Kunden em pfehlungen
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Bei diesem Countdown geht es um alles
Der letzte Mord am Ende der Welt von Stuart Turton
Stuart Turton konnte mich mit «Der Tod und das dunkle Meer» grandios unterhalten und so begann ich voller Vorfreude in seinen neuen Krimi einzutauchen, der mich in eine dystopische Welt führt, in ein kleines Insel-Idyll, eingeschlossen von giftigem Nebel, ein Hoffnungsschimmer der Menschheit, der von einem Mord erschüttert wird.
Ist nach 107 Tagen der Mörder nicht gefunden, wird der giftige Nebel auch die 122 Überlebenden vernichten und die Menschheit auslöschen, weil das gesamte Schutzsystem Abi, die künstliche Intelligenz, darauf programmiert ist.
Es geht um alles - ein sehr spannende Ausgangssituation, die anfangs noch nicht erahnen lässt, wie klug verstrickt und wendungsreich dieser Krimi tatsächlich ist. Wie so oft, muss man sich zurechtfinden, denn es geht ohne Umschweife direkt rein. Bei mir brauchte das auch seine Zeit, aber ich mochte die Atmosphäre und das Setting auf Anhieb. Beim Weiterlesen wurde mein Vertrauen in Stuart Turton belohnt. Es macht großen Spaß, die Hinweise zu sammeln und zu spekulieren, deswegen ist es gut, vorab gar nicht so viel über den Inhalt zu erfahren. Ich kam nicht dahinter, bis sich der Nebel der Geheimnisse gelichtet hatte und mich die große Kunst dahinter, erstaunt hat. Der Plot ist großartig, gewichtig, erschreckend und denkwürdig. Ich habe es in kurzer Zeit verschlungen. Beste Unterhaltung für Fans von klugen Krimis, Dystopien und Science Fiction. Absolut empfehlenswert.
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Unbedingt lesen, wenn es dir nicht gut geht
Unbedingt lesen, wenn ... von Julie Smith
Ob von Angst überwältigt oder in Selbstabwertung gefangen - das Cover zeigt in seiner Schlichtheit, was drinsteckt und wie es funktioniert. Dies ist ein sehr hilfreiches Nachschlagewerk, wenn die mentale Gesundheit leidet. Was, wenn man mittendrin steckt und der Zugriff auf das theoretische Handwerkszeug verweigert wird.
Dafür hat die Autorin dieses Buch geschrieben und ich bin ihr sehr dankbar dafür.
Ich habe schon länger ein Ratgeber gesucht, der mir in Stresssituationen schnelle Hilfe bietet, mich versteht und als Erinnerungsstütze dient. Die richtigen Worte zur richtigen Zeit können viel bewirken, wenn man Hoffnung braucht oder eine Idee, was man (für sich) tun kann.
Der Ratgeber ist in drei Kategorien eingeteilt, um das schnelle Finden zu erleichtern: Soziales Miteinander, man selbst und die eigenen Gefühle. Das ist übersichtlich und überlastet das gestresste System nicht noch zusätzlich. Alles ist gut durchdacht, leicht verständlich, alltagsnah, der Aufbau wiederholt sich und die wichtigsten Lebensbereiche sind abgedeckt.
Die Umsetzung finde ich sehr gelungen und zweckdienlich. Ein Beispiel: Prokrastiniert man gerade und fühlt sich niedergeschlagen, kann man „Wenn dir die Willenskraft fehlt“ lesen. Der entsprechende Brief zu Beginn kann bereits helfen, Abstand zu gewinnen. Dann folgen Tools mit Fragen und Impulsen, die Klarheit schaffen und Lösungsansätze bieten. In die Hinweise und Überlegungen kann man sich gut eindenken und erlebt mitunter Aha-Momente. Abschließend steht eine Zusammenfassung. Mir hat besonders gefallen, dass der Rat klar und allgemein gehalten wird und so für viele verschiedenen Situationen passend sein kann. Aber vor allem liebe ich die Idee der Briefe, die dem Buch einen freundschaftlichen Charaktere verleihen. «Aufstehen oder liegen bleiben?» ist mir schon in guter Erinnerungen geblieben, weil ich bereits dort den Schreibstil, die fachliche Kompetenz und die praktische Herangehensweise mochte. «Unbedingt lesen, wenn…» ist ideal, um die Abwärtsspirale zu durchbrechen und sich selbst zu helfen, bevor es zu spät ist. Wer bereits zu schwer erkrankt ist und sich nicht selbst helfen kann, sollte professionell Unterstützung suchen, worauf bei entsprechenden Themen auch eingegangen wird.
