Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Marie aus E.:
Technik für Einsteiger? Dafür war es mir zu komplex
Keine Panik, ist nur Technik von Kenza Ait Si Abbou
Sowohl Cover als auch Klappentext haben mich sofort angesprochen, IT-Wissen cool und spannend verpackt? Nach genau gegenteiligen Schulerfahrungen war ich sehr gespannt.
Die Autorin erklärt vieles, für Einsteiger in das Thema fand ich es aber oft viel zu kompliziert. Ich bin gleich eingangs bei den Programmiersprachen ausgestiegen.
Das ist in der Tat mein Kritikpunkt, für bislang eher mit IT-Technik fremdelnden Menschen ist mir das Buch zu komplex und auch die gewählte Sprachebene ist fordernd ("Ein möglicher Ansatz ist es den kausalen Zusammenhang zwischen den Inputvariablen und der algorithmischen Entscheidung zu visualisieren"). Klar versteht man es, aber zumindest ich muss es nach einem anstrengenden Tag zweimal lesen und fand das hohe Niveau deshalb eher uncool (um mal bei der Buchwerbung zu bleiben).
Für Insider wiederum ist der Inhalt bekannt und damit uninteressant.
Weiterer Minikritikpunkt: die verwendeten Skizzen visualisieren zwar schön, sehen aber unprofessionell und nur schnell hingekritzelt aus, das hat mich tatsächlich das ganze Buch hindurch gestört.
So, genug gemeckert, mir hat auch vieles gefallen.
Aufgebaut war die Thematik anhand von persönlichen Erlebnissen der Autorin, ihrer besten Freundin, einem guten Freund. Das fand ich eine gute Idee, das hat es dann doch sehr alltagsnah gemacht, beispielsweise die Tinder-Erfahrungen der Freundin.
Außerdem hat die Autorin ein großes Dilemma auf den Punkt gebracht: zu wenig junge Frauen werden Informatikerinnen, Ingenieurinnen und Wissenschaftlerinnen, somit werden diskriminierende Situationen auch in absehbarer Zeit nicht wirklich durchbrochen werden können. Erklärt wird das sehr anschaulich gleich zu Buchbeginn. Das Aufzeigen, warum etwas so ist, wie es aktuell ist, fand ich sehr gut auf den Punkt gebracht.
Auch Exkurse in die Vergangenheit waren gut, etwa die Erkenntnis, dass in heutiger Zeit eine deutsche Wiedervereinigung womöglich gar nicht mehr möglich wäre, da die systematische Überwachung und Auswertung der Daten durch die modernen Technologien Protestbewegungen wohl schnell erkannt und unterbunden hätte. Gruselige Realität in Überwachungsstaaten.
Immer dann, wenn es um solche Zusammenhänge ging, fand ich das Buch stark, der Technik-Teil an sich war mir zu kompliziert. Ich habe auch keine Lösung, denn ohne Hintergrundinfos macht das Buch auch keinen Sinn - aber über die ideale Zielgruppe bin ich mir wirklich unschlüssig.
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Schön ruhig, trotz viel Musik und Wortwitz
This Is (Not) a Love Song von Christina Pishiris
Was für ein schönes Cover ziert die Story von Christina Pishiris! Der Vogelkäfig hat zwar nichts mit der Geschichte ihrer Protagonistin Zoë zu tun, aber der Titel passt einigermassen.
Zoë ist Musikjournalistin in einem Musikmagazin, das gerade von neuen Besitzern übernommen wurde. Diese machen Druck, aber die Absatzzahlen sind nicht mehr so hoch wie früher.
Um ihren Job und auch den ihrer Mitarbeiter zu retten, versucht Zoë ein Interview mit der legendären Sängerin Marcie Tyler zu erhaschen. Doch Zoës Lieblingssängerin lebt seit zehn Jahren mehr oder weniger versteckt und hat seither auch keine neue Songs mehr veröffentlicht.
Eventuell könnte PR-Manager Nick ihr helfen, doch dafür müsste Zoë erst eine Boygroup mit einem furchtbar eingebildeten Leadsänger ins Magazin bringen. Das geht gegen Zoës Würde, aber was macht man nicht alles, um Jobs zu erhalten?
