Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ruth:
Beeindruckendes Debut
Gib mir alles von Alexandra-Maria Pipos
Alexandra-Maria Pipos, Jahrgang 1989, hat mit „Gib mir alles“ ein beeindruckendes Debut vorgelegt.
Wie ihre Protagonistin Iona ist auch sie in Rumänien geboren und in Deutschland aufgewachsen, sie weiß also, was es heißt, zwischen zwei Welten zu leben.
Iona hat es beinahe geschafft. Sie, die Tochter rumänischer Migranten, hat einen lukrativen Job als Unternehmensberaterin bei Cadris Consulting, einer expandierenden Beraterfirma.
Und der bevorstehende Pitch soll ihr endlich die langersehnte Projektleitungsposition bringen. Dafür gibt sie alles, arbeitet Tag und Nacht. Doch dann stirbt ihr Großvater in Rumänien und ihre Eltern erwarten, dass Iona zur Beerdigung anreist.
Mit Iona hat die Autorin eine Figur geschaffen, die im Hamsterrad steckt und allen Anforderungen von außen gerecht werden will.
Schon früh wurde ihr beigebracht, dass man nur mit Leistung etwas erreichen kann. „Wir haben hier nichts, Iona. Nichts. Nur unseren Kopf und unsere Hände. Wir können es uns nicht leisten, nichts zu tun. …Wer vor der Arbeit flieht, flieht vor dem Glück.“ Seit ihrer Kindheit begleiten sie die Ermahnungen ihrer Eltern. Die sind vor Jahren aus Rumänien geflüchtet für ein besseres Leben, für sich, aber vor allem für ihre Tochter. Und die erfüllt brav die Erwartungen ihrer Eltern. Gerade jetzt, als der Vater krank ist und die Mutter ihre Arbeitsstunden reduzieren muss, sind sie auf finanzielle Hilfe von Iona angewiesen.
Der Job aber fordert alles von ihr. Ionas Leben ist durchgetaktet von früh bis spät. Sie muss permanent erreichbar sein, ständig neue Ideen liefern und ja keine Schwäche zeigen. Ein Versagen ihrerseits würde bedeuten, dass der Kollege die Beförderung und den Bonus erhält. Der Preis ist hoch, den Iona für ihren Ehrgeiz bezahlt. Ein Privatleben gibt es kaum. Man fragt sich, wie lange sie das durchhalten kann.
Auch in Rumänien telefoniert sie ständig mit ihrem Chef, entwickelt nachts neue Vorschläge für die Kunden.
Dabei ist die Situation vor Ort schon schwierig genug. Die Verwandtschaft vereinnahmt sie völlig, auch hier gilt es Erwartungen zu entsprechen. Iona fühlt sich mittlerweile fremd zwischen ihnen.
Es liegen Welten zwischen ihrem Leben in Deutschland und der Heimat der Eltern. Es ist eine beinahe archaische Kultur mit alten Traditionen und Ritualen. So wird z.B. der verstorbene Großvater drei Tage lang zuhause aufgebahrt und Verwandte, Freunde und Nachbarn kommen vorbei, um Abschied zu nehmen.
Die Autorin verfällt nun aber nicht in das Klischee, das Leben in Rumänien als idyllischen Kontrast zur leistungsorientierten Business-Welt in Deutschland zu zeichnen. Im Gegenteil! Die Zustände sind alles andere als rosig, die Familie zerrüttet.
Wir sind nah an der Protagonistin, denn das meiste wird aus ihrer Perspektive geschildert. Um mehr über die Hintergründe und die Vergangenheit der Figuren zu erfahren, greift die Autorin zu einem originellen Kunstgriff. In Zwischenkapiteln, abgesetzt durch eine andere Schrift und mit einer Randbordüre versehen, lässt sie Ikonen als allwissende Erzählinstanz sprechen. So z.B. die Heilige Johanna, Namenspatronin der Hauptfigur, die gleich zweimal zu Wort kommen darf, zu Beginn und am Ende. Diese Heiligen verweisen nicht nur auf den religiösen und kulturellen Hintergrund der rumänischen Herkunft, sondern ermöglichen der Autorin zusätzliche Sichtweisen. Wir erfahren dabei von Ionas Aufwachsen als einsames Migrantenkind und verstehen danach besser, warum ihr Erfolg und Karriere so wichtig sind. Wir lesen vom einsamen Sterben des Großvaters, aber auch was damals geschehen ist, als Onkel Radu ein Auge verlor. Diese Geschichte reicht weit hinein in die rumänische Vergangenheit, in eine Zeit voller Verrat und Bespitzelung unter dem Regime Ceaușescus, eine Zeit, deren Traumata noch immer nachwirken.
