Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Sternzauber:
Mütter und Töchter
Das gute Leben von Nadine Schneider
„Das gute Leben“ von Nadine Schneider wird von einem Cover geziert, das mir sehr gut gefällt. Wenn man die Geschichte gelesen hat, weiß man, warum, die Weinblätter wunderbar zum Buchinhalt passen und ich bin sehr fasziniert von der Verflechtung dieser mit den Buchstaben des Titels, die für mich ein wunderschönes Bild ergeben.
Und auch die Farbgestaltung ist für meinen Geschmack sehr gelungen.
Die Geschichte erzählt von Christina, die das Haus ihrer Großmutter erbt und so an den Ort zurück kommt, an dem sie aufgewachsen ist. Eigentlich möchte sie das Haus ausräumen, kann sich jedoch nicht dazu überwinden und taucht stattdessen in das Leben der Frauen ihrer Familie zwischen Rumänien und Deutschland ein.
Nadine Schneider schreibt diese Geschichte in gut lesbarer und flüssiger Sprache, ich muss jedoch leider gestehen, dass mich ihre Art der Erzählung zum Großteil nicht so wirklich berührt hat. Irgendwie bleibt die Handlung für mich in weiten Teilen auf Distanz und als Leserin war ich oft nur unbeteiligte Zuschauerin. Das ist wirklich schade, denn die Geschichte hat an sich viel Potenzial und auch wirklich gute Momente.
So richtig nah ist mir keine der vier Frauen während der Lektüre gekommen und doch haben mich die unterschiedlichen Leben - von der Urgroßmutter bis zur Enkelin – sehr interessiert. Nadine Schneider webt ein fein verknüpftes Bild der familiären und emotionalen Bindungen dieser Frauen und auch, wenn diese stark problembehaftet und wenig liebevoll sind, spürt man doch, wie sehr diese an den Protagonistinnen ziehen und zerren und wie sehr sich alle 4 nach Unterstützung, Verständnis, Zugehörigkeit und Liebe sehnen. In diesen Punkten hat es die Geschichte dann doch geschafft mich zeitweise zu erreichen.
Das Hauptthema ist sicherlich die Beziehung zwischen den verschiedenen Frauen einer Familie und dazu gehören hier auch Verlust (der eigenen Identität) und Zurücklassen, Trauer, Unzufriedenheit, fehlende Liebe und Zuneigung, Sprachlosigkeit, Orientierungslosigkeit, Sehnsucht und viele andere Gefühle. Die Geschichte ist sehr melancholisch und geprägt von der Verlorenheit der Figuren, was für mich im Rahmen der Handlung ein stimmiges Bild ergibt. Und ich mag es auch sehr, dass die Geschichte auf verschiedenen Zeitebenen spielt, die wirklich gelungen miteinander verbunden sind.
Wie auch bei anderen Punkten, habe ich das Ende als ambivalent empfunden. Auf der einen Seite passt es gut zur Geschichte und endet mit einem passend gesetzten Punkt, auf der anderen Seite lässt es mich doch mit vielen Fragen zurück. Mein Empfinden zu diesem Buch ist für mich selber nicht leicht einzuordnen und irgendwie zwiespältig: Ich habe es einerseits gerne gelesen, würde es aber momentan nicht erneut zur Hand nehmen und fühle mich andererseits in einigen Punkten nicht so wirklich wohl damit… Daher vergebe ich 3,5 Sterne und wünsche euch viel Freude beim eigenen Entdecken!
Erinnerungsarbeit und Innenschau
Ich möchte zurückgehen in der Zeit von Judith Hermann
Das Cover von Judith Hermanns Buch „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“ gefällt mir sehr. Die offene Türe auf dem Bild hat eine sehr hohe Symbolkraft und auch die Kombination mit Titel und Autorinnennamen ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Das gebundene Buch wirkt hochwertig und sehr stimmig.
Erzählt wird davon, dass die Autorin den Spuren ihres Großvaters folgt, der zur Zeit der Nationalsozialisten in der Waffen-SS eingesetzt war. Er hat sich während des zweiten Weltkrieges im polnischen Radom aufgehalten, wovon ein Foto zeugt und so macht sich die Autorin auf, um diesen Ort kennen zu lernen und mehr über diesen Mann, der ihr Vorfahre war, zu erfahren. Später reist sie weiter zu ihrer Schwester und deren Familie nach Neapel und spürt dort dem „Erinnern und Vergessen der folgenden Generationen nach“ (Zitat Klappentext).
