Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Lilli33:
Der 11. Fall für Hunter und Garcia
Bluthölle von Chris Carter
Der 11. Fall für Hunter und Garcia
Inhalt:
Angela schlägt sich als Taschendiebin durch. Eigentlich hat sie genug erbeutet für diesen Tag. Da fällt ihr ein unverschämter Mann auf, dem sie eine Lektion erteilen will. Sie stiehlt seine Tasche - darin ein Tagebuch mit verstörendem Inhalt.
Meine Meinung:
Ich habe alle Bände dieser Reihe gelesen, denke aber, dass man hier nicht unbedingt Vorkenntnisse braucht, sondern genauso gut mit diesem Band einsteigen kann.
Der Kriminalfall ist in sich abgeschlossen, und das Privatleben der Ermittler spielt keine so große Rolle, dass man es von Anfang an verfolgt haben müsste.
Anfangs gefiel mir dieser Thriller nicht so gut wie die Vorgänger, denn es gilt zunächst nur, bereits geschehene Verbrechen aufzuklären. Erst als der Täter mit weiteren Morden droht, kommt die Polizei richtig unter Druck.
Zwei Dinge haben mich gestört. Zum einen benimmt sich Angela wirklich dumm, was gar nicht zu ihr passt, zum anderen hat mir Chris Carter zu viel doziert. Wie aus dem Lehrbuch beschreibt er an manchen Stellen die Polizeiarbeit, zum Beispiel was wann in welcher Reihenfolge zu tun ist, Dinge, die man vielleicht in einem Nebensatz einfließen lassen könnte, hier aber unnötig trocken ausgewalzt werden.
Mit der zweiten Hälfte des Thrillers hat Chris Carter dies allerdings wieder wettgemacht. Hier steigt die Spannung, der Ermittler Hunter kommt an seine Grenzen - physisch und psychisch. Der Täter scheint immer einen Schritt weiterzudenken als die Polizei. Das ergibt ein spannendes Katz- und Maus-Spiel.
Wie bei Chris Carter üblich sind die verschiedenen erwähnten Tötungsarten zum Teil recht ungewöhnlich, äußerst grausam und ekelerregend. Für zart besaitete Leser*innen ist das nichts.
Die Reihe:
1. Der Kruzifix-Killer
2. Der Vollstrecker
3. Der Knochenbrecher
4. Totenkünstler
5. Der Totschläger
6. Die stille Bestie
7. I am Death. Der Totmacher
8. Death Call. Er bringt den Tod
9. Blutrausch. Er muss töten
10. Jagd auf die Bestie
11. Bluthölle
Rezensionen von Iruen:
Wieder ein Erfolg
Die verstummte Frau von Karin Slaughter
Wie auch die ersten sieben Teile dieser Reihe war "Die verstummte Frau" unheimlich spannend. Ich habe mich sehr darauf gefreut, Sara Linton wiederzutreffen und sie hat mich nicht enttäuscht.
Das Buch spielt in Georgia. Eine Frau wird brutal angegriffen, doch die Tat weist Parallelen zu einem vergangenen Verbrechen auf.
Der Täter, der hierfür vor Jahren inhaftiert wurde, sitzt jedoch noch Gefängnis und beteuert nach wie vor seine Unschuld. Nun muss der Fall neu aufgerollt werden, doch da das Verbrechen bereits über zehn Jahre her ist, ist die Beweislage schwierig.
Das Buch ist nicht nur unheimlich spannend, sondern auch toll recherchiert. So hat man wirklich das Gefühl, "mitzuermitteln" und kann super in die Geschichte eintauchen. Manche Szenen sind zwar sehr brutal, aber dafür ist es auch durchweg spannend. Für mich ein super Buch.
Rezensionen von Dana:
spannend, blutig und wieder anders
Bluthölle von Chris Carter
Als Taschendiebin freut sich Angela Wood ganz besonders auf die Adventszeit. Wenn alle Menschen dicht gedrängt durch die Geschäfte und Ladenstraßen laufen, dicht eingewickelt in warme Kleidung, fällt kaum einen auf, was die junge Frau in ihrer Mitte treibt. Nach einem erfolgreichen Tag gönnt sie sich eine kleine Pause in einer Bar, als ihr jemand auffällt, der ebenfalls eine Lektion verdient hätte.
