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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Kwinsu:

Nüchtern persönlich

Luft zum Leben von Helga Schubert

In Helga Schuberts "Luft zum Leben - Geschichten vom Übergang" lesen wir 38 verschiedene Texte der renommierten Autorin, manche wurden bereits andernorts veröffentlicht, viele finden in diesem Erzählband ihre erste Publikation.

Die Texte sind unterschiedlich was ihre Länge und ihre Themenwahl betrifft, aber allesamt sind sie sehr persönlich.

Wir lesen über ihre Familie, ihr Schriftstellerinnen-Dasein, Schicksalsschläge, das Leben in der DDR, erahnen politische Haltung und emotionale Achterbahnfahrten, auch wenn diese nur äußerst nüchtern betrachtet werden.

Um ehrlich zu sein: mit vielen der Texte konnte ich nichts anfangen, mir fehlte zu vielen Themen der Bezug, beispielsweise wenn sie über ihr Schriftstellerinnentum berichtet. Und auch wenn manche Themen interessant waren, fand ich den Schreibstil zu nüchtern, fand keinen Zugang. Lediglich wenn Schubert über das Fremde schreibt, die Beobachtungen, die sie hatte, wenn sie in den Westen reisen durfte, empfand ich sowas wie Emotionalität und es entstanden entsprechende Bilder in meinem Kopf. Dies geschah auch bei zwei Erzählungen, von denen ich einigermaßen begeistert war: Einerseits "Knoten" - ein Text über familiäre und persönliche Krebserkrankungen, der hinter der nüchternen Fassade Emotionalität hervorschauen, die Krankheit und den Umgang damit reflektieren ließ, verknüpft mit Sinnbildern, die der Geschichte abstrakten Raum geben. Der zweite Text: "Die Diktatur ist die Täterin. Oder?!". Hier verarbeitet Schubert ihr Verhältnis zum Regime der DDR, setzt ihre eigene Akte ein, die über sie geführt wurde und hält ihre Standpunkte fest, ihre Gedanken zur Partei. Hier ist sie explizit politisch, zeigt, wie unmöglich es war, der Partei genüge zu tun. Zwar ist die Sprache auch hier nüchtern und kaum emotional, aber sie gibt Einblick in ein Stück Zeitgeschichte, dessen Miterleben eng korsettiert war. In dem namengebenden "Luft zu Leben" berichtet die Autorin über ihr Muttersein, ein für mich eher verstörender Text, der "das Kind" mehr als Sache als ein Spross aus eigenem Fleisch und Blut erscheinen lässt.

Zweifelsohne ist Helga Schubert eine literarische Erzählerin, sie konnte mich im Gesamten aber nicht abholen, auch wenn einzelne Texte in Erinnerung bleiben werden. Wer sich schon intensiver mit der Autorin beschäftigt hat und den nüchternen Erzählstil mag, könnte von "Luft zum Leben" begeistert sein.

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Rezensionen von Kwinsu:

In den Gedanken der willenlosen Männer

Vaim von Jon Fosse

Eline nimmt sich die Männer, wie sie sie braucht. Erst Jatgeir, dann Olav, den sie aber immer nur Frank nennt, dann wieder Jatgeir und genau: sie landet wieder bei ihrem Frank. Aber so genau wissen wir das alles nicht, wird die punktlose Geschichte doch rein aus der Innenschau von Männern erzählt wird: Kapitel 1 folgt Jatgeir, Kapitel 2 Elias - ein Freund des erstgenannten, dem Eline mutmaßlich einen Keil in die Freundschaft mit Jatgeir getrieben hat, Kapitel 3 aus Olavs Sicht.

Sie alle scheinen wehrlos gegen die dominante Frau, nur: Abwehrhaltung sieht anders aus.

