Kunden em pfehlungen
Rezensionen von MarcoL:
Aufrüttelnder Bericht über Schriftstellerinnen der Gruppe 47. Ein wichtiges Buch!
"Einige Herren sagten etwas dazu" von Nicole Seifert
Im Jahr 1947 lud die Autorin Ilse Schneider-Lengyel Schriftsteller in ihr Haus am Bannwaldsee ein. Sie sorgte für Kost und Logis. Es war der Startschuss für die Gruppe 47. Es sollten Treffen voller literarischer Brisanz werden, ein Austausch auf Augenhöhe, um die neue Literatur in Deutschland nach dem Krieg wieder voranzubringen.
Es gab strikte Regeln, wer dabei sein durfte. Diese begründeten sich u.a. mit der Kriegsvergangenheit der Autor:innen.
S. 210: „… er [Richter] wollte denen, die einen anderen Umgang mit dem Nationalsozialismus gefunden hatten als den Gehorsam, kein Gehör verschaffen.“ Sie wollten eine junge Literatur schaffen, von den alten Klassikern abgrenzen. Zwanzig Jahre später waren sie selbst „alt“, junges Blut nicht unbedingt willkommen.
Die Namen der Männer, die sich um Hans Werner Richter scharten, dürften vielen von uns mehr oder weniger bekannt sein. Aber wie sieht es mit den Autorinnen aus? Ilse Aichinger, Ingeborg Bachmann. Und dann? Kennen wir die Namen Drewitz, Wohmann, Elsner, König, Koschel, Reinig, Fleming, Novak, Borchers, Plessen, Frischmuth, Rasp?
Das waren in ihrer Zeit alles zum Teil sehr erfolgreiche Autorinnen, doch sie schafften es nicht, uns in Erinnerung zu bleiben, oder gar im Kanon.
Seifert beleuchtet in diesem wirklich sehr lesenswerten Buch die Umstände, wie es dazu kam, wie gute Autorinnen unterdrückt, wenig beachtet und sexualisiert wurden. Sie stellt uns die Frauen vor, erläutert ihr schriftstellerisches Werk – und welche Erfahrungen sie bei den Gruppentreffen machten. Und diese Begegnungen hatten meistens, angeführt durch Aussagen von Richter, einen sehr negativen, sexistischen Beigeschmack. Nicht selten wurden die teilnehmenden Autorinnen nur nach ihrem Äußeren bewertet, nicht aber nach ihrem schreiberischen Können.
Redakteure des Spiegels bliesen ins das selbe Horn, Diskreditierungen, sogar posthum, waren weit häufiger zu lesen als wohlwollende Kritik. Auch die ehemalige Gastgeberin wurde als solche ausgenützt, ihr literarisches Werk abgewertet. Die Details in diesem Buch sind wirklich sehr haarsträubend.
S.178: „Zweifel an der Eigenständigkeit der Arbeit zu säen und auf das Äußere der Autorin auszuweichen – beides bewährte Strategien, um die Arbeit von Schriftstellerinnen abzuwerten. [am Beispiel von Gisela Elsner]
Das Buch ist äußerst sorgsam recherchiert und zusammengestellt. Die einzelne Passagen zu den Treffen und Autorinnen lesen sich spannend wie ein Krimi. Sie stecken voller Details, und klingen dennoch nicht überladen. Ganz große Kunst ist das.
Es ist ein sehr wichtiges Werk, den „vergessenen“ Autorinnen wieder Gehör zu schaffen. Und es ist mehr als ein hoch erhobener Zeigefinger, wie es alte weiße Männer schafften, im Literaturbetrieb ihre Misogynie und alteingesessenes Patriarchat durchzusetzen. Erschreckend und schockierend ist das. Darum: kauft und lest dieses Buch! Es steht so vieles darin, so immens viele Informationen darüber, was der Literatur mehr oder weniger entsagt bzw. vorenthalten und versteckt wurde. Ganz große Leseempfehlung.