Hätte Angela allerdings gewusst, was da auf sie zukommt, hätte sie wohl die Finger von der teuren Tasche gelassen. Denn der Beklaute ist ein Profikiller, der nun weitere Personen auf seine Abschussliste geschrieben hat…
Ich habe bereits einige Bücher von Chris Carter gelesen beziehungsweise die Geschichte als Hörbücher gehört und doch wird es mir nie langweilig. Jede Geschichte ist individuell und einzigartig, auch wenn es vielleicht mal Ähnlichkeiten in den Abläufen oder Morden gibt. Die Grausamkeiten scheinen dem Autoren nicht auszugehen, ebenso wie es ja auch immer weiter Menschen gibt, die Verbrechen begehen und ihren schrecklichen Gelüsten nachgehen.
Mir hat der Schreibstil des Autoren wieder gut gefallen und ich war von Anfang an gespannt auf die Geschichte und die Entwicklungen. Das Buch ist flüssig zu lesen und die Spannung in der Handlung steigert sich immer weiter. Am Ende habe ich so mitgefiebert, dass ich das Buch gar nicht mehr weglegen konnte.
Zunächst begleitet man die Taschendiebin, die schon einiges in ihrem Leben mitgemacht hat. Doch was sie nun erlebt, hätte sie niemals erwartet. Auf das Tagebuch eines Mörders zu stoßen, ist auch alles andere als Alltäglich. Angela lässt sich nicht gern Vorschriften machen und nimmt den Ernst der Lage vermutlich auch nicht so wahr, wie sie es sollte. Damit bringt sie sich selbst, aber auch die Ermittler zusätzlich in Gefahr, denn mit ihrem Gegner ist alles andere als zu spaßen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, in dem jeder ein Druckmittel parat hält. Doch wer wird wohl die besseren Karten haben?
Von Hunter und Garcia hat man in den vorangegangenen Büchern schon einiges erfahren und einige ihrer Eigenschaften und Eigenarten finden auch hier wieder Erwähnung. Es wurde insgesamt aber nicht ganz so persönlich, wie in manch anderen Büchern. Mich hat das nicht gestört, da die Ereignisse rund um die Morde sehr vielseitig sind und es nie langweilig wird. Ich erfahre aber auch immer gern etwas über die Ermittler, mit denen man unterwegs ist, da ihre Persönlichkeit meistens ja auch Einfluss auf die Entwicklungen und ihre Arbeit hat.
Man kann die Thriller alle gut unabhängig voneinander lesen, da die Fälle in sich abgeschlossen sind und man kein Vorwissen zu den Figuren benötigt. Ich habe auch noch nicht alle Werke gelesen und konnte der Handlung trotzdem gut folgen. Es ist auf jeden Fall spürbar, dass die Ermittler gut aufeinander abgestimmt sind und teilweise die Gedanken des jeweils anderen fortführen können. Ich mag die beiden Detectives gern, sie sind alles andere als perfekt, aber sehr ehrgeizig und geben nicht schnell auf. Sie packen selbst mit an und scheuen weder Dreck noch andere Widrigkeiten. Gut gefallen hat mir auch die Kooperation mit anderen Einheiten des LAPD, die zum Vorankommen mit einbezogen werden. So taucht man gleich noch etwas tiefer in die Strukturen der Polizei ein.
Die Wege der Ermittlungen sind im Verlauf des Buches unterschiedlich, denn umso mehr sie über ihren Täter erfahren, umso mehr Fragen werden auch aufgeworfen, bis sich nach und nach ein schlüssiges Bild ergibt, mit dem ich in der Form zu Beginn nicht unbedingt gerechnet habe. Doch auch dieses hilft nur bedingt dabei, den Verbrecher festzunehmen, so durchdacht und gut organisiert, wie er vorgeht. Ich fand es sowohl interessant als auch gruselig zu verfolgen, wie durchtrieben, brutal, blutig und absolut grauenvoll die Morde geschehen sind und wie scheinbar unbeteiligt die Aufzeichnungen darüber wirken.
