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Rezensionen von April1985:
Ein großartiger Debütroman inspiriert von historischen Ereignissen voller Spannung und Manipulation
To Gaze Upon Wicked Gods von Molly X. Chang
>>Das Portal der Römer lauerte über uns wie ein stilles Versprechen. Ein Riss im Himmel, der leise und unheilvoll leuchtete.<<
(Zitat aus 'To Gaze Upon Wicked Gods', S. 73)
Inspiriert von historischen Ereignissen, den Gräueltaten, die sich in der Mandschurei in der Zeit russischer und japanischer Besatzung, zugetragen haben, ist 'To Gaze Upon Wicked Gods' ein wirklich außergewöhnliches Werk von Molly X.
Chang. Wie es schon ihr mandachurischer Großvater gemacht hat, aus dem Erlebten Gruselgeschichten von Geistern und Dämonen zu spinnen, macht es auch die Autorin. 'To Gaze Upon Wicked Gods' ist ein fiktives Werk, es erinnert allerdings an Ereignisse, die China während der Zeit der Unterdrückung durchlebt hat. In Mittelpunkt ein junges Mädchen namens Ruying, welche gezwungen ist, sich gegen ihr eigenes Volk - gegen Er-Lang - zu stellen, im Namen des römischen Prinzen Augustus zu töten, um einen drohenden Krieg zwischen den Reichen, zwischen Magie und Wissenschaft, zu verhindern.
Ich mochte Ruying vom Fleck weg gerne. Ihre Familie, ihre Großmutter und ihre Zwillingsschwester Meiya stehen für Ruying an erster Stelle. Für sie tut Ruying wirklich alles, selbst wenn sie dafür ihre eigenen Moralvorstellungen über Bord werden muss. Ruying ist ein Xianling - ein magiebegabter Mensch. In ihrem Blut fließt die Macht des Todes. Diese erlaubt ihr Menschen ihr Qi, ihre Lebensenergie, zu rauben. Als der römische Thronfolger Augustus auf Ruying aufmerksam wird, stellt er sie vor eine folgenschwere Entscheidung. Ruying soll ihm helfen und zu seiner Waffe werden, andernfalls erwarten sie und ihre Familie der Tod und Er-Lang der Untergang.
Molly X. Chang ist es richtig gut gelungen Ruyings Zerrissenheit zu beschreiben. Die Schuldgefühle, die sie plagen, ihre eigene Macht, die sie zu überrollen droht, aber auch die Entwicklung, die Ruying durchmacht, habe ich als sehr intensiv wahrgenommen. Genauso wie die Liebe zu ihrer Familie, aber auch die Zuneigung, die sie für den Prinzen entwicket.
Die Charaktere haben mich tatsächlich am meisten beeindruckt, während ich mit dem Worldbuilding anfangs einige Schwierigkeiten hatte. Die Idee, dass eine fremde Macht über ein Portal die Welt Pangu einnimmt, dieses besetzt und die Menschen unterdrückt, mit Drogen gefügig macht, fand ich schon gut umgesetzt. Bei manchen Beschreibungen musste ich an Stargate denken. Dass es sich die den Besatzern um Römer handelt, musste ich erst Mal in meinem Kopf unterbringen. Römer, die Schusswaffen und Kampfjets bedienen, ist ein Bild, das für mich nicht ganz stimmig ist. Insgesamt hat es mich aber natürlich nicht vom Lesen abgebracht.
Ich wollte wissen welchen Weg Ruying einschlagen wird, was sie aus ihrer von den Göttern verliehenen Macht herausholt. Wie hoch der Preis ist, den sie zahlen muss. Und natürlich was Augustus mit seiner wohl mächtigsten Waffe wirklich vorhat.
Grandios ist auch der Schreibstil der Autorin. Die Gräueltaten sind nüchtern erzählt, wirken dadurch noch brutaler. Die geschickt eingesetzten Sinnspüche und Redewendungen verleihen dem Roman etwas Poetisches und Anmutiges. Alles sehr einnehmend.
Bist du bereit für einen Krieg zwischen Magie und Wissenschaft? Und wie weit würdest du gehen, um jene zu beschützen, die du liebst? Fragen, mit denen man konfrontiert wird, die einen zweifeln lassen und aufrütteln.
