Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bücherfreundin:
Bewegende Liebesgeschichte
Wilde Minze von Nina LaCour
Die amerikanische Autorin Nina Lacour ist mit ihren Jugendbüchern bekannt geworden. Nun hat sie ihr erstes Buch für Erwachsene vorgelegt. In "Wilde Minze" geht es um die Liebe zweier Frauen, Sara und Emilie.
Sara Foster ist 14 Jahre alt und lebt mit ihrem Vater und ihrem Bruder Spencer, um den sie sich seit dem Tod der Mutter vor zwei Jahren hingebungsvoll kümmert, in einem kleinen Haus in Kalifornien.
Sie und ihre Freundin Annie sind heimlich ineinander verliebt. Zwei Jahre später bekommt Sara einen Anruf von Annies Zwillingsbruder Dave. Annie ist verschwunden.
Auf einer zweiten Erzählebene lernen wir Emilie Dubois kennen, die mit ihren vielbeschäftigten Eltern Bas und Lauren sowie der drei Jahre älteren Schwester Colette am anderen Ende Kaliforniens lebt. Das Verhältnis zur Schwester ist schwierig, da diese drogenabhängig ist.
Die Jahre vergehen. Sara hat ihre Familie verlassen und sich nach bewegten Jahren in Los Angeles ein neues Leben aufgebaut. Sie hat die erlittenen Traumata verdrängt und ist mittlerweile als Barkeeperin, die außergewöhnliche Cocktails kreiert, sehr gefragt. Eines Tages begegnet sie im Restaurant Yerba Buena, für das sie tätig ist, Emilie, die dort regelmäßig die Tische mit kunstvollen Blumenarrangements dekoriert. Es ist bei beiden Liebe auf den ersten Blick, sie fühlen sich sofort zueinander hingezogen, doch jede hat ihre eigene belastende Vorgeschichte ...
Mir hat der ruhig erzählte Roman sehr gut gefallen. Er ist fesselnd, in schönem Sprachstil geschrieben und vollkommen kitschfrei. Die beiden Protagonistinnen sind bildhaft skizziert, allerdings hätte ich mir mehr emotionale Tiefe gewünscht. Wir begleiten Sara und Emilie als Einzelpersonen auf ihren unterschiedlichen Wegen und erleben ihre Höhen und Tiefen.
Ich fand es sehr spannend, Sara und Emilie beim Erwachsenwerden zu begleiten und ihre Entwicklung zu verfolgen. Beide schaffen es nach mehreren Anläufen, im Laufe der Jahre ihre berufliche Erfüllung zu finden. Das Buch, in dem es neben Liebe und Hoffnung auch um Schuld, Verlust und Vergebung geht, behandelt weitere Themen wie Drogensucht und sexuellen Missbrauch.
Leseempfehlung von mir für diese bewegende Geschichte!
Rezensionen von PMelittaM:
Spannender zweiter Band
Das Alberdon Komplott von Matthias Lange
Die Inquisitorin Roslyn wird in der Stadt Alberdon zu einem merkwürdigen Todesfall hinzugezogen. Vor dem Haus des Stadtratmitglieds Marcus Remstieg wird ein Leiche gefunden, die Tote ist nicht eindeutig menschlich, sondern weist auch drakuide Züge auf, und ist offenbar vom Balkon des Anwesens Remstiegs gefallen.
Die Drachenreiterin Jiana ist mit dem Zwerg Balduin und dem Drachen Elias nach Alberdon unterwegs, sie vermuten dort Rubilon, von dem sie hoffen, dass er ihnen weiterhelfen kann. Die Drachin Frasla trifft derweil in ihrer Höhle auf zwei Zauberinnen.
Der zweite Band nimmt den Faden der Geschichte des ersten Bandes „Die Ankunft des Drachen“ wieder auf, gleichzeitig wird in Alberdon eine neue Protagonistin etabliert, deren Fall sich möglicherweise mit den Geschehnissen des Vorgängerbandes verzweigen könnte, immerhin hat auch sie es mit einer Art Drache zu tun.
