Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Petra Sch.:
Warum müssen unschuldige "gute Seelen" sterben?
Die perfekte Unschuld von Fields Helen
Kurz zum Inhalt:
In Edinburgh werden Anfang Juli zwei Morde am selben Tag begangen: am helllichten Tag wird ein junger Mann auf einem Festival aufgeschlitzt, und niemand hat etwas gesehen und abends wird eine Hospizschwester in ihrer Wohnung von ihrer Kommode zerquetscht.
Zwei völlig unterschiedliche Taten und Vorgehensweisen.
Doch dann passieren noch weitere grausame Morde an einem Bibliothekar und einer Grundschullehrerin und DI Luc Callanach und DI Ava Turner müssen sich auf die schwierige Suche nach dem Täter machen, der diese "guten Seelen" umgebracht hat, und entdecken bald Unfassbares...
Meine Meinung:
"Die perfekte Unschuld" ist der zweite Teil der Reihe um Luc Callanach und Ava Turner. Die Geschichte/der Kriminalfall ist jedoch in sich geschlossen und kann eigenständig gelesen werden. Nur für das Verständnis des Privatlebens der Protagonisten wäre es von Vorteil, die Reihe chronologisch zu lesen.
Die Morde und deren Aufklärung stehen natürlich im Fokus, dennoch ist auch viel aus dem Privatleben der Protagonisten integriert. Auch die fälschliche Vergewaltigungsgeschichte von Luc, aus dessen Grund er von Frankreich nach Schottland gezogen ist, wird wieder kurz erwähnt.
Und Ava trifft ihren Jungendfreund DCI Joseph Edgar wieder, der in Edinburgh einem Cyber-Kriminellen auf die Spur kommen soll, der sich in die Konten von hohen Tieren gehackt hat und diesen Geld geklaut und an Wohltätigkeitsorganisationen weitergeleitet hat. Klar, dass Edgar dem Ermittlerteam von Luc immer wieder in den Weg kommt und dass es wegen Ava Streitereien gibt.
Eine tolle Nebenfigur fand ich den Journalisten Lance Proudfoot, der - nachdem er anfänglich nur auf Sensationsgeschichten aus war - später zu einer großen Hilfe für Luc wird und sogar einen großen Hinweis liefert, und der - ebenso wie der verdächtige Hacker Ben Paulson - Luc wirklich helfen will, die Mordfälle aufzuklären, denn wie es aussieht, scheint das Ganze kein Ende zu nehmen...
Leider ist die Geschichte an manchen Stellen etwas zäh, trotzdem hat mir das Buch insgesamt gut gefallen, vor allem die Ermittlungsarbeit fand ich sehr spannend. Auch rätselt man immer mit, warum gerade solch unschuldige Menschen, sogenannte "gute Seelen" ins Visier des Täters gerieten: ein Ehrenamtlicher, eine Hospizschwester, ein Bibliothekar, eine Grundschullehrerin, eine Schülerlotsin und eine Menschenrechtsanwältin. Und Natürlich fiebert man mit, ob alle gerettet werden können.
Die Auflösung, warum diese Menschen, die perfekten Unschuldigen, sterben mussten, fand ich zwar einerseits glaubwürdig, andererseits denke ich nicht, dass sich ein Täter tatsächlich so viel Aufwand für ein bestimmtes Ziel machen würde.
Fazit:
Leider nicht ganz so starke Fortsetzung der Reihe um Luc Callanach und Ava Turner. Ich vergebe 4 Sterne.
Rezensionen von Petra Sch.:
Emotionale Achterbahnfahrt
Es wird Zeit von Ildikó von Kürthy
4,5 Sterne
Kurz zum Inhalt:
Das Leben der fast 50jährigen Judith Rogge ist zum Stillstand gekommen. Die Kinder sind außer Haus, der Ehemann lebt neben ihr her und sie stellt sich die Frage: Was soll jetzt noch kommen?
Doch dann stirbt ihre Mutter und sie reist nach 20 Jahren zum ersten Mal wieder in ihre alte Heimat.
..
Dort läuft ihr ihre ehemals beste Freundin Anne über den Weg, mit der sie aus - für sie geglaubten - guten Gründen seit 20 Jahren keinen Kontakt mehr hatte.
