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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von stina23:

Wenn plötzlich alles anders wird…

Cascadia von Julia Phillips

Die Schwestern Elena und Sam leben auf einer der Inseln, die dem US-Bundesstaat Washington vorgelagert sind. Die beiden gehen auf die 30 zu, leben in sehr bescheidenen Verhältnissen und kümmern sich aufopferungsvoll um ihre todkranke Mutter. Ihr Zusammenhalt als Schwestern und der Traum, dem Leben auf der Insel eines Tages entfliehen zu können, hilft den jungen Frauen dabei, die harten Zeiten zu überstehen.

Die Sichtung eines Bären und die darauffolgenden Ereignisse bringen die Leben der Protagonistinnen völlig aus dem Takt und verändern alles.
Das Cover ist mir sofort ins Auge gesprungen. Die sanften Farben und das Landschaftsmotiv haben mich angesprochen. Der Klappentext verrät schon, dass die Geschichte nicht ganz mit dem pastellfarbenen Umschlag einher geht.
Die Autorin, Julia Phillips, schaffte es sehr schnell, mich in die Geschichte, die aus Sams Blickwinkel erzählt wird, zu ziehen. Die jungen Frauen, ihr Alltagstrott, ihre Träume und die Erinnerungen an die Kindheit sind greifbar, nachvollziehbar und ich konnte gut mit den Protagonistinnen mitfühlen. Die Freiheit und Wildheit, die die Landschaft der Inseln ausstrahlt und die Enge und Abhängigkeit, in der sich Elena und Sam befinden, sind gleichzeitig zu spüren. Das alles schafft eine besondere Atmosphäre, in der das etwas unwirklich wirkende Auftauchen des Bären und die damit einhergehenden Ereignisse Platz finden. Die Veränderungen der Realität der Frauen und Sams Blick auf ihre Geschichte, ihre Gegenwart und Zukunft ist teils hart, teils ein Aspekt des Erwachsenwerdens der jungen Frau.
Mich hat die Geschichte mit ihrer Tiefe überrascht, mich an der einen oder anderen Stelle mit der Realität erschlagen und gleich danach wieder mit der Storyline in Staunen versetzt. Sie ist auf jeden Fall schön erzählt, wirkt nach und lässt mich zu 90 Prozent überzeugt zurück.

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Rezensionen von Tara:

Aufwühlend, tragisch & ergreifend

In den Farben des Dunkels von Chris Whitaker

„In den Farben des Dunkels“ ist ein intensiver Roman des britischen Autors Chris Whitaker.

Der dreizehnjährige Patch wird aus seinem Heimatstädtchen Monta Clare entführt und wird 307 Tage gemeinsam mit Grace in einem dunklem Raum festgehalten. Seine Freundin Saint versucht alles um ihn zu finden.

Als seine Befreiung gelingt, glaubt Saint zunächst, dass nun alles wieder so ist wie zuvor. Aber Patch hat sich verändert, er will Grace finden und Saint unterstützt ihn bedingungslos.

Der Schreibstil von Chris Whitaker ist kraftvoll, intensiv und jedes Wort scheint mit Bedacht gewählt worden zu sein. Die Atmosphäre ist düster und bedrückend, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit werden direkt spürbar, gleichzeitig ist da diese Hoffnung und dieser unglaublich große Wille Grace zu finden.

Die Ereignisse werden von Patch - in seiner Kindheit beginnend - berichtet. Wir begleiten ihn über dreißig Jahre, erleben mit ihm Verzweiflung und Hoffnung. Die Gefühle werden hier so eindringlich beschrieben, dass sie greifbar werden und ich beim Lesen die Luft angehalten habe.

Die Suche nach Grace ist eine abenteuerliche Reise quer durch die USA. Dabei tauchen auch einige Nebencharaktere auf, die dem Roman interessante Facetten verleihen.

Hier wurden Liebe, Sehnsucht, Freundschaft, Verlust, Angst und auch Hass in einer von mir zuvor noch nie erlebten Art und Weise in Worte gefasst, die mich nachhaltig beeindruckt hat.
Dieses Buch bietet wirklich ein ganz einzigartiges Leseerlebnis.

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Rezensionen von nil_liest:

Wir sie gefunden?

