Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine gelungene Fortsetzung
Zeit aus Glas von Ulrike Renk
Krefeld 1938/39 - Familie Meyer ist, wie alle anderen jüdischen Familien im Deutschen Reich, von Sanktionen und Willkür der Nazis betroffen. In der Progromnacht wird ihr liebevoll und gediegen eingerichtetes Haus verwüstet. Zum Glück ist kein Familienmitglied zu Schaden gekommen. Nach wie vor glauben die meisten Juden, dass der „Spuk“ bald vorbei sein würde.
Nur wenige, verfügen über Verbindungen ins rettende Ausland.
Nur Ruth, inzwischen 17 Jahre alt, beginnt sich ernsthaft über eine Flucht aus Deutschland Gedanken zu machen. Es gibt die Möglichkeit als Haushaltshilfe nach England zu gehen. Als sich die Gelegenheit bietet, bewirbt sie sich heimlich um eine solche Stelle. England scheint ohnehin (neben Palästina), die Rettung zu sein. Tausende jüdische Kinder werden nach England evakuiert. Auch Ilse, die jüngere Tochter, könnte es mit ihren 14 Jahren gerade noch in dieses Programm schaffen. Doch die Familie will unbedingt zusammenbleiben und die Trennung von den Töchtern würde besonders der depressiven Mutter schwerfallen.
Meine Meinung:
„Zeit aus Glas“ ist der zweite Band der Trilogie rund um die jüdische Familie Meyer aus Krefeld. Wie schon im ersten Band „Jahre aus Seide“ schildert die Autorin die Lebensumstände jüdischer Familien in Deutschland. Nur jetzt 1938/39 haben sich die Verhältnisse dramatisch verschlechtert. Wir Leser kennen die Geschichte und wissen was den Familien noch bevorstehen wird. Daher ist es manchmal schwierig, das Buch zu lesen, denn manchmal habe ich das Gefühl, die Protagonisten beuteln und drängen zu müssen. Daher scheint die Handlung nicht voran zu kommen. Doch das täuscht meiner Ansicht nach.
Der Schreibstil wirkt hin und wieder ausufernd, sich im kleinsten Detail verlierend. Doch diese genau winzigen Bruchstücke machen diesen zweiten Teil für mich lesenswert. Obwohl ist mich intensiv mit dieser Zeit auseinandergesetzt habe, erfahre ich noch immer etwas Neues. Zum Beispiel wusste ich bislang nicht, dass die von den Nazis zerstörten Häuser binnen zwei Wochen von ihren Eigentümern wieder instand gesetzt werden mussten, bevor man sie arisiert hat. Dass die jüdischen Familien „Entschädigungen“ zahlen mussten, dass die Nazis ihren Besitz zerstörten, das war mir bekannt. Auch das englische Familien in Deutschland (oder ganz Europa?) Haushaltshilfen gesucht haben, war mir unbekannt.
Gut sind die Gewissenskonflikte von Ruth herausgearbeitet. Einerseits will sie ihre Familie nicht im Stich lassen, andererseits will sie weg aus Deutschland. Wie schon im ersten Band (in dem es mich ziemlich gestört hat) ist Ruth für ihr Alter ein wenig zu abgeklärt, zu erwachsen. Jetzt mit 17 ist dieser Charakterzug weiter ausgebaut, aber diesmal stimmig. In dem „Machtvakuum“ innerhalb der Familie scheint Ruth zu sein, die die Zeichen der Zeit erkennt - vielleicht auch nur instinktiv. Gut, Vater Karl hat immerhin einige Vermögenswerte mit Hilfe seines früheren Chauffeurs außer Landes schaffen können. Trotzdem glaubt er im Innersten seines Herzen nicht daran, dass sie Deutschland verlassen müssen. Erst mit seiner Verhaftung wird der Familie bewusst, wie gefährlich die Lage wirklich ist.
