Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von EvaLiest:

Für mich nicht immer logisch

Der Schlaf der Anderen von Tamar Noort

Der Schlaf der anderen von Tamar Noort dreht sich um zwei Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen nachts wach sind: Sina kann einfach nicht mehr (ein)schlafen und Janis schiebt Nachtdienste im Schlaflabor. Als Sina eine Schlafanalyse machen lässt, lernen die beiden sich kennen und es entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft, die jedoch durch eine Grenzüberschreitung noch vor dem Ende der Nacht bedroht wird.

Im Folgenden lernen wir die beiden Frauen, ihre Sehnsüchte, Probleme, Beziehungen, etc. kennen. Dabei erfahren wir über die Lehrerin Sina meines Erachtens wesentlich mehr als über die ehemalige Pflegerin Janis, was ich als etwas unausgeglichen empfunden habe. Es werden viele Aspekte angesprochen, die im Leben der beiden (stellvertretend für viele Frauen) Stressfaktoren darstellen und zu psychischer Belastung führen. Grundsätzlich finde ich es richtig, wichtig und gut, wenn darüber gesprochen und geschrieben wird, aber hier konnte es mich nicht überzeugen.

Dabei finde ich noch nicht einmal die Kennenlerngeschichte unglaubwürdig – ich kann nachvollziehen, dass es Menschen gibt, mit denen es einfach passt und zu denen man gleich eine tiefe Verbindung spürt. Aber die Handlungen danach sind für mich oft nicht schlüssig und es gibt weitere Grenzüberschreitungen, die nicht kommentiert werden. Ein bisschen ging es für mich in Richtung Bingobuch, bei dem wichtige Elemente nicht erfolgreich verknüpft oder zu Ende gedacht wurden.

Ich habe das Buch anfangs ganz gerne gelesen, aber so richtig hat es mich eben nicht fesseln können und am Ende habe ich es nur weitergehört in der Hoffnung, dass noch irgendwas Spannendes passiert (tat es nicht…). Ich habe mich vor allem die ganze Zeit gefragt, warum Sina sich nicht krankschreiben lässt, wenn die Schlafprobleme doch so massiv Einfluss auf ihren Alltag haben. Dadurch hatte ich das Gefühl, das Problem wird künstlich am Leben erhalten, nur für den Plot, wenn es doch eine logische Handlungsalternative gäbe (natürlich ist das nicht die Lösung aller Probleme, aber es wäre ein notwendiger erster Schritt gewesen). Insgesamt also eher keine Empfehlung von mir.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von EvaLiest

Rezensionen von Lesestern:

Die geheimnisvolle Fremde

Schattengrünes Tal von Kristina Hauff

Schattengrünes Tal war meine erste literarische Begegnung mit der Autorin Kirsten Hauff, die bekannt ist für ihren psychologisch- feinsinnigen Schreibstil.
Ihr neuer Roman spielt in einem düsteren Winkel des Schwarzwalds und ist bei hanser blau im Sommer 2025 erschienen.

In " Schattengrünes Tal" tauchen wir ein in die Beschreibung eines schon in die Jahre gekommenen alten Hotels, das in einem abgelegenen engen Tal liegt und dessen Besitzer sich gegen jede Modernisierung wehrt.

Dort lernen wir die Hauptprotagonistin Lisa kennen, die sich neben ihrem eigenen Job für ihren Vater Carl und seinen Wunsch, das alte Familenhotel zu erhalten, aufopfert.
Ihrem Mann Simon, der als Förster eher ein ruhiges Dasein fristet, passt dies nicht, ist aber unfähig darüber zu reden
Als im Hotel ein geheimnisvoller Gast auftaucht, gerät die beschauliche Welt von Lisas Familie aus den Fugen und alte Geheimnisse werden offenbar...

