Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von nil_liest:

Kats Märchenschatz – ein feines Geschenkbuch

Lieblingsmärchen von Kat Menschik; Hans Christian Andersen

Es beginnt wie ein leises Flüstern aus Kindertagen: Das Knistern einer alten Märchenseite, das Funkeln vergilbter Sterne über einem Hof aus Tinte, das leise Trappeln eines Hundes mit tellergroßen Augen durch die Gedankenwelt. Und dann schlägt man das Buch auf – Kat Menschik illustriert die schönsten Märchen von Hans Christian Andersen – und wird augenblicklich in ein Farbenreich katapultiert, das zugleich nostalgisch wie visionär wirkt.

Menschik macht hier mehr als bloß Märchen bebildern – sie inszeniert sie. Wie ein Bühnenlicht fällt ihr Zeichenstift auf Details, die in unserer Erinnerung verblasst waren. Aus einem einfachen Entlein wird eine Figur mit echtem Herzklopfen, aus einer Prinzessin auf einer Erbse eine Studie weiblicher Stärke und Sensibilität. „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ brennt sich förmlich in die Seele – ohne jede Sentimentalität, sondern mit der zarten Wucht ehrlicher Anteilnahme.
Besonders bezaubernd ist, dass sich in diesem Band Vergangenheit und Gegenwart die Hand reichen: Menschiks erstes Buchprojekt, ein Unikat für ihre Mutter gezeichnet, wird hier als Faksimile abgedruckt – eine Zeitreise in die Anfänge einer mittlerweile ikonischen Illustratorin. Wer genau hinsieht, erkennt schon dort den Kern ihres späteren Stils: verspielt, pointiert, manchmal leicht grotesk, immer aber voller Liebe zum Detail und zur erzählten Welt.
Auch das Puppenspiel am Ende – „Die Nachtigall“ – ist mehr als ein nettes Extra: Es lädt ein zum Nachspielen, zum Weiterträumen, zum Märchenerleben mit Händen und Stimmen. Und wer sich traut, die Figuren auszuschneiden (oder sie lieber kopiert), erhält eine Bühne für das eigene Wohnzimmer – ein Fest für Fantasie und Kindheitsträume.
Der Band ist ein Gesamtkunstwerk. Vom geprägten Leineneinband über den pastellblauen Buchschnitt bis zu den ausdrucksstarken Illustrationen ist alles ein Erlebnis für Auge und Herz. Und ja, auch für die Seele. Denn was Andersen einst über das Leben sagte – dass es selbst das wunderbarste Märchen sei – trifft hier auf Menschiks Kunst in vollendeter Form.
Fazit:
Ein Buch wie ein Kaleidoskop der Gefühle. Nostalgie trifft auf moderne Grafik, alte Märchen flackern in neuem Licht. Wer Andersen liebt – oder Kat Menschik –, wird sich diesem Band nicht entziehen können. Ein Lieblingsbuch. Und eines, das selbst ein Märchen geworden ist.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von nil_liest

Rezensionen von liesmal:

Tragikomischer Roadtrip

Tage wie Salzwasser von Sita Maria Frey

„Tage wie Salzwasser“ ist ein gelungenes Debüt von Sita Maria Frey. Schon der Prolog lässt die Geschichte mit spektakulären Kopfbildern wie einen Film erscheinen.
Die beiden Protagonistinnen Atlanta und Enza gefallen mir, seit sie bei ihrem ersten Zusammentreffen förmlich aufeinanderprallen.

Dabei sind sie doch so verschieden:
Atlanta ist Mathematikerin – und schwanger. Malte ist nicht mehr da, sein Notizbuch mit Adressen bleibt ihr.
Enza ist eine Einzelgängerin. Sie liebt ihr Fahrrad und hängt sehr an ihrer Mutter. Die ist allerdings schwer krank und möchte, dass Enza Kontakt zu Verwandten auf Sizilien aufnimmt.
So kommt es, dass sich die beiden Frauen gemeinsam auf den Weg machen, mit Enzas Motorrad. Mir gefällt die rasante Geschichte mit den wechselnden Perspektiven zwischen Atlanta und Enza. Sie ist fröhlich und traurig zugleich, dramatisch und berührend, erzählt von Traurigkeit, von Freundschaft, Vertrauen und Glück.
Insgesamt haben mir die „Tage mit Salzwasser“ schöne Lesestunden bereitet, wobei ich die Bekanntschaft der beiden Frauen mit dem wunderbaren Antonio und vor allem dem Sternehotel besonders genossen habe. Sehr gern gebe ich eine Leseempfehlung für ein wunderschönes Debüt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von liesmal