Der Roman liest sich leicht, trotz des ernsten Themas. Alexandra-Maria Pipos geht souverän mit Sprache um, findet anschauliche Bilder und fängt den Jargon der jeweiligen Lebenswelt gekonnt ein, so z.B. die vielen Anglizismen in der deutschen Unternehmenswelt, rumänische Zwischenbemerkungen, die für zusätzliche Atmosphäre sorgen und den ganz eigenen Sprachstil der Ikonen.
Am Ende zeichnet sich eine leise Entwicklung der Hauptfigur ab. Auch wenn es nur kleine Veränderungen sind, so darf man doch hoffen, dass Iona einen Weg zu mehr Selbstbestimmung und Freiheit findet.
Rezensionen von Katto:
Viel Potenzial, das leider nicht ausgeschöpft wurde
Close to You (Through The Years 1) von Nissa Renzo
In „Close to You“ von Nissa Renzo geht es um Menschen, deren Leben von schwierigen Erfahrungen, familiären Problemen und emotionalen Verletzungen geprägt ist. Die Geschichte greift Themen auf, die durchaus berühren und zum Nachdenken anregen könnten. Leider konnte mich die Umsetzung insgesamt nicht überzeugen.
Schon im Verlauf der Geschichte gab es einige Entwicklungen, die für mich nicht wirklich stimmig waren. Immer wieder werden neue Handlungsstränge eröffnet, die kaum konsequent weiterverfolgt oder abgeschlossen werden. Dadurch verlor die Handlung für mich schon früh ihren roten Faden und die Geschichte wirkt stellenweise unnötig dramatisch.
Auch das Erzähltempo hat mir zu schaffen gemacht. Das Buch umfasst über 500 Seiten, aber ich hatte oft das Gefühl, dass inhaltlich erstaunlich wenig passiert. Viele Passagen empfand ich als langatmig, und stellenweise musste ich mich wirklich zum Weiterlesen motivieren. Dabei wäre durchaus Potenzial vorhanden gewesen, um Spannung aufzubauen. Stattdessen dreht sich die Geschichte für meinen Geschmack zu oft im Kreis, während immer neue Probleme und dramatische Ereignisse dazukommen. Weniger wäre hier definitiv mehr gewesen.
Was mich aber wirklich beschäftigt und ich besonders kritisch sehe, ist der Umgang mit den ernsten Themen. Das Buch greift schwierige Inhalte auf, die meiner Meinung nach mehr Tiefe, eine sorgfältigere Auseinandersetzung und einen sensibleren Umgang gebraucht hätten. Vieles bleibt oberflächlich, wichtige Zusammenhänge werden nicht ausreichend erklärt und am Ende bleiben zahlreiche Fragen offen. Gerade bei solchen Themen finde ich es wichtig, dass Zusammenhänge nachvollziehbar dargestellt werden und Lesende nicht mit einem unklaren oder missverständlichen Bild zurückbleiben. Dass die Bücher miteinander verwoben sind und manche Dinge erst in den Folgebänden aufgegriffen werden, verstehe ich als Konzept. Trotzdem finde ich es schwierig, gerade bei solchen Themen so vieles ungeklärt und fast alle Fragen offen zu lassen. Ich hätte mir mehr Einordnung und einen verantwortungsvolleren Umgang mit diesen Inhalten gewünscht, auch mit Blick auf die Zielgruppe.
Auch die Charaktere konnten mich leider nicht überzeugen. Nach über 500 Seiten hätte ich erwartet, die Figuren besser zu kennen, ihre Gedanken und Beweggründe nachvollziehen zu können und eine Verbindung zu ihnen aufgebaut zu haben. Stattdessen blieben sie für mich erstaunlich blass. Das finde ich besonders schade, denn gerade ihre Persönlichkeiten und emotionalen Entwicklungen hätten der Geschichte mehr Tiefe verleihen können.
Insgesamt war „Close to You“ für mich eine zähe Lektüre. Die vielen offenen Fragen, die unvollständig erzählten Handlungsstränge und der aus meiner Sicht nicht ausreichend reflektierte Umgang mit den ernsten Themen haben meinen Leseeindruck getrübt. Auch emotional konnte mich das Buch nicht erreichen.
Das Konzept der miteinander verwobenen Bücher finde ich grundsätzlich interessant, für mich funktioniert es hier allerdings nicht überzeugend genug. Ich hätte mir einen stimmigeren Abschluss und eine nachvollziehbarere Entwicklung gewünscht. Schade, denn aus der Geschichte hätte man deutlich mehr machen können.
