Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Alo:
Nordische Mythologie trifft Feminismus
Die Skaland-Saga, Band 1 - A Fate Inked in Blood von Danielle L. Jensen
„At Fate Inked in Blood“ spielt in Skaland, dem früheren Norwegen. Im Mittelpunkt steht Freya, die als Schildmaid eine wichtige Rolle in einer alten Prophezeiung spielt: Sie soll einen König an die Macht bringen. Doch anstatt selbst entscheiden zu dürfen, wird sie von mächtigen Männern wie Besitz hin- und hergeschoben.
Das Buch ist ganz klar feministisch. Freya ist wütend, und das völlig zu Recht, auch wenn sie immer wieder zwischen sich und ihren Verpflichtungen hin- und hergerissen ist. Ihre Gefühle sind greifbar, und ich konnte mich sehr gut in sie hineinversetzen. Ihre Entwicklung war spannend mitzuverfolgen.
Die Spannung zwischen Freya und Bjorn war ein echtes Highlight. Besonders ihre Wortgefechte waren witzig und charmant, und er ist eine wandelnde Green Flag! Alle anderen Figuren sind einfach nur zum Schreien, aber das ist so gewollt.
Allerdings war das Buch an einigen Stellen repetitiv. Freya kommt immer wieder in die gleichen Situationen und wälzt die gleichen Gedanken – das hätte etwas kürzer sein können. Auch das Ende war sehr vorhersehbar. Das hat mich aber nicht gestört, weil es bis dahin unterhaltsam war.
Ich freue mich auf Teil 2! 4/5 Sterne
Rezensionen von Ryria:
Realitätsflucht einer Familie
Bis die Sonne scheint von Christian Schünemann
Der Roman ist in zwei Erzählstränge unterteilt, die sich durchgehend abwechseln: In der Gegenwart im Jahre 1983 entdeckt Daniel, dass seine Eltern so ziemlich pleite sind, obwohl er mit seinen drei Geschwistern bisher ein recht angenehmes Leben geführt hat - und das wollen sie trotz Gerichtsvollzieher eigentlich auch jetzt nicht aufgeben.
Während diese Verdrängung der Realität immer weiter fortschreitet und immer mehr nicht vorhandenes Geld ausgegeben wird, erfährt man in den Begleitkapiteln die Familiengeschichte der Großeltern und Eltern. Wie sind sie aufgewachsen, was hat sie zu den Menschen gemacht, denen wir in der Gegenwart begegnen?
Diese Kapitel haben mir noch besser gefallen als die Handlung rund um Daniel, jeder Charakter hat hier viel Kontext bekommen und man konnte ihr Verhalten besser einordnen, auch wenn ich oft darüber den Kopf geschüttelt habe.
Generell haben mich die Charaktere auch öfters mal ein wenig aufgeregt, quasi nach dem Motto "Warum machen die das, das ist doch unverantwortlich!". In diesem Sinne fand ich sie aber auch wieder recht authentisch dann, Menschen die dumme Entscheidungen treffen oder sonstige Fehler haben sind im Grunde ja oft realistischer als diejenigen, die perfekt jede Krise managen.
Auch gut gelungen war die Darstellung der 80er Jahre: Alltag, Musik, Kleidung, Spekulationen über die DDR, all dies wirkte auf mich sehr authentisch, auch wenn ich es selber nicht miterlebt habe (ältere Teilnehmer einer Leserunde haben diesen Eindruck jedoch bestätigt).
Schade fand ich, dass ich trotz der vielen Hintergrundgeschichten keine richtige emotionale Beziehung zu den Charakteren aufbauen konnte. Ich habe ihre Geschichte als distanzierte Betrachterin gerne verfolgt, aber nie wirklich mitgefiebert.
Stilistisch gesehen war es angenehm zu lesen mit ein paar schönen Spielereien, so passiert z.B. etwas in der Gegenwart und in der folgenden Rückblende werden die Anfänge davon dargestellt. Auch die Verwendung von französischen Vokabeln zur Beobachtung der Gesellschaft und den eigenen Erlebnissen fand ich eine coole Idee.
