Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Manfred Fürst:
Spannender Ökothriller an der beschaulichen Algarve
Schwarzer August von Gil Ribeiro
Vamos companheiro Senhor Lost.
Die Lebens- und nun auch Liebesgeschichte des Senhor Leander Lost wird im vierten Band weitergesponnen, nebenbei gibt es aber auch um einen Kriminalfall, die acht Tage im August. Ribeiro nutzt jede Gelegenheit, um das Leben der Einheimischen mit all ihren portugiesischen Tugenden, die Küche, die Landschaft mit Flora und Fauna der südöstlichen Algarve Portugals anzupreisen.
Inzwischen rufen die Einwohner, „die Gil rief, die Geister, werden wir nun nicht mehr los.“
Die portugiesischen Polícia Judiciária in Fuseta hat den Austauschpolizisten aus Hamburg und Asperger Leander Lost als vollwertiges Mitglied akzeptiert und Soraia, die Schwester der Sub-Inspektorin Graciana noch mehr. Lost hat bezüglich Intuition, emotionaler Intelligenz und verbaler Kommunikation ein Handicap gegenüber seinen Mitmenschen. Nie ganz wie ein neurotypischer Mensch, er hat andere Qualitäten. Soraia, sie wäre mit ihm auf eine einsame Insel gezogen, um dort tagein, tagaus Sandkörner zu zählen. Eine Liebeserklärung der besonderen Art. Leander, der große Feuerwerker. Dank an Ribeiro, dass er daraus nicht eine romantische Krimikomödie werden lässt.
Ganz und gar nicht schwulstig ist die kriminalistische Handlung: Man hört fiktiv die Polizeisirenen und sieht das blaue Signallicht an Losts Helm blinken. Ribeiro lässt einen nicht unsympathischen Erpresser und Ökoterroristen aktuelle Probleme an der portugiesischen Algarve anprangern: Bodenraub portugiesischen Landes von ausländischen Unternehmen, Geldwäsche und Korruption der örtlichen Behörden, Überfischung des Meeres, Ausverkauf heimischer Unternehmen an ausländische Investoren und die Tierquälerei beim Stierkampf.
Die polizeilichen Ermittlungen sind flüssig und routiniert erzählt, gegen Ende spannend, mit kleinen Seitenhieben auf den großen Bruder Portugals und die Landsleute von Gil alias Holger Karsten.
Das Cover zeigt Landschaft und Küste in der Stadt Santa Luzia an der Algarve im Süden von Portugal, 22 Autominuten von Fuseta entfern. Für alle, die sich auf die Spuren von Lost begeben wollen.
Der Einstieg in diesen vierten Band gerät ohne Schwierigkeiten, die Rückblicke auf die und Ergänzungen von den ersten drei Bände sind dezent und halten sich in Grenzen.
Kommt Lost wieder mit Kind und Kegel, das ist die Frage.
Rezensionen von nicole koppandi:
Eine empathische Geschichte
Das Leben ist ein wilder Garten von Roland Buti
So ganz konnte mich das Buch leider nicht überzeugen. Zu Beginn verfolgt man mehrere Handlungsstränge, jedoch wird leider nur der der Mutter zu Ende erzählt. Dabei hätten mich auch die anderen sehr interessiert: Wie ging die Beziehung mit Ana und Carlo weiter? Was wurde aus dem Gartenumsiedelungsprojekt? Warum wurde Agon niedergeschlagen?
Ich fand den Schreibstil sehr flüssig zu lesen und die Geschichte an sich sehr empathisch erzählt.
Die Gefühle der Protagonistinnen und Protaginsten sind sehr nachvollziehbar, wie bspw Carlo seine Ana noch immer sehr liebt und voller schöner Bilder, man kann sich alles so richtig gut vorstellen.
Trotzdem hat aus meiner Sicht der Geschichte etwas gefehlt.
Rezensionen von nicole koppandi:
Unbedingt lesen!
Unsichtbare Frauen von Caroline Criado-Perez
Der Gender Data Gap ist jener Bereich der Datenerfassung, der Frauen nicht berücksichtig - den hat sich Caroline Criado-Perez genauer angesehen (mit Studien belegt) und festgestellt, dass Datenerhebungen hauptsächlich von Männern ausgehen. Jedoch wenn Männer die Norm der Mensch darstellen, wirkt sich dies sehr zum Nachteil der Frauen aus.
Frauen sind nicht kleinere Männer, sie bilden die Hälfte der Menschheit und dies wird oft nicht berücksichtigt. Ungerechtigkeiten hinsichtlich Bezahlung und Machtverteilung sind kein neues Thema und allgemein bekannt.