Rezensionen von nanu?!:

Wildbienen entdecken und bewahren

Unsere Wildbienen von Sarah Wyndham Lewis

Dieses Buchprojekt liegt der Autorin ganz besonders am Herzen. Schon ihr ganzes Leben beschäftigt sie sich mit den Wildbienen.
Mit diesem Buch möchte Sarah Wyndham Lewis aufklären, Fakten von Fiktion trennen, Aufmerksamkeit schaffen.
Das weltweite Insektensterben schreitet unaufhaltsam voran, was ungeheure Auswirkungen auf unser aller Leben haben wird.

Die Autorin zeigt hier unter anderem, wie jeder von uns mit einfachen Schritten, einen wertvollen Beitrag zum Schutz der Wildbienen leisten kann.

Es gibt so viel Tolles über Wildbienen und Hummeln zu erfahren. Alles was man je über Bienen wissen wollte, wurde hier aufgegriffen.
Die ersten Kapitel sind zwar ziemlich theoretisch, aber trotzdem wahnsinnig spannend und unterhaltsam. Die Texte lassen sich gut lesen, sie sind überhaupt nicht zu trocken oder irgendwie belehrend. Durch den angenehmen Sprachstil, kann man so richtig in das Buch eintauchen und sich festlesen.

Danach folgt ein Kapitel mit den häufigsten Wildbienen und Hummeln. So kann der Beobachter sie leichter bestimmen und auseinander halten. Man glaubt gar nicht, wie unterschiedlich sie in ihrer Charakteristik sein können.
Nebenbei lernt man noch einiges über die Pflanzen, die die Wildbienen bevorzugen.
Die Autorin greift wirklich viele unterschiedliche Themen auf. Sie klärt beispielsweise über "Bee-Washing" auf oder ob Insektenhotels wirklich so sinnvoll sind, wie immer überall beworben wird.

Das letzte Kapitel gefällt mit besonders. Da gibt es nämlich viele Tipps zum eigenen bienenfreundlichen Garten und welche Pflanzen man pflanzen sollte. Denn jede Wildbienenart ist Spezialistin für eine andere Pflanze. Je diverser gepflanzt wird, umso artenreicher ist danach der Garten, was ja nicht nur den Bienen am Ende zugute kommt.
Und ich muss noch unbedingt erwähnen, wie schön das Buch geworden ist. Es gibt viele Fotos und Illustrationen zu den Bienen und Blumen. Man merkt wirklich, wie viel Liebe in das Buch geflossen ist.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von nanu?!

Rezensionen von fantasia:

Es gibt immer eine Chance

Noch fünfzig Sommer mehr von Avril Maury

Wer möchte sich nicht mit zweiten Chancen beschäftigen bzw. auf sie hoffen, wie es der Untertitel dieses Buches zeigt. Die Hauptfigur Eleni ist von Verlusten betroffen und gezeichnet, aber sie kommt weiter und geht ihren Weg.
Ihre Mutter kam - als sie fünf Jahre ist - ums Leben, und Eleni wuchs bei ihren Großeltern auf.