Literaturpreisträger Jon Fosse liefert mit "Vaim" den ersten Teil einer Trilogie, der einen sofort vereinnahmt, sei es durch die atemlose Erzählweise ohne einen einzigen Punkt oder durch die rätselhafte Erscheinung einer Frau, der sich Männer schier ungefragt unterordnen. Rätselhaft ist in "Vaim" vieles, so ganz durchschaut man nicht, was an Eline so besonders ist. Aber wahrscheinlich ist nicht sie die Besondere, sondern die Männer selbst - sie erscheinen über weite Strecken willenlos, schaffen es nicht, ihre Zweifel ordentlich zu artikulieren. Sie wirken gefangen in sich selbst und gefangen in gesellschaftlichen Werten und Normen, die es um jeden Preis zu erfüllen gilt. Da lässt sich Mann schon einmal - oder besser gesagt zweimal - einen benötigten Garn samt Nadel zu einem Wucherpreis aufschwatzen und obwohl der offensichtliche Betrug an ihm nagt, kann er doch sein Gesicht nicht verlieren und als Knauserer dastehen. Wenn einer so wissentlich übers Ohr gehauen wird, kann er sich dem mutmaßlichen Begehr einer Frau folglich keinesfalls entziehen.

Auf den ersten Blick könnte es so wirken, als wär die Frau das dominierende Feindbild, ein pechbehaftetes Schicksal, dem sich Mann nicht entziehen kann. Doch die Männer sind sich selbst Feind, lassen geschehen, lassen sich fremdbestimmen, zumindest mutet es so an. Denn wie eingangs erwähnt lernen wir das Zentrum der Männerwelt nur aus der männlichen Innenschau kennen und darin sind selbsterklärend viel patriarchal geprägte Weltbilder vorhanden. Das ist natürlich nur die eigene Interpretation, möglich und wahrscheinlich, dass es hierzu andere Sichtweisen gibt. Aber das ist das Schöne an diesem literarischen Text: er lässt viel Raum zur Interpretation, aber nicht zu viel, um auszuufern und dadurch unbefriedigt zu hinterbleiben. Vielmehr weiß man, dass es zwei weitere Teile geben wird, die eventuell weitere Andeutungen und Interpretationen liefern, um das Gesamtbild des bislang recht konturlosen, fiktiven Dorfes "Vaim" zu schärfen.

Es war mein erstes Buch (und sicher nicht das letzte), das ich von Literaturnobelpreisträger Fosse gelesen habe und ich liebe den punktlosen Stil, auch wenn es mir am Anfang schwer gefallen ist, nicht auf das Atmen zu vergessen, so rasant wirken die Gedankenströme des Erzählten, die eben nicht durch Punktsetzen begrenzt sind. Fosse hat es für mich vorzüglich geschafft, mich direkt in die Köpfe der Männer zu versetzen, direkt heimisch habe ich mich darin gefühlt ob der Intensität und Ausschweifungen ihrer Gedanken. Geschüttelt hätte ich sie gerne des Öfteren, hätte gerne nachgefragt, warum sie so schwach sind, warum es kein Aufbegehren gibt, wo denn überhaupt die Emotionen bleiben, den diese sind rar gesät. Fasziniert hat mich auch die Tatsache, dass der Text so zeitlos ist: Zeit spielt kaum eine Rolle, nur im Vergänglichen ist sie andeutungsweise zu finden, doch deren Bedeutung ist nicht wesentlich. Symbolik hingegen scheint für Fosse wichtig zu sein, es gibt wiederkehrende Motive wie einen Koffer, Gedankenkreisel, das Meer, Schiffe, Namen, denen man eine tiefere Bedeutung zuweisen könnte und anderes. Ich als Unfähige der Symboldeutung enthalte mich diesbezüglich einer Interpretation, kann mir aber vorstellen, dass diese für viele ein zusätzliches Schmankerl in dieser Lektüre sein könnte.

Mein Fazit: "Vaim" ist ein rasantes, mitreißendes Gedankenspiel eines Literaturnobelpreisgewinners, das den perfekten Raum zur Interpretation zulässt, ohne darin auszuufern. Die Geschichte ist trotz ihrer Rauheit und Einseitigkeit mitreißend und hinterlässt ein angenehmes Maß an Fragezeichen. Durch Vaim wurde ich Fosse-Fan und kann es kaum abwarten, die beiden Folgeteile zu lesen! Absolute Leseempfehlung und ein Highlight des Jahres 2025!

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Rezensionen von Katzenmicha:

Aufbruch und Neuanfang

Aufbruch ins Paradies von Tara Haigh

1884in Karlsruhe,nach einem schlimmen Unglück in ihrer Möbelfabrik wo sie hochwertige Möbel herstellten, verlieren die Familie Berger Werkstatt und Haus.Mit dem Geld der Versicherung beschließt die Familie, auf Drängen des Onkels, nach Neuguinea auszuwandern. Hedwig, die ältere Tochter des Möbelfabrikanten Gustav Berger, führt die Geschäfte, ist aber unglücklich in ihrer kinderlosen Ehe, die arrangiert wurde.

