Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Ein 9-Jähriger auf der Flucht von El Salvador in die USA
Solito von Javier Zamora
Wann immer über Flüchtlinge während der letzten 80 Jahre gesprochen wird, denkt man an jene die aus der Ukraine, Asien, Afrika sowie an die jüdische Bevölkerung, die aus Nazi-Deutschland geflohen sind. Dabei vergisst man häufig, dass auch in Mittel- und Südamerika Menschen gezwungen sind/waren, vor einem Bürgerkrieg und/oder einem Diktator zu fliehen.
Dieses Buch, das die Flucht des damals neun-jährigen Javier Zamora im Jahr 1999 beschreibt, erinnert daran.
Die Zamoras leben in den 1990er-Jahren in El Salvador und fliehen als dort der Bürgerkrieg (1980-1991) ausbricht. Zuerst die Mutter, dann der Vater. Näher Begründungen gibt es nicht. Der kleine Javier bleibt zunächst bei den Großeltern zurück, weil die Schlepper die Reise eines kleinen Kindes für zu gefährlich halten. Erst 1999, mit neun Jahren, darf er sich auf die gefährliche und lange Reise machen, die von den Eltern, die inzwischen in den USA leben, und den Großeltern generalstabsmäßig und heimlich vorbereitet wird.
Auf seinem Weg in die USA schippert er mit zahlreichen anderen Flüchtlingen mehrere Tage die Pazifikküste entlang, bis die Gruppe wieder an Land kann. Anschließend durchquert er mehrere Länder illegal, bis er schließlich nach mehreren Versuchen die US-Grenze überwindet.
Meine Meinung:
Mit diesem Buch arbeitet Javier Zamora mit Hilfe seiner Therapeutin seine eigene Fluchtgeschichte auf. Daher ist die die Geschichte aus seiner, Javiers, Perspektive erzählt. Manchen Lesern wird der detailreiche und bildhafte Schreibstil ein wenig sonderbar vorkommen. Doch ich glaube, die Erlebnisse haben sich so in Javiers Unterbewusstsein gebrannt, dass sie mit Unterstützung der Therapeutin wieder an die Oberfläche geholt worden sind.
Interessant ist zu lesen, worüber sich der kleine Javier auf dieser mehr als sieben Wochen dauernden Reise Gedanken macht. Dass er dicklich ist und in der Schule damals wegen seiner fast weiblichen Brüste verspottet worden ist, weshalb er sich vor den Mitgliedern der Flüchtlingsgruppe nicht ausziehen will, oder dass er nie zuvor seine Wäsche waschen musste und sich geniert, weil er so stinkt.
Die vielen spanische Wörter haben mich nicht gestört. Einerseits kann ich italienisch und daher kann ich einiges herleiten und andererseits macht das die Geschichte authentisch.
Das Buch zeigt, dass neben Gaunern, die den Flüchtlingen das Geld abnehmen, auch helfende Hände (im wahrsten Sinne des Wortes gibt), die den Jungen beschützen und die wenigen Nahrungsmittel sowie die Unterkünfte miteinander teilen.
Vieles, was im Hintergrund abgelaufen ist, erfährt Javier auch später nicht, um die Fluchthelfer nicht zu entlarven. Es scheint, dass diese Schlepper nicht so geldgierig waren, wie heute, die das Geld der Flüchtlinge nehmen und sie dann irgendwo hilflos aussetzen.
Das Buch ist fesselnd und berührend zugleich. Ich hätte mir im Nachwort noch etwas mehr Informationen über die damalige und aktuelle politische Situation in El Salvador gewünscht. Das österreichische Außenministerium (BMEIA) hat wegen des seit 2022 verhängten Ausnahmezustandes El Salvador die Warnstufe 4 (hohes Sicherheitsrisiko im ganzen Land) ausgesprochen.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser sehr persönlichen Fluchtgeschichte 5 Sterne.
Rezensionen von PMelittaM:
Interessanter Background
Silberne Geister von Silvia Moreno-Garcia
Mexiko 1993: Montserrat ist ein großer Fan alter Filme, besonders solcher aus dem Horrorgenre. Als Tristan, Schauspieler ohne Job und Montserrats Freund seit Kindertagen, umzieht, stellt er fest, dass der ehemalige Regisseur Abel Urueta, dessen Filme Montserrat sehr mag, sein neuer Nachbar ist. Uruetas letzter Film wurde nie fertiggestellt, da der Autor und Produzent, der deutsche Okkultist Wilhelm Ewers ermordet worden war.
