Kunden em pfehlungen
Rezensionen von fantasia:
Nicht Fisch, nicht Fleisch
Die Auster von Yael Inokai
Der Roman „Die Auster“ der Schweizer Autorin Yarl Inokai ist eigenwillig anders: als Krimi angelegt - Ausgangspunkt ist der Mord an Dr. Bronstett, dem Geschäftsführer eines Luxuskaufhauses - erfährt man letztendlich mehr über die Schicksalsschläge und Befindlichkeiten der 73-jährigen Putzfrau Leonora, die den Ermordeten gefunden hat, für den sie laut Testament die Beerdigung organisieren soll und irgendwie überlegt, wer wohl das getan haben könnte.
Mit dieser doppelt angelegten „Handlung“ wird die Autorin meines Erachtens keinem Aspekt wirklich gerecht.
Die Handlung zieht sich, die Seelenanalyse der Hauptfigur Leonora ist zudem wenig gewinnbringend. Andere Figuren und Geschichten fließen ein, die wenig miteinander zu tun haben und nicht zu Ende gedacht werden
Am besten hat mir das Cover gefallen, witzig und interessant fand ich den Beginn des Romans - eine Putzfrau, die den Tatort reinigt. Dieses Interesse hat sich aber meinerseits schnell gelegt. Ich fand´s langatmig und wenig gewinnbringend.
Fantasievoll
Juli im Land der Zeitgeister von Wieland Freund
Der Thienemann-Verlag ist ein Verlag, der es versteht, inhaltlich gute Bücher mit einem schönen Layout herauszubringen.
Über das einladende Cover kommt man über eine bunte Innenseite, die das Thema des Buches aufgreift und neugierig macht. Die Übersicht ist in einer Art gestaltet, die mir nicht so gefällt (Sätze, in denen mehr oder weniger etwas zum jeweiligen Kapitel ausgesagt wird, z.
B. „Uff das letzte Kapitel. Aber im Uhrenkeller ist nicht alles beim Alten.“)
Die Protagonistin Juli („wenn sie etwas beschloss, dann eigentlich für jetzt und sofort“, S.10) versucht zusammen mit Trim, einem Zeitgeist, die „Zeit wieder zum Laufen zu bringen. Dabei erhält sie weitere Unterstützung, um das Tun des Zauberers Allrich zu unterbinden, der für den Stillstand der Großen Uhr gesorgt hat. Und wie Zauberer so sind, verzaubert Allrich andere Menschen oder nimmt die Gestalt von anderen an - das bedeutet, einige spannende Situationen gilt es für Juli und ihre Freunde zu bestehen. Vergangen sind letztendlich fünf Minuten, aber für Juli dauerte das Abenteuer viel länger. Es gab immer wieder überraschende Situationen, was mir gut gefallen hat.
Auch die fantasievollen Figuren (z.B. ein Zeitgeist in Maikäferform, der Heuschobergeist oder Brückengeist) gefielen mir und v.a. die Idee, um die sich die Abenteuer ranken: der Stillstand der Zeit.
Roman mit zu vielen Längen
Maja & Natascha von Elyse Durham
Der Roman zieht einem zunächst in seinen Bann, als der Leser erfährt, dass die Zwillinge Maja und Natascha, die Protagonistinnen dieses Buches, 1941 in Leningrad geboren werden. Kurz vor der Belagerung durch die deutsche Armee, die über 2 Jahre dauern sollte und das Ziel hatte, die Bewohner durch Aushungerung zu vernichten, bringt eine alleinstehende junge Balletttänzerin die beiden zur Welt und setzt ihrem Leben durch Suizid ein Ende.
Das Schicksal meint es gut mit den Zwillingen, eine Freundin der Mutter nimmt sich ihrer an und gibt ihnen auf den Weg, immer aufeinander aufzupassen, was im Lauf der Handlung nicht immer zutrifft.
Als nur eine in den Westen gehen darf, ist man zunächst erstaunt, war ich zunächst erstaunt, welcher der beiden dies gelingen soll. Eine gegenseitige Hassliebe verbindet die beiden, die sich auf Beruf und Privatleben erstreckt. „Sie vergiftet mein Leben.“, so Natascha. „Ich kann es nicht ertragen in ihrer Nähe zu sein.“ (S.353) – aber die Situation entwickelt sich – mal mehr in die eine, dann die andere Richtung. Das Ende ist dann überraschend.
Mir war es zu viel des Guten - zu breit, zu ausufernd, dass ich stellenweise weitergeblättert habe.
Der etwas andere Ermittler
Ein unglücklicher Tod von Peter Grainger
Dieser Krimi liest sich angenehm unaufgeregt und entwickelt gerade dadurch einen besonderen Reiz. Der Leser folgt dem Geschehen gerne, während sich ein Puzzleteil sich an das nächste fügt und das Gesamtbild immer klarer wird. Besonders gelungen ist die Figur des DC Smith, der anders ist als die anderen: jemand, der um die Ecke denken kann, genau beobachtet und sehr menschliche und sympathische Züge hat.