Fazit
Ein großartiger Debütroman inspiriert von historischen Ereignissen, voller Spannung und Manipulation. Große Empfehlung!
Rezensionen von April1985 :
Ein großartiger Debütroman inspiriert von historischen Ereignissen voller Spannung und Manipulation
To Gaze Upon Wicked Gods - Falsche Götter (Collector's Edition) von MollyX. Chang
>>Das Portal der Römer lauerte über uns wie ein stilles Versprechen. Ein Riss im Himmel, der leise und unheilvoll leuchtete.<<
(Zitat aus 'To Gaze Upon Wicked Gods', S. 73)
Inspiriert von historischen Ereignissen, den Gräueltaten, die sich in der Mandschurei in der Zeit russischer und japanischer Besatzung, zugetragen haben, ist 'To Gaze Upon Wicked Gods' ein wirklich außergewöhnliches Werk von Molly X.
Chang. Wie es schon ihr mandachurischer Großvater gemacht hat, aus dem Erlebten Gruselgeschichten von Geistern und Dämonen zu spinnen, macht es auch die Autorin. 'To Gaze Upon Wicked Gods' ist ein fiktives Werk, es erinnert allerdings an Ereignisse, die China während der Zeit der Unterdrückung durchlebt hat. In Mittelpunkt ein junges Mädchen namens Ruying, welche gezwungen ist, sich gegen ihr eigenes Volk - gegen Er-Lang - zu stellen, im Namen des römischen Prinzen Augustus zu töten, um einen drohenden Krieg zwischen den Reichen, zwischen Magie und Wissenschaft, zu verhindern.
Ich mochte Ruying vom Fleck weg gerne. Ihre Familie, ihre Großmutter und ihre Zwillingsschwester Meiya stehen für Ruying an erster Stelle. Für sie tut Ruying wirklich alles, selbst wenn sie dafür ihre eigenen Moralvorstellungen über Bord werden muss. Ruying ist ein Xianling - ein magiebegabter Mensch. In ihrem Blut fließt die Macht des Todes. Diese erlaubt ihr Menschen ihr Qi, ihre Lebensenergie, zu rauben. Als der römische Thronfolger Augustus auf Ruying aufmerksam wird, stellt er sie vor eine folgenschwere Entscheidung. Ruying soll ihm helfen und zu seiner Waffe werden, andernfalls erwarten sie und ihre Familie der Tod und Er-Lang der Untergang.
Molly X. Chang ist es richtig gut gelungen Ruyings Zerrissenheit zu beschreiben. Die Schuldgefühle, die sie plagen, ihre eigene Macht, die sie zu überrollen droht, aber auch die Entwicklung, die Ruying durchmacht, habe ich als sehr intensiv wahrgenommen. Genauso wie die Liebe zu ihrer Familie, aber auch die Zuneigung, die sie für den Prinzen entwicket.
Die Charaktere haben mich tatsächlich am meisten beeindruckt, während ich mit dem Worldbuilding anfangs einige Schwierigkeiten hatte. Die Idee, dass eine fremde Macht über ein Portal die Welt Pangu einnimmt, dieses besetzt und die Menschen unterdrückt, mit Drogen gefügig macht, fand ich schon gut umgesetzt. Bei manchen Beschreibungen musste ich an Stargate denken. Dass es sich die den Besatzern um Römer handelt, musste ich erst Mal in meinem Kopf unterbringen. Römer, die Schusswaffen und Kampfjets bedienen, ist ein Bild, das für mich nicht ganz stimmig ist. Insgesamt hat es mich aber natürlich nicht vom Lesen abgebracht.
Ich wollte wissen welchen Weg Ruying einschlagen wird, was sie aus ihrer von den Göttern verliehenen Macht herausholt. Wie hoch der Preis ist, den sie zahlen muss. Und natürlich was Augustus mit seiner wohl mächtigsten Waffe wirklich vorhat.
Grandios ist auch der Schreibstil der Autorin. Die Gräueltaten sind nüchtern erzählt, wirken dadurch noch brutaler. Die geschickt eingesetzten Sinnspüche und Redewendungen verleihen dem Roman etwas Poetisches und Anmutiges. Alles sehr einnehmend.
