Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Krani:
Echt
Villa Rivolta von Daniel Speck
Valerias Vater ist Revolutionär in Italien und wird von den Deutschen in den letzten Kriegstagen erschossen. Ihre Mutter geht mit ihr nach Mailand, wo Freunde des Vaters ihr eine Anstellung in ihrem Haus geben. Sie leben in der Villa Rivolta, dem Haus jener Autobauerfamilie, die mit der Isetta bekannt wurde und später sehr elegante und schnelle Sportwagen baute.
So kommt es, dass Valeria in einer prächtigen Villa aufwächst mit Piero, dem Sohn des Unternehmers, als bestem Freund.
Die Geschichte ist sehr lebendig erzählt. Im Zentrum steht die Beziehung zwischen Valeria und Piero. Beide sind starke, unabhängige Persönlichkeiten, die sich ihren höchst unterschiedlichen Herausforderungen stellen. Die Sprache ist poetisch und bildreich. Das Nachkriegsitalien mit seinen bestimmenden Klassenunterschieden, seiner Hitze, seiner Autoleidenschaft und den revolutionären Träumen wird sehr anschaulich gezeigt. Man hat das Gefühl, mitten im echten Leben zu sein.
Ich fand es erschreckend und faszinierend zugleich, wie das Bewusstsein einer Klassenzugehörigkeit von den Eltern ganz unterschwellig an die Kinder weitergegeben wird. So hat der Unternehmersohn ein ganz anderes Selbstbewusstsein und Lebensgefühl in der Welt als die Arbeitertochter. Trotzdem sind sie enge Freunde. Dies ist keine klassische Liebesgeschichte, sondern eher eine Studie über Klassismus und das Verhältnis von Reich und Arm. Und über Freundschaft.
Ich habe es verschlungen. Ein großartiges Buch, auch wenn nicht alle Fragen geklärt werden. Aber das ist im Leben ja auch nicht anders.
Rezensionen von Streiflicht:
Ein schönes Buch
Ein kleines Wunder - wie DU von Ferdinand Auhser
Ich mag die Bücher vom Vermes-Verlag sehr und daher habe ich mich auch sehr auf dieses Buch hier gefreut. Mich haben schon der Titel und das Cover angesprochen, innen geht es genauso toll weiter. Die kräftigen, aber nie grellen Farben und die verspielten Illustrationen machen richtig Lust aufs Durchblättern.
Einzig die Figuren haben mir leider nicht sonderlich gefallen. Wenn sie ganz dargestellt sind, wirken sie auf mich nicht ansprechend, sondern fast schon ein bisschen leblos. Aber das ist vielleicht auch einfach Geschmackssache. Wenn nur Teile von Personen zu sehen sind, gefallen mir die Darstellungen besser.
Die schönen Reime sind unterhaltsam, lustig und gut zu lesen bzw. vorzulesen. Es macht Spaß, die vielen bunten Seiten mit den Details zu entdecken und das Buch wieder und wieder durchzublättern und gemeinsam zu lesen. Wieder ein schönes Buch über die Freundschaft und das Wunder des Lebens!
Rezensionen von Lilli33:
Unser Haus mit Rutsche von Safia Al Bagdadi
Hat was, aber leider nicht genug
Layla Beni Sayed hadert mit sich und ihrem Leben. Verschiedene berufliche Ansätze waren nicht von Erfolg gekrönt. Auch die Schriftstellerei läuft ihr nicht einfach von der Hand. In Gesprächen mit ihrer Psychotherapeutin und ihrem Hausarzt kommt sie sich selbst näher.
In episodischen Rückblenden begleiten wir Layla durch ihre außergewöhnliche Kindheit in Saarbrücken. Behütet von einer französischstämmigen Mutter und einem irakischen Vater, der oft auf Reisen ist, verläuft ihr Leben anders als das ihrer Freundinnen. Amir, der Vater, ist eine schillernde Person, in gewisser Weise ein Traumtänzer, der seiner Familie die tollsten Träume ausmalt, wie zum Beispiel das Haus mit Rutsche in Bagdad. Doch immer wieder kommt etwas dazwischen, beispielsweise der Golfkrieg, wodurch Amir arbeitslos wird und nicht wieder auf die Beine kommt.
