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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Amena25:

Der Zufallssammler

Der Postbote von Girifalco oder Eine kurze Geschichte über den Zufall von Dara Domenico


Girifalco – ein verschlafenes Nest in Süditalien, in dem Ende der 60er Jahre das Leben seinen gewohnten Gang nimmt. Die Hauptfigur, der Postbote des Dorfes, lebt zurückgezogen und einzelgängerisch, während seine Tante versucht, ihn mit Frauen im heiratsfähigen Alter zu verkuppeln. Doch der Postbote genießt sein zurückgezogenes Dasein, seine Leidenschaft besteht eher im stillen Beobachten, im Philosophieren.

So sammelt er zum Beispiel ,,Zufälle“, die er akribisch notiert und nummeriert. Nebenbei hat er eine weitere, etwas pikantere Nebenbeschäftigung. Er öffnet heimlich Briefe, schreibt diese ab und archiviert sie. Hin und wieder greift er auch aktiv in den Briefverkehr der Dorfbewohner ein, indem er einen unangenehmen Brief nicht zustellt oder eine Mutter von ihrem verschollen geglaubten Sohn endlich Nachricht erhält.
Die Geschichte entwickelt sich sehr gemächlich, leise, so wie auch das Leben des Postboten eher ruhig verläuft. Dieser poetisch-melancholische Duktus prägt die Handlung, die den Leser zwar anrührt, aber nicht unbedingt packen kann. Die einzelnen Kapitel tragen teils witzige, teils rätselhaft Überschriften, was an Erzählungen des 18. oder 19. Jahrhunderts erinnert. Insgesamt wirkt der Roman etwas altertümlich und man ist erstaunt, dass der Autor dieser zwar charmanten, aber doch leicht angestaubten Geschichte erst 1971 geboren ist.
Erschwert wird die Lektüre durch die zahlreich auftretenden Figuren und deren zahllosen Namen und Kosenamen, allerdings schafft das Personenverzeichnis am Ende dabei etwas Abhilfe. Manche Kapitel führen den Leser auch etwas in die Irre, da teilweise der begonnene Handlungsfaden merkwürdig ins Leere läuft.
Für mich ist ,,Der Postbote von Girifalco oder Eine kurze Geschichte über den Zufall“ eine interessante und lohnenswerte Lektüre, die abseits vom ,,mainstream“ steht, aber keine, die mich mitreißen konnte.

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Rezensionen von Harakiri:

super gelungen

Das Labyrinth des Fauns von Cornelia Funke; Guillermo Del Toro

Ist Ofelia die seit vielen hundert Jahren verschwundene Prinzessin? Vieles spricht dafür und als Ofelia im Garten der alten Mühle, in der sie jetzt zwangsweise lebt, ein Labyrinth entdeckt und von einem Faun ein altes Buch bekommt, ist sie selbst überzeugt, diese Prinzessin zu sein. Doch bevor sie sich ihrer Stellung würdig erweist, muss sie 3 Aufgaben bewältigen, die ihr alles abfordern.

Ich kenne den Film „Pans Labyrinth“ nicht und bin ganz unvoreingenommen an das Buch herangegangen. Cornelia Funke schreibt sehr anschaulich und so hatte ich eigene Bilder im Kopf, die mir beim Lesen noch mehr Vergnügen bereitet haben. Schaurig-schön erzählt Funke die Geschichte der Ofelia und ihrer Familie. Der grausame Stiefvater, die kranke Mutter und mit Mercedes eine Freundin für Ofelia, die aber auch selbst in Gefahr gerät.
Sehr schön fand ich die märchenhafte Stimmung des Buches, der geschnitzte Baum, der das Mädchen sucht oder auch das Küssen der Kröte. Allerdings ist das Buch auch teilweise ganz schön grausam, wenn der Hauptmann seine Gefangenen foltert, oder auch gruselig, als Ofelia die Aufgabe bekommt, einen Schlüssel zu finden und einen Baum zu retten.
Funke fängt die Stimmung sehr gelungen ein und durch die Einschübe der alten Sagen bekommt das Buch noch mehr Authentizität. Das Ende hat mich ein wenig überrascht, aber es ist durchaus passend und stimmig.
Fazit: ich lese die Bücher von Cornelia Funke immer wieder sehr gerne und auch diese Buch hat mich wieder überzeugt.