Manchen Lesern wird es vielleicht unglaubwürdig vorkommen, dass Ruth auf ihrer Reise nach England viel kleine oder größere Unterstützung erhält. Dies ist die Geschichte einer Überlebenden. Die vielen tragischen Schicksale, die auf dem Weg ins Exil ihrer wenigen Habe beraubt oder doch noch aus dem Zug geholt wurden, ist hier nicht das Thema, wird aber in den Ängsten, die Ruth plagen angedeutet.
Schmunzeln musste ich über die irrationalen Handlungen, die vor allem Mutter Martha setzt: Ruth mit elf Koffern (also eigentlich sind es ja nur neun) voller Bett- und Tischwäsche, also quasi mit der „Aussteuer“, nach England reisen zu lassen, mutet schon ein wenig skurril an. Gewundert habe ich mich, dass Ruth ihr Fahrrad so lange behalten durfte. Soweit ich weiß, wurde alle Fortbewegungsmittel von den Nazis beschlagnahmt. Aber, vielleicht war das ein wenig später.
Wie schon im ersten Teil, ist das Nachwort sehr aufschlussreich, da es die Fakten und Fiktion aufschlüsselt.
Fazit:
Eine gelungene Fortsetzung der Familiengeschichte, für die ich gerne 4 Sterne vergebe.
Rezensionen von zenzi:
Verkupplung und Zwangsehe
Zeit aus Glas von Ulrike Renk
Dieses Frauenschicksal hat mich sehr interessiert und ich habe den Fall auch sehr schnell gelesen. Der Stil war übersichtlich, einfach zu verstehen. Die handelnden und im Gericht befragten Personen waren auch gut zuzuordnen. Nach und nach erfärhrt man den ganzen Fall.
Die Realität ist gut getroffen.
Man versteht nun, dass es normal ist, ein junges Mädchen, Gülay, aus der tiefsten Türkei einfach nach Deutschland zu schicken, damit es irgendeinen Landesgenossen heiratet. Wenns nicht passt, Pech gehabt, Scheidungen gibt es normal nicht.
Der erste Mann stirbt und sie richtet sich ihr Leben mit ihrem Kind gut ein. Aber eine Witwe steht in der Gemeinschaft nicht gut da - zu jeder Frau gehört ein Mann. So verkuppelt eine Freundin, die sich damit Geld verdient, Gülay mit einem Mann, den sie aber nicht leiden kann, der keine Arbeit hat... Nach einer Vergewaltigung willigt sie doch zu einer Ehe ein, um einer Schande zu entgehen. Diese Zwangsehe, diese Hölle für die Frau hält nicht lange und es kommt zu einer Gerichtsverhandlung. Interessant zu lesen, wie unterschiedlich jeder Beteiligte diese Beziehung gesehen hat. War sehr spannend und wirklich erlösend das Urteil - einmal hat das Recht gesiegt und nicht die Macht!
Rezensionen von yellowdog:
Ein Bündel Gedichte
Was von mir bleibt von Sylvia Kling
Sylvia Kling – Was von mir bleibt: Das Gedicht-Band versammelt Gedichte über einen längeren Zeitraum.
Vieles wirkt selbsttherapeutisch, Depressionen und Trauer werden verarbeitet. Das wird besonders deutlich bei den Gedichten, die dem Zyklus Aus meinen Schwerezeiten (2007 – 2012M) stammen.
Einiges davon erinnert an Brigitte Schwaiger.
Der therapeutsiche Effekt wird auch ausgedrückt, z.B. in „ich lächle dem Leben zu.“ oder in Neublick:
Aus meiner müden Finsternis
wurde kraftvolles Licht,
aus meinen trauerschwarzen Tal
eine wiesenbunte Ebene
Mich hat zeitgenössische Lyrik schon oft fasziniert. Doch nicht alles erreicht mich. Sylvia Klings Stil ist nicht ganz das, was ich üblicherweise lese. Über manchen Passagen wundere ich mich, wie sentimental sie sind. Fast möchte man sich fremdschämen, wenn es zu pathetisch wird.