Wir haben an bestimmten Ereignissen Anteil, aber auch am ganz gewöhnlichen Alltag dieser Familie - alles betrachtet durch die Augen des Kindes Layla. Vieles hätte ich mir tiefgründiger und intensiver gewünscht, aber klar, ein Kind begreift die Dinge nicht so wie ein Erwachsener. So empfand ich vieles als eher belanglos, was für die kleine Layla eine große Bedeutung hatte. Nichtsdestotrotz war es interessant, einen Blick in diese bunte Familie (auch auf die weiteren Familienangehörigen in Frankreich und im Irak) zu werfen und das Aufeinanderprallen der grundverschiedenen Kulturen zu beobachten.
Der Schreibstil ist sehr angenehm, zuweilen mit einer Prise Humor gewürzt, sodass man fast über die zum Teil schlimmen Ereignisse hinweg getäuscht wird.
Die Handlung in der Gegenwart gefiel mir bei Weitem nicht so gut wie die in der Vergangenheit. Laylas Gedanken haben mich hier verwirrt und vor allem die wiederkehrenden Suizidgedanken fand ich verstörend.
Das Buch erschien im Februar 2026 im Carl Hanser Verlag.
Rezensionen von Brigittte:
Comic-Team-Spaß
Der Comic-Club von Scott McCloud
Sind Comics nicht einfach großartig für Lesemuffel und als "Lesesnack" zwischendurch. Aber es gibt genug Leute, die das anders sehen. In diesem großartigen und humorvollen Comicroman erfahren wir so einiges über diese Buchform. Ganz besonders gefällt uns die Grundidee der Geschichte, ganz unterschiedliche Kinder mit ihren jeweiligen Stärken zusammenzubringen.
Denn erst durch die Gründung des Comic-Clubs und der Zusammenarbeit werden alle einzelnen Fähigkeiten perfekt miteinander kombiniert und Makayla, Howard, Lynda und Art erschaffen eine wundervolle Geschichte. Die Bilder sprechen eine deutliche und klare Sprache und machen die Leser gleich neugierig auf die, sich immer mehr, entwickelnde Handlung. Auch die Leser erfahren, dass es gar nicht so einfach ist, ein Comic zu machen, denn man braucht eben neben den Illustrationen auch eine tolle Idee, gute Dramaturgie und knackige Texte. Und natürlich muss alles Hand in Hand gehen, damit es am Ende auch zusammenpasst.
In diesem Comic passt einfach alles perfekt! Ein Comic über Menschen und Comics!
Rezensionen von ekiam:
Alltagstauglich kochen mit Kindern – Praktische Inspiration für Familien
Cooking for Family von Julia Lanzke
Julia Lanzke dürfte vielen bereits durch ihren Blog „mamiblock“ rund um die Organisation des Familienalltags bekannt sein. Mit Cooking for Family möchte sie zeigen, wie sich gemeinsames Kochen unkompliziert in einen oft turbulenten Familienalltag integrieren lässt.
Zu Beginn findet sich eine hilfreiche Sammlung an Tipps rund um das Thema Küchenorganisation.
Besonders im Fokus steht, wie Kinder sicher und altersgerecht eingebunden werden können. Auch Impulse zur Wochenplanung und Vorbereitung helfen dabei, den Stress unter der Woche spürbar zu reduzieren. Die Idee von Thementagen, die für Routine sorgen und gleichzeitig Kindern Orientierung geben, erleichtert Eltern die Planung und schafft Verlässlichkeit im Alltag.
Der ansprechend bebilderte Rezeptteil umfasst insgesamt 100 Gerichte für Frühstück, Hauptmahlzeiten, Snacks und Desserts. Viele davon sind vegetarisch oder lassen sich unkompliziert entsprechend abwandeln. Teilweise arbeitet die Autorin mit einem Baukastenprinzip: Eine gemeinsame Grundkomponente kann unterschiedlich variiert werden; das spart Zeit und bringt Abwechslung auf den Tisch. Laut Konzept sollen alle Rezepte in maximal 20 Minuten zubereitet sein und sind bewusst kindgerecht gestaltet.
Einen kleinen Hinweis hätte ich mir jedoch gewünscht: Da in einigen Rezepten Honig verwendet wird, wäre ein Vermerk sinnvoll, dass dieser für Kinder unter einem Jahr nicht geeignet ist.
Jeder Abschnitt schließt mit passenden Lifehacks ab, die zusätzlich dabei unterstützen, Abläufe in der Küche zu vereinfachen.
