Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von peedee:

Weihnachten – die Zeit der Besinnung?

Winterzauber in Maple Creek von Olivia Anderson

Maple Creek, Band 5: Molly und Nat kommen glücklich und ganz beseelt von den Erlebnissen ihrer Hochzeitsreise nach Maple Creek zurück. Weihnachten steht kurz bevor, aber es herrscht noch nicht wirklich weihnächtliche Stimmung, ganz im Gegenteil: bei allen Freunden herrscht Unruhe. Molly macht sich insbesondere Sorgen um Franklin, den Chefredakteur der Maple Creek News Time.

Und dann vergisst sie, ein Geschenk für Nat zu besorgen – was nun? Lilly und Pam sind völlig gestresst, da beide beruflich unter Druck stehen und sie neuerdings die achtjährigen Zwillinge bei sich haben…

Erster Eindruck: Ein winterlich-weihnächtliches Cover – sehr schön.

Dies ist Band 5 der Reihe, kann aber unabhängig von den Vorgängerbänden gelesen werden (schöner ist es natürlich, die Protagonisten von Anfang an zu begleiten). Den vorletzten Band habe ich erst gestern ausgelesen, daher war ich in Sachen Maple Creek up to date.

Ich konnte mir die Rückkehr von Molly und Nat nach Maple Creek sehr gut vorstellen: noch ganz im Honeymoon drin, zehren sie von den schönen Erlebnissen und dann – peng! – herzlich willkommen zurück im kalten Kanada mit zig Problemen am Start. Die Freunde haben während ihrer Abwesenheit gar nichts verlauten lassen. Lauries Küchenchef Fred hat sich den Arm gebrochen und fällt aus. Die Zwillinge von Lilly und Pam sind traurig, dass Dorothy nicht wie versprochen schon vor Weihnachten anreist. Franklin, Levi und Jim hadern ein wenig mit der bevorstehenden Pensionierung. Jim hat auch noch Probleme mit Nora, die sich – aus seiner Sicht – viel zu viel auflädt. Nora fühlt sich bevormundet. Es ist also wirklich so gar nicht weihnächtlich. Aber die Bewohner von Maple Creek wären nicht die, die sie sind, wenn sie nicht alles noch zum Guten drehen, oder?

Dieser Band mit seinen 198 Seiten war im Nu ausgelesen (und von den 5 Bänden für mich leider auch der schwächste). Es fällt mir schwer, die liebgewonnenen Protagonisten nun ziehen zu lassen. Von mir gibt es zum Abschluss 3 Sterne.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von peedee

Rezensionen von Petra Gruber:

Reisen auf den Spuren des Wassers

Am Himmel die Flüsse von Elif Shafak

Alles beginnt mit einem Tropfen Wasser, der in Ninive zu Urzeiten ins Haar des Königs Assurbanipal, ein gebildeter, aber grausamer Herrscher fällt. Der Tropfen, das Wasser, sind der rote Faden, der dieses Buch prägt und die drei Stränge zusammenhält.
Ein Strang erzählt die Geschichte Arthur, König der Abwasserkanäle und Elendsquartiere.

