Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Solstice:
Klettern, leben, lieben
Kurt Albert von Tom Dauer
"Frei denken, frei klettern, frei sein" ist in zehn Kapitel unterteilt, zu deren Beginn jeweils eine philosophische Weisheit steht. Ein Satz Ludwig Wittgensteins steht vor dem ersten Kapitel "Das Unvorstellbare": "Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.
" Mit dem Unvorstellbaren ist Kurt Alberts Tod gemeint - bei jener Tätigkeit, die er am meisten von allen liebte, beim Klettern. Wahrscheinlich wegen eines Flüchtigkeitsfehlers, genau wird man es nie klären können.
Im zweiten Kapitel beschreibt Biograph Tom Dauer schon wieder etwas Unvorstellbares, nämlich aus heutiger Sicht Kurt Alberts Weg von einem "ganz normalen" Schulkind zum Kletterer - in den 1970er-Jahren wahrlich etwas Besonderes, im Gegensatz zu heute, wo fast an jeder Ecke Kletterhallen zu sprießen scheinen.
Eltern, Freunde, Weggefährten, aber auch Briefe erzählen sehr anschaulich, wie Kurt Albert von ersten Kletterübungen auf Felsen und Mauern bald in seine ersten Wände einsteigt - und schließlich zu einem der ersten "Cracks" der erwachenden Klettererszene wird. Von den verschiedenen Kletterabenteuern auf den verschiedenen Kontinenten bis hin zu Kurt Alberts Beziehung zu (den) Frauen wird das Leben dieses Solitärs unter den Bergliebhabern mehr be- als durchleuchtet - stets hält sich Tom Dauer dort vornehm auf Distanz, wo die Fantasie des Lesers mehr ausrichten kann, als seine Worte, und beschreibt jede Einzelheit dort intensiv, wo es nötig ist: Am Fels, beim Klettern, in den Bergen - weil dort Kurt Alberts Sehnsucht nach, Leidenschaft für und innige Beziehung zu Bergen ihren Ursprung und ihre Erfüllung fand. Tom Dauer eignet sich übrigens ganz vorzüglich als Biograph dieses Ausnahme-Bergmenschen, weil er noch zu Lebzeiten Kurt Alberts ein Monat lang mit ihm eine Hütte im Basislager des Berges Fitz Roy geteilt hat - um schließlich sein Standardwerk "Cerro Torre - Mythos Patagonien" verfassen zu können.
Kletterer genauso wie Nicht-Kletterer werden beim Lesen dieses Buchs sicher große Freude haben, auch noch beim zweiten oder dritten Mal! Unbedingte Empfehlung.
Rezensionen von Emmmbeee:
Deprimierende Geschichte
Das lügenhafte Leben der Erwachsenen von Elena Ferrante
Giovanna ist 13 und lebt behütet in einer kultivierten Mittelschichtswelt, hoch oben auf den Anhöhen über Neapel. Als sie hört, wie ihr Vater sie hässlich nennt, da sie offenbar immer mehr nach ihrer Tante Vittoria kommt, ist sie tief erschüttert. Fand ihr Papa sie bisher etwa nicht hübsch, ja schön? Und wer ist diese Vittoria überhaupt, die man so sorgfältig vor ihr verbirgt? Sie spürt der offensichtlich vulgären Herkunft ihres Vaters nach und gerät in Abgründe, die sie verstören.
Als sie zudem bemerkt, dass ihre Mutter den Zärtlichkeiten anderer Männer aufgeschlossen ist, verliert Giovanna das kindlich-naive Vertrauen zu einer Welt, in der sie sich bisher geborgen und sicher gefühlt hat. Was sollte sie noch glauben, wem vertrauen? Durch das gewaltige und alles überziehende Lügennetz der Erwachsenen sieht Giovanna eine Welt, die ihr nicht allzu lebens- und liebenswert erscheint. Widersprüche noch und noch tun sich auf, sie scheint keinem mehr trauen zu können. Es sind die Neunzigerjahre, Giovanna steht auf der Schwelle zum Frau-Sein, und gerade jetzt würde sie Halt benötigen.
Obwohl die einzelnen Episoden gewohnt unterhaltsam und kurzweilig zu lesen sind, dringt doch wieder der melancholisch- gedämpfte Ferrante-Ton durch. Es scheint keine richtig glücklichen Frauen zu geben, nur solche, die sich vormachen, glücklich zu sein. Oder solche, die resignieren und auf ausgeleierten Gleisen fahren.