Mit Hilfe von Montserrat, die als Soundeditorin arbeitet, und Tristan will er dies nun nachholen. Leider stellt sich das für alle Drei als lebensgefährlich heraus.
Ich brauchte kurz, um in die Geschichte zu kommen, doch dann hatte sie mich. Montserrat und Tristan waren mir sofort sympathisch. Montserrat hat es, in einem Männerberuf arbeitend, nicht leicht, besitzt aber auch einen starken Willen. Tristan, ehemaliger Soapdarsteller, von einem Unfall leicht körperlich, deutlich stärker psychisch gezeichnet, lässt sich eher treiben, vor allem von Frau zu Frau, und tut sich schwer, ein neues Engagement zu bekommen. Die Geschichte konzentriert sich im wesentlichen auf die beiden, andere Charaktere bleiben Nebenfiguren, einige sind aber für die Geschichte sehr wichtig. Ein wichtiger Charakter ist auch Wilhelm Ewers, dessen Geschichte man nach und nach erfährt. Er ist tot, hat aber viele Spuren hinterlassen.
Der Roman beginnt recht gemächlich und bleibt es auch lange Zeit. Ich habe ihn dennoch wirklich gerne gelesen, schon wegen des Backgrounds, der (mexikanischen) Filmgeschichte und des Okkultismus. Wilhelm Ewers ist dabei an einen realen Okkultisten angelehnt, genau wie Abel Urueta an eine realen Regisseur, wie die Autorin in ihrem Nachwort verrät. Viele der erwähnten Filme kennt man, hat sie vielleicht auch gesehen. Im Laufe der Geschichte wird es immer geheimnisvoller, mysteriöser, spannender, letzteres allerdings nie wirklich nervenzerfetzend. Der versprochene Horror blieb für mich im wesentlichen aus, was mich aber nicht weiter gestört hat. Ein bisschen gruselig wird es aber schon.
Besonders gut gefällt mir das Setting, Mexiko im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts, das fühlt sich zusätzlich besonders und ein wenig exotisch an, und weckt gewisse Erinnerungen in mir, immerhin gehöre ich zur älteren Generation.
Wer sich einen spannenden Horrorroman erhofft, könnte enttäuscht werden. Ich habe die Geschichte gerne gelesen, mochte die Protagonist:innen und den Background der Geschichte, war gespannt, wie sich alles auflöst, und wurde letztlich gut unterhalten.
Rezensionen von chabli:
Viel Herzschmerz in der Werbeagentur
Zeilenflüstern (Sweet Lemon Agency, Band 1) von Kyra Groh
Zeilenflüstern ist der Auftakt einer mehrteiligen Reihe um die Sweet Lemon Agency von Kyra Groh aus dem Jahr 2024. Der erste Teil der Reihe um eine Werbeagentur aus Frankfurt dreht sich um die schüchterne und naive Texterin Klara und den erfolglosen Schauspieler und Hörbuchsprecher Noel. Noel ist der Sprecher von Klaras liebstem Hörbuch und direkt hat sie sich in seine Stimme verliebt, ohne ihn jemals gesehen zu haben.
Durch einen Zufall müssen die beiden gemeinsam an einem Projekt arbeiten und nähern Die Perspektive wechselt im Laufe des Buches zwischen den Beiden und zeigt so die jeweiligen Blickwinkel. Spannend ist es auch, dass Klara ein Kind gehörloser Eltern ist. Das hat der ganzen Geschichte eine gewisse Tiefe verliehen. Auch die Nebencharaktere wie Franka oder Felix waren sehr interessant und ich finde es toll, in Band zwei mehr über sie zu erfahren.
Das Cover ist außergewöhnlich schön und ist ein wahrer Blickfang in jedem Bücherregal. Insgesamt handelt es sich um eine leichte Liebesgeschichte, die aufgrund der wahnsinnig sympathischen Charaktere (hier meine ich hauptsächlich Klara und Franka) lebhaft und abwechslungsreich wirkt und nicht langweilig wird. Bereits nach kurzer Zeit ist man in der Geschichte gefangen und möchte wissen, wie sie weitergeht.