Manchmal wird es sozialkritisch, z.B. in Der Deutsche im empathischen Wohlstandsmodus.
Doch das funktioniert so nicht.
Sylvia Kling beschäftigt sich auch mit der Heimat. Sie ist in der DDR aufgewachsen. Das hat seine stärkste Wirkung, wenn sie sich erinnert, z.B. in Das Haus. „Ich lief an meiner Kindheit vorüber ...“.
Der Abschnitt Gebündeltes beinhaltet viele kürzere Gedichte. Das kompakte tut ihnen gut.
Rezensionen von jiskett:
Unglaublich fesselnd und voller großer Gefühle
Das Dach der Welt von Mira Manger
Da ich noch nie einen Liebesroman gelesen hatte, in dem das Bergsteigen eine zentrale Rolle spielt, war ich sehr auf "Das Dach der Welt" gespannt, doch auch die Inhaltsangabe selbst klang wirklich interessant. Sie versprach eine emotionale Geschichte mit Höhen und Tiefen - sowohl im übertragenen als auch im wörtlichen Sinn - und ich wollte unbedingt wissen, wie die Charaktere mit der Situation umgehen würden, die für sie beide belastend sein musste, da es schließlich Gründe gab, wieso sie sich getrennt haben.
Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen. Sie dreht sich hauptsächlich um die Besteigung des Mount Everest und die Strapazen dieser Reise, doch zugleich gibt es immer wieder inhaltlich passende Einschübe, durch die man Einblicke in die Vergangenheit von Alicia und Robin bekommt. Man sieht, wie sie sich kennen- und lieben lernen, aber auch, wieso ihre Beziehung in die Brüche ging. Dabei spielt Robins Alkoholproblem natürlich eine große Rolle und es ist an dieser Stelle wichtig zu erwähnen, dass es zu Beginn des Buches eine Trigger-Warnung gibt, die darauf aufmerksam macht, was auf den Leser zukommt. Meiner Meinung nach ist die Autorin sehr einfühlsam mit dem Thema umgegangen und sie hat die verschiedenen Facetten aufgezeigt; man konnte sehen, was in Robin vor sich geht und wie alles so weit kommen konnte, doch zugleich wird keineswegs heruntergespielt, wie sehr Alicia unter der Situation gelitten hat. Mir hat sehr gut gefallen, dass die Darstellung nuanciert war und deutlich wurde, dass beide komplexe Figuren mit Stärken und Schwächen sind. Es wäre leicht gewesen, Robin zu verteufeln, doch dies war nicht der Fall und das fand ich toll.
Ebenso hat Manger es geschafft, trotz der komplizierten, ausweglos erscheinenden Lage zu zeigen, dass die beiden nach wie vor Gefühle füreinander haben und dass sie einander als Partner bei der Bergbesteigung vertrauen, weil sie gemeinsam sehr viele Erfahrungen gesammelt haben. Es wurde keineswegs heruntergespielt, dass zwischen ihnen viel kaputt gegangen und ihr Verhältnis schwierig ist, doch da aus der Sicht beider Protagonisten erzählt wird, kann man als Leser immer sehen, was in ihnen vor sich geht. Allerdings muss ich sagen, dass das Potential einer erneuten Annäherung und die Romanze an sich in der Gegenwart meiner Meinung nach fast schon etwas zu kurz kamen, obwohl die noch vorhandenen Emotionen der Charaktere stets präsent waren.
Das Highlight des Buches war für mich ganz klar die detaillierte, schonungslose und unglaublich fesselnde Beschreibung der Erklimmung des Berges. Die Schilderung wirkte so lebendig, dass ich selbst das Gefühl hatte, mit den Figuren auf dem Weg zum 'Dach der Welt' zu sein und dabei ist Manger sehr ausführlich darauf eingegangen, welche Risiken und Gefahren es gibt. Den Protagonisten und ihren Begleitern wird einiges zugemutet und es gab ein paar Szenen, in denen ich wirklich um das Leben der Beteiligten gebangt habe. Die Geschichte war teilweise sehr spannend und die Beschreibungen der Landschaft und des Erlebnisses an sich waren beeindruckend. Ich muss jedoch auch sagen, dass ich selbst beim Lesen immer dachte, dass ich diese Strapazen nie auf mich nehmen würde - von daher gilt mein Respekt all denen, die das tun.