Dafür sieht es liebesmässig auf einmal wieder positiv auf, denn ihr ehemaliger Nachbar Simon ist zurück in London! Simon war ihre heimliche Liebe und sie fragt sich immer wieder "was wäre gewesen, wenn". Nun bekommt sie ihre zweite Chance. Es sieht gut aus, denn auch Simon scheint sich in Zoë verguckt zu haben.
Der Roman scheint auf den ersten Blick mit seinem ansprechenden Cover und der Inhaltsangabe sehr freundlich und leicht zu sein. Doch die Story ist nicht so rosarot wie man auf den ersten Blick denken könnte. Mir hat die Geschichte gut gefallen, gerade weil sie halt nicht so happy clappy daher kommt. Der Schreibstil überzeugt durch seinen Humor, trotz allem muss man bei Pishiris Wortwitz immer wieder schmunzeln.
Zoë kam mir nicht so nahe, aber ich mochte sie. So wie die dargestellt wurde, wirkte sie echt und sehr ehrlich. Auch die anderen Charaktere fand ich glaubhaft dargestellt.
Den griechischen Anteil in der Geschichte empfand ich nicht so extrem griechisch. Aber ich bin mich mediterrane Familienstrukturen auch gewöhnt. Im Film "My Big Fat Greek Wedding", der im Klappentext als Vergleich herhalten muss, kommt das enorm mehr chaotischer und sippenmässiger rüber. Zoës Familie ist nett, hat ihre Eigenheiten, hält zusammen, sie sind griechischer Abstammung - das wars für mich, einfach eine normale Familie mit kleinen Spleens, wie man sie überall findet und ich jetzt nicht als speziell griechisch einordnen würde. Die beschriebenen Familienszenen sind aber sehr nette und oft auch total witzige Hintergrundgeschichten, die die Hauptgeschichte perfekt umranden.
Musik wurde im Roman stark mit einbezogen, ganz klar und logisch bei Zoës Beruf. Doch ein wenig anders als es der Klappentext suggeriert. Vor allem werden ältere Titel erwähnt, die jüngeren Leser*innen wahrscheinlich nicht so bekannt sind. Musikfan zu sein, hilft hier beim Lesen unheimlich, wie ich finde. Mir hat der Musik-Plot super gefallen. Witzig fand ich die Def Leppard Story, denn die hab ich vor über 30 Jahren einmal live gesehen.
Fazit: Unterhaltender Roman, der im Musik-Milieu spielt - überzeugt!
4 Punkte:
Rezensionen von Claudia R:
wunderschön gestaltet
Der freie Vogel fliegt.Bd.3 von Jidi; Ageng
Klappentext /Hintergrund:
„Jedes junge Mädchen kann in den Figuren in dieser Geschichte sich selbst wiederfinden.“ - Satonaka Machiko, berühmte japanische Mangaka, über „Der freie Vogel fliegt“
Über die Reihe Der freie Vogel fliegt
Jidi und Ageng gehören in China zu den wichtigsten Comic-Künstlerinnen ihrer Generation.
Für die Reihe Dianjiao zhangwang, die unter dem Titel „Der freie Vogel fliegt“ ab 2018 bei Chinabooks.ch in einer Übersetzung von Martina Hasse in deutscher Sprache erscheint, spannen die beiden im Team zusammen: Jidi als Szenaristin, von Ageng stammen die Bilder.
In Der freie Vogel fliegt erzählt Jidi über die zentrale Figur in der Geschichte, ihr fiktives Alter Ego der Lin Xiaolu, eine semi-autobiographische Geschichte über das Heranwachsen einer Gruppe von Jugendlichen in der westchinesischen Stadt Chengdu in den 90er Jahren.
Die Reihe hat in China, Japan und Korea die wichtigsten Auszeichnungen im Bereich Comic/Graphic Novel erhalten, u.a. den Japan International Manga Award, den ICC Comic Award aus Südkorea und den China Animation & Comic Competition Golden Dragon Award.
