Kunden em pfehlungen
Rezensionen von marianna_thielsch@gmx.de:
Am Ende müsste die Geschichte anfangen
Kim Jiyoung, geboren 1982 von Nam-joo Cho
Kim Jiyoungs Geschichte steht beispielhaft für das Leben der Frauen in Südkorea. Es geht um die systematische Unterdrückung und Misshandlung der Frauen, eine permanente Angstkultur und überhohe Anforderungen.
Jiyoungs unklare psychiatrische Symptome nach der Geburt des Kindes bilden den Ausgangspunkt der Geschichte, ab dem aus Sicht eines Psychiaters in die Vergangenheit zurück erzählt wird.
Leider bleibt es auch bei dem Rückblick, sodass der Aufhänger, die ungewöhnlichen Symptome, keinen Raum mehr bekommt. Die Frage ist, wie geht es weiter mit Jiyoung? Was machen sie und ihr Umfeld daraus? Gibt es einen Lernprozess?
Doch auch der Rückblick hat was für sich. Die Erzählung ist umso spektakulärer, weil sie stellvertretend für jedes Frauenleben in Südkorea stehen soll. Doch ist das alles so allgemeingültig? Und wie gehen andere Frauen damit um? Es entstehen viele Fragen, die offen bleiben. Die Geschichte regt an, die Ungerechtigkeit macht wütend. Trotz dem nüchternen und distanzierten Bericht des Psychiaters birgt die Erzählung viel Raum für Emotionalität, vielleicht auch, weil Jiyoung ihre Gefühle selbst so wenig spürt und auslebt.
Die Einschätzung des Psychiaters am Ende wirkt unklar, kein Wunder bei diesen unrealistischen Symptomen. Wäre es eine dissoziative Störung, wären es abgespaltene Anteile ihrer selbst, dann würde sie aber nicht plötzlich ihre Mutter oder ihre Freundin sein und Dinge wissen können, die nur diese wussten. Unrealistisch! So erscheint es eher als erzählerisches Mittel, um zu verdeutlichen, dass Jiyoungs Geschichte eine von vielen ist und in ihr die gesamte Ungerechtigkeit angelegt ist. Nach dem Motto: erzählt man von einem Leben, kennt man alle.
Fazit: Sehr bewegende, nüchterne Erzählung über Benachteiligungen von Frauen in Südkorea, mit unrealistischen Anteilen und einem unbefriedigenden Ende.
Rezensionen von marianna_thielsch@gmx.de:
Tief ergreifend
Die Überlebenden von Alex Schulman
Alex Schulman schreibt über drei Brüder, die ihre Kindheit überleben mussten und sich als Erwachsene voneinander entfremdet haben. Nach dem Tod der Mutter kehren sie in das alte Sommerhaus zurück. Eine Reise durch das ländliche Schweden beginnt. Das Unfassbare der Vergangenheit rückt nahe, die Strapazen der Kindheit reichen bis in die Gegenwart.
Mit einer unglaublichen Ruhe und Genauigkeit schildert der Autor die tragische Geschichte der Familie immer in Kreisen. Es ist, als wäre mit dem Tod der Mutter ein Stein ins Wasser gefallen, um den sich nun die Kreise ziehen.
Schulman erzählt aus Sicht des mittleren Bruders Benjamin die Geschichte und geht dabei immer weiter in die Vergangenheit zurück. Wie ein Countdown wirken die Uhrzeiten über den einzelnen Kapiteln der Gegenwart. Ergänzt werden diese Kapitel, um die Beschreibung der Kindheit der drei Jungen. Die Charaktere werden akribisch geschildert. Es wird klar, wer welche Rolle spielt, was das Erlebte mit den Einzelnen macht.
Der Roman hat seine Stärke in der ruhigen Erzählweise, die scheinbar keine Fahrt aufnimmt und deswegen umso intensiver den Finger in die Wunde legt. Manchmal ist es beschwerlich, wenn die Geschichte wieder einen neuen Kreis zieht, scheinbar endlos, immer unklar wo der Kern des Ganzen ist.
Die Kindheit auf dem schwedischen Land ist greifbar und könnte nicht trister und furchtbarer sein. Es ist schwer zu ertragen, in welche Gefahren die Jungen gebracht und wie sie vernachlässigt werden. Hinzu kommt diese triste Atmosphäre, die bedrückende Schwere, die über allem liegt und sich mit Ereignissen erklären lässt, die später noch zutage kommen.