Rezensionen von Dragon:
Drei Capybaras suchen das „Mehr der Möglichkeiten“
Drei Wasserschweine brennen durch von Matthäus Bär
Da muss es doch noch mehr geben, als tagaus, tagein im Tümpel zu baden, zu schlafen und auf sein Futter zu warten, findet Wasserschwein Raul. Seine Freunde Emmy und Tristan waren bisher mit ihrem Leben im Zoo zufrieden, doch angesteckt von Rauls Entdeckergeist, lassen sie sich auf das Abenteuer ein, das „Mehr der Möglichkeiten“ zu erkunden.
Dass das mit einer Menge Abenteuer, Spannung und Gefahr verbunden ist, hätten sie sich nicht träumen lassen. Doch auf ihren nächtlichen Entdeckungstouren begegnen ihnen nicht nur Vorurteile, gefährliche Kreaturen und Fallen, sondern auch die Möglichkeit, über sich hinaus zu wachsen und neue Erfahrungen zu sammeln. Was das „Mehr“ wohl für die drei kleinen Capybaras bereit hält?
Das Cover hat mich sofort begeistert, denn Illustratorin Anika Voigt stellt die drei kleinen Wasserschweine allerliebst dar, und deutet in diesem Bild schon an, dass die nächtlichen Erkundungstouren aufregend und lustig werden. Wunderbar unterstützen die zahlreichen Illustrationen im Buchinneren die Geschichte.
Matthäus Bär hat mit seinen außergewöhnlichen Protagonisten genau unseren Nerv getroffen, denn die niedlichen Wasserschweine muss man von Anfang an gern haben. Jedes mit seiner eigenen Persönlichkeit ausgestattet, kann man sich gut mit dem ein oder anderen identifizieren. Die Themen reichen von Entdeckergeist, über Vorurteile, Freundschaft und Vertrauen bis hin zu ernsteren Angelegenheiten wie Erpressung, Enttäuschung und Verrat. Das ist auch schon für die junge Zielgruppe ab etwa 6 Jahren verständlich dargestellt und bietet Gesprächsstoff, weil sich einige Erfahrungen der kleinen Wasserschweine auch gut auf die Lebenswirklichkeit der jungen Zuhörer/Leser übertragen lässt, wie zum Beispiel die Enttäuschung, von einem Event ausgeschlossen zu sein.
Die Story ist gut entwickelt und wie ein roter Faden zieht sich die Suche nach dem „Mehr“ durch das Buch. Spannende, teilweise etwas gruselige Szenen, da sich die Abenteuer überwiegend in der Nacht abspielen, machen das Buch interessant und packend. Die Figuren sind vielschichtig angelegt, zeigen Emotionen und besonders Raul blickt über den Tellerrand hinaus und gibt sich nicht mit dem zufrieden, was bisher sein Leben war. Er sucht nach Mehr und wird so zu einem kleinen Pionier, der auch seine Freunde anstecken und begeistern kann. Dabei kommen sie einer großen Sache auf die Spur. Der Autor schafft es, eine inspirierende Botschaft über das Entdecken neuer Möglichkeiten zu vermitteln, die sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht. Eine lesenswerte Geschichte mit tollen Protagonisten, die zum Nachdenken anregt, aber auch gleichzeitig gut unterhält.
Rezensionen von Ele:
Tödliches Paradies
Die Auszeit von Emily Rudolf
Die Auszeit, Thriller von Emily Rudolf, Fischer Ebook
Ein gelungenes Thriller-Debüt
Die Influencerin Viktoria Kaplan, will mit ihrer Clique eine Auszeit in einem Retreat in den Alpen verbringen. Die jungen Leute genießen zunächst ihren Aufenthalt und die Follower sollen daran teilhaben. Doch der schöne Schein trügt, denn es gibt Spannungen, Neid, Eifersucht und Hass.
Und bald wird aus dem paradiesischen Rückzugsort eine mörderische Falle.