Mein Fazit: Eine tolle Unterstützung, gerade in herausfordernden Zeiten, in denen nicht immer professionelle Hilfe zur Verfügung steht. Wer es liebt, sich durch Bücher in Stresssituationen auffangen zu lassen und dazu neigt, alles mit sich selbst auszumachen, für den ist dieses Buch eine echte Bereicherung.
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Ein abenteuerlicher Irrgarten aus Büchern
Tinte, Staub und Schatten: Das Buch der Verlorenen von Alina Metz
Ein Versprechen an ihre Mutter, die vor elf Jahren im geheimen Buchlabyrinth verschollen ist, die Worte ihres Vaters und ein Stempel auf dem Vorsatzpapier eines Buches führen die 16-jährige Minna in das Antiquariat der Märchen von Antiquar Raban Krull. Minna schafft es, bei ihm einen Ausbildungsplatz als Büchersucherin zu ergattern und erhält damit die Befugnis die Fähigkeiten zu erlernen, um das verzweigte und gefährliche Bücherlabyrinth zu betreten.
Der tollpatschige Gulliver und der elegante Jascha sind ebenfalls Lehrlinge im Antiquariat, doch Minna weiß nicht, ob sie ihnen vertrauen kann, denn sie scheinen etwas vor ihr zu verheimlichen. Sie möchte als Büchersucherin nicht nur in die Fußstapfen ihrer Mutter treten, sondern diese vor allem finden und befreien, bevor der mächtige Anonymus sie erneut jagt. Denn der hat überall seine Spione und Minna kann niemandem trauen. Als dann noch ein Bücherdieb ihr Probleme macht, wird Minna klar, dass sie nicht alles alleine schaffen kann.
Jedes der dreißig Kapitel enden mit einem Ausschnitt aus einem Buch innerhalb dieser Welt. Außerdem finden sich im Buch fünf Charakter-Illustrationen der wichtigsten Figuren und kleine, sich wiederholende Zeichnungen. Mir hat gefallen, dass Alina Metz einfallsreich und mit viel Bücherliebe vielseitige Akzente setzt, denn mit der Erwähnung von Goethe oder Nietzsche und manch ungewohnter Formulierung, schreckt sie auch vor ein wenig Anspruch nicht zurück. In erste Linie ist es ein ereignisreiches Kinderbuch über Zusammenhalt, Mut und Vertrauen, Rache und Verrat, die in einer magischen Buchwelt voller Gefahren und mysteriöser Wesen spielt.
Was wie eine Rettungsmission beginnt, verwandelt sich in eine Heldengeschichte, voller Abenteuer, Action und Fantasy. Die Handlung spielt sich fast ausschließlich in der unterirdischen Bücherwelt ab. Gemeinsam mit Minna taucht man in das Bücherlabyrinth ab, in dem man Bürgebücher zum Tausch braucht, einen Kompass und Wegmarken um sich zurechtzufinden, während überall düstere Gefahren lauern und das Labyrinth droht, einen zu verschlingen. Ich konnte die papiergeschwängerte Luft förmlich riechen, so atmosphärisch ist es geschildert. Die flüssige Schreibweise führt oft in die schwirrende Gedankenwelt von Minna, die von den vielen neuen Informationen und Eindrücken überwältigt ist. Hier merkt man, dass es sich um eine Dilogie handelt, weil sich alles erst aufbaut, immer wieder neue Begriffe auftauchen und das System der Staubmagie erklärt wird. Trotzdem gibt es viel temporeiche Action, denn Minna ist entschlossen, mutig und bereit, die Regeln zu brechen, was die Handlung unvorhersehbar macht. Das Auftaktfinale ist packend und überraschend. Das hat mir besonders gefallen und dafür lohnt es sich, dranzubleiben, denn unterwegs hatte ich manchmal Schwierigkeiten, weil es mir an Bildhaftigkeit gefehlt hat. Außerdem war mir das Erzähltempo einfach zu flott. Lieber wäre ich noch tiefer in die Atmosphäre und die Details eingetaucht. Glücklicherweise erscheint die Fortsetzung bereits im Herbst, was den Cliffhanger verschmerzen lässt.