Ich kannte bisher keine Texte der mehrfach preisgekrönten Autorin, war aber wirklich gespannt auf ihr Buch, zumal mich das Thema sehr interessiert. Judith Hermann hat mich mit einer Sprache überrascht, die einerseits sehr klar und schnörkellos daher kommt, andererseits aber viele Leerstellen offen lässt. Ich habe diese Erzählweise als stimmig zum Inhalt empfunden, muss aber auch gestehen, dass ich mich teilweise etwas schwer getan habe damit, weil ich mich etwas zurückgelassen fühlte. Ich hätte manchmal gerne näher an sie herangedurft und wurde doch irgendwie auf Distanz gehalten, bevor sie mich im nächsten Moment sehr intensiv in ihre Erzählung hinein gezogen hat. Für mich ein etwas ambivalentes und doch beeindruckendes und faszinierendes Erlebnis.
Judith Hermann wirft sehr bedeutsame und interessante Fragen auf, die mich während und nach der Lektüre beschäftigt haben und gerade in heutigen Zeiten finde ich es sehr wichtig, dass das Erinnern, das Hinschauen nicht in Vergessenheit gerät und das wir uns mit unserem Erbe auseinandersetzen. „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“ ist keine leichte Lektüre und sie fordert uns LeserInnen, macht aber aufmerksam auf wichtige Umstände und hallt nach – viel Freude beim Lesen!
Pflanzenliebe und Geheimnisse, jedoch mit ausbaufähigen Elementen
Emilia Blumenherz, Band 1 - Das geheime Pflanzeninternat von Usch Luhn
Das Cover dieses ersten Bandes über Emilia Blumenherz gefällt mir und meiner Nichte sehr. Es ist wirklich wunderschön mit den bunten Farben und den zauberhaft filigranen Goldverzierungen, die die Gestaltung noch zusätzlich aufwerten. Im Inneren sind immer wieder schwarz-weiß Zeichnungen zu finden, die sehr weich wirken und uns ebenfalls sehr gut gefallen.
Sie illustrieren die Handlung auf sehr schöne Weise und brachten uns noch mehr in die Welt von ganz besonderen Pflanzenliebhabern.
Erzählt wird in „Emilia Blumenherz – Das geheime Pflanzeninternat“ von Emilia, die mit ihren Eltern auf einer geheimen Insel lebt, auf der wertvolle Pflanzen geschützt und erhalten werden. Sie führt ein sehr glückliches Leben dort und liebt vor allem den Umgang mit ihren tierischen Freunden, doch eines Tages erfährt sie, dass sie in ein Pflanzeninternat gehen soll, wo ihre wichtigste Aufgabe darin besteht, eine sehr wertvolle und bedrohte Pflanze zu beschützen. Doch eines Morgens ist diese Pflanze einfach weg … und nun?
Usch Luhn schreibt in angenehmer und kindgerechter Sprache, so dass das Lesen wirklich Freude macht. Doch ich muss leider gestehen, dass mir die Geschehnisse an vielen Stellen zu oberflächlich blieben und auch dramatische Handlungen oft so schnell abgehandelt wurden, dass sie mich nicht wirklich mitgenommen haben. Ich mag Emilia und auch andere Kinder des Internats sind mir durchaus sympathisch, der Autorin gelingt es aber leider nicht so recht, mich richtig mit ihnen fühlen zu lassen und das ist sehr schade. Denn die Geschichte an sich und sehr viele der magisch-fantastischen Besonderheiten sind wirklich super und absolut überzeugend, jedoch leider eben für meinen Geschmack nicht stark genug ausgearbeitet. Auch bei meiner Nichte musste ich feststellen, dass sie zwar gerne weiter gelesen hat, jedoch nicht wirklich begierig darauf war zu erfahren, wie es weiter geht und sie nicht wirklich gefesselt war…
Für uns wurde das Potenzial der Geschichte nicht ganz ausgeschöpft und doch möchten wir gerne erfahren, wie es weiter geht, so dass wir uns auf den zweiten Band im Juli freuen. Wir empfehlen dieses Buch für alle PflanzenfreundInnen, die Lust auf eine ruhige Geschichte mit tollen magischen Elementen haben, können auf Grund unserer Kritikpunkte jedoch keine volle Sternenzahl vergeben, sondern entscheiden uns für 3,5 Sterne – viel Freude beim Lesen!
Gefährlich, sehr lustig und richtig toll!