Doch es stellt sich heraus, dass Anne an Bauchspeicheldrüsenkrebs leidet, und sofort ist die alte Freundschaft wieder da. Auch zu Erdal und Karsten, mit denen sie damals zu viert in einer WG gelebt hat.
Judith begleitet Anne bei ihren Arztbesuchen, steht ihr bei, und lästert mit ihr über den Tod ab, wie es nur beste Freundinnen dürfen. Auch Judiths Jugendliebe lodert kurzzeitig wieder auf.
Doch dann stellt sich heraus, dass das große Geheimnis - Judiths Lebenslüge - doch die Wahrheit ist. Aber irgendwie auch nicht so ganz. Von nun an wird nichts mehr so sein, wie es mal war...
Meine Meinung:
Ildikó von Kürthy hat mit "Es wird Zeit" einen Roman geschaffen, der nicht nur für Frauen in den mittleren Jahren geschaffen ist. Mit großer Emotionalität und viel Humor hat sie einen Roman kreiert, der zum Lachen, Weinen und Nachdenken anregt: Jede Frau kommt mal an die Stelle, an der sie sich fragt: war es das? Habe ich mir so mein Leben vorgestellt?
Der Roman ist in ich-Form aus Sicht von Judith geschrieben, so bekommt man noch tiefere Eindrücke in ihre Gedanken und Gefühle.
Auch wenn Judiths Leben anfangs sehr deprimierend erscheint, und man ihr Verhalten und ihre Handlungen oftmals nicht nachvollziehen kann, macht sie doch durch das Begleiten ihrer Freundin Anne durch diese schwere Krankheit, das Wiederfinden von alten Freundschaften und vor allem das Aufdecken der Lebenslüge, die gar keine ist, eine große Wandlung durch: Judith weiß am Ende, was sie will. Sie ist stark geworden, selbstbewusst, und lernt das Leben zu lieben. Auch wenn das Schicksal Überraschungen zu bieten hat, mit denen man so nicht gerechnet hat...
Dadurch, dass die Autorin viel Witz in die Geschichte gepackt hat, ist sie nicht nur traurig. Sentimentale und humorvolle Momente wechseln sich ab, und es ist eine Geschichte aus dem Leben gegriffen. Das schöne ist die positive Botschaft am Ende.
Auch wenn ich noch ein bisschen Zeit habe, bis ich 50 werde, hat mich die Geschichte gepackt und gerührt und ich habe mit Judith mitgelitten, mitgetrauert und mich am Ende mit ihr gefreut.
Die Geschichte wird durch färbige Illustrationen, die zur jeweiligen Szene passen, aufgelockert, was mir sehr gut gefallen hat und ich in dieser Form von einem Erwachsenenroman noch nicht kannte.
Die Erzählung ist gespickt mit vielen wunderschönen authentischen Zitaten, direkt aus dem Leben gegriffen:
"Welche Note würde ich meinem Leben geben? Eine Drei mit der Tendenz zur Drei minus. Für eine Matheklausur mag das vor fünfunddreißig Jahren ein durchaus zufriedenstellendes Ergebnis gewesen sein, vor allem, wenn man bedenkt, dass ich wegen Mathe zweimal fast sitzengeblieben wäre. Aber für ein ganzes Leben?"
"Es ist und bleibt jammerschade, dass man manchmal nur dann den erwünschten Eindruck macht, wenn man sein wahres Selbst komplett verleugnet. Eine Erfahrung, die Frauen in Führungsetagen, männerdominierten Konferenzen und gemischtgeschlechtlichen Liebesbeziehungen immer wieder machen."
"Wir wissen doch beide ganz genau, was wir an unseren Männern haben. Kein Herzrasen, aber einen soliden niedrigen Ruhepuls. Damit können wir alle zusammen neunzig werden."
"Jetzt ist blöderweise keiner mehr übrig. Das Haus ist leer. Mein Leben auch. Und ich stehe da, mit einem Herzen zu verschenken, dass keiner mehr braucht und keiner mehr haben will."
"Tumor ist, wenn man trotzdem lacht", hatte Anne gesagt.
"Ich hatte mich daran gewöhnt, dass Annes Gemütslage sich manchmal innerhalb von Sekunden veränderten: Glück, Angst, Lachen, Weinen, Zorn, Spott, schwarzer Humor, dunkelster Kummer. In Annes Seele herrschte Aprilwetter, und ich stand immer bereit, ihr bei Bedarf einen Regenschirm aufzuspannen, um sie so gut wie möglich zu schützen."