Anna, ihre jüngere Schwester, arbeitet im Kolonialwarenimport -sie träumt davon, eines Tages ein eigenes Geschäft zu haben.Clara ist die Frau von Bergers Sohn Ludwig, einem Priester.Bei der Überfahrt brechen lange schwelende Konflikte auf.Hedwig , beginnt zu ahnen-was echte Leidenschaft ist.Clara kämpft immer mehr mit ihrer wachsenden Einsamkeit,und nach mehr Nähe zu ihrem Mann Ludwig.Und Annas Herz schlägt für den charmanten Engländer David.Das Ankommen in Neuguinea ist erst einmal ein Schock, denn dort ist vieles anders, als der Onkel versprochen hat.Die drei Frauen geben nicht auf-egal was kommt,den es gibt kein Zurück mehr…

Die Autorin Tara Haigh hat einen fließendenund bildhaften Schreibstil.Die Autorin nimmt einen mit der Erzählung auf eine Reise ins Ungewisse, nach Neuguinea.Man hat das Gefühl als wäre man selber dabei.Die Charaktere mit ihrenWünschenund Sorgen werden super rüber gebracht-sehr gerne 5 Sterne.Ich bin schon sehr gespannt wie es im zweiten Teil weitergeht.

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Rezensionen von Gute_Laune:

Hier gerät man automatisch ins Schwärmen

LONELY PLANET Bildband Bücherschätze von LONELY PLANET Deutschland

Wie könnte man dieses Buch nicht lieben? Es zeigt die ungewöhnlichsten Bücherorte, die man als Bibliotheken bezeichnen kann. Mir fällt es schwer, meinen liebsten Ort davon zu nennen, denn auf jeder neuen Seite denke ich, das ist er! Nur, um auf der nächsten Seite wieder zu finden, dass dies nun alles übertrifft!

Bezaubert hat mich aber schon die zweite Bücherei im Buch, das Traveler Restaurant in Connecticut, USA.

Jeder Gast darf drei Bücher kostenlos mitnehmen! Wenn das nicht genial ist! Und noch dazu befindet sich im Untergeschoss noch zusätzlich ein Antiquariat.

Die Motivationen für die unterschiedlichen Arten von Bücherorten sind bunt und vielfältig. Es geht nicht nur um den Durchschnittsleser, sondern auch Kids, politische Demonstrationen, Obdachlose. Auch unveröffentlichte Manuskripte sind in einer Bibliothek zu finden. Esel, Pferde und Kamele befördern Bücher als mobile Bibliotheken. Und selbst die Maya und Azteken hatten Bibliotheken. Bücher verbinden einfach alle und alles und bewirken mehr, als man sich vorstellen kann.

Die Fotos sind geradezu verführerisch! Man möchte sofort losfahren und die Orte besuchen. Dazu die Texte, die mit so viel Liebe geschrieben sind und zeigen, dass sich mit den Büchereien wirklich auseinander gesetzt wurde. Man lernt enorm viel dazu.

Eine Bücherei muss nicht riesengroß sein, um glücklich zu machen. Von winzig bis unbeschreiblich groß findet sich hier alles. Ein Bücherschatz schöner als der andere! Fünf Sterne von mir!

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Rezensionen von Zaubermasu / Sandra Hennig:

Auf Pia Korittki ist Verlass

Ostseedämmerung von Eva Almstädt

Die Buchreihe von Eva Almstädt um die Ermittlerin Pia Korittki finde ich toll und ich habe mich riesig auf Band 20 gefreut !
Wie von der Autorin gewohnt, wird man schon ab den ersten Seiten mitgerissen : Ein flüssiger und klarer Schreibstil ist man als Leser von Eva Almstädt gewohnt und so geht es auch in diesem Band weiter.

