Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Petra Sch.:
Mrs Potts und ihre Freundinnen ermitteln zum 3. Mal
Mrs Potts' Mordclub und der tote Bürgermeister von Robert Thorogood
Bei der Sitzung des Marlower Bauauschusses stirbt plötzlich der allseits beliebte Bürgermeister Geoffrey Lushington.
Es werden Spuren von Akonit, dem giftigen Eisenhut, in seinem Kaffee gefunden - er wurde also ermordet!
Wer wollte den netten Bürgermeister, der bei allen beliebt war und über den alle nur Gutes zu berichten wissen, tot sehen?
Das ist klar ein Fall für die Kreuzworträtsel-Erstellerin Judith Potts und ihre beiden Freundinnen Becks Starling, die Frau des Pastors, und die Hundesitterin Suzie Harris - Suzie war sogar bei der Sitzung als Gast dabei und hat alles live miterlebt.
Man fühlt sich sofort wieder wohl und zuhause in dem kleinen Örtchen Marlow an der Themse, der Schreibstil ist gewohnt charmant, lebendig und humorvoll, doch Judith ist mir leider viel zu übergriffig. Sie macht das Gegenteil von dem, worum sie gebeten wird und auch oftmals entgegen dem Gesetz. Obwohl die drei Damen diesmal sogar als offizielle Helfer der Polizei zur Seite gestellt werden.
Deshalb war es diesmal nicht so störend, dass die Polizei, in Form von Tanika Malik, die befördert wurde, gefühlt nicht ermittelt, sondern alles von den drei schrulligen Hobbydetektivinnen erledigt wird.
Aufgebaut ist der Kriminalfall wie ein klassischer Whodunit. Als Verdächtige werden die vier anderen Stadtratsmitglieder sowie drei Außenstehende präsentiert, die alle ein Geheimnis und somit einen Grund für den Mord haben, was von den drei Ladies nach und nach aufgedeckt wird. Es macht richtig Spaß, beim Ermitteln, Aufdecken der Puzzlesteinchen, dem Schwenken von einem Verdächtigen zum Nächsten und dem Rätseln dabei zu sein.
Die Auflösung war zwar einleuchtend, allerdings konnte ich nicht so wirklich nachvollziehen, wie Judith auf die Lösung gekommen ist. Und auch die Präsentation in Agatha-Christie-Manier fand ich etwas überzogen.
Fazit:
Im 3. Teil der Mordclub-Reihe sind Judith Potts, Suzie Harris und Becks Starling offizieller Teil der spannenden Ermittlungen am Mord des Marlower Bürgermeisters. Mit gewohnt britischem Landhaus-Charme, Humor und Wohlfühl-Charakter. Leider konnte mich die Auflösung mal wieder nicht ganz überzeugen.
Rezensionen von Ele:
Venezianische Perlen
Das Geheimnis der Glasmacherin von Tracy Chevalier
Das Geheimnis der Glasmacherin, Historischer Roman von Tracey Chevalier, Ebook von Atlantik.
500 Jahre aus Venedigs bewegter Geschichte.
Venedig 1468, auf der Insel Murano florieren die Glasmanufakturen. Der Maestro und Padre der Glasmacherfamilie Rosso hat einen tragischen Unfall und stirbt, das ändert das Schicksal der Familie einschneidend, seine Söhne sind noch nicht soweit und Frauen haben in einer Glaswerkstatt nichts zu suchen, Orsola die älteste Schwester kann jedoch mit ihrem Geschick durch die Produktion von Glasperlen die Familie durch die schwersten Zeiten bringen, dabei muss sie sogar ihr Lebensglück zugunsten der Familie aufgeben.
Das Buch ist aus drei Teilen aufgebaut die jeweils einen Titel tragen. Insgesamt besteht der Roman aus acht umfangreichen Kapiteln. Jeder Kapitelanfang beschreibt die jeweilige Zeit in der das Kapitel handelt, die Veränderungen und Geschehnisse in der Geschichte, dann folgt ein Hinweis wieviel Zeit aus der Sicht der Hauptfiguren vergangen ist. Und wie alt Orsola in diesem Abschnitt der Erzählung ist. Das Glossar im Anhang habe ich immer wieder gerne zur Rate gezogen, dort werden italienische bzw. typisch venezianische Begriffe erklärt.