Fazit:
Eine emotionale Achterbahnfahrt - eine traurige Geschichte aufgelockert mit viel Humor; die Wahrheit über das Leben, die Liebe, Freundschaft und den Tod. 4,5 Sterne von mir für diese gefühlvolle Lebensgeschichte einer Frau um die Fünfzig.
Rezensionen von yellowdog:
Geheimnisvoll
Es wird Zeit von Ildikó von Kürthy
Die ruhige Erzählweise von Das Geheimnis von Shadowbrook wird konsequent durch die Gedankenwelt der Protagonistin Clara Waterfield bestimmt. Sie ist geprägt von ihrer Krankheit und ihrer Eigenwilligkeit. Diese Form kommt der Fassung als Hörbuch entgegen.
Der Originaltitel House of Glass gefällt mir wegen seiner Doppelbedeutung besser als der deutsche Titel.
Clara leidet an der grausamen Glasknochenerkrankung und kann deswegen nur sehr behutsam durchs Leben gehen. Ihr Aufenthalt in Shadowbrook wird auch zu einem Emanzipations- und Selbstfindungsprozess.
Die britische Autorin Susan Fletcher arbeitet stark mit Atmosphären, daraus ergibt sich eine enorme Dichte.
Die Welt Englands 1914 erwacht für den Leser, insbesondere der Landsitz Shadowbrook und sein Gewächshaus. Hinzu kommen Elemente der Gothic Novel, die vorsichtig und geschickt eingesetzt werden.
Ein langsames Erzähltempo bestimmt die Handlungsentwicklung. Beschreibungen stehen mehr im Vordergrund als Handlung, dazu die Betonung des Geheimnisvollen.
Aufgrund ihres aufgrund der Krankheit bedingten bisher behüteten Lebens ist Clara eine perfekte Reflekionsfläche für die mysteriösen Geschehnisse in Shadowbrook.
Es gibt neben der interessanten Hauptfigur noch einige vielschichtige Figuren, bei dem die Autorin die Motivationen ihres Handeln nachdrücklich zeigt und nachvollziehbar macht.
Ein kleines, psychologisch dichtes Meisterwerk, dass Spannung kontinuierlich aufrecht erhält und ein feinfühliges, stimmungsvolles Buch!
Rezensionen von Lesestern:
wenn das Eis bricht...
Auf dem Eis von Anja Stroot
"Auf dem Eis" von Anja Stroot ist der vierte Band der beliebten Kinderbuch-Reihe "Die Münsterland-Detektive"
Die Kinder-Krimi-Reihe lässt sich unabhängig voneinander lesen und ist für alle Leseratten interessant, auch wenn sie nicht in der Umgebung der Münsterland-Detektive leben.
Die 5 Freunde Leona, Gundula, Jacky, Ben und Felix verbringen ihre Ferien immer auf dem Reiterhof von Leonas Eltern. Diesmal sind es die Winterferien, doch einer der Detektive fehlt; Felix ist nicht erschienen und hat sich auch nicht gemeldet.
Ausgerechnet jetzt,wo bereits ein neuer Fall auf die Münsterland-Detektive wartet: im Hühnerstall sind zwei Hennen verschwunden und die Freunde verfolgen die Spuren des Hühnerdiebs.
Der Weg führt allerdings über den zugefrorenen Weiher und dessen Eis ist an manchen Stellen bereits brüchig...
Fazit:
Eine spannender Kinder-Krimi für junge Leser und angehende Detektive.
Das Buch bietet über die Geschichte hinaus eine kreative Beschäftigungsmöglichkeit, indem es kopierbare Vorlagen für persönliche Detektiv-Ausweise und Lesezeichen beinhaltet.
Desweiteren lässt sich die Geschichte nochmal vertiefen mit Fragen und Rätseln im Anhang des Buches.
Aufgrund meiner praktischen Erfahrungen in Bezug auf Leseförderung in Schulen empfehle ich diese Lektüre bereits für Kinder ab 6 Jahren.
Es hat eine angenehm große Schriftform und lässt sich flüssig lesen oder vorlesen.
Spezielle Begriffe aus der Pferdesprache werden kindgerecht erklärt.
Die zur Geschichte passenden Illustrationen lockern die Geschichte wunderbar auf.