Das Ende war für mich ein bisschen zu abrupt, aber es ist ein guter, stimmiger Abschluss der Geschichte. Insgesamt hat das Buch mir gut gefallen und obwohl die Liebesgeschichte in der Gegenwart noch etwas präsenter hätte sein können, haben die Schilderungen der Bergbesteigung mich so gefesselt, dass es mich nicht wirklich gestört hat. Deshalb vergebe ich 4 Sterne.
Rezensionen von anushka:
Sozialkritik ohne wirklichen Biss
Die Nickel Boys von Colson Whitehead
Florida, Anfang der 1960er: Der 16-jährige Elwood lebt bei seiner Großmutter. Die Eltern haben ihn Jahre zuvor zurückgelassen. Bislang ist es Elwood gut gelungen, sich im Farbigen-Ghetto von Tallahassee aus Ärger herauszuhalten. Aber auch er kennt bereits Demütigungen. Und als seine Großmutter ihm eine Platte einer Rede von Martin Luther King schenkt, wird sich Elwood der Ungerechtigkeiten immer bewusster.
Die Zukunft sieht vielversprechend aus als Elwood einen Platz am College bekommt. Doch dann trampt er in einem gestohlenen Auto und wird als Autodieb ohne gerechtes Verfahren in die Besserungsanstalt Nickel Academy gesperrt. Dort muss er erleben, wie Wärter und Gesellschaft ihren Rassismus ungehemmt ausleben.
Colson Whitehead hat sich auch mit diesem Buch dem Thema des Rassismus gewidmet und reale Ereignisse zugrundegelegt. Zunächst steigt das Buch ein mit einem Team von Studenten, die auf dem Gelände der ehemaligen Anstalt Ausgrabungen vornehmen und abseits des offiziellen Friedhofs menschliche Überreste finden. Dann wechselt die Geschichte zu Elwood, dessen Aufwachsen und schließlich Jugendzeit der Leser ausschnittweise begleitet. Durchsetzt ist dieser Strang immer wieder mit Ausschnitten aus Elwoods Erwachsenenleben als Überlebender der Anstalt.
Der Schreibstil ist ansprechend und poetisch, fast zu "schön" für solch eine grausame Geschichte, die jedoch selten explizit grausam ist. Im Gegensatz zum vorherigen Buch "Underground Railroad" sind die Gewaltszenen dieses Mal wesentlich weniger explizit und oft sogar nur angedeutet. Dementsprechend ist es jedoch auch weniger erschütternd. Zumal alle Jungen zu leiden haben: die Weißen genauso wie die Latinos und die Farbigen, wobei letztere noch einmal schlechter behandelt werden. Ergreifend ist eher, wie Elwoods Träume platzen und er sich wie all die anderen (farbigen) Jungs in das seit Jahrhunderten gängige Schicksal fügen soll, was ihm jedoch zunehmend schwerfällt. So richtig Biss hat die Sozialkritik jedoch nicht und es gibt wenig deutliche Positionierung. Es wird nicht ganz deutlich, was nun zentraler ist: der generelle institutionelle Missbrauch von Kindern oder die Rassendiskriminierung.
Trotz der Kritikpunkte hat mir das Buch insgesamt gut gefallen und es hätte gern länger sein dürfen, ich hätte sicherlich weitergelesen. Vielleicht wäre man dann Elwood auch noch näher gekommen. Mir haben zudem die Kapitel des Erwachsenenalters gefallen. Und schließlich gab es noch einmal eine überraschende Auflösung, die der Geschichte noch eine neue Perspektive gegeben hat.