Bist du bereit für einen Krieg zwischen Magie und Wissenschaft? Und wie weit würdest du gehen, um jene zu beschützen, die du liebst? Fragen, mit denen man konfrontiert wird, die einen zweifeln lassen und aufrütteln.
Fazit
Ein großartiger Debütroman inspiriert von historischen Ereignissen, voller Spannung und Manipulation. Große Empfehlung!
Rezensionen von Harakiri:
Ein Buch, das man nicht mehr vergisst
Die Frauen jenseits des Flusses von Kristin Hannah
Frances Mc Grath ist Krankenschwester. Als ihr Bruder im Vietnam-Krieg fällt, beschließt sie, sich freiwillig für den Sanitätsdienst zu melden. Was sie hier erlebt, ist alles andere als einfach. Dennoch lernt sie, zu überleben und zu funktionieren.
Ein klasse Buch! Ich war von Anfang an in der Handlung gefangen und finde, dass die Autorin die Schrecken und Gräuel der Zeit sehr gut eingefangen und geschildert hat.
Kaum jemand weiß, wie es den Schwestern damals ging und Hannah gibt diesen Frauen eine Stimme.
Der Autorin gelingt es sehr gut, die inneren Konflikte und die unerschütterliche Stärke der Frauen darzustellen. Die Figuren sind vielschichtig und authentisch, und ihre Entwicklungen sind sowohl glaubwürdig als auch inspirierend. Frances Entwicklung mitzuerleben hat mir viel Spaß gemacht. Von der fast schüchternen Jugendlichen zur reifen Frau.
Auch Liebe gab es in den Lagern und die braucht Frances auch dringend. Auch hier schildert Hannah sehr eindrücklich was der Krieg und der Schrecken mit den Menschen machen.
Sehr gut fand ich auch die historische Recherche und die Darstellung des täglichen Lebens während des Krieges. Sie sind eindrucksvoll und lassen die Leser die Qualen und den Mut der Protagonisten hautnah miterleben.
Fazit: was Hannah hier wieder abliefert ist ganz groß. Sehr beeindruckend und packend. Ein Buch, das man nicht so schnell vergisst.
Rezensionen von BR:
Ben ist mir unsympathisch
Sobald wir angekommen sind von Micha Lewinsky
Ich merke es fällt mir schwer ein Buch gut zu finden, wenn ich den Protagonisten nicht mag. Diesen Ben Oppenheim mochte ich von Anfang an nicht. Er ist Jude, erfolgloser Autor, Vater von zwei Kindern und wurde von seiner Ehefrau Marina verlassen. Mittlerweile hat er eine Beziehung zu der jüngeren, attraktiven Julia.
Als wir ihn kennenlernen ist er mit der Angst vor einem drohenden Atomkrieg beschäftigt. Aus seiner Sicht sollte er seinem jüdischen Fluchtinstinkt folgen und aus Europa fliehen. Da er sich mit seiner Exfrau bespricht und Brasilien als ideales Ziel definiert bucht diese kurzentschlossen einen Flug für sich, Ben und die beiden Kinder. Seine Freundin Julia informiert er gar nicht und hatte auch keinen Gedanken darin, eventuell sie und ihren Sohn mitzunehmen. Diese Angst und der Fluchtgedanke können in der heutigen Zeit real sein.
So wie es Ben definiert und erlebt ist dieses Thema recht unterhaltsam und mit Humor übermittelt. Sein Verhalten und sein Umgang mit den beiden Frauen wird ironisch und auch teils tollpatschig geschildert.
Was mich gestört hat ist der Charakter von Ben. Ein Beispiel dazu auf Seite 67 zu finden: "Er hätte gerne eine eigene Wohnung gehabt. Er sah die Vorteile der Unabhängigkeit. Er sah aber auch die Nachteile. Das Alleinsein. Ungewaschene Wäsche, Schimmel im Bad, Herzinfarkt, …"
Ben ist bequem, auf sich bezogen, zu nichts bezieht er klar Stellung. Wenn er es doch einmal tut z.B. als er sich von Brasilien aus von Julia trennt, bereut er gleich darauf wieder. So ist er in diesem Fall sogar beleidigt dass Julia sich nicht doch meldet bzw. dass sie wohl zuhause ihr Leben weiterlebt und sogar mit einer Freundin verreist.