Rezensionen von Läli G.:
Ein umfangreiches Bestimmungswerk für Fortgeschrittene - eine Rezension
Das Kosmos-Handbuch Pilze von Andreas Gminder; Peter Karasch
„Das Kosmos Handbuch – Pilze“ (2023) von Andreas Gminder und Peter Karasch ist ein umfangreiches Bestimmungsbuch mit über 1.500 Pilzarten und mehr als 2.500 Aquarellzeichnungen von Erhard Ludwig. Ergänzende Sporenabbildungen ermöglichen auch die mikroskopische Bestimmung. Damit richtet sich das Werk vor allem an Pilzinteressierte mit entsprechenden Vorkenntnissen und eignet sich auch für eine wissenschaftlich orientierte Beschäftigung mit Pilzen.
Aufbau und Inhalt
Das Handbuch gliedert sich in vier Bereiche: eine Einleitung mit allgemeinen Informationen, ein Kapitel über verschiedene Biotope und deren Pilzvorkommen, den Hauptteil mit Bestimmungsschlüsseln und Artbeschreibungen auf gesamt 695 Seiten, sowie einen abschließenden Serviceteil mit weiterführender Literatur und wichtigen Kontaktstellen, beispielsweise Giftnotrufzentralen. Besonders hervorzuheben ist der Abschnitt in der Einleitung über Pilzvergiftungen, in dem verschiedene Vergiftungssyndrome und deren Symptome beschrieben werden. Die Klappdeckel vorne und hinten bieten zudem praktische Übersichten zu Abkürzungen, makroskopischen Merkmalen und Pilzgruppen.
Gestaltung und Verständlichkeit
Jede Pilzgattung beginnt mit einem Bestimmungsschlüssel, der eine systematische Einordnung ermöglicht. Allerdings sind für dessen sichere Anwendung bereits gute Vorkenntnisse erforderlich. Die Beschreibungstexte der jeweiligen Pilze sind sehr informativ und gut beschrieben, jedoch recht klein gedruckt. Da pro Seite meist vier bis fünf Pilzarten dargestellt werden, fallen auch die Zeichnungen entsprechend klein aus.
Die handgezeichneten Illustrationen von Erhard Ludwig zeigen viel Liebe zum Detail. Meist werden unterschiedliche Entwicklungsstadien und Schnittdarstellungen der Pilze gezeigt, wodurch die Beschreibungstexte zusätzlich veranschaulicht werden. Die Farben wirken stellenweise etwas blass, und manche Darstellungen stimmen nicht vollständig mit dem Erscheinungsbild der Originalpilze überein. Besonders gelungen sind die ergänzenden Darstellungen der Stielformen, die neben den jeweiligen Illustrationen angeführt werden und die Bestimmung unterstützen.
Die Artbeschreibungen sind sehr informativ und gut gelungen. Symbole, beispielsweise für Speisepilze, Giftpilze und ungenießbare Arten, sorgen für eine übersichtliche Darstellung. Dadurch lassen sich wichtige Informationen auf einen Blick erfassen.
Kritische Würdigung
Bei einzelnen Arten finden sich Querverweise auf ähnliche Pilze und mögliche Doppelgänger. Ausdrücklichere Hinweise auf Verwechslungsgefahren und deren Bedeutung wären dennoch wünschenswert gewesen. Hier bietet beispielsweise Hugo Portischs Buch: „Pilze suchen – ein Vergnügen: Die besten Speisepilze und ihre Doppelgänger“ (2003) eine hilfreiche Ergänzung. Auch die kleine Schrift und die teilweise recht kleinen Zeichnungen schränken die Übersichtlichkeit etwas ein. Insgesamt überzeugen jedoch der große Artenumfang, die detaillierten Informationen und die zusätzlichen Sporenabbildungen.
Fazit
„Das Kosmos Handbuch – Pilze“ ist ein sehr gutes und ausgesprochen umfangreiches Bestimmungswerk. Es bietet zahlreiche Arten, fundierte Informationen und Möglichkeiten zur makroskopischen wie mikroskopischen Bestimmung. Wer sich intensiv mit Pilzen beschäftigen möchte und ein vielseitiges Nachschlagewerk sucht, findet darin einen wertvollen Begleiter, der sich auch für wissenschaftliche Zwecke eignet.
Inhaltsverzeichnis:
Portisch H. & Portisch T. (2003). Pilze suchen – ein Vergnügen: Die besten Speisepilze und ihre Doppelgänger. Mit vielen neuen Rezepten. 4. Auflage. Orac Verlag.
Bei diesem Buch handelt es sich um ein Rezensionsexemplar. Die Rezension gibt meine persönliche und unabhängige Einschätzung des Werkes wieder.