Rezensionen von Katzenmicha:
Neapel und ein Mord
Commissario Gaetano und der lügende Fisch von Fabio Nola
In Neapel wird der Heilige Gennaro gefeiert, um den sich viele Mythen ranken, er ist gestorben, weil er für Neapel seinen Kopf gegeben hat. Commissario Salvatore Gaetano und die restlichen Mitarbeiter der Questura haben an diesen Tagen viel Arbeit, feiern aber auch.Iannus Caputano, aus Turin, bittet Commissario Salvatore Gaetano um Hilfe.
Iannus Caputano verhält sich merkwürdig und wird nicht ganz ernst genommen. Und genau dieser Caputano wird am nächsten Tag enthauptet in seiner Wohnung gefunden,wie einst Neapels Stadtpatron, dessen Blutwunder gefeiert wird.Der Ermordete ist ein absoluter Widerling und wurde von allen verabscheut.Während die Neapolitaner Freude und Leben in die Gassen bringen, macht sich Commissario Gaetano mithilfe seines Teams auf die Suche nach dem Mörder. Was nicht einfach ist, da der Mörder immer einen Schritt voraus ist.
Fabio Nola ist das Pseudonym eines deutschen Historikers,es ist der 1. Band von einer Commissario Gaetano Reihe.
Der Autor Fabio Nola hat einen fließenden und spannenden Schreibstil.Bildhaft nimmt er den Leser mit nach Neapel zun Fest des Heilige Gennaro.Commissario Gaetano hat seine eigene Art zu ermitteln,und so erlebt man auch das Leben chaotische Stadtleben in Neapel mit.Das Cover vermittelt den besonderen Flair Italiens. Es passt zur Geschichte,sehr gerne 4 Sterne.Ich bin auf Band 2 gespannt……..
Rezensionen von Gaby 2707:
Eine wundervolle Geschichte
Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen von Ito Ogawa
Die 25-jährige Hatoko Amemiya genannt „Poppo“ bricht nach dem Tod ihrer Großmutter, die sie liebevoll „ihre Vorgängerin“ nennt, ihren Auslandsaufenthalt ab und kehrt in ihre Heimatstadt Kamakura in Japan zurück. Hier übernimmt sie nicht nur den wunderbaren Schreibwarenladen ihrer Familie.
Sie übernimmt auch das Amt der öffentlichen Schreiberin, wie es ihr ihre Großmutter beigebracht hat.
Was sie da im Laufe der vier Jahreszeiten alles erlebt, das lest ihr in dem sehr emotionalen Buch von Ito Ogawa „ HATOKOs wunderbarer Schreibwarenladen“.
Wir schreiben alle weniger mit der Hand, verfassen eher Emails, whatsappen oder schreiben am Computer. Ganz anders als die Menschen, die sich mit einem Anliegen an Hatoko wenden. Sie wollen handgeschrieben Liebesbriefe, Aufmunterungen, Gruß- und Kondolenzkarten, eine Darlehnsabsage oder ein Schreiben, das die Scheidung ankündigt. Aber nicht nur die fertigt Hatoko an. Sie achtet auf die entsprechende Ausrichtung des Textes, eine ansprechende Wortwahl, passt sich der Handschrift des Auftraggebers an, sucht das passende Papier, die Tinte, das Schreibgerät und die Umschläge aus. Sogar die Briefmarken werden dem Anlass entsprechend verwendet. Dass ich einige ihrer Briefe und Karten sowohl in japanischen Schriftzeichen als auch in ihrer normalen Handschrift zu lesen bekomme, hat mir sehr gut gefallen.
Aber es wird in diesem Buch nicht nur die so vielfältige Kalligrafie betrachtet. Ich lerne die verschiedenen Rituale im Laufe eines Jahres kennen, sowie einige Eigenheiten der japanischen Sprache. Außerdem lebt mir Hatoko ohne es groß zu erwähnen Achtsamkeit vor, was mir sehr gut gefallen hat und zum reflektieren anregt.
Der Erzählstil von Ito Ogawa, den Sabine Mangold so gekonnt ins deutsche übersetzt hat, fließt ganz leicht und sanft an mir vorbei. Ich konnte mich sehr schnell und gut in die Welt von Hatoko hinein versetzen und mich mitnehmen lassen auf ihrem Weg durch die vier Jahreszeiten. Ich lerne ihr Umfeld kennen, weiß nun wie sie aufgewachsen ist und wie ihre Großmutter, ihre Vorgängerin, ihr das kunstvolle Schreiben, das alle Frauen vor ihr ebenso beherrschten, beigebracht hat. Und ich tauche ein bisserl ein in die mir sonst so fremde japanische Kultur.