In größte Armut geboren, hat dieses Kind eine besondere Gabe, es vergisst nichts. Mit seiner Begabung und etwas Glück wird aus ihm ein belesener, gebildeter Mensch, Forscher und Spezialist für Keilschrift.
Narin ist Jezidin und lebt am Ufer des Tigris. Ihre Mutter ist früh verstorben und sie wächst mit Vater und Großmutter auf. Ihre Heimat ist bedroht, ein großes Staudammprojekt wird ihr Dorf und alle Kulturgüter, Zeugnisse der assyrischen Vergangenheit auslöschen. Ihre Geschichte startet 2014 und gibt Zeugnis von der Diskriminierung, den Gefahren und der Gewalt gegen sie.
Und dann wird noch Zaleekhahs Geschichte erzählt. Sie ist Hydrologin, fasziniert vom Wasser. Ihre Ehe ist gerade gescheitert, sie zieht auf ein Hausboot. Zaleekhah hat auf tragische Weise ihre Eltern früh verloren und kämpft mit ihrer Traurigkeit. Sie liebt das Wasser, sie liebt ihren Beruf, doch manchmal hat sie das Gefühl, nicht mehr weiter leben zu wollen.
Diese drei Personen hängen zusammen, wie, das ist erstens schwierig in Kurzform zu erklären und soll außerdem hier nicht verraten werden.
Alle drei Stränge sind großartig erzählt, die Charaktere sehr vielschichtig gezeichnet. Großartig auch das viele Hintergrundwissen, über Mesopotamien, über Keilschrift, über jezidische Kultur, über London Mitte des 19. Jahrhunderts, über Wasser, …
Wie die Autorin es schafft, so viele Themen in einen Roman zu packen und gleichzeitig wunderbare Fiktion und Literatur zu schreiben, ist faszinierend.
Wie in allen ihren Romanen leiht die Autorin auch hier wieder den Schwachen, den Armen, den Entrechteten ihre Stimme. Sie beschreibt das schwere Leben von Arthur in größter Armut. Die Gefahren, die Krankheiten, die Alkoholsucht, der Mangel, die Härte und die Ausgrenzung. Und sie leiht den Jeziden ihre Stimme, immer missachtet, immer verfolgt, als Teufelsanbeter gebrandmarkt, ermordet, gefoltert, vertrieben, versklavt, …
Ein großartiger Roman, für den man sich allerdings Zeit nehmen muss, nichts für eine schnelle Lektüre. Dafür ist er zu voll mit Wissen, Themen, Handlungen.
Auch sprachlich mag ich die Romane von Elif Shafak sehr.
Ein anspruchsvolles Buch, das mich begeistert hat.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Petra Gruber

Rezensionen von Bellis-Perennis:

Wettbewerb oder Intervention?

Raus aus der Globalisierungsfalle von Nikolaus Kowall

Autor Nikolaus Kowall ist Wirtschaftswissenschaftler und Politiker in Wien. In diesem Buch hat er sich mit der Zukunft der Volkswirtschaft(en) beschäftigt.

In den sieben angeführten Kapiteln stellt er die aktuelle Situation vor, wie es dazukommen konnte und wie die Zukunft aussehen könnte

Das Zeitalter wirtschaftlicher Interventionen
Das Zeitalter der Globalisierung
Der Staat als Wirtschaftsstandort
Wettbewerb versus Intervention
Die Rückkehr der Demokratie in die Ökonomie
Baustein der Nachhaltigkeitswende
Die sozial-ökonomische Transformation Österreichs

Nikolaus Kowall zeigt auf, dass die Privatisierungswelle der schwarz-blauen Regierung unter Wolfgang Schüssel 2002 mit der Ausgliederung zahlreicher Dienststellen bzw.

Infrastrukturbetrieben einen Scheineffekt bewirkt haben. Zwar sind dadurch die Maastrichtkriterien knapp, aber doch eingehalten worden, aber zahlreiche gut funktionierende staatliche Strukturen sind zu Gunsten privater Interessen zerstört worden.

Es sei notwendig, dass der Staat, so ferne er demokratische Mittel einsetzt, berechtigt, ja sogar verpflichtet ist, steuernd einzugreifen. Nicht alles wird sofort gelingen. Dazu sind die globalen Verflechtungen zu eng. Auch ein kleines Land wie Österreich kann sich hier emanzipieren. Die Verlängerung des Gasliefervertrages mit Russland lange vor dem Vertragsende wird sicher noch die Gerichte beschäftigen. Ein Schelm, der hier mögliche Korruption oder eventuellen Machtmissbrauch wittert.