Rezensionen von Zaubermasu / Sandra Hennig:
Glückslos oder Niete
Bärli, ich will die Scheidung von Stefanie Söllner
Schon das Cover und der Titel haben mich begeistert ( und meinen Mann ehrlich gesagt, etwas erschreckt *lach*) und ich bin direkt gespannt in das Buch gestartet :
Carolin zweifelt : So viel stört sie mittlerweile an ihrer Ehe mit ihrem Bärli; eigentlich fast alles. Soll das einfach so weiterlaufen, oder hat das Leben noch mehr zu bieten, als quälende Langeweile mit ihm ? Sie bereitet sich auf eine Trennung vor, denn dass Bärli nicht ihr Traum ist, ist all zu offensichtlich.
Aber ist das wirklich so ? Als eine unerwartete Nachricht auf Rudis Handy vermuten lässt, er könnte eine andere Frau haben, muss Carolin entscheiden : Möchte sie ihren Bärli doch behalten und ist das Leben mit ihm vielleicht gar nicht so schlecht ?
Der Einstieg in das Buch ist mir sehr gut gelungen und Stefanie Söllners luftig leichter Schreibstil trägt da einen sehr großen Anteil daran. Die Geschichte um Carolin und Bärli ist sehr humorvoll und überspitzt geschrieben und lädt zum Verweilen ein.
Ein Thema, dass viele Langzeitbeziehungen beschäftigt – ist es nur noch Gewohnheit und wartet da draußen in der Welt vielleicht noch etwas aufregenderes, oder ist der Mensch das Glückslos, der einem schon ewig zur Seite steht, aber eben doch ein paar Macken hat?
Die Charaktere hat die Autorin toll ausgeführt, ich habe Carolin und Bärli als sehr bildhaft empfunden und konnte das Buch abends kaum aus der Hand legen : da waren die Nächte kurz.
Sehr schöner, humorvoller und auch nachdenklich machender Roman, der mir wundervolle Lesestunden beschert hat und den ich von Herzen empfehle : Ein Ausflug in das Leben von Carolin und Bärli ist absolut Lesenswert !
Rezensionen von meggie3:
Solider Auftakt mit Luft nach oben
Der Prätorianer von Tobias Bukkehave
Kopenhagen wird von Ritualmorden erschüttert. Münzen auf den Augen, die Tatorte inszeniert, geheime Botschaften. Sara Levin und ihr Partner Janus West übernehmen die Ermittlungen. Nach einiger Zeit wird Saras Bruder Adam, ein bekannter Profiler, hinzugezogen. Zunächst gegen den Willen von Sara, die seit der Verurteilung ihres Vaters wegen Mordes, ein angespanntes Verhältnis zu ihrem Bruder hat…
Ich fand es nicht schwer, in die Geschichte hineinzukommen.
Der Sprachstil ist einem Thriller angemessen und der Plot um die Ritualmorde und den Bezug zur Antike hat mich gefesselt. Die Protagonist:innen sind zwar nicht unbedingt sympathisch, aber es passiert etwas zwischen und mit ihnen, letztlich ist eine Entwicklung zu sehen. Insofern konnte ich gut mitfiebern.
Auch wenn es mir ein paar zu viele Zufälle waren und am Schluss etwas zu dick aufgetragen wurde, habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Das Ermittler:innenduo aus Sara Levin und Janus West ist vielversprechend und auch die Hinzunahme von Saras Bruder und Profiler Adam Levin hat mit der Zeit immer besser funktioniert. In Bezug auf Saras und Adams Vater sind noch viele Fragen offen, insofern ist davon auszugehen, dass diese in weiteren Büchern thematisiert werden. Mich hat allerdings gestört, dass ein brutales Verbrechen an einer Frau zu Beginn des Thrillers sehr detailliert beschrieben wurde, ohne dass es für die weitere Handlung eine Rolle gespielt hat. So etwas finde ich unangebracht. Dass die untersuchten Morde des Serienmörders durchaus brutal sind und auch so beschrieben werden, finde ich hingegen in Ordnung, auch wenn das für empfindsamere Leser:innen vielleicht problematisch sein könnte.
Insgesamt ist „Der Prätorianer“ ein solider Auftakt einer dänischen Thriller-Reihe, der mich gefesselt hat, aber an der ein oder anderen Stelle auch noch einige Luft nach oben hat. Mit etwas Wohlwollen vergebe ich 4 Sterne.
Rezensionen von Anndlich:
Vom TSV Lehnerz zum FC Bayern München
Jamal Musiala. Ein Traum. Ein Ball. Meine Geschichte. von Jamal Musiala; Julien Wolff
Jamal Musiala hat früh den Durchbruch bei den Bayern geschafft, in diesem Buch für Kinder ab 10 Jahren berichtet er von seinem Werdegang. Wie es seine Familie aus dem Schwabenland nach England zog und wie er aus dem Nachwuchsbereich des FC Chelseas zu den Bayern kam. Eine Geschichte über einen großen Traum und den Zusammenhalt einer Familie.