Auf einer Karte der Stadt Kamakura kann ich die Wege, die Hatoko mit ihrer Nachbarin Barbara oder dem Baron geht, gut nachvollziehen.
Eine wunderbare Geschichte, die ich noch stundenlang hätte weiterlesen können. Nicht nur für Liebhaber von selbstgeschriebenen Briefen und Karten. Auch Japanfans kann dieses Buch bestimmt begeistern.
Rezensionen von Ele:
Von Weihrauch bis Leichengeruch
Die Gerüche der Kathedrale von Wendy Wauters
Die Gerüche der Kathedrale, Sachbuch von Wendy Wauters, 400 Seiten, Theiss in der Verlag Herder GmbH
Eine sinnliche Rekonstruktion des Alltagslebens im Spätmittelalter in Antwerpen
Die Autorin ist promovierte Kunsthistorikerin und hat eine preisgekrönte Dissertation über die Lebenswelt mittelalterlicher Kirchgänger verfasst.
Sie arbeitete als Leiterin der Sachbuchsammlung der Bibliotheken von Antwerpen.
Das Buch besteht aus 17 Kapiteln mit dem zum Inhalt passenden Titel. Die Abschnitte tragen ebenfalls eine inhaltsbezogene Überschrift. Zu Beginn der Kapitel ist ein zeitgenössisches Bild platziert. Ein ausführlicher Bildteil ist in der Mitte des Buches eingefügt. Grundrisse, Gemälde, Skulpturen, Ausschnitte aus Gemälden, Skizzen und Fotos auf die im Text hingewiesen wird, sind dort zusammengefasst. Berichte von Zeitzeugen sind in alter Sprache und in einer anderen Schrift eingefügt. Am Ende befindet sich eine Zeittafel und der Antwerpener Festkalender.
Ich habe sehr lange am Buch gelesen, denn durch die Hinweise auf die passende Illustration im opulenten Bildteil wurde mein Lesefluss immer wieder unterbrochen, auch schien mir der zeitliche Ablauf nicht ganz chronologisch, auch beim dazugehörigen Bildmaterial musste ich immer wieder vor und zurückblättern, Quellenhinweise sind nicht stören nicht, denn die Bibliografie ist ganz hinten im Buch zusammengefasst. Das fand ich sehr angenehm.
Fasziniert hat mich jedoch wie gründlich die Autorin auf die Sinneseindrücke in der Kathedrale bzw. bei einem Gottesdienst, sowie Kirchenbesuche im ausgehenden Mittelalter eingegangen ist. Natürlich, wie im Titel beschrieben, vor allem auf die Gerüche, Ausdünstungen der Gläubigen, den von Körperhygiene hielt man damals nicht viel. Schlechter Atem, Schweiß, übertüncht mit Parfüm, ungewaschenen Kleider, Krankheiten etc. Dazu kamen Gerüche von Tieren du ihren Ausscheidungen, z.B. Hunden die sich in der Kathedrale aufhielten, sogar eine Tierherde wurde durch die Kirche getrieben, als Abkürzung des Weges. Damals wurden die Toten direkt im Boden unter der Kathedrale bestattet, nicht so tief und nur mit etwas Erde bedeckt, verursachte Fäulnis und Verwesungsgeruch. Überschwemmungen, Pest, gemischt mit Weihrauch und Räucherwerk gegen Krankheiten, verursachten besonders im Sommer bestialischen Gestank.
Doch die Sinneseindrücke gehen weit über olfaktorische Eindrücke hinaus, denn auch für die Augen war einiges geboten, Gold Silber und Farben, Bilder Statuen Pracht und Pomp an allen Ecken. Dazu gab es auch für die Ohren genügend Wahrnehmungen. Predigten, Gesänge, Orgelspiel, Glocken, Schellen und so manch unangemessene Unterhaltung. Es war schwer damals in einer Kirche kontemplativ zu sein. Zusätzlich ist das religiöse Leben im Mittelalter gut und ausführlich beschrieben. Ein farbiges Bild des Lebens in der entsprechenden Zeit.