Wenn aktuell der Aufschrei über die von China staatlich subventionierte Elektroautos ertönt, so sollte man sich, statt zu jammern und Strafzölle einzuheben, ansehen wie man die lokale Produktion von alternativen Treibstoffen wie Wasserstoff vorantreiben könnte und zumindest den Schwerverkehr mit Wasserstoff betriebenen Motoren auszustatten. Damit könnte man gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Innovation und Produktion bliebe in Europa, die Schadstoffemmission könnte rapide gesenkt werden, neue Arbeitsplätze entstünden usw. usw..

Nicht alles kann von heute auf morgen umgesetzt werden. Doch endlich damit anzufangen statt sich in ideologischen Spitzfindigkeiten zu verstricken, wäre schon ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Kowalls Blick als Wissenschaftler auf einen sozial-ökologischen Umbau von Wirtschaft & Industrie hat mir sehr gut gefallen. Jetzt heißt es „nur“ noch zur Tat zu schreiten.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Buch, das einige mögliche Ansätze der Globalisierungsfalle zu entkommen, aufzeigt, 5 Sterne.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bellis-Perennis

Rezensionen von Bellis-Perennis:

Eine gelungene Romanbiografie

Madame Mozart. An der Seite eines Genies von Verena Maatman

An der Seite eines Genies zu leben, ob es nun Mozart, Einstein, Picasso oder John Lennon heißt, ist selten einfach. Autorin Verena Maatmann erzählt in ihrer vierten musikalische Romanbiografie abermals von einer Frau, in deren Leben Musik eine große Rolle spielt: Constanze Nissen, geborene Weber, verwitwete Mozart (1762-1842).

Dazu entführt uns die Autorin in das Jahr 1828. Gemeinsam mit ihrem zweiten Mann, Georg Nikolaus Nissen (1761-1826), hat sie eine Biografie ihres ersten Gemahls Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) verfasst, die nun kurz vor der Veröffentlichung steht. Während sie einer Opernprobe lauscht, lässt sie ihre Gedanken in die Vergangenheit schweifen.

Das Buch ist ähnlich wie eine Oper in Overtüre, fünf Akte, die jeweils durch ein Intermezzi unterbrochen sind, um in einem Finale zu enden, gegliedert sind. Darin erfahren wir, nicht nur welchen Konventionen und Zwängen junge Mädchen und Frauen ausgesetzt sind, welche Rolle(n) Constanzes Mutter und ihre Schwestern spielen und welche Abhängigkeiten von Landesfürsten und Mäzenen bestehen, sondern auch vom ersten Kennenlernen Mozarts, der nach dem Verblassen seines Ruhms als Wunderkind, nun ein neue Geldgeber sucht. Geld ist in der Familie Weber wenig vorhanden, doch scheinen die Verbindungen, die Vater Weber unterhält, für Vater Leopold Mozart zunächst viel versprechend erscheinen. Niemand weiß, dass die Familie Weber Zimmer in ihrer Wohnung untervermieten muss, um über die Runden zu kommen, denn das Einkommen des Vaters reicht nicht aus, die vier Töchter standesgemäß zu erziehen.

Daran wird sich auch später, als Constanze und Wolfgang Amadeus verheiratet sind, nichts ändern. Obwohl Constanze versucht, das Geld zusammenzuhalten, gibt es ihr Mann mit vollen Händen wieder aus. Sie ist während der acht Jahre dauernden Ehe sechsmal (!) schwanger, aber nur zwei Kinder überleben die Kindheit.

Als Constanze mit knapp 30 Jahren Witwe wird, steht sie mit zwei kleinen Kindern und einem Berg Schulden da. Gemeinsam mit ihrer Schwester Aloisia, einer bekannten Opernsängerin, gibt sie Benefizkonzerte und beginnt geschickt eine PR-Kampagne, die ihr und den Kindern das Überleben sichert.

Mit ihrem opulenten Schreibstil, der uns vor allem durch die penible Recherche, tauchen wir tief in das 18. Jahrhundert ein. Es ist die Zeit Maria Theresias (1717-1780), ihres Sohnes Joseph II. (1765 - 1790), Louis XV. (1710-1774) sowie den vielen kleinen deutschen Fürstentümern, die oft, wie Salzburg, von einem Erzbischof regiert werden.