Rezensionen von Harakiri:
Tick Tack
Stalker - Er will dein Leben. von Arno Strobel
Als Eric Sanders eine Rolle im Tatort bekommt, scheint sein Berufsleben in die richtige Spur zu geraten. Doch sein Erfolg lockt auch Neider auf den Plan und was relativ harmlos beginnt steigert sich bald zu einem Fall von Gewalt.
Arno Strobel ist immer ein Garant für spannende Lesestunden. So auch in seinem neuen Psychothriller, der keiner Reihe angehört.
Während des Lesens konnte ich mich gut in Eric hineinversetzen und habe gebannt seine Jagd nach seiner Vergangenheit verfolgt.
Strobel hält den Leser mit vielen Wendungen und überraschenden Einfällen auf Trab. Allein die Idee, dass sein Protagonist einen Mord gestehen soll, von dem dieser nichts weiß, ist erfrischend anders als alles was es sonst so auf dem Thriller-Markt gibt.
Mit dem Ende war ich nicht ganz zufrieden, aber es passt sehr gut zu Strobel.
Fazit: Ein Buch, das sich liest wie eine Achterbahnfahrt.
Rezensionen von yellowdog:
Afrikanischer Sonnenaufgang im Hochsauerland
Der Drahtzieher von Sarah Pines
Der Drahtzieher ist Sarah Pines erster Roman. Zuvor hat sie ein Kurzgeschichtenband veröffentlicht.
Der Drahtfabrikant Theodor hat eine Beziehung mit Alba, die aber auch Albert zugeneigt ist. Dazu kommt noch Marthe, die Beziehungen zu Theo und auch Albert hatte.
Latent erinnert mich die Figurenkonstellation und Stimmung an Goethes Die Wahlverwandtschaften.
Der Roman ist anfangs einigermaßen getragen gehalten. Das wird sich später ändern, z.B. spät im Buch bei einer Treibjagd.
Die Figuren sind sich ihrer selbst oft nicht sicher und gehen nur selten aus sich heraus.
Es kommt dennoch zu Auseinandersetzungen zwischen Theo und Alba. Die Autorin scheut keine drastischen Beschreibungen. Diese Abschnitte machen Eindruck. Die Stärke des Romans ist es, innere Bewusstseinszustände zu zeigen.
Rezensionen von yellowdog:
Der Schmerz
Das Haus in dem Gudelia stirbt von Thomas Knüwer
Das Haus in dem Gudelia stirbt ist ein intensives Psychodrama, das den Leser emotional anspricht.
Gudelia und Heinz Krol erleiden den Verlust ihres 15jährigen Sohnes Nico. Möglicherweise war es ein Verbrechen aus Hass, denn es wurde behauptet, Nico wäre schwul und wurde möglicherweise von Mitschülern gemobbt.
Für das Paar bricht die Welt zusammen. Die Perspektive liegt bei Gudelia und man kann ihren Schmerz über den Verlust spüren und ihre Wut auf den möglichen Täter.
Thomas Knüwer baut die Handlung geschickt in drei immer wieder wechselnden Zeitebenen auf. 1984 als Nico zu Tode kommt, 1998 als sich Gudelia und Heinz trennen und 2024 als eine Flut kommt und auch das Haus der inzwischen 81jährigen Gudelia erreicht.
Die Intensität des Buches, das mehr als nur ein Krimi ist, bleibt von Anfang bis Ende hoch.
Rezensionen von PMelittaM:
Konnte mich nicht so recht überzeugen
Düstergrab von Romy Fölck
Am Tag nach der Beerdigung eines alten Schulfreundes Fridas meldet sich der Totengräber bei ihr, das Grab scheint geschändet, wurde etwa der Leichnam entwendet? Wie sich herausstellt, ist das Gegenteil der Fall, auf dem Toten liegt eine weitere Leiche, ein junges Mädchen. Es kommt noch schlimmer, denn die Tote ist offenbar zusammen mit ihrer Zwillingsschwester vor ein paar Jahren spurlos verschwunden.