Sehr realistisch erfährt man in der Reihe von den seelischen Nöten und Sorgen chinesischer Heranwachsender. Die Autorinnen greifen auch schwierige Themen auf, wie Aufwachsen als Scheidungskind, Mobbing in der Schule, massiver Schuldruck und Prüfungsstress, die manchmal in Suiziden enden, die Entfremdung zwischen den Jugendlichen und den Erwachsenen, in der chinesischen Gesellschaft tabuisierte frühe Liebesbeziehungen zwischen Jugendlichen, der erste grosse Liebeskummer, heimliche Abtreibungen.
Trotz der Schwere mancher Themen spürt man die Lebenslust und den Lebenshunger der Jugendlichen. Lin Xiaolu sammelt Lebenserfahrungen und entwickelt sich im Verlauf der Geschichte von einer Aussenseiterin und grauen Maus zu einer reifen Persönlichkeit, die ihr Leben selbst in die Hand nimmt.
Cover:
Das Cover ist einfach wunderschön gestaltet. Die Farben harmonieren sehr schön und es wirkt sehr fantasievoll und macht neugierig. Man erkennt 3 Mädchen im Wasser stehen und fast an die Wolken reichend, sowie einige Schwäne und dazu die wundervollen Spiegelungen, die einen wunderschönen Effekt ergeben.
Meinung:
Auch in diesem dritten Band treffen wir wieder auf Lin Xiaolu und ihre Freundinnen, sowie das chinesische Schulsystem.
Dies ist bereits der dritte Band und da diese auch numerische fortgeführt werden, ist es schon zu empfehlen, die vorherigen Bände zu kennen, und diese in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da diese schon aufeinander aufbauen. Es ist sicherlich auch möglich quer einzusteigen, aber für das bessere Verständnis, würde ich die richtige Reihenfolge empfehlen.
In diesem Band steht wieder das strenge Schulsystem mit all seinem Druck und verschiedenen Aspekten im Vordergrund und auch das Thema Liebe spielt in diesem Band eine große Rolle. So erlebt man mit, wie Lin Xiaolu noch immer für Han Che schämt, aber durch ihre noch immer sehr schüchterne Art, für ihn eher unsichtbar ist. Während ihre Freundinnen bereits in einige Liebesgeschichten mit den Verkäufer Hu Xu verwickelt sind. Und auch an die Liebe und Trennung ihrer Eltern wird sie dadurch erinnert.
Ein tragischer Selbstmord erschüttert in diesem Band die Leser. Zum Glück ist Lin stark genug und kann diesem stand halten. Denn der schulische Leistungsdruck ist hier enorm, wie man immer wieder feststellt und dennoch wird durch die wunderschönen Zeichnungen einige gewisse Leichtigkeit, Fantasie und Freundlichkeit vermittelt, die den Leser in eine wunderschöne Atmosphäre bettet.
Die Zeichnungen sind auch in diesem Band wieder wunderschön und extrem gut und fantasievoll gestaltet. Farblich und gestalterisch ein einzigartiges Meisterwerk. Jede Zeichnung und jedes Bild ist einfach mit sehr viel Herzblut gestaltet, so dass man fast in die Seele der Charaktere blicken kann. Gestalterisch eine Glanzleistung.
Toll ist auch wieder, dass dieses Buch zweisprachig gestaltet ist, so schließt an den deutschen Teil, die chinesische Fassung an und am Ende folgt eine Vokabelliste. Dadurch eignet sich das Buch durchaus auch zum chinesisch lernen, bzw. die chinesischen Kenntnisse aufzubessern.
Leider ist sich hier die Schrift wieder sehr klein, so dass man sich manchmal sehr anstrengen muss, um alles richtig erkennen zu können.
Auch der dritte Band dieser Reihe konnte mich wieder voll und ganz begeistern und ich bin sehr gespannt, wie es in den nächsten Bänden weiter geht. Die Geschichte um Lin ist sehr interessant und spannend dargestellt und die tollen fantasievollen Untermalungen geben sehr gut ihre Emotionen und ihren Umgang mit den Dingen wieder. Zudem bekommt man einen Eindruck in das Leben und die Schulzeit in China und auch den Leistendruck, der auf die Menschen dort ausgeübt wird.
Fazit:
Wunderschön farblich und fantasievoll gestaltet, sorgen diese Manhuas für gute Unterhaltung und geben einen Einblick in die chinesische Welt.