In sieben Abschnitte geteilt, begleitet der Leser Giovanna durch die schwierigen Jahre der Pubertät, in denen sie mit Widersprüchen, Gegensätzen, dem körperlichen Unbehagen zu kämpfen hat und zurechtkommen muss.
Unbehagen hat auch mich während des Lesens nie verlassen. Die Sprache war sicher authentisch, lebendig, bildhaft. Die Autorin malt kontrastreiche Szenenbilder, vermag die Spannung bis zum Schluss mit Drive zu halten. Dennoch verleidet mir diese immerwährende Traurigkeit die Lust am Lesen der Ferrante-Bücher. Schon die zuletzt erschienenen Romane haben mich ziemlich hinuntergezogen.
Rezensionen von SAW:
Heiles Deutschland?
Clan-Land von Burkhard Benecken
Das Buch spinnt die Visionen von Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ in die Zukunft weiter und erzählt, was passiert, wenn die Einwanderung der arabischen und muslimischen Clans so weitergeht wie bisher und das Land so polarisiert, dass die Rechtsnationalen die Mehrheit und die Regierung stellen.
Die Araber-Clans sind ja jetzt schon in Berlin und anderen Großstädten eine eigene illegale Welt, der die Polizei nicht Herr wird. Im Jahr 2044 versucht es die rechtsnationale Regierung mit drastischen Maßnahmen, die de facto zu einem Bürgerkrieg zwischen den Deutschen und den Muslimen führen. Letztere schotten sich in autonomen Stadtbezirken ab, die sie militärisch verteidigen und beherrschen. Die 2 Protagonisten des Buches versuchen zu vermitteln und zurück zu einer demokratischen Welt zu finden, was natürlich alles andere als leicht ist. Mit vielen überraschenden Wendungen wird das Buch zum Thriller, man will unbedingt die Auflösung wissen und liest es in einem Zug durch.
Spannende Bettlektüre, die aber den Schlaf raubt!
Dr. Rüdiger Opelt, Autor von „Heiles Deutschland? Geschichte, Lösungen, Zukunft“
Rezensionen von SAW:
Kampf ums Kanzleramt
Kampf ums Kanzleramt von Daniel Koerfer
Die konkurrierenden Gründerväter
Koerfer schildert die deutsche Nachkriegsära unter Adenauer und Minister Erhard. Dabei beeindruckt vor allem die Persönlichkeit Erhards, des Vaters des deutschen Wirtschaftswunders. Dieser war durch den Konkurs seines Vaters durch Hyperinflation und Wirtschaftskrise geprägt und strebte daher ein Leben lang nach Geldwertstabilität und schuf die harte D-Mark.
Er studierte Wirtschaft bei den klügsten Köpfen, die alle zu seinen Mentoren wurden, weil er ein vertrauensvolles Vater-Sohn-Verhältnis mit ihnen einging. So war es anfangs auch mit Adenauer. Sie wie alle väterlichen Professoren verstieß ihn aber auch Adenauer, wenn Erhard versuchte, auf gleiche Ebene mit ihm zu kommen. Der autoritäre und mit allen Tricks der Politik gewaschene Adenauer wurde im Nachhinein idealisiert, solange er Kanzler war aber auch von vielen wegen seiner autoritären Art gehasst. Der Machtkampf von Kanzler und Vizekanzler endete schließlich in Adenauers Sturz. Da waren die meisten froh, dass er endlich weg war.
Erhard schuf auch die freie Marktwirtschaft und wurde dabei von den Amerikanischen Besatzern gefördert. Ehrhard hatte als Wirtschaftsforscher 20 Jahre lang Erfahrungen in allen Details gesammelt, Österreich, Ostdeutschland und schließlich das Rheinland analysiert. Er beendete die Planwirtschaft der Nazis, die in den ersten Jahren nach dem Krieg einfach weiterlief. Aus dem freien Markt entstanden das deutsche Wirtschaftswunder und damit auch der deutsche Wohlstand.
Ein ausgezeichnetes Buch über die beiden Gründerväter der Bundesrepublik, elegant und informativ geschrieben. Sehr zu empfehlen
Dr. Rüdiger Opelt, Autor von „Heiles Deutschland? Geschichte, Lösungen, Zukunft“
Rezensionen von Emmmbeee:
Suche nach dem Vater
Ada Roman von Christian Berkel
Das Kind Ada fühlt sich erst allmählich heimisch, als sie nach Jahren in Argentinien mit ihrer Mutter Sala zurückkehrt nach Deutschland. Wir schreiben das Jahr 1954. Die Jüdin konnte bis nach dem Krieg untertauchen, floh dann aber mit ihrer kleinen Tochter nach Südamerika.
