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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Very british

Das Geheimnis von Dower House von Nicholas Blake

Dieser Krimi ist ein englischer Krimi-Klassiker, der vom Klett-Cott-Verlag in ansprechender Ausführung neu aufgelegt wurde.

Nigel Strangeways ist ein Hobby-Detektiv aus der besseren Gesellschaft und wird von seinem Onkel, dem stellvertretenden Polizeichef Londons gebeten, ganz privat und sehr diskret einige Drohbriefen nachzugehen.

Ein Unbekannter droht Fergus O‘Brien, einem hoch dekorierten Fliegerass aus dem Großen Krieg, mit dessen Ermordung am zweiten Weihnachtstag.

O’Brien, ganz Kriegsheld, will seinem zukünftigen Mörder ins Gesicht sehen und lädt alle dafür infrage kommenden in das Dower House ein. Als neutrale Beobachter soll auch Nigel anwesend sein.

Es kommt, wie es kommen muss, und O’Brien wird wie angekündigt tot aufgefunden. Was zunächst wie ein Selbstmord aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als gefinkelter Kriminalfall, bei dem allerdings ein handfestes Motiv zu fehlen scheint.

Meine Meinung:

Wer die typischen „closed room“-Krimis aus England mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Alle sind verdächtig, selbst das Spülmädchen und die calvinistische Köchin. Die Rangordnung in der Liste der Verdächtigen ändert sich mehrfach und es dauert eine geraume Weile und ein weiteres Todesopfer, bis Nigel die Vorgänge so richtig durchschaut.

Wie in diesen englischen Krimiklassikern üblich ist, gibt es exaltierte Ex-Geliebte des Opfers, beinahe bankrotte Snobs, ehemalige Militärs, die den Kommandoton noch immer nicht abgelegt haben und einen unerschütterlichen Butler.

Mir gefällt diese Art Krimis, weil man so herrlich miträtseln kann. Auch die heute übliche hektische Betriebsamkeit und „Action“ fehlt, was durch ausgefeilte Sprache durchaus wettgemacht wird. Der Schreibstil ist gehoben und mit zahlreichen lateinischen Zitaten gespickt.

Nicholas Blake ist das Pseudonym von Cecil Day-Lewis (1904–1972), der von der Queen zum Hofdichter ernannt wurde. Wie viele britische Gelehrte hat er zahlreiche Krimis geschrieben.

Fazit:

Ein ruhiger englischer Krimi-Klassiker, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Von den Anfängen der Kinderheilkunde

Kinderklinik Weißensee - Zeit der Wunder von Antonia Blum

Marlene und Emma Lindow wachsen nach dem Tod ihrer Mutter in einem Waisenhaus auf, denn der Vater der Mädchen ist unbekannt. Anders als in vielen ähnlich gelagerten Fällen werden die Schwestern nicht getrennt und dürfen sogar das Abitur ablegen. Eine eher ungewöhnliche Vorgangsweise, die auch während ihrer Ausbildung zu Kinderkrankenschwestern zu allerlei Spekulationen Anlass gibt.

Ist vielleicht der Chef der neu eröffneten Kinderklinik der Vater?

Meine Meinung:

Dieser historische Roman lässt sich leicht und flüssig lesen. Man fliegt als Leser nur so durch die Seiten. Die Autorin hat penibel recherchiert, denn die Kinderklinik gab es von 1911 bis 1977 wirklich.

Was ich interessant finde ist, dass die Ausbildung zur Kinderkrankenschwester nur wenige Wochen umfasst und die Prüfung gerade einmal eine Stunde dauert. Das erscheint ein wenig unglaubwürdig. Doch wer weiß, vielleicht war es wirklich so, zumal einige der jungen Frauen ja eher einen Ehemann als eine Anstellung suchen.

Geschickt verquickt die Autorin die Lehr- und Lerninhalte in die Handlung. So erhalten wir Einblick in die damaligen Behandlungsmethoden.

Gut gelungen sind die Charaktere der beiden Schwestern. Die ältere, Marlene, die, als die Mutter starb, schon mit sechs Jahren die Verantwortung für ihre jüngere Schwester übernommen hat, ist die zielstrebigere der beiden. Marlene will unbedingt Kinderärztin werden und das in Berlin, wo erst seit 1908 Frauen zum Medizinstudium zugelassen worden sind. Für ihren Traum arbeitet sie hart.