Das Buch besteht aus 53 Kapiteln, die abwechselnd aus der Sicht der jeweiligen Charaktere im Ich-Stil geschildert sind. Das Besondere daran ist, dass die Geschehnisse wie ein Countdown rückwärts erzählt werden. Dazwischen immer wieder Kapitel in der Jetzt-Zeit aus der Sicht von Karla. Der Instagram-Feed von Viktoria-Kaplan belebt die Geschichte.
Ich habe das Thriller-Debüt der Autorin genossen, es war alles vorhanden was ich an in diesem Genre schätze, schon ganz zu Beginn hat mich die Geschichte gefesselt. Die Ereignisse als Countdown von der Auffinde-Situation bis zur Lösung zu erzählen, hat die Spannung enorm befeuert. Was am Anfang als zwangloses Miteinander von Freunden begann, steigert sich zu einem nervenzerreißenden Finale. Plottwists ändern die Handlung, Verdächtig war für mich am Ende jeder der Charaktere. Ich habe mitgerätselt und ich wollte eigentlich gar nicht mit Lesen aufhören, so fesselnd und flüssig hat E. Rudolf geschrieben. Die Figuren waren ohne Ausnahme gut ausgearbeitet, sie handelten nachvollziehbar, der Plot war zu jederzeit plausibel. Kleine delikate Geheimnisse, ungeahnte Hintergründe, Untreue und erschütternde Wahrheiten haben mich nur so durchs Buch gejagt. Nicht zuletzt ist dies dem Umstand geschuldet, dass die einzelnen Kapitel, aus der Sicht der jeweiligen Personen, an besonders spannenden Stellen endeten. Erfreut hat mich auch die äußerst bildhafte Beschreibung des Settings, wer würde nicht gerne in so einer noblen Location ein paar schöne Tage mit Freunden verbringen.
Der Stil in dem der Thriller dargeboten wird, war neu für mich und ich habe es genossen. Besonders gut ist die Dynamik in der Gruppe dargestellt. Der Einblick in die Influencer-Szene war interessant. Glamouröse Klamotten, elitäres Essen, exotische Getränke, verwöhnen lassen und genießen, alles haben können, was es mit Geld zu kaufen gibt, sich als etwas ganz Besonderes fühlen und dabei auf das Fußvolk herabblicken, macht nicht unbedingt glücklich, diese Stimmung ist bei mir direkt angekommen.
Eine Empfehlung von mir, ganz besonders an Thriller-Neueinsteiger und 5 Sterne.
Rezensionen von CS:
Vielschichtig
Yellowface von R. F. Kuang
Yellowface - die beiden jungen Schriftstellerinnen Athena und June sind seit dem College befreundet, auch wenn man sich beim Lesen nie entscheiden kann, ob es eine tiefgründige Freundschaft war oder eine Zweckgemeinschaft, anscheinend weiß June das aber auch nicht so recht und irgendwie muss sich die Leserin/der Leser da ein eigenes Bild machen.
Während Athena einen Erfolg nach dem anderen feiern darf, kommt Junes Karriere nicht so richtig in Fahrt.
Bei einem gemeinsamen Abend in Athenas Wohnung kommt es dann zum tragischen Moment, als Athena stirbt und June tatenlos dabei zusehen muss. In ihrem Schock reicht es aber dennoch für einen kurzen Moment, in dem Sie Athenas unfertiges Skript ihres neuen Werkes "Die letzte Front" mit nach Hause nimmt. Dort beschließt sie dann, dieses Buch zu vollenden und unter ihrem Namen zu veröffentlichen.
Ich habe lange kein so vielschichtiges Buch gelesen. Junes Diskrepanz zwischen schlechtem Gewissen und der fast zwanghaften Rechtfertigung, das Richtige getan zu haben, ist an manchen Stellen schwer auszuhalten. Wie weit darf man für Erfolg gehen? Sind Athenas Mittel für gute Literatur Grund genug, dass June es ihr auf andere Weise gleich tun darf? Wie weit reicht ein menschliches Gewissen, wenn es um den eigenen Erfolg geht?