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Rezensionen von jiskett:

Schöne Liebesgeschichte mit gut ausgearbeiteten Charakteren

Lotus House - Lustvolles Erwachen von Audrey Carlan

"Lustvolles Erwachen" ist der erste Band einer Reihe, in der erotische Liebesgeschichten mit Yoga kombiniert werden, und da ich noch kein Buch mit einem ähnlichen Konzept gelesen hatte, war ich sehr gespannt auf die Erzählung. Alles in allem konnte sie mich überzeugen; ich fand es ganz besonders interessant, wie die Yogastunden dargestellt wurden und die verschiedenen Informationen, gerade über das Wurzel-Chakra, aber auch über die Übungen an sich, waren faszinierend.

Nach dem Lesen bekommt man auf jeden Fall Lust darauf, sich selbst für Kurse anzumelden ;)

Die Charaktere selbst waren mir sympathisch, vor allem Genevieve, die sich seit dem Tod ihrer Eltern aufopferungsvoll um ihre Geschwister kümmert. Carlan zeigt, dass ihre Situation alles andere als leicht ist, aber die Liebe zwischen den Figuren wurde auf jeden Fall deutlich und ihre Familiendynamik hat mir sehr gut gefallen. Ich mochte allerdings auch, wie Trent sich den dreien gegenüber verhalten hat - eine Beziehung zwischen ihm und Genevieve könnte nicht funktionieren, wenn er nicht mit ihrer Familie zurecht käme, also war es schön zu sehen, dass er sich darum bemüht hat, sich zu integrieren. Alleine schon deshalb fand ich ihn die meiste Zeit sehr sympathisch, obwohl es Momente gab, in denen sein Handeln ein wenig fragwürdig war.

Die Chemie zwischen den Protagonisten stimmt auf jeden Fall und das Knistern zwischen ihnen ist offensichtlich, sodass es einige aufgeladene, erotische Szenen gibt, doch es wird ebenfalls deutlich, dass sie darüber hinausgehend zusammen passen würden und einander gut tun. Auf den ersten Blick haben sie nicht viel gemeinsam, aber ihre sich entwickelnde Beziehung funktioniert einfach und sie war für mich absolut glaubwürdig. Ich mochte, wie die beiden miteinander agiert haben und mir hat alles in allem auch gefallen, wie sie mit ihren Problemen umgegangen sind. Gegen Ende war dies allerdings nicht immer der Fall - für meinen Geschmack gab es hier zu viel Drama und es kam zu viel auf einmal. Unter den gegebenen Umständen kam mir der Konflikt ein wenig konstruiert vor, vor allem, da er vergleichsweise rasch aufgelöst wurde und in der Folge wieder andere Aspekte in den Vordergrund rückten.

Von diesem Punkt abgesehen hat das Buch mich gut unterhalten und es hat mir angenehme Lesestunden beschert. Ich mochte beide Protagonisten sehr gerne, die Entwicklung ihrer körperlichen Beziehung sowie der tiefer gehenden Gefühle konnte mich überzeugen und die Kombination der Liebesgeschichte mit Yoga war interessant. Daher vergebe ich 3,5 Sterne.

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Rezensionen von Miro76:

Die pakistanische Version vom Report der Magd

Die Geschichte der schweigenden Frauen von Bina Shah

"Feminismus ist die Bewegung, die auf Missstände aufmerksam macht und uns eine Stimme verleiht. Pakistan braucht mehr Feminismus, damit wir ein besseres Pakistan schaffen können." So die Autorin in einem Interview.

Doch so richtig feministisch wirkt dieses Werk nicht. Es macht nur auf Missstände aufmerksam, bietet aber keine echte Lösung an.

Sabine lebt in Green City. In dieser abgeriegelten Stadt gibt es kaum mehr Frauen, denn sie wurden von einem Virus dahingerafft. Die verbleibenden Frauen werden zu Gebärmaschinen. Sie müssen drei, sogar vier Gatten haben, werden mit Hormonen vollgepumpt und sollen möglichst viele Kinder in die Welt setzen, um die Zukunft zu sicher.