Inmitten der bretonischen Landschaft entwickelt sich das Geschehen und lässt die Leser spüren, welche Schicksalsschläge Eleni erdulden muss. Die Blumengrüße vor der Tür lassen sie dann letztendlich doch wieder ins Leben zurückfinden und wider Erwarten eine Liebe finden. Das ist schön beschrieben und berührt.
Ob das auch andere Leser auch berührt oder ihnen konstruiert erscheinen mag, lasse ich für andere Leser/innen offen. Mir hat das Buch - das in einem ansprechenden, flüssigen Schreibstil verfasst ist - ganz gut gefallen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von fantasia

Rezensionen von nil_liest:

Ein erschütternder Monolog

Alle außer dir von Maria Pourchet

Maria Pourchets Roman Alle außer dir ist ein literarisch kraftvoller, emotional tief erschütternder Monolog einer Frau, die am Wendepunkt ihres Lebens steht: Marie, 35 Jahre alt, frischgebackene Mutter, blickt im Halbdunkel eines Pariser Krankenhauszimmers auf die Wiege ihrer Tochter – und in die Tiefen ihrer eigenen Kindheit.

Was folgt, ist keine linear erzählte Lebensgeschichte, sondern ein fragmentarischer, aufwühlender innerer Strom von Erinnerungen, Reflexionen und Fragen. Marie rechnet ab – mit ihrer Mutter, mit einem erstickenden Frauenbild, mit sich selbst. Der Ton ist unverblümt, radikal ehrlich, gelegentlich sarkastisch, oft schmerzhaft – aber nie larmoyant. „Ich bin auch nur eine blöde Kuh, die nichts Besseres zu tun hat, als ihre Mutter in einem Buch zur Strecke zu bringen, statt zu stillen“, schreibt sie (S. 135) – Sätze wie dieser zeigen Pourchets Gespür für Ambivalenz, für die Widersprüche des Mutterseins und Frauwerdens.
Zentrale Fragen, die Marie umtreiben: Was geben Frauen – ungewollt, unreflektiert – an ihre Töchter weiter? Wo endet Fürsorge, wo beginnt emotionale Kälte? Wie tief sitzen Sprachmuster, Demütigungen und unausgesprochene Erwartungen, wenn sie von Generation zu Generation weitergetragen werden? Alle außer dir ist ein Buch über das unsichtbare Erbe weiblicher Unterdrückung, die nicht nur von außen, sondern auch im Inneren einer Familie entsteht – subtil, still und doch prägend.
Formal ist Pourchets Roman eher ein langes Poem als eine klassische Erzählung. Der Text folgt keiner chronologischen Ordnung, sondern ist assoziativ und impulsgetrieben. Es ist ein Sog, dem man sich kaum entziehen kann – auch dank der hervorragenden Übersetzung, die den dichten, poetischen und zugleich brutalen Ton des Originals treffsicher ins Deutsche überträgt. Der Originaltitel Toutes les femmes sauf une – „Alle Frauen außer einer“ – trifft die Ambivalenz des Stoffes eigentlich noch besser, doch Alle außer dir funktioniert im Deutschen immerhin als offenes Echo auf die Tochter.
Was bleibt, ist ein schmerzlicher Eindruck: von der Last weiblicher Sozialisation, von der Ohnmacht, Dinge anders machen zu wollen – und doch von der Angst getrieben zu sein, dieselben Fehler zu wiederholen. „Ich wünsche mir, dass du so gut wie nichts davon behältst“, sagt Marie zu ihrer Tochter (S. 13) – ein Wunsch, der Hoffnung und Hilflosigkeit zugleich ausdrückt.
Fazit:
Maria Pourchet gelingt mit Alle außer dir ein intensiver, sprachlich außergewöhnlicher und psychologisch tiefgründiger Roman über Mutter-Tochter-Beziehungen, weibliche Prägung und den Willen, schmerzhafte Kreisläufe zu durchbrechen. Kein einfacher Text – aber ein unbedingt lesenswerter. Ein literarisches Glanzstück im schmalen Format.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von nil_liest

Rezensionen von peedee:

Golden Girls in Böse

Very Bad Widows von Sue Hincenbergs

Die vier Freundinnen Marlene, Pam, Nancy und Shalisa sind wie ein vierblättriges Kleeblatt – sie gehen gemeinsam durch dick und dünn. Zusammen mit ihren Männern, auch wenn der Liebesofen so ziemlich erkaltet ist, aber was will man auch erwarten nach über 30 Jahren Ehe? Als Marlenes Mann Dave stirbt und sie mit dem Geld aus der Lebensversicherung wegzieht, schmieden die anderen drei einen eigenen „Rentenplan“: Sie wollen sich ihrer Männer ebenfalls entledigen und ein neues Leben beginnen.

