Kunden em pfehlungen
Rezensionen von fantasia:
Tödlicher Reichtum
Das Gesetz der Elite von Sandrone Dazieri
Ein interessantes Ermittlerduo, das aus dem Rahmen des Üblichen fällt, führt durch den Thriller „Das Gesetz der Elite“: Colomba Caselli und Dante Torre. Auch die Thematik ist interessant - Tod den Reichen und dies auf die Art und Weise, die mit ihrem erlangten Reichtum zusammenhängt: So z.B.
das erste Mordopfer, das in der Kryosauna sterben muss.
Der Reichtum bringt den Tod. Der Leser wird mit dieser Welt der Reichen bekannt gemacht, darf sich aber sein eigenes Urteil darüber bilden.
Gut konstruiert und fesselnd geschrieben will man diesen Thriller nicht aus der Hand legen. Das Geschehen entwickelt sich dynamisch und hält immer wieder überraschende Wendungen bereit. Dabei sorgen die ungewöhnlichen Figuren und das gelungene Konzept für Spannung bis zum Schluss.
Die Handlung entwickelt sich dynamisch und hält immer wieder überraschende Wendungen bereit. Dabei sorgen die ungewöhnlichen Figuren und das originelle Konzept für anhaltende Spannung bis zum Schluss.
Das Garn des Lebens
Heimkehr nach Morioka von Yuki Ibuki
„Heimkehr nach Morioka“ von Yuki Ibuki ist ein warmherziges Buch, das mir ausgesprochen gut gefallen hat.
Die Hauptfigur ist Mio, die sich von der gehänselten, traurigen, fast depressiven Schülerin zu einer jungen Frau entwickelt, die ihren Weg geht und zu sich selbst findet. Aber nicht nur sie findet zu sich, auch ihre Eltern entwickeln sich als Einzelpersonen sowie als Paar.
Das wird sehr unaufgeregt und berührend dargestellt. Man kann miterleben, wie „der Weg des schönen Garns“ zu einem „Weg hin zum Leben und Einklang mit sich selbst“ wird. Denkanstöße werden so leise und en passent mitgegeben. So kommen auch die Lesenden zur Ruhe und denken über die wichtigen Dinge des Lebens nach.
Man erhält einige Einblicke in die japanische Denkweise, den Umgang zwischen den Generationen. Dabei wird auch spürbar, wie Werte wie Rücksichtnahme und Pflichtgefühl das Miteinander prägen. Zudem zeigt sich, dass auch traditionelle Strukturen im Wandel sind, zwischen Stadt und Land ein Unterschied besteht und jede Genration ihren eigenen Weg zwischen Anpassung und Selbstverwirklichung finden muss.
Von dieser Autorin möchte ich unbedingt noch mehr lesen.
Wachsen im Wandel der Zeit
Ein Ort, der bleibt von Sandra Lüpkes
Sandra Lüpkes Roman „Ein Ort, der bleibt“ ist ein besonderes Buch, das ich sehr gerne gelesen habe.
Allein das lebendige, grüne Cover fesselt den Blick des Lesers und zieht ihn hinein in diese Geschichte rund um den Botanischen Garten in Istanbul. Aus dem Blickwinkel der Protagonisten entwickelt sich das Geschehen, das sich in verschiedenen Zeitebenen abspielt.
Ausgangspunkt der Historie ist die Ankunft der Familie Heilbronn in Istanbul, die Nazideutschland verlassen hat. Alfred Heilbronn ist Jude und folgt dem Ruf Atatürks, der die Türkei modernisieren möchte und deutsche Wissenschaftler dorthin holt. Haymatloz sind sie geworden, müssen sich von der alten Heimat verabschieden und in der Fremde eine neue Heimat gewinnen. Die Assistentin Mehpare unterstützt sie dabei sehr und trägt doch an ihrer eigenen Geschichte. Dem Gartenbauer Mete gelingt es, Mehpares harte Schale zu durchdringen. Den Blick in die Neuzeit erlangt der Leser durch Imre, die die Reste des ehemaligen Botanischen Gartens begutachtet. Wie in der Pflanzenwelt wird zunächst der Samen gelegt, aus dem ein Spross wächst, bis schließlich die Ernte erfolgt - ganz im Einklang mit den Überschriften der Kapitel.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen; den Gedankengängen kann man trotz verschiedener Perspektiven sehr gut folgen. Alles greift „organisch“ in einander.