Es ist schön, die Charaktere aus dem ersten Band wiederzutreffen, aber ich finde es auch spannend, neue kennenzulernen, zumal man in dem Spinoff „Das brennende Einhorn“ bereits die Inquisition kennenlernen konnte. Inquisition, ja, das ist ähnlich unangenehm, wie man es sich vorstellt, wenn auch ein bisschen anders als man es von unserer Welt kennt. Roslyn ist jedenfalls keine wirklich sympathische Protagonistin, anders als Derek, der Kommissar der Stadtwache, mit dem sie eine komplizierte Beziehung hat. Ihn mochte ich ziemlich schnell.
Das Problem, das sich bereits im ersten Band ergab, bekommt hier ein paar neue Aspekte, allerdings fand ich es ein bisschen schwierig, alle Zusammenhänge zu verstehen, aber, da die Geschichte ja noch weitergeführt werden wird, kann sich das zukünftig wieder ändern. Ähnlich wie in Band 1 empfand ich die Erzählung manchmal etwas holperig, was der Spannung aber nur marginal Abbruch tut. Auch hier habe ich wieder mitfühlen können, vor allem Frasla und Balduin habe ich, bereits seit dem ersten Band, sehr ins Herz geschlossen.
Es bleibt spannend, und auch mit diesem Band ist das Rätsel noch lange nicht gelöst, der Fall um die Tote aber schon, so dass die Geschichte in sich einen Abschluss erhalten hat. Durch das Setting in der Stadt hat der Roman eine andere Dynamik als der Vorgänger.
Der zweite Chroniken der Drachenreiterin-Band bringt die Geschichte voran, fügt neue Aspekte hinzu und hält die Spannung weiterhin. Man sollte aber vorher zumindest den Vorgängerband gelesen haben. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergehen wird.
Rezensionen von brauneye29:
Sehr gelungen
Animal Jack - Der Planet des Affen von Miss Prickly; Kid Toussaint
Zum Inhalt:
Auch wenn Jack wie ein normaler Jjnge aussieht, ist er es nicht. Er ist ein magisches Wesen, dass sich in jedes beliebige Tier verwandeln, allerdings in jedes Tier nur einmal. Irgendwann wie er das also nicht mehr tun können. Doch jetzt ist erstmal anderes wichtig, denn auf der ganzen Welt sind die Affen in Aufruhr, denn der Affengott ist verschwunden und das könnte bedeuten, dass es das Ende der Affen bedeutet.
Meine Meinung:
Dieses Buch besticht natürlich besonders durch die Zeichnungen, es ist schließlich ein Comic. Ich empfinde die Comic Zeichnungen als sehr gelungen und lustig gezeichnet. Die Story hat Humor, aber auch Tiefgang, denn es wird auch auf Umweltprobleme eingegangen und das nicht mit der Holzhammermethode sondern eher so nebenher und das gefällt mir gut. Denn so nebenbei wird ein Bewusstsein geschaffen ohne den erhobenen Zeigefinger.
Fazit:
Sehr gelungen
Rezensionen von Sheilo:
Emotional und mitreißend
Ein guter Plan ist die halbe Liebe von Lydia Schmölzl
Was macht eine Frau Mitte 30, die von ihrer Frauenärztin mitgeteilt bekommt, dass ihre Fruchtbarkeit bald ein Ende findet? Sie geht in sich und fragt sich, ob sie vorher noch ein Kind bekommen möchte. So ging es auch Roxana und sie kam für sich zu dem Ergebnis, dass sie gerne ein Kind hätte. Sie hat allerdings ein entscheidendes Problem, denn dafür benötigt sie einen Partner.
Da Roxana eine sehr strukturierte Frau ist, beschließt sie mit "ihren" Männern, dem besten Freund, dem Ex-Freund und dem neusten Flirt, einen Eignungstest durchzuführen. Doch manchmal kommt es trotz aller Planungen doch anders als man möchte.
