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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Astrid:

Eine coole Heldin im historischen Wien!

Frag Philomena Freud von Annette Roeder

Schon beim ersten Blick auf „Frag Philomena Freud“ war ich verliebt – und zwar in das Cover! Die Gestaltung mit Art-déco-Elementen, goldenen Details und farbigem Buchschnitt macht das Buch zu einem Schmuckstück. Aber: Never judge a book by its cover!

Die Geschichte entführt uns ins Wien der 1920er-Jahre.

Im Mittelpunkt steht Philomena, ein außergewöhnliches Mädchen, das sich als Schuhputzerin durchs Leben schlägt und direkt vor der Praxis von Sigmund Freud so einiges mitbekommt. Als ein mysteriöser Mord geschieht, ist ihr Spürsinn geweckt. Mutig und clever stellt sie eigene Nachforschungen an.

Philomena ist eine herrlich coole Heldin! Selbstbewusst, frech und mit einer ordentlichen Portion Wiener Schmäh lässt sie sich von niemandem einschüchtern.

Die Geschichte ist flüssig und lebendig erzählt. Die Kapitel lesen sich leicht, die Spannung steigt nach und nach und die bildhaften Beschreibungen lassen das historische Wien vor dem inneren Auge aufleben. Mit dem typischen Wiener Slang muss man sich vielleicht erst anfreunden – das ist, wie so vieles beim Lesen, Geschmackssache.

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Rezensionen von askyfullofpages:

Wenn einem die eigenen Worte abhandenkommen

Ein guter Charakter von Julie Orringer

Triggerwarnung: Das Buch behandelt Demenz und andere belastende Themen. Bitte schaut beim Lesen gut auf euch.

Wow, was für eine vielschichtige Geschichte mit Tiefgang!

Mit „Ein guter Charakter“ ist Julie Orringer ein kluger Roman über eine zerbrochene Ehe und eine gestohlene Geschichte gelungen.

Für mich beleuchtet sie dabei sehr gut die Frage, was einen guten Charakter ausmacht, und zeigt, dass man ihn nicht eindimensional betrachten kann. Der bei Aufbau erschienene Roman wurde von Gesine Schröder aus dem Englischen übersetzt.

Dava und Barr Pennington sind beruflich sehr erfolgreich, doch ihre Ehe ist gescheitert. Dava hat sich schon lange in jemand anderen verliebt und schreibt gerade an einem Roman.

Als sie an Demenz erkrankt und sich selbst immer mehr verliert, entdeckt Barr ihr Manuskript und veröffentlicht es unter seinem eigenen Namen.

Erzählt wird in Rückblenden und aus vielen verschiedenen Blickwinkeln, von Dava und Barr und von Menschen aus ihrer Familie und ihrem Umfeld. Und auch eine Hündin spielt in dieser Geschichte eine ganz besondere Rolle.

Ich mag Figuren mit Ecken und Kanten sehr gerne, und davon gibt es hier einige. Jedes Kapitel wird aus einem anderen Blickwinkel erzählt, und so wird die Geschichte immer vielschichtiger und entwickelt immer mehr Tiefgang.

In dieser Ehe gibt es keine Gewinner. Beide verletzen einander, jeder auf seine eigene Weise. Barr hat ganz klar narzisstische Züge und ist vor allem auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Und trotzdem kümmert er sich auch um Dava. Gerade diese Widersprüche machen die Geschichte so menschlich.

Dava driftet immer mehr in ihre eigene Welt ab. Sie verliert ihre Worte und kann sie nicht mehr richtig greifen. Dafür vergreift sich ihr Ehemann an ihren Worten.

Wie jemand mit einem Tier umgeht, verrät viel über seinen Charakter. Und ich finde es wunderschön, wie viel Trost ein Tier schenken kann. Tiere verstehen uns oft auch dann noch, wenn uns die Worte fehlen.

Eine ganz klare Leseempfehlung für alle, die gerne Familiengeschichten lesen und Figuren lieben, die nicht nur schwarz oder weiß sind.

Vielen herzlichen Dank an den Aufbau Verlag und NetGalley für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt davon wie immer unbeeinflusst.