Rezensionen von Claudia R:
Freundschaften
Der freie Vogel fliegt, Band 2 von Jidi
Klappentext:
Es war einst ein junges Mädchen, das war so gewöhnlich, dass es einem in einer Menschenmenge niemals auffallen würde, sein Name war Lin Xiaolu.
Sie fürchtete sich davor, mit anderen Menschen Umgang zu haben, deshalb errichtete sie um sich herum eine imaginäre kleine Welt, und baute darum herum als Schutz eine imaginäre Verteidigungsmauer, darin versteckte sie sich und spähe verstohlen in die Welt da draussen hinaus, nichts hätte sie dazu bringen können, ihre Festung zu verlassen.
Aber weil sie insgeheim für einen Jungen an ihrer Schule schwärmte, ungemein in ihn verknallt war, wagte sie schliesslich einen Schritt in die reale Welt hinein. Ihre Verteidigungsmauer stürzte dabei in sich zusammen, ohne dass sie etwas gemerkt hätte.
Sie verfolgte den Jungen heimlich, und er führte sie zu einem seltsamen kleinen Laden, dort lernte sie einen vielgereisten schrulligen Ladenbesitzer kennen. Sie wurde von einer als ungezogene Rowdies und Schulschwänzer berüchtigten Clique von Mitschüler geohrfeigt: eine Schülerin, vor der sie sich gefürchtet hatte, wurde zu ihrer Sitznachbarin - und später besten Freundin -, und sie erfuhr unerwartet von deren aller Lebensgeschichten. Die Welt da draussen ist also schliesslich doch nicht so übel, oder?
Cover:
Auch dieses Cover ist wieder sehr fantasievoll und sehr schön gestaltet. Zebras stehen hier im Vordergrund und mehrere Teenager sind hier erkennbar. Im Hintergrund ein wunderschöner Kristallpalast und auch farblich ist es sehr schön gestaltet.
Meinung:
Die Reihe um Lin Xiaolu geht weiter. In diesem Band wird direkt an die vorherigen Ereignisse angeknüpft und es geht weiter.
Sicherlich kann man die Hefte auch unabhängig voneinander lesen, aber da sie aneinander anknüpfen ist es besser, diese in der direkten Reihenfolge zu lesen.
Die Illustrationen sind wunderschön und passend gewählt und die vielen kleinen Bilder bringen die Emotionen und Fantasien von Lin sehr gut zum Ausdruck.
In diesem Band geht es vor allem um Freundschaft mit all seinen Freuden und Tücken.
Die noch immer sehr zurückhaltende Lin freundet sich mit einigen Mitschülerinnen an. So langsam entwickelt sie sich. Diesmal ist der Fokus nicht nur auf die Schule, sondern auch das Privatleben gesetzt.
Lin hat sich so einige Überlebensstrategien angeeignet, womit sie aus dem tristen grau bzw. schwarz-weiß Farbe hineinbringt und so einige Situationen fantasiereich und farbenfroh unterstreicht. Lins Umsetzungen zwischen Fantasie und Realität sind sehr farbenfroh und prächtig dargestellt.
Die Darstellungen sind sehr gut gelungen und man bekommt so eine sehr kreative und fantasiereiche Darstellung der Dinge, die einen in die Emotionen und Gedanken von Lin hinein schauen lässt.
Auch dieser Band ist wieder zweisprachig gestaltet. Auf die deutsche Version folgt im Anschluss der chinesische Teil und am Ende gibt es eine Vokabelliste.
Was jedoch wieder sehr schade ist, ist die sehr kleine Schrift, die das ganze etwas schwierig teilweise gestaltet. Hier muss man sich doch zum Teil sehr anstrengen, um alles zu erkennen und lesen zu können.
Die Illustrationen sind wieder wunderschön gewählt und die Geschichte ist sehr gut weitergeführt. Es macht Spaß diesem Manhua zu folgen und mehr über Lin und ihre Geschichte zu erfahren. Vor allem das Thema Freundschaften, aber auch Mobbing und die Probleme in China werden hier thematisiert. Schüchternheit, aber auch Lebensfreude treffen hier aufeinander, sowie Fantasie und schwarz-weiß Denken.