Während nach und nach die alten Verbrechen aufgerollt werden, müssen sich alle auch mit den aktuellen Entwicklungen beschäftigen und das Team des LAPD gerät sehr schnell mit ins Visier. Durch die Perspektivwechsel kann man die parallel laufenden Stränge verfolgen und erhält Einblicke in unterschiedliche Bereiche der Handlung, die sich alle bedingen und irgendwann auch ineinander übergehen. Die Szenenwechsel sorgen für zusätzliche Spannung und Dynamik in der Geschichte, die Spannung steigert sich immer weiter, auch weil die Gefahr für alle Beteiligten deutlich zunimmt. Einige Passagen sind wieder blutig und heftig, geschont wird man da als Leser nicht unbedingt.
Fazit
Wieder ein spannender, blutiger Thriller aus der Feder von Chris Carter. Es gibt zahlreiche Morde, die im Buch aufgerollt werden. Einige erlebt man direkt mit, von anderen wird rückblickend berichtet, was sie aber nicht weniger erschreckend, brutal und grausam erscheinen lässt. Das Tempo steigert sich im Verlauf des Buches, ich habe bis zum Ende mitgefiebert und wollte unbedingt wissen, wie es ausgehen wird.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
EIne beeindruckende Reise in die Unterwasserwelt
Unterwegs im blauen Universum von Hans Fricke
Ich habe bestimmt schon einige Dokus von Hans Fricke gesehen, aber der Name war mir bis jetzt nicht geläufig. Bei der Erwähnung des „Quastenflossers“ dämmert etwas in meiner Erinnerung.
Hans Fricke nimmt uns in 20 aufregenden Kapiteln in sein Welt - die Unterwasserwelt - mit. Dabei erzählt er fesselnd von seinen Anfängen als 11-jähriger, der mit einem selbst gebastelten Tauchgerät die Welt im Wasser erforschen wollte.
Er wird später Meersbiologie studieren und mit Größen wie Hans und Lotte Hass tauchen sowie Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibelsfeldt kennen und schätzen lernen.
Wortreich und mit großer Begeisterung schildert er seine Tauchgänge, die ihn nicht nur an seinen Lieblingsort, dem Roten Meer, sondern in zahlreiche andere Gewässer führen. Spannend auch die „Reise“ in einen Brunnen des Kyffhäusers.
Manchmal werden Hans Fricke und sein Team als Bergungshelfer nach Flugzeugabstürzen an den Bodensee gerufen. So geschehen im Februar 1989 als ein Flugzeug der Rheintal-Fluglinie im Landanflug auf den Flughafen Altenrhein aus bis heute ungeklärter Ursache in den Bodensee stürzte. Alle 11 Insassen starebn unter ihnen der österreichische Sozialminister Alfred Dallinger, dessen Name der Autor als Danninger wiedergibt.
Sehr interessant finde ich auch die Ausflüge in die Tiefen der Alpenseen, die so manchen Umweltskandal ans Tageslicht bringen.
Fazit:
Zahlreiche Fotos, teils in schwarz/weiß teils in Farbe ergänzen dieses beeindruckende Buch, dem ich gerne 5 STerne und eine Leseempfehlung gebe.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Vom Alltagsgwand zum Modetrend
Mein selbst genähtes Dirndl von Dorothea Wilhelm; Birgitt Wilhelm
Dieses Buch ist eine Hommage an Dirndl und Tracht. Die beiden Autorinnen sind eifrige Bloggerinnen in Sachen „Dirndl“. Ihre Leidenschaft für dieses Kleidungsstück ist auf jeder Seite zu spüren.
Wir erfahren, wie wir unser Traumdirndl zusammenstellen können, welchen Stoff und welche Farben zusammenpassen und - ganz wichtig - das richtige Maß nehmen und ein Probemieder nähen.
Gast-Autorin Uschi Korda erzählt von der Wandlung der Tracht von bäuerlichen Alltagsg’wand zum Modetrend.