Einige Tipps und wenige Rezepte wirken sehr selbstverständlich und hätten vielleicht keinen eigenen Platz gebraucht. Andere wiederum liefern schöne, frische Inspirationen für den Familienalltag.
Insgesamt ist es ein gelungenes Kochbuch für Eltern und Großeltern, die ihre (Enkel-)Kinder aktiv in die Küche einbeziehen möchten und nach unkomplizierten Ideen suchen, um das gemeinsame Kochen entspannter in ihren Alltag zu integrieren.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Fakten und Fiktion zu einem dramatischen hist. Roman verknüpft
Das Haus in Charlottenburg von Beate Sauer
Beate Sauer entführt uns mit diesem Buch in das Fin de Siècle nach Berlin. Die steigende Industrialisierung, die zahlreichen Unternehmern große Gewinne beschert, geht auf Kosten der Arbeiter, die in unbeschreiblichen Elendsquartieren hausen. Spekulanten, die den ohnehin geringen Bestand an bezahlbaren Miet- und Untermietwohnungen künstlich niedrig halten, verstärken die Wohnungsnot zusätzlich.
Gleichzeitig schwelgen Gutsbesitzer und Adelige in unvorstellbarem Luxus und frönen dem Standesdünkel.
Stellvertretend für die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten lernen wir den Architekten Johann, der als erster seiner Familie studieren konnte, den adeligen Arzt Louis und die begabte Schneiderin Elise, deren Familie von Spekulanten um ihr kleines Haus gebracht worden ist, kennen. Louis und Johann wollen der Wohnungsnot und dem Elend wenigstens in kleinen Schritten ein Ende bereiten und beschließen, ein Wohnhaus nach genossenschaftlichen Richtlinien zu bauen. Mit an Bord ist auch Elise, die endlich den prekären Wohnverhältnissen und den Erpressungen des Hausverwalters entkommen will.
Auch wenn alles sehr gut durchdacht und geplant ist, rechnet niemand mit dem Gegenwind der Eigentümer der feuchten Mietskasernen, mit denen ordentlich Gewinn gemacht wird. Allen voran Louis‘ Mutter Eleonora, die ihre Macht und ihre Willkür schwinden sieht.
Ob sich der Traum von Genossenschaftshaus erfüllen wird, müsst ihr schon selbst lesen ...
Meine Meinung:
Die aus der Perspektive von Elise, Johann und Louis und an manchen Stellen aus Sicht von Eleonora, erzählte Geschichte ist von Beate Sauer fesselnd und authentisch erzählt. Ähnliche Geschichten, in denen Familien erst kürzlich hoch gezogene und feuchte Wohnung „trocken wohnen“, danach wieder auf die Straße gesetzt werden und sich dabei mit Tuberkulose infizieren, gibt es auch aus meiner Heimatstadt Wien. Manche sind auch gezwungen, Betten an sogenannte Bettgeher zu vermieten. Da schlafen dann tageweise wildfremde Männer in den Betten der Familie, damit die einen schlafen und die anderen ihre Miete bezahlen können. Die Zustände sind mehr als unhygienisch und sexuelle Übergriffe an der Tagesordnung.
Beate Sauer, die ich schon von ihrem Zweiteiler um Friederike Matthä kenne, hat einen mitreißenden Schreibstil. Man kann förmlich den Gestank der muffigen Gemäuer oder des Kohlgemüses in den Mietskasernen riechen und anderseits duftet es in der Villa von Eleonora nach Parfum und erlesenen Speisen.
Die Handlung wird durch das Trio Elise, Johann und Louis getragen, denen Freundschaft sehr wichtig ist. Als sich beide Männer in Elise verlieben, lässt Louis Johann den Vortritt, nachdem er erkennt, dass Elise in ihm, Louis, nur den Arzt sieht, in Johann aber ihren Partner. Auch die Freundschaft zwischen Elise und politisch aktiven Grete spielt eine große Rolle, auch wenn sie einer schwere Belastung ausgesetzt ist.
Geschickt und unaufgeregt wird die politische Situation dieser Zeit eingeflochten. Die erzkonservativen Adeligen und die Neureichen stehen im krassen Gegensatz zu den Kleinbürgern und der riesigen Zahl der ausgebeuteten Arbeiter. Die Arbeiterbewegung fordert die Einhaltung der Regeln Arbeitszeit für die Arbeiter und gerechte Bezahlung. Auch Rechte zum Schutz der Mieter werden eingefordert. Der übliche Usus, wöchentlich Mieten einzukassieren und diese willkürlich zu erhöhen, lässt Familien wie jene von Elise ins Elende abgleiten. Da politische Frauenvereine, die das Wahlrecht für Frauen fordern, verboten sind, organisieren sich die Frauen in Handarbeits-und Theatergruppen. Beate Sauer schildert diese Zeit der sozialen Unruhe, so als wären wir dabei gewesen.