Die von Kuang gewährten Einblicke in das Verlagswesen kann ich mir so lebhaft vorstellen. Es geht um's Geld und um Auflagen, wer nicht reinpasst, kommt zu kurz. Rassismus spielt im Alltag in allen Bereichen eine Rolle, Social Media gibt ohnehin den Ton an, welche Rolle Ehrlichkeit spielt, kann man in Frage stellen.
Ich bin bis zum Ende nicht sicher, wie die Charaktere June und Athena überhaupt einzusortieren sind und welche Rolle der Erfolg bei beiden spielt oder gespielt hat. Es ist auf jeden Fall ein starkes Buch, welches die Persönlichkeiten stark darstellt und jede Zeile ein Genuss ist, auch wenn ich nicht nur einmal tief Luft holen musste, teilweise vor Entsetzen oder Erstaunen, wie Menschen denn sein können. Trotz aller Charakterschwäche der Protagonistin - oder gerade deshalb - ein Buch, welches ist nicht aus der Hand legen konnte.
Rezensionen von Miro:
"Liebe ist echt alles"
Paare von Maggie Millner
"Ich möchte deshalb in Gedichtform erklären,
dass die Liebe für mich einer der primären
Antriebe zur Selbsterkenntnis war. Sie ist immer noch das,
was den ganzen Rest erträglich macht." (S. 110)
Alle paar Jahre mal versuche ich einen Ausflug in die Lyrik, um wiederholt zu erkennen, dass ich mich nicht optimal darauf einlassen kann.
Da ich mir dessen bewusst bin, gebe ich nur ungern eine Bewertung ab.
Hier finden wir eine Analyse des Liebeslebens einer jungen Frau, die ihren Mann für eine andere Frau verlassen hat. Sie hatte sich wohl etwas eingeengt gefühlt in ihrer ersten Beziehung, doch die totale Freiheit macht sie erst recht nicht glücklich. Sie erkennt, dass sie nicht polyamourös leben kann und hofft auf Exklusivität. In ihrem Leiden beginnt sie ihrer vorherigen Beziehung nachzutrauern. Ganz normales Verhalten also, hat wohl fast jede*r von uns schon gemacht.
Es folgt eine Phase der Harmonie, vor allem um Weihnachten, doch bereits zu Silvester erkennt sie, dass diese Beziehung das neue Jahr nicht überstehen wird.
Irgendwie ist alles ziemlich tragisch hier. Die Protagonistin leidet, reflektiert und leidet weiter. Doch am Ende hat sie sich selbst besser kennengelernt und schafft es, gestärkt aus dem Drama hervorzutreten. Ein Heldenepos also?
Sprachlich konnte mich dieses Epos absolut begeistern und auch der Übersetzerin Eva Bonné ist mit Hochachtung zu begegnen. Das war bestimmt eine schwere Geburt!
Dennoch fand ich es streckenweise anstrengend zu lesen. Inhaltlich bleibt vieles nur angedeutet, die Lücken animieren zur Imagination, was aber gut transportiert wird sind Emotionen. Das ist wohl der Erzählform geschuldet. Die Lyrik ist wohl eher die Sprache des Herzens. Als Prosaleserin bin ich es gewohnt, den Fokus auf den Handlungsverlauf zu legen. Das scheint mir hier verkehrt. Vielleicht sollte man den Text eher wie ein Bild betrachten und die einzelnen Gefühle zu einem stimmigen Bild der Person wachsen lassen.
"Paare" ist definitiv gut geschrieben, aber so richtig gut gefallen hat es mir nicht. Ich werde wohl wieder eine paar Jahre verstreichen lassen, bevor ich mich ein weiteres Mal in die Welt der Lyrik begebe.
Rezensionen von Furbaby_Mom:
Geht unter die Haut
Die Halbwertszeit von Glück von Louise Pelt
"Ein Lied mag verklingen, doch die Liebe tanzt ewig"
Soeben habe ich Louise Pelts mitreißenden Roman "Die Halbwertszeit von Glück" beendet und bin noch immer ganz ergriffen von dieser unglaublich berührenden Geschichte, die mir in jeglicher Hinsicht unter die Haut gegangen ist.