Mir hat die Art diesen Roman zu erzählen, unheimlich gut gefallen, Figuren die Abseits der realen Zeit in ihrer eigenen Zeit leben lieben und sterben. Mit großem Geschick hat es die Autorin geschafft die Charaktere der jeweiligen Zeit anzupassen, ohne dass ihre Authentizität dabei verloren gegangen wäre. Aufmerksam lesen ist natürlich schon nötig, dies ist mir leicht gelungen, so bildhaft und flüssig wie hier erzählt wird. An einer Stelle ist mir das so sehr bewusst geworden, Orsola lässt sich mit einer Gondel durch die Kanäle fahren, die Beschreibung der Lichtspiegelungen auf dem Wellen, die Schilderung der Geräusche und das Geplätscher des Wassers, hat mich direkt in eine Gondel und nach Venedig versetzt. 500 Jahre Historie Venedigs, anhand einer Familiengeschichte erzählt. Von den Ruderbooten hin zu den großen Kreuzfahrtschiffen die im Kanal direkt am Markusplatz vorbeifahren, Das Festland in weiter Ferne, das durch den Bau des Dammes und der Eisenbahn näherkommt. Von Frauen die nicht lesen können bis zum Einsatz von Smartphones und dem Skypen, Von der Pest bis Corona. Selbst Josephine die Gattin Napoleons und Casanova hatten ihren Auftritt. Da hat nichts gefehlt nichts wurde ausgelassen und vergessen. Und doch ist alles so leicht und selbstverständlich ausgeführt, dass es ein Vergnügen war sich durch die Seiten zu lesen. Das ist mir in kürzester Zeit gelungen.
Die Figuren sind so lebensecht beschrieben und charakterisiert, auch hier hieß es aufpassen, denn die Familie hat sich immer mehr vergrößert. Ganz viele Figuren habe ich geschätzt. Den deutschen Kaufmann Klingenberg und seine Tochter Klara, seinen Gehilfen Jonas, der schwarze Gondoliere Domenego, natürlich Stefano auch Antonio und vor allem Orsola, diese mutige und starke Frau. Selbst Marco der mir am Anfang unsympathisch war, hat sich letztendlich noch als treuer Bruder erwiesen. Die Trauer, Angst oder Verzweiflung der Charaktere war so gut beschrieben, dass ich sie direkt mitgefühlt habe. Sie alle konnte ich am Ende nur schwer gehen lassen.
Dieses Buch hat mich bestens unterhalten, hat mich direkt nach Venedig entführt, hat mir viel aus der Vergangenheit der Lagunenstadt und auch von Murano gezeigt, was ich nicht wusste. Z.B. über die Herstellung von Glas insbesondere von Glasperlen. Ich habe die Lektüre genossen, eine absolute Kauf- und Leseempfehlung. Volle Punktzahl 5 Sterne.
Rezensionen von Alo:
Ein zauberhaftes Tagebuch
It's me oder Wie mein Leben plötzlich glitzerte von Mara Andeck
It's me oder Wie mein Leben plötzlich glitzerte ist ein Buch für Mädchen ab 11 Jahren, aber es hat auch mich überzeugt.
Gwinnys Leben läuft eh schon nicht so, wie es soll und dann wird es auch noch auf den Kopf gestellt, als der geheimnisvolle Noam auftaucht. Er behauptet eine Fee zu sein und fordert Gwinny auf sich etwas zu wünschen und naja, probieren kann man es ja mal, oder?!
Die Geschichte wird in Form von Tagebucheinträgen der 13jährigen Gwinny erzählt.
Die Einträge sind sehr authentisch und humorvoll geschrieben, ich musste beim Lesen immer wieder schmunzeln. Es geht um Themen wie erste Liebe, Pubertät, Umgang mit Gefühlen und Freundschaft. Alles Themen, die für meine 11-jährige Tochter und ihre Freundinnen gerade sehr aktuell sind und die tolle Denkanstöße enthalten.