Fazit:
Ein dramatischer historischer Roman, der die Zustände des Fin de Siècle bildgewaltig beschreibt. Gerne gebe ich hier eine klare Leseempfehlung und 5 Sterne.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Sehr einfache Rezepte für die Familie
Cooking for Family von Julia Lanzke
Der Bloggerin und selbst Mutter zweier Kinder Julia Lanzke ist es ein Anliegen, zu zeigen, mit wie wenig Aufwand man sich mit der eigenen Familie abwechslungsreich und einigermaßen gesund ernähren kann, auch inmitten eines vollen Alltagslebens. Das Buch beginnt mit ein paar Tipps zum Thema Sicherheit beim Kochen mit Kindern, zum Beispiel zur Verwendung schnittfester Handschuhe, von Scheren statt Messern, Wellenschneider und Kindermesser.
Wie alltagstauglich das tatsächlich ist, bin ich mir nicht sicher - mein Kind lernt schon im Kindergarten, mit ganz normalen, auch scharfen Messern umzugehen und zurechtzukommen, und ich habe die Befürchtung, dass Kochen mit Handschuhen den ganzen Prozess viel mühsamer gestalten würde. Andere Tipps wie die Verwendung eines Eierschneiders auch zum Zerkleinern von Pilzen, Erdbeeren, Kiwi oder Mozzarella klingen zumindest interessant, mal ausprobiert zu werden.
Dann wird für Menschen, die Struktur mögen, ein Wochenplan empfohlen, mit wiederkehrenden Gerichten pro Wochentag z.B. Suppen-Samstag und das 3-2-1-Prinzip vorgestellt: drei Klassiker-Tage, 2 Restetage, 1 Vorratsgericht und 1 Wünsch-dir-was-Tag. Mich persönlich haben diese sehr strukturierten Ideen nicht so abgeholt, sind aber vielleicht für andere Familien passend.
Gut gefallen hat mir das Prinzip, von einem Gericht, z.B. Pfannkuchen, gekochte Eier, Kartoffeln oder Tomatensauce, gleich mehr zu kochen, um es in abgewandelter Form an weiteren Tagen zu neuen Speisen ergänzen zu können. Und dann gibt es noch Tipps für den Vorratsschrank.
Diese Ausführungen zeigen vielleicht schon: jemand wie ich mit langer Kocherfahrung ist vielleicht nicht ganz die richtige Zielgruppe für dieses Buch. Vieles ist wirklich auf sehr basalem Niveau, für Menschen, die sich noch nicht viel mit Kochen oder Vorratshaltung auseinandergesetzt haben.
Diesem Prinzip folgt auch der umfangreiche und schön bebilderte Rezeptteil. Es gibt Frühstücksideen, Snacks, Hauptgerichte und Desserts, alles mit Fokus auf leichte, schnelle Herstellung und Familientauglichkeit. Dieser Teil wird insbesondere Menschen gefallen, die gerne auch Konserven oder Fertigprodukte in ihre Gerichte integrieren, z.B. gibt es Nudelsalat mit fertig gekauftem Pesto und noch ein paar weiteren Zutaten dazu. Einige der Rezepte sind so simpel, dass ich dafür kein eigenes Rezept gebraucht hätte, aber es gibt durchaus auch Inspiration für neue Kochideen, auf die ich so noch nicht gekommen wäre z.B. Joghurt-Pfannkuchen-Lasagne, Heidelbeerwaffeln aus Toastbrot, eine Honig-Senf-Sauce, mit der sich gleich drei verschiedene Rezepte zubereiten lassen, Pizza auf Ofenkartoffelbasis oder Ofenmilchreis mit Apfel.
Insgesamt ist es ein sehr schön und liebevoll gestaltetes Kochbuch, das ich insbesondere jenen, die noch nicht viel Kocherfahrung haben, auf jeden Fall empfehlen kann.
