Kunden em pfehlungen
Rezensionen von fantasia:
Mehr als nur Magie
Die Jagd nach den magischen Münzen von Jessie Burton
Die Aufmachung des Buches ist äußerst ansprechend. Der Prägedruck auf dem Cover, die stimmungsvolle Kulisse von London mit den beiden Hauptfiguren und nicht zuletzt das schillernde Farbenspiel der Buchseitenkanten überzeugen auf den ersten Blick und machen Lust, das Buch in die Hand zu nehmen. Schon äußerlich deutet sich an, dass die Leserinnen und Leser eine besondere Geschichte erwartet.
Die zentrale Aussage des Buches ist berührend: Was man in seinem Herzen trägst, kann man nicht verlieren. Und das wird an den Schicksalen der beiden Hauptfiguren, dem Flussmächen Bo und Billy River, sehr deutlich. Die beiden magischen Münzen, die Bo im Schlamm der Themse entdeckt, verhelfen zu dieser Einsicht und führen zu wichtigen Erkenntnissen über Freundschaft, Familienzusammenhalt, aber auch Tod.
Natürlich dürfen auch negative Figuren nicht fehlen. Sie handeln egoistisch, sind gierig nach finanziellem Gewinn.
Empfohlen ist das Buch für Leserinnen und Leser ab 12 Jahren. Der Stil ist gut verständlich, die Handlung zieht einem sehr schnell in die magische Szenerie hinein. Auch Ältere werden an dieser Geschichte ihre Freude haben.
Nichts ist, wie es scheint!
Das Signal von Ursula Poznanski
Von der ersten bis zur letzten Zeile Spannung pur- der neue Thriller von Ursula Poznanski ist ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen möchte, bevor man nicht weiß, wie es endet.
Die Hauptfigur Viola, die durch einen Verlust ihres linken Beins gehandicapt ist, wirkt zunächst als Opfer- bis sich dann herausstellt, dass sie es auch faustdick hinter den Ohren hat.
Ihr vermeintlich wohl gesonnene Menschen entpuppen sich als ihre Gegner und vermeintlich nicht gewogene werden zu einer Stütze. Die Handlung ist wohl durchdacht und voller Überraschungen.
Dass die Hauptfigur mit winzigen Trackern ihren Mitmenschen nachspürt und Dinge wiederfindet, ist ein interessanter Schachzug und belebt das Geschehen ungemein. Der Autorin gelingt es, technologische Elemente realistisch und nah an der Gegenwart darzustellen.
Insgesamt überzeugt der Thriller durch seine komplexe Hauptfigur und eine Handlung, die die Leserinnen und Leser immer wieder in die Irre führt.
Zwischen Marmeladengläsern und Lebensweisheiten
Mathilde und Marie von Torsten Woywod
Mit einem Bild in warmen Farbtönen auf dem Cover und einem ansprechenden Klappentext lädt der Roman dazu ein, sich auf seine gut 300 Seiten einzulassen.
Der Plot: Traurige, überarbeitete, gestresste, verschuldete Pariser Studentin findet in einem 390 Seelendorf zu sich und hilft einer älteren Nachbarin aus ihrer Trauer und Einsamkeit.
Der Weg dorthin ist schnell erzählt: In Paris steigt sie spontan in einen Zug ins Nirgendwo und folgt der Einladung einer älteren Dame, mit ihr aufs Land zu kommen und dort zu wohnen.
Ab und zu bringt der nette Bäcker Brot vorbei, sie wird bekocht - keine Rede mehr von ihren erdrückenden Schulden, ihren Existenzängsten - sie findet sich im Einklang mit der Natur und erwacht - genau wie das Dorf am Morgen: „In den Häusern Redus glomm hinter einigen Fenstern bereits warmes Licht, und aus zahlreichen Schornsteinen stieg Rauch empor. Er kräuselte sich über den dunklen Schindeldächern, nahm dann die Form schmaler Fäden an und verschwand schließlich ganz. Die gesamte Szenerie mutete wie ein zaghaftes Erwachen des Dorfes an, in dessen Rahmen die ersten verstreuten Regungen des morgendlichen Lebens in den Tag hineinwuchsen.“ (S.316) Dieser Stil prägt den Roman, man erfährt etwas über die Vogelwelt, wie man Marmelade kocht, wie Papier geschöpft wird… gepaart mit Alltagsphilosphie.
Für mich definitiv zu viel des Guten, fast kitschig sowohl vom Inhalt als auch vom Stil.
Gut und Böse liegen nahe beieinander
Minnesota von Jo Nesbø
„Minnesota“ von Jo Nesbø hat mich insgesamt nicht vollständig überzeugt. Der Switch vom Jahr 2016 ins Jahr 2022 oder der Perspektivwechsel gar mitten in den Kapiteln hat mich zunächst im Lesefluss gestört und das Eintauchen in das Geschehen erschwert.
