das Buch, wie auch schon die erste Ausgabe 1979, einen roten Leineneinband, das den Kupfereinband des Buches in der Geschichte nachahmen soll. Der Vorsatz ist abwechselnd verziert mit einer roten und dunkeltürkisen Ornament-Zeichnung. Jedes Kapitel beginnt mit einer zweifarbigen Zeichnung der Initiale.
Besonders schön ist der Schutzumschlag. Er ist durchgehend schwarz mit filigranen weißen und goldenen Zeichnungen. In der Mitte ist das Amulett AURYN zu sehen, in deren Mitte “Michael Ende” und “Die Unendliche Geschichte” in Versalien gesetzt wurde. Die zwei Schlangen des Amuletts sind sehr detailreich gezeichnet. Jede Ecke zieren geometrische Formen und Ornamente, die über die gesamte Fläche weiter auslaufen. Das Cover haut mich wirklich um und ich bin richtig begeistert!
Erst bei dieser Ausgabe ist mir tatsächlich aufgefallen, dass das Buch genau 26 Kapitel besitzt und jedes Kapitel mit dem Buchstaben entsprechend der alphabetischen Reihenfolge beginnt. Und auch in dieser Ausgabe wird die Schriftfarbe zweifarbig gedruckt, je nachdem aus welcher Perspektive der Abschnitt erzählt wird.
Was mir leider fehlt sind die ganzseitigen Zeichnungen an jedem Kapitelanfang. In der Ausgabe 1979 wurden die Zeichnungen der Initialen über eine ganze Seite ausgestreckt.
Trotzdem sieht man, dass diese neue Auflage, 40 Jahre nach der Erstausgabe dieses wunderbaren Buches mit sehr viel Herzblut und Hingabe gestaltet und produziert wurde und ein würdiges Geburtstagsgeschenk an Michael Endes Gedenken ist.
Die Charaktere
Ich kann natürlich nicht alle Charaktere auflisten. Deswegen möchte ich nur über die Figuren schreiben, die wichtig sind und mich besonders berührt haben.
Bastian Balthasar Bux
Ich mochte Bastian noch nie. Weder beim Hörspiel noch beim Lesen damals. Das hat sich beim Re-Read auch nicht geändert. Er ist egoistisch, eigensinnig und bockig. Schon alleine, wie er sich ständig am Anfang selber herunter macht, er sei dick und unbeliebt. Das hat mich immer schon enorm gestört. Jetzt verstehe ich aber, warum Michael Ende den Jungen so stark unsympathisch zeichnen musste. Auch seine Entwicklung geht erst mal in die negative Richtung. Er wird immer dreister und unverschämter, bis er Atréju tatsächlich den Kampf ansagt und ihn verletzt. Aber mir gefällt besonders gut, dass Bastian einsichtig wird, dass er durch das Vergessen seiner Erinnerungen an die Menschenwelt am Ende gezwungen ist über sich und den wahren Wunsch nachzudenken und tatsächlich selber darauf kommt, dass er dem Vater das Wasser des Lebens mitbringen möchte, also seine Erkenntnis über seinen wahren Wunsch, endlich selber lieben zu können.
Atréju
Im Gegensatz zu Bastian war ich schon als Kind verliebt in Atréju. Ein selbständiger kleiner Junge, der sein Leben und Lenken nicht auf sich bezogen hat, sondern immer das große Ganze im Blick hatte. Er ist uneigennützig und legt sein Leben in die Hände von Bastian. Und er bleibt sich seiner Linie treu, auch bis zum Schluß als er für Bastian einsteht und seine angefangenen Geschichten in Phantásien zu beenden. Er ist also genau das Gegenteil von dem, was ich über Bastian empfinde. Aber das ist von Michael Ende auch bewusst so eingesetzt worden, denn Atréju ist in Wahrheit Bastian, bzw. Atréju ist das, was sich Bastian immer gewünscht hat zu sein.