Rezensionen von Havers:
Debüt mit Schwächen
Kala von Colin Walsh
Es sind hohe Erwartungen, die die Besprechungen in den Kultur-Rubriken der irischen und englischen Medien für Colin Walsh wecken, wenn sie reihum sein Debüt mit den literarischen Thrillern der großartigen Tana French oder mit Donna Tartts Ausnahmewerk „Die geheime Geschichte“ vergleichen. Das macht neugierig, insbesondere dann, wenn man die beiden genannten Autorinnen kennt und schätzt.
2003. Sommer in Kinlough. Die sechs Teenager Kala, Aoife, Helen, Aiden, Joe und Mush genießen den Sommer. Riskante Wettrennen, heimliche Pints, die ersten Küsse. Doch dann verschwindet am 3. November die furchtlose Kala, nach außen furchtlos, aber im Inneren eine verletzte und zutiefst verunsicherte Seele. Niemand weiß, wo sie abgeblieben ist, und plötzlich ist nichts ist mehr wie zuvor. Die Jahre vergehen, und die Freunde zerstreuen sich in alle Himmelsrichtungen. Anlässlich einer Hochzeit treffen sich 2018 drei von ihnen wieder in ihrer Heimatstadt: Mush, der Kinlough nie verlassen hat, Helen, die mittlerweile in Kanada lebt, und Joe, der auf eine Karriere als Musiker zurückblicken kann. Man trifft sich, die alte Vertrautheit stellt sich wieder ein. Doch dann werden in einer Baugrube die sterblichen Überreste Kalas gefunden und fast zeitgleich verschwinden wieder zwei Teenager, die beiden Schwestern Donna und Marie. Ängste werden wach, alte Erinnerungen an die Ereignisse rund um Kalas Verschwinden gelangen wieder an die Oberfläche. Was ist vor fünfzehn Jahren geschehen? Und wer ist dafür verantwortlich?
Erwachsenwerden, Freundschaften, Familiengeheimnissen, Gehen, Bleiben und Zurückkommen, das sind die Themen, die Walsh in seinem Debüt behandelt und in zwei Zeitebenen aus Sicht von Mush, Helen und Joe Revue passieren lässt. Es überlappt sich, dreht sich im Kreis und wird wiederholt, so dass man sich fragt, wann er endlich auf den Punkt kommt. Auch wenn die Charakterisierungen überwiegend als gelungen gelobt werden, kann ich dem nur bedingt zustimmen, denn vieles, auch was die Storyline angeht, habe ich so oder so ähnlich schon weitaus besser gelesen und überrascht deshalb nicht. Langer Rede kurzer Sinn, der Vergleich mit Frech und Tartt hinkt und hat meine hohen Erwartungen leider nicht erfüllt. Schade!
Rezensionen von gabiliest:
Freunde sind das Beste auf der Welt
Vom Gespenst, das nicht allein sein wollte von Gareth Ryans
Der bekannte Autor und Illustrator Gareth Ryans hat mit dem Bilderbuch “Das Gespenst, das nicht allein sein wollte” eine wunderbare Freundschaftsgeschichte vorgelegt. Schon das phantasievolle Hardcover zeigt den Kindern das kleine Gespenst, das noch traurig auf der Suche nach Freunden ist. Doch bereits hier beginnt man zu ahnen, dass neben dem Schloss, in dem das kleine Gespenst wohnt, viele Tiere leben- und vielleicht sogar noch ein anderes Gespenst?
Das kleine Gespenst ist freundlich und schüchtern, aber es ist immer allein.
Eine Übernachtungsparty mit Freunden wäre doch toll. So fragt es alle Tiere des Waldes, ob sie zur Party kommen können, doch leider haben alle keine Zeit. Die Henne muss ihre Eier ausbrüten, der Frosch im Wasser bleiben und das Eichhörnchen die Nüsse suchen, die es vergraben hat. Traurig sitzt es beim Schlossteich, doch ganz überraschend stellt es fest, dass man auf Freunde gerade dann zählen kann, wenn man es am wenigsten erwartet.
Gareth Ryans hat eine zauberhafte Geschichte erfunden, die durch seine phantasievollen, detailreichen und liebevoll gezeichneten Illustrationen hervorragend unterstützt wird. Der Text ist kindgerecht und leicht verständlich, das Buch wird für Kinder ab drei Jahren empfohlen. Die Idee der Übernachtungsparty wird nicht nur die ganz Kleinen begeistern, sondern auch bei älteren Geschwistern großen Widerhall finden. Denn niemand möchte gerne alleine sein.
