Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Hier ist wenig, wie es scheint
Hamburg Chinatown von Anette Strohmeyer; Eric Niemann
Das Autoren-Duo Anette Strohmeyer und Eric Niemann entführt uns in das Hamburg der 1920er-Jahre. Es ist die Zeit kurz nach dem Ende des Großen Krieges, wie man den Ersten Weltkrieg damals genannt hat. Die Wirtschaft liegt darnieder, an Körper und Geist versehrte Soldaten betteln auf den Straßen, weil es weder Unterkünfte noch Sozialsystem gibt.
Besonders schwer haben es jene Kriegsversehrte, die eine Gesichtsverletzung davongetragen haben und sich kaum in die Öffentlichkeit trauen. Man nennt sie „Gueules Cassées, zerhauene Visagen". Einige engagierte Frauen fertigen Gesichtsmasken für diese Männer an, um ihnen ein wenig ihrer Würde zurückzugeben. Gleichzeitig leben einige wenige, wie der Reeder Alfred Möller auf großem Fuß. Seine Tochter Tessa treibt sich heimlich in Chinatown herum und lernt Li Lim kennen, der einen besonderen Auftrag hat.
Zahlreiche kleinere und größere Verbrechen halten die Polizei, wie den Ordnungspolizisten Peder Hansen in Atem, der zusätzlich noch den Mörder seines Bruders Claas sucht und ihn unter den Chinesen vermutet. Muss sich Peder mit einem Chinesen verbünden, um den Mörder seines Bruder zu entlarven?
Die Sucht nach Betäubung von Hunger und Schmerzen lassen den illegalen Opiumhandel blühen. Nicht immer sind er nur die Chinesen, die Nutzen daraus ziehen. Ohne Verbindungen zu Hamburger Kaufleuten könnte auch die Chinatown von St. Pauli nicht so florieren. So ist auch hier der Fall, das der Drahtzieher des groß angelegten Opiumschmuggels kein Chinese ist, sondern ein Verbrecher, der sich hinter einer Maske eines dieser Kriegsversehrten versteckt.
Dutzende Chinesen, die auf der Suche nach einem besseren Leben auf deutschen Schiffen angeheuert haben, sehen sich nach ihrer Ankunft in Hamburg der Hoffnung beraubt und leben wieder prekär. Nur ganz wenige Chinesen schaffen es, mit Wäschereien oder Imbissstuben Erfolg zu haben. Akzeptiert werden sie von den Hanseaten nicht, zumal sie als Drehscheibe des Opiumhandels und Bandenkämpfe gelten.
Meine Meinung:
Mir hat dieser historische Krimi im Hamburg der 1920er-Jahre sehr gut gefallen. Allerdings habe ich Ähnliches schon einmal gelesen. Selbst der Name des gejagten Phantoms Keyser, hat bei mir ein déjà vu hinterlassen. Es wird mir schon wieder einfallen, welcher Krimi (Krimi-Reihe) das war. Weshalb ich recht bald eine Idee hatte, wer hinter den Verbrechen steckt. Aber das behindert diese fesselnde Lektüre nicht im geringsten.
Dieser Krimi zeigt deutlich die Doppelmoral der Wohlhabenden. Der Reeder, der den Tod seiner Beschäftigten billigend in Kauf nimmt, nur um Profite zu machen, werden ebenso an den Pranger gestellt, wie korrupte Polizisten. Die einen halten die Hand auf, um Razzien zu verraten und andere, wie höhere Chargen lassen sich ihr Wohlwollen und Wegschauen durch weibliche Dienstleistungen bezahlen.
Um sich in der fesselnden Geschichte gut zurecht zu finden, gibt es zu Beginn ein Personenverzeichnis, das schon auf Grund der vielen chinesischen Namen eine große Hilfe ist.
Der Krimi ist flott geschrieben, so dass die knapp 450 Seiten nur so verfliegen. Hin und wieder wird das eine oder andere Klischee bemüht, was aber nicht weiter stört.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem historischen Krimi, der mich sehr gut unterhalten hat, 5 Sterne und hoffe auf die angedeutete Fortsetzung.
Rezensionen von Anndlich:
Lasset die Puppen tanzen!