Jamal Musiala - Ein Traum. Ein Ball. Meine Geschichte von Jamal Musiala und Julien Wolff erzählt über den Werdegang Musialas. Das empfohlene Alter von zehn Jahren erscheint mir fast zu hoch, da der Schreibstil sehr einfach ist, eignet sich dieser auch für jüngere Kinder.
Musiala berichtet von seinem Werdegang, den ersten Erfahrungen beim TSV Lehnerz, dem NLZ bei den Blues und seinem Durchbruch bei den Bayern. Wer Interviews von Musiala kennt, der kann erahnen wie sympathisch er seine Geschichte rüberbringt. Dem Autor Julien Wolff ist es definitiv gelungen, die Stimme Musialas rüberzubringen und das Gefühl zu übermitteln, dass Musiala neben einem sitzt und seine Geschichte erzählt.
Außerdem finden Musialas Mutter Carolin, sein ehemaliger Jugend-Coach James Simmonds und Leroy Sané weitere Einblicke in den Charakter Musialas. Während Musialas Geschichte das Gefühl gibt, dass er von unheimlichen Talent gesegnet wurde, wird aus den anderen Perspektiven bewusst, dass Musiala ebenso sehr viel Arbeit und Fleiß in seine Karriere gesteckt hat, um sein Ziel zu erreichen. Perspektiven, die es durchaus benötigt, um als junger Mensch mit dem Wunsch Profifußballer:in zu werden, Hoffnung aus solchen Geschichten mitzunehmen und alles für den eigenen Traum zu geben.
Besonders schön wird das Band innerhalb der Familie beschrieben, das von gegenseitigem Respekt und viel Liebe geprägt ist. Ein tolles Vorbild für Klein und (!) Groß.
An einigen Stellen hat uns der Text etwas verloren, weil er sehr sprunghaft wurde und zeitlich schwierig einzuordnen war oder, vor allem ab der Station beim FC Bayern, uns zu schnell abgehandelt wurde. Auch wenn für den FC Bayern Meisterschaften an der Tagesordnung stehen, so war für Musiala die Meisterschaft 2023 sicherlich etwas besonders und obwohl es erwähnt wurde, kam das Ausmaß dessen bei uns nicht wirklich rüber.
Schade fanden wir auch, dass an manchen Stellen bestimmte Fotos erwähnt wurden, diese aber (ohne Hinweis) gesammelt und nicht chronologisch in der Mitte des Buchs aufgeführt wurden. Wir hätten es schöner gefunden, wenn man diese Fotos in den Text eingebaut hätte oder zumindest auf die entsprechende Seite hingewiesen worden wäre.
Jamal Musiala - Ein Traum. Ein Ball. Meine Geschichte ist ein Buch über einen sympathischen Fußballer, der in jungen Jahren schon viel erreicht hat und dennoch auf dem Boden geblieben ist. Ein Buch für jedes Kind, dass sich für Fußball interessiert, über einen Spieler und eine Familie, die ein tolles Vorbild ist.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Ein perfekt gelungener Reihenauftakt!
Mord in perfekter Ordnung - Jules Gespür für Symmetrie von Anett Diell
Weder die Autorin Anett Diell noch der in der Nähe von Freiburg im Breisgau gelegene Kurort Bad Krozingen sind mir bislang ein Begriff gewesen. Nun ist diese Bildungslücke geschlossen.
Worum geht’s?
Bad Krozingen gilt als beschauliche Kleinstadt, in der wenig weltbewegendes passiert. Und ausgerechnet dorthin hat man KHK Jeremias Killick strafversetzt, was ihn dauerhaft missmutig sein und mit Gott und der Welt hadern lässt.
Dabei hat er seine Strafversetzung sich selbst zuzuschreiben - was genau vorgefallen ist, erfahren wir Leser peu à peu beim Lesen.
Als er dann zu einer Hochleistungssportlerin, die tot am Ende ihrer, zugegeben steilen, Kellertreppe liegt, gerufen wird, tendiert er ebenso wie der Notarzt zu einem Unfall. Doch die, wie aus dem Nichts erscheinende Tatortreinigerin Jule Vögelein, behauptet steif und fest, dass hier jemand nachgeholfen hat. Der Versuch, Killick von ihre Beobachtungen zu überzeugen, ist vorerst vergeblich, denn der hält sie für überspannt. Allerdings ist auf den verwackelten Fotos, die der Aushilfsfotograf der Dienststelle angefertigt hat, wenig zu sehen ist, was zusätzlich seine Zornesader schwellen lässt.