Fazit:
Wunderschöne und fantasiereiche Illustrationen, die die Geschichte unterstützen und und dem Ganzen noch mehr Leben einhauchen.
Rezensionen von yesterday:
Mörderische friesische Gemütlichkeit
Halligmord von Greta Henning
Kalt, stürmisch und unberechenbar kann die Nordsee sein und wo wüsste man das besser als in dem fiktiven Städtchen Jüstering an der friesischen Küste. In einer solchen unbequemen Nacht vor gut 30 Jahren verschwand ein Halligbewohner.
Kommissarin Minke van Hoorn, gebürtige Jüsteringerin und mit einer interessanten Biografie ausgestattet, bekommt es an ihrem ersten Arbeitstag mit einem cold case zu tun.
Eine der Halligwiesen gibt nach einem Unwetter ein Skelett frei und allem Anschein nach hat es sich dort nicht selbst eingegraben.
Minke geht also Klinkenputzen und setzt langsam Puzzleteil um Puzzleteil alles zusammen. Dabei hat sie Glück: das Opfer ist schnell identifiziert, sie muss “nur” zusammentragen was passierte und warum. Dabei sind es die kleinen Details die sie auf die richtige Spur bringen.
Die Atmosphäre und Lebensweise an der Küste und auf den Halligen (im Buch fiktiv, aber es gibt nach wie vor solche bewohnten Inseln) wird gut eingefangen. Von vielen Charakteren erfährt man noch etwas wenig, um sie als gelungen einschätzen zu können, aber es ist ja auch Minkes erster Fall, somit könnte in möglichen weiteren Bänden hier mehr Nähe geschaffen werden.
Rezensionen von yesterday:
Düster und technikgesteuert
Paradise City von Zoë Beck
Zoë Beck bleibt bei “Paradise City” dem treu, was sie mit “Die Lieferantin” begonnen hat: Moderne Thriller, die in den Megacities der Zukunft spielen (dort London, hier Frankfurt/Main) und sich bisher noch nicht erfundener (oder genutzter) Technik bedienen.
Sie skizziert ein Deutschland, das an die aktuelle politische wie gesellschaftliche Situation Chinas angelehnt scheint.
Kameras im öffentlichen Raum, eine Gesundheits-App, ein Staat der über Wohnungsvergaben entscheidet, ein zweifelhaftes Belohnungssystem für “erwünschtes Verhalten” und ein gewisses “Aussortieren” von anders lebenden, anders denkenden sowie weniger fitten und gesunden Individuen.
Hinzu kommt eine staatlich gesteuerte Medienlandschaft, “Fakten” die nicht mehr das sind was wir und aktuell noch darunter vorstellen und eine gedankliche wie genetische “Gleichmachung” der Einwohner.
Gruselig, aber technisch gar nicht so weit von unseren heutigen Machbarkeiten und Forschungen entfernt, wie man teilweise erahnen kann.
Protagonistin Liina steht dem System skeptisch gegenüber, besonders den gesteuerten Medien und der staatlichen Überwachung. Sie arbeitet als eine der wenigen verblieben investigativen Journalisten. Als von ihnen angegriffen werden, gehen ein paar der Kollegen der Sache auf den Grund und fördern Geheimnisse zutage…
Der Thriller ist durchwegs spannend und hat gelungene verstörende Elemente, zeigt keine sehr rosige Zukunft. Durch gelegentliche Rückblicke in Liinas Vergangenheit wird der Lesefluss aber etwa unterbrochen. Wie bei “Die Lieferantin” bleiben auch hier am Ende ein paar Details offen. Wer ist stärker? Können die Journalisten mit ihren Entdeckungen etwas bewirken? Oder haben sie zu viel Angst vor den Mächtigen und müssen sich selbst retten?
Rezensionen von Bücherwald13:
Typisch Eckhart
Omama von Lisa Eckhart
Es ist ja schon irgendwie ironisch, dass Lisa Eckarts Roman Omama genau zu der Zeit erscheint, also sie groß in der Kritik steht.
Doch dieser Roman passt perfekt in Eckarts Portfolio.