In Buenos Aires hat es Hannes gegeben, dem Ada sich herzlich verbunden gefühlt hat.
Nun ist da aber ihr Vater Otto. Als Kriegsheimkehrer hatte er seine Frau Sala nicht mehr vorgefunden und deshalb eine andere geheiratet. Da sie jedoch mit dem gemeinsamen Kind Ada wieder in Berlin ist, lässt er sich scheiden. Er heiratet Sala erneut, und die Familie ist wieder vollständig. Doch ist er Adas Erzeuger? Welche Rolle spielt dann Hannes? Alles ist recht verwirrend, auch für den Leser.
Wie ein roter Faden zieht sich Adas Suche nach ihrem Vater, nach Wahrheit und Klarheit durch das Werk. Auf mehreren Zeitebenen führt uns die Erzählerin Ada durch ihr Leben. Wir folgen ihr zum Mauerbau, in die Geschehnisse von 1968 und sogar zum Festival nach Woodstock, bis hin zum Frühling 1993.
Meine Sympathie gehört der Titelheldin, auch wenn mir ihre illegalen Handlungen ganz und gar nicht gefallen. Doch auch Ottos tolerante Haltung imponiert mir, als Sala für ein paar letzte Wochen des Abschieds zurück nach Buenos Aires fährt, zu Hannes.
Es geht in diesem Roman um die Liebe zu zwei Männern, um die Suche nach der eigenen Identität, um Schweigen und Vertuschen. Wieder ist es ein Stück Familiengeschichte, eingebettet in drei Teile: Erinnern, Wiederholen, Durcharbeiten. Markante historische Ereignisse stützen die Handlung und prägen auch das Mädchen Ada.
Nachdem ich von Berkels «Apfelbaum» begeistert war, habe ich mir ebensolche Lesefreuden auch von «Ada» erwartet, und ich wurde nicht enttäuscht. Ich bin erstaunt, wie gut er sich in eine Frau hineinversetzen kann. Besonders farbige Szenen malt Christian Berkel, wenn er die Situation in Woodstock schildert, oder wie Jugendliche eine vietnamesische Dschunke kapern. Auch der Ausflug in die Pariser Welt der Mode und der Kunst war ein Highlight.
Es sind kurze Kapitel mit Titeln, was in Romanen nicht oft vorkommt. Spannungsbogen
Berkel ist ein souveräner Erzähler, der es versteht, über das ganze Buch verteilt aktuelle Themen anzuschneiden. Ich freue mich schon auf sein nächstes Werk.
Rezensionen von miriamB:
Unter einem Eisbären kann es sehr dunkel sein
Kalmann von Joachim B. Schmidt
„Wie einfach das Leben wäre, wenn wir uns mit den Tieren unterhalten könnten. Aber vielleicht wäre das Leben dann komplizierter, weil sich die Tiere über uns Menschen beschweren würden.“
Wer solche Sätze denkt, hat einfach mein Herz gewonnen!
Auch wenn es in diesem Fall doch ein paar Seiten gedauert hat, denn Joachim B Schmidt präsentiert uns einen ungewöhnlichen Helden: Kalmann ist ein junger Mann, dessen geistige Entwicklung irgendwann stehen geblieben ist.
Sein kluger Großvater erklärte ihm, dass jeder Mensch irgendwie anders sei, und damit wäre auch Kalmann normal. Diese liebenswerte Weltsicht hat ihn geprägt und zieht sich durch das ganze Buch.
Mag seine Denkfähigkeit auch in mancherlei Hinsicht eingeschränkt sein, klug ist er ja trotzdem, manchmal sogar philosophisch. Er selbst erzählt uns diese Geschichte. Seine Art, Dinge zu beschreiben ist erfrischend, denn er trifft den Nagel oft genau auf den Kopf. Er denkt über die Dinge nach, die er hört oder sieht und zieht daraus seine eigenen Schlüsse. Da geht es um Alltagsthemen, dem Verschwinden von Menschen, aber durchaus auch um Themen wie Überfischung, Klimawandel und Rassismus!
Trotz Kriminalfall mit überraschender Lösung ist es kein gewöhnlicher Krimi – es ist ein leise erzählter Roman mit grandiosen Naturschilderungen, Spannung, viel Humor und einer bemerkenswerten Hauptperson.
Unbedingt lesenswert!
PS. Gammelhai werde ich trotzdem NIENIENIE essen.