"Ein guter Plan ist die halbe Liebe" ist ein wunderschöner Liebesroman von Lydia Schmölzl. Der Schreibstil der Autorin ist sehr erfrischend und mitreißend, sodass ich das Buch innerhalb kürzester Zeit gelesen habe. Mir hat es besonders gut gefallen, dass Roxanas Geschichte keine typische Liebesgeschichte ist sondern viele Hindernisse auf den Weg überwunden werden müssen und es dabei nicht immer nach Plan läuft.
Roxana ist Personalchefin und eine sehr selbstbewusste Frau. Ihr fällt es schwer, sich auf Menschen einzulassen und ihre eigenen Bedürfnisse unterzuordnen, weshalb sie oft einsam bleibt. Doch immer wieder kommen ihr Zweifel, ob sie wirklich das Leben lebt, das sie möchte.
Der Roman bietet dem Leser eine perfekte Mischung von tiefgründigen und emotionalen Szenen und solchen, die mich beim Lesen sehr zum Schmunzeln gebracht haben. Die Charaktere sind authentisch und es zeigt sich, dass jeder davon sein eigenes Päckchen zu tragen hat. Ich liebe diese Geschichte wirklich sehr und kann sie jedem sehr empfehlen.
Rezensionen von Petra:
Yerba Buena
Wilde Minze von Nina LaCour
Nina Lacour erzählt in ihrem Buch von zwei Frauen. Von der Barkeeperin Sara und von Emilie, die in dem Restaurant, indem Sara arbeitet ,Blumen arrangiert. Passend dazu gibt es ein Cover, das nicht besser gewählt sein könnte.
Es ist nicht nur die Liebesgeschichte von Sara und Emilie. Der Leser lernt beide Frauen getrennt voneinander kennen und kann ihr Leben und ihre Entwicklung vom frühen Jugendalter verfolgen.
Ihre Lebensgeschichten sind schwierig und doch kann man sie nicht vergleichen. Es gelingt ihnen mit viel Mut, Ausdauer und immenser Kraft sich zu den Menschen zu entwickeln , die sie sein wollen. Sie finden beide eine Arbeit, die sie ausfüllt und Menschen , die ihnen gut tun. Und sie finden sich und lieben sich, auch wenn es nicht immer einfach ist.
Es ist keine schnulzige Liebesgeschichte, aber eine Geschichte , die mich bewegt hat.
Auf die Gendersternchen hätte ich gern verzichtet, trotzdem meine Leseempfehlung!
Rezensionen von Julia:
Magisch, düstere Atmosphäre
THE TALE OF WYCCA: Demons (WYCCA-Reihe 1) von Sandy Brandt
Nach dem Herzenskrieg leben Menschen und Wycca beinahe in Frieden miteinander. Dennoch ist der Unterschied stark zu spüren zwischen den normalen Menschen und den mächtigen Wycca, die nicht nur magische Fähigkeiten haben, sondern auch noch unsterblich sind. Raevan Tennyson wird aufgrund eines tragischen Schicksals gegen seinen Willen König von Avasontes.
Doch die Menschen versuchen Raevan vom Thron zu stoßen und um sein Leben und den Thron zu retten, begibt er sich auf die Suche nach der Blutkrone.
Ich bin ehrlich, ich hatte Schwierigkeiten in das Buch reinzukommen und habe nach den ersten 30 Seiten erstmal eine Pause eingelegt, da mich die Geschichte gar nicht fesseln konnte. Auch der Erzählstil in der dritten Person, mit springenden Perspektiven mitten im Kapitel hat mich anfangs etwas verwirrt. Dazu kamen dann häufig Wiederholungen, die mich anfangs noch gestört haben, im Laufe der Geschichte aber immer mehr verblasst sind. Nachdem ich mich da dann langsam zurechtgefunden hatte und Spannung in der Geschichte aufkam, konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen-
Die Charaktere sind total unterschiedlich und doch schließt man jeden davon früher oder später ins Herz. Die Magie kommt in der Geschichte auch auf keinen Fall zu kurz, selbst wenn die Mehrheit der Hauptprotagonisten tatsächlich überhaupt keine besitzen.