Auch wenn es ein Roman ist wirkt es wie ein langer Programmpunkt aus ihrem Bühnenprogramm.
Denn das Buch ist konsequent ironisch geschrieben und erzählt.
Das bringt natürlich eine gewisse Distanz zum*r Leser*in.
Die Erzählerin des Buches hat die Rolle der Enkelin inne. Und sie hat nicht immer den positivesten Blick auf ihre Großmutter (z.B. Großmutters Geschichtsrevisionismus, den sie liebevoll Gedächtnis nennt)
Die Schreibsprache ist exakt so wie Eckart auch spricht. Sehr verlspielt und gekünstelt. Daran muss man sich auch erst einmal gewöhnen, aber dann ist es wirklich großartig.
Insgesamt ein sehr spezielles, aber gutes Buch, falls man mit Eckarts Humor und Art klarkommt. Und ja, die schreibt auch immer mal wieder Sachen wo ich mir denke "Uh knapp an der Grenze des sagbaren".
Rezensionen von *RC*:
Kultur-Spagat
Die Sommer von Ronya Othmann
Leyla ist die einzige Tochter eines ezidischen Kurden, der seit 1980 in Deutschland lebt, und einer Deutschen. Die Famile wohnt in einer Reihenhaussiedlung in einem kleinen Ort bei München. Mit drei oder vier Jahren fährt Leyla zum ersten Mal mit ihren Eltern in das Heimatdorf ihres Vaters, um dort zwei Monate des Sommers zu verbringen; es liegt im Norden Syriens nahe der türkischen Grenze.
Eigentlich ist es Kurdistan, ein Land, das sich über vier Staaten erstreckt (Syrien, Türkei, Iran und Irak) - aber offiziell gibt es dieses Land nicht, und zu Hause muss sie feststellen, das kaum jemand mit Kurdistan oder Kurden etwas anfangen kann.
Leyla ist immer hin und her gerissen, seit Kindesbeinen muss sie einen Kulturspagat machen. Ihr Herz schlägt für das geordnete Deutschland, wo man auch für sich alleine sein kann, wo die Türen geschlossen sind, wo Privatsphäre dominiert, wo sie selber Entscheidungen treffen kann. Aber sie fühlt sich auch in dem kleinen kurdischen, einfachen Dorf bei den Großeltern wohl, wo die Großfamilie ein- und ausgeht, wo man auf dem Boden sitzt und Tee trinkt, wo man im Innenhof auf Hochbetten schläft, damit die Schlangen einem nichts anhaben können, auch wenn man nie so richtig alleine / für sich sein kann. Ein ruhiges, unaufgeregtes Leben, das einen irgendwann vergessen lässt, was für ein Wochentag ist. Dieses Sowohl als Auch ist schwer für ihre Identifikationsfindung. Und sie hat niemanden, mit dem sie darüber reden kann!
„Die Sommer“ von Ronya Othmann ist in meinen Augen kein klassischer Roman. Im Buch dreht sich alles um Ronyas Erleben und Fühlen dieser zwei unterschiedlichen Welten.
Die Geschichte ist sehr detailliert geschrieben, so dass man alle Figuren vor Augen hat, von denen oder über die erzählt wird. Besonders gut gefallen hat mir, dass der Vater von Leyla - Silo - viel über die Geschichte Kurdistans und die der Kurden erzählt hat, so dass man in die Problematik dieser Bevölkerungsgruppe eindringlich eingeführt wird. Erlebnisse aus seiner Kind- und Jugendzeit machen sehr betroffen und haben mich oft mit einem „Das darf doch wohl nicht wahr sein“ zurückgelassen. Besonders ans Herz gewachsen ist mir Leylas Großmutter, die auch viel durchgemacht hat, die dennoch stets gutmütig und gut gelaunt ist. Durch sie erfährt man Besonderheiten über deren Religion und Bräuche. Die kleine, zierliche, sehnige Frau besitzt eine unwahrscheinliche Größe; sie hat zu Leyla auch ein wahnsinnig liebenswürdiges Verhältnis.