Ein Lese-Spass für Mädchen und Jungs, kleine Pferdefreunde und Spürnasen.
Rezensionen von Hennie :
Ein packendes Familienschicksal
Das Barackenmädchen von Peter Mainka
„Es geht um ein dunkles Kapitel aus meinem früheren Leben.“ [S. 8]
An ihrem 90. Geburtstag entscheidet Helene, der Enkelin Selina von ihrer bewegten und leidvollen Vergangenheit zu erzählen. Sie ist 17 Jahre alt, als sie im Frühjahr 1945 mit der Mutter und dem kleinen Bruder die Heimatstadt Brünn aus Angst vor Übergriffen der Roten Armee verlässt.
Nach Kriegsende, kurze Zeit später, kehren sie zurück und müssen feststellen, dass sie nichts mehr besitzen. Als Angehörige der deutschen Minderheit werden sie ausgegrenzt und erniedrigt. Nach außen hin sind sie gekennzeichnet mit dem „N“ für Němec (Deutsche) an ihrer Kleidung. Neben dem Verlust der schönen Wohnung müssen sie Zwangsarbeit und die schrecklichen Zustände im Krankenhaus sowie die Ungewissheit über das Schicksal des Vaters ertragen. Dazu kommt für Helene, dass ihre innige Beziehung, die Liebe zu Jan nun eine verbotene ist...
Nachvollziehbar werden anhand des Schicksals Helenes und ihrer Familie die Ereignisse um die kollektive Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus Mähren geschildert. In die Geschichte ging es ein als der Brünner Todesmarsch.
Was für eine berührend geschriebene Geschichte! Sofort war ich mittendrin im Geschehen. Das Thema hatte mich sofort im Griff. Ich konnte mich dem elementaren, mit einfachen treffenden Worten agierenden Schreibstil nicht entziehen. Ich habe schon einige Bücher gelesen, die sich mit Flucht und Vertreibung beschäftigten. Sehr anschaulich beschreibt Peter Mainka in was für einer rasanten Geschwindigkeit sich die ohnehin schon schwierigen Verhältnisse im Leben der Menschen änderten. Das Verhalten und der Umgang zwischen Deutschen und Tschechen wandelten sich radikal. Die vorherige scheinbare Normalität brachte die negativsten Erscheinungsformen des gesellschaftlichen Umgangs zu Tage. Da waren tiefe Hassgefühle, Verachtung, Demütigung, Geringschätzung bis hin zu Gewalt und Mord. Das Unheil bricht massiv über die deutsche Bevölkerung herein, was schließlich in der Vertreibung gipfelt.
Mainkas Hauptperson, die Ich-Erzählerin Helene, ist ein starkes Mädchen, gesund an Seele und Geist. Sie versucht immer wieder das Beste aus den scheinbar ausweglos erscheinenden Situationen zu machen und zieht gedanklich oft ihre Kraft aus ihrem intakten, innigen Verhältnis zu den Eltern oder aus der Zuwendung ihr wohl gesonnener Personen.
S. 85 „Wer seinem Herzen folgt, wird auf seinem Lebensweg fast immer richtig liegen.“ (Dr. Pokorná, der tschechische Arzt zu Helene)
Da kann sie auch der böse Vojtêch nicht aus dem Gleichgewicht bringen. In dem riesigen Elend begegnet ihr hin und wieder uneigennützige Menschlichkeit, die Helene nicht verzweifeln und zum Ende ihren Weg finden lassen.
Ich lernte einen bewegenden, zu Herzen gehenden Bericht einer Flucht aus der Heimat ins Ungewisse kennen.
„Das Barackenmädchen“ bezeichne ich als zeitgeschichtlich wichtiges Werk über eine brisante Zeit, gegen das Vergessen und als Mahnung an uns Nachgeborene. Es ist realistischer Geschichtsunterricht! Die finsterste deutsche Geschichte wurde in einem gut erzählten Roman gepackt. Das Wissen um die Vorgänge in der Zeit des Deutschen Reiches und unmittelbar danach muss wach gehalten werden. Gerade jetzt , wo die braune Gefahr wieder heraufzieht, sichtlich an Macht gewinnt. So etwas darf niemals wieder passieren! Ich möchte Bertolt Brecht zitieren:
„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“
Wir alle müssen wachsam bleiben und gegen menschenverachtende Tendenzen in der Gesellschaft angehen.