Von mir gibt es 5 Sterne und eine klare Kaufempfehlung
Rezensionen von C.P.:
Sehr viel schwächer als erhofft
Weil ich an dich glaube - Great and Precious Things von Rebecca Yarros
Wie so viele andere Leser:innen konnten mich die beiden Bücher Fourth Wing und Iron Flame von Rebecca Yarros vollkommen begeistern. Beide haben eine unglaubliche Sogwirkung auf mich gehabt und ich habe die Bücher innerhalb kürzester Zeit verschlungen.
Ich war einfach gespannt, wie viel Einfluss die Fantasy-Elemente auf meine Begeisterung hatten, schließlich ist Fantasy mein Wühlfühlgenre.
Es ist immer wieder echt spannend zu sehen, wie Autor:innen in verschiedenen Genres schreiben. Aus diesen Gründen war ich sehr neugierig auf das (für mich) erste Romance Buch der Autorin.
Da ich von den Fanatsy Werken so begeistert war, konnte ich leider nicht verhindern, dass ich die Bücher immer wieder mit diesem Buch verglichen habe. Ich konnte dies schon beim Lesen/Hören des Hörbuchs schlecht voneinander trennen, deswegen finden sich die Vergleiche auch immer wieder in dieser Rezension wieder.
Um der Rezension schon einmal vorzugreifen: Von der Geschichte war ich leider am Ende eher enttäuscht.
Es gibt eine Fülle an wirklich wichtigen und spannenden Themen in dem Buch, doch war es für mich einfach ein bisschen zu viel des Guten.
Der Umgang mit einem dementen Angehörigen, Auswirkungen eines traumatischen Erlebnisses, das ethische Dilemma von Dingen, die man als Angehöriger für richtig hält, die für die betreffende Person jedoch die falschen sind, die starren und unveränderlichen Meinungen in einer Stadt, in der jeder jeden kennt, große Gefühle, die man sich nicht eingestehen möchte, Drama, noch mehr Trauma durch noch mehr schreckliche Vorkommnisse in der Vergangenheit.
Auf fast 500 Seiten wird versucht, sich all diesen Themen anzunehmen und es klappt leider nicht wirklich gut. Ja, jedes Thema bekommt irgendwie einen eigenen Raum in der Geschichte, doch wirklich tiefer gehen sie dann doch nicht.
Ich habe das Hörbuch vor einigen Tagen beendet und muss mir schon jetzt eingestehen, dass ich bereits vieles über die Charaktere schon wieder vergessen habe und mir zum Glück während des Hörens Notizen gemacht habe.
In der Retrospektive ist mir vor allem Cam im Gedächtnis geblieben, der deutlich ausgearbeiteter war als Willow. Willow ist um ehrlich zu sein ein total austauschbarer Charakter. Erstaunlicher Weise ist es hier, anders als in vielen YA und NA Büchern so, dass nicht der männliche Hauptcharakter eine Schablone ist, die mit austauschbaren Elementen versehen wurde, sondern in diesem Fall trifft es mal die weibliche Hauptfigur. Mir sind die Beschreibungen von Willows Haus mehr in Erinnerung geblieben als Informationen über sie.
Ein Punkt, den ich Contemporary Büchern einfach nicht verzeihe, ist körperliche Gewalt. Ja, dies ist durchaus ein Punkt von mir, der kritisiert werden kann, schließlich fand ich Fourth Wing so gut, obwohl es in diesem Buch sehr gewalttätig und brutal zugehen kann. Für mich ist es jedoch „moralisch“ ein Unterschied, ob sich diese in einem fantastischen Setting abspielt, einer Welt, die sich ohnehin weit weg und unerreichbar anfühlt, oder in einem realen Setting wie einer (fiktiven, aber durchaus so bestehend könnenden) Kleinstadt.
Cam wird in einer Szene provoziert (klar, blöde Situation und Provokationen muss man sich nicht einfach gefallen lassen), flippt aber vollkommen aus, obwohl (!) er weiß, dass er stärker und seinem Gegenüber überlegen ist. Für mich ist das einfach vollkommen inakzeptabel.
Ich habe außerdem mit „military fiction“ ein großes Problem und einen Trope gefunden, den ich wirklich ungern lese. Ich denke auch, dass dieses Buch in Deutschland niemals verlegt worden wäre, wäre Fourth Wing nicht so dermaßen eingeschlagen.