Mein Leseeindruck:
Man beginnt zu lesen und wird wie ein Sog in diese Geschichte gezogen.
Mit psychologischem Feingespür entfaltet sich das Szenario, erzählt aus 4 Perspektiven, bildhaft vor Augen des Lesers. Man spürt geradezu, wie es unter den Schichten brodelt und sich ein Sturm zusammen braut.
Dreh- und Angelpunkt ist die geheimnisvolle Fremde, die plötzlich eines Tages im alten Hotel auftaucht und sich in Lisas Familie und Umfeld einzunisten beginnt...
Ihrem Charme und Charisma kann sich keiner entziehen und innerhalb kurzer Zeit dringt sie in die Dorfgemeinschaft ein und langjährige Beziehungen und Freundschaften beginnen zu bröckeln.

Mein Fazit:
Eine Geschichte, die scheinbare Idyllen entlarvt und aufzeigt wie Intrigen, Machtspiele und Narzismus zerstörerisch wirken und vertraute Strukturen sprengen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Lesestern

Rezensionen von EvaLiest:

Sehr lustig, auch für Erwachsene gut vorzulesen

Waschbär Willi Wunderquatsch - Die Erfindung der Trompetenwurst und weitere verrückte Abenteuer von Markus Hennig

Waschbär Willi Wunderquatsch von Markus Hennig, illustriert von SaBine Büchner, ist ein lustiges Kinderbuch mit sieben witzigen Geschichten und ein paar Zwischenkapiteln mit Hintergrundinfos zu den Charakteren.

Schon das Cover hat meinen Sohn zum Lachen gebracht und dann ging es gleich weiter.

Die Geschichten sind lustig, grenzen an albern, aber sind noch auf der guten Seite angesiedelt, sodass es auch für Erwachsene Spaß macht, sie vorzulesen. Besonders das Waschbär-Frosch-Wörterbuch hat hier für kugelige Lachanfälle gesorgt, die selbst nach der Lektüre immer wieder aufflammen. Was will man mehr?

Die Zeichnungen sind toll und helfen dabei, das Interesse der Kids noch zu steigern, da dort schöne Details zu finden sind.

Der pädagogische Gehalt ist bei diesem Buch jetzt nicht so im Vordergrund, aber das macht meiner Meinung nach gar nichts - es darf auch einfach mal komisch sein und die Lust am Lesen und an der Sprache fördern.

Alles in allem ein wunderbar gelungenes Buch, das wir sicher mehrmals lesen werden.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von EvaLiest

Rezensionen von EvaLiest:

EIn Buch, das nicht genau weiß, was es sein möchte

Anna oder: Was von einem Leben bleibt von Henning Sußebach

Anna oder: Was von einem Leben bleibt. Die Geschichte meiner Urgroßmutter. ist ein Buch von Henning Sußebach, in dem er versucht, das Leben seiner Vorfahrin anhand einiger weniger Anhaltspunkte aufzudecken.

Was mir gut gefallen hat, war, dass das Buch viele Einblicke in die damalige Zeit gibt, in die geschichtlichen und sozialen Hintergründe.

Hier hat der Autor meiner Meinung nach eine gute Auswahl getroffen.

Leider konnte mich das Buch ansonsten eher wenig überzeugen. Der Autor schreibt hier „die Geschichte [s]einer Urgroßmutter“ und dafür ist es mir ehrlich gesagt viel zu distanziert. Ich wusste nie genau, was dieses Buch eigentlich sein will, ein Roman, eine Hommage, eine Biographie, ein geschichtliches Werk? Dazu kommt die Fiktionalisierung, die mich an einigen Stellen irritiert hat. Durch Formulierungen wie „ich lasse…“ zeigt der Autor hier deutlich seine Einmischung in die Story (was grundsätzlich ok ist, hier aber weiter Verwirrung schafft). Teils wird hier ein Leben romantisiert (z.B. wenn es um die Geburt geht), wobei ich mich schon frage, wie gut der Autor sich in die damalige Zeit und die Situation der Frauen versetzen kann.

Es gibt immer wieder Einmischungen im Sinne einer Leserleitung („man muss das natürlich einordnen“, „aus heutiger Perspektive“, …), aber an den wichtigen Stellen fehlt genau das: es werden Passagen aus Schulbüchern von früher zitiert, in denen es um Rassenlehre geht, und das wird an dieser Stelle nicht einmal kommentiert. In meinen Augen ist das sehr problematisch (vor allem, wenn man bedenkt, wie oft der Autor sich sonst einmischt).

Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und obwohl ich die Sprecherin sehr mochte, war es doch irritierend, ein Buch, das offensichtlich von einem Mann erzählt wird, von einer Frau vorgelesen zu bekommen. Das war vielleicht ein weiterer Grund, warum ich mit dem Ganzen nicht so wirklich warm geworden bin.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von EvaLiest

Rezensionen von Bücherfreundin:

Ein Leben für die Kunst

Peggy Guggenheim von Mona Horncastle

In seiner Reihe "Reihenweise kluge Frauen" hat der Molden Verlag bereits neun Biografien veröffentlicht, drei davon stammen aus der Feder der deutschen Autorin Mona Horncastle. Im 10. Band geht es um die Amerikanerin Peggy Guggenheim, die sich als bedeutende Kunstmäzenin, Sammlerin und Galeristin der Kunst des 20.

Jahrhunderts widmete.
Das gebundene Buch ist sehr liebevoll und hochwertig gestaltet. Es umfasst 224 Seiten und ist in sechs Kapitel gegliedert, zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotos, die dem Leser Peggy Guggenheims Leben und Wirken nahebringen, ergänzen die Texte.

Peggy wird 1898 als zweite von drei Töchtern der Eheleute Benjamin und Florette Guggenheim geboren. Die Familie ist vermögend, die Kinder wachsen inmitten von Luxus auf und werden von Privatlehrern zuhause unterrichtet. Als der Vater 1912 beim Untergang der Titanic ums Leben kommt, erbt Peggy ein umfangreiches Aktienpaket, das es ihr ermöglicht, mit Eintritt ihrer Volljährigkeit ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Sie liebt die Literatur, wendet sich aber nach einer monatelangen Europareise mit zahlreichen Museumsbesuchen der Malerei des 20. Jahrhunderts mit den Schwerpunkten Surrealismus und abstrakter Expressionismus zu. 1937 eröffnet sie eine Galerie für moderne Kunst. Wenig später vergrößert sich mit dem Tod ihrer Mutter ihr Vermögen beträchtlich, und sie beginnt, im großen Stil Kunstobjekte zu erwerben, bevor der Zweite Weltkrieg ihre Pläne, ein Museum zu eröffnen, zunichte macht ...

Das interessante Buch ist in sachlicher und klarer Sprache geschrieben und gibt uns nicht nur Einblicke in Peggys Leben und ihr Wirken für die Kunst, sondern auch in ihre Herkunft und die ihrer Familie. Sie liebt die Kunst, sie liebt auch die Männer und hat viele Affären. Peggy pflegt zahlreiche Kontakte, sie feiert gern und oft, und sie zeigt sich äußerst großzügig gegenüber Freunden und der Familie. Zielstrebig geht sie ihren Weg, wir erleben ihre Anfänge als Kunstsammlerin und Galeristin, die auch Werke von Künstlerinnen zeigt, was für die damalige Zeit ungewöhnlich ist. Sie rettet bedeutende Kunstobjekte jüdischer Künstler und sogenannte "entartete Kunst" vor dem Zugriff der Nationalsozialisten. Später ist es ihr ein Anliegen, junge und unbekannte Künstler durch Geldzuwendungen und Ausstellungen zu unterstützen.
Die Autorin beschreibt neben Peggys schillernder Persönlichkeit auch ihr kompliziertes Privatleben mit all seinen Höhen und Tiefen. Sie heiratet zweimal und bekommt zwei Kinder, für die sie sich jedoch nur wenig Zeit nimmt.

Ich habe die Biografie, deren Schwerpunkt auf Peggys leidenschaftlichem Wirken für die Kunst liegt, sehr gern und mit großem Interesse gelesen und dabei viel über die Kunstszene des 20. Jahrhunderts erfahren. Es fiel mir allerdings nicht gerade leicht, mir die unzähligen im Buch vorkommenden Namen bzw. deren Bezug zu Peggy einzuprägen.  