Rezensionen von Nele33:
aktuelle Dystopie
Cleanland von Martin Schäuble
Mit Cleanland hat der Autor Martin Schäuble hochaktuelles und spannendes Jugendbuch geschrieben.
Die 15-jährige Schilo lebt in Cleanland in der Zeit "Danach", der Zeit nach der goßen Pandemie. Ihre Mutter arbeitet beim Ministerium für Reinheit. Cleanland ist eine Welt, in der wirklich alles klinisch rein gehalten wird, Kontakte sind strikt reglementiert, sogar Berührungen sind äußerst gefährlich.
Shilo scheint angepasst, ihre Freundin Samira ist da kritischer. Als diese in Schwierigkeiten gerät, fängt auch Schilo an das System von Cleanland zu hinterfragen. Unterstützung bekommt sie ihrer ersten großen LIebe, die es so auch nicht geben darf.
Das Buch läst sich leicht und schnell lesen, der Schreibstil ist für Jugendliche angemessen. Die Protagonistin mit all ihren Ängsten und Sorgen wurde sehr gut charakterisiert. Erzählt wird die Geschichte durchweg aus der Sicht von Schilo.
MIt Cleanland hat der Autor eine Dystopie für Jugendliche geschrieben, die jetzt mit Corona einen ganz anderen Blickwinkel ermöglicht, Manche Regeln, wie Abstand halten und desinfizieren sind uns leider auch nicht mehr unbekannt. Das Szenario welche Schäuble weiterführt zeigt was aus einer Pandemie entstehen kann, es sind keine schönen Aussichten.
Mein einziger Kritikpunkt ist das sehr schnell herbeigeführte Ende, was für mich zu reibungslos von statten ging und dem im Verhältnis zum Rest des Buches ein wenig die Tiefe abhanden gekommen ist.
Gute 4 Sterne für dieses Jugendbuch.
Rezensionen von CanYouSeeMe:
Die Brüder Opgard
Ihr Königreich von Nesbø Jo
Nachdem ist die Bücher um Harry Hole früher geradezu verschlungen habe, war mir klar, dass ich auch dieses Buch des Autors lesen muss. Ich habe mir dabei einen ähnlichen Stil vorgestellt. Jedoch weit gefehlt - dieser Krimi ist vom Storytelling her entzerrter und nimmt das Tempo aus der Erzählung.
Erst zum Ende verdichten sich die Geschehnisse und die Dinge passieren Schlag auf Schlag. Es ist alles düster und unterschwellig bedrohlich und vor allem: spannend. Auch wenn phasenweise nicht viel passiert ist, ist die Stimmung durchgehend geladen.
Die Opgard-Brüder sind spannende und vielschichte Charaktere, von denen ich auch nach Beendigung des Buches nicht sagen kann, ob ich sie vollständig durchschaut habe. Dieser Krimi ist zugleich ein Familiendrama, vergangenes Erlebtes bestimmt unausweichlich die Handlungen von Roy und Carl. Die Handlung springt dabei immer wieder zwischen früher und heute hin und her, das hat mich zunächst ein wenig verwirrt, da die zeitlichen Sprünge nirgends markiert sind.
Die Charakterdarstellung ist dem Autor sehr gut gelungen, selten habe ich so vielschichtige und undurchschaubare Charaktere erlebebt wie in "Ihr Königkreich". Auch die Nebencharaktere sind anschaulich und gleichsam düster dargestellt - ich konnte mir von allen ein gutes und detailliertes inneres Bild machen. Weiterentwicklungen oder Wendungen konnte ich zumeist nicht in Gänze vorahnen.
Insgesamt konnte mich dieses Buch vollständig fesseln. Dabei habe ich vor allem das reduzierte Tempo in der Erzählung genossen, Erzählerisch ist dieses Buch für mich sehr gut gelungen. Die rasanten Ereignisse im letzten Teil des Buches waren für mich jedoch ein wenig zu dramatisch und beinahe übertrieben.
Rezensionen von Katja:
Gute Geschichte
Das Fundstück von Frank Kodiak
Das Buch war das erste das ich von Kodiak las und sein Schreibstil ist tatsächlich um einiges gruseliger als der von Winkelmann, obwohl die beiden Autoren ein und dieselbe Person sind.
Ich fand es toll, dass die Perspektiven wechselnd sind und der Leser somit von allem einen guten Überblick bekommen konnte.
So baute Kodiak noch mal ein bisschen mehr Spannung auf und die ist ihm definitiv von Anfang an gelungen denn schon bei den ersten Seiten merkt man, es ist keine Geschichte für zartbesaitete Menschen.