Der Twist am Ende, von dem ich in so vielen Rezensionen auf Goodreads gelesen habe, kam jetzt nicht wirklich überraschend. Das Einzige, was mich überrascht hat, war, dass der Plottwist ernsthaft so geschrieben wurde, weil ich ihn unglaublich plump finde. Während mich die Plottwists in Fourth Wing und Iron Flame noch mehr an die Geschichte fesselten, war hier das Gegenteil der Fall. Ich kann nun einige Leser:innen deutlich besser verstehen, die ebendiese Twists in den Fantasy Büchern nicht gelungen fanden. Schon erstaunlich, wie gut Punkte in einem Genre für mich als Leserin funktionieren können, in einem anderen Genre jedoch einen ganz anderen Effekt haben.
Der letzte Punkt könnte ein kleiner Spoiler sein, deswegen der Hinweis an dieser Stelle: Im nächsten Absatz beschreibe ich einen Punkt, der mich etwas gestört hat und der mit einem der Hauptcharaktere zu tun hat. Bitte notfalls überspringen:
Ich verstehe einfach nicht, warum alle Cam so schrecklich finden. Rebecca Yarros hat unheimlich viel dafür getan, ihn als den großen, bösen Außenseiter mit ganz weichem Kern darzustellen, aber es ergibt einfach keinen Sinn. Als ob wirklich eine gesamte Stadt ein Kind (!) schon als böse empfunden und diese Einstellung niemals revidiert hat. Das war mir einfach zu konstruiert und unglaubwürdig.
Es sind alles Kleinigkeiten, Punkte, die eigentlich nicht großartig dramatisch sind, in der Fülle und in ihrer Gesamtheit aber leider dazu führen, dass ich das Buch letztendlich nicht gut fand.
Was in Fantasy Werken durchaus funktionieren kann, funktionierte hier einfach nicht für mich.
Es war für mich einfach nicht die passende Geschichte. Das Buch hat seine Schwächen, ist aber nicht schlecht, doch auch nicht wirklich gut.
Ich werde mich in Zukunft weiterhin wie eine Besessene auf die Fantasy Bücher von Rebecca Yarros stürzen, ihre Romance Bücher jedoch auslassen. Für all jene, die sich an solchen Büchern erfreuen: Bereits im August diesen Jahres wird mit „Alles, was ich geben kann“ ein weiteres Romance Buch von Rebecca Yarros im dtv Verlag erscheinen.
Rezensionen von bedard:
Was wäre, wenn man die Vergangenheit ändern könnte
Das andere Tal von Scott Alexander Howard
Die 16jährige Schülerin Odile lebt in einem Tal, das im Osten und Westen von völlig identischen Tälern begrenzt wird. Einziger Unterschied ist die Zeit, denn in dem einen Tal leben die Menschen zwanzig Jahre zuvor, in dem anderen zwanzig Jahre in der Zukunft. Die Grenzen werden bewacht, ein Überschreiten ist streng verboten und nur auf Antrag und in Begleitung möglich.
Entschieden wird darüber von den Mitgliedern des Conseils, deren Autorität nicht in Frage gestellt wird. Die genauen Kriterien, warum Besuche gestattet oder abgelehnt werden, sind nicht transparent.
In der Schule herrscht ein autoritärer Unterrichtsstil, zu dem auch ganz selbstverständlich körperliche Züchtigungen gehören. Obwohl Odile augenscheinlichlich gemobbt wird, schreitet der Klassenlehrer nicht ein, lediglich Alan und Edme, zwei Mitschüler, stellen sich auf ihre Seite.
Am Ende des Schuljahres steht der Übergang in die Ausbildung bevor, am begehrtesten ist natürlich die Aufnahme in die Ausbildung am Conseil. Zunächst bewirbt Odile sich nur, weil es ihrer Mutter so wichtig ist. Doch ein Erlebnis hat Odile zutiefst irritiert, ohne dass sie darüber sprechen konnte. Sie hat Edmes Eltern als Besucher aus der Zukunft gesehen, sie weiß also, dass Edme sterben wird, ohne den genauen Zeitpunkt oder die Ursache zu kennen. Durch einen Zufall erfährt ihr Lehrer davon und empfiehlt sie deshalb für die Ausbildung. Für sie selbst überraschend, beginnen die herausfordernden Aufgaben sie zunehmend zu faszinieren und ihren Ehrgeiz zu wecken. Gleichzeitig ändert sich ihr Status bei ihren Klassenkamerad:innen und sie wird Teil einer Clique. Insbesondere zu Edme fühlt sie sich hingezogen, ohne ihm von ihrem Wissen über seinen bevorstehen Tod zu berichten.