Mit der Zeit hat mich die Geschichte dann doch gepackt - wobei ich die Protagonisten, den Ermittler Bob Oz, und den Mörder als schon ziemlich kaputte, fast überkonstruierte Figuren empfand.
Der Gute und der Böse sind sich dann doch wieder ähnlich und dem Leser wird gezeigt, wie nah doch die Grenzen beieinander liegen.
Dass der Mörder seine Opfer präpariert, gibt den gewissen Gruseleffekt. Aber braucht es den wirklich? Die Tarnung des Mörders durch die präparierten Häute etc. wirkt schon sehr weit hergeholt.
Positiv hervorzuheben ist der gesellschaftspolitische Bezug: Die Kritik an der Waffenlobby und den nahezu nicht vorhandenen Waffengesetzen in den USA fügt sich grundsätzlich gut in den Plot ein. Auch die Erwähnung von Donald Trump und George Floyd ist inhaltlich nachvollziehbar, wirkt jedoch etwas aufgesetzt.
Insgesamt bleibt „Minnesota“ für mich ein guter, aber kein herausragender Nesbø-Roman.
Ein wichtiges Thema auch für die Kleinen
Sonne und Regen - So ist unser Leben von BarbaraSofie
Ein nettes Kinderbuch für die Kleinen mit der Botschaft "Alles ist miteinander verbunden - so wie wir!" Gefühle jedweder Art gehören zu unserem Leben dazu und auch die Natur baucht Regen, Wind und Sonnenschein. Auch dieses Thema ist etwas, das Eltern oder Großeltern ihren (Enkel-)Kindern näherbringen sollten.
Finn und seine Eltern stehen im Mittelpunkt dieser Geschichte, die schön gestaltet in einfacher Sprache gut verständlich diese Zusammenhänge erklärt. Die Beispiele sind wenig spektakulär- Papa muss zur Arbeit, es regnet, Kinder streiten, man ist ängstlich und traut sich nichts zu tun, man ist müde und erschöpft. Aber genau dieses Level passt für Kinder ab 2, der Zielgruppe dieses Bilderbuches. Die Zeichnungen überzeugend, sind ansprechend und halten Wesentliches fest. So wird der Blick des Kindes auf die Hauptsache gelenkt und schweift nicht ab.
Frauenstimmen im Schatten des Faschismus
Was vor uns liegt von Alba de Céspedes
Fasziniert hat mich der Hintergrund des Romans: ein Buch aus dem Jahr 1938, zensiert von den faschistischen Behörden Mussolinis. Das weckt Negier, Fragen stellen sich nach dem Warum.
Die Darstellung unterschiedlicher Lebensentwürfe von acht Frauen zu dieser Zeit entsprach nicht dem damaligen Frauenbild.
„Wir sind auf der Suche: auf der Suche nach unserem wahren Ich. (…) … irgendwann müssen wir aufhören zu suchen und uns einfach nehmen, wie wir sind.“ (S.335)
So steht jede der Frauen für einen anderen Lebensentwurf. Diesen im Einzelnen nachzuvollziehen ist mir bisweilen schwergefallen: zum einen ob der Vielzahl der Frauen, um anderen ob der ständigen Wechsel im Roman.
Was war jetzt noch mal mit Xenia, Anna oder betraf das gerade Valentina? Das war verwirrend und bisweilen mühsam. Das Geheimnis, das jede Frau umgibt, macht das Buch dann auch wiederum spannend und die Leserin neugierig
Man muss sich in die 1938 Jahre versetzen, um dem Buch gerecht zu werden.
Eine echte Dische
Prinzessin Alice von Irene Dische
Eine echte Dische - schräg, humorvoll und stilistisch brilliant
Gerne habe ich dieses Buch gelesen - mir war zuvor nicht bewusst, wer diese Prinzessin Alice war - und dass dieses Königshaus bis heute agiert und Verbindungen nach Deutschland bestehen. Prinz Philipp, der Ehemann der verstorbenen englischen Königin Elisabeth - Sohn besagter „schräger“ Alice.
Irgendwie unglaublich und dann in der beschriebenen Geschichte amüsant und verblüffend zu lesen.
Da wimmelt es von - für Nichtblüter- schrägen Verbindungen, aus denen zum wiederholten Male Bluter hervorgehen, und Querverbindungen zur Psychoanalyse. Mir hat es gefallen, in diese Welt einzutauchen. Allein das Zitat am Anfang: “Wenn du mit Gott sprichst, ist das Beten. Wenn Gott mir dir spricht, ist es Schizophrenie.“ (Thomas Szasz)- weckt Neugier, stimmt auf dieses Buch ein.