Dieses Buch ist gefährlich von Ben Clanton
Was für ein tolles Cover dieses interaktive Bilderbuch doch hat! Es weckt unmittelbar die wohlig-gruselige Vorfreude auf dieses gefährliche Buch und verführt regelrecht dazu herausfinden zu wollen, was denn da so los ist. Mir persönlich gefällt zudem die sehr reduzierte Farbwahl ausgesprochen gut und auch die klare Bildsprache sowie die gefälligen Buchstaben des Titels entsprechen meinem Geschmack sehr.
Im Buch wird es deutlich bunter, doch das bereits gelobte Konzept wird beibehalten. So bleibt die Bildsprache klar und reduziert, zeigt sich jedoch auch sehr aussagekräftig und fesselnd. Die Gefühle der kleinen Qualle sind wunderbar leicht zu erkennen und auch die Elemente, die für die Handlung entscheidend sind, sind immer sehr präsent. Die Bilder sind abwechslungsreich gestaltet und wirklich beeindruckend, so dass es nie langweilig wird und zwischen Text und Bild besteht eine wunderbare Einheit.
Das Bilderbuch lässt uns die kleine Qualle kennen lernen, die wir bereits auf dem Coverbild sehen und wir erfahren, dass sie einfach nur weg möchte aus diesem Buch, da sie nichts Gefährliches machen will. Doch auf ihrer Flucht schlittert sie in lauter gefährliche Situationen hinein, die wir mit ihr miterleben dürfen.
Dabei erleben wir die Geschichte nicht so, wie wir es aus anderen Büchern kennen, in dem etwas erzählt wird, sondern die kleine Qualle wendet sich von der ersten Seite an ganz direkt an uns und spricht mit uns! Sie berichtet, schlägt vor und gibt auch ganz klare Anweisungen, doch natürlich macht es besonders großen Spaß genau das zu tun, was die Qualle uns so eindringlich verbietet. Mein Neffe und ich haben unglaublich viel gelacht, wenn er die Kanone eben doch berührte oder sich entgegen der Anweisungen bewegte und laute Geräusche machte. Natürlich zielt die Handlung der Geschichte genau auf dieses Verhalten ab und es war wirklich spürbar, wie die Spannung in meinem Neffen stieg und er ganz begierig darauf war zu erfahren, was nun passieren würde – herrlich! Am Ende wurde uns sogar verboten, das Buch erneut zu beginnen, was wir aber selbstverständlich ignoriert und das Abenteuer gleich mehrfach hintereinander und seit dem immer wieder erlebt haben.
Besonders toll finde ich auch, dass das Ende dieses aufregenden und gefährlichen Abenteuers sehr „süß“ gestaltet wurde und so mit einem wohligen Gefühl endet. So können auch feinfühlige Kinder viel besser mit der Spannung und Aufregung der Handlung umgehen und das Leseabenteuer mit positiven Emotionen abschließen. Mein Neffe und ich sind auf jeden Fall absolute Fans dieses Buches und empfehlen es von Herzen allen kleinen und großen Abenteurern weiter!
Eine blumig-romantische Wohlfühlgeschichte
Der schwimmende Blumenladen von Amsterdam von Annabel French
Der Titel passt bei „der schwimmende Blumenladen von Amsterdam“ wunderbar zur Geschichte und gewährt einen ersten Einblick in diese, was ich sehr mag. Und auch die Covergestaltung gefällt mir sehr, denn die kräftigen Farben unterstreichen das Blumenthema sowie die spritzige Lebendigkeit des Romans sehr gelungen.
Und zudem gefällt es mir sehr, dass es trotz der verschiedenen Elemente nicht überladen ist und hervorragend mit den anderen Titeln der Reihe harmoniert, die im Buchumschlag zu sehen sind und die in den nächsten Monaten erscheinen werden.