Naturreise mit Tiefgang
Das Jahr der Schmetterlinge von Lea Korsgaard
Am Anfang stand die Idee: Schmetterlinge sollten es sein, die in Dänemark leben und deren Existenz die Protagonistin und gleichzeitig Autorin Lea Korsgaard aufspüren und dokumentieren möchte. Trotz Alltagsgeschäft und vielleicht oder gerade wegen der belastendenden politischen Weltlage begibt sie sich auf diese besondere Suche.
Manchmal wird sie von Familienangehörigen oder Schmetterlingsforschern begleitet und entdeckt viele der zum Teil raren Exemplare, was mit schönen Abbildungen belegt wird. Auch das bunte Cover zeugt von der Schönheit dieser Lebewesen und lädt geradezu ein, das Buch aufzuschlagen und in ihre Welt einzutauchen.
Die Autorin entdeckt jedoch nicht nur die Schmetterlinge, sondern macht sich auch Gedanken über die Metamorphose. So erfährt der Leser etwas über den Kreislauf des Lebens, Sterblichkeit, Mythologie und ewiges Leben. „Ich hatte erkannt, dass der Tod und die Vergänglichkeit in meinem Projekt eine wichtige Rolle spielten (S.238)." Man erfährt etwas über Schmetterlinge in der Kunst, den Wandel der Sichtweise bei der Betrachtung der Natur. Das lässt sich zunächst gut an, wirkt aber bisweilen zu aufgesetzt. Das switcht dann vom Apostel Paulus zu Descartes oder Karl Marx. Auch Hannah Arendt wird bemüht. Vieles wird angerissen; mir war das zu viel des Guten, da der Text an Klarheit verliert.
Lebensentwürfe im Spannungsfeld
Der letzte Leuchtturm von Michael Pedersen
Der Spruch von Robert Stevenson am Anfang des Romans führt zu dem schrulligen Ouse, der mit dem „Geist“ dieses Autors spricht. Auf einer Insel, auf der kein „normales Leben“ möglich ist, wirkt er als „manövriere er noch mit Stützrädern durchs Erwachsenendasein“ (S.8).
Extreme Lebensbedingungen umgeben ihn und seinen sturen, hartherzigen, aber auch sich selbst hassenden Vater, der „emotionale Vielfalt in Männern verabscheut“ (S.
36). Der depressive lebensmüde Firth - ein Autor - ist der Dritte im Bunde. Angeregt durch die Beobachtung eines Basstölpels, den er als Omen sieht, kommt er auf die Insel. Der Vater, für den Lesen „eine Form von intellektueller Protzerei“ (S.87) ist, und der Autor gehören verschiedenen Welten an und haben auch unterschiedliche Vorstellungen, was Ouse - der über künstlerische Fähigkeiten verfügt - aus seinem Leben machen sollte.
All dies wird durch eine bildhafte, auffällige Sprache vermittelt. Eine Sprache, die anders ist, sich bewusst abhebt, bisweilen poetisch, bisweilen auch anspruchsvoll und mitunter etwas sperrig im Lesefluss.
Spuren der Vergangenheit
Elbland von Claudia Rikl
„Elbland“ ist ein Roman über Traumata, wie sie entstehen können und sie gar die Nachkommen belasten können. Der Roman spielt in drei Zeitebenen: 1945, 1987 und der Jetztzeit. Die letzten beiden Zeitebenen werden von Nina, der Tochter von Irma erzählt, und die Anfänge des Traumas erzählt ein auktorialer Erzähler.
Das Geschehen rankt sich von Böhmen/Tschechien über die DDR bis in die Bundesrepubik - passend zu dem Titel: Gegenden um die Elbe, Elbland. Interessant fand ich auch, dass man etwas über die Sudetendeutschen erfährt, die als Nachfahren von Siedlern über Jahrhunderte eine bedeutende Minderheit bildeten und nach 1945 vertrieben wurden.
Ob die Butterblume auf dem Cover auch symbolisch zu verstehen ist? Butterblumen sind oft ein Zeichen für eine lebendige Wiese, aber in frischem Zustand giftig. Das Trauma vergiftet Irma und trägt Früchte bis in die Jetztzeit.