Dieses hochwertig ausgestattete Buch überzeugt auch durch das Großformat, das dicke Papier garantiert, dass die kleinen Lesenden das Buch oft zur Hand nehmen können. Denn diese wunderbare Freundschafts- und Mutmachgeschichte kann man sicher immer wieder gerne hören. Und das kleine Gespenst würden die Kinder sicher am Liebsten selbst zum Freund haben.
Ich habe dieses Buch, das sich hervorragend als Gute- Nacht Geschichte eignet, mit meinem vier Jahre alten Enkel gelesen. Wir fanden das kleine Gespenst zum Knuddeln und nehmen es auf unsere Übernachtungsparty mit, denn es wird in ein Bücherregal gestellt, das ganz nahe beim Kinderbett steht. So ist es nicht mehr alleine und wird hoffentlich noch viele Freunde finden. Wir können dieses Bilderbuch allen kleinen Leseratten, und natürlich den vorlesenden Erwachsenen, wirklich empfehlen.
Rezensionen von ReiShimura:
Die leise Schönheit des Briefromans – und meine Mühe, sie zu hören
Die Briefeschreiberin von Virginia Evans
Selten ist es mir so schwergefallen, eine mittelmäßige Bewertung für ein Buch abzugeben. Denn das Buch ist im Grunde wirklich interessant und auch handwerklich gut umgesetzt. Meine durchwachsene Bewertung des Buches liegt eher daran, dass ich zu dem Medium Briefroman keinen richtigen Zugang gefunden habe.
In der letzten Zeit habe ich einige Romane gelesen, die sich auf die eine oder andere Art und Weise mit dem Thema Briefschreiben beschäftigen. Darunter „Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen“ und „Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand“. Beide haben mich restlos begeistert und mit großer Freude habe ich mich auf diesen Roman gestürzt. Der große Unterschied zwischen diesem Buch und den oben angeführten ist allerdings die Art der Erzählung. Hierbei handelt es sich um einen Briefroman, während die anderen beiden Romane sind, in denen zusätzlich Briefe abgedruckt sind.
Sybil van Antwerp ist eine interessante Protagonistin und ich habe ihr Leben sehr gerne verfolgt. Es war spannend zu verfolgen mit wem sie alles postalisch oder selten auch elektronisch kommuniziert und welche Dinge ausgetauscht werden. Dabei geht es einerseits natürlich um mehr oder weniger kleine Alltagsdinge und Belanglosigkeiten, aber andererseits werden hier auch wichtige oder schwerwiegende Themen angesprochen, wie Krankheiten, der Tod, Fehlgeburten oder Politik.
Die Personen mit denen Sybil kommuniziert decken eine breite Altersspanne ab und dementsprechend unterschiedlich ist auch der Schreibstil der Briefe die Sybil als Antwort bekommt. Da es sich um eine Vielzahl von Personen handelt war ich sehr froh, dass die Autorin ein Personenverzeichnis am Ende des Buches eingefügt hat.
Wie anfangs bereits erwähnt, habe ich keinen richtigen Zugang zu dem Buch gefunden und fand es abschnittsweise langatmig und wenig ereignisreich. Ich denke aber, dass ich dies der Autorin Virgina Evans nur bedingt anlasten kann, sondern die Schuld eher bei mir suchen muss. Ich konnte den Roman nämlich nicht in einem Rutsch durchlesen, sondern war gezwungen das Lesen immer wieder zu unterbrechen. Manchmal nur für ein paar Stunden, teilweise aber auch für ein paar Tage. Dadurch habe ich immer wieder den Faden verloren und wusste nicht mehr an wen Sybil gerade einen Brief verfasst.
Virgina Evans Debütroman ist ein tiefgründiger und feinfühliger Roman, dem man wirklich die Aufmerksamkeit schenken muss, die er verdient. Es ist definitiv kein Buch für Zwischendurch, sondern es sollte mit Respekt und Würde behandelt werden.
Ich möchte abschließend noch einmal betonen, dass es sich hierbei um kein schlechtes Buch handelt und ich es auf jeden Fall weiterempfehlen möchte. Viele kleine Faktoren haben bei mir dazu geführt, dass ich das Leseerlebnis nur bedingt genießen konnte. Ich denke aber, dass dieses feinfühlige und tiefgründige Buch in den Händen von den richtigen Personen, die auch das Medium Briefroman zu schätzen wissen, große Freude bereiten wird.










