Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Gaby 2707:
Sein letztes Konzert
Prost, auf die Gaukler von Friedrich Kalpenstein
Gerade noch genießt Volksmusiksänger und Frauenschwarm Ron Goldinger die ausgelassene Stimmung und das Gekreische der Frauen bei seinem Auftritt auf dem Brunngrieser Volksfest im Chiemgau, da liegt er kurz nach seinem letzten Song mit einem Armbrustpfeil im Hals hinter den Toiletten auf der Wiese. Tot.
Hauptkommissar Constantin Tischler und sein Kollege Polizeiobermeister Felix Fink, die sich wie viele andere Menschen auch an diesem ersten Volksfestabend im Festzelt aufhalten, beginnen sofort mit den Ermittlungen. Je tiefer sie in den Fall eintaucht, desto mehr stellt sich heraus, dass der Sänger nicht nur Fans hatte. Ganz schön viel Arbeit für Tischler und ein Team.
Nach „Prost, auf die Wirtin“ ist dies der 2. von nun schon 6, Fällen den ich mit der Brunngrieser Polizei gelöst habe. Auch dieser ist in sich abgeschlossen und lässt sich gut ohne weitere Vorkenntnisse lesen.
Autor Friedrich Kalpenstein ist es schnell gelungen mich mit dieser Mischung aus Kriminalfall und Humor an das Buch zu fesseln. Es ist eine unaufgeregte Geschichte, die mit den beiden unterschiedlichen Ermittlern, die sich aber super ergänzen, bei mir punktet. Da ich es nicht mag, wenn sehr viel Blut fließt, bin ich hier genau richtig. Und mir als Hundeliebhaberin gefällt natürlich Dackeldame Resi, die Tischler von Förster Ferstel derzeit in Obhut hat und die immer an seiner Seite ist, ausgesprochen gut. Sie sorgt immer wieder für Schmunzelmomente.
Durch das Setting auf einem Volksfest, auf dem sehr viel gegessen und genascht wird, und durch die vielen meist weiblichen Fans des Schmusesängers begegne ich hier den unterschiedlichsten Menschen. Ich finde die allermeisten sehr ausdrucksstark und menschlich mit ihren Ecken, Kanten und Hintergründen gezeichnet. Hier kommt auch das ein oder andere „Geheimnis“ ans Licht.
Ich habe einen Provinzkrimi gelesen, bei dem die Spannung nicht an aller oberster Stelle steht, der mich mit seinem Humor und den unterschiedlichen Menschen, die ich hier kennenlerne, trotzdem sehr gut unterhalten hat. Ich konnte mit rätseln und mit ermitteln und bin doch erst sehr spät auf den Täter gestoßen.
Ein gelungener Cosy Krimi mit hohem Unterhaltungswert und einer süßen Dackeldame. Ich komme bestimmt mal wieder nach Brunngries in den Chiemgau.
Rezensionen von Bücherfreundin:
Einfach grandios!
Wackelkontakt von Wolf Haas
Selten habe ich ein Cover gesehen, das so gut zum Titel gepasst hat wie das von "Wackelkontakt", dem neuen Roman des österreichischen Autors Wolf Haas.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Trauerredner Franz Escher, der auf seinen Elektriker wartet. Die Steckdose in seiner Küche hat einen Wackelkontakt, und Escher vertreibt sich die Wartezeit mit dem Zusammenbau eines Puzzles.
Schon bald hat er es fertiggestellt und greift nach einem Buch seines bevorzugten Genres: Mafia-Romane. In seiner aktuellen Lektüre geht es um den jungen italienischen Mafia-Kronzeugen Elio Russo, der viele Menschen verraten hat und nun um sein Leben fürchten muss. Er befindet sich in einem Zeugenschutzprogramm und wartet auf seine Entlassung aus dem Gefängnis. Der Untersuchungsrichter sorgt dafür, dass Sven, ein Drogendealer aus Deutschland, mit ihm die Zelle teilt und ihm die deutsche Sprache beibringt. Elio misstraut seinem Zellengenossen und hält sich nachts mit Hilfe eines Buches so lange wach, bis er sicher ist, dass Sven eingeschlafen ist. Das Buch hat Sven ihm geschenkt, es ist in deutscher Sprache verfasst und handelt von Franz Escher, dessen Steckdose einen Wackelkontakt hat und der schon den halben Tag auf seinen Elektriker wartet ...