Ein besonderer Abschnitt ist dem Bildersturm gewidmet, wie viele Kunstwerke sind dadurch verloren gegangen.
Ich habe viel durch dieses Buch dazugelernt. Es ist eher als Nachschlagewerk denn als Unterhaltungslektüre geeignet. Wer sich für das religiöse Leben im ausgehenden Mittelalter, für Gottesdienste und Kirche, vor allem für die Antwerpener Kathederale zu dieser Zeit interessiert, ist hier richtig, Von mir 4 Sterne.
Rezensionen von Gaby 2707:
So macht lernen spielerisch Spaß
Punkt-zu-Punkt Dino Malbuch von Josef Mickey Müller
Schon das Cover mit einem großen, vielleicht einem Dino-Lehrer, und den drei kleinen Dinos macht große Lust sich näher mit diesem Malbuch zu beschäftigen.
82 von Punkt-zu-Punkt und auszumalende Dinos; verschiedene Labyrinthe, wo ich Wege finden muss und Schattenbilder, die zu verbinden sind machen Lust die Buntstifte raus zu holen und gleich mit dem verbinden und ausmalen los zu legen.
Egal ob Brontosaurus, Stegosaurus, Parasaurolophus, Triceratops oder ein T-Rex – alle sind hier vertreten und stellen sich mit ihren Name vor. Ob meine beiden Jungs die alle lernen wollen/werden – da bin ich gespannt. Aber es gibt nicht nur Dinos in diesem Buch. Auch kleine Drachen tauchen immer wieder auf, die vervollständigt und ausgemalt werden wollen.
Die Rückseite der Malvorlagen ist leer, was ich sehr gut finde. Da macht es nichts, wenn sich die ein oder andere Farbe mal durch scheint.
Die Zahlen 1 – 50 stehen eng nebeneinander, so dass es den kleinen Zeichnern leicht fällt, sie zu verbinden. Darüber hinaus lernen sie spielerisch die Zahlen wie nebenbei, ihre Feinmotorik wird gestärkt und sie üben sich in Konzentration und Ausdauer.
Durch die vielen kleinen Rätsel wird es sogar noch ein bisserl spannend. Und auch die Labyrinthe kann man mit verschiedenen Farben gut zum ausmalen nutzen.
Ein tolles XXL-Malbuch mit verschiedenen Rätselaufgaben nicht nur für kleine Dino-Fans ab 4 Jahren. Da der Preis richtig annehmbar ist, werde ich das Buch auch für den ein oder anderen Kindergeburtstag als Geschenk nutzen.
Rezensionen von Arambol:
Zusammen oder gar nicht
Maikäferjahre von Sarah Höflich
"Wenn es Gott wirklich gab, dann hatte er hierfür verdammt lange gebraucht."
"Maikäferjahre" von Sarah Höflich ist ein Roman, der in den turbulenten Zeiten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs spielt. Im Frühjahr 1945 fliehen Anni und ihre kleine Tochter Clara, zusammen mit dem jüdischen Musiker Adam, aus dem zerbombten Dresden zu ihren Schwiegereltern nach Tirol.
Ihr Zwillingsbruder Tristan, gerät in den letzten Kriegstagen schwer verletzt in britische Gefangenschaft und kämpft in England ums Überleben. Dabei findet er in der Krankenschwester Rosalie die große Liebe seines Lebens.
Sarah Höflich beschert uns einen außergewöhnlichen historischen Roman, der nicht nur berührt, sondern tief unter die Haut geht. Die Geschichte entfaltet sich in einer durchgehend spannenden Handlung, die von zahlreichen schicksalhaften und unerwarteten Wendungen geprägt ist. Besonders beeindruckend ist dabei die überzeugend anschauliche Schilderung der Nachkriegssituation: Die Not, die Angst, aber auch der spürbar unbändige Überlebenswille sind eindringlich bildhaft beschrieben und mit einer solchen Intensität dargestellt, dass man mit den Protagonisten fühlt, leidet und hofft.
Anni und Tristan stehen stellvertretend für eine ganze Generation, deren Schicksal von Krieg und Vertreibung gezeichnet ist. Sie vermitteln eindrücklich, wie wichtig es sein kann, weiterzumachen und zu versuchen, immer das Beste aus jeder Situation zu machen.