Da Bjarne Haverkorn mittlerweile Cold Cases bearbeitet, wird er für die Ermittlungen seinem alten Team zugewiesen. Diese kommen nur schwer in Gang, und dann gibt es auch noch ein Attentat auf ein Teammitglied.
Der sechste Band der Reihe fordert Frida einiges ab, sie bekommt sogar Zweifel, ob sie wirklich den richtigen Beruf gewählt hat. Vor allem der verletzte Kollege bringt sie sehr ins Grübeln. Dazu ist ihr Freund für längere Zeit in Bayern und sie fragt sich, wie die Beziehung weitergehen wird. Bereitet die Autorin womöglich das Ende der Reihe vor?
Leider hat mir dieser Band weniger gut gefallen als frühere, so fand ich den Fall um das tote Mädchen ausreichend, der zusätzliche Anschlag auf den Polizisten zu viel. Daraus hätte man vielleicht einen eigenen Fall machen können.
Auch sonst wirkt manches für mich etwas aufgesetzt, zum Beispiel auch das Verhalten des verletzten Kollegen Fridas, es gibt einige Klischees und zu wenig Spannung. Die Auflösung konnte mich auch nicht richtig überzeugen. Wahrscheinlich fände ich es gar nicht so schlimm, wenn die Reihe bald zu einem Ende käme.
Natürlich ist es schön, die bekannten Charaktere wiederzutreffen. Überzeugt hat mich auch wieder Bjarne, der einfach sehr sympathisch ist. Ich mag, dass er neu verliebt ist, das steht ihm gut, und seine Freundin ist sehr sympathisch. Interessant fand ich auch die Storyline rund um das Eichenblatt, das auf der Toten gefunden worden ist, hier gab es informative Hintergrundinformationen.
Für mich ist dieser Roman leider einer der schlechteren der Reihe, einiges wirkt aufgesetzt, es fehlt an Spannung und auch die Auflösung konnte mich nicht recht überzeugen.
Rezensionen von MarcoL:
Literarisch äußerst wertvoll. Wunderbar komponierte Lebensgeschichten.
Bei aller Liebe von Jane Campbell
Ich muss zugeben, ich tat mich etwas schwer, über dieses Buch zu schreiben. Für mich ist es ein literarisches Kleinod erster Güte, aber es ist vielschichtig und voluminös in seinen Inhalten, sodass sich die Gedanken erstmal sortieren müssen. Die Autorin lässt in sechs Kapiteln drei Personen ausführlich zu Wort kommen.
Sie haben alle einiges zu erzählen von ihrem langen Leben. Sie kennen sich natürlich untereinander. Auch wenn man mehr oder weniger von Anfang an die Verstrickungen der Hauptprotagonist:Innen untereinander kennt, werden sie im Laufe der Geschichte immer noch intensiver. Aus ersten, vorsichtigen Ansätzen, aus „Warums“ oder „WarumNicht“ werden nach und nach Antworten, die mit viel Feingefühl miteinander verwoben werden.
Eigentlich dreht sich die meiste Handlung um Agnes, bzw. ihrer Lebensgeschichte. So erzählt ihr Onkel Malcolm vom tragischen Tod ihrer Mutter Sophy. Sophy überreichte ihm kurz vor ihrem Unfall einen Brief mit der Bitte, ihn Joe auszuhändigen. Am Sterbebett fragte sie Malcolm noch, ob er sein Versprechen eingelöst hatte. Und damit nimmt die ganze Geschichte ihren Lauf. Über eine Spanne von fünfzig Jahren erzählen uns Malcolm, Joseph und Agnes von ihrem Leben, ihren Beziehungen untereinander, von viel Liebe und Dingen, die Unausgesprochen blieben und vor allem Agnes mit sich trug. Und selbstverständlich vom Brief, den uns Malcolm nicht vorenthält.
Der Verlust der Eltern im Kindesalter, so finde ich, ist der Drehpunkt des ganzen Romans. Traumata, Ängste, Hoffnungen, Liebe und Trauer sind herrlich miteinander verwandte Themen, die diesen Roman so lesenswert waren.