Emma hingegen hat nicht so hochfliegende Pläne. Sie findet heraus, dass Spiele, Denksportübungen und Kuscheltiere die Ängste der Kinder vor dem Krankenhaus mildern können. Hier ist sie zu Hause und gut aufgehoben.

Die persönlichen Gefühle bzw. Liebschaften sind mir persönlich einen Hauch zu Platz greifend. Hier hätte es ein wenig weniger auch getan.

Gut herausgearbeitet sind die Intrigen zwischen den Elevinnen. Doch auch die eine oder andere ausgelernte Schwester scheint nicht immun gegen Eifersüchteleien zu sein. Guter Geist ist der Pförtner, der manchmal ein Auge zudrückt, wenn Emma oder Marlene es mit dem Ausgang nicht ganz so genau nehmen.

Nicht vernachlässigt wird auch der Standesdünkel, der viele plagt und die wechselnden Koalitionen zwischen den Schülerinnen. Stellenweise ist dieser historische Roman ziemlich sozialkritisch, was mir gut gefällt.

Im Laufe der Zeit erfährt der Leser, wer und warum die schützende Hand über die Schwestern gehalten hat. Doch das Geheimnis, wer der Vater von Marlene und Emma ist, wird vielleicht erst im nächsten Band gelüftet.

Fazit:

Ein gelungener historischer Roman, der in einer Zeit des Umbruchs spielt. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Fesselnd bis zur letzten Seite und beste Krimiunterhaltung

Die siebte Zeugin von Florian Schwiecker; Michael Tsokos

Es ist Sonntagmorgen in Berlin-Charlottenburg und Nikolas Nölting, Beamter in Berliner Stadtverwaltung, Dezernat „Bau“, fährt mit seinem Fahrrad zum Bäcker und schlägt, statt Frühstücksgebäck zu kaufen, den anwesenden Kontakt-Polizisten nieder, bemächtigt sich dessen Dienstwaffe und schießt auf drei Personen.

Während zwei nur leicht verletzt sind, ist Moritz Lindner sofort tot. Der Schütze lässt sich widerstandslos festnehmen und schweigt beharrlich.

Auch seinem Verteidiger Rocco Eberhardt gelingt es nicht, dem Täter Details und vor allem ein Motiv zu entlocken. Für den Oberstaatsanwalt steht das Urteil bereits vor der Gerichtsverhandlung fest: Es kann nur lebenslänglich für den Angeklagten geben. Doch Eberhardts Ehrgeiz ist geweckt. Was hat den unscheinbaren Beamten zu dieser Tat getrieben?

Meine Meinung:

Ich habe diesen Justiz-Krimi an einem Tag, in einem Rutsch gelesen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie die Sache ausgeht. Ich hatte nämlich gleich einen Verdacht, der sich recht schnell bewahrheitet hat. Ein Einzeltäter, der beharrlich schweigt, lieber ins Gefängnis geht - das klingt sehr nach organisiertem Verbrechen. Ein weiteres Indiz hierfür liefert die Arbeitsstätte: Die Behörde, die für Umwidmungen von landwirtschaftlichen Grundstücken in Bauland zuständig ist. Hier ist mit den richtigen Insiderinformationen so richtig viel Geld zu holen.

Das Autoren-Duo Florian Schwiecker und Michael Tsokos sind vom Fach. Schwiecker war lange Jahre als Strafverteidiger tätig und Tsokos ist Leiter der Rechtsmedizin in der Charité. Diese ihre Erfahrungen bringen sie in dem ersten gemeinsamen Krimi, der offensichtlich nicht der letzte sein wird, ein.

Die kurzen Kapitel, die die Tat und ihren Auslöser aus unterschiedlichen Blickwinkel beleuchten, machen die Auflösung so richtig spannend. Jedes Kapitel ist mit einer genauen Orts- und Zeitangabe versehen. Oft ist ein Kapitel nur eine Seite kurz und gleicht damit einem Kameraschwenk.

Spannung wird auch durch die beiden Hauptpersonen im Gerichtssaal erzeugt: Zum einen der Oberstaatsanwalt, der den Angeklagten für den Rest des Lebens hinter Gitter sehen will, und den Anwalt, der genau dieses verhindern will. Mitten drinnen, die souveräne Richterin.