Schatten über Monte Carasso von Mascha Vassena

Moira steckt ihre Nase wieder in Dinge, die sie ganz eigentlich nichts angehen und läuft mit ihrem Ziehvater zu Hochtouren auf.
Achtung, wer die Reihe noch nicht kennt, ist hier im dritten Fall gelandet von Moira Rusconi, der erste war „Mord in Montagnola“, dann folgte der Zweite: „Die Tote im Luganer See“ und nun „Schatten über Monte Carasso“.

Nicht nur sind die Cover schön im 50er Jahre Stil gehalten, auch die dramatischen Titel sind herrlich. Wer erst einmal nur diesen Band lesen mag, geht auch, es fehlt kein Wissen um hier dem Fall zu folgen, aber man würde Moira, Ambrogio, Chiara und Luca schon kennen.
Nun also Fall 3. Der werte Herr „Papa“ ist dem Essen und dem Wein so zugeneigt, dass da unbedingt was gemacht werden muss. Also auf in die Kur und dann aber nicht irgendwohin, sondern in die Wellnessklinik Villa Carasso bei Bellinzona. Er bittet Moira ihn zu begleiten. Endlich mal Entspannung. Aber Pustekuchen, denn eine Mit-Patientin ist verschwunden. Irritierend, dass keiner sie als vermisst melden will und als das Gerücht aufkommt, die wäre dem Yoga-Lehrer nicht abgeneigt gewesen, ist der auch noch weg…das kann Moira so nicht stehen lassen und involviert ihre Bekannte Ispettrice Chiara Moretti…. Steine werden umgedreht und es kommt so einiges ans Licht!
Ich bin bis zum Schluss nicht auf die Auflösung gekommen, spricht also für diesen Krimi. Wieder locker geschrieben und ich muss leider jetzt bald mal ins Tessin fahren, denn Mascha Vassena beschreibt die Gegend und die Landschaft so herrlich, da will man hin.
Was macht diesen Krimi bzw. diese Krimireihe aus? Spannend, wiederkehrende sympathische Charaktere und ein toll beschriebenes Setting im Tessin!

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Rezensionen von PMelittaM:

Kindgerecht, aber dennoch Heitz

Die Traumgänger - Aufbruch nach Deseo von Markus Heitz

Der dreizehnjährige Finn hat eine besondere Gabe, er kann seine Träume so gestalten, wie er es gerne möchte. Eines Tages trifft er im Traum ein Mädchen, das er bestimmt nicht selbst hineingewünscht hat, Sanja. Sie bittet ihn um seine Hilfe bei der Suche nach ihren Eltern und kurz darauf treffen sich die beiden außerhalb eines Traumes.

Markus Heitz kannte ich bisher nur als Autor von oft recht gruseligen Romanen aus dem phantastischen Bereich, ein Kinderbuch von ihm zu lesen, war für mich etwas ganz Neues. Tatsächlich kann auch dieses dem Phantastik-Genre zugeordnet werden, doch ist es auch eindeutig ein Roman für Kinder (ab 11 Jahre) und entsprechend „einfach“ geschrieben. Ich als Erwachsene habe es aber auch gerne gelesen.

Der Autor entwickelt neben der normalen Welt, in der Finn wohnt, eine ganz eigene Welt, die Traumwelt Deseo, in die Finn durch Sanja reisen kann. Die ist schön bildhaft dargestellt, so dass das Kopfkino angesprochen wird. Ein Teil davon ist gruseliger als der andere, immerhin gibt es auch Albträume, es bleibt aber natürlich kindgerecht.

„Aufbruch nach Deseo“ ist der erste Band einer Reihe, so dass die Geschichte am Ende des Romans noch nicht auserzählt ist, der Grundstein ist gelegt, und man kann gespannt sein, wie es weitergeht. Für die Zielgruppe sicher eine gute Motivation, auch den nächsten Band lesen zu wollen.

Markus Heitz kann auch Kinderbücher. So wie dieses, phantastisch, ein bisschen gruselig und ziemlich spannend, zudem der erste Band einer Reihe, ein vielversprechender erster Band, der Lust auf die Fortsetzung macht.

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Rezensionen von Lerchie:

Ein wunderbares Buch

Eifelfrauen: Der Ruf der Nachtigall von Brigitte Riebe

In Altenburg in der Eifel 1945. Der Krieg ist vorbei, die Wiesen sind im Frühling voller Blumen, das Heu wird geerntet und Klara und Mia wachsen als Schwestern auf dem idyllischen Bauernhof auf. Sie sind unterschiedlich wie Tag und Nacht- Mia zieht alle Blicke auf sich und nimmt die Menschen für sich ein während Klara nachdenklich und in sich gekehrt ist.