Leseempfehlung für alle, die sich für Kunst und ein leidenschaftliches Leben für die Kunst interessieren!

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücherfreundin

Rezensionen von Lese:

Spielerisch lernen, wie das Internet funktioniert

Das Internet von Larissa Suzuki

Dieses Buch habe ich eigentlich für meine 9-jährige, technikinteressierte Enkelin gedacht, weil es ihr auf spielerische und verständliche Weise erklärt, wie das Internet funktioniert. Aber ich fand es so informativ und lebendig gestaltet, dass ich es in einem Rutsch durchgelesen habe.
Sie erfährt darin nicht nur, welche Sprache Computer sprechen oder wie Daten übertragen werden, sondern kann auch selbst aktiv werde, zum Beispiel beim Programmieren, beim Erstellen sicherer Passwörter oder als KI-Detektivin.

Das Sachbuch ist toll und farbenfroh aufgemacht, mit witzigen Comics, Experimenten und Mitmach-Aufgaben. Gleichzeitig vermittelt es Wissen über Sicherheit im Netz und den verantwortungsvollen Umgang mit Social Media.
So passt das Buch perfekt zu ihrer Neugier, fördert ihr Interesse an Technik und MINT-Themen und auch ich konnte noch einiges dazulernen.
Besonders schön finde ich, dass wir beim Lesen und Ausprobieren gemeinsam ins Gespräch kommen und uns gegenseitig Neues zeigen können.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Lese

Rezensionen von nessabo:

Das fragmentarische, sensible Porträt eines Lebens zwischen den Welten

Onigiri von Yuko Kuhn

Während ich mit japanischer Literatur bislang eher nicht komplett gematcht habe, gab es aus dem deutsch-japanischen Autor*innenfeld schon das ein oder andere Highlight. „Onigiri“ reiht sich für mich im positiven Sinne ein.

Yuko Kuhn hat einen leisen Roman geschrieben, der sich doch gleichermaßen eindringlich mit einem Leben zwischen zwei Welten befasst.

In ihm reist Protagonistin Aki mit ihrer dementen Mutter Keiko ein letztes Mal nach Japan und reflektiert parallel dazu nicht nur über den Werdegang ebenjener, sondern auch über ihre eigenen Kindheitserinnerungen und Schlüsselmomente.

Besonders geschickt finde ich die Struktur der Erzählung. Denn obwohl sie auch zu einer gewissen Kompliziertheit beiträgt, spiegelt sie in sich die innere Zerrissenheit Akis wider. Jedes Kapitel teilt sich in den Gegenwartsstrang, also den Besuch in Japan, und einen Erinnerungsteil. Letzterer ist dabei immer stark familienbezogen, dahingehend aber sehr divers gehalten. Mal geht es um die Großeltern, mal den Vater und dann wieder um Akis Bruder. Die beiden Teile sind strukturell nur sehr dezent voneinander getrennt und ich verstehe, dass dies das Leseverständnis hemmen kann. Ich konnte mich nach einer kurzen Gewöhnungsphase glücklicherweise sehr gut drauf einlassen und denke auch, dass es bei diesem Werk genau darauf ankommt.

Die vermittelten Gefühle sind unheimlich vielschichtig, manchmal richtiggehend widersprüchlich. Besonders die Mutter-Tochter-Beziehung steht logischerweise im Zentrum der Geschichte und wird begleitet von nahen wie distanzierten Momenten. Kuhn schafft es eindrücklich, einen dichten Text zu schreiben, ohne ins Abwertende oder Pathetische abzuschweifen. Vielleicht trägt ihre eigene Biografie dazu bei, in jedem Fall finde ich die Selbstreflexion von Protagonistin und Autorin bemerkenswert.

Ganz nebenbei thematisiert Kuhn alltäglichen Rassismus, der trotz ihrer nüchternen Schreibweise unter die Haut geht. Auch kulturelle Unterschiede werden am Beispiel ihrer deutschen bzw. japanischen Familie messerscharf verhandelt. So sammelt dieser Roman eine schiere Fülle an Erfahrungen und fügt sie zu einem Mosaik zusammen.