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Ganz wunderbar anders
Von hier aus weiter von Susann Pásztor
Ich wurde vom Verlauf der Geschichte auf positive Art überrascht, denn der Klappentext ließ mich erst in eine andere Richtung denken, die dann aber eine interessante Wendung nahm. «Von hier aus weiter» beginnt mit einem Abschied, vielmehr mit einem ersten Moment auf der Toilette im Restaurant beim Totenmahl, als Marlene das erste Mal nicht an ihren verstorbenen Ehemann denkt.
Dreißig Jahre waren sie verheiratet und dann nahm er sich schwerkrank das Leben. Doch Marlene ist vor allem wütend statt traurig und kein trübsinniger Charakter, sondern pragmatisch, aber es umgibt sie ein Schleier der gedrückten Freudlosigkeit, die auch ihrem Umfeld nicht entgeht. Reserviert und einem kontaktarmen Leben angepasst, zieht sie sich wochenlang zurück, während sich ihre Stiefsöhne und die Hausärztin Ida besorgt zeigen. Außerdem versucht ihre ehemals beste Freundin Wally Marlene zu erreichen, obwohl der Kontakt schon lange eingeschlafen ist. Klempner Jack bringt die Wendung. Er ist ein ehemaliger Schüler der pensionierten Lehrerin und zieht überraschend bei Marlene ein, die erst erkennen muss, dass trotz der empfundenen Sinnlosigkeit das Leben wertvoll ist. Marlene ist als Figur anfangs schwer zu durchschauen, was es spannend macht. Ich konnte nicht vorhersagen, wohin das führen wird und war auch Jack skeptisch gegenüber. Erst mit der Zeit offenbart sich, woher die Wut kommt und warum ihr Menschen egal geworden scheinen. Ich mochte die Figuren unglaublich gern. Besonders Jack, der so respektvoll und fürsorglich vorgeht, ohne unaufdringlich zu sein. Sein emphatisches Einwirken wirkt wie ein Zauber. „… und wieder einmal fühlte sich Marlene allein durch den Duft von Jacks Mahlzeiten besänftigt und versöhnt.“ Ich mochte die Figurenentwicklung, den Handlungsverlauf und ganz besonders den übernatürlichen Hauch, der stets schicksalhaft wispert und es einem selbst überlassen bleibt, was man davon hält. Der Humor, der immer mitschwingt, wurde sehr passend eingefügt und fühlt sich stets authentisch an. Manchmal fallen auch ehrliche Sätze, die ganz tief gehen, hart durchschütteln und nach denen man sich Marlene ganz nah fühlt.
Ein schöner Roman mit einem sanften Erzählstil, der von einer lebensmüden Frau erzählt, die ihr Leben nie besonders mochte, von Einsamkeit, Genuss, Freundschaft und Überwindung und dabei nie in Sentimentalitäten verfällt. So wunderbar unromantisch, so unfassbar tröstlich. Ein ganz tolles Buch, das mir im Gedächtnis bleiben wird.
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Unausgewogener Thriller
The Killer Profile von Helen Fields
Midnight Jones arbeitet als Data-Analystin für die Necto Corporation und wertet psychometrische Tests aus. Bei einem anonymen Bewerber fallen ihr die Reaktionen besonders auf, da sie außerhalb der Normen liegen. Doch was ist „Profile K“? Midnight bekommt fadenscheinige Antworten von Necto und riskiert schließlich ihren Job, weil sie ihrem Instinkt vertraut, womit sie unweigerlich Schwierigkeiten bekommt.
Schließlich läuft es auf einen packenden Showdown hinaus.