Im Nachwort erfahren wir, welche Quellen Verena Maatmann für ihre Romanbiografie verwendet hat und wann es ihr notwendig und opportun erschienen ist, Lücken mit ihrer Fantasie zu füllen. So mag ich das! Ein historischer Roman, der auf Fakten basiert, aber zur leichteren Lesbarkeit bzw. zur Erhöhung von Spannung und Darstellung der einprägsamen Charaktere durch fiktive Dialoge oder zusätzliches Personal aufgewertet wird.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser Romanbiografie, die das schwierige Leben an der Seite eines Genies beschreibt, gerne 5 Sterne.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bellis-Perennis

Rezensionen von Bellis-Perennis:

Eine Hommage an eine fast Vergessene

Artemisia Gentileschi und Der Zorn der Frauen von Gabriela Jaskulla

Nachdem es einige Jahrhunderte sehr still um die bekannte Barockmalerin Artemisi Gentileschi (1593-1654) ist zu ihrem 370. Todestag diese fesselnd geschriebene Romanbiografie von Gabriela Jaskulla erschienen.

Zunächst ist Artemisias Leben das eines Kindes ihrer Zeit. Das erste einschneidende Erlebnis ist der Tod der Mutter als sie elf Jahre ist und sie die Aufgaben der Hausfrau, Mutter und jene der Haushaltshilfe übernehmen muss, weil der Vater Orazio, ein bekannter Maler, wieder einmal knapp bei Kasse ist und die Haushaltshilfe entlässt.

Artemisia muss auch dem Vater in der Malwerkstatt zur Hand gehen, das heißt Mineralien fein mahlen und die Farbpigmente mit Öl mischen. Dabei stellt sich heraus, dass auch sie begabt ist und erhält drei Jahre Unterricht durch ihren Vater.

Das nächste Ereignis, das die junge Artemisa beinahe aus der Bahn wirft, ist der Missbrauch durch den Freund und Malerkollegen des Vaters, Agostino Tassi. Das von Tassi gebrochene Eheversprechen wird im Mai 1612 zu einem Prozess führen, der für die damalige Zeit wohl einmalig ist. Orazio strengt ihn an, vermutlich um seine eigene Ehre zu retten. Allerdings verlangt das Gericht Artemisia so ziemlich alles ab. Denn Tassi bietet mehrere Zeugen auf, die Artemisia eines unzüchtigen Lebenswandels beschuldigen. Während Tassi großkotzig und ungestraft weitere Lügen verbreitet, wird Artemisia der Folter unterzogen, um die Wahrheit herauszufinden. Man schnürt ihr die Finger ab, doch sie bleibt dabei, dass Tassi sie vergewaltigt hat. Tassi wird schuldig gesprochen, doch der Schaden ist angerichtet. Orazio verheiratet seine Tochter kurz nach dem Ende des Prozesses 1612 mit Antonio Stiattesi, dem Sohn eines Apothekers mit dem sie nach Florenz zieht. Dort lernt sie einflussreiche Personen kennen und erhält zahlreiche Aufträge.

Mehrmals ist sie schwanger, aber nur ein Mädchen wird das Erwachsenenalter erreichen. Immer wieder steckst sie in Geldschwierigkeiten und reist unstet umher. Ihre Stationen werden abermals Rom sein, Venedig, dann wieder Florenz und reist sogar bis nach London sie als ihr Vater sie zu sich zitiert, ihren Lebensabend wird sie in Neapel verbringen wo sie 1631 den Ausbruch des Vesuvs erlebt. Über ihren Tod Anfang des Jahres 1654 ist nichts bekannt. Sie verschwindet in der Geschichte.