Je mehr der Oberstaatsanwalt auf „lebenslänglich“ beharrt, desto stärker beschleicht den geneigten Leser, dass er vielleicht seine eigenen Ziele verfolgt.

Die ersten fünf Zeugen scheinen bis auf einen, ein recht neutrales Bild der Ereignisse zu geben. So richtig spannend wird es, als ein vorab unbekannter 6. Zeuge den Gerichtssaal betritt. Den Höhepunkt bildet aber die 7. Zeugin, nämlich de Ehefrau des Angeklagten. Mit ihrer Aussage offenbart sich endlich die Tragödie, die sich hinter der Tat, verbirgt.

Fazit:

Dem Autoren-Duo Schwiecker/Tsokos ist ein fesselnder Justiz-Krimi gelungen, dem ich eine Leseempfehlung ausspreche und 5 Sterne gebe.

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Rezensionen von nil_liest:

Wenn man lieber Kind bleiben möchte

Elchtage von Malin Klingenberg

Johanna, die Protagonisten des Romans, ist nach dem Sommer auf eine neue Schule gekommen und nun Teil „der Großen“ – sie besucht die Mittelschule. Ihre beste Freundin hat sich verändert und will Teil der Coolen sein und hängt nun mit anderen Mädchen herum. Johanna hätte es lieber noch so wie alles vorher war, sie mag die Veränderung nicht sonderlich um sie herum.

Johanna zieht sich zurück und liebt dafür die Hütte, die sie zusammen mit Sandra im Wald gebaut hat.
Bei einem dieser Momente in denen sie sich zurückzog passiert es: Elche kommen an der Hütte vorbei! Ein Wahnsinn, sie kann es kaum glauben, aber auch andere entdeckten die Elche und wollen ihnen nichts Gutes!
Dieser Roman ist toll für Kinder die gerade auf eine weiterführende Schule gewechselt haben oder das nach den Sommerferien tun werden. Man kann sich wunderbar mit Johanna identifizieren, eine sympathische und liebenswerte Person. Klar, da sie weiblich ist, fällt es Mädchen sicherlich leichter als Jungs mit der Identifikation.
Ich finde auch, dass man merkt, dass die Geschichte in Skandinavien spielt und dadurch ein weiterer toller Anreiz zum Lesen gesetzt wird. Ähnlich wie bei uns, aber leicht anders. Klar, vor allem durch die Elche ist es anders. Aber nicht nur das – auch die Umgebung, die schulischen Gegebenheiten, Namen und andere Details.
Kleiner Hinweis für die erste Seite, dort sind extrem viele spezielle Begriffe : Emo-girls, Rockabilly-Gang, Buchnerds, Hipster, Longboard..da war ich kurz irritiert, aber das gab sich gleich auf Seite 2 komplett. Sprich wenn Kinder mit diesen Begriffen nichts anfangen können, einfach überlesen und in die Geschichte abtauchen!
Malina Klingenberg hat mit „Elchtagen“ einen tolles Kinder/Jugendbuch geschrieben, in dem sich alle wiederfinden, die nicht schneller erwachsen werden wollen und lieber in ihrer Kindheit bleiben möchte.
Ein schöner Roman über eine verflixte Zeit!

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Rezensionen von C. P.:

Treuer Leser

Hexenjäger von Seeck Max

Eine perfide Mordserie stellt die finnische Kommissarin Jessica Niemi und ihr Team vor unerwartete Herausforderungen. Die Morde erinnern an frühere Foltermethoden während der Inquisition - und an die Bestseller-Trilogie „Hexenjagd“ des Thriller-Autors Roger Koponen. Stellt ein treuer Leser seine Romane nach - oder steckt mehr dahinter?
Schonungslos geschieht hier ein Mord nach dem nächsten.