In zwei Erzählsträngen, die der Autor gegen Ende des Buches zu einer einzigen Handlung verwebt, lernen wir Escher und Elio kennen. Während wir Escher nur während einer sehr kurzen Zeitspanne von wenigen Tagen folgen, begleiten wir Elio über etwa zwei Jahrzehnte. Im Rahmen des Zeugenschutzprogramms wird aus Elio Russo nach 3-jährigem Gefängnisaufenthalt Marko Steiner, der sich zunächst in Deutschland und später in Österreich ein neues Leben aufbaut.
Ich finde die Idee des Autors, zwei unterschiedliche Handlungen in einer fortlaufenden Geschichte ohne einzelne Kapitel zu einer einzigen zu verschmelzen, die auf ein spannendes Finale zusteuert, grandios. Er bedient sich dabei eines Buches im Buch mit ständig hin und her wechselnden Perspektiven. Das ist ihm hervorragend gelungen, die Geschichte ist von Beginn an spannend und hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Die beiden Figuren sind großartig gezeichnet: hier der etwas schrullige und eigenbrötlerische Escher, dessen Lieblingsbeschäftigung es ist, umfangreiche Puzzles zusammenzusetzen, und dort der patente Marko, dem es schnell gelingt, in seiner neuen Heimat Fuß zu fassen.
Die ungewöhnliche und teilweise mit sehr viel Humor und Sprachwitz erzählte Geschichte hat mir viel Lesefreude bereitet, Sprache und Erzählstil haben mich sehr beeindruckt.
Absolute Leseempfehlung für diesen kurzweiligen Roman!
Rezensionen von Lilli33:
Ein Roman in Escher-Format
Wackelkontakt von Wolf Haas
Ein Roman in Escher-Format
Inhalt:
Franz Escher wartet auf den Elektriker, weil seine Steckdose einen Wackelkontakt hat. Unterdessen liest er ein Buch über einen Mafioso, der als Kronzeuge ausgesagt hat und nun in Italien im Gefängnis auf seine Entlassung in ein Zeugenschutzprogramm wartet. In der Zwischenzeit liest er ein Buch über einen gewissen Franz Escher, der auf den Elektriker wartet …
Meine Meinung:
Die Idee dieses Romans in Form eines Werkes des Künstlers M.
C. Escher gefiel mir ausgesprochen gut. Handwerklich ist dies genial gelungen. Die Perspektivwechsel reihen sich nahtlos aneinander. Man wechselt so mühelos von einem Strang zum anderen, ohne dass es großartig markiert wird, und trotzdem weiß man stets, wessen Buch man gerade liest.
Allerdings empfand ich den Anfang beider Geschichten, die hier ineinander verschlungen sind, als recht unspektakulär, fast schon langweilig. Mit jeder Seite steigert sich allerdings die Dynamik und etwa ab der Hälfte des Romans war ich vom Verlauf vollauf begeistert. In immer engeren Windungen umschlingen sich die Lebensgeschichten von Escher und Elio Russo alias Marko Steiner.
Besonders gut gefielen mir auch die Wortspiele und sprachlichen Betrachtungen, die Wolf Haas hier anstellt. Weniger gut gelungen ist leider das Cover, das zwar perfekt zum Titel passt, mir aber Migräne verursacht.
Rezensionen von Harakiri:
beinahe in einem Zug durchgelesen
In einem Zug von Daniel Glattauer
Was macht man als wohlerzogener Mann, wenn einen eine Frau im Zugabteil anspricht? Genau – man antwortet höflich. Was aber, wenn die Frau nicht lockerlässt und immer intimere Dinge fragt?
Dieser Frage geht Glattauer in seinem Roman nach. Eduard und Catrin. Ein ungleiches Paar. Und gerade daraus ergibt sich jede Menge Sprengstoff.
Interessante Dialoge wechseln ab mit tiefgründigen und diese wiederum mit humorvollen. Glattauer bedient die ganze Bandbreite der deutschen Sprache und wie immer gelingt ihm dies meisterhaft.
Nicht nur Eduard hinterfragt die Motive Catrins. Auch beim Lesen stellt man sich unwillkürlich die Frage, warum Catrin so neugierig ist und vor allem auf einem Thema so beharrt. Auf den letzten Seiten wird dieses Mysterium gelöst und der Leser überrascht.