Ich vergebe sehr gern fünf von fünf Lesesternen und meine Lese-/Kaufempfehlung!
Rezensionen von Pink Anemone:
"Adrian Blackwell-Im Reich der Schatten" von Ralf Raabe i. ein Jugendbuch ab 13 J., welches im Percy-Jackson-Look daherkommt, meine Erwartungen jedoch nicht erfüllen konnte. Leider ein eher enttäuschendes Leseerlebnis.
ADRIAN BLACKWELL von Ralf Raabe
">>Vorbei ist alle Pracht, vergangen unser Rum.<< Seine Stimme klang tonlos und niedergeschlagen.
>>Kein Met fließt mehr in Walhalla, geraubt sind die goldenen Kelche und Efeu überwuchert die Ruinen meines Palastes. Schlangen nagen an den Wurzeln des Weltenbaums Yggdrasil. Vergessen haben die Erdensöhne uns und unsere Taten.
<<"
(S. 44)
Der 16-jährige Adrian hat es nicht leicht. Sein Vater, führender Runologe Europas, ist vor Kurzem auf tragische Weise ums Leben gekommen, die Beziehung zu seiner Mutter ist auch nicht die beste und in der neuen Schule findet der eher ruhige Junge keinen Anschluß.
Als ob das nicht schon genug wäre, sieht er plötzlich überall komische Gestalten, die sonst keiner sieht. Große bärtige Männer in Tierfelle gehüllt und in Begleitung von Krähen mit denen sie sich sogar zu unterhalten scheinen. Sie alle wirken wie die Figuren aus dem Buch der nordischen Göttersagen, welches sein Vater geschrieben hat. Als Adrian merkt, dass dies mehr der Wahrheit entspricht als gedacht, ist es schon zu spät.
Die Sagen und Legenden der nordischen Götter scheinen ein gänzlich anderes Ende genommen zu haben als in den Büchern geschrieben steht. Der Weltenbrand hat so nie stattgefunden und die Prophezeiungen haben sich nicht erfüllt. Die alten Götter gibt es noch, doch sie sind dem Untergang geweiht. Odin weiß nicht mehr wer er ist, da er nur noch einen Raben besitzt, der Weltenbaum Yggdrasil ist am Verdorren, Thor ist müde und nur noch der Schatten seiner selbst und Fenris ist nicht mehr der Wolf, der er einst war.
Wer steckt dahinter? Was hat das alles mit dem Tod seines Vaters zu tun und wieso haben die Götter Adrian auserwählt ihnen aus dieser Misere zu helfen?
Die Geschichte beginnt äußerst vielversprechend. Man liest aus Adrians Sicht und lernt so ihn und seine Gedanken kennen. Ebenso begegnet man den Göttern Thor und Odin, trifft auf Fenris und erhält einen kurzen Einblick in die nordische Mythologie. Anfangs stehen die Götter also noch im Vordergrund. Dies änderte sich jedoch leider allzu rasch. Die Aufgabe, die die Götter Adrian aufbürden steht zwar weiterhin im Vordergrund, doch der Focus kippt plötzlich in eine andere Richtung. Adrian befindet sich nämlich schlagartig in einem Gefühlschaos, welches zwei Mädchen betrifft. Gekribbel, Funken und Flughäfen im Magen. Dies alles hat jedoch keinerlei entscheidende Auswirkung auf die Handlung und führt im Grunde zu nichts.
Ich bin prinzipiell kein Freund von romantischen Handlungen in Büchern, aber wenn diese zusätzlich auch noch absolut keinen Sinn ergeben, finde ich es besonders ärgerlich.
War es hier notwendig? Hatte es Einfluß auf die Handlung? Beide Fragen kann ich mit Nein beantworten.
Zum wiederholten Male frage ich mich, wieso sich Autoren/Autorinnen bemüßigt fühlen immer wieder Love-Interests in Jugendbüchern einzubauen und wieso ist es für diese anscheinend unmöglich eine normale Freundschaft zwischen Mädchen und Jungs entstehen zu lassen?
Das bremste jedenfalls mein Lesevergnügen abrupt von 100 auf 0. Dies, die nur sehr gering vorhandene Geschichte der nordischen Mythologie und die Storyentwicklung.