Girls of Dark Divine − Eine Tänzerin. Ein Fluch. Eine verzweifelte Liebe. von E. V. Woods
Emberlyns größter Traum ist es zu Tanzen. Aus diesem Grund schließt sie sich der berühmten Balletttruppe New Koras an, den Marvellous Marionettes. Doch ihr Traum wird schnell zum größten Alptraum, denn Malcolm Manrow hat seine Tänzerinnen verflucht und sie dadurch an sich gebunden. Malcolm kann jede Bewegung seiner Tänzerinnen kontrollieren und Abend für Abend lässt er sich nach seinen Fäden tanzen.
Emberlyn versinkt in der dunklen Welt und nur ihr Tanzpartner, ein mysteriöser Schatten, kann ihr wenige Sekunden Erleichterung verschaffen. Doch die reichen Emberlyn nicht, sie möchte fliehen, doch kann sie den Fluch überhaupt brechen?
Girls of Dark Divine von E.V. Woods nimmt einen mit nach New Kora in die düstere Welt des ‚Puppenspielers‘ Malcolm Manrows. Die Geschichte erleben wir durchgehend aus der Sicht Emberlyns, durch die ‚sie’-Erzählweise wird jedoch eine gewisse Distanz erzeugt. Der Einstieg konnte mich direkt packen, es beginnt düster, die Atmosphäre baut sich gut auf und durch eine detaillierte Erzählweise, kann man sich die Welt in der die Schwestern stecken, sehr gut vorstellen. Diese Erzählweise sorgte jedoch auch dafür, dass ich irgendwann gelangweilt war. Über die Hälfte des Buchs fühlt sie wie der Einstieg in eine Geschichte ein, während es erst gegen Ende wirklich in Fahrt kommt und mit Spannung überzeugen kann. Die Geschichte wirkt auf mich unausgewogen, während die ersten +200 Seiten sehr detailliert beschrieben wurden, fehlte es den letzten +100 Seiten an eben diesen Details. Die sehr detailgetreuen Beschreibungen sorgten auch für viele Wiederholungen, denen ich irgendwann überdrüssig war, sei es die Beschreibung des Atems, das Zähneknirschen oder wieder einmal die Kakofonie.
Gespannt war ich darauf, was das alternative Ende zu bedeuten hat und ich muss leider sagen, dass ich sehr enttäuscht bin. Das Originalende hat zur Geschichte gepasst und wirkte authentisch, wohingegen das vom Verlag gewünschte Ende aufgesetzt wirkt und nicht in die Atmosphäre des Romans passt. Jedoch möchte ich auch erwähnen, dass die Autorin den Wunsch wirklich gut umgesetzt hat und es Schwingungen des Originalendes beinhaltet, die mir sehr gefielen. Ich mache der Autorin auch keinen Vorwurf, dass sie dem Wunsch entsprochen hat, schließlich ist eine potenzielle Übersetzung eine große Chance und doch finde ich es schade, dass ein Verlag ein solches Ende erwünscht. Was ich dann aber ganz schlimm finde, ist dass das Originalende als ‚alternatives Ende‘ betitelt wird. Nein, wenn dann ist das gewünschte Ende die Alternative!
Dennoch gab es auch viele Dinge die mir wirklich gut gefallen haben. Ich mochte die Grundidee wirklich gerne und finde diese innovativ. Der Schreibstil hat mir generell auch sehr zugesagt, dieser hat die Atmosphäre und die Gefühlswelt sehr gut transportiert. Gefallen hat mir auch das Bund der Marionetten, die sich selbst als Schwestern bezeichnen. Die Handlungsweisen der Schwestern wirkten dabei besonders authentisch und auch die Entwicklungen konnte ich super gut nachvollziehen. Emberlyns Gedanken- und Gefühlswelt waren super verständlich, ihre Entwicklung genial und der Schatten ein toller Gegenpart zu Malcolm und auch das Originalende fand ich passend. Deswegen gibts von mir drei gute Sterne, die Kritik am alternativen Ende hat keine Auswirkung auf die Bewertung (da sie sich an den Verlag richtet).
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Hat mich leider nicht überzeugt
VIER von Andy Neumann
Dieser Krimi ist die Fortsetzung zu Zehn, einem Krimi, in dem ein Serienmörder die Polizei Jahre lang an der Nase herumführt, bis ihm bei einem Showdown das Handwerk gelegt werden konnte, auch wenn sein letztes Verbrechen, bei dem mehr als dreißig Personen und Dutzende schwer verletzt worden sind, nicht mehr verhindert werden konnte.