Daneben gibt es auch noch eine Liebesgeschichte, die verbotene Züge annimmt, da es für Rae den Tod bedeuten könnte. Die düstere Atmosphäre, die sich wundervoll durch das ganze Buch zieht, wird immer wieder vom sarkastischen Humor aufgelockert. Die Twists geben dem ganzen einen gewissen Reiz und am Ende des Buche bleibt man tatsächlich nicht nur mit tausend Fragezeichen zurück. Dennoch eröffnet vor allem der Epilog noch einmal eine Wendung, deren Antwort man wohl erst im zweiten Band herausfinden wird. Ich hoffe, dass dieser nicht allzu lange auf sich warten lässt.
Dem Anfang des Buches würde ich wohl nur 3 Sterne geben, aber wenn man die ersten 50 Seiten geschafft hat (und bei knapp 450 Seiten ist das wohl überschaubar), dann wird man mit einem wundervollen Buch belohnt. Von mir gibt es eine klare Leseemfpehlung.
Rezensionen von Tyrolia-Testleser:
Testleser FLORIAN, Tyrolia-Filiale Innsbruck (11 Jahre, Steinach)
Die schlimmsten Eltern der Welt von David Walliams
Testleser FLORIAN, Tyrolia-Filiale Innsbruck (11 Jahre, Steinach)
In diesem Buch sind kleine Geschichten überverschiedene schlimme Elternteile.
Der eine hat stinkende Füße, auf die er stolz ist. Die andere ist eine totale Angeberin.
Wieder eine andere liebt ihre Hunde mehr als ihr Kind.
Ich fand das Buch lustig und ein bisschen chaotisch.
Rezensionen von Nele33:
nicht meins
Die Einladung von Sebastian Fitzek
"Die Einladung" von Sebastian Fitzek habe ich als Hörbuch gehört und kann dem Sprecher nur ein großes Lob aussprechen. Die vielen Facetten seiner Stimme passend zum Geschehen haben mich beeindruckt. Normalerweise bin ich kein Hörbuch-Fan.
Nun zum Inhalt: Es gab Zeiten da habe ich die Bücher von Sebastian Fitzek regelrecht verschlungen, bei diesem Buch geht es mir leider anders.
Die Geschichte war mir viel zu verworren, konnte mich bis zur Mitte überhaupt nicht erreichen und das Ende war für meinen Geschmack ebenfalls nicht schlüssig. Es überschlugen sich zwar die Ereignisse , aber trotzdem ohne Zusammenhang. Die Charaktere blieben leider oberflächlich.
Die einzelnen Stränge erschienen mir eher wie unterschiedliche Bücher in eine Story gepackt. Das kann Fitzek normalerweise um einiges besser. Schon Mimik konnte mich nicht mehr in seinen Bann ziehen. Vielleicht liegt es am Hype oder dem Druck den Autoren heute ausgestzt sind. Ich weiß es nicht, kann den Hype um dieses Buch aber auch in keinster Weise nachvollziehen.
4 Sterne für den Sprecher und 2 für die Story.
Rezensionen von reimon:
Absolute Leseempfehlung
Eigentum von Wolf Haas
Ein typisches Haas-Buch und doch so ganz anders als die Brenner-Krimis. Auch hier kommen die bekannten - und von manchen verachteten - verkürzten Sätze vor, die meist der gesprochenen Sprache entsprechen, mit Einsprengseln im Pinzgauer Dialekt.
Das schmale Büchlein will sorgfältig gelesen werden, damit die sprachlichen Kostbarkeiten auch wirklich ankommen:
Dann ist die Inflation gekommen und das Geld war hin.
In etlichen Varianten kommt das vor.