Während dieses ersten Teils liest sich der Roman wie ein Jugendbuch, in dem es im Rahmen einer Dystopie um die ganz typischen Themen wie Außenseitertum, Mobbing, erste Liebe und langsames Erwachsenwerden geht. Gerade Odile wirkt in einigen Szenen viel jünger als 16 Jahre, um dann aber insbesondere im Zusammenleben mit ihrer Mutter viel zu erwachsen für das Alter zu handeln und zu denken. Insgesamt wirkt Odile sehr beherrscht und zeigt viel weniger Emotionen, als zu erwarten wären.
Der zweite Teil spielt 20 Jahre später. Sprachlich unterscheidet er sich gravierend von Teil I. Auch die Stimmung ist viel düsterer, von Aufbruchstimmung keine Spur. Odiles Dasein lässt sich nur als trist und monoton beschreiben, ihre Wünsche sind bescheiden. Doch dann geschehen einige Dinge, die sie aus ihrer Erstarrung aufwecken und Gedanken in Gang setzen, die sie bisher nicht zugelassen hat.
Der promovierte Philosoph Scott Alexander Howard erinnert mit seinem ersten Roman an berühmte Vorbilder, in denen es um autoritäre Systeme oder um klassische Zeitreisen geht. Diese beiden Themen verknüpft er geschickt und unterhaltsam, fordert seinen Leser:innen aber auch einiges an Konzentration ab. Unweigerlich stellt man sich die Frage, wie man selbst handeln würde. Was würde geschehen, wenn man die Vergangenheit ändern könnte? Welche Auswirkungen hätte das, nicht nur für die eigene Person, sondern für ganze Systeme?
Das andere Tal ist kein Wohlfühlbuch, dafür ist die Atmosphäre über weite Strecken zu düster. Der erste Eindruck, es könnte ein Jugendbuch sein, ist spätestens zu Beginn des zweiten Teils verflogen.
Auch Odile, die die tragende Figur des Romans ist, eignet sich nicht als Identifikationsfigur, obwohl sie letztlich eine Sympathieträgerin ist. Ebenso wie sie sind die anderen Hauptcharaktere überzeugend herausgearbeitet.
Klare Leseempfehlung für Leser:innen, die sich auf das Thema einlassen mögen und sich von düsteren Szenarien nicht abschrecken lassen.
Rezensionen von bedard:
Berührender Roman zu einem viel zu wenig bekannten Thema
Wo die Asche blüht von Phan Nguyen Que Mai
Nach dem berührenden und sprachlich überzeugenden Roman "Der Gesang der Berge" widmet sich die Autorin in ihrem neuen Roman dem bisher wenig beachteten Schicksal der Amerasier.
So werden die Kinder genannt, die während des Vietnamkrieges gezeugt wurden und deren Väter in Vietnam stationierte GIs waren.
Meist handelte es sich bei den jungen Müttern um arme Vietnamesinnen, die aus materieller Not zur Prostitution gezwungen waren, gelegentlich entstammten die Kinder aber auch Liebesbeziehungen.
Viele dieser Kinder wuchsen in Waisenhäusern auf und wurden wegen ihrer Herkunft geächtet, insbesondere wenn die Hautfarbe sie als Kinder schwarzer GIs auswies. Aus diesem Grund versuchten viele, Vietnam zu verlassen und in den USA ein vermeintlich besseres Leben zu führen. Allerdings mussten sie dazu einen Abstammungsnachweis erbringen, was ihnen kaum möglich war.
Vor diesem realen Hintergrund erzählt der vorliegende Roman auf zwei Zeitebenen die fiktive Geschichte von mehreren Personen, deren Leben auf tragische Weise durch den Vietnamkrieg geprägt wurden.
Da sind die Schwestern Trang und Quynh, die noch Teenager sind, als der Krieg und die Armut sie zwingen, in Saigon als Barmädchen zu arbeiten und sie erkennen müssen, was das tatsächlich heißt.
Da ist der unter PTBS leidende ehemalige Hubschrauberpilot Dan, der im Jahr 2016 mit seiner amerikanischen Ehefrau nach Vietnam zurückkehrt, allerdings ohne ihr von seiner damaligen Geliebten erzählt zu haben.