Aber nun erst einmal zu dieser Geschichte, die von Rosie erzählt. Eigentlich lebt sie in London, findet dort aber nicht so wirklich ihren Platz in der (Berufs-)Welt und entscheidet sich recht spontan dazu, nach Amsterdam auszuwandern und dort einen Stand auf dem berühmten Bloemenmarkt zu betreiben. Trotz der Bedenken ihrer Familie gelingt ihr der Start ganz gut, doch ein anderer Händler macht ihr das Leben schwer und auch mit ihrem mürrischen Nachbar gerät sie immer wieder aneinander, denn der Künstler stört sich an Rosies lauter und fröhlichen Art. Und trotzdem findet Rosie ihn irgendwie ziemlich anziehend…
Annabel French war mir bisher überhaupt nicht bekannt, aber mit dieser blumigen Wohlfühlgeschichte hat sie mich wirklich überzeugt. Sie schreibt in sehr angenehm leicht-lockerer Sprache, die zur Art der Geschichte passt und hat mir Charaktere vorgestellt, die interessant sind. Rosie habe ich mit ihrer sehr positiven, zupackenden und immer optimistischen Art sofort ins Herz geschlossen und ihr sofort gewünscht, dass ihr Abenteuer gelingt. Um mit Max, dem mürrischen Künstler, warm zu werden, habe ich ein wenig länger gebraucht, aber seine Verhaltensweisen werden im Laufe der Geschichte immer verständlicher. Auch die anderen ProtagonistInnen der Geschichte sind für mich stimmig und passend eingewogen und das Setting in Amsterdam ist wundervoll beschrieben. An Hand der Geschichte hatte ich immer wieder das Gefühl selber mit Rosie durch die Straßen Amsterdams zu laufen und das leise Plätschern der Grachten zu hören. Eine tolle Ergänzung war an diesem Punkt eine Karte der Stadt, die in den vorderen Buchumschlag eingefügt ist und mir eine gute Orientierung in Stadt und Geschichte ermöglicht hat.
Wie bereits erwähnt, handelt es sich um eine absolute Wohlfühlgeschichte ohne stark belastende Inhalte. Und doch gibt es verschiedene Themen, die der Handlung eine gewisse Lebensnähe schenken und die allzu rosa-rote Brille vermeiden. Ja, ich muss zugeben, dass einige Punkte nicht besonders realistisch dargestellt sind (was Möglichkeiten oder Zeitabläufe angeht), aber das ist in einer solchen Geschichte in Ordnung für mich und unterstreicht den angenehmen „Wohlfühl-und-einkuschel-Faktor“ noch einmal. Eine Geschichte, die sich sicherlich wunderbar für gemütliche Lesestunden in der Frühlings- und Sommersonne eignet, mir aber auch jetzt im Winter ein paar warme Sonnenstrahlen aufs Sofa gezaubert hat. Ich empfehle „Der schwimmende Blumenladen von Amsterdam“ allen LeserInnen, die Lust auf einen spritzig-lebendigen Neuanfang in einer faszinierenden Stadt und romantische Begegnungen haben und freue mich auf die weiteren Bände der Reihe – viel Freude beim Lesen!
Persönliche Entwicklung und Neuausrichtung einer Ehe – intensiv und authentisch
Die Liebe, später von Gisa Klönne
Der Titel fühlt sich für mich etwas sperrig an, aber ich mag das Cover von „Die Liebe, später“ mit dem abgewandten Frauengesicht und den harmonischen Farben. Dieses Bild alleine enthält schon eine Geschichte und das gefällt mir sehr.
Gisa Klönne erzählt in diesem Buch die Geschichte von Kora und Anselm.
Die beiden sind glücklich verheiratet und führen ein perfekt austariertes Leben zwischen Nähe und Distanz. Doch dann muss sich Kora einer schweren Herz-OP unterziehen und ihr ganzes Leben gerät aus den Fugen. Sie weiß nicht mehr, wer sie ist und was sie (noch) kann. Ihr Alltag, ihr Beruf und auch ihre Ehe stehen auf dem Prüfstand und während Anselm die Rente einreicht, Zeit mit Kora verbringen und sich den Traum eines Libellenteiches erfüllen will, flüchtet sie und beschäftigt sich mit Menschen, Erlebnissen und Gefühlen aus der Zeit als junge Frau…. Ob die Beiden sich selber und wieder zueinander finden werden?
Ich kannte bisher kein Buch der Autorin und wusste daher gar nicht, was mich bei dieser Lektüre erwartet. Somit wurde ich sehr positiv davon überrascht, dass Gisa Klönne in sehr angenehm flüssigen Stil schreibt, umgehauen hat mich jedoch die Intensität ihres Textes: Ich konnte in der Lektüre ganz in Koras Gedanken- und Gefühlswelt eintauchen, mit ihr fühlen, mit ihr zweifeln, hadern und neue Hoffnung schöpfen – denn die Geschichte wird aus ihrer Sicht erzählt. Ich war so nah an ihr dran und Gisa Klönne ist es gelungen sie so authentisch zu zeichnen, dass ich nie irritiert war – all ihre Handlungen, Gefühle, Gedanken und Zerrissenheiten, waren, wenn auch natürlich nicht immer logisch, für mich absolut nachvollziehbar und stimmig. Ich durfte mit Kora durch ihr Leben reisen, konnte durch Erfahrungen in früheren Jahren immer besser verstehen, warum sie sich nun fühlt, wie sie es eben tut und sie immer besser kennen lernen.