Das meint meine Tochter:
Ich fand das Buch sehr witzig, geheimnisvoll und man konnte sich alles sehr gut vorstellen, weil alles so detailliert beschrieben wird. Am besten fand ich die Tagebuchform, dadurch hat es sich so angefühlt, als würde ich Gwinny kennen. Das Cover finde ich auch sehr schön, ich mag die Farben und die Illustration. Ich gebe 4,5/5 Sternen.
Rezensionen von yellowdog:
Warum die Demokratie furchtlose Debatten braucht
Lasst uns offen reden! von Constantin Schreiber
Der Tagesschausprecher und Schriftsteller Constantin Schreiber ist ein ausgezeichneter Journalist, der sich wiederholt mit dem Thema Islam beschäftigt hat. Trotz seiner Sachlichkeit wurde ihm von gewissen Kreisen das Etikett Islamkritiker angeheftet.
In diesem Buch schreibt er über das heikle Thema Meinungsfreiheit.
Dabei geht er auf verschiedene Aspekte ein und diskutiert die Diskurse über z.B. Flüchtlinge, Klimakrise, Corona etc.
Er betrachtet auch die Rolle der Medien und die der Universitäten.
Seine Argumentation empfinde ich als zwingend.
Er nutzt dabei eine Form, die den Leser erreicht. Es fühlt sich an wie ein Gespräch.
Rezensionen von begine:
Moderne Geschichte
Das Geheimnis der Glasmacherin von Tracy Chevalier
Tracy Chevalier ist eine bekannte Schriftstellerin, die interessante Romane schreibt.
Der Roman Das Geheimnis der Glasmacherin, ist eine fantastische Geschichte.
Es 1468 als der Maestro der Rosso Familie stirbt. Der Sohn muss den Betrieb weiter führen, aber er ist zu jung. Da versucht durch Glasperlenherstellung zum Unterhalt der Familie beizutragen.
Die Autorin besticht durch die gute Beschreibung der Gasmacher auf Murano und die Geschäftsleute in Venedig wunderbar.
Dieser Roman ist anders als Alle Anderen aus der Gegend.
Es ist eine Jahrhundert lange Geschichte der Familie Rosso, aber lustiger sind die Personen immer die gleichen. Die Familie kämpft uns weiterbestehe. Da kommt dann noch die Pest, die auch bei ihnen ein Opfer nimmt.
Die Autorin erwähnt die politischen Wandlungen der Welt und ihre Einflüsse der Familie. Die Kriege fordern Opfer.
Am Ende sind wir bei der Koronaepedemoe, die wieder ein Opfer findet.. Orsolas Mann stirbt.
Die Beiden wohnen inzwischen in Venedig.
Diesen Romane so lange Zeit zu schreiben ist wohl richtig, denn sonst gibt es ja einige Roman, die die Geschichte Venedigs schreiben.
Da ist dieser Roman mal etwas besonders. Ich möchte ihn gerne e,fehlen.
Rezensionen von yellowdog:
Beim Anblick des Vulkans
Als mein Vater in den Straßen von Turin verschwand von Marta Barone
Marta Barones autobiografisches Buch fällt durch das spektakuläre Cover auf und natürlich durch den langen Titel: Als mein Vater in den Straßen von Turin verschwand.
Die Italienerin erzählt dabei die Lebensgeschichte ihre Vaters, von dessen linksradikaler Vergangenheit sie erst nach seinem Tod erfuhr.
Sie verarbeitet das durch viel Recherche, z.B. Prozessakten, aber auch durch viele Gespräche mit Leuten, die ihren Vater kannten.
Sprachlich waren meine Eindrücke gemischt. Lange Passagen sind nicht sehr literarisch, doch bei einer Biografie muss man das auch nicht unbedingt erwarten. Dann gibt es aber auch viele Abschnitte, die gut verfasst sind.
Vor allen macht die Autorin ihre Gefühlslage deutlich. Sie hatte ein schwieriges Verhältnis zu ihrem Vater und wusste vieles nicht von ihm. Es sind aber auch so einige liebevolle Erinnerungen dabei.
Rezensionen von Katzenmicha:
Spannender schottischer Inselroman
Die Liebenden von Islay von Constanze Wilken
Auf der Hebrideninsel Islay leben Freya und ihre 12 jährigeTochter Erin, hier betreibt Freya ein kleines Bed & Breakfast. Als Freya einen schweren Unfall hat ,reist ihre Schwester Shona MacLeanan auf die Insel um sich um das Gästehaus und um Erin zu kümmern.Was als einfache familiäre Unterstützung beginnt, verwandelt sich schnell in ein aufregendes Abenteuer.