Vor allem der Widerspruch zwischen Gedanken und Worten von Eduard war immer wieder etwas Besonderes und machen ihn sympathisch.
Fazit: eine kurzweilige Reise zwischen Wien und München, die viel Gesprächsstoff birgt.
Rezensionen von LeserinLu :
Literarische Entdeckung
BILLIE »Ich fliege Himmel an mit ungezähmten Pferden« von Stefan Cordes
Was für eine Entdeckung - und damit meine ich sowohl den Roman als auch sein historisches Vorbild Sibylla Schwarz, die hier Billie genannt wird! Billie, die jüngste von drei Töchtern aus einem wohlhabenden Haushalt im 17. Jahrhundert, ist eine tolle Figur: neugierig, unangepasst und voller Leidenschaft.
Statt sich mit der Rolle einer fügsamen Ehefrau abzufinden, möchte sie Dichterin werden. Ihre Liebe zur Poesie und ihr Wunsch, sich in einer von Männern dominierten Welt Gehör zu verschaffen, führen dazu, dass Billie einiges riskieren muss. Und schließlich verliebt sie sich auch noch in ihre Freundin Judith.
An der Erzählweise des Romans hat mir gefallen, dass einerseits immer wieder Gedichte in den Roman eingeflochten sind, die Billie eine unverwechselbare Stimme geben und uns tief in ihre Sehnsüchte, Träume und Kämpfe eintauchen lassen. Andererseits schafft es der Roman, auch humorvoll zu sein – z.B. wenn Billie mit ihren Schwestern die pikanten Stellen bei Hildegard von Bingen liest, um mehr über Sex zu erfahren, oder wenn sie sich schlagfertig über Männer lustig macht.
Obwohl Billies Geschichte schon lange vergangen ist, wird der Roman so erzählt, dass man ganz dicht an Billie dran ist. Themen wie die Unterdrückung von Frauen, Gewalt gegen Frauen und der Hass auf kluge und mutige Frauen sind zudem nach wie vor relevant, weshalb die widerständige Billie auch heute noch eine Persönlichkeit ist, mit der ich mich gerne beschäftigt habe und die ich sicher nicht vergessen werde. Für alle, die inspirierende Menschen, die ihrer Zeit voraus sind, und/oder Lyrik lieben, ist dieses Buch ein Muss!
Rezensionen von Sago:
Bitterschokolade
The Games Gods Play - Schattenverführt von Abigail Owen
Wenn Hades permanent nach Bitterschokolade duftet, befindet wir uns natürlich in einer Romantasy.
Abigail Owen gewinnt der Götterwelt der griechischen Mythologie unterhaltsame neue Seiten ab. Einige wenige, wie etwa eine Chatgruppe der Götter, fand ich persönlich für einen New Adult Roman zu verspielt.
Die junge Lyra wurde bei ihrer Geburt von Zeus verflucht, nie geliebt zu werden, weswegen ihre Eltern sie einfach an eine Diebesgilde weiterreichen. Vollkommen unerwartet wird Lyra vom Unterweltgott Hades erwählt, als seine Championesse im Crucible anzutreten, bei dem die Götter um die Macht im Olymp kämpfen. Als Preis winkt Lyra die Aussicht, vom Fluch erlöst zu werden. Aber gleichzeitig gerät sie in Gefahr, wirklich alles zu verlieren...
Trotz ihrer Länge fliegen die Seiten der Geschichte nur so dahin. Das hat mich manches Mal erstaunt, da mich die Anziehungskraft zwischen Lyra und Hades so gar nicht erreicht hat. Warum fasziniert die wie ein Teenager agierende Lyra einen jahrtausendealten Unsterblichen? Gar nicht romantisch fand ich außerdem das Machtgefälle zwischen den beiden und die "Du bist mein"-Vibes bei Hades und die "Warum finde ich es sexy, dir zu gehorchen"-Vibes bei Lyra. Und weswegen wird das Buch bloß als Slow Burn beworben?
Als Ausgleich gibt es die Aufgaben des Crucible und viele nette Ideen wie die Drachenzähne, die ausgesät zu Kriegern werden. Gern dürfte im nächsten Teil daraus noch ein komplexeres Worldbuilding werden.