Ob Alex Schulman mehr autobiografische Anteile eingebracht hat, als drei Brüder, die sich voneinander entfernt haben, ist unklar. Nach Ende der Geschichte möchte ich es nicht so genau wissen.
Fazit. Bedrückend und tragisch. Schulman hat immer den Finger in der Wunde.
Rezensionen von Sago:
Fantastique
Die Stadt ohne Wind 1 − Arkas Reise von Éléonore Devillepoix
Ich lese sehr viel Fantasy, kenne jedoch kaum französische, so dass bei mir automatisch Vergeleiche mit der "Spegelreisenden" aufkamen. "Die Stadt ohne Wind" hat mich sogar noch mehr begeistert.
Der Autorin gelingt eine vielschichtige Welt mit einem einprägsamen, überzeugenen Magiesystem.
Daneben gibt es noch die Mechamagie, die mit Steampunk-Elementen aufwartet.
Die geheimnisvolle Geschichte um die junge Arka, die sich in die kuppelbewehrte Stadt Hyperborea einschleicht, um dort ihren unbekannten Vater zu finden und den frisch ausgebildeten Magier Lastyanax als ihren Mentor gewinnt, hat mich vollkommen in ihren Bann gezogen. Ich musste mein Wochenende umplanen, um das Buch fertig zu lesen.
Sehr neugierig hat mich gemacht, dass die Autorin am Europäischen Parlament arbeitet und extra betont, dass ihre Protagonisten schon vorher geschaffen wurden. Da ich selbst in Regierungsdiensten stehe, hatte ich trotzdem häufig das Gefühl, dass ihre Arbeit der Geschichte eine weitere Dimension hinzugefügt hat. Wenn Magier Intrigen spinnen, ein Herrscher unsterblich sein möchte und Positionen eiskalt ausgenutzt werden, habe zumindest ich einen leisen Widerhall der Realität vernommen.
Hier wurde All Age Fantasy im besten Sinne geschaffen. Die 13jährige Arka und ihre Mitschüler richten sich an ein eher jüngeres Publikum, ohne das, wie man es jetzt leider gehäuft in der Jugend-Fantasy findet, redundant alle möglichen Trendthemen abgearbeitet werden müssen. Mit Lastyanax und seinen Studienfreunden findet sich auch die erwachsene Fantasy-Leserschaft wieder. Mit fantasievollen Geschöpfen wie den Lemuren und Arkas "Pferd" Zwerg wurde auf jeden Fall mein Herz komplett gewonnen. Vor allem die vielen hier eingefügten moralischen Grauschattierungen haben mich überzeugt, ebenso wie die atmospärisch dichte Beschreibung von Hyperborea.
Ich kann es kaum erwarten, dass diese Geschichte weitergeht!
Rezensionen von KimVi:
Fesselt bis zum Schluss
Unter Wasser Nacht von Kristina Hauff
Zwei befreundete Paare teilen sich im Wendland ein Grundstück, leben dort in zwei Häusern und benutzen Scheune und Kräutergarten gemeinsam. Doch seit einem Jahr hat diese Freundschaft einen tiefen Riss bekommen. Aaron, der Sohn von Sophie und Thies, ist unter ungeklärten Umständen ertrunken. Für Sophie und Thies ist es schwer, das Familienleben, das ihre engen Freunde Inga und Bodo, mit den Kindern Lasse und Jella führen, zu beobachten.
Trauer, Neid und Schuldgefühle belasten das ehemals harmonische Zusammenleben. Doch dann kommt eine unbekannte Dänin in den Ort und langsam drängen Geheimnisse an die Oberfläche...
Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Dabei stehen die Charaktere abwechselnd im Zentrum. Dadurch bekommt man einen guten Einblick, wie die jeweiligen Protagonisten zur Vergangenheit stehen und was sie jetzt bewegt. Es gelingt der Autorin vom ersten Moment an, eine ganz besondere Atmosphäre zwischen den Zeilen schweben zu lassen, der man sich nicht entziehen kann. Das Schweigen steht zwischen den Protagonisten. Doch es kann von ihnen selbst nicht durchbrochen werden. Erst Dänin Mara, die sofort von allen mit offenen Armen empfangen wird, kann etwas in Bewegung setzen.