In diesem Buch geht es um die „Kleinigkeiten“, auf die vergessen wird und diese reichen dann weit in den Alltag von Frauen. Die Autorin macht klar, dass auf Frauen nicht immer absichtlich „vergessen“ wird, sondern, wie der Titel dieses Buches schon sagt, sie sind UNSICHTBAR und werden daher nicht mitgedacht und sind auch nicht mitgemeint – sie sind eine Randerscheinung, fast eine Anomalie der männlichen Norm.
Besonders spannend fand ich, dass aufgrund von Stereotypen, Klischees, Zuschreibungen, der kaum vorhandenen Datenlage sich auch mit Algorithmen und Künstlicher Intelligenz nichts ändern wird, denn auch diese werden überwiegend von Männern programmiert.
Ich fand das Buch faktenreich und sehr informativ und habe mit großem Staunen gelesen, wo Verbesserungen stattfinden könnten, wenn schon bei der Datenerhebung an Frauen gedacht werden würde, dafür werden hier unzählige Beispiele angeführt.
Unbedingt lesen!
Rezensionen von Anna625:
Vom Leben und der Bedeutung von Heimat
Unsichtbare Frauen von Caroline Criado-Perez
Als Leonore aus Ostpreußen fliehen muss, ist sie 21 Jahre alt. Zumindest behauptet sie das, denn als dreizehnjähriges Mädchen käme sie nicht weit. Ihr Weg führt sie immer weiter nach Westen, das ist ihr einziges Ziel - bis sie irgendwann in einem kleinen Dorf am Rand des Bürgewalds strandet, der später als "Hambacher Forst" bekannt wurde.
Leonore bleibt, sie trotzt der Ablehnung, die ihr, dem Flüchtling, von den meisten Dorfbewohnern entgegengebracht wird. Auch noch nach Jahren ist sie die Fremde, fühlt sich nie vollständig angekommen in ihrem neuen Zuhause. Und doch bedeutet ihr dieser Ort viel, das wird ihr vor allem bewusst, als eines Tages Pläne für die Umsiedelung des Dorfes und seiner Bewohner geschmiedet werden. Denn der Wald soll gerodet werden, um an die großen Braunkohlevorkommen darunter zu gelangen.
Das Buch beginnt mit der Ankunft Leonores im Dorf und erzählt zunächst, wie sie sich dort ein neues Leben zu erkämpfen versucht. Der zweite Teil handelt dann von Paul, dem Sohn Leonores, während dessen Jugend das alte Dorf dem Erdboden gleichgemacht wird. Auch er sieht sich nun mit der Frage konfrontiert, was Heimat bedeutet und wo sein Zuhause ist. Im letzten Teil wiederum geht es um Sarah und Jan, Pauls Kinder. Für beide stellt der Hambacher Forst den Mittelpunkt ihres Lebens dar - für Paul wurde er zum Arbeitsplatz, Sarah bietet er einen Platz zum Leben.
Alle Figuren verbindet somit neben ihrer Verwandtschaft vor allem eines - sie sind auf der Suche, auf der Suche nach einem Zuhause, einer Heimat. Einem Ort, an dem sie bleiben und Schutz finden können. Gleichzeitig wird, zunächst wie nebenbei, die Geschichte des Hambacher Forstes erzählt, der einstmals von Karl dem Großen unter Schutz gestellt wurde und nun seinem Ende entgegensieht.
Einfühlsam, atmosphärisch und bewegend gelingt es Andreas Wagner hier mit seinem Debütroman, nicht nur die Geschichte Leonores und ihrer Familie zu erzählen, sondern leise und beinahe unbemerkt noch eine viel größere. Denn: Der Hambacher Forst steht nicht zuletzt auch symbolisch für das, was gerade im großen Stil mit der Erde geschieht. So, wie der einstige Bürgewald für viele als Heimat verloren ging, sind wir im Begriff, auch den Planeten Erde, unsere Heimat, immer weiter zu zerstören.
Ich bin sehr positiv überrascht von diesem Debütroman, der sehr angenehm zu lesen war und nachdenklich zurücklässt. Ich bin gespannt auf weitere Werke des Autors und kann eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen!
Rezensionen von Gaby 2707:
Der Unterschied zwischen richtig und falsch
Geburtstagskind von Anders Roslund
Als Kriminalkommissar Ewert Grens von einem Bewohner des Hauses in der Dalagatan 74 zur Wohnung Nr. 1301 im 3. Stock gerufen wird, fällt ihm sofort dieser penetrante Geruch und lautes Kinderfernsehprogramm auf. Der Schock, als ein kleines Mädchen ihm die Wohnung der Familie Lilaj öffnet. Vater Mirza, Mutter Dielbza, Bruder Eliot und Schwester Julia wurden mit jeweils zwei Schüssen in den Kopf getötet.