Rezensionen von gerlisch:
Absoluter Pageturner
Finsteres Herz von Holger Karsten Schmidt
In ihrem zweiten Fall bewachen die Kriminalkommissare Frank Elling und Lona Mendt Kronzeugen in einem Safehouse. Als die Zeugen zur Staatsanwaltschaft zur Aussage gebracht werden sollen, ereignet sich ein brutales Massaker. Elling und Mendt kämpfen mit dem Tod und das 12jährige bulgarische Waisenmädchen Sarah ist spurlos verschwunden.
Der LKA beamte Hagen Dudek und Maja Kaminski von der Rostocker Bundespolizei übernehmen den Fall.
„Finsteres Herz“ kann auch ohne Kenntnisse des ersten Falls gelesen werden.
Der Autor überzeugt mit seiner sprachlichen Qualität. Er besitzt die Fähigkeit Figuren zu schaffen, die lebendig und greifbar wirken. Gut eingeflochtene private Informationen geben den Charakteren noch zusätzlich Tiefe.
Dieser geschickt konzipierte und sehr komplexe Kriminalfall ist so spannend, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen mag. In zwei zweitversetzten Erzählsträngen wird der Leser quasi durch die fesselnden Handlungen und Dialoge gejagt, bis zu einem erschütternden Twist, bei dem sich die Nackenhaare aufstellen. Obwohl der die Story im Jahr 2006 spielt, sind die von Holger Karsten Schmidt aufgegriffenen brisanten Themen immer noch aktuell und berührend.
Das Buch ist ein absolutes Krimihighlight, welches ich uneingeschränkt empfehlen kann.
Rezensionen von Reiseweise:
Unterhaltsame Dialoge
In einem Zug von Daniel Glattauer
Der Schriftsteller Eduard Brünhofer fährt von Wien nach München. Warum, traut sich der Ich-Erzähler Brünhofer zunächst nicht zu sagen, aber der Termin steht ihm bevor. Schräg gegenüber im Abteil sitzt eine Frau, von der er glaubt, dass sie ihn erkannt hat - und bald schon verwickelt sie ihn in ein Gespräch.
Dieses nimmt so einige Wendungen, die Brünhofer so ganz sicher nicht erwartet hatte. Die Unbekannte heißt Catrin Meyr und stellt ihm so offene, teilweise unverfrorene, neugierige Fragen, dass er schnell mehr erzählt, als er eigentlich vorhatte (denn eigentlich würde er lieber zuhören).
Die Dialoge zwischen diesen beiden Protagonist:innen sind rasant, schlagfertig und klug. Wo sie im Mittelpunkt stehen, ist der Roman sehr unterhaltsam und man denkt oft, wie Recht der eine oder die andere doch hat. Zwischendurch fließen Gedanken des Ich-Erzählers oder seine Beobachtungen ein, die oft auch interessant sind. Einige Klischees (über Frauen, Männer, Italiener und die Liebe) tauchen auch auf, die sich der Autor hätte sparen können, insgesamt aber ein kurzweiliger Roman mit einigen Sätzen, die im Gedächtnis bleiben - und einem netten Twist am Ende!
Rezensionen von Petra:
Musik und Liebe
Für Polina von Takis Würger
Hannes und Polina kennen sich ihr Leben lang und das ist keine übliche Floskel, ihre Mütter hatten sich früh kennengelernt und die Babys teilten sich erst ein Bett und dann einen Ziehgroßvater und was man sonst noch alles miteinander teilen kann. Hannes war ruhig und Polina lebhaft, er hatte das absolute Gehör und sie sang.
Als Hannes älter wurde stellte sich heraus das er nach Gehör Klavier spielen und komponieren konnte. Er war ein Wunderkind. Er liebte Polina und vertonte ihr Wesen, Polinas Melodie.
Als er sie aus den Augen verlor ging auch bei ihm etwas verloren. Nur mit der Melodie konnte er sie und sich wieder finden.
Die Geschichte von Mozart dem Wunderknaben ist weithin bekannt, wie er mit diesem Phänomen umging weniger. Der Autor beschreibt es für seine Figur mit wenigen Worten. Es ist dieses eine Leben, Hannes kennt nichts anderes. So habe ich den Text empfunden und gleichzeitig ist da eine Tiefe in der Geschichte der man leicht folgen kann. Auch wir empfinden manche Töne und Geräusche als sehr schön und bei anderen empfinden wir schon Schmerzen.