Ich weiß ehrlich gesagt gerade gar nicht wohin mit meinen Emotionen. Dieses Werk ist eine Klasse für sich!
Die Figuren sind allesamt bemerkenswerte Frauen, jede auf ihre eigene Art und Weise. Auch über Margarethe (deren Kapitel als Einleitung dient), hätte ich gerne noch mehr gelesen.
Es gab zwei Elemente, bei denen ich mir vorstellen kann, dass sie von der Leserschaft als polarisierend aufgenommen werden könnten (aus Gründen der Spoilervermeidung formuliere ich beide Punkte so offen wie möglich): zum einen das Thema der Mutter-Kind-Bindung, zum anderen die Entwicklung einer gewissen Beziehung. Lest einfach selbst - vor allem, wenn ihr intensiv erzählte, vielschichtig angelegte Stories mögt, in denen die romantische Liebe zwar vorkommt, aber eben nicht der Hauptschwerpunkt ist.
Was den Schreibstil betrifft: Ganz große Schreibkunst! Tiefgründig, klug, atmosphärisch und rundum fesselnd. Realistische Wortwahl in den Dialogen, solider Spannungsbogen … gekrönt von einem befriedigenden Ende.
Abschließend habe ich euch noch meine Lieblingszitate rausgesucht; meine liebsten Textstellen waren diese hier:
"Das Glück mag vergehen, und es lässt sich nicht festhalten, aber es ist kein Einzelgänger. Wenn ein Glück geht, kommt ein neues - nicht sofort vielleicht, aber irgendwann."
"Eine einzige Sekunde genügte, um aus zwei Fremden eine neue Ewigkeit zu machen."
"Die Liebe war kein bloßes Gefühl, sondern eine Wahrheit. Wer sie einmal erkannt hatte, konnte weder Augen noch Herz davor verschließen. So war es, wenn man etwas fand, was man nicht gesucht hatte."
Fazit:
Lebensnah und voller Hoffnung, wunderschön geschrieben. Von mir gibt es eine begeisterte Leseempfehlung!
Rezensionen von Manfred Fürst:
Die Bohrmaschine im Haus erspart den Handwerker
Hotel Silence von Auður Ava Ólafsdóttir
Jónas Ebeneser (49), hat den Boden unter seinen Füssen verloren. In tiefe Depression verfallen? Bei den drei Gudruns, die ihn umgeben kein Wunder. Die eine, seine Ex, hat einst in der gemeinsamen Schlafstatt eine Kissenwand ihm gegenüber aufgebaut, seine Mutter versinkt in Demenz und mit seiner Tochter keine Kommunikation.
Nur das Wie und das Wo sind noch unbestimmt. Er leiht sich vom Nachbarn dessen Flinte, kann aber nicht damit umgehen und hat keine Munition. Also ab in ein von Krieg zerstörtes Land mit seiner Bohrmaschine, die er dann bräuchte, um einen Hacken in der Decke zu montieren. Bereits früh wird klar, dass bei aller Tragik der Handlung eine Portion Komik beigemischt wurde.
Nicht dass es von Bedeutung wäre, in welchem Land sich Jónas wiederfindet, tippe ich auf den Balkan, nach dem massiven NATO-Bombardements. Tote, Ruinen, Stromabschaltungen, Ausgangssperre. Das Bizarre an der Situation, dass sich Jonas Mutter zeitlebens intensiv mit dem Thema Krieg beschäftigt hat.
Der Taxifahrer bringt die ersten zwei Gäste ins „Hotel Silence“, er fährt einhändig, die zweite hat er im Krieg verloren. Das Haus am Meer wird von dem Geschwistern Mai und Fifi geführt, beide hoffen auf einen touristischen Aufschwung. Kein Druck in der Dusche, roter Sand aus der Wasserleitung - für Jónas kein Problem, er repariert es. Das ist nur der Anfang. Er wird zum Synonym für Wiederaufbau und den Glauben an bessere und friedliche Zukunft.