Man muss den Vorgänger nicht unbedingt gelesen haben. Denn einige wichtige Aspekte von Zehn in der Fortsetzung rekapituliert bzw. erwähnt werden. Daher ist gewährleistet, den Anschluss zu finden.
Der Krimi beginnt mit einem Prolog und der Einvernahme eines Tatverdächtigen am 1. September 2020. Anschließend springt der Krimi in unregelmäßigen Abständen zwischen der Vergangenheit von 2001, 2008, 2012 und 2016 wieder nach 2020. Zwar ist bei jeden Kapitel der genau Tag angegeben, man kann das aber in der Gier, wissen zu wollen, was nun weiter passiert, leicht überlesen werden, sodass dann ein wenig verwirrt zurück geblättert werden muss.
Anders als in Zehn wird diesmal von Beginn an ordentlich ermittelt. Denn spätestens nach dem zweiten geköpften Opfer ist klar, dass ein direkter Zusammenhang mit der damaligen Mordserie besteht. Die Ermittler stehen unter Hochspannung. Übt hier jemand Rache? Oder will man ehemalige Mitwisser beseitigen? Nur wer?
Der alte Täter kann es nicht sein, denn der liegt, nachdem ihn seine Ehefrau, weil sie ihn zu stoppen versucht hat, durch mehrere Schüsse schwer verletzt hat, im Koma. Die fieberhafte Suche beginnt und ein Verdächtiger wird gefasst. Aber ist wirklich der Mörder mit dem Schwert, der auch den damaligen Ermittlungsleiter Kanther ermordet?
Meine Meinung:
Das Buch wird als Thriller beworben, was ich so nicht unterschreiben mag. Nur Zeitsprünge machen noch keinen Thriller. Der Schreibstil ist eher einfach gehalten. Allerdings gibt es einige Passagen, bei denen ich meinen Kopf schütteln musste. Ein Beispiel gefällig?
„Aury brannte. Lichterloh. Verdammt, sie hätte Steaks auf ihrer nackten Haut grillen können. Jedenfalls gefühlt.“
Ähem, das klingt schon sehr nach Groschenroman.
Mit den Charakteren bin ich auch nicht wirklich warm geworden. Vor allem, weil das Verhältnis zwischen Teamleiter Martin Paulus und seiner jungen Kollegin Aurelie die Ermittlungen überhaupt nicht weiterbringt, sondern die beiden eher ablenkt. Ließe man das weg, hätte der Krimi wohl nur die Hälfte der Seiten. Auch zu Charlotte, die als toughe Frau beschrieben wird, finde ich keinen Zugang.
Das Buch schließt dann mit gleich drei (!) Epilogen, von denen der letzte im Jahr 2021 am Krankenbett des Koma-Patienten spielt. Ich habe eine, nein eigentlich zwei, vage Ideen, die vermutlich erst im dritten Band dieser Reihe schlüssig beantwortet werden können. Denn an den festgenommenen Verdächtigen als Täter glaube ich nicht so recht.
Fazit:
So ganz kann mich dieser Krimi, der durchaus spannende Stellen hat, diesmal nicht überzeugen, weshalb er nur 3 Sterne erhält.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Hier ist wenig, wie es scheint
Dunkelnah von Roman Klementovic
In seinem neuen Psychothriller nimmt uns Autor Roman Klementovic in die düstere Atmosphäre eines Lost Place mit. Schon der Prolog stimmt auf einen kommenden Albtraum ein.
Simon Winter trifft im ehemaligen Hotel Waldhof ein, um dort bei Renovierungsarbeiten mitzuarbeiten. Doch schon dessen Ankunft lässt ahnen, dass der Autor wieder mit seinen Leser:innen Katz und Maus spielen wird.
Das Hotelier-Paar besteht aus einer Frau, die Simon ständig nötigt, Schnaps zu trinken und deren aggressiven Mann, der ohne Flinte und Rottweiler keinen einzigen Schritt tut.
Simon hätte besser auf sein Bauchgefühl gehört und unverzüglich umgedreht. Allerdings gerät er in den Sog dieses seltsamen und manipulativen Ehepaares. Als er erfährt, dass eine junge Frau verschwunden ist, beschließt er, diese zu finden.