Nach dem Tod der Mutter reist Nina ins Riesengebirge, wo die Familie vor vielen Jahren ihren letzten gemeinsamen Urlaub verbracht hat. Dort versucht sie herauszufinden und zu verstehen, warum die Mutter zu der Person geworden ist, als die sie die Familie erlebt hat. Gleichzeitig ist die Reise für Nina ein Versuch, sich von der Last der Vergangenheit zu befreien. Ein unbeschwertes Verhältnis zu Schwester und Vater scheint zunächst in weiter Ferne, ebenso unerreichbar wie der Frieden mit sich selbst.
Ein berührendes und absolut empfehlenswertes Buch, das man kaum aus der Hand legen möchte.
Was ein Leben wirklich schön macht
Das schönste aller Leben von Betty Boras
Betty Boras Roman „Das Schönste aller Leben“ ist ein Debütroman, der überzeugt. Er berührt, lässt Raum für eigene Gedanken rund um das Thema, was den Menschen wirklich „schön“ macht und damit jedes Leben besonders werden lässt.
Das Ganze spielt rund um das Banat, das auch zum Sprechen kommt: „Zu viele Jahre habe ich mich in euch eingeschrieben.
In eure Gesichter, euren Gang, eure Aussprache.“ (S.213). „Ihr pflanzt alle Hoffnung in die, die nach euch kommen. Nicht alle werden stark genug sein, diese Bürde zu tragen.“ (S.214) Und darum geht es auch - die Bürde, die die Vorfahren tragen, alles richtig zu machen, damit es die Nachkommen „schöner“ haben und deren Versuche, damit klar zu kommen und eine eigene Identität zu entwickeln. Da spielen sicherlich auch eigene Erfahrungen der Autorin hinein, die in Rumänien geboren ist und als Kind nach Deutschland kam.
Das Buch ist mehrschichtig angelegt: Mit der Darstellung der Hauptfigur Vio aus der 3.Person und der Ich-Perspektive sowie Theresia, die im 18. Jahrhundert lebt. Für Vio ist das entstellte Gesicht ihres Kindes ein großes Problem. Sie gibt sich die Schuld an dem Unfall, der dazu geführt hat, und weiß zugleich aufgrund ihrer Erfahrungen als Aussiedlerkind, dass derjenige, der anders ist, auffällt und damit nicht dazu gehört. Auch Theresias Thema ist ihre Schönheit, die für sie sowohl Privileg als auch Last ist.
Ein Buch, dessen Thema noch lange nachhallt und das viele Leser verdient.
Standhalten im Zugwind
Zugwind von Iryna Fingerova
Auf dem Cover dieses Romans verdeckt ein Löwenzahn den Kopf einer weiblichen Figur. Dieser Löwenzahn steht sinnbildlich für die weibliche Protagonistin. Leicht pustet man die zarten Samen weg, die an einem anderen Ort für einen Neubeginn stehen. Diese Pflanze wächst selbst an den unfruchtbarsten Orten, d.
h. sie setzt sich durch, hat eine immense Widerstands- und Durchsetzungskraft. Titel und Pflanze stehen für das Gehen mit dem Wind, der als unangenehm empfunden wird, aber letztendlich einen neuen Weg öffnet.
Die Ärztin Mira Zehmann war mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter aus der Ukraine nach Deutschland gekommen und wird durch den Krieg in der Ukraine und Begegnungen mit Geflüchteten von Schuldgefühlen heimgesucht. Sie will etwas tun und wird für viele geflüchteten Ukrainer zur Anlaufstelle. Diese Situation ist nicht einfach zu meistern, da die Kriegssituation emotional spürbar wird. Die Autorin ist ebenfalls Ärztin und es stellt sich die Frage, wieviel eigenes Erleben hier mit hineinschwingt.
Neben den Krankheits- und Leidensgeschichten ihrer Patienten erfährt der Leser etwas über den „Alltag“ der Protagonistin. Sie fährt nach Odesa, um die Familie und vor allem die alte Großmutter sowie Freunde zu besuchen, und lebt dort zwischen Fliegeralarm und Alltag. Zurückgekehrt ist sie mit ihrer Schwiegermutter aus Cherson konfrontiert, die nach fast drei Monaten zu ihrer Erleichterung wieder in die Ukraine zurückfährt. In der Beziehung zu ihrem Mann kriselt es, es kommt zu einer Affäre mit einem anderen Mann - all diese Geschehnisse zeugen von einem Alltag, der auch nicht immer einfach ist.