Fuchur
Manchmal ist mir Fuchur mit seinem “Glück haben”-Gefasel richtig auf den Keks gegangen. Aber ich glaube, Fuchur ist dazu da dem Leser zu vermitteln, Situationen einfach anzunehmen und weiterzumachen, ohne groß darüber nach zu denken. Das Schicksal wird deinen Weg schon lenken.
Gmork
Die Begegnung zwischen Atréju und Gmork bereitet mir immer Gänsehaut. Gmork ist böse und gefährlich. Aber ich empfand ihn schon immer für was Besonderes, denn er ist weder Phantásier noch Mensch. Die Unterhaltung zwischen den Beiden hat so viel geballte Kritik und ist für mich eine Schlüsselszene. Sie zeigt, dass die beiden Welten, Phantásien und die Menschenwelt zusammengehören und voneinander abhängig sind.
Uyujála
Wie ihr alleine schon am Namen meines Blogs “TheUjulala” erkennen könnt, ist die Unendliche Geschichte ein sehr wichtiger Bestandteil in meinem literarischen Leben, damals wie heute. Michael Ende hat die Figur des Südlichen Orakels zwar anders geschrieben, aber die Begegnung mit der Uyulála ist für mich eines der schönsten und poetischsten Zwiegespräche im gesamten Roman. Nur eine Stimme allein schon ist ihr Körper. Dieser Aspekt hat mich auch schon als Kind so sehr begeistert, dass ich ihn nur mehr als passend als Namen für meinen Bücherblog empfand.
Zeitlos und trotzdem immer noch aktuell
Die Geschichte um Atréju und Bastian ist nicht nur einfach ein Abenteuer, es ist zeitlos und noch viel mehr. Es ist die Suche nach dem wirklich wahren Wunsch, aber nicht nach oberflächlichen Wünschen die uns augenscheinlich Freude machen sollen wie schöner, stärker und mächtiger zu werden. Sondern der Wunsch lieben und lieben zu können.
“Es gab in der Welt tausend und tausend Formen der Freude, aber im Grunde waren sie alle eine einzige, die Freude lieben zu können. Beides war ein und dasselbe.”
Michael Ende “Die Unendliche Geschichte”, S. 463 (Gebundene Ausgabe © 2019 Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, Stuttgart)
Es ist von Michael Ende ein Appell an die Menschheit gegen Egoismus und für mehr Liebe und Aufmerksamkeit zueinander. Der Weg dahin, um dieses Glück und diesen Wunsch zu erreichen, ist unerheblich, denn
“[..] jeder Weg, der dorthin führt, war am Ende der richtige.”
Michael Ende “Die Unendliche Geschichte”, S. 436 (Gebundene Ausgabe © 2019 Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, Stuttgart)
Diesen Weg können wir aber nur beschreiten, wenn wir unsere Phantasie bewahren und ihr Glauben schenken, denn ohne Phantasie wird die Menschheit sterben und nicht mehr in der Lage sein können zu Lieben und Liebe zu schenken. Ohne Phantasie werden wir alle zu Lügen, denn dann belügen wir uns selbst.
“Deshalb hassen und fürchten die Menschen Phantásien und alles, was von hier kommt. Sie wollen es vernichten. Und sie wissen nicht, dass sie gerade damit die Flut von Lügen vermehren, die sich ununterbrochen in die Menschenwelt ergießt - diesen Strom aus unkenntlich gewordenen Wesen Phantásiens, die dort das Scheindasein lebender Leichname führen müssen und die Seelen der Menschen mit ihrem Modergeruch vergiften. [..].”
Michael Ende “Die Unendliche Geschichte”, S. 158 (Gebundene Ausgabe © 2019 Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, Stuttgart)
In diesem Gespräch mit Gmork, dem Werwolf, schleudert uns Ende seine Kritik an die Gesellschaft, an die machtbesessene und verlogene Menschenwelt entgegen. Trotzdem die Geschichte vor 40 Jahren entstanden ist, hat sie heute nichts an Aktualität verloren. Nein, ich behaupte sogar, sie ist inzwischen noch brandaktueller geworden!