Der zweite weibliche Gast fährt ins Hinterland, sucht für eine Reportage eine Lokation, der dritte männliche Gast stellt sich später als Kriegsprofiteur heraus.
Viel ausgiebiger beschäftigt sich Ólafsdóttir mit dem „Hotel Silence“ als Bauwerk, dem ein Thermalbad angeschlossen war und einer berühmten Mosaikwand, von der anscheinend nur Jónas etwas weiß und seinem „Manager“ Fifi. Dessen Schwester Mai, nur ein paar Jahre älter als seine Tochter, ohne Mann mit dem 6-jährigen traumatisierten Sohn Adam.
„Sehnst du dich nicht nach der Wärme eines anderen Körpers“ (Mai).
Nicht allen Leuten gefällt Jonas Aufbauarbeit, er wir überfallen und verprügelt. Doch eine Frau verarzt ihn: „Sie können Ihr Hemd wieder zuknöpfen. Schöne Blume.“ Womit wir wieder bei der Coverabbildung wären: Eine Wasserlilie, die sich Jonas vor seinem Abflug stechen ließ.
Die ausgezeichnete Übersetzung, mit den vielen Zitaten von Persönlichkeiten, die ihrem Leben ein Ende gesetzt hatten, trägt zur überragenden Qualität des Romans bei. Trotz aller Düsternis und Melancholie gewinnt mit der Kraft die Hoffnung und die Magie eines Neufangs die Oberhand.
Rezensionen von PMelittaM:
Spannender Roman mit realistischem Szenario
Wir werden jung sein von Maxim Leo
Martin Mosländer hat ein Medikament entwickelt, das den Herzmuskel regenerieren lässt, und damit eine große Hoffnung für Herzkranke sein könnte. Zunächst wird das Medikament an vier Proband:innen erprobt, dem sechzehnjährigen Schüler Jakob, den achtzigjährigen Unternehmer Wenger, der ehemaligen Olympiagewinnerin Verena, und Jenny, die gerne Mutter werden möchte.
Doch dann gibt es Probleme, die Regeneration betrifft nicht nur den Herzmuskel. Hat Mosländer den Jungbrunnen entdeckt?
Der Roman hat mich schnell gepackt. Die vier Proband:innen und Mosländer, der sein Mittel ebenfalls genommen hat, werden nach und nach eingeführt, wobei man sie gut kennen lernt und bereits hier Emotionen entwickelt. Die Geschichte wird aus den Perspektiven dieser Personen erzählt, wodurch man als Leser:in nah dabei ist, und Trauer, Angst und Freude direkt miterleben kann. Das „Jüngerwerden“ hat nämlich nicht nur Vorteile, und jede:r der Proband:innen macht seine eigenen Erfahrungen..
Eine sechste Person, Miriam Holstein, stellt die nichtbetroffene Perspektive, ist aber auch als Beraterin des Bundesgesundheitsministers und Mitglied der Ethikkommission eine Art moralische Instanz. In dem Moment, in dem, mehr oder weniger zufällig, öffentlich wird, wie das Mittel wirkt, weckt es natürlich weltweit Begehrlichkeiten. Diese einzuordnen, ist unter anderem Miriams Aufgabe, auch im Roman. Miriams Ansichten haben sich oft mit meinen gedeckt, denn natürlich wird man auch als Leser:in Überlegungen anstellen. Was würde das mit einem selbst machen? Mit der Gesellschaft? Wie wirkt sich das global aus?
Das Ganze lässt sich flott lesen, ich wurde sofort ins Geschehen gezogen, habe mit den Charakteren gehofft, gelitten, mich gefreut, und mich immer wieder gefragt „was wäre wenn“. Die Geschichte empfand ich als sehr spannend, Maxim Leo hat ein realistisches Szenario entwickelt, in dem es auch einige Wendungen gibt. Tatsächlich kann man sich gut vorstellen, dass es so ablaufen könnte. Gut gefällt mir auch, dass ich trotz der Thematik manchmal schmunzeln konnte.