Für Sabine ist diese Vorstellung ein echter Schrecken und sie ergreift die Chance auf Flucht. Fortan lebt sie in der Panah, ein versteckter Ort, an dem wenige Frauen zurückgezogen leben. Sie verbringen ihre Nächte bei den Obersten der Gesellschaft und bieten ihnen, was sie sonst nirgends bekommen - echte menschliche Nähe. Sie helfen ihnen beim einschlafen, bewachen ihren Schlaf, damit sie gut gerüstet in den nächsten Tag starten können. Für sexuelle Abenteuer stehen sie nicht zur Verfügung.

Bina Shah hat eine dystopische Welt geschaffen, wie in Atwoods "Report der Magd". In beiden Büchern findet sich Widerstand gegen dieses Regime. Wie weit der Widerstand in Atwoods Buch geht, kann man nur erahnen, aber es gibt ein Netzwerk und es gibt eine Fluchtroute. Die Frauen sind aktiv daran beteiligt. In Bina Shah's Roman gibt es zwar die Panah, aber die Frauen sind trotzdem vom Schutz der Mächtigen abhängig. Sie sind nicht wirklich aktiv. Sie versuchen nichts an ihrer Lage zu verändern oder anderer Frauen aus dem System zu schleusen. Das wirkt irgendwie inkonsequent. Die Frauen haben ihr Gefängnis nur getauscht. Sie können sich trotzdem nicht frei bewegen.

Da die Autorin Pakistani ist, denkt man natürlich sofort an die Rolle der Frau in muslimischen Ländern. Auch da sind die Frauen Menschen zweiter Klasse, denen nicht zugetraut wird, für sich selbst zu entscheiden. Diese Missstände werden in der "Geschichte der schweigende Frauen" klar aufgezeigt, doch aktiv wird schlussendlich nur eine von ihnen und das aus Not.

Trotzdem habe ich diese Geschichte gerne gelesen. Ich hab mit den Frauen gelitten, die in dieser Gesellschaft leben müssen und mit Sabine, die sich auf ein Abenteuer einlässt. Für FreundInnen des dystopischen Romans ist dieses Buch sicher eine Empfehlung und ich freue mich, mein erstes Buch einer pakistanischen Autorin gelesen zu haben.

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Rezensionen von Miro76:

Ein altes Haus erzählt

Gott wohnt im Wedding von Regina Scheer

Regina Scheer ist für mich eine Neuentdeckung und ich habe die Lektüre ohne große Erwartungen begonnen. Doch dann hat mich diese Geschichte nicht mehr losgelassen.

Ein altes Haus im Wedding, einem Arbeiterviertel in Berlin, steht kurz vor dem Abriß und spürt das Ende nahen. In diesem Haus hat sich vieles abgespielt.

Hier hatte sich Leo Lehmann, der als Jude und U-Boot in Berlin den 2. Weltkrieg überlebt hatte, manchmal verstecken können. Hier wurde eine Sinti-Familie vertrieben, deren Nachfahrin später wieder in dieses Haus einzieht und hier leben einige Roma-Familien aus Rumänien, die versuchen in Berlin Fuß zu fassen.

Auf dieser Lesereise begleiten wir Leo, der nach dem Krieg nach Isreal auswanderte und mit 90 Jahren zurück in seine alte Heimat kommt. Wir lernen Gertrud kennen, die Leo und seinen besten Freund in manchen Nächten versteckte und bitter dafür bezahlen musste. Dennoch konnte sie sich ihre Lebensfreude und ihre Offenheit bewahren. Mit Laila erfahren wir viel über die Geschichte der Sinti und leiden mit ihnen, denn sie sind heute nicht erwünschter, wie damals.

Regina Scheer hat dieses Buch sehr sachlich angelegt. Das tut dem schwierigen Inhalt gut, denn emotional ist die Thematik sowieso. Dennoch konnte dieses Buch einen Sog auf mich ausüben, dem ich mich nicht mehr entziehen konnte. Die wechselnden Kapitel aus der Vergangenheit, der Gegenwart und den verschiedenen Perspektiven halten die Spannung aufrecht.
In kurzen Zwischenkapiteln kommt immer wieder das Haus zu Wort. Das ist ein guter Erzählkniff, denn das Haus wertet nicht. Es ist immer objektiv, es hat alles beobachtet und es ist eine gute Möglichkeit ein paar historische Fakten unterzubringen.

Für mich ist "Gott wohnt im Wedding" eine wunderschöne Überraschung in diesem Lesejahr. Das Buch konnte mich restlos begeistern und ich empfehle es uneingeschränkt weiter.