Nur die Kleine Zana hat das Massaker überlebt. Als er 17 Jahre später zu einem Einbruch in der gleichen Wohnung kommt, weiß er, dass die damals 5-jährige Zana in Lebensgefahr schwebt.
Piet Hoffmann, der eigentlich nach jahrelanger Flucht mit seiner Frau und den drei Kindern ein ruhiges Leben führen wollte, wird erpresst. Er soll durch einen Bandenkrieg das Waffengeschäft anleiern. Sonst stirbt seine Familie.
Es hat eine Weile gedauert, bis sich die beiden Erzählstränge um Ewert Grens und Piet Hoffmann zu einer Geschichte, in der die Beiden nun als „Partner“ agieren, zusammen geschlossen haben.
Zwei so unterschiedliche Typen. Zum einen Kriminalkommissar Ewert Grens dem nach über 40 Jahren im Polizeidienst in ½ Jahr der Ruhestand droht. Ihm, der fast keine Freunde hat, immer ein Einzelgänger war, mit Liedern von Siw Malmquist immer wieder in die Vergangenheit abtaucht, habe ich recht schnell vertraut. Zum anderen Piet Hoffmann, ein Mann, dem seine Familie über alles geht, der vor illegalen Mitteln nicht zurückschreckt, dessen Gerechtigkeitssinn ihm manchmal im Wege steht und bei dem es manche Überraschung gibt. Naja, ihn möchte ich nicht zum Feind haben. Als Freund allerdings auch nicht unbedingt.
Diese beiden Männer dominieren die Geschichte. Aber auch die anderen Personen sind sehr tiefgründig und gut vorstellbar beschrieben. Hier habe ich besonders Hugo, den älteren Sohn von Hoffmann direkt ins Herz geschlossen.
Genau so gut haben ich die verschiedenen Örtlichkeiten im Kopf, die gut vorstellbar beschrieben sind.
Eine super spannende Geschichte, die mich ab den ersten Seiten gepackt und nicht mehr losgelassen hat. Auch wenn es zwischendrin mal etwas unspektakuläre Ereignisse gibt, hält sich die Spannung konstant sehr hoch und meine Gänsehaut hat sich immer wieder mal gemeldet.
Die Sprache empfinde ich als eher nüchtern und klar. Sie legt schonungslos Emotionen frei und springt zwischen Grems und Hoffmann hin und her. Es gibt hier viele lose Fäden und Enden, die sich aber, je weiter die Geschichte fortschreitet, immer mehr verbinden und ich kurz vor Schluss endlich durchblicke, was hier warum wie geschehen ist. Und der Schluss – der hat es so richtig in sich.
Eine Geschichte, die mich schockiert, gefesselt, berührt, aufgewühlt, beeindruckt und emotional stark gefordert hat. Die nichts für zartbesaitete Gemüter ist. Die mich immer mal wieder zweifeln lässt, was gut oder was böse bzw. was richtig oder was falsch ist.
Ein rasanter Krimi, den man einfach gelesen haben muss.
Rezensionen von Petra:
Tja, was soll ich sagen...
Omama von Lisa Eckhart
...ich habe dieses Buch zu Ende gelesen. Das hätte ich nach den ersten 50 Seiten nicht für möglich gehalten. Ich habe gelacht, sogar sehr oft und recht herzhaft.Ich finde allerdings Lisa Eckhart sollte bei ihrem Kerngeschäft, dem Kabarett bleiben.
Ich denke, ich wäre den Ausführungen von Frau Eckhart über das Leben ihrer Großmutter und dem Menschen an sich mit seinen Neigungen zur Trunksucht und allerlei Bösartigkeiten, nicht über fast 400 Seiten gefolgt, wäre da nicht dieses fantastische sprachliche Wortspiel, dass mich immer wieder begeistert hat.
Trotzdem bin ich der Meinung, es war keine gute Idee die Geschichte in einen Roman zu packen. Das ist Stoff für ein ein Kabarettprogramm.
Sorry Frau Eckhart, sie sind eine Kabarettistin, keine Schriftstellerin.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Ein vergnügliches Krimi-Debüt
Fernwehträume von Hermann Bauer
Oberkellner Leopold W. Hofer, die gute Seele des Kaffeehauses „Heller“ in Wien Floridsdorf, kennt seine Gäste sowie deren Geheimnisse wie kein Zweiter. Auch entgehen ihm, dem aufmerksamen Beobachter, G’spusis seiner Kundschaft kaum.