Man nimmt die aufgestauten Gefühle der Protagonisten wahr und erlebt gemeinsam mit ihnen Schuld, Trauer, Neid, Angst, und Verzweiflung. Aber auch Hoffnung, sich den unterschwellig brodelnden Gefühlen zu stellen und die Ohnmacht, die alle ergriffen hat, zu durchbrechen. Durch die wechselnden Perspektiven schaut man hinter die Fassaden der jeweiligen Akteure. Man sieht sie förmlich vor sich und hofft, dass sie ausbrechen und sich öffnen können. Dadurch gerät man früh in den Sog der eher ruhigen Handlung und kann sich den Ereignissen kaum entziehen.
Ein eher ruhiger Roman, der aber dennoch fesseln kann.
Rezensionen von Gaby 2707:
Viel mehr als nur Erotik
GefaEhrliche Liebschaften | Erotische Bekenntnisse von Freja Lind
Die unglaubliche Seminar-Affäre
Katrina und Simon begegnen sich auf einer Fortbildung und lernen sich schnell näher kennen. Mir gefällt sehr gut, dass sie den ersten Schritt machen will, aber dann… Puh, das geht gerade nochmal gut aus. Naja, lest selbst.
Die geheimnisvolle Frau vom Strand
Ein wunderbarer Sonnenuntergang an der See.
Und eine Geschichte, die mich genauso überrascht hat, wie Mann und Frau, die sich hier zufällig treffen.
Zwei hoch erotische Geschichten mit Tiefgang. Die erste, besehen jeweils aus der Sicht des Mannes und in kursiv geschrieben aus der Sicht der Frau, was mir sehr gut gefallen hat. So bin ich auch in den Gedanken der Protagonisten direkt drin.
Die zweite Geschichte eine Zeit lang nur aus Sicht des Mannes erzählt. Bis ich auch die Hintergründe der Frau näher kennenlerne und mich ihre Geschichte und ihr Ende entsetzt. Schon mehr Krimi als Erotik.
„Gefährliche Liebschaften“ deutet schon im Titel an, dass es nicht nur um Erotik und Sex geht. Es geht auch um die Geschichten hinter den Menschen, die ich hier kennenlerne. Und die Hintergründe kann ich mir sehr gut vorstellen, obwohl sie so anders sind, als ich es aus dem „normalen“ Leben kenne.
Freja Lind hat einen mitreißenden, gefühlvollen und vor allem bildhaften Erzählstil. Sie beschreibt sehr offen ohne obszön oder vulgär zu erscheinen. Mein Kopfkino ist ab der ersten Seite im Einsatz und sie hat mich sehr gut unterhalten. Vor allem hat mir die Aufmachung der Geschichten sehr gut gefallen. Mal was anderes in der Erotik-Szene.
Als zusätzliches Goodie bekomme ich noch den Gutschein-Code für eine weitere Internet-Geschichte „Lustvoller Morgen“, auch von Freja Lind, - gratis.
Zwei sehr unterschiedliche Geschichten mit fast lebensechten Protagonisten, viel mehr als nur Erotik.
Rezensionen von S.:
So steht es im Kirchbuch geschrieben
Die Hebamme von Edvard Hoem
Marta Kristine Andersdatter Nesje lebt im kargen Norwegen. Ihre Kindheit verläuft unspektakulär. Ein Entschluss reift in ihr, sie möchte Hebamme werden. „Eine Tätigkeit, von der zweier Menschenleben abhängt.“ Sie absolviert einen sechswöchigen Lehrgang und erwirbt grundlegende Kenntnisse. Hebammen-Stina wird allerdings nicht wirklich anerkannt, sie möchte also auf eine Hebammenschule in Christiana.
Zu Fuß wandert sie dorthin und legt 1822 ihr Examen ab. „So steht es im Kirchbuch von Veøy geschrieben.“
Eine harte Zeit folgt, Armut ist allgegenwärtig. Ihr Ehemann liebt sie, 11 eigene Kinder kommen auf die Welt, doch trotz härtester Arbeit ist die Not ständiger Gast. Als ihr Mann erkrankt, wird es nicht leichter. Selbst die kleinsten Kinder müssen mitarbeiten, auch der Dreijährige wird eingespannt. Aber Marta Kristiane gibt nie auf. Über 1000 Kinder holt sie in über 50 Jahren auf die Welt, hilft, tröstet, impft gegen Kinderlähmung. Auch als Witwe, der fast alles genommen wurde, lebt sie so, wie „Menschen es zu allen Zeiten taten“, aufrecht, mutig, stolz.