Und da ist Phong, der als Amerasier in einem Waisenhaus aufwuchs und es als Kind eines schwarzen GIs noch schwerer hat. Inzwischen selbst Vater, versucht er für sich und seine Famile ein Visum für die USA zu bekommen und scheitert an den Vorgaben.
Die Geschichte dieser so unterschiedlichen Menschen, deren Wege sich im Laufe des Romans kreuzen, weist auf die tragischen Folgen eines Krieges hin, über die viel zu wenig berichtet wird. Letzten Endes sind immer Kinder die Leidtragenden, die im Laufe eines Krieges vom sogenannten Feind gezeugt wurden. Aber eben auch die Zivilbevölkerung und die meist jungen Soldat:innen, die für den Rest ihres Lebens mit den schrecklichen Erlebnissen klarkommen müssen.
Ein absolut lesenswerter Roman und empfehlenswerter Einstieg in das Thema.
Rezensionen von Katzenmicha:
Gunhilds List
Die List der Grafentochter von Isabel Voss
Thüringen 785 Gunhild, die Tochter Grafen Hardrad soll einen fränkischen Grafen heiraten-das verlangt Karl dem Großen von ihrem Vater.Die thüringischen Adeligen sehen sich in ihren Rechten beschnitten und beginnen einen Aufstand. Geschickt nutzen die thüringischen Adeligen diesen Umstand und bringen den König in ihre Gewalt ,um dann dieses Gunhilds Vater in die Schuhe zu schieben.
Gunhild wird am Vorabend ihrer Hochzeit von Autkar entführt, der nach Karl des Großen Willen ihr Ehemann sein soll.Das löst eine Katastrophe aus welches die Feinde Karls dem Großen zu nutzen versuchen.Doch Gunhild durchschaut die List, sie verbündet sich mit ihrem Entführer Autkar. Gunhild und Autkar kommen sich näher und sie schenkt ihm ihr Herz.
Die Autorin Isabel Voss hat einen fließenden und bildhaften Schreibstil mit dem sie mich mit ans Ende des 8. Jahrhunderts nach Christi nahm.Gunhild, die Tochter des thüringischen Grafen Hardrad ist für diese Zeit schon eine starke,taffe Frau.Sie kann sich durchsetzen und spielt die Gegner ihres Vaters gegeneinander aus.Man erfährt als Leser viel aus der Zeit von Karl dem Großen und seine Ehefrau Fastrada und den historischen Figuren aus dieser Zeit,sehr gerne 5 Sterne.
Rezensionen von Sago:
Zurück im Land hinter den Winden
Die Seelenpferde von Ventusia, Band 3 - Sturmmädchen von Jennifer Benkau
Noch immer müssen in unserer Welt Mädchen aufgespürt werden, die eigentlich aus Ventusia stammen, um es zu retten. In diesem dritten Teil der Reise geht es nach Frankreich, wo Sophie weder mit ihrer fordernden Adoptivmutter noch mit der wenig pferdefreundlichen Reiterei in ihrer Reitschule klarkommt.
Bald geht es nach Ventusia, wo sich einige Motive wie das kurze Wiedersehen mit den eigentlichen Eltern nun zwangsläufig wiederholen. Von Beginn an gibt es dort Spannungen mit Nikolan und Sophie war mir in ihrer patzigen Art nicht immer sympathisch. Die Entdeckung ihres Seelenpferdes fand ich persönlich sehr schade, weil sie zu Lasten eines anderen liebgewonnenen Figur ging. Ich bin gespannt, ob es im nächsten und wahrscheinlich abschließenden Band eine Erklärung geben wird, warum diese Entwicklung notwendig war.
Sehr gut gefallen haben mir vor allem wieder Fiona und Nikolan, die Pferdekenntnis der Autorin, die überall durchschimmert, ihr Engagement für pferdefreundliches Reiten und die Verbindung von Pferden und Magie. Mit großen Schritten geht es nun auf das große Rennen zu, das Ventusia retten soll und es hat mich überzeugt, wie Jennifer Benkau durch einen Plottwist die Handlung an dieser Stelle vorangebracht hat.