Alle müssen gleichzeitig umkommen, ansonsten gibt es nur Probleme…

Erster Eindruck: Das Buchcover gefällt mir sehr gut; ein passender Farbschnitt. Es überrascht mich jedoch, dass der Buchtitel auf Englisch ist, aber nicht einmal der Originaltitel („The Retirement Plan“).

Eines muss den Leser:innen vorab bewusst sein: Es ist unabdingbar, sich gleich von der Realität zu verabschieden, denn nur so kann man dieses Buch in seiner schrägen Art, mit den verrückten Wendungen und dem schwarzen Humor geniessen. Gesagt, getan: Nachdem ich mich von der Realität verabschiedet hatte, folgte ein schräges Ereignis dem anderen. Ich sah das Ganze wie in einem Film vor meinem inneren Auge ablaufen – herrlich.

Dave ist also tot. Das kann noch niemand so richtig glauben. Und nun zieht Marlene auch noch weg? Also hat Marlene am Ende mit der 1 Mio. aus der Lebensversicherung doch noch das grosse Los gewonnen? Ein makabrer Gedanke – aber für die verbliebenen drei Frauen der Anstoss, ebenfalls zu reichen Witwen zu werden. Ihre Männer haben sich vor ein paar Jahren verspekuliert und so die Pläne für ihre Rente zunichte gemacht. Das wäre somit die geeignete Rache…

Als Leser:in weiss man mehr als die einzelnen Protagonisten. Daher ist es sehr witzig, wenn man liest, was der Plan der Männer ist, und wie die Frauen ihrerseits Pläne schmieden. Die Frauen, die allesamt Blanche aus den Gilmore Girls sein möchten – selbstverständlich –, haben mich sehr amüsiert. Dann gibt es noch Hector, den geheimnisvollen Herrenfrisör, der tut, was manchmal eben getan werden muss – und damit ist nichts Frisurentechnisches gemeint! Aber in erster Linie liebt er seine Frau Brenda; sein Motto lautet „Happy Wife, Happy Life“. Und da wäre noch Padma, die junge indische Casino-Chefin, die nicht wirklich geeignet für diesen Job ist, und gemäss ihrer Mutter dringend heiraten muss. Ein gelungenes, schräges, schwarzhumoriges Debüt, das für meinen Geschmack jedoch zu lange war – 4 Sterne.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von peedee

Rezensionen von Cxicken:

Schrecken der Nachkriegszeit

Eine Welt nur für uns von Claire Deya

In dem Roman „Eine Welt nur für uns“, welcher von Claire Deya im Französischen verfasst und von Elisabeth Liebl ins Deutsche übersetzt wurde, geht es um den ehemaligen Kriegsgefangenen Vincent, der eine neue Identität annimmt, um in der Freiheit leben zu können und seine große Liebe Ariane wiederzufinden.