Neben zahlreichen zweckdienlichen Hinweisen, Fotos und Anleitungen liegen dem Buch zwei Schnittmusterbögen in den Größen 34-50 bei. Das eine ist ein Dirndl mit sogenanntem Balconette-Ausschnitt, das eher für Mädchen und Frauen mit wenig Busen geeignet ist, da der eher eckige Ausschnitt doch ein wenig aufträgt. Für mich ist diese Ausschnittform nichts, weil ich doch mit einem üppigen Busen gesegnet bin. Ich müsste den Ausschnitt abrunden, was aber mit mit dem Schnittmusterbogen kein Problem für mich darstellt.
Das zweite Dirndl ist hoch geschlossen und eignet sich gut für einen schweren Jacquard- oder Brokatstoff.
Die Autorinnen erklären wie der Rock bzw. die Schürze zu nähen ist, entweder in Falten gelegt, gekräuselt („gezogen“) oder gestiftelt. Jedenfalls ist hier Handarbeit angesagt!
Handarbeit ist auch beim Paspoil oder bei den Froschgoscherln von Nöten. Und natürlich auch bei den Knopflöchern.
Was mir persönlich bei einem Dirndl sehr wichtig ist, ist die passende Länge des Rockes - für mich muss er mindestens wadenlang sein, sonst lässt einen das Dirndl pummelig wirken. Vor vielen Jahren habe ich gleich mehrere Dirndl für mich genäht. Die waren sehr stark an Original-Trachten angelehnt. Sei es im Schnitt oder sei es in der Farbkombination.
Gut gefallen mir auch die Tipps zu Upcyclen eines vorhandenen, vielleicht nicht mehr so taufrischen Dirndl. Enger oder weitermachen, die Länge kürzen (einfach) oder den Rock verlängern (nicht so einfach) - das alles lässt sich anhand der Tipps und Tricks ausführen.
Eine kleine Einschränkung muss ich allerdings anmerken: Das Buch ist nichts für Nähanfängerinnen oder Ungeduldige. Außerdem sollte eine nähfeste Person vorhanden sein, die den richtigen Sitz des Mieders (Probemieder!!) begutachtet und nötigenfalls korrigiert. Nichts ist unangenehmer als ein Dirndloberteil das zwickt oder labbrig herum hängt. Dennoch ist dieses Buch rundum gelungen.
Fazit:
Ein gelungenes Buch, um ein Dirndl selbst zu nähen. Wie gesagt, einige Erfahrung im Nähen sollte man schon mitbringen.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Lena Lorenzens persönlichster Fall
Der Tote auf Amrum von Anna Johannsen
Dieser, ihr 6. Fall wird für Lena Lorenzen ihr bislang persönlichster Fall. Wie es dazu kommt?
Auf Amrum wird der erfolgreiche Immobilienmakler Marten Hilmer tot aufgefunden. Es wird zwar zunächst ein natürlicher Tod vermutet, doch schnell stellt sich heraus, dass Hilmer vergiftet worden ist.
Lena Lorenzen wird nach Amrum abkommandiert, da man von ihr, die ja von der Insel stammt, eine schnelle Aufklärung durch ihr Insiderwissen erhofft.
Doch es kommt anders als erwartet, denn Lena findet ein Foto ihrer verstorbenen Mutter im Büro des Toten. Natürlich kann sie sich vorerst keinen Reim darauf machen, aber die Entdeckung der Rechtsmedizinerin lassen ihre Eltern in einem neuen Licht erscheinen. Hat sie ihrem Vater, den sie für den Unfalltod ihrer Mutter verantwortlich macht, Unrecht getan?
Das und das miese Intrigenspiel des Vorgesetzten Groll, der Lena und weitere Kolleginnen vergewaltigt hat, lenken Lorenzen beinahe vom aktuellen Mordfall ab. Der Verdächtigen, fast ausschließlich Frauen, die mit dem Toten ein Verhältnis hatten, ist recht groß, denn Hilmer galt zu seinen Lebzeiten als Womanizer. Ist eine der verlassenen Frauen die Täterin? Doch auch ein zweites Mordmotiv steht im Raum: das eine oder andere Immobliengeschäft soll nicht sauber abgelaufen sein.
Lena Lorenzen hat alle Hände voll zu zu tun ...