Kurze Zeit später wird Killick zur nächsten Leiche gerufen und wieder macht ihn Jule auf die präzise Anordnung von Leiche und Umgebung aufmerksam. Diesmal schenkt er Jules Ausführungen Gehör und hat endlich mehr zu tun, als Parksündern Tickets zu verpassen.
Meine Meinung:
Dieser Krimi, der dem Vernehmen nach, Auftakt zu einer neuen Reihe sein soll, hat mir sehr gut gefallen. Zunächst sind da einmal die gelungene Mischung aus Krimi, Humor und dem kleinstädtischen Flair des Kurortes Bad Krozingen, und zum anderen die höchst unterschiedlichen Protagonisten Jule Vögelein und Jeremias Killick.
Obwohl Killick, stets auf Krawall gebürstet ist, ist er mir nicht unsympathisch. Am liebsten würde er sich selbst in den Hintern beißen, was er aber natürlich nicht zugeben kann. Jule finde ich entzückend. Sie steht zu ihrer Monkhaftigkeit, die sie auf den ersten Blick Details erkennen lässt, die andere übersehen. So macht kann sie Killick auf bestimmte Muster aufmerksam, die die Kriminaltechnik erst nachmessen muss. Ist der Täter auch ein Zwängler wie Jule?
Jedenfalls sorgen die beiden, die dasselbe Ziel verfolgen, nämlich den Täter zu finden, für zahlreiche herzerfrischende Dialoge, wobei manchmal auch aneinander vorbei geredet wird, was nicht nur am alemannischen Dialekt, den Killick kaum versteht, liegt. Apropos Dialekt - der wird zur Auflockerung sparsam eingesetzt. Eine Übersetzung ins Hochdeutsche ist am Ende des Krimis nachzulesen.
Die Jagd nach dem Mörder führt hin und wieder in eine Sackgasse, ist allerdings stellenweise recht turbulent und fesselt bis zum Schluss. Ich gebe zu, recht bald einen Verdacht gehabt zu haben, der sich als richtig erwiesen hat.
Kurz habe ich mich darüber gewundert, dass die Tatortreinigerin so kurz nach dem Auffinden eines Mordopfers, den Tatort reinigen darf. Ich hätte, aus den Dienstvorschriften des österreichischen Kriminalpolizei in Erinnerung, dass eine solche Reinigung, manchmal erst Wochen später erfolgen kann. Ich verbuche das unter „künstlerische Freiheit“.
Auch wenn dieser Krimi zu Beginn eventuell den Eindruck erwecken könnte, auf Slapstick ausgerichtet zu sein, wird nach kurzer Zeit ernsthaft ermittelt.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem perfekter Einstieg in eine neue Krimi-Reihe, deren Fortsetzung hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten lässt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine klare Leseempfehlung!
Mühlviertler Feuer von Eva Reichl
Wenn mitten in der Nacht das Telefon von Chefinspektor Oskar Stern läutet, ist klar, dass es um Ermittlungen in einem unklaren Todesfall gehen muss.
Wenig später stehen er und seine Kollegin Mara Grünbrecht vor einem rußgeschwärzten Einfamilienhaus in dem drei Männer scheinbar gemütlich rund um einen Tisch sitzen, statt vor dem Feuer geflohen zu sein.
Es dauert eine geraume Zeit bis die Identitäten der toten Männer abseits des Hauseigentümers feststehen.
Bei der Befragung der Nachbarn kommt heraus, dass es in der Vergangenheit schon mehrmals zu Brandstiftungen gekommen ist. So haben unter anderem die Mistkübel am Friedhof gebrannt, was als „b‘soffene G’schicht“ oder „dumme-Jungen-Streiche“ abgetan worden ist. Außer ein bisschen Sachschaden, sei ja nichts passiert. Hat der Feuerteufel nun eine neue Eskalationsstufe erreicht? Sind die drei Toten Zufallsopfer oder steckt da mehr dahinter?
Als sich herausstellt, dass einer der drei Toten der örtliche Versicherungsmakler gewesen ist, von dem sich einige Bewohner von Rohrbach-Berg betrogen fühlen, scheint es eine erste Spur zu geben. Einer dieser, die eine Wut auf den Versicherungsmakler haben, ist der frühere Schulkollege der Grünbrecht, Stefan Lider, dessen frisch renoviertes Haus bei einem Kabelbrand schwer beschädigt worden ist. Wegen Unterversicherung hat Lider nur einen Bruchteil des Schadens ersetzt bekommen. Ist er der Brandstifter? Allein lebend hat er kein Alibi, aber ein mögliches Motiv, zudem verhält er sich nach Meinung von Grünbrechts Kollegen Martin Heinze eigenartig, was nicht nur daran liegt, dass Lider während der Schulzeit Mara aus der Ferne angehimmelt hat.