So lässt ihn auch der Fall des toten Siebzehnjährigen nicht los, bis er schließlich den Mörder findet. Dass dieser wiederum seine ganz eigene Geschichte als Opfer mit sich trägt, verleiht dem Fall zusätzliche Tiefe und macht ihn interessant.
Auch über Smith erfährt man gegen Ende des Krimis einige überraschende Details, die zunächst nicht in das Bild des schrulligen, liebenswerten Ermittlers zu passen scheinen. Dadurch gewinnt die Figur weiter an Kontur.
Mit Chris Waters, einem jungen Auszubildenden, bildet er ein interessantes und sympathisches Ermittlerduo, das Lust auf mehr macht. Ich bin sehr gespannt auf weitere Bände und kann den Krimi sehr empfehlen.
Kleine Helden, große Streiche
Idefix und die Unbeugsamen 09 von René Goscinny; Albert Uderzo; Philippe Fenech; Suaëna Airault; Sébastien Viaud; Philippe Clerc; Olivier Serrano; Yves Coulon
Der Band „Im Schatten der Römer“ ist Teil der Reihe Idefix und die Unbeugsamen. Diese Reihe erscheint in einem Format, das griffiger ist als die Asterix und Obelix-Bände, das Schriftbild finde ich sehr klein.
Der blitzgescheite Idefix, seine superschnelle, aber vergessliche Freundin Turbine und der dicke Dertutnix sind eine Hundetrio, das von einer Katze, einem Uhu und einer Taube unterstützt wird und den Römern übel mitspielt.
Und das zur Freude der Leserinnen und Leser, die miterleben, wie man General Labienus und seinem verwöhnten Kätzchen, dem Prinzesschen, eins auswischt und den Künstler Grautvornix aus der Gefahrenzone schafft. Zwei weitere Abenteuer befinden sich in dem Band, die dem ersten in nichts nachstehen. Gandios gezeichnet und inhaltlich nett kann man sich mit dieser Lektüre entspannt zurücklegen und ins alte Lutetia abtauchen, wo die Welt immer wieder in Ordnung gebracht wird.
Mehr Ochse, denn Unternehmer
Ochsenkopf von Manik Sarkar
Was für ein Buch! Ich habe es geliebt. Schräg, witzig, aber auch nachdenklich stimmend. Wie kommt man nur auf die Idee, über einen Mann zu schreiben, der das Metzgerhandwerk über alles liebt und die Philosophie des Fleischverarbeitens für sich entdeckt hat?
Gut, man hätte sich auch ein Buch über einen Konditor oder Maurer vorstellen können- denn eigentlich geht es darum, über einen Menschen zu schreiben, der perfekt ist in seinem Tun, aber letztendlich in der Welt scheitert, da er das Business nicht beherrscht.
Buchhaltung, Werbung, Kundenkontakt, das ganze Drumherum, das oft wichtiger ist als das eigentliche Geschäft, ist ihm ein Buch mit sieben Siegeln. Introvertiert, wenig Kontakt zur Außenwelt, einzig die Perfektion bei der Ausübung des Handwerks zählt für ihn. Er passt einfach nicht in diese Welt und muss scheitern.
Aber genau diese Fleischer-Ochsenkopf-Mentalität ist dann das Besondere, was sich auch in der Sprache zeigt. “Allen sturen Ochsenköpfen“ ist dieses Buch gewidmet und der Protagonist „breit wie ein Ochse, massige Oberarme (…), vom Sägen und Hacken und Heben: zähe, sehnige Muskelmasse. Einmal hatte er ein Stierkalb eingekauft, in dessen starren Augen er sich selbst wieder erkannte.“ (S.100) „Niemand konnte sich besser in ein Tier hineinversetzen als er, vor allem in die Kuh, unangefochtene Königin des Tierreichs.“ (S.126) - brilliant formuliert und exakt auf das Thema zugeschnitten.
Staunen über die Wunder der Natur
Supermond und Kugelblitz von Emily Hawkins; Vlad Stankovic
Ein wunderschönes Buchcover mit glänzenden Elementen und mystisch anmutenden Bildern lädt die Leserinnen und Leser ein, das Buch „Supermond und Kugelblitz“ von Hawkins und Stankovic in die Hand zu nehmen. Und dann geht es schon hinein in die Welt der außergewöhnlichen Naturphänomene und ihre Geheimnisse- und die stellt sich breitgefächert dar: vom Weltraum über das Wetter, Pflanzen, Tiere und einmalige Schauplätze.
Ein kleines Intro von Darstellungen zeigt nach der Gliederung noch einmal die Bandbreite auf.
Die Phänomene können in beliebiger Reihenfolge gelesen und bestaunt werden. Jedes genannte und gezeigte Phänomen ist mit einer Erklärung versehen. Das Buch zeigt auch, wie eine Welt im Wandel Neues hervorbringt, die Cappuccino-Bären z.B. - eine Mischung aus Braun- und Eisbären- oder explodierende Kröten in Folge raffinierter Krähenangriffe.