Meine Meinung:
Dies ist mein zweiter Krimi rund um Lena Lorenzen und er hat mir auch sehr gut gefallen. Wie schon im unmittelbaren Vorgänger „Die Frau im Strandkorb“ ist der Krimi unblutig und verzichtet auf Reifenquietschende Verfolgungsjagden. Vielmehr wird auf Teamarbeit im LKA und penible Polizeiarbeit Wert gelegt. Weder ist der Staatsanwalt ein Ekel oder Trottel noch der unmittelbare Vorgesetzte. Die Zusammenarbeit mit der Spusi und anderen Spezialisten ist ebenfalls erfolgreich. Lediglich Groll stört den guten Eindruck. Da allerdings Lena Lorenzen durch ihre sachliche und freundliche Art jede Menge Freunde in der Dienststelle hat, helfen die zusammen, um Groll vor eine Disziplinarkommission zu bringen. Dazu greifen sie auch manchmal zu nicht ganz legalen Hilfsmitteln. Das Thema Vergewaltigung ist nach wie vor mit einem großen Tabu belegt. Viele Frauen, wie auch Lena, scheuen den Gang zur Polizei. Es ist sehr spannend zu lesen, wie sich Lena hier weiterentwickelt hat. Ich denke, der große Showdown diesbezüglich, wird im nächsten Fall passieren.
Fazit:
Eine fesselnde Fortsetzung mit einem spannenden Ausblick auf Fall Nr. 7. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
EIn faszinierendes Porträt einer faszinierenden Persönlichkeit
Lernen S' Geschichte, Herr Reporter! von Ulrich Brunner
Autor Ulrich Brunner hat den charismatischen österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky einige Jahrzehnte lang begleitet. Zuerst als Journalist der Parteizeitung „Arbeiterzeitung (AZ)“ und später als Redakteur des Österr. Rundfunk.
Er schreibt über seine persönlichen Erfahrungen und Begegnungen mit dem Kanzler.
Manchmal fließen auch andere Wortmeldungen ein.
Brunner spannt den Bogen von der Kindheit Kreiskys bis hin zu seinem Tod und dessen Auswirkungen auf die österr. Sozialdemokratie. Es scheint, als wäre Kreiskys Leben eine Aneinanderreihung von Kränkungen. Der Antisemitismus der Nazi-Zeit macht(e) auch vor der SPÖ nicht Halt. Und so dauert es nach seinem Exil (1938-1950) in Schweden eine geraume Zeit bis Brunos Kreisky wieder in seiner eigenen Partei Fuß fassen kann. Mit Innenminister Oskar Helmer („Ich wäre dafür, dass man die Sache in die Länge zieht.“ - die Entschädigungen an die überlebenden Juden nämlich) hat Kreisky einen besonderen Gegner in der eigenen Partei.
Dass Bruno Kreisky über keine der üblichen Seilschaften verfügt und eher ein Einzelkämpfer ist, ist manchen Parteikollegen ein Dorn im Auge. Dennoch, der Erfolg gibt im Recht! In vielen Ländern Europas wie in Deutschland mit Willy Brandt und Schweden mit Olaf Palme siegen die Sozialdemokraten. Beide werden zu Freunden und arbeiten gemeinsam am „Nord-Süd-Dialog“.
Für Österreich hat Kreisky einen noch nie dagewesenen Modernisierungsschub vorbereitet: Heiratsbeihilfe, Gratisschulbuch und Schülerfreifahrt erleichtern den Menschen das Leben. Er schafft ein modernes Familien- und Eherecht, das das bisherige aus 1811 stammende ablöst. Er verkürzt den Wehrdienst („Sechs Monate sind genug“). Die Justizreform von Justizminister Christian Broda ist zwar stellenweise umstritten, wird aber durchgezogen.
Kreisky ist ein „Menschenfänger“, der Wähler aus den Teichen der anderen Parteien fischt. Er lädt diese Wähler ein „ein Stück des Weges mit ihm zu gehen“. Dreimal (1971, 1975 und 1979) erhält er die absolute Mehrheit.