Welche ist Deine Kernbotschaft?
Gerade weil Michael Ende sich geweigert hat über die Kernbotschaft der unendlichen Geschichten eine Aussage zu machen, zeigt mir das, dass jeder für sich seine Kernbotschaft aus diesem Roman ziehen muss. Denn darum geht es ja, mit seiner eigenen Phantasie seine Ziele und Wünsche zu verwirklichen. Jeder soll sich seine eigene Phantasie bewahren und jeder muss seinen eigenen Weg finden. Aber es besteht auch die Gefahr, sich in der Phantasie zu verlieren. Nein, die richtige Balance zwischen Phantasie und Realität ist wichtig.
Diese Geschichte strotzt nur so vor Botschaften, such Dir die Botschaft aus, die Du im Moment brauchst und es ist Dir frei, diese für dich zu interpretieren!
Immer unendlich
Ach, es gibt noch so viel über dieses Buch zu erzählen. Natürlich habe ich bei Artaxs Abschied in den Sümpfen der Traurigkeit Rotz und Wasser geheult. Genauso wie in dem Moment, als Bastian zurückkehrt zu seinem Vater, und dieser weint, als Bastian ihm seine ganze Geschichte erzählt. Aber das alles würde nur noch den Rahmen hier sprengen.
Ich kann Euch nur sehr innig ans Herz legen, die Unendliche Geschichte zu lesen, wenn ihr sie noch nicht kennen solltet. Und wenn ihr sie doch schon kennt, dann lest sie noch mal, denn jeder Ausflug nach Phantásien ist ein Ausflug in ein Reich voller Zauber, Magie und zu deinem wahren inneren Ich.
DER Klassiker und Ursprung der deutschen Fantasy-Literatur. Voll geballt mit Fantasy, Kritik - berührend und zeitlos seit 40 Jahren.
Rezensionen von liesmal:
Ein Traum wird wahr
Das kleine Hotel in der Provence von Marion Stieglitz
An ihrem ersten Jahrestag wird Lilly von ihrem Freund verlassen. Statt in Selbstmitleid zu versinken, lässt sie ihr bisheriges Leben hinter sich, kauft sich ein altes Haus in der Provence und ist fest entschlossen, ihren Traum von einem kleinen Hotel zu verwirklichen. Auch als sich herausstellt, dass das Haus sehr heruntergekommen ist, lässt Lilly sich nicht unterkriegen.
Es macht unglaublich viel Spaß, sie bei der Verwirklichung ihres Traums vom eigenen Hotel zu begleiten. Sie ist mit viel Enthusiasmus bei der Sache und steckt so viel Liebe selbst ins kleinste Detail. Unterstützung erhält Lilly von ihrer Cousine Valeska, die mit ihrer Familie ganz in der Nähe zuhause ist. Das ist allerdings manchmal recht anstrengend, vor allem, wenn Valeska versucht, Lilly mit Olivier zu verkuppeln.
Der locker-leichte Schreibstil hilft dabei, schnell in die oft turbulente Geschichte einzutauchen. Auch die kurzen Kapitel tragen zum Lesespaß bei. Sehr schön sind die kleinen Lavendelblätter zu Beginn eines jeden Kapitels.
So leicht, wie sich das Buch lesen lässt, sieht auch das Cover aus. Einfach super! Man öffnet eines der blauen Fenster des kleinen Hotels - und wird belohnt mit einem wunderbaren Blick auf ein herrliches Lavendelfeld. Und dann dieser Duft dazu!
Lillys erster Gast ist eine ganz besondere Frau, die eine Bereicherung nicht nur für Lilly ist. Ihr verdankt der Leser „Weisheiten für jeden Augenblick“. Diese kleine Sammlung ist am Ende des Buches zu finden.
Ein leichter Roman für sommerliche Tage!
Rezensionen von yellowdog:
Eine New Yorker Ikone
"Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen." von Michaela Karl
Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen ist ein witziger Titel, der an eine andere Persönlichkeit erinnert, die scharfzüngige Dorothy Parker.