Nur wenn sie singt vergisst sie alles andere. Ihre Stimme verzaubert alle, die ihr zuhören. Der Tschechische Sänger Pavel sucht auf ihrem Hof Schutz und hört sie singen. Da nimmt das Leben der Schwestern eine große Wendung.

Meine Meinung
Ich konnte das Buch ohne Unterbrechung durch Unklarheiten im Text sehr gut lesen. Nichts störte meinen Lesefluss. In die Protagonisten konnte ich mich gut hineinversetzen. In Klara, die für ihre Stimmausbildung nach Köln ging, aber auch in Mia, die von Heinrich und Grete nach Trier in die Tabakfabrik geholt wurde. Ob die beiden an ihren jeweiligen Orten glücklich waren? Das werde ich natürlich nicht verraten, denn das soll der geneigte Leser selbst lesen. Für die beiden Schwestern gab es für Johanna einen Ersatz. Wen werde ich auch nicht verraten. Während Klara natürlich den Sänger Pavel näher kennenlernte, machte auch Mia die Bekanntschaft eines jungen Mannes in dem Betrieb ihrer Familie. Doch sollten das die richtigen sein? Der Leser wird es herausfinden. Und dabei die eine und andere Überraschung erleben. Für jemand anderen winkt auch noch einmal das Glück und jemand kehrt zurück. Die Spannung in dem Buch hält sich durchweg. Es hat mich gefesselt und ich habe mich mit Mia und Klara über positive Ereignisse gefreut, aber auch mit ihnen gelitten, wenn etwas schiefging war also in dem Buch so richtig mittendrin. Es hat mich sehr gut unterhalten und ich empfehle es auch gerne weiter. Von mir fünf Sterne.

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Rezensionen von Pearl:

Der Club der Bücherfreundinnen von Amy Lynn Green

Der Roman führt den Leser in das Jahr 1942 nach Amerika und die Küste von Maine. Vier Frauen erleben hier den Zweiten Weltkrieg. Da immer mehr Männer auch in der USA eingezogen werden, leisten nun die Frauen die Arbeit der Männer. Avis kommt auf die Idee einen Buchclub zu gründen, damit sie mal den Alltag vergessen und eine andere Welt abtauchen können.

Die Frauen sind sehr unterschiedlich. Louise ist eine reiche Erbin die von ihrem Vater eine private Bücherei geerbt hat. Avis Montgomery ist die romantische in der Runde. Ginny Atkins mit ihrer italienischen Wurzeln und die junge Mutter Marina die neben ihren beiden Kindern noch in einer Fabrik arbeitet. Alle haben ihr Päckchen zu tragen und finden im Bücherclub offene Ohren und Verständnis. Sie haben Geheimnisse, denn es geht auch hier um Verbrechen, die Lebensmittelknappheit, bis zum Heimatverlust.
Fazit:
Taffe Frauen die in einer nicht einfach Zeit leben, doch die Liebe steht hier trotz allem immer im Mittelpunkt der Handlung. Manchmal etwas langatmig.

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Rezensionen von yellowdog:

Inas Weg zu sich selbst

Beat vor der Eins von Alexandra Helmig

Beat vor der Eins ist ein Roman über eine Jugendliche, konsequent aus ihrer Perspektive geschildert. Ina steht vielem im Leben noch unentschlossen entgegen. Problematisch sind ihre Eltern, die sich viel streiten. In der Schule läuft es auch nicht immer.

Zwar kann ich mich (männlich und zu alt) nicht identifizieren, aber es gelingt der Autorin Alexandra Helmig, dass man die Figur gut versteht.

Man folgt Ina gefesselt durch das Buch.

Die Form des Buches ist überzeugend. Viele Kapitel nehmen nur eine Seite ein, manchmal auch nur einen Teil davon, selten mal 2 Seiten.
Dadurch ist der Roman stark verdichtet und ragt aus der Masse heraus.

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Rezensionen von Gaby 2707:

Eine Geschichte bei der ich mich schwer getan habe

Flammenschwestern von Lina Bengtsdotter

Katja Rainen und Vega Silver sind in ihrer Kindheit als beste Freundinnen unzertrennlich. Und sie teilen ein Geheimnis, dass sie sich geschworen haben, nie zu lüften. Als Vega, die nun in London lebt, viele Jahre später einen verzweifelten Hilferuf ihrer Freundin bekommt, kommt sie natürlich sofort zurück in ihren keinen Heimatort Stentorpsgården.