"Die Namen der Götter Asgards, die der Riese aufgezählt hatte, waren Adrian so vertraut wie den anderen Jungen in seiner Klasse die Spielernamen der englischen Fußballnationalmannschaft. Alle Abenteuer, Anekdoten, Intrigen und Eifersüchteleien, die sich um sie rankten, kannte er."
(S. 50 / Der Autor scheint dies auch bei den Lesern/Leserinnen vorauszusetzen)
Bezüglich der nordischen Mythologie bleibt der Autor nur sehr vage und im Grunde wird die Geschichte dieser nur grob umrissen dargestellt. Ich bezweifle, dass viele Jugendliche ab 12-13 Jahren Ahnung von der nordischen Mythologie haben. Für diejenigen könnte diese Story daher eher verwirrend als spannend sein. Der Autor scheint nämlich ein Grundwissen vorauszusetzen. Ja, und selbst ich, die sich der nordischen Mythologie sehr verbunden fühlt, hatte mit der Autoren-Darstellung so meine Probleme. Wie empfinden das dann wohl 12-13-Jährige?
Auch mit dem Protagonisten hatte ich so meine Probleme. Abgesehen davon, dass nur im Klappentext erwähnt wird, dass Adrian 16 Jahre ist und er jedoch manchmal eher wie ein 13-jähriger agiert und reagiert, kommt noch etwas anderes hinzu.
Anfangs mochte ich Adrians Außenseiterrolle und seine Schusseligkeit machte ihn sympathisch, doch im Verlauf wurde das für mich etwas nervig. Adrian bekommt im Grunde von alleine so gar nichts gebacken. Der Autor behilft sich hier mit vielen zufälligen Zufällen, welche Adrian in die richtige Richtung schupsen und das ist selbst für ein Jugendbuch zu einfach und vor allem too much.
Alle weiteren Figuren bleiben eher blass und somit auch nicht wirklich in Erinnerung.
Die Storyentwicklung empfinde ich allgemein etwas holprig, unlogisch und mit so manchen unnötigen Szenen bestückt, welche eher an Lückenfüller denken lassen, da diese absolut nichts zur Handlung beitragen. Manchmal wird die Story dadurch sogar noch unlogischer und wirrer.
Zwischendurch gab es zwar durchaus spannende und witzige Passagen, wie z.B. als Adrian in die Unterwelt hinabsteigt. Dies wurde jedoch schon im Klappentext erwähnt, obwohl dies tatsächlich erst auf den letzten 70 Seiten geschieht. Hier wird also wieder im Klappentext zu viel verraten und der Weg dorthin gestaltete sich für mich ja eher bescheiden.
Dies lag keineswegs am Schreibstil des Autors, welcher einfach gehalten und flüssig ist und mich anfangs richtig an das Buch fesseln konnte, sondern an den bereits oben erwähnten Dingen.
"Hinter einer Biegung erblickte er das Skelett eines Tieres von urzeitlichen Dimensionen. Neugierig betrachtete Adrian die gebleichten Knochen. Der Schädel hatte zwar Gebiss und Form eines Hundekopfes, aber die Größe eines Konferenztisches."
(S. 174)
Tja, und das Ende? Auch wenn dies der Auftakt einer Reihe ist, so bleibt doch vieles im Unklaren und betreffend der nordischen Mythologie fühlt sich dieses Ende nicht richtig an. Jahaa, wenn es um nordische Mythologie geht werde ich pingelig.
Das Cover, welches im Stile der "Percy Jackson"-Reihe von Rick Riordan gestaltet ist, könnte falsche Erwartungen erwecken. Vor allem bei Jugendlichen, die Fan der Percy-Jackson-Reihe sind.
Ja - es geht um einen halbwüchsigen Jungen, ja - es sind Götter vorhanden und ja - es wird nach etwas gesucht, also durchaus wie in den Büchern von Rick Riordan, aber das war es auch schon mit den Gemeinsamkeiten, denn die Story selbst, der Schreibstil, ja auch der Protagonist und die Atmosphäre sind gänzlich anders und kommen bei Weitem nicht an die Percy-Jackson-Reihe ran.
Da wurde wohl versucht aber genau diese Assoziationen zu erwecken und sprang auf den Erfolgszug der bekannten Jugendbuchreihe auf.
Fazit:
So wie es aussieht, habe ich das Buch mit völlig falschen Erwartungen begonnen, woran die Covergestaltung nicht ganz unschuldig ist.