Oder: Wer kennt die „rhetorische Trias“: waschen putzen bügeln; Arbeit Arbeit Arbeit; sparen sparen sparen
Der Autor/Sohn philosophiert über „Seufzen als vielfältige vorsprachliche Äußerung“.
Aus dem bekannten Lied Besame mucho (Küss mich oft) macht Haas den köstlichen Text Bes auf mi, Mutti?
Mein Lieblingssatz: Mutter erzählte häufig, wie sie schon als Kind die Stutzen der Bauernsöhne ausbessern und nachstricken musste. „Dafür muss ich jetzt ihr Leben nachstricken.“
Wie immer bei Wolf Haas weiß man nicht, wieviel von der erzählten Familiengeschichte wahr ist. Ist auch egal. Auf jeden Fall ist es eine Auseinandersetzung mit der sterbenden Mutter.
Der Titel wird verständlich, wenn von der „tobenden Geldentwertung“ erzählt wird: Immer wieder kommt es zu Grundverkäufen des Großvaters, um einen größeren zu kaufen. Plötzlich ist das Geld wertlos. Auch die Mutter ist immer wieder beim Sparen hinterher, nie kommt sie zu eigenem Besitz - das Grab mit seinen 2 m2 wird ihr erstes „Eigentum“.
Rezensionen von Ruth:
Herausfordernd und gleichermaßen bereichernd
Endstation Malma von Alex Schulman
Der schwedische Autor Alex Schulman verarbeitet in all seinen Büchern seine traumatische Kindheit. Seine Mutter war Alkoholikerin und sie war für ihre Kinder unberechenbar, mal liebevoll, mal grausam. Sein Schreiben dient ihm immer auch als Therapie. Einige Bücher sind stark autobiografisch, wie z.
B. „ Verbrenn all meine Briefe“, in dem er seinen despotischen Großvater als Ursache für die Beziehungsunfähigkeit seiner Mutter ausmacht. In anderen Büchern, die noch nicht ins Deutsche übersetzt wurden, geht es ganz direkt um seine Mutter und um seinen Vater.
„Endstation Malma“ ist dagegen, wie sein großer Erfolg „ Die Überlebenden“ eine fiktive Geschichte. Aber auch hier steht sein alles dominierende Thema im Zentrum : die transgenerationale Weitergabe von Traumata. Wie sehr prägt die Vergangenheit die Gegenwart und unsere Zukunft und welche Nachwirkungen haben Verletzungen in der Kindheit auf die nächsten Generationen ? Und wann verliert man sein Kind?
Drei Menschen reisen mit dem Zug in die fiktive Kleinstadt Malma, einige Stunden von Stockholm entfernt. Die achtjährige Harriet ist mit ihrem schweigsamen Vater unterwegs zu einer Beerdigung. Oskar fährt in Begleitung seiner Frau; die Ehe der Beiden ist in einer tiefen Krise. Und
Yana reist in der Hoffnung nach Malma, Antworten auf ihre Fragen zu bekommen.
Rätselt man zu Beginn noch, welche Verbindung zwischen den Personen besteht, wird bald klar, dass zwar alle auf derselben Strecke unterwegs sind, aber zu unterschiedlichen Zeiten, 1976, 2001 und in der Gegenwart.
Harriet ist das Verbindungsglied aller drei Zeitebenen, anfangs als Kind, später als Ehefrau von Oskar und Mutter von Yana.
Harriet ist ein zutiefst verunsichertes Kind, das immer versucht, ihrem Vater alles recht zu machen, beständig um Aufmerksamkeit und Liebe buhlt. Verständlich, denn sie hat heimlich ein Gespräch ihrer Eltern belauscht, in dem diese beschließen, nach ihrer Trennung beide Töchter untereinander aufzuteilen. Allerdings wollten beide Harriets Schwester, denn Harriet selbst erschien ihnen zu schwierig. Wie furchtbar muss es sich für ein Kind anfühlen, nur zweite Wahl zu sein. „ Beide wollten Amelia, keiner wollte mich. Damit lebe ich jeden Tag. Ich bin die Verschmähte, bin es immer gewesen und werde es immer sein.“
Dieses Gefühl begleitet Harriet bis ins Erwachsenenalter. So verwundert es kaum, dass sie später mit ihrem provozierenden Verhalten ihre Umwelt schockiert und für ihren Ehemann unberechenbar bleibt.