Noch während Stern & Co akribisch ermitteln und dabei auf gewalttätige Ehemänner stoßen, brennt es in Rohrbach-Berg schon wieder. Stern kann nicht verhindern, dass eine Bürgerwehr gebildet wird und er persönlich auf der Jagd nach den Feuerteufel, die völlig aus dem Ruder läuft, persönlich angegriffen wird.
Meine Meinung:
Dieser neunte Fall für Chefinspektor Oskar Stern und sein Team führt uns in das schöne, aber manchmal raue Mühlviertel, genauer gesagt in die Bezirksstadt Rohrbach-Berg.
An dieser Krimi-Reihe schätze ich die gute Zusammenarbeit des Teams rund um Oskar Stern. Mara Grünbrecht, Hermann Kolanski, Martin Heinze und das Geplänkel mit dem Gerichtsmediziner Dominik Weber, mit dem Stern im Laufe der Zeit eine gepflegte Männerfreundschaft verbindet. Gut gefällt mir, dass auch das Privatleben der Ermittler eine wohl temperierte Rolle spielen darf. Stern, seit einiger Zeit mit Silvia Burgstaller liiert, und Dosenöffner für Kater Miro, muss man einfach mögen. Stern agiert umsichtig und ist ein Vorgesetzter, den man sich nur wünschen kann.
Davon kann der junge aufgeweckte Polizeiaspirant Sebastian Stinagl, der auf der Polizeiinspektion lediglich zum Kaffee kochen und dem sprichwörtlichen Akten abstauben eingesetzt wird, nur träumen. Schmunzeln muss ich, wenn Eva Reichl das eine oder andere Bonmot zur österreichischen Innenpolitik einstreut wie „Aus dem Basti wird noch etwas“. (S.35 ) Eine Anspielung auf den ehemals jüngsten Bundeskanzler Österreichs.
Stern lässt seinem Team freie Hand ihre Arbeit zu tun und ist zur Stelle, wenn Hilfe benötigt wird. Hermann Kolanski quittiert das so:
„Uns braucht niemand, Oskar. Die beiden jungen Hüpfer haben das ganz gut allein hingekriegt. Aber du hast mir das Leben gerettet, du hast Martins T-Shirt und dein Hemd auf meine Wunde gepresst und damit verhindert, dass ich krepiere.“ (S. 295)
Dem ist wohl wenig hinzuzufügen.
Die Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet, haben ihre Ecken und Kanten und dürfen sich weiter entwickeln. Ob wir dem Basti in einem neuen Fall wieder begegnen?
Sehr gefällig sind auch die Cover dieser Reihe auf denen man meistens die typische Mühlviertler Bauweise mit den Granitblöcken im Mauerwerk sehen kann. Das ergibt einen hohen Wiedererkennungswert.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem brandheißen Krimi aus Oberösterreich, der mit einer sympathischen Ermittlertruppe punket, 5 Sterne und eine Leseempfehlung, die für die ganze Reihe gilt.
Rezensionen von Mirko:
Green-like
Hollywood, Ending von John Green
Etwas Neues von John Green in der Hand zu halten, ist immer mit einer gewissen Vorfreude verbunden, weil er mir schon zahlreiche wunderbare Lesestunden verschafft hat. „Hollywood Ending“ wird als sein erster Liebesroman für Erwachsene vermarktet, was wahrscheinlich stimmt, aber eher belanglos ist.
Es geht um Juniper und Kai, zwei Jungschauspieler, die sich am Set kennen und lieben lernen, denen aber die Schattenseiten ihrer Kindheit im Weg stehen. Diese werden durch das Promi-Leben unfreiwillig an die Öffentlichkeit gebracht, bis sie sich die Frage stellen müssen, was sie wirklich wollen.
Green macht die beiden zu Ich-Erzählern. Man lernt sie als Leser so gut kennen, dass man sich schnell mit ihnen verbunden fühlt. Das macht der Autor wie kaum ein zweiter. Er hat schon in der Vergangenheit so wunderbare Charaktere geschaffen (Alaska werde ich nie vergessen). Und auch Kai und Juniper begleitet man gerne und intensiv.