Demenz ist in der Literatur nun wirklich nicht selten Thema, aber die sensible, leise und gleichzeitig aufwühlende Schilderung der Autorin ist eine ganz besondere. Teilweise genügte ein Satz, eine Frage der Mutter, um in mir alles zum Stocken zu bringen. Aki gilt für ihren Umgang mit dieser furchtbaren Erkrankung meine absolute Bewunderung, gleichzeitig war aber auch ihre Trauer für mich deutlich spürbar.

Die Autorin baut auf sehr viele japanische Begriffe und Wendungen, was ich ja immer ambivalent bewerte. Sehr authentisch und passend auf der einen Seite, störend für meinen Lesefluss auf der anderen. Das Glossar ist ganz toll, lässt sich im eBook aber nur unpraktisch nutzen. Abgesehen davon kann ich aber wirklich maximal nur an der ein oder anderen langatmigeren Stelle mäkeln.

Ein Buch für alle, die sich für kulturelle Unterschiede sowie Identitätssuche interessieren und die sich von leisen, fragmentarisch erzählten Romanen mit einigen Zeitsprüngen nicht abschrecken lassen.

4,5 Sterne

im Shop ansehen weitere Rezensionen von nessabo

Rezensionen von yellowdog:

Widerstand

Badjens. Roman von Delphine Minoui

Badjens ist ein Buch, dass von der Kindheit und Jugend eines Mädchens im Iran erzählt und wie sie die vielen Beschränkungen im Land gegen Frauen wahrnimmt.
Badjens ist 2006 geboren. Es wird konsequent aus ihrer Perspektive erzählt.
Es zeigt sich ein Stimmung der Jugend gegen Kopftuch und Einschränkung der Rechte von Frauen, die zu Widerstand führt.

Nach dem Tod von Mahsa Amini 2022 kommt es zu deutlichen Protesten und Badjens schließt sich an.
Delphine Minoui wählt eine moderne Sprache, um ihre Hauptfigur lebendig werden zu lassen und es gelingt ihr.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog

Rezensionen von gerlisch:

Locked-Room-Thriller unter sengender Sonne

Der Stau von Jo Furniss

Kommissarin Belinda, die gerade von einer Auszeit aus Australien zurückkehrt, gerät in einen Stau. Als sie in einem Auto einen Toten entdeckt, wird ihr schnell klar, der Mörder muss noch in der Nähe sein, denn niemand kann hier weg und scheinbar niemand hat etwas gesehen.

Jo Furniss lässt in diesem Thriller ein Szenario entstehen, ein endloser Verkehrsstau auf einer britischen Autobahn.

Dies wirkt scheinbar simpel, doch es entsteht hier durch Hitze, unterschwelliger Gefahr und der psychischen Belastung eine beklemmende Atmosphäre.

An den Schreibstil musste ich mich erst gewöhnen, denn er wirkte auf mich zunächst abgehackt. Die Protagonistin Belinda, verpasst jedem Charakter einen Spitznamen, dies hat mich ein zwar bisschen irritiert, doch durch diese Eigenart zeigt sie bei ihren Ermittlungen ihre Unsicherheit und innere Unruhe.

Eigentlich eine ganz interessante Story, denn durch den Stressfaktor Stau zeigen sich hier die unterschiedlichsten menschlichen Abgründe, doch die Handlung wird immer mal wieder von absurden Szenen unterbrochen, die den Lesefluss etwas stören.

Das Buch lässt sich aber flüssig lesen und ich habe mich unterhalten gefühlt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von gerlisch

Rezensionen von Eternal-Hope:

Über die Wirkung patriarchaler Machtstrukturen

Weibliche Macht neu denken von Eva Thöne

Die Journalistin, Redakteurin und Leiterin des Kulturresorts des "Spiegel", Eva Thöne, hat ein Buch mit dem Titel "Weibliche Macht neu denken" veröffentlicht. Eine Frau, die fast gleich alt ist wie ich, und selbst in einer Führungsposition, das macht mich neugierig auf das Buch.