Meine Meinung:
Ich verfolge die literarische Karriere von Roman Klementovic seit seinem Debüt Verspielt im Jahr 2015. Er schafft es in jedem seiner Thriller eine bedrückende Atmosphäre darzustellen, in der Protagonisten wie Leser nicht wissen, wem sie trauen können oder welchen Streich einem das verängstigtes Gehirn spielt. Wie Klementovic in einem Interview erklärt, hat ihn das dem Verfall preisgegebene Südbahnhotel am Semmering zu diesen Thriller inspiriert.
Die Spannung steigt von Seite zu Seite bis sie sich in einem furiosen Final entlädt. Nicht immer wirkt alles glaubhaft, aber das gehört zu einem Psychothriller wohl dazu, das Ängste und Visionen die Wirklichkeit entstellen.
Fazit:
Wer also einen Psychothriller lesen möchte, bei dem wenig so ist, wie es scheint, ist hier richtig. Mir war es diesmal ein wenig zu viel der Manipulation, weshalb ich diesmal 4 Sterne gebe.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Bei den Partisanen im Wald
Europäische Erziehung von Romain Gary
Europäische Erziehung ist der erste Roman von Romain Gary (1914-1980). Gary schildert darin die Geschichte des 14-jährigen Janek Twardowski, der 1942 von seinem Vater, einem Arzt, in einem Wald nahe der Stadt Vilnius versteckt worden ist. Das unterirdische Versteck ist mit einer Feuerstelle, Decken und einigen Säcken Erdäpfeln beinahe luxuriös ausgestattet.
Zunächst kommt der Vater immer wieder, um nach Janek zu sehen. Doch als er wegbleibt, der geneigte Leser wird wissen warum, schließt sich Janek, wie ihm der Vater geraten hat, den Partisanen an, bei denen er zuerst als Laufbursche bis er seinen Platz in der Gruppe findet.
Während im entfernten Stalingrad die Schlacht tobt, werden in Litauen Juden deportiert und ermordet. Für jeden getöteten deutschen Soldaten werden Dörfer niedergebrannt und Geiseln erschossen, wobei kein Unterschied gemacht wird, ob es sich um Frauen, Männer oder Kinder handelt. In dieser grausamen Zeit reift Janek frühzeitig zum Mann.
Meine Meinung:
Romain Gary hat diesen Roman noch während des Zweiten Weltkriegs verfasst, als er auf Seiten der Alliierten kämpft. Das Buch ist vor kurzem neu übersetzt worden, wobei angemerkt wird, dass die Sprache der damaligen Zeit weiterhin verwendet worden ist, was unter Umständen zu Irritationen führen könnte. Meiner Ansicht nach hat der Verlag damit richtig gehandelt, um die Authentizität des Romans beizubehalten.
Der Autor selbst ist 1914 in Vilnius (Litauen) als Sohn einer jüdischen Familie geboren, in Polen aufgewachsen und nachdem der Vater die Familie verlassen hat, 1928 mit seiner Mutter nach Frankreich übersiedelt. Dort geht er 1938 zur französischen Luftwaffe und nach der Besetzung Frankreichs durch die Wehrmacht nach England zu Charles de Gaulles Exilregierung.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Roman 5 Sterne.
Rezensionen von xx:
Interessante Idee, düster, schlechte Sprache
Im Leben nebenan von Anne Sauer
Der Roman erzählt die Geschichte von zwei Leben, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Antonia, aus ihrem bisherigen Alltag gerissen, wacht eines Tages in ihrer Heimatstadt auf – mit einem fünf Wochen alten Baby auf dem Bauch. In dieser alternativen Realität hat sie sich nie von ihrer Jugendliebe Adam getrennt, ist nie aus ihrer Kleinstadt weggezogen und lebt seit Jahren glücklich verheiratet.
Nun ist sie frischgebackene Mutter. Doch Antonia kann sich an dieses Leben nicht erinnern! Stattdessen hat sie klare Erinnerungen an ein anderes Leben: eines, in dem sie mit ihrem Partner Jakob lebt und der unerfüllte Kinderwunsch ihre Beziehung zunehmend belastet.
Mit Rückblenden schildert der Roman, wie beide Leben voranschreiten. Antonia und Toni, wie sie in der jeweils anderen Realität genannt wird, werden von einer allwissenden Erzählstimme begleitet. Diese beschreibt mit schonungsloser Ehrlichkeit die Verzweiflung und Hilflosigkeit der beiden Frauen in ihren jeweiligen Situationen. Tabuthemen wie das Hadern mit der Mutterschaft, die Schmerzen nach einem Kaiserschnitt oder das Gefühl des Versagens angesichts eines unerfüllten Kinderwunsches werden offen angesprochen.