Rezensionen von Lealein1906:
Eine Liebe wie ein Königreich
Zwei in Solo von Elja Janus
„Zwei in Solo“ ist eine fantastische Liebesgeschichte, die mich von der ersten Zeile an berührt hat und wirklich etwas ganz Besonderes ist. Da kann ich nur fünf Sterne geben und jedem Liebesromanfan zurufen, kauf dieses Buch!
Es geht um Sophie und Milo. Sophie ist Lehrerin, als sie eines Tages von ihrem ehemaligen Schüler Milo aus einer brenzligen Situation gerettet wird.
Aus einer gemeinsamen Nacht entspinnt sich schnell eine ernste Beziehung, über Alters- und gesellschaftliche Grenzen hinweg, denn die beiden fühlen sich einfach so sehr voneinander angezogen. Die beiden schaffen sich ihr Königreich „Solo“. Doch wenn die beiden nicht ihre Vergangenheit nicht hinter sich lassen, kann wohl auch ihr Königreich nicht lange bestehen.
Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, weil er lockerleicht durch die Geschichte führt, aber an den richtigen Stellen tiefgründig wird. Er hat einfach sehr gut zu dem Buch gepasst. Die Geschichte an sich hat mich dadurch überzeugt, dass sie total auf die Beziehung zwischen Sophie und Milo fokussiert ist. Hier braucht man keinen Schnickschnack drumherum, sondern einfach nur die Geschichte dieser beiden Menschen. Und die wurde super emotional und toll erzählt.
Die Charaktere sind auf jeden Fall das Aushängeschild in diesem Roman, weil sie einfach so gar nicht Mainstream sind, sondern völlig eigen und ich beim Lesen auch immer wieder überrascht von ihnen waren. Natürlich ist gerade Milo kein leichter Charakter, aber trotzdem kann man seine Handlungen irgendwie immer nachvollziehen. Und gerade wenn man immer tiefer in seine Vergangenheit abtaucht, kann man ihn immer besser und besser verstehen. Auch Sophie hatte keine leichte Vergangenheit, bei ihr hat mir besonders gefallen, ihre Entwicklung mitzuerleben.
Rezensionen von Lealein1906:
Lecker unterwegs
Die Familien-Campingküche von Sonja Stötzel
Draußen schmeckt es doch am besten! „Die Familien Camping Küche“ ist ein Kochbuch, das zum einen wirklich tolle, neue, kreative Rezepte vorschlägt, zum anderen aber auch einige, die nun wirklich so einfach sind, dass man dafür kein Rezept brauchen würde. Deswegen gibt es vier Sterne von mir.
Das Buch ist aufgeteilt in „Muntermacher-Frühstück“, „Kunterbuntes aus der Salatschüssel“, „Gegrilltes nicht nur zum Sattessen“, „Aus Topf und Pfanne“, „Auf die Hand“ und „Süßes Seelenfutter“. Zudem gibt es ein nettes kurzes Kapitel über „Vorbereitung und Planung“.
Zu vielen Rezepten gibt es sogenannte „Tausch-Tipps“, also Zutaten, die man leicht verändern kann. Auch wenn es oft eher banale Sachen sind, man muss erstmal drauf kommen, und beim Camping fehlt ja schnell mal die eine oder andere Zutat, deswegen finde ich das ganz gelungen.
Mir hat vor allem auch der lockere Tonfall in dem Buch gefallen. Obwohl es ein Kochbuch mit „Anweisungen“ ist, fühlt man so eine gewisse Lockerheit mitschwingen, einfach so, als würde man gerade draußen in der Natur unterwegs sein. Die Rezepte sind auch sehr einfach beschrieben.
Wie gesagt bin ich von einigen Rezepten, wie „Salat mit Roter Bete und Heidelbeeren“ oder „Risotto mit Ananas“ total begeistert, weil sie neu und kreativ und erfrischend sind. Warum in so einem Kochbuch aber ein Rezept für Pfannkuchen vorkommt, hat mich doch sehr ratlos gemacht. Sowas erwarte ich wirklich nur in einem ganz ganz soliden Grundkochbuch. Nun gut, somit finden zumindest auch absolute Kochanfänger sehr leichte Rezepte zum Nachmachen (ob sie das dann gerade beim Campen ausprobieren, ist wieder eine andere Frage).