Als eine, die sich schon sehr viel mit diesem Thema beschäftigt hat, ist vieles, was im Buch dargestellt wird, erst einmal eine Wiederholung für mich: es geht um die uralten patriarchalen Machtstrukturen, die Frauen aus dem öffentlichen Bereich fernhalten wollen und bis heute nachwirken. Das schildert die Autorin eindrucksvoll anhand eines aktuellen Beispiels: auch heute melden sich im beruflichen Bereich in Diskussionen Frauen viel weniger zu Wort, und wenn sie das tun, werden sie damit weniger gehört, es wird auf ihre Beiträge weniger eingegangen und sie werden öfter übergangen oder abgewertet.

Dazu gibt es viele bekannte Studien und Beispiele. Es geht um den schmalen Grat, auf dem Frauen in der Öffentlichkeit sich bewegen, zwischen als zu schrill, zu laut, zu fordernd oder gar "hysterisch" abgewertet zu werden oder unsichtbar und machtlos zu bleiben. Um die einzig wirklich akzeptierte machtvolle traditionelle Frauenrolle: die der Mutter, die aber ihre eigenen Nachteile mit sich bringt, Frauen auch beruflich in ein enges Korsett zwingt, das oft ihrer Persönlichkeit gar nicht entspricht (man denke an die kinderlose und gar nicht sehr mütterliche Angela Merkel, der doch schnell der Spitzname "Mutti" samt passenden Zuschreibungen verpasst wurde) und um die Omnipräsenz männlicher Rollenbilder, Mythen und Narrative, wie sich auch etwa an dem allseits so verbreiteten Schema der "Heldenreise" zeigt.

Es geht um Frauen, denen von Haus aus nur dann Machtpositionen zugestanden werden, wenn die Erfolgschancen schon gering sind: das wird bei der Analyse von Kandidatinnen in Wahlkreisen genauso sichtbar wie bei einer amerikanischen Präsidentschaftswahl, bei der der greise Joe Biden erst spät Platz für seine Nachfolgekandidatin Kamala Harris machte, die dann bekanntlich auch gegenüber Donald Trump unterlag.

Was mir persönlich in diesem Buch ein bisschen zu kurz gekommen ist, ist tatsächlich das "neu denken" aus dem Titel. Von einem Buch mit diesem Titel hätte ich mir etwas anderes erwartet, als ich bekommen habe: nämlich nicht zu mindestens 3/4 eine Aufarbeitung von dem, was bisher war und schief läuft, sondern viel mehr neue und bisher unbekannte Ansätze für weibliche Macht. Ich hätte gern mehr darüber gelernt, wie weibliche Macht ganz anders aussehen kann als männliche, und Rollenvorbilder dafür kennen gelernt: dieses Thema kommt nach meinem Empfinden im Buch aber nur am Rande vor, als kleine eingestreute Tipps nebenbei, beispielsweise wenn es um die Archetypen der "großen Schwester" oder der "weisen Frau" in Ergänzung zur "Mutter" geht. Davon hätte ich mir mehr gewünscht.

Sehr interessant wurde es für mich im Buch auch immer dann, wenn über eine allgemeine Analyse hinaus die Autorin als Mensch für mich spürbar wurde, also wenn sie gelegentlich Geschichten und Erfahrungen aus ihrem Leben geteilt und mit dem Thema des Buches verbunden hat, auch davon hätte ich gerne mehr gelesen und das würde ich mir für zukünftige Bücher von ihr wünschen, sofern sie bereit ist, das von sich zu teilen (natürlich exponiert man sich damit auch mehr, mit allen damit verbundenen Risiken, das ist mir bewusst).

Insgesamt finden sich im Buch also viele nachdenklich machende Beispiele für die Benachteiligung von Frauen, die bis heute nachwirkt. Das macht auch den größten Teil des Buches aus. Allen, die sich mit diesem Thema bisher erst wenig beschäftigt haben, kann ich das Buch sehr empfehlen, weil es fundiert aufzeigt, wie tief das Patriarchat und dessen Denkweisen nach wie vor in fast allen Bereichen unserer Gesellschaft tief verwurzelt sind.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Eternal-Hope