Das Buch ist ein hochaktueller, feministischer Roman, der die vielen Facetten von Frausein, Beziehung und Lebensplanung beleuchtet. Mit Humor und Ehrlichkeit wirft die Autorin einen wohlwollenden Blick auf verschiedene Lebensentwürfe, ohne dabei zu werten, welcher der richtige ist.
Trotz des vielversprechenden Klappentextes konnte mich die Umsetzung nicht überzeugen. Die Charaktere wirkten auf mich flach und unnahbar, die Protagonistin blieb blass und durchgehend deprimiert. Die Geschichte hinterließ bei mir ein düsteres Gefühl. Zudem hat mich leider die sprachliche Umsetzung nicht überzeugt und lässt viel Raum für Verbesserung.
Rezensionen von xx:
Toll!
Die Hobby-Horsing-Kids, 1, Ein Steckenpferd für Lotta von Jenny Bicho
Ein wundervolles und liebevoll geschriebenes Kinderbuch, das sofort in seinen Bann zieht. Die Geschichte rund um Lotta ist nicht nur spannend und kindgerecht erzählt, sondern vermittelt auch wichtige Werte wie Freundschaft, Zusammenhalt und Mut. Besonders schön ist, wie spielerisch gezeigt wird, wie echte Freundinnen Konflikte lösen und gemeinsam stärker werden.
Die Hauptfigur Lotta ist sympathisch und nahbar – junge Leserinnen und Leser können sich leicht mit ihr identifizieren und fiebern schnell mit. Die Sprache ist altersgerecht, leicht verständlich und macht sowohl beim Vorlesen als auch beim ersten Selberlesen Freude. Die Kapitel haben eine angenehme Länge, und die Illustrationen ergänzen die Handlung auf wunderbare Weise.
Auch wenn Hobby Horsing zunächst für uns ein unbekanntes Thema war, zeigt das Buch, dass es um viel mehr geht als um dieses Hobby: Es ist vor allem eine warmherzige Geschichte über Freundschaft und das, was wirklich zählt.
Ein toller Reihenauftakt, der Lust auf die nächsten Bände macht – ein echter Lesetipp für alle pferdebegeisterten Kinder, aber auch für alle, die einfach eine schöne, berührende Geschichte lesen möchten.
Rezensionen von Sina:
Unkritisch und ohne Tiefgang
Heimat von Hannah Lühmann
Der Klappentext von Hannah Lühmanns zweiten Roman »Heimat« hat mich sofort neugierig gemacht. Ein Buch, welches verspricht, sich mit gegenwärtigen Themen unserer Gesellschaft wie Rechtspopulismus, Social Media, Mutterschaft, Geschlechterrollen und die Sehnsucht nach Zugehörigkeit auseinanderzusetzen.
Jana - die gerade mit ihrem dritten Kind schwanger ist - und ihr Mann Noah kehren dem Stadtleben den Rücken und ziehen mit ihren Kindern aufs Land. Hier findet Jana schnell Anschluss bei Karolin und ihren Freundinnen. Jana ist fasziniert von der Frau, die ihr Leben als Hausfrau und Mutter von fünf Kindern zur Berufung gemacht hat und als Influencerin ihr Leben als Tradwife auf Instagram zur Schau stellt.
Die Figuren wirken leider viel zu blass und konturlos, eher wie Statisten. Insbesondere Jana als Hauptfigur ist so für die Leser:innen eine schwer greifbare Protagonistin. Anfangs noch ansatzweise skeptisch übernimmt Jana viel zu schnell die erzkonservativen Ansichten und rechtspolitischen Ideale von Karolin, ohne diese kritisch zu hinterfragen.
Im Klappentext angekündigt wurde Jana als eine Protagonistin mit gefestigten (feministischen) Idealen und Prinzipien. Unter dieser Voraussetzung hätte es eine interessante Geschichte werden können, jedoch entpuppte Jana sich als eine Art weiße Leinwand: hochgradig beeinflussbar und ohne Rückgrat.
Auf nur knapp 170 Seiten habe ich keine hochkomplexe Auseinandersetzung mit solch prekären Thematiken erwartet aber etwas mehr Tiefgang und einen kritischeren Blick auf diese hatte ich mir dennoch erhofft.