Erin zeigt Shona eine geheimnisvolle Brosche -die sie gefunden hat und die aus der Wikingerzeit zu stammen scheint.Die beiden machen sich auf die Suche nach der Geschichte der sehr alten silbernen Spange und erfahren einige gefährliche Geheimnisse.Gavin Ramsay Inhaber einer kleinen Destillerie auf der Insel, auf dessen Grund die Brosche gefunden wurde unterstützt sie dabei. Schon bald kommen sich Shona und Gavin näher, doch mit ihren Nachforschungen machen sie sich schnell Feinde, denn offenbar sind sie gefährlichen Geheimnissen auf der Spur.
Im zweiten Erzählstrang sind wir bei den Wikingern etwa 1000 Jahre früher im 11. Jahrhundert.Hier erfährt man das die silberne Spange einst der schönen Hulda gehörte.Fjell und Hulda, die Beiden führten ein gefährliches Leben .Zu dem bekommt man Einblicke in ihre Kultur und Lebensweise.
Die Autorin Constanze Wilken hat einen fließenden und spannenden Schreibstil.Bildhaft nahm sie mich mit auf die Hebrideninsel Islay und in eine längst vergangene Zeit.Die Charakter Shona und Gavin fand ich sehr sympathisch.Auch was ich über die Wikingerzeit erfahren habe -war interrisannt und spannend.Schnell war das Buch gelesen,sehr gerne 5 Sterne.
Rezensionen von heinoko:
Unvollständiges Urteil für einen grandiosen Roman
Unsere Jahre auf Fellowship Point von Alice Elliott Dark
Dieser Roman brauchte 17 Jahre bis zu seiner Vollendung. Und er hat es verdient, dass sich der Leser für die 730 Seiten viel Zeit nimmt. Denn dieser Roman ist nicht einfach zum Herunterlesen geschrieben worden, ganz im Gegenteil. Er verlangt Hingabe. Hingabe an die außerordentlich schöne Sprache und Hingabe an den außerordentlich vielfältigen und vielschichtigen Inhalt.
Doch mir blieben nur drei Wochen Zeit, um mein Urteil abzugeben. Drei Wochen Lese-, Denk- und Schreibzeit sind dieses großen Romans nicht würdig! Und so schreibe ich meine Eindrücke termingerecht, aber ohne das Buch bis zu Ende gelesen zu haben. Man möge mir diesen „unvollständigen“ Eindruck verzeihen. Mir jedenfalls bleibt anschließend weitere genussvolle Lektüre-Zeit ohne Abgabedruck.
Aus oben genanntem Grund zitiere ich auszugsweise zur Inhaltsangabe das, was der Verlag sehr schön in Worte gefasst hatte. (Ein Vorgehen, das ich normalerweise nie wähle.) „Agnes und Polly sind von Kindheit an miteinander verbunden. Schon als Kinder verbrachten sie jeden Sommer mit ihren Familien auf Fellowship Point an der Küste Maines und haben seither Glück und Kummer geteilt. Die fürsorgliche Polly hat ihr Leben ihrer Familie gewidmet, die unabhängige Agnes ihres dem Schreiben. Als die Zukunft von Fellowship Point auf dem Spiel steht, geraten die Dinge in Bewegung…“
Und ich zitiere mein erstes Fundstück der Lektüre: „Gewohnheiten füllten die Fissuren eines alternden Körpers und Geistes.“ Allein an diesem Satz blieb ich tagelang hängen. Aber er wird wohl nur von jemandem verstanden, der aufgrund des höheren Alters diese Fissuren kennt und sich mit Regelmäßigkeit und Gewohnheiten bei Laune hält. So wie Agnes, diese aufrechte, stolze, oftmals schroff wirkende Frau, die als Schriftstellerin sehr erfolgreich war, aktuell aber von einer Schreibblockade „befallen“ wird. Polly, ihre Lebenszeit-Freundin, ist ihrem sich selbst überschätzenden Ehemann unterwürfig und sieht ihre Lebensaufgabe darin, die Welt freundlicher zu machen. Agnes dagegen steht für einen unabhängigen, lautlosen Feminismus. Der Roman beleuchtet dieses