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Rezensionen von KersG:

Voller Hoffnung und Gefühl

Neuanfang in Cotton Village, Band Neuanfang in Cotton Village von Cassia Bieber

Dieses Hörbuch hat mich von Anfang an sehr berührt.
Eine junge Mutter, die sich nach einem schweren Verlust wieder ins Leben zurück kämpft. Um wieder Fuß zu fassen zieht sie zu ihren Schwiegereltern in ihrem alten Heimatort in Alabama. Die Distanz die zwischen Mutter und Sohn anfangs herrscht ist direkt spürbar.

Der Schreibstil der Autorin hat mich direkt abgeholt. Voller Gefühl und Emotionen taucht man ein in die Gedanken- und Gefühlswelt von Maddie und Atlas.
Beide schleppen einiges aus ihrer Vergangenheit mit sich herum und doch geben sie nicht so leicht auf. Für beide ist es ein Neuanfang. Voller Hoffnung und doch die Angst, zu scheitern.
Und dann sind da natürlich noch die Alpakas, die einfach nur süß sind. Ich liebe ja Romane, in denen Tiere vorkommen.
Die Stimmen der Sprecher passen meiner Meinung nach perfekt zu den Charakteren. Sie bringen die Gefühle und Emotionen sehr gut rüber, ohne unnötige Übertreibungen. Es war angenehm, den beiden zuzuhören.
Ein Hörbuch, das einige herausfordernde Themen anspricht und mich tief berührt hat.

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Rezensionen von Annabell95:

Düsteres Milieu

Weißer Rausch von Anu Ojala

Im eiskalten Lappland erschüttern mehrere brutale Verbrechen die Grenzregion zwischen Finnland und Schweden. Eine neue Droge fordert Todesopfer, mysteriöse Spuren führen über die Landesgrenzen hinweg und Kommissarin Ronja Jentzsch steht vor einem undurchsichtigen Fall voller Geheimnisse. Während die Ermittlungen kaum vorankommen, rückt ein junger Zollbeamter immer stärker in den Fokus.

"Weißer Rausch" ist der Auftakt in die Lappland-Trilogie mit der Kommissarin Ronja Jentzsch. Da es der Auftakt der Trilogie ist, endet das Buch mit einem deutlichen Cliffhanger. Einerseits macht genau das neugierig auf die Fortsetzung, andererseits finde ich es immer etwas schade, wenn die Folgebände erst ein Jahr später erscheinen. Bis dahin hat man viele Details aus dem ersten Band oft schon wieder halb vergessen.

Erzählt wird die Handlung aus verschiedenen Perspektiven, wodurch man nach und nach immer tiefer in die Geschichte eintaucht. Immer wieder gibt es überraschende Wendungen und Entwicklungen, die dafür sorgen, dass man miträtselt und die eigenen Theorien ständig überdenken muss. Besonders gelungen fand ich, dass man selbst zum Ende noch nicht weiß, wer oder was wirklich hinter allem steckt.

Allerdings fand ich die eigentliche Ermittlungsarbeit von dem Ermittlerteam etwas schwach. An Ermittlungsarbeit geschah relativ wenig. Dafür gab es sehr viele Dialoge unter den Ermittlern und Telefonate, die aber authentisch und lebendig wirkten, wie als wenn man echten Gesprächen lauschen würde. Zusätzlich gab es mehrere brutal zugerichtete Mordopfer.

Im Mittelpunkt steht das Thema Drogenhandel und Drogenmissbrauch. Die teilweise schonungslose Darstellung zeigt die Abgründe dieses Milieus auf erschreckende Weise und macht deutlich, welche Folgen die Sucht und das Geschäft mit den Drogen haben können.

Der Schreibstil lässt sich flüssig lesen und durch die bildhaften Beschreibungen kommt das Setting im winterlichen Lappland ist besonders stark rüber. Die winterliche Kulisse mit bis zu -25 °C sorgt für eine düstere, nahezu bedrückende Atmosphäre.

Mein Fazit:
Für mich war es eher ein Krimi als ein Thriller, aber hatte trotzdem eine starke düstere Atmosphäre. Der Fall ist sehr spannend und rätselhaft. Ein bisschen schade, dass man jetzt so lange auf den Folgeband warten muss. Vielleicht würde es mehr Sinn machen alle drei Bände der Trilogie später in einem Rutsch zu lesen.

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Rezensionen von Tintenteufel:

Wertvolles Buch

Jeder Mensch kann trauern von Eric Wrede; Fee Vogel

Die Autoren Fee Vogel und Eric Wrede haben jahrelange Erfahrung in der Trauerbegleitung und das ist auf jeder Seite spürbar. Der trauernde Leser kann sich in den Schilderungen wiederfinden und wahrgenommen fühlen. Das Buch hilft ihm, das selbst Erlebte einordnen, benennen und verarbeiten zu können.