Doch ihre Freundin Katja ist verschwunden. Das erinnert Vega an eine andere Frau, die vor vielen Jahren hier spurlos verschwand und deren Spur für immer im dunklen liegt.

Genau so schwer wie ich mich hier mit der Besprechung des Buches tue, ging es mir mit der Geschichte selbst auch.
Zum einen hatte ich Probleme immer genau zu wissen, bin ich gerade im Hier und Heute oder erfahre ich weitere Einzelheiten aus der Vergangenheit von Vega und Katja, die mir im Laufe der Geschichte immer näher gebracht wird. Was auch durchaus wichtig ist um den Geschehnissen im Jetzt folgen zu können.
Mir waren auch die vielen Menschen, denen ich hier begegne einfach zu viele. Ich wusste nie, spielt er oder sie vielleicht eine wichtige Rolle oder ist er/sie einer von denen, die mir nur hier und da begegnen und mir nichts Wichtiges zu sagen haben.
Die Geschichte an sich zieht sich an einigen Stellen so, dass ich froh war, wenn ich wieder in eine andere Szene eintauchen konnte. Alles in allem war es für mich eher ein Buch, bei dem ich froh war, als ich es dann ausgelesen zur Seite legen konnte.
Dabei ist die Geschichte um die verschwundene Katja und auch um das gemeinsame Geheimnis an sich sehr interessant und auch spannend. Der Erzählstil hat mir gut gefallen, kommt er doch, was meinem Lesegeschmack sehr entgegen kommt, ohne großes Gemetzel und Blutvergießen aus. Insgesamt aber kein Buch, das ich noch einmal lesen würde.

Diese Geschichte einer Autorin, die ich bisher nicht kannte, hat mich leider überhaupt nicht überzeugen können.

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Rezensionen von Lesestern:

Die Verwandlung : Raupe wird Schmetterling oder Eva lernt fliegen

Evas Rache von Thomas Ziebula

" Evas Rache" ist der vierte und letzte Teil der historischen Krimireihe um den Leipziger Inspektor Paul Stainer.
Der Roman ist aus der Feder von Thomas Ziebula und ist im April 2024 im Rowohlt Verlag erschienen.

Wie bereits die Vorgänger spielt auch dieser Teil wieder in der Nachkriegs-Zeit- Leipzig im Jahr 1922.

Paul Stainer ist immer noch angeschlagen von den persönlich erlebten Traumas des 1.Weltkriegs, dessen depressive Nachwirkungen er mit Alkohol und Nikotin zu besänftigen versucht.

Eine Mordserie um einen brutalen Frauenmörder " die Bestie von Leipzig" bringt ihn an den Rand seiner Belastbarkeit.

Auch die historischen Einflüsse, die zunehmende Radikalisierung, die auch in die Wächterburg hineinreicht, machen dem sozialpolitisch gesinnten Stainer zu schaffen. Als er im aktuellen Fall einen mit Orden hochdekorierten " Kriegshelden" ins Visier nimmt, erntet er gefährlichen Gegenwind.

Erst als eine entführte Frau eines Wissenschaftlers auf der Bildfläche erscheint, kommt Bewegung in den Fall...

Mein Leseeindruck:
Auch der neue Kriminalroman der Stainer Serie zeichnet sich wieder durch eine hervorragende Recherche aus, die Kulissen der einzelnen Szenen sind authentisch beschrieben. Dies belegen auch die im Anhang angeführten Quellen, die Thomas Ziebula für seine historische Hintergrundsarbeit verwendet hat.

Sein fließender spannungsgeladener Schreibstil hat auch hier wieder einen kurzweilig gut lesbaren und fesselnden Kriminalroman erschaffen.

Seine Charaktere, bereits vertraute Personen aus den Vorgängern, wie auch neue Figuren sind überzeugend dargestellt und fügen sich authentisch in die Handlung ein.
Als Kontrast zum konservativen Leipzig erscheint hier Rosa, Stainers gute Bekannte, die inzwischen als Künstlerin Erfolge feiert und ein eher modernes und vitales Leipzig verkörpert.

Auch der neue Fall spart nicht an Grausamkeiten: Gier, Rachsucht und diesmal auch der russische Geheimdienst treibt sein Unwesen.
Die Rolle der Eva, die den Titel des Romans bestimmt, steht für die größte Entwicklung der Protagonisten. Vom Dornröschen- Schlaf erwacht, startet sie ihren Rachefeldzug, anders als erwartet und mit schmerzlichen Stolpersteinen.
Und auch innerhalb des Polizei- Teams kommt es zu ungeahnten Vorfällen zwischen Leben und Tod.