Midnight wird so eingehend betrachtet und beschrieben, dass man im Laufe der Story immer mehr mir ihr mitfiebert. Man erfährt etwas über ihre Kindheit und ihrem großes Verantwortungsgefühl für ihre Zwillingsschwester. Es ist spannend, weil sie als Zivilistin ermittelt und sich dadurch in große Gefahr bringt. Obwohl sie unfreiwillig in diese Situation geraten ist, kämpft sie sich durch. Wenn man auf sowas Lust hat, ist dieser Thriller wirklich spannend, mitreißend und unterhaltsam. Es werden kapitelweise unterschiedliche Perspektiven gezeigt, darunter auch der Bewerber. Dadurch erhält man Eindrücke und Antworten für das Motiv. Die Brutalität der Morde ist besonders erschreckend und nichts für schwache Nerven. Völlig packen konnte mich «The Killer Profile» aber nicht. Streckenweise zu langatmig und konstruiert. In der zweiten Hälfte, als es um den Ermittler oder das passende Syndrom ging, wurde es mir zu unglaubwürdig. Dadurch ist es für mich insgesamt kein ausgewogener Thriller, denn ich nur eingeschränkt empfehlen würde.
Rezensionen von Miro:
Was bleibt, wenn der Nebel sich lichtet
Der letzte Mord am Ende der Welt von Stuart Turton
Vor 90 Jahren hat ein giftiger Nebel die Erde überzogen und die Menschheit fast ausgerottet. Nur Niemas Insel im Mittelmeer blieb verschont. Eine Barriere hält den Nebel auf Abstand. Ein Volk aus 122 Personen, geleitet von drei Ältesten lebt friedlich in einfachen Verhältnissen. Sie bestellen die Felder, versorgen das Vieh, essen abends gemeinsam und gehen früh zu Bett, denn wenn die Nachtglocke läutet bleibt nicht viel Zeit bis ihnen das Licht ausgeknipst wird.
Wer dann nicht im Bett liegt, verbringt die Nacht auf dem blanken Boden.
Falls das jetzt die ersten Fragezeichen aufwirft, kann man sich gleich ins Buch versetzt fühlen. Denn so ergeht es den Leser*innen dieser Geschichte. Erst scheint alles ganz normal, dann fällt zum ersten Mal was aus der Rolle und die ersten Fragen drängen sich auf. Und es wird immer schräger. Nach und nach entblößt sich eine Welt, die man so nicht erwartet hätte und die ein ganz eigenen Licht auf die Menschheit wirft.
Suart Turton geht streng ins Gericht mit uns Menschen und zeigt uns, dass die meisten von uns nicht fähig sind zu echter Empathie. Besitzdenken, Gier und Machtansprüche stehen uns im Weg und halten uns von einem friedlichen Zusammenleben in Gleichberechtigung ab. In diesem Buch wird versucht dafür eine Lösung zu finden, doch auch dieser Prozess ist nicht ohne Opfer umsetzbar und eins der Opfer ist die Anführerin selbst. Niema wird tot aufgefunden und es scheint sich offensichtlich um Mord zu handeln. Um zu klären, ob tatsächlich einer der Dorfbewohner zu so einem Verbrechen fähig wäre, wir Emory beauftragt Ermittlungen aufzunehmen. Stück für Stück setzt sie die Puzzleteile zusammen und kommt des Rätsels Lösung immer näher.
Das Buch bleibt spannend bis zum Schluss, denn die Auflösung birgt neue Rätsel und der Ausgang bleibt übers Aussterben hinaus ungewiss. Manches habe ich geahnt, anderes so nicht erwartet. Ich habe es gern gelesen, es hat mich hervorragend unterhalten und da es mein erstes Buch des Autors war, bin ich nun auch neugierig auf die beiden Vorgänger.
Rezensionen von HEYN Leserunde, Miriam Brandl:
„Das Leben ist nur der kurze Sieg über das Unausweichliche.“ T.C. Boyle
I walk between the Raindrops. Storys von T. C. Boyle
13 Kurzgeschichten, die wieder einmal die literarische Meisterschaft von T.C. Boyle beweisen: im Leben von völlig gewöhnlichen Menschen passiert plötzlich Außergewöhnliches. Ob es jetzt der Amoklauf eines Studienkollegen ist , eine Massenpsychose oder eine Umweltkatastrophe – der Alltag implodiert und lässt den einzelnen Menschen (und die Leserin) machtlos staunend zurück.