Ich dachte, ich würde in eine Story abtauchen, welche Kindern und Jugendlichen die nordische Mythologie auf spannende Weise näher bringt und diese in die Gegenwart transportiert. Es hat auch wirklich vielversprechend und lesenswert begonnen und man erkennt, dass der Autor Potenzial besitzt, doch rasch wurde es zu einem eher frustrierenden Leseerlebnis und am Ende war bei mir die Enttäuschung groß.
Zu viele unlogische und nichtssagende Handlungen, Szenen und Entwicklungen, zu viele zufällige Zufälle und die nordische Mythologie wurde meines Erachtens nur sehr lasch beschrieben und schlecht vermittelt. Im Endeffekt ist man am Ende nicht wirklich gescheiter, als am Anfang des Buches - betreffend der Story und vor allem betreffend der nordischen Mythologie. Schade!
© Pink Anemone
Rezensionen von Sago:
Umarmst du mich mal
Umarmst du mich mal? von Eoin McLaughlin
Das kennen wohl Kinder wie Erwachsene gleichermaßen: Man müsste dringend mal geknuddelt werden, aber es hat einfach niemand dafür Zeit. So ergeht es in dem Bilderbuch sowohl dem kleinen Igel als auch der kleinen Schildkröte, die ja auch beide nicht gerade zu den kuschligsten Tierarten gehören! Sie versuchen es bei einigen anderen Tieren, aber einfach alle sind gerade mit etwas ganz anderem beschäftigt.
Das ist so putzig beschrieben und gezeichnet, dass man gar nicht anders kann, als die beiden Trostbedürftigen am liebsten selbst in den Arm nehmen zu wollen.
Absolut begeistert hat mich die besondere Gestaltungsidee: Man kann entweder beginnen zu lesen, wie sich der kleine Igel aufmacht, Trost zu suchen oder das Buch umdrehen und mit der kleinen Schildkröte anfangen. Natürlich treffen sich die beiden dann in der Mitte. Das ist mir so noch nie begegnet.
Rezensionen von Tara:
Provinzkrimi aus Franken – humorvoll & amüsant
Bülent Rambichler und der störrische Karpfen von Anja Bogner
„Bülent Rambichler und der störrische Karpfen“ ist der zweite Band mit Bülent Rambichler - einem Kriminalbeamten aus Nürnberg - Sohn eines Türken und einer Fränkin – von der Autorin Anja Bogner. Man kann das Buch unabhängig und ohne Vorkenntnisse aus dem ersten Band lesen.
Nachdem im fränkischen Strunzheim eine Leiche gefunden wurde, ist es wieder einmal Bülent Rambichler, der dort – in seinem Heimatdorf – die Ermittlungsarbeiten übernehmen soll.
Als Leiter der neuen Spezialeinheit „Landfrieden“ macht er sich an die Arbeit. Bei der Leiche handelt es sich um den zweiten Bürgermeister und der letzte, mit dem dieser Streit hatte, war Erkan Rambichler, der Vater von Bülent.
Der lockere, humorvolle und lebendige Schreibstil von Anja Bogener ist äußerst unterhaltsam. Durch fränkische Redewendungen und einer Menge Wortwitz nimmt sie einen direkt mit in das fränkische Dorf und bedient sämtliche Klischees, die man von den Franken im Kopf hat.
Bülent ist absolut kein typischer Polizist. Am liebsten würde er nur vom Schreibtisch aus ermitteln und auch die Beschreibung der übrigen Charaktere ist ziemlich einmalig. Jeder für sich ist ein Original und ein wenig skurril.
Die Gestaltung der Innencover fand ich ebenfalls sehr gelungen und hilfreich. So findet man zu Beginn ein „Who is who in Strunzheim“ und am Ende eine Skizze des Dorfes,
In diesem Buch stehen nicht der Fall und die Spannung im Vordergrund, sondern vielmehr die Unterhaltung durch eine zum Teil recht derbe Sprachweise und die überspitzte Darstellung von Klischees.
Ich habe mich auch über den zweiten Fall von Bülent großartig amüsiert und mich gut unterhalten gefühlt.
Rezensionen von Sago:
Schmetterlingswunder
Wie kleine Tiere groß werden von Grimm Sandra
Ich habe das Buch für meinen zweijährigen Neffen gekauft, er fällt also genau in die Mindestaltersgruppe.