Aber neben den individuellen Belangen Koras, spielt auch die Ehe mit Anselm eine wesentliche Rolle im Buch. Es wird wunderbar deutlich, wie sehr sich die Gefühle und Bedürfnisse des einzelnen Menschen auf die Beziehungsqualität auswirken und wie sehr Veränderungen ein erfolgreiches und harmonisches Gefüge (zer-)stören können. Ich kenne bisher kein anderes Buch, das die fragile Beständigkeit einer Ehe so feinfühlig, so intensiv und so gekonnt einfängt und das Höhen und Tiefen so sensibel ausleuchtet.
Die ProtagonistInnen dieser Geschichte befinden sich in einem ganz anderen Lebensabschnitt als ich, beschäftigen sich mit ganz anderen Herausforderungen und stehen an anderen Wendepunkten – und doch hat mich die Geschichte erreicht, stark berührt und in ihren Bann gezogen, ich konnte mich mit Kora identifizieren. Besonders toll finde ich auch kleine Einschübe im Fluss der Geschichte, die immer wieder 5 Dinge aufzählen, die Kora und ihre Ehe noch näher beschreiben. Für mich ist dies ein tolles Element, das der Intensität noch mehr Tiefe verleiht und ich mochte es auch sehr, dass die Geschichte immer wieder aus verschiedenen Zeiten berichtet. So erfahren wir LeserInnen Geschehnisse aus dem Jetzt, genau so, wie aus der Zeit der OP und Rehabilitation oder aus früheren Jahren.
„Die Liebe, später“ ist für mich ein sehr lebendiges, intensives und authentisches Portrait einer Ehe, aber auch und vor allem einer sehr persönlichen Entwicklung. Es geht um Veränderungen, Neuanfänge, den Sinn des Lebens, eigene Bedürfnisse, Gefühle, die Aufarbeitung der Vergangenheit und Verluste, aber auch um Hoffnung, zweite Chancen und neue Möglichkeiten und um die Liebe in all ihren Facetten. Gisa Klönne ist ein sehr dichter und außergewöhnlicher Roman gelungen, der mich zum Nachdenken anregte und den ich von Herzen weiter empfehlen möchte – viel Freude beim Eintauchen!
Persönliche Entwicklungen und faszinierende (Familien-)Leben
Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel von Alena Schröder
Der ungewöhnliche Titel des Buches hat mich von Anfang an magisch angezogen und ich finde er passt hervorragend zur Geschichte. Gleiches gilt auch für die Coverbildgestaltung, die die Kunst visuell spürbar macht und die meinen Geschmack auf jeden Fall trifft. Titel, Bild und Buchinhalt bilden für mich eine so wunderbare Einheit, wie es nur selten zu finden ist.
Auf zwei Zeitebenen erzählt die Autorin eine außergewöhnliche Geschichte:
1945 lernen wir die 14-jährige Marlen in Güstrow kennen, die sich vor den russischen Soldaten in einer Schublade versteckt und dort eine Leinwand entdeckt, die sie an sich nimmt. Wilma, die Marlene geholfen hatte, ist Künstlerin und nimmt das Mädchen bei sich auf, was zu einer ungewöhnlichen Lebensgemeinschaft führt…
Die 34-jährige Hannah lebt 2023 in Berlin und hat sich ihr Leben dort gut eingerichtet, bis ihr Vater plötzlich auftaucht und alles – vor allem ihre Gefühle – durcheinander bringt. Was soll sie davon halten, dass er plötzlich Kontakt zu ihr sucht, obwohl er sich bisher überhaupt nicht für sie interessiert hat?