Das Buch zeigt die vielfältigsten Aspekte des Trauerns und macht für den Leser begreiflich, weshalb ihn die Trauer immer wieder und auch ganz unvermutet überkommt, weil sie einfach so unfassbar viele Lebensbereiche betrifft und nicht einfach linear verläuft, sondern immer wieder an die Oberfläche tritt. Die Autoren beschreiben von den körperlichen Stress-Symptomen über die Veränderungen in der Selbstwahrnehmung, den Einfluss auf soziale Kontakte bis zur gesellschaftlichen Dimension die lebensumfassende Auswirkung des Trauerns. Dabei bleibt das Buch nicht theoretisch, sondern lädt immer wieder dazu ein, über seine eigene Trauer und die eigene Gestaltung des Umgangs nachzudenken und sich auch ganz konkrete Notizen zu machen. Darüber hinaus geben die Autoren Beispiele für individuelle Gestaltungsmöglichkeiten, so gefällt mir z.B. die Idee eines gemeinsamen Trauerspaziergangs, der an die Stelle einer Trauerfeier tritt und mit der Beisetzung des Verstorbenen endet.

Besonders beeindruckend finde ich, wie die Autoren aufzeigen, dass aus der Trauer auch die Kraft zu Veränderung wachsen kann. Sie bleiben nicht distanziert beschreibend, sondern lassen das Gefühl der Trauer ganz nah an sich heran, schaffen es aber, eine positive und tröstliche Perspektive zu entwickeln, wie sich der Abschied positiv lebensgestaltend auswirken kann und den Verstorbenen als Teil des Lebens weiterwirken lässt. Ein wertvolles und beeindruckendes Buch!

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Rezensionen von Anonym:

Eine bisher recht unbekannte, traurige Facette der Nachkriegszeit

Deutsches Kind von Melanie Levensohn

Das Buch beleuchtet ein recht unbekanntes Thema der deutsch-französischen Nachkriegszeit: die Kinder französischer Besatzungssoldaten und deutscher Frauen, die ihren Müttern entrissen und nach Frankreich zur Adoption gegeben wurden.

Die Geschichte wird sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt.

Beide Zeitstränge fand ich gelungen miteinander verwoben.

Sprachlich sehr einfühlsam schafft es die Autorin, die Lebensrealität der Nachkriegszeit abzubilden, sei es das Zusammenleben mit den französischen Besatzern, die Nahrungsknappheit oder auch die psychischen Nachwirkungen des Krieges. Gerade die Vergangenheitsperspektiven haben mich emotional sehr berührt. Besonders schockiert hat mich das „Sortieren“ der Kinder, nachdem sie ihren Müttern weggenommen wurden.

Ein Großteil der Gegenwart dreht sich um das Nappa Valley, Weinanbau und -herstellung. Die Autorin schreibt dabei indirekt ein bisschen ihre eigene Lebensgeschichte auf und lenkt zudem das Augenmerk auf jährlich wiederkehrende Brände in Kalifornien und damit den Klimawandel. Leider ist Wein überhaupt kein Thema, das mich interessiert, weswegen mir das an mancher Stelle etwas zu viel wurde.

Generell hätte ich gerne mehr über Liese, ihr Leben bzw. allgemein die Situation der deutsch-französischen Kinder und weniger über Mayas Probleme gelesen.

Insgesamt kann ich das Buch aber nur empfehlen, selbst wenn man schon viele Bücher über die Kriegs- bzw. Nachkriegszeit gelesen hat.

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Rezensionen von Miro:

Die Jäger

Die Schlucht von Linus Geschke

Ich war sehr gespannt auf das Finale der Donkerbloem-Trilogie und wurde nicht enttäuscht. Dass es um die Jagt auf die Jäger gehen wird, war aus dem 2. Teil klar und ich hatte etwas Sorge, dass es mir zu brutal werden könnte. Aber Linus Geschke versteht es gut Bedrohung aufzubauen, ohne dabei zu viel in Detail zu gehen.

Der Thriller startet brutal mit der Entführung einer jungen Frau und dieser Fall wirft neues Licht auf die Gruppe. So gelingt es Wout und Kathinka die Gruppe zu identifizieren und Wout verfolgt den Plan, sie in Camp Donkerbloem in eine Falle zu locken. Doch natürlich läuft nicht alles so, wie sie es sich vorstellen und am Ende wird sich zeigen, wer das größere Raubtier ist.