Diese Biografie musste erzählt werden. Wunderbar, wie Edvard Hoem berichtet. Seine Sprache ist klar, präzise, bilderreich, emphatisch. Seine Hebamme lebt. Er weckt Verständnis für das unsagbar schwere Leben vor noch nicht so langer Zeit.
Muss man gelesen haben!
Rezensionen von rewareni:
Alltagsgeschichten
Der Seehecht und die Kaffeebrille von Michael Wiegand
Für ein kurioses Tagebuch braucht man einen interessanten Titel und ein ungewöhnliches Cover. Beides findet man in dem Buch ,, Der Seehecht und die Kaffeebrille“ - Ein kurioses Tagebuch, geschrieben von Michael Wiegand. Der Autor nimmt darin die Leser auf eine humorvolle und witzige Reise durch sein Leben mit.
Im Laufe vieler Jahre hat er begonnen Erlebnisse und Ereignisse die ihm mehr oder weniger widerfahren sind, nieder zu schreiben. Dabei findet man keine chronologische Reihenfolge, sondern die Jahre werden dabei bunt durcheinander gemischt.
Jeder kennt Situationen im Alltag, wo man selber den Kopf schütteln muss, ob der Skurrilität und man sich noch lange Zeit daran erinnert. Deshalb hat der Autor nicht immer ganz ernst gemeinte Geschichten aufgeschrieben, wo man sich als Leser hin und wieder selbst ertappt, weil einem schon ähnliches passiert ist. Wie oft wird man angerufen von einer fremden Person und muss erklären, dass man nicht derjenige ist, den der andere sprechen möchte. Oder welche Tics hat wohl der eine oder andere, wenn es darum geht Dinge in immer wieder der gleichen Reihenfolge zu erledigen und wehe, wenn dabei etwas nicht passt.
Egal ob es Erlebnisse beim Einkaufen sind oder besondere Begegnungen bei seiner Arbeit als Taxifahrer, immer wieder blitzt ein wenig Boshaftigkeit bei ihm durch, die er aber immer charmant verpackt. Viele Geschichten sind dabei interessant zu lesen, vor allem, weil er es schafft aus scheinbar belanglosen Begegnungen und Erlebnissen, eine humorvolle Geschichte daraus zu machen. Dass dabei manche eher nur für den Autor als für den Leser bedeutsam sind, ist auch klar. Erwähnenswert sind auch die paar Illustrationen von seiner Tochter Alessa Mar Wiegand Cáceres ( Mara de la Cruz ), die manche Szenen dabei sehr trefflich wieder gegeben hat. Von meiner Seite aus, hätten es sogar noch mehr sein können.
Das kuriose Tagebuch ist ein netter Zeitvertreib und ich denke, dass nach dem Lesen sicherlich der eine oder andere noch mehr seine Augen und Ohren offen hält, da es oft die kleinen Erlebnisse sind, die einem zum Schmunzeln bringen.
Rezensionen von begine:
Die Argentinierin
Das Bernsteinmädchen von Hans Meyer zu Düttingdorf
Der Schriftsteller Hans Meyer zu Düttingdorf besticht durch seine Erzählperspektive .
In seinem neuen Roman „Das Bernsteinmädchen“ führt er uns in 2 Erzählsträngen.
Elena führt mit ihrem Vater eine Pension in Buenos Aires. Sie verliebt sich in den Matrosen Karl und geht mit ihm nach Boltenhagem in Mecklenburg Vorpommern.
Das ist 1938.
Der 72jährige Robert hat nach dem Tod seiner Mutter einen Bernstein und einen Brief geerbt. Da steht drin, gehen in das Dorf deines Vaters. Da er mit anderthalb Jahren nach Argentinien kam und seine Mutter nie etwas von seinem Vater zu hören bekam, ist das eine schwere Aufgabe.
Mit großer Spannung habe ich diesen Roman als Hörbuch genossen.Der Sprecher Volker Niederfahrenhorst bringt mir mit seiner wandlungsfähigen Stimme die Geschichte bildhaft nahe.
Der Roman zeigt eine berührende Familiengeschichte. Lesens- und hörenswert.