Das Buch erinnert mich natürlich sehr stark an "Die Raupe Nimmersatt" aus meiner eigenen Kindheit.
Im Vordergrund stehen hier nicht der knappe Text, sondern die Bilder. Von Beginn an wird ein kleines Naturwunder dargestellt: der Weg von der Raupe zum Schmetterling.
Besonders finde ich an dem Buch die raffinierte Gestaltung. Es lädt zum Befühlen geradezu ein, denn es hat Aussparungen und Gucklöcher, in denen Kinder Entdeckungen machen können.
Liebe zur Natur kann man meiner Meinung nach gar nicht früh genug wecken. Das Buch ist Teil der Reihe "Wie kleine Tiere groß werden", deren Idee mir sehr gut gefällt.
Als Pappbilderbuch mit abgerundeten Ecken eignet es sich sehr gut für die Kleinsten. Ich selbst hätte gern noch ein bisschen mehr zum Vorlesen gehabt.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Ein Thriller aus Wien
Wie kleine Tiere groß werden von Grimm Sandra
Mit diesem Thriller begeben wir uns nach Wien. Mehrere Welten prallen hier in verschiedenen Handlungssträngen aufeinander und verknüpfen sich zu einer spannenden Geschichte.
Wir begegnen Irina, die sich als gehobene Prostituierte ihr Leben verdient und nebenbei so manche reiche Kundschaft ausspioniert und hiermit den Weg für den Einbrecher Ditmir bereitet.
Dann ein Schwenk zu Maximilian Wolf, einem der reichen Freier Irinas, der immer wieder zu harten Drogen für seine ausschweifenden Sexspiele greift.
Letztlich begleiten wir Chefinspektor Paul Steininger, der seine eigenen Probleme hat, und sein Team bei der Aufklärung der Verbrechen.
Nun, welche Verbrechen?
Ditmir wird in Wolfs Villa ermordet aufgefunden, doch nicht nur tot, sondern bestialisch gefoltert. Neben der übel zugerichteten Leiche, der bewusstlose Hausherr, der sich an nichts oder fast nichts mehr erinnern kann, weil er bis oben hin mit Drogen und Adrenalin voll ist.
Während die Ermittler von einem Verbrechen im Ostmafia-Milieu ausgehen, erfährt der Thriller einige unerwartete Wendungen ...
Meine Meinung:
Der Autor entführt uns in eine bizarre Welt, in der arm und reich aufeinandertreffen. So kommt Irina aus Tarnopol, Ukraine, um hier im goldenen Westen ein besseres Leben zu finden. Wie häufig landen die junge Frau, von skrupellosen Menschenhändlern ausgenutzt, im nächsten Bordell. Auch Ditmir träumt von Reichtum und Glück, versucht beides in eigene Hände zu nehmen und scheitert.
Auf der reichen Seite haben wir neben den Bordellbetreibern und ihren Hintermännern auch Finanzhaie wie eben Maximilian Wolf.
Chefinspektor Paul Steininger steht so irgendwie dazwischen. Er hält sich an Vorschriften (nicht immer), hat keine finanziellen Probleme und ist dennoch unzufrieden. Seine Ehe läuft schon länger ein wenig schief. Beinahe fängt er mit Kollegin Simone Gruber ein Gspusi an.
Interessant sind auch die Figuren im Bordell: zum einen natürlich Irina, dann Carlo, der den starken Mann symbolisiert, aber letztendlich Irina hilft. Eine sehr sympathische Figur ist Samantha, eine Dragqueen, die, wie es scheint, einen Narren an Irina gefressen hat, und mit ihr ein ausgeklügeltes Ausstiegsszenario entwirft.
Der Schreibstil ist dem Milieu angepasst und recht plakativ. Ein Bespiel? “.. die Stille der Marmor gefliesten Halle durch zweikurz aufeinanderfolgende, knackende Geräusche unterbrochen, die an unter Schneelast brechende Äste erinnerten“. (S. 9) .
Die Perspektive wechselt häufig und die Erzählstränge überlappen sich daher manchmal. Die Auflösung ist schlüssig, wenn auch ein wenig überraschend.
Fazit:
Ein Thriller aus Wien, der mit interessanten Charakteren und einem überraschenden Ende aufwartet. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.