Die authentische, hautnahe Erzählweise der Autorin macht den Roman zu einem echten Leseerlebnis; man spürt dabei unmittelbar, dass jedes Detail von ihr sorgsam recherchiert wurde.
Ein packend empfehlenswerter Roman, der anschaulich von Liebe, Schuld und den moralischen Herausforderungen der Nachkriegszeit erzählt.
Eine historische Erzählung mit großen Gefühlen; für mich schon jetzt ein Highlight meines Bücherjahres.
"Manchmal muss man auch Leichtigkeit neu erlernen."
Rezensionen von dorli:
Wenn das eigene Gedächtnis trügt
Die Mündung von Tim Pieper
Tim Pieper beginnt seinen Thriller „Die Mündung“ mit einem neugierig machenden Prolog: ein Mann in einem Segelboot kreuzt das Fahrwasser im Bereich der Elbmündung dicht vor dem Bug eines Containerschiffes - er versucht, mit dem waghalsigen Manöver seine Verfolger abzuhängen…
Im Folgenden lerne ich Lena Funk kennen - die Kriminalhauptkommissarin hat sich eine Auszeit genommen, um zu verarbeiten, dass ihre Schwester Jette einem Serientäter zum Opfer gefallen ist.
Lena verbringt deshalb einige Zeit als Umweltpraktikantin auf der Vogelinsel Scharhörn. Doch wiederkehrende Albträume und der Eindruck, dass die mit dem Fall betraute SoKo bei den Ermittlungen geschlampt hat, lassen sie nicht zur Ruhe kommen. Interessant wird es, als Lena nach einem Unwetter eine männliche Leiche in den Dünen entdeckt. Der offensichtlich ermordete Mann hat Schmuckstücke bei sich, die der sogenannte Gezeitenmörder von seinen Opfern als Trophäe behalten hat. Auch ein Anhänger von Jette ist dabei…
Nach diesem Fund will Lena wieder mitermitteln und macht sich auf die Suche nach Antworten - und ich bin zunächst einmal irritiert, denn Lena verhält sich ganz und gar nicht wie eine erfahrene Kripo-Beamtin. Die Erklärung, warum ihre Ermittlungen so untypisch und nachlässig wirken, lässt nicht lange auf sich warten und hat es in sich…
In diesem Thriller ist vieles nicht so, wie es auf den ersten Blick erscheint. In einem dem Prolog vorangestellten Zitat von der US-amerikanischen Psychologin Elizabeth Loftus heißt es: „Unser Gedächtnis arbeitet konstruktiv. Es arbeitet rekonstruktiv. Das Gedächtnis funktioniert ein bisschen wie Wikipedia: Sie können es aufrufen und es verändern, aber andere können das auch.“ Diese Worte lassen bereits erahnen, dass Tim Pieper sich für seine Protagonistin und damit auch für den Leser ein paar besondere Herausforderungen ausgedacht hat - so muss Lena sich im Verlauf der Handlung die Frage stellen, wie sie den Fall lösen soll, wenn sie ihren eigenen Erinnerungen nicht trauen kann. Und ich frage mich ständig, was hier tatsächliches Geschehen ist und welche Ereignisse aufgrund von Manipulation Hirngespinste sind und nur scheinbar geschehen.
Tim Pieper wartet mit einer raffiniert gestrickten Geschichte auf, die voller falscher Fährten und dramatischer Wendungen ist. Die Spannung ist dabei von Anfang an auf einem hohen Level und wird durch unerwartete Ereignisse, temporeiches Geschehen und das stückweise Aufdecken von Hintergründen immer wieder aufs Neue befeuert.
Und auch die unterschiedlichen Zeitebenen tragen dazu bei, dass die Handlung einen enormen Sog entwickelt. Während ich in Rückblenden erfahre, was vor Jettes Verschwinden passiert ist und zudem die familiären Angelegenheiten der Schwestern kennenlerne, kann ich in dem gegenwärtigen Part prima mit den Akteuren mitfiebern und rausche so mit großer Geschwindigkeit durch das Buch, immer begierig darauf zu erfahren, wer hier seine kriminellen Finger im Spiel hat.