Auch wenn der Autor dem Leser unnötige Details erspart, gönnt er den Ermittlern keine Verschnaufpause. Es geht zügig voran, sowohl bei den Ermittlern als auch bei den Opfern. Auffällig ist, dass die weiblichen Opfer der Mordserie sich auf ein gewisse Art ähnlich sehen. Und dass den Ermittlern Spuren wie auf dem Silbertablett serviert werden. Schnell entpuppt der Fall sich zu einem perfiden Katz- und Maus-Spiel, sowohl für die Ermittler als auch für den Leser bis zum Schluss undurchsichtig und voller Überraschungen.
Auch wenn die Handlung im verschneiten Finnland spielt, sind die Ermittler keine dauernd schlecht gelaunten Psychowracks mit Scheidung und Alkoholproblem, wie oft in Nordic Noir-Thrillern zu lesen. Das kleine Team, auf das der Autor sich in erster Linie beschränkt, ist eine bunt zusammengewürfelte Gruppe, von denen vor allem Jessicas persönliche Vergangenheit regelmässig in Rückblicken beleuchtet wird. Ja, sie hat ihre Geheimnisse, aber inwiefern diese mit dem Fall zu tun haben bleibt bis zum Schluss undurchsichtig. Ebenso bietet der Kriminalfall selbst einiges an Überraschungen und bleibt bis zum Ende hin angenehm spannend. Als Kritikpunkt muss ich dazu erwähnen, dass mir einige wenige Punkte zu konstruiert vorkamen, aber sowas ist bekanntlich Geschmackssache.
Der Stil ist unterhaltsam, die Handlung wird wiederholt von den Rückblicken in Jessicas Vergangenheit unterbrochen, was vielleicht auch nicht jedermanns Geschmack trifft.
Im Großen und Ganzen habe ich mich von dem ersten Thriller um Jessica Niemi gut unterhalten gefühlt und konnte bis zum Schluss diverse eigene Spekulationen über den Haufen werfen, wer und warum der Täter sein könnte. Als spannenden Thriller kann ich das Buch empfehlen und freue mich bereits auf den nächsten Fall mit der finnischen Kommissarin.

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Rezensionen von begine:

In drei Stunden von Palästina nach Berlin

Fast hell von Alexander Osang



Von dem Journalisten und Schriftsteller Alexander Osang habe ich schon Die Leben der Elena Silber mit Begeisterung gelesen.

Die Biografie Fast hell interessierte mich dann auch gleich.
Er schreibt die Geschichte von Uwe, aber es wird dann auch seine Geschichte.
Uwe und er sind aus Ostberlin und es beginnt 1989 zur Wende.

Der Autor schreibt flott und springt zwischen Tel Aviv, New York und Berlin hin und her. Zwischendurch gibt es auch eine Reise nach St. Petersburg.
Ein lesenswertes Buch.

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Rezensionen von begine:

Mädchen werden keine Dichterin

Kindheit von Tove Ditlevsen



Die dänische Schriftstellerin Tove Ditlevsen hat ihre Lebensgeschte 1967 geschrieben.

„Kindheit“ ist der erste von drei Teilen.

Die Autorin ist 1917 in Kopenhagen in einer Arbeiterfamilie gerben.

Ihre Kindheit ist nicht unbedingt schwer, so ging es den meisten.
Ihr Vater liest Bücher und Tave ist daran Interessiert.

Sie fängt selber an zu schreiben.

Die Texte sind erst-mal nicht so interessant, passen aber in die damalige Zeit.
Sie schreibt interessant, das der Sohn sein soll wie der Vater, die Tochter muss sich an die Mutter halten.

Das Buch zeigt, wie die Kindheit damals war.

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Rezensionen von begine:

Nachkriegszeit in Sydney

Die Jägerin von Tara Moss



Die Schriftstellerin Tara Moss ist in Australien geboren.
Ihr Roman „Die Jägerin“ ist ein spannender fesselnder Krimi, der 1946 in Sydney spielt.

Der Krimi erinnerte mich an Romane von Valerie Wilson Wesley, deren Detektivin Tamara Hayles ich alle lesen musste

Die Journalistin Billie Waljer führt nach dem Tod ihres Vaters die Privatdetektei ihres weiter.

Sie ist sehr sympathisch. Ihr neuer Fall, ist ein 16jähriger Junge, der plötzlich verschwunden ist. Billie ist verbissen bei der Arbeit und tritt einigen Typen auf die Füße und macht sie sich zu Feinden.
Dann ist da noch ihre aboritschinesisische Bekannte, die sich um einige Kinder sorgt.