Die Vorstadtidylle wird dann jäh gestört als Susanne Niedermayer, eine allein stehende, attraktive Frau Anfang 60, nach dem Besuch des Hellers ermordet wird.
Töter soll ausgerechnet ein Stammgast sein, der aufgrund übermäßigen Alkoholgenusses sich an diese Nacht nicht erinnern kann.
Leopold beginnt sofort zu „ermitteln“, was der echten Polizei so gar nicht in den Kram passt. Aber, Leopold hat Glück, denn sein Freund und Oberinspektor Richard Juricek ist der Leiter der Ermittlungen und lässt den Oberkellner die eine oder andere Recherche anstellen, nachdem er weiß, dass Leopold sich nicht abschütteln lässt.
Gemeinsam mit einem zweiten Freund, dem Gymnasialprofessor Thomas Korber, stochert der Oberkellner in Susis Leben, bis sich eine überraschende Wendung ergibt.
Meine Meinung:
"Fernwehträume" ist ein flott geschriebener Krimi mit viel Wiener Lokalkolorit. Besonders gut kommt dies bei den Szenen, die im fiktiven Kaffeehaus "Heller" spielen, zum Vorschein. Das „Heller“ hat ein echtes Vorbild, in dem der Herr Autor (lt. eigener Aussage) viele Stunden verbracht hat. Leider ist dieses Kaffeehaus seit Längerem Geschichte.
Gut gefällt mir die gar nicht so leise Kritik an Mauscheleien in der Bezirkspolitik.
Fazit:
Ein vergnügliches Krimidebüt, dem ich gerne 4 Sterne gebe!
Rezensionen von begine:
Schmackhaft
Feierabendfood vegetarisch von Susanne Bodensteiner
In dem vegetarischen Kochbuch Feierabendfood hat Susanne Bodensteiner 70 schnelle Rezepte gesammelt.
Die Aufmachung ist perfekt. Die Zubereitungszeit ist zwischen 20 und 30 Minuten. Die Zutaten sind meist leicht zu bekommen. Die Bilder jedes Rezeptes macht Appetit.
Die Ergebnisse sind schmackhaft und eigentlich für jeden leicht nach zu arbeiten.
Die Blätterteigtaschen mit Ziegenkäse schmeckten uns gut. Ich werde bestimmt öfter mal Anregungen aus diesem Buch nehmen.
Es ist ein ideales Kochbuch für Personen mit wenig Zeit.
Empfehlenswert.
Rezensionen von KimVi:
Eindringlich und mitreißend erzählte Familiengeschichte
So weit die Störche ziehen von Theresia Graw
Dora Twardy wächst behütet auf einem Gutshof in Ostpreußen auf. Sie genießt ihre Jugend im Kreise ihrer liebevollen Familie. Es mangelt ihr an nichts - auch nicht an Verehrern. Doch Dora hat ihr Herz bereits an ihren Jugendfreund Wilhelm von Lengendorff verschenkt und träumt von einer gemeinsamen Zukunft.
Als 1939 die Angriffe auf Polen beginnen und der Krieg ausbricht, bekommt Doras heile Welt erste Risse. Zunächst scheinen abgesagte Tanzvergnügungen ihre größte Sorge zu sein. Doch dann ziehen der Vater, der ältere Bruder und Wilhelm in den Krieg und plötzlich ist nichts mehr so, wie es vorher war. Als Dora den abenteuerlustigen Kriegsfotografen Curt von Thorau kennenlernt, ist sie plötzlich hin- und hergerissen. Denn jede Begegnung mit ihm sorgt dafür, dass Doras Herz schneller schlägt. Doch ihre Zukunft kann sie sich nur an Wilhelms Seite vorstellen. Der Krieg schreitet unerbittlich voran. Das Schicksal stellt die Familie Twardy vor einige Herausforderungen. Deshalb muss Dora erwachsen werden, Verantwortung übernehmen und zu sich selbst finden, denn nur dann kann sie herausfinden, für welchen Mann ihr Herz tatsächlich schlägt...