Dennoch hat mir das Buch im Großen und Ganzen sehr gut gefallen. Die Rezepte sind auf jeden Fall nicht nur für Camping, sondern können auch gut für Picknicks, Grillpartys, Ausflüge oder einfach zuhause verwendet werden. Also guten Appetit.
Rezensionen von LEXI:
Auf der Suche nach dem Glück in Ivy Hill
Die Braut von Ivy Green von Julie Klassen
Auf der Suche nach dem Glück in Ivy Hill
Der dritte und letzte Teil der Reihe um das idyllische Dorf Ivy Hill im englischen Wiltshire startet im Februar des Jahres 1821 mit der Rückkehr von Mercy Groves Bruder George und seiner frisch angetrauten Ehefrau Helena. Mercy muss ihren Traum begraben, finanziell benachteiligten Kindern Schulbildung zu ermöglichen und ihre Vision einer Wohlfahrtsschule zu verwirklichen.
Die kühle und hochmütige neue Hausherrin verleiht ihrer Abneigung gegen die Anwesenheit von Mercy und Tante Matty durch abschätziges Verhalten und gehässige Kommentare Ausdruck. Als der erfolgreiche Geschäftsmann und Besitzer des Fairmont James Drake eine Gouvernante für seine Tochter Alice sucht, erklärt Mercy sich trotz anfänglicher Widerstände ihrer Familie bereit, die Stelle zu übernehmen. Sie möchte nicht nur der angespannten Atmosphäre ihres Elternhauses entfliehen, sondern auch in der Nähe ihrer über alles geliebten kleinen Alice sein. Die liebenswürdige und fürsorgliche Frau nimmt den damit verbundenen gesellschaftlichen Abstieg in Kauf und wagt den Schritt in die Unabhängigkeit. Dass sie als Bewohnerin des Fairmont zugleich auch regelmäßigen Kontakt mit dem attraktiven Bauunternehmer und Zimmermann Joseph Kingsley haben wird, wertet Mercy ebenfalls nicht als Nachteil. Doch auch Mercys Freundin Jane steht vor einer folgenschweren Entscheidung. Gabriel Locke liebt die Besitzerin des „Bell“ über alles, doch diese zögert, seinen Heiratsantrag anzunehmen. Als überraschend einige Personen in Ivy Hill auftauchen, geraten nicht nur Janes Herz und Emotionen in Aufruhr, es beschert dem kleinen Ort auch eine geheimnisvolle französische Modistin. Eine arrangierte Verbindung und verliebte Paare könnten Anlass für baldige Hochzeiten in Ivy Hill sein, doch vor einem Happy End gibt es noch überraschende Verwicklungen und einige Hürden zu bewältigen.