Wout hat auch noch andere Sorgen. Frieda ist ihm auf den Fersen wegen dem Mord an Behrend und seine Drogengeschäfte führen ihn ebenfalls nahe an den Abgrund. Milana hat er in seiner Wut und Trauer ebenfalls verloren und nur sein Versprechen an Kathinka hält ihn aufrecht. Denn Wout ist loyal, kümmert sich um seine Freunde und ein gegebenes Versprechen ist für ihn unumstösslich.

Kathinka entwickelt sich ebenfalls zur Kämpferin und je mehr sie sich dem Ziel nähern, umso mehr überwindet sie ihr Trauma vom Verlust ihrer Schwester.

Nur Frieda verbeißt sich in ihrem Hass auf Wout und entwickelt sich von der taffen Kommissarin aus Band 1 zu einer unberechenbaren Furie. Der Autor spielt hier sehr gekonnt mit den Sympathien. Der Kleinkriminelle Wout, den wir im ersten Band als zwielichtigen Barmann kennengelernt haben, zeigt uns immer mehr von seinem Ehrenkodex und seiner Loyalität gegenüber Menschen, die ihm Nahe stehen. Seine besondere Beziehung zu Kathinka macht ihn liebenswert und lässt uns eine Beziehung zu ihm aufbauen. Gleichzeitig entfernt sich Frieda immer mehr. Die Figuren sind komplex und befinden sich alle in den Grauzonen zwischen Gut und Böse.

Das große Finale kommt anders als erwartet und lässt ein Fensterchen für einen weiteren Band offen, obwohl hier alles seinen Abschluss findet. Mir hat diese Reihe sehr gut gefallen. Ich mochte die düstere Atmosphäre des Campingplatzes in den Ardennen und die unterschwellige Bedrohung die ständig davon ausging. Die kurzen Kapitel und Perspektivenwechsel sorgen für Spannung und ein hohes Erzähltempo und machen diesen finalen Band zu einem echten Pagturner!

Ich kann die Reihe allen empfehlen, die psychologisch ausgefeilte Thriller mit komplexen Figuren mögen und auch mal in die dunkelsten Abgründe der menschlichen Seelen blicken können.

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Rezensionen von isablue:

Geschichte über Neugierde und Angst mit viel Humor

Pfoten weg vom roten Knopf! von Matilde Tacchini

In diesem lustigen Buch geht es um den roten Knopf, den die Tiere plötzlich entdecken. Alle sind natürlich neugierig, was es mit diesem Knopf auf sich hat, gleichzeitig haben sie aber auch Angst. Die Tiere rätseln gemeinsam, was passieren könnte, wenn man den Knopf drückt und auch jedes Kind hat bestimmt eine gute, komische, wilde oder verrückte Idee, was geschehen könnte.

Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt!
Die liebevollen Illustrationen gefallen mir sehr gut. Mir gefällt auch, dass der Text eher kurz gehalten ist und dadurch Freiraum lässt für eigene Gedanken.
Ich denke, dass jedes Mal, wenn man das Buch liest oder vorliest, neue Ideen aufkommen. Schon die ganz Kleinen ab 3 Jahren können hier fleißig mitdenken. Aber auch mit älteren Kindern (z.B. in der Grundschule) kann man dieses tolle Buch lesen. Im Deutschunterricht können die Kinder ihre eigenen Ideen dazu aufschreiben, in Kunst können sie ein Bild dazu malen oder einen Comic gestalten, aber man kann auch über das gemeinsame Abstimmen und Entscheiden in einer Gemeinschaft sprechen.
Das Ende ist superlustig! Manchmal braucht es eben etwas Mut im Leben! Für mich bietet dieses humorvolle Buch neben Spaß auch viele Gesprächsanlässe - ganz toll!

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Rezensionen von Shilo:

Ein erschütterndes Zeitbild

Am Ende des Krieges von Bert Natter

Der 20. April 1945 ist ein Tag, an dem das Ende des Krieges immer näher rückt. Doch während die russische Artillerie bereits zu hören ist, beschäftigt sich der SS-Obersturmführer Karl Zehlendorf lieber mit den Vorbereitungen zum Geburtstag des Führers. Gleichzeitig wird sein elfjähriger Sohn Ernst vermisst.