Meine Meinung:

Gabriela Jaskulla stellt den historischen Roman wie ein Gemälde in einen Rahmen. Nur, dass dieser Rahmen fiktive
Dreharbeiten zu einem Film sind. Wir können die Diskussionen rund um diverse Einstellung und vor allem um das Ende lautstark miterleben. Der ursprüngliche Plan, das Filmleben der Artemisia Gentileschi mit einem Showdown enden zu lassen, wird angesichts des Widerstand der Hauptdarstellerin verworfen.

Diese Rahmenhandlung finde ich ausgesprochen interessant. Damit kann Autorin all jene Lücken in Artemisias Biografie füllen, die den Roman zum Leben erwecken, aber nicht überliefert sind oder nur schwer nachvollziehbar sind. Die Prozessakten sind im Römischen Staatsarchiv aufbewahrt und dienen diesem historischen Roman als Grundlage. Ihr Leben lang und auch nach ihrer Wiederentdeckung wird Artemisia Gentielschi auf diesen Prozess reduziert.

Ihr Kunstschaffen, dessen Themen dem Zeitgeist des Barocks entsprechen, gerät in den Hintergrund. Bei Barockmalerei fallen den meisten Kunstinteressierten nur Namen wie Caravaggio oder van Dyck ein. Rund 50 Gemälde können eindeutig der Malerin zugeschrieben werden, einige sind verloren und wieder andere sind möglicherweise anderen Malern zugewiesen. Das Signieren von Bildern oder Plastiken ist (noch) nicht üblich.

Gabriela Jaskulla zeichnet ein interessantes Bild einer vielschichtigen, manchmal sehr modernen Frau, die sich immer wieder den damaligen Konventionen beugen muss. Andererseits erleben wir eine Frau, die, um ihre Leidenschaft ausleben zu können, nur wenige Kompromisse eingeht. Denn es gibt, neben Artemisia Gentileschi nur wenige Malerinnen im Barock wie z.B. Elisabetta Sirani (1638-1665), Sofonisba Anguissola (1531/32-1625) oder Lavinia Fontana (1552-1614).

Diese facettenreiche Romanbiografie ist eine gelungene Ergänzung zu Susanna Partschs Sachbuch: “Artemisia Gentileschi, kämpferische Barockmalerin, kompromisslose Geschäftsfrau, Künstlerin zwischen Florenz und Rom.“ das 2023 im Verlag Molden erschienen ist.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser gelungenen und facettenreichen Romanbiografie 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bellis-Perennis

Rezensionen von Bücherfreundin:

Schöne Liebesgeschichte - ganz wunderbar erzählt

Bevor wir uns vergessen von Éliette Abécassis; Kirsten Gleinig

Im Mittelpunkt von "Bevor wir uns vergessen", dem aktuellen Roman der französischen Autorin Éliette Abécassis, stehen Alice und Jules, die seit über 60 Jahren ein Paar sind.

Im ersten Kapitel, wir schreiben das Jahr 2022, lernen wir Alice und Jules kennen, die Mitte Achtzig sind und sich auf einer Parkbank im Jardin du Luxembourg treffen.

Die beiden sind sich sympathisch und kommen ins Gespräch, aber sie wissen nicht, dass sie sich nicht zum ersten Mal begegnen, dass ein gemeinsames langes Leben hinter ihnen liegt. 

Die Autorin erzählt die Geschichte in umgekehrter Chronologie und blättert dabei langsam die lebenslange Beziehung eines Paares auf, das durch Höhen und Tiefen gegangen ist. Alice ist 18 Jahre alt, als sie im Mai 1955 dem 22-jährigen Jules begegnet. Auf ihre zu Beginn heimliche Liebesbeziehung folgen Heirat und die Geburten ihrer beiden Kinder. Doch das Glück der beiden ist nicht von Dauer. Jules verfolgt mit viel Ehrgeiz und Fleiß seine Karriere als Architekt, während Alice sich um die Kinder und den Haushalt kümmert. Das Paar verbringt nur noch wenig Zeit miteinander, und Alice fühlt sich zunehmend von ihrem Mann vernachlässigt.