Rezensionen von Petra Sch.:
Schockierender Thriller über ein Erbe und Familienzwistigkeiten - lasset die Spiele beginnen
Das Bernsteinmädchen von Hans Meyer zu Düttingdorf
3,5 Sterne
Hedda Laurent liegt im Sterben und will ihr millionenschweres Erbe nicht kampflos ihren Verwandten hinterlassen.
Deshalb hat sie sich etwas Besonderes ausgedacht: nach ihrem Tod sollen ihr Mann, ihr Bruder, ihre vier Kinder sowie deren Ehegatten und die älteste Enkelin verschiedene Spiele bestreiten.
Je 9 Spiele an 3 Tagen. Der Sieger bekommt das gesamte Erbe.
Bis die Spiele aus dem Ruder laufen und gefährlich werden...
Meine Meinung:
Die Geschichte beginnt total spannend: Man erfährt ein bisschen etwas über Ruben Glass, und dass er am Totensonntag nachts stirbt. Man weiß nicht so genau, ob es Mord war. Die Andeutungen sind vage, das macht das Ganze so aufregend.
Und dann die Info, dass Hedda Glass, Rubens Schwester, all ihre Kinder zu sich in die Familienvilla auf der Insel Sandwerder im Tegeler See in Berlin kommen lässt, da sie im Sterben liegt.
Und sich für das Erbe etwas Besonderes ausgedacht hat: 27 Aufgaben müssen bewältigt werden, je 9 an 3 Tagen - und nur der Sieger erbt alles. Einfach unfassbar. Natürlich auch für all ihre Verwandten. Heddas Anwalt übergibt jeweils die Kuverts mit den Aufgaben und notiert die jeweiligen Sieger.
Und dann beginnen die Spiele, die am ersten Tag noch harmlos sind, dann jedoch ausarten...
Hier fand ich einiges leider nicht gut durchdacht bzw. ausgearbeitet, zB woher kamen plötzlich die Maden im Essen, wo es kurz zuvor noch ein tolles Buffet war. Das klärte sich auch am Ende nicht auf.
Weiters gab es einen großen Logikfehler: wer kann die Hand am längsten auf dem heißen Herd lassen - doch es war ein Induktionsherd.
Und das Begräbnis findet bereits am dritten Tag nach Heddas Tod statt - dass jemand so schnell unter die Erde gebracht wird, ist mir absolut unbekannt, hier dauert es mindestens eine Woche nach dem Ableben. Das sind leider Dinge, die das Lesevergnügen etwas trüben.
Ebenso die vielen Zeitsprünge, die das Lesen erschweren, denn man springt viel hin- und her, und weiß dann oft gar nicht, ob man sich jetzt wieder in der Gegenwart befindet. Außerdem hat einer der Teilnehmer plötzlich eine verletzte Hand, worüber man sich wundert, und später gibt es erst den Rückblick in die Vergangenheit, wo dies aufgeklärt wird. Somit findet man schlecht wieder Anschluss und man kann die Fäden lange nicht zusammenführen.
Für meinen Geschmack hätte man die Handlungen ruhig ganz normal chronologisch weiterführen können, das hätte der Spannung absolut keinen Abbruch getan und das Lesevergnügen erhöht.
Die Atmosphäre hingegen ist perfekt gewählt: die einsame Insel, es ist Winter; und noch dazu hat sich ein Sturm angesagt, die Temperaturen fallen, und die Insel wird von der Außenwelt abgeschnitten. Es gibt also kein Entrinnen.
Die handelnden Personen sind leider allesamt unsympathisch. Ehrlich gesagt tut es mir bei einigen gar nicht leid, dass sie sterben. Im Laufe der Spiele verdächtigen sich alle gegenseitig, manche halten zusammen, manche machen ihr eigenes Ding - sehr realistisch, menschlich und nachvollziehbar.
Über die immer obskureren skurrilen Spiele wundert man sich zunächst, denn man denkt sich: WIE kann eine Mutter/Ehefrau/Schwester solch ekelhaften und grausamen Dinge von ihren Verwandten verlangen?
Doch dies wird am Schluss aufgeklärt, und darüber war ich echt erstaunt - denn der Autor hat es geschafft, mich mit dieser Auflösung zu überraschen.