Das Buch macht neugierig, weckt das Interesse an der Naur- und das gilt nicht nur für Kinder und Jugendliche.
Ich kann es sehr empfehlen.
Inselsommer
Seaside Sisters 1: Lenes Inselsommerglück von Mia Andersen
Sommer, Sonne, Ferien, Mädchenfreundschaften, verliebt sein. Das sind kurz die Stichworte, um die sich „Seaside Sisters“ Lenes Inselsommerglück von Mia Andersen dreht. Der Untertitel zeigt, dass eine der drei Hauptfiguren im Mittelpunkt des Mädchenbuches steht und deutet schon an, dass in den Folgebänden die Erlebnisse der anderen im Fokus stehen.
Die Hauptfiguren im 1. Band sind die Zwillinge Lene und Elsa, ihre Freundin Amba - ein Mädchentrio mit unterschiedlichen Interessen - zu dem sich ein viertes Mädchen gesellt, Frida. Diese verbringt mit ihrer Mutter einige Zeit in der „Silbermöwe“, dem Gästehaus von Lenes und Elsas Eltern. Nach einiger Zeit wird klar, dass Fridas Mutter vorhat, mit ihrer Tochter auf der Insel Rosenholm zu bleiben.
Sätze und Ausdrücke wie: „Der Morgen fing an, wie die Nacht aufgehört hatte: mit Quatschen, Gekicher und Gegacker.“ (S.119), Lene spürt „prickelndes Brausepulver im Bauch“ (z.B. S.145) und am Himmel stehen „Sahneerdbeerwolken“ stehen für dieses liebevoll in pastelligen Farben gestaltete Mädchenbuch. Schöne farbige Illustrationen, Comic-Elemente und kleine kreative „Bonbons“ ergänzen den Text: Besonders ist die Verzierung der Schnittkante.
Aber zu den ersten Eindrücken gesellt sich dann die Rettung eines jungen Seehundes, verbunden mit dem Thema Umweltschutz. Lenes Ambitionen Journalistin zu werden, die im Nachspann aufgegriffen wird. Die Leserinnen erhalten Tipps, wie man diesen Beruf erlangen kann. Das passt und ist stimmig.
Etwas konstruiert wirkte auf mich die Gegenüberstellung von Fridas Mutter, die mit ihrer Lebensgefährtin zusammenziehen möchte, und dem Mädchengespann, das überwiegend traditionellen Mädchenhobbys wie Backen, Mode, Nähen und Muscheln anmalen nachgeht.
Ausgeträumt?
Sie flogen einen Sommer lang von Penelope Farmer
Das schön gestaltete Cover lädt zum Lesen des Buches ein, das mit einer fantasievollen Geschichte aufwartet.
Kinder, die sich ihren Traum vom Fliegen erfüllen können, einen Traum, den viele haben, aber der nur für Kinder realisierbar ist. Als die "sonst so strenge" Lehrerin Miss Hallibutt fragt, ob sie das auch lernen könne, verneint der Vogeljunge: "Nein, ich kann es nur Kindern beibringen.
Sie sind zu alt." Zu alt, um Träume realisieren zu können?
Nach einigen abenteuerlichen Tagen kommt, wie es kommen musste, der Tag der Entscheidung: für immer fliegen und mit dem Vogeljungen davon ziehen oder nach Hause zurückkehren, ohne je wieder fliegen zu können.
Wie die Entscheidung letztendlich ausfällt, will ich nicht verraten, um zukünftigen Leserinnen und Lesern die Spannung nicht wegzunehmen. Mich haben diese Wahlmöglichkeiten ein bisschen enttäuscht. Kann man seine Träume nicht auch im Alltag zumindest zum Teil realisieren bzw. muss man sich von allem trennen, um sie zu realisieren?? Aber das ist vielleicht eher eine Frage, die sich Erwachsenen stellt und nicht Kindern.
Mehr Chaos als Krimi
Hope Joanna von Horst Evers
Schräg das Ganze - mir war es zu viel des Guten. Dass die taffe Hauptkommissarin Taekwondokämpferin mit Olympiaambitionen hat und Hope Joana heißt, ist harmlos.
Die Suche nach dem „Führer“elixier, die Verkleidung der Polizisten als Fantasy-Wesen, der Geheimorden aus dem Darknet oder gar die glücksbringende Hasenpfote im Intimbereich eines radebrechenden führerscheinlosen Fussballstars, der einen Maserati beisitzt, die couragierte Rentnerinnentruppe um Oma Helga - das sind nur ein paar Beispiele für das, was man sich nicht unter einem Krimi vorstellt.
Auch die Sprache fand ich bisweilen unteres Level –
Am besten gefiel mir der Bucheinband.
Zu aufgesetzt wirkt das Ganze, zu konstruiert: Weder als Krimi noch als witziges Buch konnte mich der Autor mit „Hope Joana“ überzeugen.