Der Einstieg in diesen Roman gelingt mühelos, denn das spätsommerliche Ostpreußen präsentiert sich von seiner schönsten Seite. Man merkt, wie sehr Dora ihre Familie und ihre Heimat liebt. Das Leben scheint leicht und unbeschwert vor ihr zu liegen. Denn bisher konnte sie alle Schwierigkeiten und Unannehmlichkeiten, durch ihr einnehmendes Wesen und ihr äußerst ansprechendes Äußeres, zu ihren Gunsten wenden. Ihre Familie, die sorglose Kindheit auf dem angesehenen Gutshof und der gesicherte finanzielle Hintergrund, geben Dora Rückhalt und Stabilität. Dass sich daran etwas ändern könnte, liegt außerhalb ihrer Vorstellungskraft. Deshalb ist es kein Wunder, dass Dora den beginnenden Krieg zunächst als lästiges, aber doch harmloses Ärgernis ansieht. Dora wirkt von Anfang an sympathisch, aber noch naiv und unreif. Wenn man ihre behütete Kindheit bedenkt, wirkt sie gerade durch diese eher unreifen Eigenschaften sehr authentisch. Deshalb kann man sich ganz auf die Handlung einlassen und in die dramatische und aufwühlende Geschichte eintauchen.
Der Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm lesbar. Handlungsorte und Protagonisten werden dabei so authentisch beschrieben, dass man die Szenen mühelos vor Augen hat. Dabei schwebt eine ganz besondere Atmosphäre zwischen den Zeilen, der man sich nur schwer entziehen kann. Schon früh entwickelt die Geschichte einen Sog, der mitreißt und dafür sorgt, dass man dem Geschehen gebannt folgt. Die Entwicklung, die Dora im Verlauf der Ereignisse durchläuft, wirkt dabei sehr glaubhaft. Denn das Schicksal stellt sie und ihre Familie vor einige Herausforderungen, die es unter dramatischen Umständen zu meistern gilt. Die Handlung ist durchgehend spannend und kaum vorhersehbar. Dadurch fliegt man förmlich durch die Seiten und genießt dabei jede einzelne.
Eine mitreißende und eindringliche geschilderte Familiengeschichte, die berührt und zum Nachdenken und Erinnern anregt.
Rezensionen von heinoko:
Psychogramm eines zerzausten Gedächtnisses
Die Märchenerzählerin von Monika Detering
Es geschieht selten. Aber wenn es geschieht, bleibt es im Gedächtnis. Wenn man ein Buch lesen möchte wie so viele andere, unverbindlich, jederzeit weglegbar, aber das Buch sich nicht einfach so lesen lässt. Sondern wenn es sich festhaftet, kleben bleibt, sich ins eigene Leben, in die eigenen Erinnerungen drängt, die Gedanken besetzt.
Und wenn man Mühe hat, wieder Distanz zu schaffen zwischen Buch und Leben. Weil man selbst fast so alt ist wie Lila, man sich also auch in der „Vorsterbezeit“ befindet, wie es die Autorin einmal nennt? Oder weil das Buch so gut geschrieben ist, dass es nicht loslässt?
Lila Oelmann ist 76. Eigentlich wollte sie immer nach Tahiti und ist doch in Bielefeld geblieben. Sie war mit Hermann in Liebe verbunden und darf, befristet, nach seinem Tod in seiner Wohnung in einer reinen Männer-WG unterkommen. Durch eine Fülle von aufblitzenden Erinnerungen an Kindheit und Jugend, wie es nur ältere Menschen kennen, erfahren wir von der schönen, immer erfolgreichen Schwester Astrid, die seit mehr als 50 Jahren verschwunden ist. Lila wird klar, dass sie nach Astrid suchen muss, bevor es endgültig zu spät ist. Und tatsächlich gibt es eine Spur…
Die Geschichte zwischen Schuld und Wiedergutmachung lebt von einer dauerhaft inneren Spannung, die den Leser Seite um Seite vorantreibt. Und sie lebt von der liebevollen, detailreichen Schilderung von Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Was mich jedoch an den Büchern von Monika Detering immer wieder besonders fasziniert, ist ihre wunderbare Gabe, mit Wortbildern zu jonglieren und so mit ganz wenigen Worten virtuos ein Gefühl, eine Stimmung zu vermitteln. „Jemandem ein Loch in seine Wichtigkeit schneiden“ zum Beispiel oder wenn „eine Wolke Ungelüftetes tief hängt“ oder wenn „selbst die Blätter zu träge sind zum Rascheln“. Mit „Todesblumen“ auf dem Handrücken „einen Mantel aus Zweifeln tragen“ und mit einem „zerzausten Gedächtnis“ durch die „Vorsterbezeit“ gehen - ein Psychogramm des Alters, wie man es besser nicht zeichnen könnte, mit Humor und Herzenswärme gleichermaßen.










