Kunden em pfehlungen
Rezensionen von fantasia:
Staunen über die Wunder der Natur
Supermond und Kugelblitz von Emily Hawkins; Vlad Stankovic
Ein wunderschönes Buchcover mit glänzenden Elementen und mystisch anmutenden Bildern lädt die Leserinnen und Leser ein, das Buch „Supermond und Kugelblitz“ von Hawkins und Stankovic in die Hand zu nehmen. Und dann geht es schon hinein in die Welt der außergewöhnlichen Naturphänomene und ihre Geheimnisse- und die stellt sich breitgefächert dar: vom Weltraum über das Wetter, Pflanzen, Tiere und einmalige Schauplätze.
Ein kleines Intro von Darstellungen zeigt nach der Gliederung noch einmal die Bandbreite auf.
Die Phänomene können in beliebiger Reihenfolge gelesen und bestaunt werden. Jedes genannte und gezeigte Phänomen ist mit einer Erklärung versehen. Das Buch zeigt auch, wie eine Welt im Wandel Neues hervorbringt, die Cappuccino-Bären z.B. - eine Mischung aus Braun- und Eisbären- oder explodierende Kröten in Folge raffinierter Krähenangriffe.
Das Buch macht neugierig, weckt das Interesse an der Naur- und das gilt nicht nur für Kinder und Jugendliche.
Ich kann es sehr empfehlen.
Inselsommer
Seaside Sisters 1: Lenes Inselsommerglück von Mia Andersen
Sommer, Sonne, Ferien, Mädchenfreundschaften, verliebt sein. Das sind kurz die Stichworte, um die sich „Seaside Sisters“ Lenes Inselsommerglück von Mia Andersen dreht. Der Untertitel zeigt, dass eine der drei Hauptfiguren im Mittelpunkt des Mädchenbuches steht und deutet schon an, dass in den Folgebänden die Erlebnisse der anderen im Fokus stehen.
Die Hauptfiguren im 1. Band sind die Zwillinge Lene und Elsa, ihre Freundin Amba - ein Mädchentrio mit unterschiedlichen Interessen - zu dem sich ein viertes Mädchen gesellt, Frida. Diese verbringt mit ihrer Mutter einige Zeit in der „Silbermöwe“, dem Gästehaus von Lenes und Elsas Eltern. Nach einiger Zeit wird klar, dass Fridas Mutter vorhat, mit ihrer Tochter auf der Insel Rosenholm zu bleiben.
Sätze und Ausdrücke wie: „Der Morgen fing an, wie die Nacht aufgehört hatte: mit Quatschen, Gekicher und Gegacker.“ (S.119), Lene spürt „prickelndes Brausepulver im Bauch“ (z.B. S.145) und am Himmel stehen „Sahneerdbeerwolken“ stehen für dieses liebevoll in pastelligen Farben gestaltete Mädchenbuch. Schöne farbige Illustrationen, Comic-Elemente und kleine kreative „Bonbons“ ergänzen den Text: Besonders ist die Verzierung der Schnittkante.
Aber zu den ersten Eindrücken gesellt sich dann die Rettung eines jungen Seehundes, verbunden mit dem Thema Umweltschutz. Lenes Ambitionen Journalistin zu werden, die im Nachspann aufgegriffen wird. Die Leserinnen erhalten Tipps, wie man diesen Beruf erlangen kann. Das passt und ist stimmig.
Etwas konstruiert wirkte auf mich die Gegenüberstellung von Fridas Mutter, die mit ihrer Lebensgefährtin zusammenziehen möchte, und dem Mädchengespann, das überwiegend traditionellen Mädchenhobbys wie Backen, Mode, Nähen und Muscheln anmalen nachgeht.
Ausgeträumt?
Sie flogen einen Sommer lang von Penelope Farmer
Das schön gestaltete Cover lädt zum Lesen des Buches ein, das mit einer fantasievollen Geschichte aufwartet.
Kinder, die sich ihren Traum vom Fliegen erfüllen können, einen Traum, den viele haben, aber der nur für Kinder realisierbar ist. Als die "sonst so strenge" Lehrerin Miss Hallibutt fragt, ob sie das auch lernen könne, verneint der Vogeljunge: "Nein, ich kann es nur Kindern beibringen.
Sie sind zu alt." Zu alt, um Träume realisieren zu können?
Nach einigen abenteuerlichen Tagen kommt, wie es kommen musste, der Tag der Entscheidung: für immer fliegen und mit dem Vogeljungen davon ziehen oder nach Hause zurückkehren, ohne je wieder fliegen zu können.
Wie die Entscheidung letztendlich ausfällt, will ich nicht verraten, um zukünftigen Leserinnen und Lesern die Spannung nicht wegzunehmen. Mich haben diese Wahlmöglichkeiten ein bisschen enttäuscht. Kann man seine Träume nicht auch im Alltag zumindest zum Teil realisieren bzw. muss man sich von allem trennen, um sie zu realisieren?? Aber das ist vielleicht eher eine Frage, die sich Erwachsenen stellt und nicht Kindern.