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Rezensionen von Miro76:

Zu viele Köche verderben den Brei

All die unbewohnten Zimmer von Friedrich Ani

Über den Inhalt möchte ich hier gar nicht viel verraten. Es gibt gleich zu Anfang einen verletzen Polizisten, wenig später gefolgt von einem toten Polizisten. Aber das sind längst nicht alle Toten, die in diesem Krimi Rätsel aufgeben.
Ebenfalls gibt es ganz einige Ermittler. Nicht nur die berühmten Ermittler Franck und Süden, aus den vorherigen Romanen, treten hier als Protagonisten auf.

Auch der Ermittlern Fariza Nasri kommt eine zentrale Rolle zu.
Zusätzlich gibt es einen Erzählstrang mit einer Fluchtgeschichte aus Syrien, eine abgehalfterte Bademeisterin, einen ostdeutschen Rechtsradikalen und ein bisschen zeitgemäße politische Debatte.

Dieser Roman beinhaltet alles, was unsere Zeit gerade hergibt und dadurch auch irgendwie nichts. Mir wurde das alles spätestens in der Hälfte des Buches zu viel. So viele Themen werden angerissen und nicht wirklich abgehandelt.
Als dann zu guter Letzt noch sexuelle Belästigung und ein weiterer Mord dazu kommt, sah ich mich gezwungen meine Bewertung nochmals nach unten zu korrigieren. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hat der Roman für mich jede Glaubwürdigkeit verloren.

Vielleicht hätte ich es anders gesehen, wenn ich im Vorfeld bereits etwas von Friedrich Ani gelesen hätte und mit wenigstens einer handelnden Person vertraut gewesen wäre. Aber ich halte mich eigentlich für flexibel und aufmerksam genug, um damit umgehen zu können.

Stilistisch ist das Buch nicht schlecht. Dass der Autor schreiben kann, steht außer Frage, nur bin ich der Ansicht, dass er mit der Zusammenführung seiner Protagonisten ganz einfach über das Ziel hinausgeschossen ist und zu viel gewollt hat. Für mich geht sich das hier ganz und gar nicht aus. Ich musste mich streckenweise etwas quälen bei der Lektüre.

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Rezensionen von Sabina Haslinger:

Tolles Buch über Geschichten von den Gipfeln der Alpen

Gipfelkreuze - Träume, Triumphe, Tragödien von Hans-Joachim Löwer

So unterschiedlich können die Beweggründe für das Aufstellen von Gipfelkreuzen sein - im Gedenken an gute Bergkameraden (zb Törlspitze in OÖ) oder im Andenken an Tragödien (zb. am Langkofel in den Dolomiten) werde sie aufgestellt... manchmal aber auch aus Dankbarkeit (zb der Schober in Salzburg) und dann gibt's nocht 100 andere Gründe, warum einzelne Menschen oder auch Gruppen Gipfelkreuze auf den Gipfeln der Berge aufstellen.

..
Natürlich habe ich in diesem Buch als erstes die Gipfelkreuze der umgebenden Heimat heraus gelesen... Der Brunnkogel mit seinem Zünfte- oder Berufe-Kreuz war mir bekannt, auch der Aberfeldkogel mit den Europäischen Staaten... aber dass am Kitzstein (Nähe Bosruck) das Gipfelkreuz aufgestellt wurde, weil ein geplantes Atommüll-Endlager vom Bosruck abgewendet werden konnte, war mir ganz Neu und stellt diesen Gipfel für mich in ein ganz anderes Licht! Großartig, dass ich solche und noch einige weitere Gipfelkreuzgeschichten über Gr. Priel und andere Berge meiner Heimat in diesem Buch finden konnte!

Aber natürlich finden sich Infos in dem Buch zu Kreuzen im gesamten Alpenbogen von der Schweiz, über Italien, nach Österreich und auch zu deutschen Gipfeln. Zu vielen bekannten Bergen, wie Großglockner, Ortler, Zugspitze, Piz Buin, Großer Moosstock, usw. gibt's überaus interessantes über Ihre Gipfelkreuze zu berichten!