Mein Fazit:
Ein würdiger Abschluss der Reihe, aber das Fehlen dieser Art von Ermittler wäre ein Verlust für die Kriminalwelt.
Vielleicht gibt es ja einen Nachfolger, der in die Fußstapfen von Stainer tritt...

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

"Wenn es heute nicht klappt, sind wir verloren!"

Ein schwarzer Tag im Juli von Dörte Schipper

„Wenn es heute nicht klappt, sind wir alle verloren.“

Aus Anlass des 20. Juli 1944, an dem eine Gruppe von Offizieren versucht, durch Tyrannemord, den zweiten Weltkrieg zu beenden, und der sich nun zum 80. Mal jährt, erscheinen zahlreiche Sachbücher oder historische Romane wie dieser hier.

Dörte Schipper nimmt uns mit, die Wochen der Vorbereitungen, zu erleben.

Sie bettet diese dramatischen Tage, die wie man weiß, mit einem schwarzen Tag im Juli enden werden, in eine für damalige Zeiten typische Familie ein.

Egon Reusler ist ein junger Offiziersanwärter, der im August 1944 an die Front muss. Zuvor will er seine schwangere Freundin heiraten. Während der hektischen Hochzeitsvorbereitungen lernt er durch seinen Onkel Leopold von Schülow einen der Mitwisser der Stauffenberg-Gruppe kennen für den er den einen oder anderen streng vertraulichen Botengang erledigen soll. Dafür könnte möglicherweise ein abermaliger Aufschub des Marschbefehls erreicht werden, denn bislang ist Egon krankheitsbedingt nicht einberufen worden, was seinem Vorgesetzten Albert Winkler missfällt. Winkler ist nicht nur ein fanatischer Nazi sondern leider auch ein angeheirateter Verwandter, der mit seiner Frau nun in der Wohnung der Reuslers wohnt, weil deren eigene zerstört worden ist. Die Winklers benehmen sich abscheulich, requirieren die kargen Lebensmittelvorräte, beanspruchen den größeren Teil der Wohnung für sich und dann steigt er noch Paula, Egons Schwester nach.

Wie hinlänglich bekannt, scheitert das Unternehmen Walküre, Hitler überlebt, Stauffenberg sowie seine unmittelbaren Mitverschwörer werden noch am selben Abend im Bendler-Block hingerichtet. Hitlers Schergen beginnen mit dem großen Aufräumen, in dem nicht nur die Verschwörer und Mitwisser hingerichtet werden, sondern auch deren Familien in Sippenhaft genommen werden sowie einige private Rechnungen beglichen werden.

Meine Meinung:

Ich habe schon zahlreiche Sachbücher und historische Romane zum 20. Juli 1944 gelesen. Dieses Buch über einen schwarzen Tag in der Geschichte Deutschlands ist penibel recherchiert und erzählt die Wochen davor aus Sicht einer ganz normalen Familie.

Der Riss, der nach Jahren des NS-Regimes durch zahlreiche Familien geht, hier fanatische Nazis, die nach wie vor an den Endsieg glauben, und dort desillusionierte Menschen, die nichts lieber als Frieden hätten, ist sehr gut beschrieben. Als Witwe hat es Egons Mutter ohnehin sehr schwer, schwebt doch über dem Unfalltod ihres Mannes der unausgesprochene Geruch eines Selbstmordes, weil er die Gräuel der Nazis nicht mehr ausgehalten hat. Damit ist sie nicht alleine.

Nachdem die Alliierten am 6. Juni 1944 in der Normandie gelandet sind, die deutschen Truppen an der Ostfront verbluten und die Air Force der Amerikaner und Briten deutsche Städte in Schutt und Asche legen, ist vielen Menschen klar, dass der Krieg verloren ist. Doch statt aufzugeben, befiehlt Hitler „den totalen Krieg“. Zeit für die Attentäter zu handeln.

Dieser Versuch Hitler an diesem 20. Juli 1944 zu beseitigen, war nicht das einzige (misslungene) Vorhaben, den Massenmörder zu stoppen. Vielleicht aber der Bekannteste, weil er aus dem Innersten der Wehrmacht kam.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem penibel recherchierten und aus ungewöhnlicher Perspektive fesselnd erzähltem historischen Roman 5 Sterne.

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