Mehr Chaos als Krimi
Hope Joanna von Horst Evers
Schräg das Ganze - mir war es zu viel des Guten. Dass die taffe Hauptkommissarin Taekwondokämpferin mit Olympiaambitionen hat und Hope Joana heißt, ist harmlos.
Die Suche nach dem „Führer“elixier, die Verkleidung der Polizisten als Fantasy-Wesen, der Geheimorden aus dem Darknet oder gar die glücksbringende Hasenpfote im Intimbereich eines radebrechenden führerscheinlosen Fussballstars, der einen Maserati beisitzt, die couragierte Rentnerinnentruppe um Oma Helga - das sind nur ein paar Beispiele für das, was man sich nicht unter einem Krimi vorstellt.
Auch die Sprache fand ich bisweilen unteres Level –
Am besten gefiel mir der Bucheinband.
Zu aufgesetzt wirkt das Ganze, zu konstruiert: Weder als Krimi noch als witziges Buch konnte mich der Autor mit „Hope Joana“ überzeugen.
Tödlicher Reichtum
Das Gesetz der Elite von Sandrone Dazieri
Ein interessantes Ermittlerduo, das aus dem Rahmen des Üblichen fällt, führt durch den Thriller „Das Gesetz der Elite“: Colomba Caselli und Dante Torre. Auch die Thematik ist interessant - Tod den Reichen und dies auf die Art und Weise, die mit ihrem erlangten Reichtum zusammenhängt: So z.B.
das erste Mordopfer, das in der Kryosauna sterben muss.
Der Reichtum bringt den Tod. Der Leser wird mit dieser Welt der Reichen bekannt gemacht, darf sich aber sein eigenes Urteil darüber bilden.
Gut konstruiert und fesselnd geschrieben will man diesen Thriller nicht aus der Hand legen. Das Geschehen entwickelt sich dynamisch und hält immer wieder überraschende Wendungen bereit. Dabei sorgen die ungewöhnlichen Figuren und das gelungene Konzept für Spannung bis zum Schluss.
Die Handlung entwickelt sich dynamisch und hält immer wieder überraschende Wendungen bereit. Dabei sorgen die ungewöhnlichen Figuren und das originelle Konzept für anhaltende Spannung bis zum Schluss.
Das Garn des Lebens
Heimkehr nach Morioka von Yuki Ibuki
„Heimkehr nach Morioka“ von Yuki Ibuki ist ein warmherziges Buch, das mir ausgesprochen gut gefallen hat.
Die Hauptfigur ist Mio, die sich von der gehänselten, traurigen, fast depressiven Schülerin zu einer jungen Frau entwickelt, die ihren Weg geht und zu sich selbst findet. Aber nicht nur sie findet zu sich, auch ihre Eltern entwickeln sich als Einzelpersonen sowie als Paar.
Das wird sehr unaufgeregt und berührend dargestellt. Man kann miterleben, wie „der Weg des schönen Garns“ zu einem „Weg hin zum Leben und Einklang mit sich selbst“ wird. Denkanstöße werden so leise und en passent mitgegeben. So kommen auch die Lesenden zur Ruhe und denken über die wichtigen Dinge des Lebens nach.
Man erhält einige Einblicke in die japanische Denkweise, den Umgang zwischen den Generationen. Dabei wird auch spürbar, wie Werte wie Rücksichtnahme und Pflichtgefühl das Miteinander prägen. Zudem zeigt sich, dass auch traditionelle Strukturen im Wandel sind, zwischen Stadt und Land ein Unterschied besteht und jede Genration ihren eigenen Weg zwischen Anpassung und Selbstverwirklichung finden muss.
Von dieser Autorin möchte ich unbedingt noch mehr lesen.
Wachsen im Wandel der Zeit
Ein Ort, der bleibt von Sandra Lüpkes
Sandra Lüpkes Roman „Ein Ort, der bleibt“ ist ein besonderes Buch, das ich sehr gerne gelesen habe.
Allein das lebendige, grüne Cover fesselt den Blick des Lesers und zieht ihn hinein in diese Geschichte rund um den Botanischen Garten in Istanbul. Aus dem Blickwinkel der Protagonisten entwickelt sich das Geschehen, das sich in verschiedenen Zeitebenen abspielt.
Ausgangspunkt der Historie ist die Ankunft der Familie Heilbronn in Istanbul, die Nazideutschland verlassen hat. Alfred Heilbronn ist Jude und folgt dem Ruf Atatürks, der die Türkei modernisieren möchte und deutsche Wissenschaftler dorthin holt. Haymatloz sind sie geworden, müssen sich von der alten Heimat verabschieden und in der Fremde eine neue Heimat gewinnen. Die Assistentin Mehpare unterstützt sie dabei sehr und trägt doch an ihrer eigenen Geschichte. Dem Gartenbauer Mete gelingt es, Mehpares harte Schale zu durchdringen. Den Blick in die Neuzeit erlangt der Leser durch Imre, die die Reste des ehemaligen Botanischen Gartens begutachtet. Wie in der Pflanzenwelt wird zunächst der Samen gelegt, aus dem ein Spross wächst, bis schließlich die Ernte erfolgt - ganz im Einklang mit den Überschriften der Kapitel.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen; den Gedankengängen kann man trotz verschiedener Perspektiven sehr gut folgen. Alles greift „organisch“ in einander.