Die Rahmenhandlung ist die Hochzeit von Agnes‘ Tochter. Alle drei Erzähler:Innen halten sich an diesem Tag am selben Ort auf, und die entscheidenden Szenen passieren. Die chronologische Struktur baut sich zwar im Jetzt auf, aber alle drei Personen verfallen während ihres Parts in die Vergangenheit und präsentieren uns aus deren Sicht ein Puzzleteil nach dem anderen.
Und letztendlich stellt sich die ganz große Frage: wie beeinflusst die Vergangenheit verschiedener Personen die Gegenwart einer/eines Einzelnen.
Campell, in ihrem Beruf war sich Psychoanalytikerin, gibt ihren drei Haupthandlungsträger:Innen ebenfalls die Titel von Psychotherapeut:Innen, plaudert somit gekonnt ein wenig aus dem Nähkästchen, ohne die Leserschaft damit zu überfordern.
Der Sprachstil ist sehr gehoben, wunderbar formulierte Sätze – Riesenlob an die Übersetzerin Bettina Abarbanell – die oft ein wahrer Genuss sind. Vielleicht hätte der Roman in Summe ein wenig gestrafft werden können, aber das ist nur meine subjektive Meinung.
Sehr gerne gebe ich für diesen ausnehmend schön geschriebenen Roman eine Leseempfehlung, und wen Jane Campbells Kurzgeschichtensammlung schon fasziniert hat, kommt hier aus dem literarischen Staunen bestimmt nicht heraus.
Rezensionen von Petra Sch.:
Toller Auftakt der Gardasee-Krimi-Reihe mit viel Wohlfühlcharakter
Salute - Der letzte Espresso von Friedrich Kalpenstein
4,5 Sterne
Paul Zeitler hat seinen alten Job als Polizist in München an den Nagel gehängt und von seiner guten Freundin ein Café in Bardolino am wunderschönen Gardasee übernommen, wo er nun ein ruhiges und entspanntes Leben führt.
Bis er eines Tages eine männliche Leiche im WC seines Lokals findet.
Es macht riesigen Spaß, Paul und sein Leben in dem wunderschönen Urlaubsort kennenzulernen. Es ist alles so bildlich beschrieben, man hat alles genau vor Augen und man fühlt sich sofort in Urlaubsstimmung und total wohl dort.
Die lebendigen Figuren, zB Pauls Nachbarin Lisa, die einen Klamottenladen hat, und deren Chihuahua-Hündin Principessa ständig zu Paul kommt; der (obligatorisch) grummelige Ermittler Commissario Lanza und die superneugierige junge Journalistin Antonia (und natürlich auch alle anderen vorkommenden Personen) machen das Ganze zu einer gelungenen Komposition.
Lustig ist natürlich mitzuerleben, wie Paul mit dem Ganzen eigentlich nix zu tun haben will und seine Ruhe flöten geht; und er sich dann auch noch mit dem für ihn nervigen Ermittler herumschlagen muss (der natürlich IHN verdächtigt). Der Schlagabtausch zwischen Zeitler und Lanza war besonders unterhaltsam.
Klar, dass der Mord ohne Pauls Neugier und Mithilfe eigentlich nicht hätte gelöst werden können ;)
Und auch der Fall selbst ist spannend, komplex und man rätselt mit und wechselt von einem Verdächtigen zum nächsten - der Autor präsentiert genug verdachterregende Figuren, die allesamt ein Motiv haben könnten und/oder sich extrem verdächtig verhalten.
Die Auflösung ist dann doch überraschend aber auch irgendwie nicht ;) aber authentisch, und ich wurde sehr gut unterhalten.
Ich freue mich schon auf die nächste Reise in den schönen Ort am Gardasee, bei dem ich wieder mit Paul und Zeitler gemeinsam ermitteln kann!
Fazit:
Ein toller Auftakt der Gardasee-Krimi-Reihe mit einem sympathischen Barista, einem grummeligen Ermittler, einer wuseligen Hundedame und ganz viel Wohlfühlcharakter und Urlaubsflair!