Als sehr gelungen habe ich auch die Beschreibungen der Schauplätze empfunden - die rauen Bedingungen an der Küste, der Wechsel von grauen Nebelschleiern und stürmischen Winden, das Spiel der Gezeiten und auch die Einsamkeit des Wattenmeers sorgen für eine düstere Atmosphäre und geben der Thrillerhandlung den passenden Rahmen.
„Die Mündung“ hat mir sehr gut gefallen - ein Thriller, der mit einem abwechslungsreichen Geschehen punkten kann und mir ein paar spannende Lesestunden beschert hat.
Rezensionen von Furbaby_Mom:
Genialer NA-Suspense-Roman!
Beauty must die von Kira Licht
Highlight-Alarm!! Dieser Roman hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen und bis zum Schluss an seine Seiten gefesselt. Ich sag es euch gleich vorweg: Das wunderschöne Cover wird dem Inhalt absolut gerecht.
Als Südstaaten-Fan war ich hingerissen von Kiras atmosphärischen Beschreibungen des fiktiven Städtchens Tallahawney, das (umgeben von morastigen Alligatoren-Sümpfen in Louisiana) als Schauplatz dieses nervenaufreibenden New-Adult-Romans dient.
Die feuchte Hitze, die Sumpfluft, der krasse Kontrast zwischen verarmter und wohlhabender Bevölkerung, die Präsentation der eigenen Familie (und Moral) am Kirchsonntag, der mitunter wirklich bösartige Klatsch und Tratsch innerhalb der Gemeinde ... und doch halten alle, wenn es hart auf hart kommt, irgendwie zusammen. Im Sumpf gelten eben eigene Regeln. Ganz ehrlich, realer könnte man die Southern Vibes kaum einfangen, da hat die Autorin einen phänomenalen Job gemacht - ein riesengroßes Lob!!
Ebenfalls genial: Die authentische Wortwahl in den Dialgen, die vielschichtige Figurenzeichnung, der Story-Aufbau, die Vielzahl an Verdächtigen - ständig lag ich falsch mit meinen Vermutungen, immer wieder warf mich ein neuer Twist komplett aus der Bahn. Genau SO muss es sein, es blieb bis zum Schluss spannend. In puncto Suspense (Aufbau des Spannungsbogens, überraschende Wendungen und Enthüllungen, Auswahl potentieller Verdächtiger, etc.) habe ich selten so ein gut druchdachtes und konzipiertes Jugendwerk gelesen. Das war schon beinahe ein Whodunnit auf Agatha-Christie-Level, einfach nur wow!
Mae mochte ich sehr gerne, insbesondere ihre reflektierte Art - selbstverständlich checkt sie, dass sie als Nicht-Profi eher die Finger von dem Mordfall lassen sollte, bei dem ihre Kindergartenfreundin Shirley ihr Leben verloren hatte. Es ist also nicht der typische Fall von Selbstüberschätzung einer naiven weiblichen Hauptfigur, wie man es so häufig in diesem Genre liest - im Gegenteil; Mae weiß sehr wohl, dass sie den Job eigentlich den FBI-Ermittlern überlassen sollte; vielmehr ist es eher eine Herzensangelegenheit ... sie kann einfach nicht anders, dafür war Shirley ihr zu wichtig. ... auch wenn sich nach und nach herausstellt, dass die erdbeerblonde Südstaatenschönheit sich einige Feinde im Ort gemacht hatte und es viele Verstrickungen in ihrem jungen Leben gab, von denen Mae nicht die geringste Ahnung hatte.
Also warum vergebe ich 'nur' 4 Sterne, wenn es doch so ein sensationeller Pageturner ist? (Und das ist das Buch wirklich!) Nun, ausgerechnet der fulminante Showdown am Ende war mir einen Hauch too much - zu heftig, zu viel, zu schnell auf einmal. Positiv: Es bleiben keine Fragen offen und alles Vorherige ergibt Sinn (zudem erhalten wir einen kleinen Ausblick auf die weitere Entwicklung im Anschluss an die Ereignisse à la 'Wie ging das Leben der einzelnen Charaktere weiter?').