Die Hauptfigur Pia Korittki ist von der Autorin toll dargestellt; als begeisterte Leserin ab Band 1 ist das ein bisschen wie ein Treffen mit einer langen Freundin. Korittkis Figur wächst und entwickelt sich und das merkt man auch diesem Buch an. Sehr schön, wenn man als Leser bei diesen Entwicklungen dabei sein darf. Auch ihr Kollege Broders ist für mich mittlerweile fester Bestandteil dieser Buchreihe und passt hervorragend als Kollege zu Korittki.
Die Geschichte selbst ist spannend, ich habe mitgerätselt und ermittelt und die Wendungen, die die Autorin einbaut, sind wirklich packend : sie legt Spuren und Fährten sehr gekonnt.
So bin ich durch die Seiten geflogen und konnte das Buch kaum aus der Hand legen – und habe das Buch und die Lesezeit dabei sehr genossen.
Von mir gibt es für Band 20 der Pia Korittki Reihe *Ostseedämmerung* eine ganz klare Kauf- und Leseempfehlung : absoluter Lesegenuss und ein Küstenkrimi, der begeistert !

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Rezensionen von Island :

Ein ebenso wichtiges wie trauriges Thema beeindruckend erzählt

Da, wo ich dich sehen kann von Jasmin Schreiber

Von Jasmin Schreibers Romanen hat mich bisher noch keiner enttäuscht. Sie schreibt sprachgewaltig zu einer großen Vielfalt an interessanten und wichtigen Themen und zählt somit zu meinen liebsten Gegenwartsautorinnen.

Diesmal steht ein Femizid im Mittelpunkt der Handlung. Die dreißigjährige Emma wurde von ihrem gewalttätigen Ehemann ermordet.

Zurück bleiben ihre neunjährige Tochter Maja, deren Patentante und Emmas beste Freundin Liv sowie Emmas Eltern. Sie müssen lernen, mit der großen Lücke, die Emma hinterlässt, umzugehen und auch mit den Vorwürfen, die sie sich selbst im Zusammenhang mit deren Tod machen, ob sie etwas merken und alles verhindern hätten können.

Jasmin Schreiber findet immer wieder tolle sprachliche Bilder, um die unbeschreiblichen Gefühle, die mit dem Verlust und der Trauer verbunden sind, doch irgendwie in Worte zu fassen. Zudem wird das Buch aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Aus Sicht ihrer Freundin, ihrer Tochter und ihrer Eltern, aber in Rückblicken auch aus Emmas, sodass man als Leserin sehr nah dran an allem ist, wodurch man tief berührt wird von der Geschichte. Zwischendurch gibt es auch Notrufprotokolle oder den sachlich-nüchtern verfassten Obduktionsbericht als Kontrast zur persönlichen Sicht der Beteiligten. Optisch abgegrenzt finden sich kurze Szenen, die sich damit beschäftigen, wo noch ein Wendepunkt zu einem guten Ausgang möglich gewesen wäre.

Somit handelt es sich um einen recht außergewöhnlich gestalteten Roman zu einem wichtigen Thema, der niemanden kalt lässt.

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Rezensionen von Island :

Frauen können alles, wenn man(n) sie lässt

Aufgeben können die anderen von Lena Johannson

Lena Johannson widmet sich in ihrem neuesten historischen Roman der Geschichte der Olympischen Spiele mit dem Focus auf der Teilnahmemöglichkeit der Frauen, die hart erkämpft werden musste.

Die Geschichte beginnt kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Alice lebt mit ihren Eltern und ihren Geschwistern in Nantes und besucht, obwohl ihre Eltern aus eher einfachen Verhältnissen stammen, ein Mädchengymnasium, was für die damalige Zeit, in der Frauen nicht einmal wählen durften, eher ungewöhnlich war.

Durch ihre erste Liebe kommt sie zudem zum Schwimmsport, findet aber kaum Möglichkeiten, als Frau diese und andere Sportarten auszuüben. Die Teilnahme an Wettkämpfen ist für Frauen gar utopisch. Nach mehreren schweren Schicksalsschlägen beginnt Alice dafür zu kämpfen, dass es auch Sportwettkämpfe für Frauen gibt und diese bald auch an den Olympischen Spielen teilnehmen dürfen.

Ich fand diese Hintergründe, von denen vieles auf wahren Begebenheiten beruht, sehr interessant. Ich mag historische Romane, über die Geschichte weiblichen Leistungssports habe ich bisher aber noch wenig gewusst. Alice ist mir sympathisch, wie sie nicht aufgibt, für ihr großes Ziel zu kämpfen und sich auch von Schicksalsschlägen und dominanten Männern nicht aus der Bahn werfen lässt. Die Autorin scheint sorgfältig recherchiert zu haben und schreibt gut nachvollziehbar.