Rezensionen von Lesendundspielenddurchsleben :
Opa hat seinen Hut vergessen von Elena Berz
Opa hat seinen Hut vergessen widmet sich dem plötzlichen Tod eines Großelternteils. Es beginnt mit der Schilderung der gemeinsamen Zeit von Opa und Enkelin und erzählt dann davon, dass Opa das Kind eigentlich abholen sollte, aber stattdessen Papa kommt und bereits auf der Garderobenbank erzählt dieser auf die Frage, warum er so traurig schaut, das Opas Herz aufgehört hat zu schlafen.
Schon hier folgen erste Erklärungen, was es heißt, tot zu sein. Auf der nächsten Seite werden dann durch die Situation zu Hause, wo Mama weint, verschiedene Arten zu trauern sehr einfühlsam beschrieben. Auf den folgenden Seiten wird das Thema dann noch vertieft: Johanne, Idas Patentante beschreibt die biologische Seite des Todes und erzählt dabei auch etwas über eine unsterbliche Quallenart (die kannte ich tatsächlich auch selbst noch gar nicht). Greta und Ida führen dann am nächsten Tag ein Gesprach im Kindergarten über den Tod, wo die Vorstellung einer Reinkarnation aufgenommen wird. Am Nachmittag folgt auch noch das Gespräch mit der Oma, wo es bereits um die Beerdigung (Erdbestattung) geht. Über diese wird auch auf den letzten Seiten noch berichtet.
Wie man an den Themen schon merkt, wird vieles aufgenommen. Ich finde viele Themen sehr einfühlsam und gut beschrieben, sodass ich das Buch durchaus im akuten Trauerfall empfehlen kann. Ich hätte mir teils etwas mehr Diversität gewünscht, gleichzeitig weiß ich, hätte es das Buch dadurch viel länger gemacht, was wieder für Kindergartenkinder zu lange wäre. Aber gerade beim Gespräch über Jenseitsvorstellungen hätte ich mir schon noch die eine oder andere Perspektive gewünscht. Es wird im Endeffekt hauptsätzlich auf eine Wiedergeburt, die noch dazu vom gesammelten Karma abhängt, aufgenommen. Auch wenn das bei uns recht weit verbreitet ist, ist es doch eine hinduistische Vorstellung, die durch die letzte Seite ja irgendwie nochmal aufgenommen wird und dadurch als die von Ida übernommene Vorstellung ein wenig verstärkt wird in ihrer Gewichtung. An anderer Stelle kommt noch die Vorstellung vor, dass jemand sagt, er ist jetzt im Himmel und ob er da nicht runterplumpsen kann. Weiter eingegangen wird darauf aber nicht. Beide Vorstellungen hätten mit noch 1, 2 Impulsen das Buch noch vielfältiger einsetzbar gemacht als Anstoß für die Kinder, ihre eigenen Vorstellungen einfließen zu lassen und zu entwickeln. Denn beim Thema Tod und Jenseits geht es ja auch ganz viel darum. Die wirklich wunderschönen Illustrationen und die sehr einfühlsame Rahmengeschichte würde jedenfalls dazu einladen und in Bezug auf Trauer ist das so wunderschön gelungen, wie ich es von keinem anderen Buch über den Tod erlebt habe.
Rezensionen von Anno:
Seltsam, aber spannend
Prometheus Highschool 1: Wie man ein Monster zum Leben erweckt von Stuart Wilson
Athena ist ein Mädchen mit sehr untypischen Vorlieben. So versucht sie z.B. mithilfe von Energie eine überfahrene und von ihr wieder zusammengeflickte Katze wieder zum Leben zu erwecken. Es gelingt und zieht Aufmerksamkeit auf sich, was dazu führt, dass sie auf eine Schule der ganz besonderen Art eingeladen wird.
Einem alten Dampfer, welcher den Schülern eine sichere Umgebung für ihre Versuche bieten soll. Doch auch hier läuft es anfängst nicht ganz rund. Freunde zu finden ist für sie auch hier schwer. Und versucht sie andere mit ihren Fähigkeiten zu beeindrucken endet es im Chaos. Tatsächlich aber gehen auch seltsame Vorgänge vonstatten. Und Athena beginnt diesen Nachzugehen.
Die Handlung des Buches beinhaltet düstere, morbide und sehr skurrile Themen, die jedoch recht amüsant geschildert werden. Mich persönlich aber störte dabei jedoch, dass einige der Themen offen blieben, nicht so rech zusammen zu passen scheinen und auch von Kindern nicht geläufige Fachbegriffe bei der Darstellung des Unterrichts verwendet wurden.