Es ist schwer einen Roman von John Green in einem Jahr zu bewerten, in dem man Tolstoi, Gogol und Steinbeck gelesen hat. Aber ich frage mich immer, was ein Roman mit mir macht und verbinde ihn mit der Frage, was die Absicht des Autors war. Und mit Blick darauf muss ich sagen, dass „Hollywood Ending“ mir eine gute Zeit beschert hat. Es werden tiefgründige Themen behandelt, ohne dass sich das Ganze schwer anfühlt. Das Buch lebt von großartigen Charakteren und wird dadurch letztlich zu einem modernen Roman, der nicht den allerhöchsten literarischen Anspruch erfüllen muss, dabei aber dennoch zum Nachdenken anregt. Ich glaube auch, dass es nicht viele AutorInnen gibt, die ein Setting, wie man es hier vorfindet, überhaupt authentisch und ohne Kitsch skizzieren können. Man verbringt gerne Zeit mit Juniper und Kai. Und genau das macht diesen Roman von John Green so einzigartig.
Rezensionen von bedard:
Mehr Gesellschaftsstudie als Kriminalroman
Die Auster von Yael Inokai
Mehr Gesellschaftsstudie als Kriminalroman
Leonora Bloch ist 73 Jahre alt und muss ihre Rente mit Putzjobs aufbessern, obwohl sie ihr ganzes Leben als Aushilfe in einem luxuriösen Kaufhaus und als Reinigungskraft gearbeitet hat. Für Dr. Bronstedt, den Geschäftsführer des Kaufhauses, arbeitet Leonora bereits seit über 40 Jahren auch privat.
Doch dieses Mal findet sie seine Leiche in einer Blutlache auf dem Boden. Bevor sie allerdings die Polizei verständigt, erledigt sie erst einmal ihren Job und putzt gründlich. Dass sie sich damit verdächtig macht, versteht sich von selbst.
Nach diesem Auftakt könnte man einen eher skurrilen, vielleicht sogar etwas anspruchsloseren Kriminalroman erwarten. Doch man würde schnell eines Besseren belehrt. Auf gerade einmal 224 Seiten entwirft die Autorin eine präzise Charakter- und Sozialstudie in ausgesprochen geschliffener Sprache, während die Auflösung des Verbrechens zunehmend in den Hintergrund tritt.
Leonora ist eine Antiheldin, deren Leben sich zu großen Teilen im Schatten von Luxus und Reichtum abgespielt hat. Selbst aus ärmlichen Verhältnissen stammend, war sie mit den Herausforderungen als alleinerziehende Mutter eines Sohnes oft überfordert. Über seinen frühen und grausamen Tod infolge einer AIDS-Erkrankung ist Leonora nie hinweggekommen; bis heute schafft sie es nicht, die Todesursache auszusprechen. Enge soziale Beziehungen meidet sie. Nur wenige Menschen aus dem Kaufhauskontext lässt sie notgedrungen näher an sich heran.
Im Gegensatz zu ihren Kolleginnen, die vom Luxus um sie herum geblendet sind und von einem besseren Leben träumen, hatte Leonora nie Illusionen. Sie wollte auch nie etwas geschenkt haben. Als aufmerksame Beobachterin, über die gerne hinweggesehen wird, bekommt sie vieles mit und zieht mit ihrem scharfen Verstand die richtigen Schlüsse.
Die Diskrepanz zwischen Leonoras Leben und der Dekadenz des Kaufhauses, das selbst längst im Niedergang begriffen ist, könnte kaum größer sein. Besonders deutlich wird das, als die befehlsgewohnte Tochter ihres verstorbenen Arbeitgebers Leonora anlässlich der Beisetzung ganz selbstverständlich wie eine Dienstbotin herumkommandiert und sie als persönliche Assistentin mit Arbeitsaufträgen durch die Stadt schickt – obwohl zwischen den beiden keinerlei persönliche Beziehung besteht.
Der Mordfall bildet letztlich nur den Rahmen für eine wesentlich umfassendere Betrachtung gesellschaftlicher Verhältnisse. Dabei gelingt es der Autorin, soziale Unterschiede und Abhängigkeiten zu zeigen, ohne daraus eine vordergründige Anklage zu machen. Gerade die knappe Form und die präzise, stellenweise sehr lakonische Sprache verleihen dem Roman seine besondere Wirkung.
Wer zuvor „Ein simpler Eingriff“ gelesen hat, sollte seine Erwartungen allerdings nicht ohne Weiteres auf diesen Roman übertragen. „Die Auster“ ist deutlich leichter und stellenweise geradezu skurril angelegt. Leserinnen und Leser, die eine ähnlich ernsthafte Lektüre erwarten, könnten daher enttäuscht sein.
Wer sich hingegen auf den ungewöhnlichen Ton und die gesellschaftlichen Zwischentöne einlässt, findet eine unterhaltsame, sprachlich bemerkenswerte und zugleich durchaus hintergründige Lektüre. Der Kriminalfall selbst steht dabei weniger im Mittelpunkt als die Menschen und sozialen Verhältnisse, die sich hinter ihm zeigen.