Maxim Leos Roman hat mich überzeugt, nicht nur, weil er sehr spannend ist und einem die Charaktere nahe bringt, sondern auch wegen des realistischen Szenarios, und dass man nicht umhin kommt, selbst Überlegungen zum Thema anzustellen. Ich bin nun auch gespannt auf weitere Werke des Autors.
Rezensionen von yellowdog:
Familiengeschichte
Annas Lied von Benjamin Koppel
Annas Lied ist eine groß angelegte Familiengeschichte um eine jüdische Familie in den dreißiger/vierziger Jahren in Dänemark. Hannah ist die jüngste in der Familie, mit 4 Brüdern. Sie ist musikalisch begabt, soll aber dennoch verheiratet werden, um die Tradition zu erfüllen.
Man bekommt das erwartbare.
Aber auch nicht weniger.
Die Handlung geht über die Zeit des Kriegs hinaus über die Jahrzehnte. Man folgt dem Leben der Protagonistin, bis Hannah auf fast 100 Jahre zurückblicken kann. Dabei blieb die Musik für sie immer eine wichtige Komponente in ihrem Leben, wie es auch für ihren Neffen gilt. Und der hat Ähnlichkeiten mit Benjamin Koppel selbst, dem Autor dieses Buch, der ein Musiker ist.
Wer Familiensagas mag, kommt hier auf seine Kosten.
Rezensionen von Gilasbuecherstube :
Tolle DIY-Ideen die leicht umzusetzen sind
Das große Homedeko-Buch von Camin-Bösch, Vonny
Du suchst kreative Ideen für das ganze Jahr, um Deiner Wohnung oder Deinem Haus ein neues Gesicht zu geben? Du arbeitest gerne mit Naturmaterialien, wie Holz und möchtest ausgediente Gegenstände upcyceln?
Dann habe ich hier etwas für Dich! Die Deko-Expertin Vonny Camin-Bösch hat in ihrem Buch „Das große Homedeko – Buch“ 70 kreative Ideen gesammelt, mit denen Du Dein Zuhause immer wieder neu gestalten kannst.
Ich liebe es, mein Haus immer wieder neu zu dekorieren und hier finde ich tolle Ideen für jede Jahreszeit.
Zu Beginn gibt es eine Übersicht der Materialien und Werkzeuge, die man als Grundausstattung zuhause haben sollte. Ich finde es dabei toll, das gar nicht viel benötigt wird. Ein paar Pinsel in unterschiedlichen Größen, Bleistift, Lineal, Schere und verschiedene Lackstifte und Holzklötzchen sind schnell zu besorgen, oder oft auch schon vorhanden.
An Ende gibt es noch einige Vorlagen in Originalgröße.
In einfachen Beschreibungen zeigt Vonny uns genau, wie die einzelnen Techniken funktionieren. Es war wirklich kein Problem den Anleitungen zu folgen.
Es gibt sowohl „Easy-peasy-Deko“, die schnell gemacht ist, als auch anspruchsvolle Ideen, für die man etwas mehr Zeit benötigt.
Zu Beginn gibt es eine Liste mit den benötigten Materialien und dann eine Step-by-Step Anleitung mit vielen Tipps der Autorin.
Ich habe mir schon zahlreiche Inspirationen geholt und mich sofort in den wundervollen Türkranz verliebt. Den Kranz und so einiges andere, dass ich mir rausgesucht habe, werde ich in der nächsten Zeit auf jeden Fall nachmachen.
Toll finde ich auch die gedeckten Tische, den Wegweiser für den Garten und die tollen Windlichter, die ich für die Terrasse anfertigen werde. Aber es gibt auch tolle Ideen für den Herbst und den Winter. Ich habe also noch so einiges zu tun in diesem Jahr.
Ein tolles Buch für alle, die gerne ihre Dekoration selbst herstellen möchten.