Alice, die gehörlose, sprachbegabte, vieles verstehende Prinzessin ist eine Frau mit Hang zum exzessiven Gottesglauben, der für sie mit erotischen Extasen verbunden ist. Das passt nur bedingt in die sie umgebende Welt. Einem Klinikaufenthalt, dem sie zeitweilig Gutes abgewinnen kann, kann sie letztendlich entfliehen.
Wenn man den Roman liest, entwickelt man sehr viel Sympathie für die Protagonistin und man stellt sich trotz all ihrer Extasen die Frage, wer denn eigentlich schräg/verrückt ist in dieser Adelswelt.
Witzig und spannend zu lesen - nur gut.
Zu viel gewollt?
Weißes Licht von Eric Puchner
Diese Frage stellt sich mir nach über 500 Seiten dieses Romans. Eric Puchner, der bislang vor allem Kurzgeschichten verfasste, hat in dieses umfangreiche Werk eine Fülle an Themen gepackt: neben Freundschaft, Liebe und Tod auch Klimakatastrophen, Waldbrände, Umweltzerstörung, Aussterben von Tieren, Traumata, Schuld, Homosexualität, Drogenabhängigkeit und deren fatale Folgen, Suizid, Alzheimer, Pflegeheim.
Mir war das zu viel.
Als störend empfand ich zudem auch die ab und an eingesetzte Fäkalspreche. Das passte gar nicht zu den leisen Tönen, mit denen Puchner Stimmungen und die Landschaft Montanas einfühlsam beschreibt.
Die Rahmenhandlung entfaltet sich in großen zeitlichen Abständen und wechselnden Perspektiven - dabei bleiben allerdings Lücken.
Bewegt hat mich die Darstellung des männlichen Protagonisten Garret, seine Wärme und Bereitschaft für etwas einzustehen und Verantwortung zu übernehmen: nicht zuletzt sein bedingungsloses Kümmern um seine Frau am Ende ihres Lebens. Hätte Puchner den Roman stärker auf diesen Strang konzentriert - auf Garret, die Beziehung zu seinem Freund und die Liebe zu seiner Frau -, wäre mir das Buch weitaus nähergegangen. Auffällig ist, dass auch in der offiziellen Zusammenfassung des Romans ausschließlich dieser Handlungsstrang hervorgehoben wird …
Ein roter Faden aus Magie und Menschlichkeit
Joshua Jackelby von Benedict Mirow
Der Autor bedankt sich bei seinen Leserinnen und Lesern, dass sie ihm in seine „bunte Welt der Magie“ gefolgt sind. Und ich denke, das haben sie gerne getan.
Junge wie Junggebliebene finden in dieser Geschichte nicht nur spannende Abenteuer, sondern auch viele Denkanstöße. So erfährt man z.
B. etwas über die Ausbeutung in den englischen Kolonien, das Leben und die rechtlose Situation armer Kinder und Waisen oder über die Ursachen der Cholera. Diese Themen sind so fein in die Handlung eingewoben, dass sie ohne erhobenen Zeigefinger wirken und den Leser dadurch umso mehr berühren.
Historisch ist das Buch gut eingebunden; der Autor schildert die Situation Ende des 19.Jahrhunderts sehr anschaulich und lebendig.
Freundschaft, Nächstenliebe und Tierliebe ziehen sich wie ein warmherziger roter Faden durch die Geschichte.
Ich habe das Buch mit Freude gelesen und empfehle es gerne weiter.
Zwischen Sogwirkung und Überfrachtung
Aufsteiger von Peter Huth
Cover und Klappentext haben mich neugierig gemacht. Der Schreibstil des Autors ist flüssig und man taucht sehr schnell in das Geschehen ein, das schon eine gewisse Sogwirkung hat. Auch das Thema ist spannend und aktuell: neue Medien, Meinungsmache, News um jeden Preis oder doch nicht.
Aber nach etwa drei Vierteln des Buches wurde es mir zu viel.
(Aus)haltbar ist ja noch die auf einem Hausboot lebende Herausgeberfamilie, die sich mit ihrem neuen Reichtum von der rechten Szene lossagen will. Wenig überzeugt hat mich der Feminismus - das wirkt aufgesetzt und banal - und das Coming-out einer Protagonistin war mir zu viel. Dass dann noch diese Protagonistin sich mit dem männlichen Protagonisten einlässt, war zu vermuten, nach dem Coming-out allerdings recht gewagt.
Das Ende ist recht konstruiert, der Epilog überraschte und konnte noch positiv überzeugen.
Insgesamt ein Buch mit starken Momenten - das durch überzeichnete Szenen leider sehr verliert.