Frauenpaar und deren lebenslange Freundschaft aus unterschiedlichen Perspektiven in Gegenwart und Vergangenheit. Rund um diese beiden Frauen treten verschiedene Personen ins Blickfeld, werden präzise beobachtet und verschwinden auch wieder, wie im richtigen Leben. Die 17 Jahre Entstehungsgeschichte des Romans schaffen eine ganz besondere Weitsicht des Lebens. Eine Fülle an Themen und Ansichten regt zum Nachdenken, oftmals auch zum Widerspruch an. Hinreißend schön, geradezu zart in Worte gefasst sind eingestreute Naturbeobachtungen. Um die Vielfalt des Romans und die volle Schönheit der Sprache zu erfassen, braucht es wache Sinne und viel Zeit. Nur so gelingt es, alle feinen Facetten dieses grandiosen Romans zu erfassen.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Penibel recherchiert und opulent erzählt
Das Geheimnis der Glasmacherin von Tracy Chevalier
Die US-amerikanische Autorin Tracy Chavelier hat mit „Das Geheinis der Glasmacherin“ einen ganz besonderen historischen Roman verfasst.
Man schreibt das Jahr 1468. Die Glasbläserfamilien auf Murano hüten die Geheimnisse um die Herstellung des kostbaren Glases wie ihre Augäpfel. Die achtjährige Orsola Rosso soll bei der bekannten Glasbläserfamlie Barovier spionieren, was dort gerade erzeugt wird.
Wenig später kommt Lorenzo Rosso, einer der Glasvirtuosen, durch ein Unglück bei der Herstellung eines Kandelaber ums Leben. Zwar gibt es mit Marco einen Sohn, der die Familientradition weiterführen soll. Doch der ist ein Hitzkopf und bei weitem nicht so begabt wie sein Vater oder der Obergeselle Paolo.
Obwohl Lorenzos Witwe Laura versucht, den Niedergang aufzuhalten, treibt die Manufaktur langsam aber sicher auf ihren Ruin zu. Da greift Tochter Orsola, neben allen Aufgaben des Haushalts, zu einem Strohhalm: Sie holt sich Rat bei der gefürchteten Maria Barovier, lässt sich das Perlendrehen zeigen und beginnt heimlich in der Nacht mit der Erzeugung von Glasperlen in der Küche. Denn gemäß den strengen Regeln der Glasmacherkunst, ist es den Frauen verboten, an den Glasöfen zu arbeiten. Die Anfertigung von Glasperlen, abfällig „escrementi di topo“ bzw. „escrementi di coiglio“ (also Mäuse- bzw. Kaninchenköttel) genannt, mittels eines Tranbrenners, wird gerade noch geduldet, denn die Männergesellschaft nimmt diese Glasperlen nicht ernst. Damit kann sie die Unterhalt der Familie garantieren und die Werkstatt bis in die Gegenwart erhalten.
Wie eng die Regeln der Glasmacherkunst ausgelegt werden, ist daran zu erkennen, dass es nur sehr selten gelingt, Männern, die nicht aus Glasmacherfamilen stammen, eine Ausbildung auf Murano zu erhalten. Eine solche Ausnahme ist Antonio, der sich in den Kopf gesetzt hat, Glasmacher zu werden, obwohl seine Familie seit Generationen Fischer waren. Dass ihm Orsola den Kopf verdreht hat, spielt natürlich auch eine Rolle. Als Antonio bessere Entwürfe als Marco erzeugt, kommt es zum Streit und Antonio verlässt heimlich Murano, denn auf das Verlassen der Insel steht die Todesstrafe. Es könnte ja das Geheimnis um die Herstellung des Glases verraten werden und damit unliebsame Konkurrenz erzeugt werden.
Meine Meinung:
Bereits das Cover des Buches mit dem kunstvoll gestalteten Farbschnitt stimmt den Leser auf die Geschichte ein. Die Farben lehnen sich an die Glasstäbe an, mit denen die Glasmacher gearbeitet haben. Das Buch entführt einerseits nach Murano, wo das Monopol der Glasmacherkunst beheimatet war.