Fazit:
Grausame skurrile Spiele um ein großes Erbe - spannende Idee, die Umsetzung hätte aber besser sein können.
Rezensionen von Claudia R:
ein wundervoller Glüxgriff
Glüxfall von Til Jørgson
Klappentext:
Mailin ist schwanger. Und autistisch. Und Chinesin. Und liebt einen Deutschen. Sie wurden entzweit in einer Märznacht im Schwarzwald. Trampelnde Stiefel, schwarze Klamotten und Stabtaschenlampen. Hendrik schlief, der Gerechte. Sie ging mit, die Unschuldige. Kein Abschied, keine Tränen, kein Kuss.
Jetzt suchen sie sich über Kontinente hinweg. Sie liebt ihn, obschon er jedem Rock hinterherläuft. Er hört nicht auf, an sie zu denken., obwohl sie nicht mähr alle Latten am Zaun hat: Nicht gerade ein ideales Paar, sollte man meinen. Falls sie sich jemals wiedersehen, könnte das überraschend werden. Die Suche auf Abwegen spielt in einer deutschen Exklave in Belgien, in Europas Erdölhauptstadt, der ehemaligen deutschen Kolonie in China. Außerdem in Nippon ob der Tauber und der von oben betrachtet hässlichsten und gleichförmigsten Millionenstadt Chinas. Und dummerweise in Köln.
Cover:
Das Cover ist sehr schön gestaltet. Es zeigt eine chinesische Frau, die eins ihrer Augen verdeckt und die Zeichnung in erdigen, nicht zu grellen tönen, lässt das Ganze sehr sanft erscheinen. Das Cover wirkt sehr harmonisch und sowohl die Gestaltung des Motivs, wie auch die Farbwahl, finde ich sehr ansprechend.
Meinung:
Dieses Buch ist ein richtiger Glüxfall und ein sogenannter Glückstreffer. Ein wunderschöner Roman, der mit Umwegen, für richtig gute Unterhaltung, Emotionen und nachhaltige Gedanken sorgt.
Der Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig und lässt sich sehr gut und locker lesen. Handlungen werden auf den Punkt gebracht und die Beschreibungen sind facettenreich und bildlich. Man kann sich die Umgebung und die Handlungen gut vorstellen. Aber auch die Emotionen und Gefühle werden sehr gut transportiert.
In die Charaktere kommt man durch die wechselnden Perspektiven auch sehr gut hinein. Die Sicht von Hendrik in der Ich-Perspektive macht vieles sehr verständlich und gibt seine Handlungen und Gedankengänge sehr gut wieder.
Die Mischung aus einer gewissen Erotik, Emotionen und der richtigen Prise an Humor, trifft hier den Nerv der Zeit. Die Verquerungen und Verwirrungen der Liebe stehen hier im Mittelpunkt und bringen Spannung und Emotionen ins Geschehen, zusätzlich regen sie zum Nachdenken an.
Inhaltlich möchte ich hier gar nicht allzu viel verraten, da ich nichts vorweg nehmen möchte. Ich empfehle einfach selbst das Buch zur Hand zu nehmen und zu erforschen.
Die Gestaltung hat mir sehr gut gefallen. Die einzelnen Abschnitte haben eine angenehme Länge und lassen sich dadurch sehr gut lesen. Die verschnörkelte Schrift der Kapitelüberschrift ist manchmal nicht so leicht zu lesen, macht es damit aber umso interessanter. Toll ist auch die Orts- und Zeitangabe am Kapitelanfang, welche die Zuordnung erleichtern. Gut hat mir auch die kurze Beschreibung der Personen, zu Beginn und das Glossar am Ende gefallen. Beides empfand ich als sehr hilfreich und gut gewählt.
Das Buch lässt sich sehr angenehm lesen und sorgt für richtig gute Unterhaltung. Emotionen, Erotik, Liebe, das menschliche Miteinander und eine gute Prise Humor vereinen sich hier zu einem fruchtbaren und einzigartigen Roman. Mir hat dies zugesagt und ich hatte einige tolle Lesemomente, so dass ich dieses Buch sehr gern weiterempfehle.
Ein richtiger Glüxgriff, für jeden der das Buch liest.
Fazit:
Emotionen, Erotik, Liebe, das menschliche Miteinander und eine gute Prise Humor vereinen sich hier zu einem fruchtbaren und einzigartigen Roman.