Bisweilen fand ich den Roman etwas zäh, vor allem dann, wenn ausführlichere Reflexionen den Erzählfluss verhindern.
Vom Verlust zur Hoffnung
Moosland von Katrin Zipse
Katrin Zipse nimmt in ihrem Roman „Moosland“ die Historie als Ausgangspunkt, dass 1949, wenige Jahre nach Kriegsende, ca. 300 Frauen aus Deutschland nach Island gegangen waren. Was waren wohl die Gründe, fragt man sich angesichts des kaum bekannten Geschehens. Island hatte Bedarf an Arbeiterinnen auf dem Land und warb um deutsche Arbeitskräfte.
Auf der anderen Seite herrschte in Deutschland große Not, die Städte waren zerbombt, es gab kriegsbedingt weniger Männer.
Zipse schildert die Geschichte von Elsa, ihren Schwierigkeiten sich einzufinden. Nach und nach wird klar, dass sie traumatisiert ist und den Verlust ihrer Freundin Elsa kaum verkraftet. Ganz allmählich entsteht eine Bindung zu der isländischen Bauersfamilie, die Elsa auch nicht zurückschickt, als sie erkennt, dass diese nur vorgegeben hat, mit der Arbeit auf dem Land vertraut zu sein. Und Elsa kann langsam zu sich finden.
Maßgeblichen Anteil daran hat die Natur, die sehr eindrücklich beschrieben ist. Die Leserinnen und Leser können dies intensiv nachfühlen. „Sie stapft über die nasse Wiese ins Trübe. Der Nebel verschluckt das Land und lässt die Farben verblassen. …Alles hier ist mühsam, das Gehen, das Bleiben, das Schlafen sogar. Und der klammen Feuchte, die vom Meer kommt, vom Regen oder vom Nebel, entrinnt man nie…. Als sie den Kopf hebt, trifft sie ein Sonnenstrahl aus einem leuchtend blauen Himmel, und ein Regenbogen spannt sich über die Wiese, aus der die Feuchtigkeit dampft (S.123f.).
Die Sprache der Autorin ist klar, lässt Bilder entstehen, man sieht die Natur deutlich vor sich. Es ist ein ruhiges, atmosphärisch dichtes Buch. Ein Buch, das zeigt, dass aus Verlust allmählich Vertrauen und Hoffnung entstehen kann.
Ein packender Auftakt in düstere Zeiten
TINTE und SCHWERT – Verwandlung (Band 1) von Matthias Soeder
Der Roman bildet den ersten Band einer Trilogie und demgemäß breit angelegt, um den Grundstein für die beiden anderen Bände zu legen.
Die Vielzahl an Personen, Zusammenhängen auf den ersten Seiten irritiert etwas, erschließt sich dann aber rasch und ist gut nachvollziehbar.
Im Mittelpunkt stehen die beiden Protagonisten, Jacob und Anna, die trotz einiger Gegensätze einiges verbindet: Sie wollen anderen helfen und Unrecht bestrafen.
Das ist in den Zeiten, in denen der Roman spielt, nicht einfach. Der 30-jährige Krieg mit all seinen unvorstellbaren Grausamkeiten, die Pest, die Ausbeutung der Leibeigenen und der Besiegten sowie der Aberglaube prägen das Leben der Menschen. Jacob erlebte, dass seine gesamte Familie grausam ermordet wurde und Annas Mutter, eine heilkundige Hebamme, wurde als Hexe verurteilt:
Zahlreiche historische Fakten zum Religionskrieg der Protestantischen Union und den kaiserlichen Katholiken von 1618 bis 1619 sowie Beschreibungen zu Kampftechniken und Waffengattungen zeigen, dass der Autor sich intensiv mit dieser Zeit beschäftig hat.
Am Ende erringen Anna und Jacob einen wichtigen Sieg - man darf gespannt sein, wie ihre Geschichte in den folgenden bänden weitergehen wird.