In einem Interview meinte Boyle: „Das Hauptanliegen meiner gesamten Karriere ist immer unsere Beziehung zu unserem Planeten gewesen, der unsere Art erhält, während wir ihn langsam zerstören“.
Der Autor begnügt sich also nicht mit einfachem Erzählen, es ist immer ein schonungslos kritischer Blick auf die Entwicklungen der Gegenwart. Er erfasst dabei auch die menschlichen Widersprüchlichkeiten und Absurditäten – glücklicherweise ohne dabei den Moralapostel zu spielen. Aber er ist kein Großmeister der Samthandschuhe, er hält den Leserinnen einen Spiegel vor.
Seine Sprache ist gewohnt mitreißend, phantasievoll und klug. Übrigens brillant übertragen von Dirk van Gunsteren und Annette Grube.
T.C. Boyle bemüht sich auch nicht zu sehr um political correctness , erzählt pointiert und gelassen von den tragisch-komischen Aspekten des Alltäglichen. Er ist ein Autor, der die hohe Kunst des subtilen, schwarzen Humors wirklich beherrscht.
Wie immer: T.C. Boyles Bücher sind lesenswert!
Rezensionen von gerlisch:
Interessanter Plot
The Killer Profile von Helen Fields
Midnight Jones arbeitet in London für das moderne Biotech-Unternehmen Necto. Bei der Auswertung eines Persönlichkeitstests stößt sie auf ein „Profil K“, dies ist die Abkürzung für einen noch nie dagewesene Auswertung für einen Serienkiller. Als in der näheren Umgebung ein brutaler Mord geschieht, beginnt Midnight mit Nachforschungen, welche Necto unbedingt mit allen Mitteln verhindern will und auch der Killer kommt Midnight immer näher.
Das gewählte Thema dieses Thrillers ist hochaktuell und hinterlässt eine beklemmende Atmosphäre, gerne hätte die Autorin hier mit den Erklärungen noch mehr in die Tiefe gehen können.
Abschnitte mit der Überschrift „Der Bewerber“ geben Einblicke in die Gedanken des Täters und sorgen für Abwechslung in dieser fesselnden Story. Rückblenden in die Vergangenheit lassen den Leser auf menschliche Abgründe schauen.
Auf der Suche nach dem Mörder begibt sich Midnight in einige Gefahren und Situationen die teilweise konstruiert und vorhersehbar waren. Spannende und blutige Szenen versprechen einige Gänsehautmomente.
Ein Thriller, der zwar nicht lange im Kopf bleibt, aber gut zu lesen ist.
Rezensionen von Kapitel60:
Wie ein Puzzle, das langsam Gestalt annimmt
Wackelkontakt von Wolf Haas
Worum geht’s?
Franz Escher – ein Trauerredner – hat sich einen Elektriker gerufen, um seine Steckdose in der Küche zu reparieren. Um die Wartezeit zu verkürzen liest er ein Buch, das von einem Häftling im Zeugenschutzprogramm handelt. Dieser wartet auf seine Entlassung und vertreibt sich wiederum die Wartezeit mit einem Buch.
Dieses Buch handelt von Franz Escher.
Cover, Schreibstil:
Auf das Cover darf man nicht zu lange schauen, sonst bekommt man einen Wackelkontakt. Bei Wolf Haas‘ Büchern lohnt es sich auch immer, einen Blick unter den Umschlag zu werfen. Der Titel passt sehr gut zur Geschichte. Der Schreibstil von Wolf Haas ist sehr außergewöhnlich, obwohl es dieses Mal schon fast zu normal ist. Dafür ist die Story sehr extravagant. Geschickt werden hier zwei Geschichten miteinander verstrickt.
Fazit:
Sehr stimmige Erzählungen und schön zu sehen, wie das Puzzle langsam Gestalt annimmt. Franz Escher ist ja auch ein leidenschaftlicher Puzzlebauer. Obwohl die Geschichten immer hin und her wechseln ist man zu keinem Zeitpunkt verwirrt oder kann dem Text nicht folgen. Ich bin begeistert und bin froh, dass es noch Bücher gibt, die nicht 400 Seiten dick sind.