Naturreise mit Tiefgang
Das Jahr der Schmetterlinge von Lea Korsgaard
Am Anfang stand die Idee: Schmetterlinge sollten es sein, die in Dänemark leben und deren Existenz die Protagonistin und gleichzeitig Autorin Lea Korsgaard aufspüren und dokumentieren möchte. Trotz Alltagsgeschäft und vielleicht oder gerade wegen der belastendenden politischen Weltlage begibt sie sich auf diese besondere Suche.
Manchmal wird sie von Familienangehörigen oder Schmetterlingsforschern begleitet und entdeckt viele der zum Teil raren Exemplare, was mit schönen Abbildungen belegt wird. Auch das bunte Cover zeugt von der Schönheit dieser Lebewesen und lädt geradezu ein, das Buch aufzuschlagen und in ihre Welt einzutauchen.
Die Autorin entdeckt jedoch nicht nur die Schmetterlinge, sondern macht sich auch Gedanken über die Metamorphose. So erfährt der Leser etwas über den Kreislauf des Lebens, Sterblichkeit, Mythologie und ewiges Leben. „Ich hatte erkannt, dass der Tod und die Vergänglichkeit in meinem Projekt eine wichtige Rolle spielten (S.238)." Man erfährt etwas über Schmetterlinge in der Kunst, den Wandel der Sichtweise bei der Betrachtung der Natur. Das lässt sich zunächst gut an, wirkt aber bisweilen zu aufgesetzt. Das switcht dann vom Apostel Paulus zu Descartes oder Karl Marx. Auch Hannah Arendt wird bemüht. Vieles wird angerissen; mir war das zu viel des Guten, da der Text an Klarheit verliert.
Lebensentwürfe im Spannungsfeld
Der letzte Leuchtturm von Michael Pedersen
Der Spruch von Robert Stevenson am Anfang des Romans führt zu dem schrulligen Ouse, der mit dem „Geist“ dieses Autors spricht. Auf einer Insel, auf der kein „normales Leben“ möglich ist, wirkt er als „manövriere er noch mit Stützrädern durchs Erwachsenendasein“ (S.8).
Extreme Lebensbedingungen umgeben ihn und seinen sturen, hartherzigen, aber auch sich selbst hassenden Vater, der „emotionale Vielfalt in Männern verabscheut“ (S.
36). Der depressive lebensmüde Firth - ein Autor - ist der Dritte im Bunde. Angeregt durch die Beobachtung eines Basstölpels, den er als Omen sieht, kommt er auf die Insel. Der Vater, für den Lesen „eine Form von intellektueller Protzerei“ (S.87) ist, und der Autor gehören verschiedenen Welten an und haben auch unterschiedliche Vorstellungen, was Ouse - der über künstlerische Fähigkeiten verfügt - aus seinem Leben machen sollte.
All dies wird durch eine bildhafte, auffällige Sprache vermittelt. Eine Sprache, die anders ist, sich bewusst abhebt, bisweilen poetisch, bisweilen auch anspruchsvoll und mitunter etwas sperrig im Lesefluss.
Spuren der Vergangenheit
Elbland von Claudia Rikl
„Elbland“ ist ein Roman über Traumata, wie sie entstehen können und sie gar die Nachkommen belasten können. Der Roman spielt in drei Zeitebenen: 1945, 1987 und der Jetztzeit. Die letzten beiden Zeitebenen werden von Nina, der Tochter von Irma erzählt, und die Anfänge des Traumas erzählt ein auktorialer Erzähler.
Das Geschehen rankt sich von Böhmen/Tschechien über die DDR bis in die Bundesrepubik - passend zu dem Titel: Gegenden um die Elbe, Elbland. Interessant fand ich auch, dass man etwas über die Sudetendeutschen erfährt, die als Nachfahren von Siedlern über Jahrhunderte eine bedeutende Minderheit bildeten und nach 1945 vertrieben wurden.
Ob die Butterblume auf dem Cover auch symbolisch zu verstehen ist? Butterblumen sind oft ein Zeichen für eine lebendige Wiese, aber in frischem Zustand giftig. Das Trauma vergiftet Irma und trägt Früchte bis in die Jetztzeit.
Nach dem Tod der Mutter reist Nina ins Riesengebirge, wo die Familie vor vielen Jahren ihren letzten gemeinsamen Urlaub verbracht hat. Dort versucht sie herauszufinden und zu verstehen, warum die Mutter zu der Person geworden ist, als die sie die Familie erlebt hat. Gleichzeitig ist die Reise für Nina ein Versuch, sich von der Last der Vergangenheit zu befreien. Ein unbeschwertes Verhältnis zu Schwester und Vater scheint zunächst in weiter Ferne, ebenso unerreichbar wie der Frieden mit sich selbst.
Ein berührendes und absolut empfehlenswertes Buch, das man kaum aus der Hand legen möchte.