Die Autorin versteht es gut Spannung aufzubauen. Sie lässt die Geschichte aus Deutschland und die Kriegsverbrechen einfließen. Die Geschichte ist fiktiv und auch ihre Personen.

Der Krimi ist sehr gute Unterhaltung. Man wird richtig in ihn hineingesogen und die sprachliche Lebendigkeit ist brillant.

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Rezensionen von heinoko:

Was gewesen wäre wenn ... bravourös gelöst

Orangen für Dostojewskij von Michael Dangl


Eine reale Stadt, nämlich das traumhaft schöne Venedig, wurde als Bühnenbild des Romans gewählt. Und eine fiktive Begegnung zwischen Dostojewskij und Rossini als Drehbuch. Das hat was. Und es war alles andere als einfach, was sich der Autor da vorgenommen hatte. Er hat die Aufgabe meiner Meinung nach mit Bravour absolviert.

Der kranke Fjodor Dostojewskij erfüllt sich einen langgehegten Wunsch, nämlich Venedig zu besuchen. Doch er findet keinen Zugang zu der Lebendigkeit und Lebensfreude der Stadt. Er findet sich nicht zurecht, versteht die Sprache nicht, bleibt weiter gefangen in Schwermut. Erst als er Rossini begegnet, diesem rein barocken Genussmenschen, sozusagen seinem Antipoden, erfährt Dostojewskij einen neuen Schub ins Leben, ins Genießen. Wobei auch intellektuelle Gespräche über Kunst und Können, über Kultur und Geschichte zur Freude dienen und die Annäherung dieser zwei so völlig unterschiedlichen Künstler durchaus auch komische Seiten hat.

Der vielschichtige Roman von Michael Dangl ist nicht geeignet zum reinen Konsumieren. Er verlangt nach dem Leser, der sich Zeit nimmt, der sich einfühlt und sich verführen lässt zu den Gedankenausflügen, die der Autor mit uns unternimmt. Wie gerne bin ich ihm gefolgt, weil man die immense Recherche-Arbeit auf jeder Seite neu und mit Hochachtung erspürt. Hier ist ein Schriftsteller nicht nur seiner Idee nachgefolgt, sondern hat diese Idee perfekt in Roman-Szene gesetzt, so überaus eindringlich, so lebendig, so plastisch und so intellektuell herausfordernd, dass ich mit zunehmender Begeisterung Seite um Seite las. Die Sprache ist mitunter etwas sperrig, mit Satzeinschüben das Lesen verkomplizierend, so als käme der Autor selbst aus der Zeit Dostojewskijs, als kenne er ihn aus persönlichen Begegnungen. Neben hinreißenden Bildbetrachtungen verzauberte mich der Autor mit seinem profunden Wissen, was Literatur, Malerei und Musik gleichermaßen betrifft, und mit seinem gewaltigen Talent, Geschehnisse und Personen zu intensivem Leben zu erwecken, sodass der Leser hautnah am Geschilderten teilnimmt. Dieses Buch ist ein Glücksfall für alle, die einen Roman zu schätzen wissen, der Sprache und Kunst und Intelligenz auf bestmögliche Weise verbindet.

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Rezensionen von begine:

Vater und Sohn

Die sieben guten Jahre von Etgar Keret



Der Roman „Die sieben guten Jahre“von dem israelischen Schriftsteller Etgar Kere ist schon von 2016 als Hartcover erhältlich, Jetzt gibt es ihn auch als das Taschenbuch.

Der Autor beginnt den Roman mit der Geburt seines Sohnes und geht über die nächsten 7 Jahre. Er schreibt humorvoll, aber man bemerkt doch die Anspannung.

Aber auch die Vergangenheit mit den Eltern und dem Bruder ist interessant.

Als Schriftsteller muss er auch auf Lesereise gehen und erlebt die Spannung auch aus der Entfernung. Witzig fand ich seine Einstellung und Erfahrung beim Bücher signieren.

Die Gespräche mit dem Sohn sind toll, die Reaktionen der Kinder sind immer lesenswert.
Er ist ein typisches Einzelkind, der immer wieder verblüfft und den Vater zum Nachdenken bringt.

Dieser Roman ist sehr ausdrucksstark, er schwingt zwischen humorvoll und Ernsthaftigkeit.
Eine gute Familiengeschichte mit Leseempfehlung..

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