Betroffen von der Vergangenheit wird man aber mit der nächsten (aktuellen) Katastrophe konfrontiert: Der Syrienkrieg mit all seinen Grausamkeiten! Man fühlt nahezu, wie der Krieg im entfernten Syrien der Familie extrem nahe geht; der Vater verfolgt das Geschehen auf sämtlichen kurdischen Kanälen und ist ständig in Kontakt zur Familie.
Ach Leyla - es ist die Zeit, in der sie ihr Abitur macht und zum Studieren nach Leipzig geht - nimmt dieser Krieg mehr und mehr mit, findet keine Ruhe mehr. Sie kann nicht verstehen, wie hier in Deutschland unbekümmert getanzt wird, während in ihrer ‚anderen Heimat‘ so viel Blut vergossen wird. Ein innerer Konflikt, der letztendlich eine Entscheidung von ihr abverlangt…..
Das Buch ist sehr auf aufwühlend - kein leichter Stoff! Es macht einen nachdenklich und sensibilisiert einen, sich mit dem Thema Kurden / Kurdistan auseinanderzusetzen. Gerade dass hier die Thematik anhand einer Familie erzählt hat, schafft Nähe und Authentizität. Ich kann das Buch nur empfehlen, da das Buch nicht nur aktuell ist, sondern auch viel Wissen einfühlsam vermittelt.
Rezensionen von J.K.:
Reise in die Vergangenheit
Die verstummte Frau von Karin Slaughter
Wie habe ich mich gefreut, als ich gesehen habe, dass es ein neues Buch von Karin Slaughter gibt! Und tatsächlich wurde ich nur ein ganz klein wenig enttäuscht.
Das Buch beginnt mit einem Mord im Gefängnis, woraus sich dann allerdings schnell die Wiederaufnahme der Ermittlungen eines "Cold Cases" ergibt.
Die damaligen Ermittlungen hat Sara Lintons inzwischer ermordeter Ehemann Jeffrey Tolliver durchgeführt und der wird nun der Korruption beschuldigt.
Die Story ist spannend erzählt, mit etlichen Rückblicken in die Vergangenheit zu den damaligen Vorfällen und Ermittlungen. In einigen Situationen bin ich da ein bisschen durcheinander gekommen, denn auch in diesen Rückblicken gibt es nochmals Rückblenden (in die private Vergangenheit von Jeffrey Tolliver und Sara Linton).
Leider muss ich sagen, dass mir das Privatleben von Will und Sara hier ein bisschen zu viel war. Normalerweise mag ich den Teil ebenso gerne wie die Erzählungen um die Ermittlung, aber hier waren mir insbesondere Wills Gedankengänge ein bisschen zu langatmig dargelegt.
Schade fand ich auch, dass der ursprüngliche Fall (der Mord im Gefängnis) gar nicht weiter groß erwähnt wurde. Die Auflösung der Mordserie kam mir ein bisschen plötzlich, war aber insgesamt ziemlich spannend.
Rezensionen von J.K.:
Vorhersehbar
Wozu wir fähig sind von El Omari Laila
Tatsächlich bin ich bei diesem Buch ein bisschen hin- und hergerissen. Es war zwar schon ziemlich früh klar, wer Alexander sein könnte und es gab auch die ganze Story kein "Ablenkungsmanöver", aber trotzdem fand ich das Buch gut zu lesen und wollte auch gern wissen, wie es denn nun ausgeht.
Das Buch erzählt die Geschichte von Alexander und Leonore, die neu in die Stadt kommen und insgesamt rätselhaft/geheimnisvoll bleiben. Sie bringen sich in die Uni-Clique von Alina, Patrick und ihren Freunden ein. Alina fühlt sich zu Alexander auf unerklärliche Weise hingezogen und versucht dennoch, ihre Gefühle zu unterdrücken. Schließlich ist sie mit Patrick zusammen und außerdem wird auch sie nicht so richtig schlau aus Alexander. Ist er vielleicht doch mit Leonore zusammen?
Den Schreibstil fand ich gut lesbar, vielleicht kam mir das Buch auch deshalb so kurz vor, denn ich war wirklich schnell durch.
Besonders hervorheben möchte ich noch das tolle Cover! Das finde ich wirklich gelungen, einerseits natürlich die Bildgestaltung, aber auch das "griffige" durch die Rillen.