Die Journalistin und Schriftstellerin Maeve Brennan (1917–1993) war praktisch ihre Nachfolgerin. Sie war Redakteurin beim New Yorker und u.a. mit Trumans Capote bekannt.
Sie war „todschick, selbstbewusst, berufstätig und eine feste Größe in einer männerdominierten Öffentlichkeit“.
Auch für ein Mode- und Gesellschaftsmagazin schrieb sie, daher spielt auch die Welt der Mode eine Rolle in diesem Buch. Die emanzipierte Brennan war offensichtlich auch äußerlich eine Stilikone und „vielleicht“ das äußerliche Vorbild für die Hauptfigur von Frühstück bei Tiffany.
Ein Buch über Maeve Brennan ist aber vor allen auch eins über New York, insbesondere Manhattan, und auch über ihre irischen Wurzeln. Sie war 17 als sie in die USA kam. Ihre Karriere beim New Yorker und mit ihren literarischen Texten war bemerkenswert, bis sie später aufgrund Krankheit in Vergessenheit geriet.
Die Abschnitte über Brennans Arbeit als Literaturkritikerin und Kolumnistin fand ich amüsant. Die kritisierten Autoren waren das wahrscheinlich nicht, denn Brennan hatte eine scharfe Zunge und einen geschliffenen, glasklaren Verstand.
Aber auch die Passagen, in denen es um Maeve Brennans eigene Literatur geht, sind lesenswert.
Michaela Karl gelang eine interessante Biografie, bei der sie die Besonderheiten der Persönlichkeit Maeve Brennans herausarbeitete und besondere Momente festhielt.
Rezensionen von BarbaraM:
Einmal in die mongolische Wildnis und zurück – ein unvergleichliches Abenteuer!
Ins Nirgendwo, bitte! von Bär Franziska
„Ins Nirgendwo, bitte! Zu Fuß durch die mongolische Wildnis“ von Franziska Bär ist 2019 im Verlag CONBOOK erschienen. Es umfasst 288 Seiten und ist mit Fotos ergänzt.
Franziska und ihr Freund Felix haben etwas ganz besonderes vor: eine Reise in die mongolische Wildnis – ein Ort, an dem bisher nur wenige Reisende waren, ein Ort, an dem man die Einsamkeit spüren, das Unentdeckte entdecken kann, die Herausforderung und das Abenteuer erleben kann und der Leser darf mittendrin sein.
Franziska berichtet anfangs von den Reisevorbereitungen, die alles andere als einfach sind und die viele Gedanken kreisen lassen und dann geht die Reise los in dieses von uns in Deutschland weit entfernte Land. Für Franziska und Felix gilt es, die Menschen und das Land auf ihrer Reise kennen zu lernen, Herausforderungen mit den Einheimischen und der Natur zu meistern und auch ihre eigene Beziehung zu ergründen. So erfährt man von einer unheimlichen Begegnung in stockfinsterer Nacht mit einem Einheimischen, von der spannenden Durchquerung eines Gebirgsflusses, von der Konfrontation mit der Einsamkeit, von der Gastfreundschaft der Bevölkerung, der Kommunikation mit Hand, Fuß und Bild, der unglaublichen Natur und vielem mehr.
Franziska Bär gelingt es in ihrem Buch von Anfang an den Leser durch ihren Schreibstil zu begeistern. Sie schreibt flüssig, ehrlich, emotional, spannungsvoll und nimmt auch vor negativen Gedanken und Erlebnissen während der Reise und den Reisevorbereitungen keinen Abstand.
Ich habe mich als Leserin selbst als Mitreisende wahrgenommen, habe mitgefiebert, mitgedacht, mitgeschmunzelt, mich mitgefreut und einfach so gerne gelesen. Die Abenteuerlust und Lebendigkeit von Franziska hat mich gepackt.
Auf in das nächste Abenteuer! Ich freue mich auf weitere Bücher!
Eine glasklare Weiterempfehlung!