Das Buch ist kein Wanderbuch - sondern ein Bildband über die Gipfelkreuze der Alpen mit Geschichte und Geschichten. Ja kurze Hinweise zum Gipfelanstieg finden sich auch - aber die Hauptsache machen die Texte mit den wunderbar dazu passenden und gut recherchierten Bildern aus. Ein Buch, dass ich gerne auf meinem Nachtkästchen liegen habe - zum Quer durch lesen - Mal diesen Berg, mal diesen... und immer wieder denke ich mir: "Unglaublich was mancherorts geleistet wurde und wie schön es nicht wäre, sich gleich morgen aufzumachen um diesen Berg, dieses Gipfelkreuz und seine Geschichte persönlich kennen zu lernen..." na vielleicht geht sich ja heuer das ein oder andere Gipfelchen noch aus... das eine oder andere aus dem Buch könnte da schon dabei sein ;-)

Meine Absolute Empfehlung für Gipfelstürmer oder Sammler, die nicht nur den Berg hinauf rennen sondern auch ein bisschen mehr erfahren wollen! In diesem Buch, auf 350 Seiten gibt's den passenden Fundus an interesanten, berührenden, skurilen und nachdenklich stimmenden Geschichten!

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Rezensionen von KimVi:

Faszinierend

Das Labyrinth des Fauns von Cornelia Funke; Guillermo Del Toro

Spanien, 1944: Gemeinsam mit ihrer hochschwangeren Mutter, folgt Ofelia dem Stiefvater und zieht in eine ehemalige Mühle um. Das neue Heim ist von einem dichten Wald umgeben. Hier regiert Ofelias Stiefvater unbarmherzig seine Truppe, denn er hat es sich zum Ziel gesetzt, alle Rebellen, die im Widerstand aktiv sind und sich im Wald verstecken, zur Strecke zu bringen.

Doch auch im Privatleben agiert der Stiefvater unbarmherzig und grausam. Es scheint so, als ob er kein Herz hätte. Deshalb folgt Ofelia der Fee, die sie in den dichten Wald führt, bereitwillig. Dort trifft sie auf einen geheimnisvollen Faun, der ihr drei Aufgaben stellt. Ofelia gerät immer tiefer in den Bann der märchenhaften Welt. Kann sie dem Faun vertrauen und die Aufgaben erfüllen?

"Das Labyrinth des Fauns" ist die Romanfassung zum Film "Pans Labyrinth" von Guillermo del Toro. An der Handlung des Films wurde von Cornelia Funke nichts verändert, allerdings ergänzen kurze, märchenhafte Episoden, die aus ihrer Feder stammen, das Ganze. Diese Einschübe lassen das Geschehen noch abgerundeter wirken.

Die Umsetzung, aus der Handlung des Films einen Roman zu erschaffen, ist der Autorin hervorragend gelungen. Denn vom ersten Moment an, spürt man eine magische, aber auch düstere Atmosphäre, die dazu einlädt, sich ganz auf das abenteuerliche Geschehen einzulassen. Der dunkle Wald, die Bedrohung durch den brutalen Stiefvater, die sowohl innerhalb, als auch außerhalb der Mühle zu spüren ist und die Magie, von der man nicht genau sagen kann, ob sie nun harmlos oder etwa auch grausam und gefährlich ist, üben einen geradezu faszinierenden Reiz aus, dem man sich schon nach kurzer Zeit nicht mehr entziehen kann.

Dabei betrachtet man das Geschehen aus wechselnden Perspektiven. Die Wechsel sind allerdings so gelungen, dass man sich stets bewusst ist, wo die Handlung sich gerade zuträgt und wer im Zentrum steht. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm lesbar. Man kann sich die beschriebenen Szenen mühelos vorstellen. Da es stellenweise sehr grausam zugeht, ist diese märchenhafte Geschichte nicht für jüngere Leser geeignet.

Mich konnte die Autorin mit dieser magischen Geschichte von Anfang an begeistern. Die düstere Atmosphäre war für mich durchgehend spürbar und hat dafür gesorgt, dass ich das Buch bereits nach kurzer Zeit nicht mehr aus der Hand legen konnte. Deshalb vergebe ich alle fünf Bewertungssternchen und eine begeisterte Leseempfehlung.