Als begeisterte Leserin der beiden Vorgängerbücher „Die Herberge von Ivy Hill“ und „Die Frauen von Ivy Cottage“ war ich von der ersten Seite dieses Buches an wieder mitten im Geschehen. Altbekannte und liebgewonnene Gesichter und vertraute Örtlichkeiten machten mir den Einstieg leicht. Zwar liegt der Fokus in erster Linie auf Mercy Grove und Jane Bell, doch auch einige andere Paare und Figuren der Vorgängerbücher spielen im dritten Band eine Rolle. Während mit George Groves neu vermählter Ehefrau Helena eine unsympathische und überhebliche Antagonistin die Bühne betrat, bescherte mir das Wiedersehen aller anderen Personen große Freude. Mercys stilles Erdulden ihrer beinahe unerträglichen Situation findet durch ihren wagemutigen Schritt in einen neuen Lebensabschnitt ein Ende. Doch auch Mercy muss schwerwiegende Entscheidungen treffen. Darüber hinaus scheint ihre Liebe zu Joseph Kingsley unerwidert zu bleiben. Gabriel Locke wünscht sich nichts sehnlicher, als ein zukünftiges Leben in seinem neuen Gestüt mit Jane an seiner Seite. Doch Jane hat nicht nur ihre Bedenken gegen eine Heirat mit Gabriel zu verarbeiten, sie wird völlig unerwartet auch mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. James Drake hat sich als Hotelbesitzer ausgezeichnet in Ivy Hill eingelebt und intensiviert seine Beziehung zu seiner Tochter Alice. Hinter seinem charmanten und selbstsicheren Auftreten verbirgt sich eine unerfüllte Sehnsucht nach der Anerkennung seines Vaters, familiären Spannungen zehren an ihm. Die Autorin widmet sich zudem Sir Timothy Brockwell und seiner Ehefrau Rachel, Lady Justina Brockwell und Sir Cyril Awdry sowie Janes Bruder Patrick Bell und seiner Ehefrau Hetty. Auch Thora Talbot und Josephs Schwester Anna Kingsley erhalten eine winzige Rolle im Buch, während mit Madame Victorine eine rätselhafte Unbekannte die Bühne betritt. Mercys Tante Matilda avancierte zu meiner liebsten Nebenfigur. Die liebenswürdige ältere Dame gibt kluge Ratschläge und hat mit ihrem riesengroßen Herzen stets ein offenes Ohr für ihre Nichte.
Ich mag Julie Klassens Schreibstil sehr gerne und durfte ich mich im vorliegenden Band erneut an der gewählten Sprache der Autorin erfreuen. Behutsam werden die Geschicke der handelnden Personen weiterverfolgt und ihre inneren Kämpfe, ihre Hoffnungen und Träume, aber auch ihre Enttäuschungen dargestellt. Die Figuren dieses Buches waren allesamt liebevoll gezeichnet. Der christliche Glaube wurde dezent in die Handlung eingebracht. Julie Klassen versteht es hervorragend, ihre Leser in das Leben im England des Jahres 1821 hineinzuversetzen und tief in die Zeit des Regency einzutauchen.
Auch der dritte und letzte Band dieser Trilogie weist ein wunderschönes und romantisches Coverfoto auf, auf dem eine im Regency/Empire-Modestil gekleidete Braut in einem malerischen Garten vor einer Kirche wandelt. Die zauberhafte Parklandschaft mit grünen Wiesen, blühenden rosafarbenen Blumen und sonnenbeschienenen Bäumen wirkt sehr anziehend.
„Die Braut von Ivy Green“ war ein hervorragender und tief berührender Abschluss einer Trilogie, deren Lektüre ich mit jeder Faser meines Herzens genossen habe. Der großartige Schreibstil Julie Klassens, die einfühlsame und detailverliebte Beschreibung der Handlung und die hervorragend ausgearbeiteten Figuren haben mir allergrößtes Lesevergnügen bereitet. Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen und ich kann es jedem Leser mit einem Faible für historische Romane aus der Zeit Jane Austens ans Herz legen. Aus meiner Sicht ist jedoch eine Kenntnis der beiden Vorgängerbücher „Die Herberge von Ivy Hill“ und „Die Frauen von Ivy Cottage“ unumgänglich.
Rezensionen von Lilli33:
Herzerwärmend und zuckersüß, aber nicht klebrig
An Nachteule von Sternhai von Holly Goldberg Sloan; Meg Wolitzer
Inhalt:
Die 12-jährigen Mädchen Bett und Avery haben eigentlich nichts gemeinsam. Sie wohnen Tausende Kilometer voneinander entfernt und kennen sich nicht einmal. Das soll sich nach Meinung ihrer Väter aber ändern, denn diese sind seit geraumer Zeit ein Paar und wollen eine Familie werden. Deshalb schicken sie die beiden Mädchen in dasselbe Sommercamp.
Doch Bett und Avery sind wild entschlossen, ihren Vätern einen Strich durch die Rechnung zu machen.