Dieser historische Roman bedienst sich einer interessanten Erzählform, denn er spannt den Bogen von Mitte des 15. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Was daran so bedeutsam sein soll? Tracy Chevalier lässt die Zeit in Murano viel langsamer vergehen. Während im nur wenige Kilometer entfernten Venedig die Jahre wie im Flug vergehen und wir Persönlichkeiten wie Giacomo Casanova und Kaiserin Joséphine, die Pest, die Besetzung Venedigs durch Napoleon, später durch die Habsburger, die Einigung Italiens, die beiden Weltkriege sowie die Corona-Epidemie erleben, bleibt in Murano (fast) alles beim Alten.
Diese politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen rund um Venedig sind eindringlich beschrieben. Spannend war auch das Verhältnis der Insulaner zum Festland. Die Autorin hat viele geschichtliche Details in dieser spannenden Familiengeschichte versteckt. Dadurch bleibt die Geschichte durchwegs interessant und entwickelt eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann.
Welches Geheimnis die Glasmacherin umgibt und welche Rolle Glasdelfine dabei spielen, müsst ihr selbst lesen.
Mir hat der Einblick in die Glasmacherkunst sehr gut gefallen. Ich habe anlässlich eines Besuches in einer der letzten Glashütten in Neunagelberg in Niederösterreich selbst eine Glaskugel blasen dürfen. Eine interessante Erfahrung.
Tracy Chevalier, deren wohl bekanntestes Werk „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ ist, ist abermals ein opulenter historischer Roman gelungen.
Neben einem geschichtlichen Überblick enthält das Buch noch ein Glossar über die wichtigsten italienischen und venezianischen Begriffe und Redewendungen, die in der Geschichte vorkommen. Ich konnte mein Arsenal an Schimpfwörtern um einige neue ergänzen, herrlich.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der penibel recherchiert und opulent erzählt ist und uns in die Welt der Glasmacherkunst entführt, 5 Sterne.
Rezensionen von Ryria:
Tagebuch des Misstrauens
Kleine Monster von Jessica Lind
Während ich zu Beginn nur ein Buch über den Umgang mit schwierigen Kindern erwartete, entwickelte es sich schnell zu einem Einblick in die Seele der Ich-Erzählerin Pia. Als Mutter des in der Schule auffällig gewordenen siebenjährigen Luca kämpft sie mit dem Schweigen ihres Kindes und in der Folge mit ihren eigenen Dämonen.
Um dies effektiv darzustellen spielt die Geschichte in zwei Zeitebenen: Immer wieder berichtet sie aus der Zeit, als sie selbst noch ein Kind war und durch tragische Umstände ihre kleine Schwester verlor. Dieser Aufbau hat mir besonders gut gefallen, nach und nach erfährt man als Leser mehr Details über ihre Vergangenheit und sammelt Puzzlestücke, die ihr heutiges Verhalten erklären könnten.
Ebenso bin ich ein großer Fan des Schreibstils: Pia erzählt alles so, wie sie es wahrnimmt und interpretiert, sodass man als Leser irgendwann selber anfängt, ihren Worten zu misstrauen. Ist das, was man liest, überhaupt die "Wahrheit"? Lind versteht es, meisterhaft Atmosphären zu schaffen, angepasst an den mentalen Zustand von Pia. Ist sie positiv gestimmt, wirkt auch der Text leichter; wird sie zum Opfer ihres eigenen Misstrauens, fühlt man sich als Leser wie in einem Psychothriller, teilweise sogar mit einem leichten Horrorgefühl.
Falls man zu diesem Buch greift, weil man ähnlich wie in einem Krimi die Auflösung um den anfänglichen "Fall" rund um den Sohn erwartet, wird man hier möglicherweise jedoch enttäuscht werden. Das Buch lässt einiges offen bzw. erlaubt die eigene Interpretation des Geschehenen - wir kriegen nur Pias Sicht, aber trauen wir ihr? Oder den Personen in ihrem Leben?
Mir hat es sehr gut gefallen, zwischen den Zeilen lesen zu müssen und herauszufinden, inwiefern uns Kindheitstraumata noch unser Leben lang beeinflussen und begleiten können.