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Rezensionen von Nele33:

bedrückend

Ein stilles Mädchen Eddie Feber von Karin Fossum

"Ein stilles Mädchen" der Autorin Karin Fossum ist der dritte Band um den Ermittler Eddie Feber. Eingelesen wurde das Hörbuch von dem Sprecher
Frank Stieren.

Das Hörbuch beginnt mit der Entführung der kleinen fast 6-jährigen Kandiz, die von ihrem Vater als vermisst gemeldet wird. Die Familie besteht nur noch aus Vater und Tochter, nachdem die Mutter an Krebs verstorben ist.

Nach einem selbstverschuldeten Unfall leidet der Vater unter enormen Schmerzen und ist kaum in der Lage sein Leben zu bewältigen.

Dieser Krimi besticht nicht durch Tempo, sondern durch eine dichte Atmosphäre, die tief in die menschliche Psyche eindringt und ein damit bedrückendes Szenario erschafft. Eddie Faber, selbst Vater vieler Kinder und einer Tochter in Kandiz Alter unternimmt alles in seiner Macht Stehende, um das Kind zu finden.
Gleichzeitig konnte ich als Hörerin gebannt erleben, wie es Kandiz mit ihrem Entführer in der einsamen Hütte in den norwegischen Wäldern ergeht.
Das Teilnehmen an den Gedanken von Kandiz hat dieses Buch wunderbar abgerundet. Alle Protagonisten wurden sehr gut charakterisiert und wirkten dadurch sehr lebendig und authentisch.

Frank Stieren als Sprecher empfand ich als tolle Besetzung. Durch seine exzellente Art wurde der Inhalt und die Atmosphäre hervorragend transportiert.

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Rezensionen von Lesestern:

Jeder ist einzigartig

Kopf hoch, Kasimir! von Rebecca Martin

Es ist soweit!
Das Warten hat ein Ende - schon jetzt könnt ihr euch auf das neue Bilderbuch von Rebecca Martin und Bernd Lehmann freuen, dass Anfang Januar 2026 wieder bei Brunnen erscheinen wird.
Dank dem Verlag durfte ich es bereits vorablesen und genißen.

Alle, die bereits" Tilly traut sich" kennen, dürfen nun einen weiteren Waldfreund näher kennenlernen:
In " KOPF HOCH, KASIMIR" geht es diesmal um den kleinen wilden Fuchs, der mit seiner stürmischen und vorwitzigen Art oft aneckt und so manchen Waldbewohner auf die Palme bringt.

Eichhörnchen Lotte verkündet dann eines Tages, dass keiner mehr mit Kasimir spielen will.
Todtraurig zieht sich der kleine Fuchs zurück und verliert seine Fröhlichkeit. Für ihn gibt es nichts mehr zu lachen.
Doch es gibt einen, der ihn versteht und dem aufgrund seiner Stacheligkeit Gefühle der Ablehnung vertraut sind. Isidor, der kleine Igel begibt sich mit ihm zusammen auf die Suche nach seinem verlorenen Lachen ...

Mein Lese- und Bildereindruck:
Auch mit Kasimir ist Rebekka wieder eine tolle Identifikationsfigur für Kinder gelungen, die Bernd mit seinen gewohnt liebevoll gezeichneten Illustrationen wunderbar in Szene gesetzt hat.
Gefühle der Ausgrenzung und Ablehnung erfahren manche Kinder leider schon früh und werden mit dieser liebenswerten und warmherzigen Geschichte ermutigt, wie wertvoll sie sind.

Mein Fazit:
Ein Bilderbuch, das in seiner Gesamtgestaltung überzeugt und begeistert und nebenher die wunderbare Botschaft vermittelt, dass jeder einzigartig ist.

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Rezensionen von gabiliest:

Jennerwein und die Literatur

Kommissar Jennerwein und der tintendunkle Verdacht von Jörg Maurer

Weimar im Jahr 1806. Bekannte Autoren aller Epochen flanieren durch die Straßen, alles ist lebensecht. Goethe und Kafka, Schiller und Bert Brecht unterhalten sich über Literatur. Virtual Reality macht es möglich.
Alle Beteiligten wollen etwas gegen den Niedergang der Lesekultur tun, daher sind sie Mitglieder von Salomes Lesekränzchen.