Meine Meinung:
Dieser E-Mail-Roman ist einfach herzallerliebst. Ich musste so oft über die beiden Mädchen lachen, die mir ganz schnell ans Herz gewachsen sind. Die eine lebt in Kalifornien, die andere in New York. Die eine ist eine Draufgängerin, die keine Regel einhält, die andere ist übervorsichtig und ängstlich. Eigentlich kaum vorstellbar, dass diese beiden sich anfreunden könnten. Doch durch ihre E-Mails, in denen sie Pläne schmieden, um sich dem Willen ihrer Väter zu widersetzen, kommen sie sich nach und nach näher. Dabei hat jede ihren ganz eigenen Schreibstil, sodass man immer gleich weiß, wer gerade schreibt, auch wenn man nicht auf den Kopf der E-Mail achtet.
Dass Bett und Avery sich anfreunden würden, ist relativ schnell vorhersehbar, und das ist auch gut so. Aber das Autoren-Duo hat auch einige Überraschungen eingebaut, mit denen wirklich nicht zu rechnen war. Das macht die Geschichte herrlich bunt und erfrischend.
Besonders gut gefiel mir der lockere Umgang mit Homosexualität. Auch die Bedeutung von Familie und Freundschaft wird stark herausgestellt.
Ich fühlte mich von Anfang bis Ende super gut unterhalten und habe mich selten so amüsiert. Dabei ist das Buch nicht nur witzig, sondern auch sehr tiefgründig, aber eben auf eine ganz leichte Art. Das Buch hat nur einen Fehler: Es ist zu kurz. Ich hätte Bett und Avery gerne noch länger begleitet. Aber durch die Kürze und die kurzen E-Mail-Kapitel eignet es sich auch super für etwas lesefaule Kinder.
Rezensionen von Tara:
Komplex, spannend, lesenswert
Bis ihr sie findet von Lodge Gytha
„Bis ihr sie findet“ ist ein gelungenes Krimidebüt der britischen Autorin Gytha Lodge.
Im Juli 1983 treffen sich sechs Schulfreunde in einem Wald in Südengland, um gemeinsam zu zelten. Mit dabei ist die erst vierzehnjährige Aurora, die sich als kleine Schwester darüber freut, dass sie dazugehören darf.
Am nächsten Morgen ist sie verschwunden.
30 Jahre später wird in dem Waldstück eine Leiche entdeckt – Aurora. Nun ist es die Aufgabe von Detective Chief Inspector Jonah Sheens den Fall wieder aufzurollen und herauszubekommen, was damals vorgefallen ist. Die damaligen Freunde stehen inzwischen erfolgreich im Leben und Jonah Sheens vermutet den Mörder unter ihnen.
Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm. Sie versteht es zu fesseln und Spannung aufzubauen. Durch unterschiedliche Perspektiven und dem Wechsel zwischen den Zeitebenen in der Gegenwart und der Vergangenheit 1983 machen den Roman abwechslungsreich.
Jonah Sheens und sein Team sind sympathisch und wirken kompetent. Man rätselt mit ihnen, weiß zwar durch die Perspektive von Aurora in der Vergangenheit oft ein wenig mehr als die Ermittler, ist deswegen der Lösung aber auch nicht näher. Die Darstellung der Freunde, die entstandene Gruppendynamik ist äußerst interessant und es gerät jeder einmal in den Fokus der Ermittlungsarbeiten.
Mich hat der Roman durchweg gefesselt, was weniger daran lag, dass er so unglaublich spannend war, sondern vielmehr daran, dass durch die stetigen Wechsel in Zeit und Perspektive eine Menge Abwechslung und Leben in der Handlung lag. Richtig spannend wird es erst gegen Ende.
Eigentlich würde ich das Buch weniger als Krimi, sondern viel mehr als Spannungsroman, der zum Miträtseln einlädt, bezeichnen. Er ist weder reißerisch, noch blutig oder brutal und hat von daher genau meinen Geschmack getroffen. Ich bin gespannt auf weitere Bücher der Autorin.