Die Lebensweise von Karolin wird stark glorifiziert und zu keiner Zeit kritisch eingeordnet. Themen wie Impfskepsis oder häusliche Gewalt werden angerissen aber nicht tiefergehend behandelt.
Die Idee des Romans hatte viel Potential, was jedoch daraus gemacht wurde, kann ich guten Gewissens nicht mit mehr als 2 Sternen bewerten. Anstelle einer differenzierten Auseinandersetzung mit den Themen wurden hier einfach eine Art Checkliste mit einigen Schlagwörtern abgehakt und dann nicht weiter verfolgt. Am Ende fragt man sich, was der Roman eigentlich aussagen soll und lässt mehr Fragen offen, als er beantwortet.
Rezensionen von Lesebegeisterte:
"Wenn künstliche Intelligenz dein Leben bestimmt!“
Der Tower von Ivar Leon Menger
Nova gewinnt ein Jahr kostenlos wohnen im Pramtower, das Luxushochhaus schlecht hin. Da sie gerade ihren Freund, ihre Wohnung und ihren Job als Galeristin verloren hat, trifft sich dies sehr gut. Doch das Glück währt nicht lange. Alles im Pramtower funktioniert per Sprachsteuerung die sich KIM nennt.
Von Licht, über Grad der Wassertemperatur, Sonnenschutz ober Essenswünsche, es wird auf jeden Wunsch eingegangen. Man spricht es aus, und schon wird der Wunsch erfüllt. Was sich anfangs als purer Luxus anfühlt, wird Stück für Stück zum Alptraum. Die Bewohner sind für Nova etwas befremdlich, vor allem ihr Nachbar Konrad, der sich schon sehr eigenartig verhält. Als dann Nova erfährt, dass ihre Vormieterin eine bekannte Influencerin tot im Pramtower aufgefunden wurde, beginnt sie zu recherchieren und dies stößt KIM sauer auf. Nova ist in großer Gefahr, wird sie es schaffen einen künstlichen Intelligenz das Handwerk zu legen?
Der Thriller ist sehr spannend, realitätsnahe und stellenweise etwas gruselig. Das Thema künstliche Intelligenz ist aktuell und die Geschichte die der Autor daraus gemacht hat fand ich schon sehr beeindruckend. An manchen Stellen hatte ich echt Gänsehaut. Der Schreibstil ist packend, düster und dysphorisch. Das Ende hat mich sehr überrascht somit ist der Thriller eine klare Leseempfehlung
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Hat mir nicht gefallen
Blut und Spiele in Colonia von Axel Melzener; Julia Nika Neviandt
Dieser historische Krimi ist der zweite Fall für das ungewöhnliche Ermittlerpaar, dem Anwalt Quintus und der Patriziertochter Lucretia, der in der Colonia Claudia Ara Agrippinensium, kurz CCAA, also im heutigen Köln, um 87 n. Chr. spielt.
Der Inhalt ist schnell umrissen: Rund um den charismatischen Schauspieler und Tänzer Aulus, werden einige Personen ermordet.
Um den Ruf seiner Stadt (und seine Macht) nicht zu verlieren, werden Lucretia und Quintus vom Statthalter der CCAA beaufragt, den oder die Täter ausfindig zu machen. Bei ihren Recherchen, müssen sie feststellen, dass auch Aulus seine Geheimnisse hat und nicht nur ein viel beklatschter Künstler ist.
Leider kann mich dieser Ausflug in die römische Geschichte nicht begeistern, denn für meinen Geschmack und mein Geschichtsverständnis wird hier die Realität viel zu stark gebeugt. Es mag ja die eine oder andere aufmüpfige unter den verwöhnten Töchtern aus Patrizierfamilien gegeben haben, aber solche Freiheiten, wie sich Lucretia nimmt, sind äußerst unwahrscheinlich. Da wäre der Pater Familias mit vollem Recht eingeschritten.
Das Buch lässt sich leicht lesen, denn einerseits gibt es am Ende ein ausführliches Glossar, das allen jenen, die sich in der römischen Antike nicht so gut auskennen, hilfreich zur Seite steht, und andererseits ist der Schreibstil der heutigen Zeit angepasst.
Fazit:
Wer einen Roman aus der Römerzeit lesen will, aber auf historische Genauigkeit nicht so viel Wert legt, wird Freude an diesem Buch haben. Wer, so wie ich, auf Authentizität achtet, muss zu anderen Büchern greifen. Von mir gibt es 2 Sterne.