Doch zunächst zu der Gestaltung: Das Cover ist sehr ansprechend, spiegelt jedoch nicht die schrecklichen Bilder wider, welche in dem Roman besprochen werden. Es ist eine klippenartige Küstenlandschaft dargestellt. Die Minensucher in der Geschichte sichern hingegen hauptsächlich einen Strand. Der Buchdeckel direkt hat hingegen eine orange Farbe, welcher die Stimmung des Covers gut einfängt.
Die Themen sind vielfältig: Neben der gefährlichen Arbeit während der Minenentsicherung, liegt der Fokus schließlich immer noch auf der Sucher nach Ariane. Dabei werden persönliche Beziehungen, Verrat und Verzweiflung deutlich. Außerdem ist die politische Situation sehr angespannt: ist es legitim, den Deutschen zu helfen? Nach all dem, was sie den Franzosen angetan haben? Wären die Franzosen zu gleichem fähig? Um diesen Konflikt zu verdeutlichen, werden die verschiedenen Seiten der Charaktere ausführlich dargestellt. Saskia, eine Jüdin, die Birkenau überlebt hat, kann zunächst Vincents aufgeschlossene Art nicht verstehen. Lukas, der Deutsche, der womöglich viel mehr mit Vincent gemeinsam hat, als man es sich vorstellen kann.
Der Schreibstil hat mich nicht direkt abgeholt. Am Anfang habe ich sehr schleppend die ersten Seiten des Romans gelesen. Es hat mich einfach nicht direkt abgeholt. Als ich mich dann aber hingesetzt habe und mir aktiv die Zeit genommen habe, habe ich das Buch innerhalb von 1,5 Tagen durchgelesen. Die Perspektiven wechseln manchmal, aber es wird immer sehr schnell deutlich, aus welcher Perspektive gerade geschrieben wird. Ein Aspekt der mir aufgefallen ist, dass die Kapitel nicht durchnummeriert sind, oder einen Namen haben. Dies hat mich teilweise irritiert.
Die Charaktere sind allgemein fast alle authentisch. Teilweise, wie bei Ariane, sind bei mir einige Fragen offen geblieben, was jedoch durchaus gewollt sein kann.
Ich empfehle diesen Roman allen Leuten, die sich die Schrecken des Krieges noch einmal verdeutlichen wollen, insbesondere um eine Abwehrreaktion hervorzurufen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Cxicken

Rezensionen von bedard:

Auf den Spuren der Großeltern

Frau im Mond von Pierre Jarawan

Die Zwillingsschwestern Lilit und Lina el Shami sind bei ihrem Großvater Maroun in Montreal, Kanada, aufgewachsen. Ihre Großmutter haben sie nie kennengelernt. Eine alte Postkarte weckt jedoch Lilits Interesse, und sie beginnt, sich für die Geschichte ihrer Familie zu interessieren. Anders als ihre Schwester hat sie die Freiheit, in den Libanon zu reisen und sich intensiv mit den Spuren ihrer Vorfahren auseinanderzusetzen.

Wie schon in seinem sehr lesenswerten Debütroman „Am Ende bleiben die Zedern“ erzählt Pierre Jarawan eine Geschichte, in der Bürgerkrieg und Flucht eine wichtige, aber nicht alles bestimmende Rolle spielen. Neben den tragischen Ereignissen, die auch in diesem Roman viel Raum bekommen, geht es auch um Hoffnung, Zuneigung und Verbundenheit.

Positiv herauszuheben ist dabei die wenig bekannte Lebanese Rocket Society, die bereits 1966 eine Weltraumrakete zündete – im krassen Gegensatz zu der furchtbaren Explosion im Hafengebiet von Beirut genau 54 Jahre später. Gelegentlich etwas weitschweifig erzählt, ist der Roman passend in drei Stufen gegliedert, wie die Zündstufen einer Rakete, und die Kapitel folgen einem Countdown von fünfzig abwärts. Allerdings wird die Geschichte nicht strikt chronologisch erzählt, sondern in Zeitsprüngen, was etwas Aufmerksamkeit erfordert – insbesondere, wenn die Geschichte des Libanons noch relativ unbekannt ist.

Der dritte Roman des Autors zeichnet sich dadurch aus, dass den Lesenden ein Bild des Libanons und seiner Menschen vermittelt wird, das über die Kriegsberichterstattung in den Medien hinausgeht. Lesenswert!

im Shop ansehen weitere Rezensionen von bedard

Rezensionen von Sina:

Auf ins Land der Pixel!

Gaming – Eine Pixel-Zeitreise von Jean Zeid

Bei „Gaming – eine Pixel-Zeitreise“ handelt es sich um ein Comic-Sachbuch aus dem Carlsen Verlag, geschrieben von Jean Zeid und illustriert von Émilie Rouge. Hier überzeugen die ansprechende Optik und die hochwertige Haptik sofort: das Buch ist schwer, mit einem stabilen Karton-Einband und aus qualitativem Papier gefertigt.