Das Setting ist hier dunkel und düster, spielt in der Vorweihnachtszeit und schon allein deshalb war es um einiges gruseliger beim Lesen. So manches Mal begann mein Herz während dem Lesen schneller zu schlagen.
Es gibt kein langes herumgerede, keine unnötig in die Länge gezogene Handlung und dadurch konnte ich das Buch beim Lesen nicht wieder aus der Hand legen, zumal es dann auch noch in kurzen Kapiteln erzählt wird die sehr abwechslungsreich sind durch die wechselnden Perspektiven. Diese werden auch immer mit Ort und Datum gekennzeichnet, dadurch hat man als Leser einen Überblick über die verstreichende Zeit während die Ermittler ihre Arbeit machen und man kommt auch nicht durcheinander.
Fazit: Ein sehr gut gelungener Thriller, der manche Szenen beinhaltet die nichts für schwache Nerven sind mich aber begeistern.
Rezensionen von Caroline :
Kann aus Wut, Trauer und Verzweiflung etwas Neues entstehen
Der Moment zwischen den Zeiten von Marta Orriols
Warum hat mich dieses Buch so angezogen? Das Cover entspricht so überhaupt nicht meinem Geschmack, die Autorin kannte ich nicht und dennoch musste ich mir den Klappentext durchlesen.
Bei Lovelybooks entdeckte ich zufällig ein Gewinnspiel zu dem Buch und ich hatte auch noch das Glück eine Ausgabe zu gewinnen.
Vielen Dank an dtv für das Gewinnspiel.
Nun aber zur Geschichte und zu Paula, die bei einem Mittagessen von ihrem Partner Mauro erfährt, dass er sie verlassen wird, weil er sich in eine andere, jüngere Frau verliebt hat. Ein Schlag, den sie nicht erwartet hat, den sie erst verdauen muss. Jedoch bleibt ihr dazu keine Zeit, denn noch am selben Tag stirbt Mauro bei einem Verkehrsunfall.
Paula bleibt als trauernde Witwe zurück, denn es gibt keine Bezeichnung für eine nicht verheiratete Partnerin. Die unterschiedlichsten Gefühle stürmen auf sie ein. Neben der Trauer stauen sich auch Wut, Enttäuschung und Unverständnis.
Dieses Gefühlchaos beschreibt Marta Orriols sehr gekonnt. Bis ca. zur Hälfte des Buches springen die Gedanken ungeordnet hin und her. Paula konzentriert sich auf ihren Beruf und versorgt als Neonatologin Frühchen, um sie gesund ins normale Leben zu entlassen. Diese verantwortungsvolle Aufgabe fordert sie und dabei vergisst sie für kurze Zeit ihre Sorgen, ihre Trauer, die sie mit niemandem wirklich teilen kann. Denn Mauros Untreue ist ein Geheimnis, das sie mit sich herumträgt.
Was ich anfangs noch als holprig und unruhig empfunden habe, glättet sich mit den Seiten. Ohne viel verraten zu wollen, gab es einen ganz bestimmten Moment, der mich zu Tränen gerührt hat. Es waren so viele Emotionen mit Händen zu greifen und zu spüren. Für mich ein Wendepunkt in der Geschichte. Ich wollte weiterlesen, ich wollte wissen, wie es weitergeht. Gleichzeitig habe ich mich gefürchtet, zum Ende zu gelangen. Für diese letzten Seiten danke ich der Autorin von Herzen.
Zum Schluss möchte ich noch kurz auf den Titel zu sprechen kommen. Der spanische Titel "Aprendre a parlar amb les plantes" heißt übersetzt ungefähr "Mit den Pflanzen sprechen lernen". Wobei die Autorin nicht spanischer Herkunft ist, sondern aus Katalanien stammt. Dieser spanische Titel passt gut, wobei es dauert ihn zu verstehen.
Den deutsche Titel finde ich regelrecht genial. Höchstes Lob an die Person, die sich dafür eingesetzt hat. Jede Leserin/jeder Leser muss diesen Moment zwischen den Zeiten für sich selbst finden. Nicht nur in dieser Geschichte sondern auch im eigenen Leben.
Ich schwanke bei meiner endgültigen Bewertung. Die weibliche Hauptfigur machte es mir nicht einfach sie zu mögen. Es war einfach sie zu verstehen, aber ob ich sie mochte?? Aber die Autorin hat es geschafft, dass ich die Geschichte liebe. Die Handlung, die so einzigartig voranschreitet und sich entwickelt. Ein Highlight in meinem Lesejahr.