Neben seinen Reformen und klugen politischen Schachzügen spart Ulrich Brunner Kreiskys negative Seiten nicht aus, z. B.: Seine Ich-Bezogenheit, die im Laufe seines Lebens immer ausgeprägter wurde. Seine Konflikte mit Hannes Androsch oder mit Simon Wiesenthal, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Nazi-Kriegsverbrecher aufzuspüren und vor Gericht zu bringen. Hier hat Kreisky, auf Wiesenthals Kritik, mind. vier SPÖ-Minister seien Mitglieder der NSDAP gewesen, überzogen reagiert.
Bruno Kreisky setzt wenige Handlungen ohne Kalkül. Er ist Vollblutpolitiker und 24 Stunden im Amt. Da seine Telefonnummer im öffentliche Telefonverzeichnis steht, wird er immer wieder von Hilfe suchenden Bürgern angerufen. Kreisky ist sehr belesen, denn in der Haft 1935/36 hat er jedes Buch verschlungen, dessen er habhaft werden konnte. Sein Lieblingswerk „Der Mann ohne Eigenschaften“ von Robert Musil.
Ulrich Brunner ist jener Journalist, zu dem Kreisky gesagt hat „Lernen’s Geschichte, Herr Reporter“ (siehe S. 123 - 130).
Seine Nachfolge hat Kreisky leider nicht in der üblichen Eloquenz geregelt. "...Kreisky hatte seine Partei nicht auf die Zeit nach ihm vorbereitet. Wahrscheinlich liegt darin auch eine historische Gesetzmäßigkeit..." (S. 247). Unterrichtsminister Fred Sinowatz wird Bundeskanzler und Parteivorsitzender. Die SPÖ geht mit der FPÖ unter Norbert Steger eine rot-blaue Koalition ein, die Kreisky noch selbst eingefädelt hat. An seinen Nachfolgern lässt Bruno Kreisky kein gutes Haar.
Der Niedergang der Sozialdemokratie (auch in anderen Teilen Europas) ist nicht mehr aufzuhalten. Die heutige Zerrissenheit der Partei, die sich langsam einer Kleinpartei nähert, musste Bruno Kreisky nicht mehr erleben. Kreisky stirbt am 29. Juli 1990.
Fazit:
Ein faszinierendes Porträt eines Ausnahmepolitikers, der seinesgleichen sucht. Gerne gebe ich hierfür eine absolute Leseempfehlung und 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Hat mich nicht vollends überzeugt
Lernen S' Geschichte, Herr Reporter! von Ulrich Brunner
Die 16-jährige Emme fährt mit ihren Freundinnen nach Palme de Mallorca und verschwindet dort spurlos. Ihr Vater, der ehemalige Polizist Tim macht sich auf die Suche, die nunmehr schon drei Jahre andauert. Sein Leben auf Mallorca bestreitet er als Privatermittler.
Als er Beweise für die Untreue einer Millionärsgattin finden soll, stößt er plötzlich neben einem veritablen Immobilienskandal auf eine Spur seiner Tochter .
..
Meine Meinung:
Dieser Krimi spielt mit dem Albtraum aller Eltern: Ihr Kind verschwindet spurlos. Vorwürfe und Schuldzuweisungen an sich selbst und den Partner sowie rastloses Suchen nach Kind und Wahrheit. In diesem düsteren Umfeld ist dieser Krimi angesiedelt.
Tim Blanck ist ein Zerrissener und das spiegelt sich im Schreibstil wieder. Einmal ein Rückblick in die frühe Kindheit Emmes, dann wieder eine Situation in der Gegenwart.
Der Schreibstil hat mir nur bedingt gefallen. Das mehrfache Verwenden der englisch bzw. spanischen Sprache bringt die Handlung auch nicht weiter.
Als Person werde ich nicht schlau aus ihm. Einerseits gibt er bei der Suche nach Emme nicht auf, andererseits treibt er Raubbau mit seinem Körper. Er lebt von Alkohol und Tabletten. Die seltsame Beziehung zu einer alternden Prostituierten mit der er immer wieder schnellen Sex hat, ist auch gewöhnungsbedürftig. Natürlich hat ihn das Verschwinden seiner Tochter komplett aus der Bahn geworfen.