Der mitreißende Roman ist in ganz wunderbarer Sprache geschrieben und hat mich von Beginn an begeistert. Die Autorin hat die interessanten Figuren sehr authentisch skizziert. Ich mochte Alice und Jules und habe sie gern durch die Jahrzehnte begleitet, dabei nicht nur ihren Alltag erlebt, ihre Unzufriedenheit und Irrwege, sondern auch die tiefe Zuneigung gespürt, die sie verbindet. Obwohl sie so verschieden sind und unterschiedliche Eigenarten und Vorlieben haben, finden sie sich immer wieder. Jules liebt und verehrt seine Frau, dennoch können sie ihr Glück nicht bewahren. 

Die Geschichte, in der es um Liebe, Leidenschaft und Sehnsucht, Untreue und Altwerden geht, hat mir sehr gut gefallen, sie hat mich gefesselt und tief bewegt. Ich fand das Buch ganz großartig, ich mochte die kluge Sprache und den außergewöhnlichen, rückwärts gerichteten Erzählstil. Ich mochte auch Alice und Jules, auch wenn ich ihre Handlungsweisen nicht immer verstanden habe. Dass die beiden trotz aller Widrigkeiten und Enttäuschungen eine tiefe Liebe verbindet, die sie bis in hohe Alter zusammenhält, hat mich sehr berührt. Ein krönender Abschluss ist für mich der Brief am Ende des Buches, den Jules nach ihrem Kennenlernen an Alice geschrieben hat und der eine wichtige Rolle in der Geschichte spielt.

Leider umfasst das Buch nur 174 Seiten. Gern hätte ich noch viel mehr über Alice und Jules gelesen - absolute Leseempfehlung für diesen großartigen Roman!

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücherfreundin

Rezensionen von liesmal:

Nur die Sehnsucht bleibt

Aus guter Familie. Leidensgeschichte eines Mädchens von Gabriele Reuter

Ich beginne mal mit dem Ende: Das Nachwort von Tobias Schwartz mit vielen Zusatzinformationen nicht nur zu Gabriele Reuter, sondern auch zu anderen Autor*innen und über das Leben in der Zeit kurz vor Beginn des 19. Jahrhunderts war für mich äußerst interessant und wissenswert. Besonders beeindruckt hat mich hier das, was Schwartz erwähnt zu Reuters späterem Romann „Das Tränenhaus“, in dem sie die Zustände in einer „Gebäranstalt“ beschreibt.

Welch ein gruseliges Wort!
„Aus guter Familie“ ist die junge Agathe, die so gern ein selbstbestimmtes Leben führen möchte. Sie hat es nicht einfach und kann sich gar nicht persönlich entfalten, weil von allen Seiten Vorschriften und Auflagen eingehalten und Pflichten erfüllt werden müssen. Dabei ist ihr Freiheitsdrang so groß und ebenso der Wunsch nach Liebe und Zuneigung.
Das Buch wurde herausgegeben unter dem Label „Reclams Klassikerinnen“. Die Autorin Gabriele Reuter erzählt Agathes Geschichte eindringlich und beschreibt ihre Gefühle sehr authentisch. Der Schreibstil passt so gar nicht in die heutige Zeit, ist darum eher etwas befremdlich für mich, aber dennoch sehr fesselnd. Ich habe mich mitnehmen lassen in die Vergangenheit und konnte Agathe voller Mitgefühl begleiten.
Und auch, wenn die Buchbeschreibung bereits stichwortartig das gesamte Leben Agathes erzählt, so ist ihre Geschichte doch so dramatisch geschrieben und lässt mehr als einen Hauch von dem zurück, welche Bedeutung das Leben in der damaligen Zeit nicht nur für Agathe hatte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von liesmal

Rezensionen von Anndlich:

Das Rätsel um den Toten!