Polina ist dagegen das pralle Leben, auch hier ist die Lebensfreude deutlich spürbar es vibriert beim Lesen.
Takis Würger kann mit wenigen Worten jedes Gefühl vermitteln als ob man selbst so empfinden würde. Eine Gabe die ich in jedem seiner Romane entdeckt habe.
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Was uns wirklich krank macht
Good Energy von Casey Means
„Wir befinden uns inmitten einer modernen Gesundheitskrise.“ Von allem zu viel oder zu wenig. Die Ärztin Casey Means möchte mit «Good Energy» eine Änderung der Denkweise bewirken und eine nachhaltige Neugierde wecken.
Im ersten Drittel des Buches erklärt sie anschaulich und verständlich die Zellgesundheit, eine Art „»Crash-Kurs« über Zellbiologie“, und wie es der Körper schafft zu funktionieren, obwohl aufgrund ungesunder Lebensweise bereits milde Beschwerden vorliegen, die zu erheblichen Erkrankungen führen können, weil die Körperzellen nicht bekommen, was sie brauchen.
Warnhinweise, die wir ignorieren. Der Aufbau ist typisch für amerikanische Gesundheitsratgeber. Effektvoll, verallgemeinert und emotional: „Ein schlechter Energiestoffwechsel in den Zellen (Bad Energy), der sich unter anderem in einem erhöhten Blutzuckerspiegel äußert, ist wie eine Fahrkarte für eine langsame und schmerzhafte Reise in Richtung Tod.“ Auch ganz typisch: Wiederholungen dienen als bewährtes Mittel, damit die Kernaussagen sich einprägen, Hintergründe klar werden und man zum Handeln motiviert wird. Das sollte man kritisch sehen und im Hinterkopf behalten. Es ist das informative Vorspiel, um in die Umsetzung zu kommen. Insgesamt bietet Casey Means aber viel Mehrwert. Sie schreibt beispielsweise von der 36-jährigen Lucy, die als erste Patientin mit einer Reihe von Gesundheitsproblemen in ihre neue Privatpraxis kam und der es nach sechs Monaten besser ging, nachdem sie ihre Ernährung umgestellt und ihren Lebensstil verbessert hat. Casey Means versucht mit solchen Beispielen das Dilemma unserer modernen Zeit zu zeigen und kritisiert das medizinische System als Ärztin und Angehörige, am Beispiel ihrer verstorbenen Mutter, weil ihre Symptome nur isoliert betrachtet wurden und sich keine Zeit für die Ursachen genommen werden konnte. Das System wird sich nicht ändern, schreibt Casey Means, deshalb ist es entscheidend, dass wir uns selbst informieren und befähigen, unsere Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen. Die fachlichen Informationen, die dabei helfen, die eigenen Laborwerte zu interpretieren und sogar vorformulierte Argumente um den Anspruch geltend zu machen, fand ich hilfreich. Mit dieser Analyse der Standartblutuntersuchung ist man dann in der Lage, sich aufgrund wissenschaftlicher Fakten ein Bild zu machen und seine eigen Gesundheit einzuordnen. Aufgrund der erwähnten Wiederholungen (Worte und Inhalte) hatte ich manchmal Mühe, dranzubleiben.
Hier fand ich die Zusammenfassungen hilfreich und mit steigender Seitenzahl wird auch Casey Means etwas milder, was die radiakale Umsetzung betrifft. Natürlich geht es um gesunde Gewohnheiten und der Fokus liegt auf der Ernährung, wobei auch Schlaf und Bewegung aufgegriffen werden (neben anderen Aspekten, die zumindest genannt werden). Das es einen Vier-Wochen-Plan und dazugehörige Rezepte gibt, kann natürlich bei der direkten Umsetzung helfen und ich finde es gut, dass sie im Buch enthalten sind, denn die Ansätze sind vielversprechend. Sie dienen allerdings eher als Inspiration. Hier hätte ich mir Alltagstauglichkeit statt Perfektion gewünscht, die sich auch finanziell, zeitlich und organisatorisch verwirklichen lässt. Es gelingt Casey Means durch die umfangreiche Theorie aber definitiv, Denkanstöße zu geben und wichtige Ansätze zu vermitteln, die im Alltag umgesetzt werden können.