Doch wie Aufmerksamkeit generieren? Unter dem Motto “LESEN HILFT” stellen sie in der Literatur beschriebene Verbrechen nach. Besonders spektakulär agieren dabei drei Influencerinnen, Ene, Mene und Muh. Dass Autor Jörg Maurer den Dreien die Figur des Konfuzius zugeschrieben hat, zeugt von leiser Ironie. Aber auch von Verachtung, denn als die alltäglichen Klarnamen der Foristen, die über die ganze Welt verstreut leben, publik werden, bleiben die drei Frauen weiterhin Ene, Mene und Muh.

Jennerwein spielt in diesem sechzehnten Fall “Kommissar Jennerwein und der tintendunkle Verdacht” eine völlig andere Rolle als in den bisherigen Bänden von Jörg Maurer. Diesmal reist er durch die Welt und hält Vorträge über den “besonderen Blick”, das sofortige Erkennen, was an einem Tatort ungewöhnlich ist. Doch Jennerwein greift ein, als ein Politiker ermordet wird, der die Sprache vereinfachen wollte. Können seine radikalen Ideen das Motiv für den Mord gewesen sein? Keine Groß- und Kleinschreibung mehr? Das geht gar nicht, findet der Autor und ich pflichte ihm bei, denn das kann den Sinn eines Satzes verändern. Zwischen “ich habe liebe Genossen” und “ich habe Liebe genossen” ist ein himmelweiter Unterschied! Und für einen zum Tode verurteilten Delinquenten kann ein Komma lebensrettend sein: “Wartet, nicht hängen!” ist etwas Anderes als “wartet nicht, hängen!”

Jörg Maurer betont in diesem Buch unter den Schlagwort “LESEN HILFT” die Wichtigkeit von Leseförderung und humanistischer Bildung. Der Erhalt der Schönheit der Sprache- wir sind ja das Land der Dichter- sowie ihrer Klarheit und Präzision- wir sind auch das Land der Denker- wird in zahlreichen Appellen betont. Allerdings meine ich, dass die Zielgruppe hier nicht erreicht wird, denn die in virtuellen Lesezirkeln Engagierten lesen sowieso mit Leidenschaft, Literaturverweigerer werden durch die Aufzählung vieler großer Namen, die den Betroffenen wenig sagen, eher abgeschreckt.

Und Jennerwein? Er hat seinen Auftritt vor allem im zweiten Teil des Buches, wo er Indizien sammelt, um den Politikermord aufzuklären. Leider wird sein Team nur in einer kurzen Sequenz erwähnt, die oft humorvollen gruppendynamischen Prozesse bleiben dabei auf der Strecke. Doch es gibt in der virtuellen Welt von Salomes Lesekränzchen humorvolle Szenen. So leidet die Figur des Shakespeare am Tourette-Syndrom und sondert ausschließlich Schimpfwörter ab. Eine künstliche Intelligenz wird ausgeknockt, indem man ihr Entscheidungsfragen stellt. Hinter phantasievollen Schilderungen verbergen sich jedoch ernste Überlegungen zum Zustand des Bildungssystems und zum Einfluss der Technik auf Sprache und Büchermarkt. Dennoch hätte ich mir von diesem Roman gewünscht, dass, wenn Jennerwein draufsteht, auch mehr Jennerwein drin ist.

Witzig ausgesucht sind die Schlussworte des Buches (da kommt sogar Uschi Obermaier zu Wort, die allerdings nur älteren Lesenden bekannt sein dürfte). Jörg Maurer zitiert Georg Christoph Lichtenberg, der Rezensionen als eine Art Kinderkrankheit bezeichnet, die neugeborene Bücher befällt. Der Büchergeburtstag dieses Romanes ist jetzt schon ein bisschen her, daher hoffe ich, dass diese Rezension nicht als Krankheitssymptom, sondern als Placebo verstanden wird, verabreicht von einem wohlwollenden Jennerwein- Fan. Wer Krimis, Literatur und virtuelle Welten mag, hat hier sicher zum richtigen Buch gegriffen.

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