Dieser Gegensatz zwischen den Ereignissen im Lager und den Sorgen um den eigenen Sohn sagt bereits viel über die Menschen aus, die hier eine Rolle spielen.
Bert Natter erzählt die Geschehnisse aus den Blickwinkeln von mehr als dreißig Personen. Dazu gehören Menschen aus dem Lager, Angehörige der SS und weitere Beteiligte. Die einzelnen Abschnitte sind teilweise sehr kurz und wechseln häufig die Perspektive. Anfangs braucht es etwas Zeit, um sich mit dieser Erzählweise vertraut zu machen. Mit der Zeit bekommt man einen besseren Überblick und erkennt, wie die einzelnen Schicksale zusammenhängen.
Der Alltag im Lager ist von Gewalt, Angst und Willkür geprägt. Die Menschen verhalten sich ganz unterschiedlich. Manche denken nur an sich selbst, andere versuchen trotz allem, ein Stück Menschlichkeit zu bewahren. Dieser Gegensatz macht das Geschehen noch erschreckender.
Während sich das Kriegsende nähert, geht es für Karl Zehlendorf vor allem um seinen verschwundenen Sohn. Was mit den Menschen im Lager geschieht, scheint für ihn kaum eine Rolle zu spielen. Dieser Gegensatz ist erschreckend.
Bert Natter bringt die vielen unterschiedlichen Menschen und ihre Schicksale zusammen. So bekommt man einen Einblick in die verschiedenen Seiten dieses grausamen Geschehens. Seine klare Sprache und die kurzen Textabschnitte sorgen dafür, dass man dem Geschehen gut folgen kann.
Ein einfaches Buch ist das nicht. Manche Passagen sind schwer zu ertragen, und vieles beschäftigt einen auch nach dem Lesen weiter. Gerade deshalb ist dieser Roman ein wichtiges Buch. Er zeigt, wie weit Menschen gehen können und wie wenig ein Menschenleben in einem solchen System zählt.
Für mich ist es ein außergewöhnlicher und eindringlicher Roman, der die Schrecken des Krieges aus vielen verschiedenen Blickwinkeln sichtbar macht. Verdiente fünf Sterne.

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Rezensionen von Sina:

Feminismus für Einsteiger:innen mit Memoir-Vibes

Good Girl Exit von Silvi Carlsson

Der Content von Silvi Carlsson begleitet mich schon seit vielen Jahren. Als ich erfahren habe, dass sie ein Buch veröffentlicht - und um was es darin geht - war mir direkt klar, dass ich es unbedingt lesen möchte.

Viele interessante Themen wie Rollenbilder, People Pleasing, Care Arbeit, Frauen in den Medien, Dating-Verhalten, weibliche Scham, Male Gaze, die Stressreaktion ‚Fawn‘ und Unterschiede in der Sozialiesierung zwischen Mädchen und Jungen werden hier durch eine moderne feministische Brille betrachtet und analysiert.

Dabei erklärt Silvi diese Begriffe ausführlich und auch immer anhand autobiografischer Anekdoten, welche sie aufgrund ihres Psychologie-Studiums sicherlich auch etwas professioneller einordnen kann, als die/der gewöhnliche „Küchen-Psycholog:in“.
Dennoch bleiben viele Themen leider oft an der Oberfläche, wo man sich mehr wissenschaftliche Erklärungen wünschen würde.

Einige Themen wurden für mein Empfinden teilweise etwas zu stark pauschalisiert. Auch die radikalen Konsequenzen, die Silvi für sich selbst aufgrund individueller Erfahrungen gezogen hat, finde ich mitunter doch etwas extrem und nicht unbedingt umsetzbar. Insgesamt hat mir das Buch aufgrund der vielen persönlichen Einblicke in Silvis Leben und auch der Bezug auf ihre Diagnosen fast ein bisschen das Gefühl gegeben, als würde ich ein Memoir lesen. Das ist zwar grundsätzlich nichts schlechtes, wer jedoch ein reines Sachbuch erwartet, wird hier enttäuscht werden.

Für Neueinsteiger in das Thema Feminismus kann ich das Buch absolut empfehlen. Hier stößt man zwar nicht auf super viele neue Erkenntnisse, jedoch ist es insgesamt ein durchweg gelungenes Buch mit wichtigen Themen, die mehr Sichtbarkeit in unserer Gesellschaft brauchen!

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