Ein gar blasse Figur ist Emmes Mutter Rebecka, die sich in ihren Beruf als Ärztin vergräbt. Die Szene, als sie zu Emme in den Kindergarten kommt, um ihr ein Medikament zu verabreichen, bringt die Handlung nicht wirklich weiter und ist nicht nötig. Sie wirft nur ein interessantes Licht auf die Vorschriften in Schweden.
Was mich aber wirklich stört ist, die Beschreibung der mallorquinischen Polizei. Das ist eine Unterstellung, ja beinahe eine Verleumdung, dass alle Polizisten korrupt sind. Vermutlich wird es immer wieder schwarze Schafe geben, aber solche Zustände?
Obwohl das Buch auf der sonnigen Insel Mallorca spielt, ist der düstere, depressive Schreibstil des schwedischen Autors ständig präsent. Es ist schon ok, die andere Seite der Ferieninsel zu zeigen, denn der überbordende Tourismus hat viele Schattenseiten.
Fazit:
Dieser Krimi, der Auftakt einer Reihe ist, hat mich nicht überzeugt. Ich kann dem Buch daher nur 2 Sterne geben.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Ein lehrreiches und unterhaltsames Sachbuch
Warum es normal ist, dass die Welt untergeht von Robert L. Kelly
Autor Robert Kelly ist Anthropologe und Archäologe. Mit diesem Buch versucht er, 6 Millionen Jahren Menschheitsentwicklung in 200 Seiten zusammenzufassen. Das gelingt ihm mit diesem Buch, das lehrreich und voll des Humors ist genauso wie das Ansinnen, Lehren aus der Vergangenheit für die Zukunft zu ziehen.
„Ich habe das Gestern gesehen. Ich kenne das Morgen.“ (Inschrift am Grab Tutanchamuns)
In folgenden sieben Kapiteln zeigt er auf, dass die Menschheit sich durch vier Umbrüche (Technologie, Kultur, Landwirtschaft und Staaten) weiterentwickelt hat.
Das Ende der Welt, wie wir sie kennen
Wie denken Archäologen?
Stöcke und Steine: Technologie
Schmuck und Symbole: Kultur
Brot und Bier: Landwirtschaft
Könige und Kette: Staaten
Nichts ist für immer: Der fünfte Umbruch
Aktuell stehen wir vor bzw. mitten im dem 5. Umbruch. Es gilt, diesen 5. Wendepunkt zu nützen und die Zukunft gestalten als sich vor den Unwägbarkeiten der Zukunft zu (Tode zu)fürchten.
Fazit:
Ein unterhaltsames Sachbuch, das lehrreich, verständlich und spannend 6 Mio. Jahre Menschheitsgeschichte auf 200 Seiten darlegt. Dafür gebühren 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Gedanken zu Corona
Politik nach Corona von Maria Stern
Zu Beginn der Corona-Pandemie haben Österreichs Politiker ziemlich unüblich an einem Strang gezogen. Über die Parteigrenzen hinweg sind Maßnahmen in Kraft gesetzt worden, die die persönliche Freiheit des Einzelnen zu Gunsten der Allgemeinheit stark eingeschränkt haben. Es war klar, dass das Virus keinen Stein auf dem anderen lassen würde.
Unter diesem Eindruck hat Politikerin und Autorin Maria Stern dieses kleine Buch mit seinen 55 guten Nachrichten herausgebracht.
Doch angesichts der „neuen Normalität“, in der abermals Hader und
Zwist vorzuherrschen scheinen, empfinde ich diese 55 Nachrichten als satirisch. Bei einigen wird der Leser sagen „Ja, eh klar. Das wäre vernünftig.“ Doch Vernunft ist keine allzu prestigeträchtige Eigenschaft der Politik deren Vertreter ja wiedergewählt werden wollen.
Es scheint, dass viele Autoren die Zeit des Lock-downs dazu benützt haben, ihre eigenen Ängste, Sorgen und Gedanken (und die vieler Mitbürger) niederzuschreiben und sie der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Den einen oder anderen Gedanken aus diesem Buch könnten die Politiker aufgreifen, wenn sie nur wollten.