Doch warum kam sie von ihrer Reise damals nach Malma nicht wieder nach Hause zurück und warum ließ sie ihre elfjährige Tochter allein mit dem Vater? Warum wiederholte sie das Muster ihrer Kindheit, obwohl sie immer beteuert hat, wie sehr sie Yana liebt?
Diese reist nun ebenfalls nach Malma. Anlass dazu war ein Photoalbum aus dem Nachlass ihres verstorbenen Vaters. Die Reise in die Vergangenheit soll Aufklärung bringen, in der Hoffnung, dass dieses Wissen sie selbst verändern wird.
Denn für Alex Schulman ist die Zukunft „ …bereits vorherbestimmt und lässt sich nicht beeinflussen, doch was passiert ist, ist veränderlich, es bewegt sich die ganze Zeit.“ Was sich zuerst paradox anhört, ergibt Sinn, wenn man sich auf diesen Gedanken einlässt. Unser Wissen über die Vergangenheit ist unvollständig und kann somit falsch sein. Erst wenn wir die Zusammenhänge erkennen und verstehen, können wir aus den vorgegebenen Mustern ausbrechen und neue Wege gehen. Dazu muss man sich der Vergangenheit stellen, so schmerzhaft das auch sein mag, das Bild davon zurechtrücken, um für sich eine Zukunft zu finden.
Diesen Roman zu lesen ist kein Vergnügen, zu schmerzhaft sind die Erfahrungen der Protagonisten, zu verstörend oft ihr Verhalten. Doch dieser Blick in Abgründe kann helfen, Menschen mit solch traumatischen Erlebnissen besser zu verstehen.
Es sind die z.T. brutalen Szenen, die schockieren, aber auch die lange Liste der Lieblosigkeiten von Seiten der Erwachsenen. Dabei gibt es Liebe zwischen den Figuren, doch sie sind nicht in der Lage diese zu zeigen, unfähig zu einer liebevollen und ehrlichen Beziehung . Bezeichnend ist hier auch, dass Harriet mit Oskar sich einen Partner ausgesucht hat, der ähnlich beschädigt ist wie sie.
Dass Alex Schulman beim Leser so intensive Gefühle auslöst, liegt zum einen daran, dass er aus eigenem Erleben schöpfen kann, aber auch an seinem literarischen Können. Die Sprache ist präzise und genau, mit Bildern, die im Gedächtnis bleiben. Harte Dialoge wechseln mit poetischen Landschaftsbeschreibungen, die das Gelesene erträglich machen.
In diesem Roman überzeugt Alex Schulman erneut mit einer raffinierten Erzählkonstruktion. Drei Reisen durch Raum und Zeit, die gemeinsam an ihrem Zielort ankommen. Dabei steigert er kontinuierlich das Erzähltempo und entwickelt so einen ungeheuren Lesesog. Nach und nach werden die Geheimnisse enthüllt, dabei setzt er, manchmal zu sehr, Cliffhänger ein, um die Spannung zu erhöhen.
Die Kapitel werden wechselweise aus den Perspektiven von Harriet, Oskar und Yana erzählt. Mit großer Virtuosität verwebt Alex Schulman die einzelnen Erzählstränge. Dass man dabei trotz konzentriertem Lesen manchmal mit den Zeitebenen durcheinander kommen kann, mag gewollt sein. Zeigt der Autor doch damit wie sich Verhaltensmuster wiederholen.
Raum für vielfältige Interpretationen bieten neben der Zugmetapher noch weitere durchgängige Motive.
Eine herausfordernde und gleichermaßen bereichernde Lektüre!