Rezensionen von Kwinsu:
Solide Unterhaltung mit kleinen Nervigkeiten
Dunkle Asche von Jona Thomsen
Die Polizeibeamtinnen Judith und Gudrun werden damit beauftragt, einen 30 Jahre zurückliegenden Mordfall an einer jungen Frau aufzuklären, nachdem es eine neue Zeugenaussage gibt. Alles sieht danach aus, als würde der ursprünglich Tatverdächtige nun endlich dingfest gemacht werden können. Doch dann tauchen neue Hinweise auf und Gudrun, die viele Beteiligte von damals kennt, muss gemeinsam mit Judith ein umfangreiches Lügennetz entwirren.
Jona Thomsen liefert mit "Dunkle Asche" einen soliden Cold-Case-Ostsee-Krimi, der durch den angenehmen Schreibstil, die Zeitsprünge und etliche Wendungen bis zum Ende spannend bleibt. Die zwei Hauptfiguren Judith und Gudrun starten als neues Team und müssen sich erst kennenlernen. Besonders Judiths gute Intuition und kritische Haltung bringen die Entwicklung des Falls gut voran. In das gegenwärtige Geschehen werden ab und an Rückblenden in die Tatzeit und die Gedankengänge des Täters - ohne dass dieser benannt wird - eingeflochten, was die Spannung und das eigene Spekulieren nur fördert. Ich persönlich hatte fast bis zum Schluss jemand anderen in Verdacht und war dann überrascht, als der wahre Schuldige sich enttarnte. Trotzdem ich das Buch gerne gelesen habe, besonders wegen den zwei Ermittlerinnen, gibt es einige Punkte, die bei mir zum Abzug von Sternen führen.
Gudrun ist eine taffe lesbische Frau, die ein Verhältnis mit einer deutlich jüngeren Person beginnt. An sich finde ich es ja super, wenn queere Personen als Figuren auftauchen, ist ja glücklicherweise ganz normal heutzutage. Allerdings wirkte es für mich in "Dunkle Asche" zu unnatürlich, zu gekünstelt, zu gewollt. Außerdem wurde gefühlt hundert Mal die Zweifel Gudruns betont, die sie aufgrund des deutlich jüngeren Alters ihrer Auserwählten hat, das war mir too much. Was mich aber noch mehr gestört, ja teilweise sogar genervt hat, war wie verschiedene Personen beschrieben waren. Fast alle waren übergewichtig und das, weil sie so eine große Last im Leben tragen mussten. Auf weitere Äußerlichkeiten wurde kaum eingegangen und ich habe mich gefragt, was uns der Autor mit diesem oft vergebenen Attribut sagen will. Judith hingegen tritt gestylt im Hosenanzug mit acht Zentimeter hohen Stiefeletten, die ihr natürlich beinahe zum Verhängnis werden, auf, was für mich nicht ansatzweise realistisch ist - sie ist eine polizeiliche Ermittlerin und keine Geschäftsfrau! Klarerweise gibt es dann auch eine schlanke Hausfrau, die von dem Geld ihres Gatten lebt und natürlich trotzdem unglücklich ist, sodass sie trinkt. Die hier gezeichneten Frauenbilder empfinde ich doch eher seltsam, klischeehaft, vorurteilsbeladen und altbacken.
Das schlussendliche Mordmotiv hat mich auch nicht überzeugen können, vor allem weil im kompletten Buch nie ein einziger Hinweis darauf war. Gut, man könnte sagen, dass es der Figur gut gelungen ist, dieses Geheimnis zu verbergen, nichtsdestotrotz war es für mich ob der Dramatik des Traumas einfach nicht glaubwürdig.
Mein Fazit: "Dunke Asche" ist ein solider Ostseekrimi, der durchaus spannend und kurzweilig ist. Durch das komische Frauenbild und das mir nicht nachvollziehbare Mordmotiv konnte er mich aber nicht vollends überzeugen.