Der Romance-Aspekt steht hier definitiv nicht im Vordergrund; die Annäherung zwischen Mae und - lest selbst! - passiert eher nebenbei, was ich wunderbar und vollkommen richtig fand, ansonsten wäre es ja ein klassischer Liebesroman.
Fazit: Macht euch bereit für ein mitreißendes Leseerlebnis, von mir gibt es eine klare und rundum begeisterte Leseempfehlung!
Rezensionen von ReiShimura:
Liebesglück zwischen Mobbing und Body Shaming
After Work von Simona Ahrnstedt
Das Cover des Buches ist normalerweise kein Thema bei meinen Rezensionen, da ich die Beurteilung des Inhalts des Buches als wichtiger erachte. In diesem Fall mache ich aber eine Ausnahme. Denn das Cover stößt mir ein wenig sauer auf. Auf den ersten Blick passt es ja wirklich gut zum Titel des Buches, aber leider nur bedingt zum Inhalt.
Denn die Themen Gewicht, body shaming und falsche Schönheitsideale in der Werbung sind zentrale Punkte in der Geschichte. Und trotzdem tappt der Verlag hier in die gleiche Falle und wählt ein ausnehmend schlankes Model für das Cover. Sehr schade.
Mit Lexia Vikander konnte ich mich recht schnell anfreunden und mich auch in sie hineinversetzen. Ihre Unsicherheiten und Unzulänglichkeiten sind manchmal ein wenig anstrengend und nervig, machen sie auf der anderen Seite aber auch realistisch, menschlich und sympathisch. Ähnliches gilt für Adam Nylund. Bei ihm war meine Sympathie sehr stark davon abhängig welche seiner vielen Seiten er gerade gezeigt hat. Den harten Hund in geschäftlichen Dingen fand ich nicht immer sympathisch, konnte seine Handlungen aber verstehen. Nicht nachvollziehen konnte ich seine Gedanken bezüglich seiner Exfreundin, diese waren für mich völlig aus der Luft gegriffen und haben für die Geschichte keinen Mehrwert geliefert. Außer die Seitenzahl zu erhöhen und das Ganze ein wenig in die Länge zu ziehen.
Autorin Simona Ahrnstedt spricht in ihrem Buch sehr viele wichtige Themen an. Manche davon sind heute nicht mehr ganz so relevant. Die Werbung ist in den letzten Jahren, das Buch ist immerhin bereits 2018 erschienen, durchaus vielfältiger und diverser geworden. Andere Themen werden wahrscheinlich nie an Aktualität verlieren, auch wenn es wünschenswert wäre. Body positivity wird zwar überall propagiert, so ganz ist das in den Köpfen der Menschen aber noch nicht angekommen. Fälle von body shaming und Mobbing wegen eines von der Norm abweichenden Aussehen sind ist gerade in den sozialen Medien noch immer gang und gäbe.
Bei mir hinterlässt das Buch ein wenig das Gefühl, dass die Autorin es mit den "schwierigen" Themen ein klein wenig übertrieben hat. Da wurde für meinen Geschmack zu viel reingepackt, vor allem Dinge, die für die Geschichte keinen Mehrwert bringen, sondern nur dazu dienen, dass das Buch politisch korrekt ist und sich jede und jeder mitgemeint fühlt.
Die Liebesgeschichte zwischen Lexia und Adam würde ich als glaubwürdig bezeichnen, was für mich persönlich immer sehr wichtig ist. Die pikanten Szenen kommen natürlich vor, sind aber durchaus akzeptabel formuliert und nehmen nicht zu viel Raum ein.
Der Erzählstil der Autorin gefällt mir und sie konnte das Gefühlschaos der Protagonisten glaubwürdig transportieren. Leider sind viele der Nebencharaktere nur platte Randfiguren. Da wird tief in die Klischeekiste gegriffen und wie oben bereits erwähnt, versucht möglichst viele Randgruppen und Minderheiten auch noch zu integrieren. Einige der Personen hätten auch Potential gehabt, kamen in der Geschichte aber ein wenig zu kurz.
Alles in allem war es ein angenehmes, teilweise aber auch langatmiges Leseerlebnis. Ich hätte aber auch nichts dagegen einzuwenden gehabt, wenn der eine oder andere Handlungsstrang gefehlt hätte.