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Rezensionen von Bibliomarie:

Havanna im Herzen

Nächstes Jahr in Havanna von Chanel Cleeton

In ihrem Herzen fühlt sich Marisol als Kubanerin, obwohl sie schon in der 2. Generation in Miami lebt. Aber ihre Großmutter Elisa hat ihr die Liebe zur Heimat eingepflanzt. Elisa musste als junge Frau von Kuba fliehen, die Eltern gehörten zur reichen Klasse und standen Battista nah, als sich die Revolution unter Castro und Che abzeichnete, wurde es gefährlich für die Familie.

Politik war nie Elisas Thema, sie lebte in Luxus und abgeschottet von normalen Leben. Dann lernt sie einen Mann kennen, sie ist fasziniert von seinen Ideen und seinen politischen Zielen, auch sie wird allmählich kritischer, aber die Flucht der Familie reißt sie auseinander.
Ein ganzes Leben später erfüllt Marisol ihren letzten Wunsch, ihre Asche soll auf Kuba verstreut werden. Marisol findet Aufnahme im Haus von Elisas Jugendfreundin Ana und verliebt sich in ihren Enkel Luis. Es scheint, als ob sie die Geschichte ihrer Großmutter wiederholt….
Man spürt in diesem Roman aus jeder Seite die Liebe der Autorin zu Kuba, den Menschen dort und deren karibischen Lebensgefühl, das auch nach Jahrzehnten von Mangel und Misswirtschaft ungebrochen ist. Mir schien, sie hat die eigene Sehnsucht nach der Heimat ihrer Familie in ihrer Protagonistin Marsisol ausgedrückt.
Die Geschichte ist in zwei Zeitebenen angesiedelt, das vorrevolutionäre Havanna im Jahre 1958, das Elisa erlebt und das Havanna im Jahr 2917, als Marisol als Touristin die Stadt erlebt. Die Rückblenden haben mich fasziniert, viel zu wenig wusste ich von den revolutionären Umbrüchen der Insel und hatte Castro immer nur als Greis mit Bart im Gedächtnis. Wie die Menschen die Revolution feierten, eine neue Zukunft erhofften und im Lauf der Jahre immer ernüchterter wurden, ist farbig und lebendig erzählt. Ich fühlte mich nach Kuba versetzt.
Marisols Geschichte ist mir im Gegensatz dazu fast zu blass erschienen, die Liebesgeschichte mit Luis war eigentlich unausweichlich und sollte wohl Dramatik in den Handlungsstrang bringen, obwohl dafür auch schon ein altes Familiengeheimnis sorgte, welches meiner Meinung nach aber in die Kategorie Klischee fällt.
Aber der Roman lebt von seinem Temperament und den stimmungsvollen Beschreibungen, er hat mir trotz meiner kleinen Kritikpunkte sehr gut gefallen und gut unterhalten. Die Autorin ist ganz dicht an ihrem Thema und bringt es warmherzig ihren Lesern nah. Ganz besonders die geschichtlichen Hintergründe haben mich interessiert und fasziniert.

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Rezensionen von maus1@onlinehome.de:

eher ruhiger Krimi

Schneewittchensarg von Roman Voosen; Kerstin Signe Danielsson

"Schneewittchensarg" ist der siebte Teil der Reihe, ich habe zwar zwei Teile gelesen, aber das ist schon einige Zeit her, so dass ich nicht ganz so flüssig in die Story einsteigen konnte. Ich denke, es ist auf jeden Fall besser, wenn man alle Teile gelesen hat. Bei einer Kunstausstellung tauchen die Überreste einer anscheinend weiblichen Leiche in einem Brautkleid auf.

Wie es sich herausstellt, handelt es sich um die Knochen einer vor fast 50 Jahren spurlos verschwunden Braut. Nyström und Forss ermitteln, die Spur führt zu zu drei Familien, die allesamt Glashütteneigner sind.

Was mir bei Krimis immer gefällt ist, wenn ein aktueller Fall Bezug zu einer Begebenheit in der Vergangenheit hat, also in zwei Zeitebenen spielt. Interessant waren die Auszüge aus dem Tagebuch der toten Braut und ich konnte miträtseln, was hinter ihrem Verschwinden steckt. Die Figuren sind greifbar und wirken lebensecht, der Schreibstil ist schön flüssig lesbar. Ich hatte einzig etwas Schwierigkeiten, weil mir Vorwissen aus den Vorgängerbänden fehlt, was aber den Fall an sich nicht beeinträchtigt hat. Fesselnder Krimi der eher ruhig und unblutig verläuft. 4 Sterne.

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