Mord im Antiquitätenladen von Waldi Lehnertz

Siggi kommt nach einem erfolglosen Angelmorgen zurück in seinen Antiquitätenladen und findet eine Leiche in seinem Laden vor. Der tote Mann sitzt auf einem seiner Sessel und starrt ihn an. Siggi verlässt fluchtartig seinen Laden und verständig die Dorfpolizei, doch bis diese eintrifft ist der Tote plötzlich verschwunden und mit seinem Verschwinden ein neues antikes Stück in Siggis Laden eingetroffen.

Der Polizist Gunnar glaubt Siggi kein Wort, nur seine neue Reinigungskraft zweifelt nicht an der Geschichte und so machen sich die beiden auf die Suche nach dem Mörder und der Leiche.

Mord im Antiquitätenladen von Waldi Lehnertz ist ein kurzweiliger Krimi. Der Schreibstil und der Humor sind sehr einfach gehalten, sowohl vom Humor als auch von der Geschichte selbst, habe ich mir jedoch deutlich mehr zum Mitdenken erhofft. Die Geschichte unterhält, aber sie ist ein sehr leichtes Programm, das auf viele Zufälle und Glück basiert und nicht zu sehr mit Logik betrachtet werden sollte. Die Charaktere sind alle auf ihre Art schrullig, was ich durchaus positiv meine, vor allem bei Doro. Doch auch bei den Charakteren sollte man sich bewusst sein, dass sie überzeichnet werden, ihre Verhaltensweisen sind überspitzt dargestellt, weswegen sich die Handlungen nicht wirklich nachvollziehen lassen.

Als Buch für Zwischendurch sicherlich ein unterhaltsamer Krimi, den man nicht zu ernst nehmen sollte, um ihn lesen zu können. Ich hatte immer wieder den Eindruck, dass es ein guter/typischer Krimi aus dem ARD-Vorabendprogramm sein könnte. Es reicht aber eben nicht für die Primetime.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Anndlich

Rezensionen von peedee:

Nostalgie pur

Alle warten auf das Lebkuchenweiblein von Heidi Knoblich

Ida freut sich, dass sie ihre Grossmutter über die Berge in die Stadt begleiten darf. Ihre Grossmutter ist nämlich das Lebkuchenweiblein, das Todtmooser Lebkuchen zum Weihnachtsfest bringt. Durch den vielen Schnee ist der Weg gar arg beschwerlich und sie verspäten sich. Hinter dem grossen Wald fragt sich Jakob, ob das Lebkuchenweiblein sie vergessen habe.

Die Mutter hat gesagt, wenn es nicht kommt, wird es auch nicht Weihnachten. Jakob muss unbedingt Weihnachten retten! Mit Illustrationen von Martina Mair.

Erster Eindruck: Ein grossformatiges Hardcover mit etlichen ganzseitigen Zeichnungen – gefällt mir sehr gut.

Es ist ein aufregender Tag für Ida, dem sie schon lange entgegengefiebert hat: sie ist endlich gross genug, um mit dem Lebkuchenweiblein die Lebkuchen verkaufen zu gehen. Aber es hat sich nicht vorgestellt, wie beschwerlich der Weg bei dem vielen Schnee sein würde. Aber die Freude bei den Familien, denen sie Lebkuchen bringen, wiegt alles wieder auf – auch die nassen und kalten Füsse.
Jakob und seine Geschwister warten ganz ungeduldig auf das Lebkuchenweiblein. Aber es kommt einfach nicht. Hat es sie vergessen? Ohne Lebkuchen kein Weihnachtsfest! Ob dem Lebkuchenweiblein etwas passiert ist? Er will es unbedingt finden…

Der Verlag hat das Buch für Kinder ab 4 Jahren ausgeschrieben. Aus meiner Sicht ist dieses Buch erst für Kinder ab etwa 8 Jahren geeignet, denn für kleinere Kinder hat es m.E. zu wenig Bilder und zu viel Text. Alles in allem ein sehr schönes, nostalgisches Weihnachtsbuch, das von mir sehr gerne 5 Sterne erhält (und jetzt hätte ich doch gewiss auch Lust auf Lebkuchen!).

im Shop ansehen weitere Rezensionen von peedee

Rezensionen von Claudia R.:

bewegend ...