Der Inhalt ist in 12 Kapitel unterteilt, die verschiedene „Epochen“ im Zeitalter des Gamings darstellen.
Angefangen bei Atari über Sega bis hin zu Nintendo begeben sich die Lesenden auf eine Zeitreise durch die turbulente Welt der Konsolen- und Spieleentwicklung.
Man sollte hierbei im Hinterkopf behalten, dass es sich wirklich um ein als Comic getarntes Sachbuch handelt. Mich persönlich hat das erste Drittel des Buches eher gelangweilt, da es sehr ausführlich, in langen Textpassagen die technischen Entwicklungen der Branche im Laufe der Jahrzehnte beschreibt und mir viele der großen Namen auch gar kein Begriff waren. Für Gen X oder „alte“ Millenials, die sich schon früh für das Thema interessiert haben, mag das anders sein.
Darüber hinaus bietet es aber auch viele spannende, teils skurrile Fakten und Insiderwissen, über die man Schmunzeln oder auch den Kopf schütteln kann.

Zeid und Rouge führen die Lesenden als Protagonist*innen selbst durch die Welt des Gaming und geraten dabei aufgrund ihres Altersunterschieds und den sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten ab und zu aneinander, was die Story auflockert und Abwechslung bietet.
Der comicartige Zeichenstil ist für das Thema passend gewählt und auch die farblich fein auf die jeweilige Zeitepoche abgestimmten Illustrationen stellen ein liebevolles Detail dar.
Positiv hervorzuheben ist zudem der Index am Ende des Buches, mithilfe dessen man ganz einfach nochmal einzelne Begriffe nachschlagen kann.

Alles in allem ein originelles und liebevoll gestaltetes Buch für alle Gaming-Fans oder einfach Interessierte, die keine Lust haben, sich ellenlange trockene Texte durchzulesen aber dennoch etwas zur Entstehung und Entwicklung der Branche erfahren möchten.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Sina

Rezensionen von Sina:

Zwischen Hoffnung und Wehmut

Durch das Raue zu den Sternen von Christopher Kloeble

„Durch das Raue zu den Sternen“ von Christopher Kloeble war mein erster Roman des Autors und hat mich direkt positiv überrascht.

In der Geschichte begleiten wir die 13-jährige Arkadia Fink, auch genannt Moll, ein musikalisch hochbegabtes Mädchen, das alleine mit seinem Vater zusammenwohnt. Arkadias Mutter lehrte sie die Liebe zur Musik, doch seit diese weggegangen ist, wächst in Arkadia der Wunsch trotz ihres Geschlechts in einem Knabenchor zu singen.

Für sie steht fest, dass sie auf die großen Bühnen der Welt gehört. Zudem ist sie fest davon überzeugt, dass ihre Mutter zurückkommen wird, sobald sie ihre Tochter auf einer solchen Bühne singen hört.
Bei der Verwirklichung ihres großen Traumes, hat Arkadia mit viel Widerstand zu kämpfen und dringt schließlich vor in eine Welt, in der nicht nur harte Arbeit und unerschöpflicher Fleiß eine große Rolle spielen, sondern auch Misogynie und Vorurteile.

Im Laufe der Geschichte durchlebt Arkadia eine Charakterentwicklung vom trotzig-rebellischen Teenager hin zu einem reflektierten willensstarken Mädchen.
Doch auch die Nebenfiguren sind authentisch dargestellt. Allem voran die Mutter, welche die Leser*innen nur durch Arkadias Gedanken und Erinnerungen oder durch die Aussagen anderer Figuren kennenlernen, hinterlässt einen starken Eindruck.

Ich persönlich habe zwar keinen großen Bezug zu klassischer Musik, dennoch konnte mich die feinfühlige Art, mit der Kloeble die bittersüße Geschichte um Arkadia erzählt vollends überzeugen. Die Themen Trauer und Verdrängung wurden am Ende so kraftvoll und ergreifend dargestellt, dass ich ein paar Tränen nicht zurückhalten konnte. Auch sein poetisch anmutender Schreibstil hat sehr gut zur Handlung gepasst und der Geschichte noch mehr Ausdruck verliehen.
Eine große Empfehlung, nicht nur, für diejenigen, die (klassische) Musik lieben, sondern auch auf der Suche nach einer seichten Geschichte mit viel Tiefgang sind.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Sina