Ukrainekind von Martin Kreuels

Klappentext / Inhalt:

24.02.2022. Ein Datum, welches immer wieder genannt wird und das in die Geschichte eingehen wird. Experten haben gewarnt, besonders diejenigen, die sich mit Putin seit geraumer Zeit beschäftigt haben. Nun ist es also so weit und Putin greift Selenskyis Ukraine an. Olaf Scholz, der deutsche Bundeskanzler, wird von der Zeitenwende sprechen.

Das Buch handelt von Danylo aus Fastiw. Ob es ihn gibt, weiß ich nicht, genauso wenig weiß ich, ob es seinen besten Freund Mykyta gibt. Zwei fiktive Jungen, die die Zeit des Krieges erleben. Sie sind schon zu alt, als dass es an ihnen vorbeigeht, und sie sind zu jung, um handeln oder gar Einfluss nehmen zu können. Sie müssen es aushalten. Sie machen sich Gedanken, werden beschädigt, sowohl körperlich als auch seelisch. Was sie davon in ihre jeweilige Zukunft tragen, wird die Zeit zeigen. Ihnen gebe ich hier Raum und vielleicht sprechen sie für andere Kinder in einer Zeit, der sie nicht ausweichen können. In der es darum geht, dass jemand ihnen die Zukunft nehmen will. Den Kindern wird die Kindheit genommen. Sie werden schneller zu Erwachsenen, als es für ihre Entwicklung gut ist.

Cover:

Dunkel und vom Feuer erhellt, ist der kriegerische Hintergrund auf dem Cover prägend und symbolisch durch einen Handschlag vereint, stehen zwei Jungs hier im Vordergrund, die vom Krieg gezeichnet wurden. Optisch und auch farblich wird die Atmosphäre der Geschichte herübergebracht. Bereits das Cover bewegt und berührt.

Meinung:

Zwei fiktive Charaktere, die es so aber durchaus geben hat oder geben könnte, geben der Geschichte Tiefe und Einblicke in den Krieg und die Situationen, die bewegen und berühren. Der Ukraine Krieg verändert, prägt und beeinflusst nicht nur die Erwachsenen, sondern besonders auch die Zukunft und Heranwachsenden. Lernen wir nichts aus der Vergangenheit? Wird es endlich einen Durchbruch und eine Änderung geben?

Tiefgründige und bewegende Gedanken, Einblicke, die nahe gehen und ergreifen.

Doch zu viel vom Inhalt möchte ich hier nicht erzählen, ich kann nur empfehlen, das Buch einfach selbst zur Hand zu nehmen.

Danylo aus Fastiw und sein Freund Mykyta werden seelisch und auch körperlich durch die Situation in der Ukraine geprägt und machen sich Gedanken, welche auch den Leser berühren. Der Schreibstil ist emotionsreich, bewegend und flüssig lesbar. Schnell findet man in die Situationen, Ängste, Gedanken und Charaktere hinein.

Die Kapitel sind teils recht kurz und machen so ein angenehmes und schnelles Lesen möglich. Die kurzen Kapitel erhöhen so auch das Tempo und auch Bewegung durch Emotionen wird hier hereingebracht. Die Überschriften sind passend, ohne zu viel vorweg zu nehmen. Die kleinen Verzierungen machen die Anfänge deutlich. Gliederung und Gestaltung haben mir gut gefallen.

Die Geschichte ist bewegend und emotionsreich umgesetzt und stimmt zugleich nachdenklich.

Die Ich-Perspektive macht es nochmals spürbarer und näher. Die Empfindungen kann man spüren und fast fühlen und man kommt nah an alles heran, was es zugleich sehr bewegend macht. Eine Geschichte, die nachhallt und nachdenklich stimmt. Tragisch und feinfühlig zugleich...

Fazit:

Eine Geschichte mit Tiefe, bewegend und emotionsreich.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Claudia R.