Alena Schröder erzählt ihre Geschichte in klarer, unaufgeregter und sehr angenehm zu lesender Sprache. Sie nimmt uns mit in zwei ganz unterschiedliche Welten und neben der Erzählung von außen, können wir auch immer wieder in das Innere der Charaktere schauen, was mir sehr gefallen hat. Mich hat die Geschichte wirklich gefesselt und fasziniert, allerdings muss ich gestehen, dass ich ein wenig Zeit brauchte, um mich darin einzufinden. Für mich war es kein unmittelbares Eintauchen und die Geschichte hat mich emotional auch lange auf Distanz gehalten. Erst gegen Ende habe ich mehr mit den ProtagonistInnen fühlen können und das fand ich eigentlich schade, wenn ich auch gestehen muss, dass eine gewisse Distanz sehr gut zum Inhalt des Textes passt. Vielleicht hat die Autorin dies also sogar so beabsichtigt?
Es gab einige Facetten der Geschichte, die ich ganz besonders faszinierend fand und ich habe festgestellt, dass ich nach der Lektüre auch immer wieder über einzelne Elemente nachgedacht habe. Der Autorin ist es meiner Meinung nach zudem gelungen, eine Geschichte zu schreiben, die unerwartete Wendungen beinhaltet und nicht abgedroschene Klischees bedient, sondern realistisch-authentische Erklärungen anbietet. Ich fühlte mich nah am „echten“ Leben, in dem eben nicht immer alles Friede-Freude-Eierkuchen ist und in dem sich Probleme oder Krisen eben nicht in rosa-rot auflösen. Trotzdem, oder gerade deshalb, durfte ich aber auch tollen persönlichen Entwicklungen beiwohnen. Besonders beeindruckt haben mich außerdem die Passagen, die künstlerische Vorgänge beschreiben. Ich hatte das Gefühl die Leinwände, das Holz und die Ölfarben riechen zu können und die beschriebenen Bilder vor mir zu sehen – richtig toll! Nicht zuletzt vereint die Geschichte eine Fülle an sehr interessanten und relevanten Themen, die die Autorin gekonnt zu einer stimmigen Geschichte vereint hat.
Für mich ist „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ ein sehr bereicherndes und lebensnahes Buch. Es war meine erste Geschichte der Autorin, sicherlich jedoch nicht meine letzte, zumal ich inzwischen entdeckt habe, dass ihre vorherigen Bücher wohl mit diesem verbunden sind und ich diese somit sehr gerne kennen lernen würde! Von mir gibt es auf jeden Fall eine herzliche Leseempfehlung, 4,5 Sterne und ich wünsche viel Freude mit diesem Buch!
Zart, feinfühlig und berührend – ein Neuanfang in Redu
Mathilde und Marie von Torsten Woywod
Während der Titel des Buches meinem Empfinden nach nicht ganz stimmig ist und trotzdem gut passt, finde ich die Covergestaltung sehr gelungen. Das Bild strahlt genau die Ursprünglichkeit und Ruhe aus, die das Dorf der Geschichte so sehr prägt und auch die Gesamtkomposition mit der Schrift des Titels und Autorennamens gefällt mir sehr.
Die Geschichte erzählt von einem ganz besonderen Ort, von noch besondereren Menschen und von der Kunst des Zuhörens sowie dem Zauber des Lesens und der Natur. Mehr möchte ich zum Inhalt eigentlich gar nicht verraten, denn jede weitere Beschreibung zusätzlich zum Klappentext, nimmt einfach zu viel vorweg. Viel schöner ist es, wenn man diese sehr zarte und feine Geschichte ganz unvoreingenommen und frisch entdecken darf.
Denn dem Autor ist es unglaublich gut gelungen eine Geschichte mit einer ganz einzigartigen Atmosphäre zu schaffen, die mich völlig gefangen genommen und begeistert hat. Zugegeben: für Leserinnen, die nach Action und Drama suchen, ist dieses Buch definitiv nicht geeignet, doch für alle Bücherfreunde, die auch die leisen Töne lieben, die Achtsamkeit und Feinfühligkeit schätzen, ist es dagegen ein Hauptgewinn! Ich habe mich in dem kleinen Bücherdorf Redu unheimlich wohl gefühlt und fand es wirklich zauberhaft zu erleben, wie die Dorfbewohner, aber auch Marie sich im Laufe der Handlung entwickeln und konnte mich ganz verlieren in dieser ganz eigenen Welt.
Mir gefällt es sehr, wie wertschätzend und als wertvoll Fähigkeiten, wie das Zuhören, aufmerksames Hinschauen, Hinspüren und die Wahrnehmung der Natur beschrieben werden und wir sehr diese Tugenden die Geschichte durchdringen. Als Bibliophile liebe ich es zudem, dass auch Bücher eine große Rolle in der Geschichte spielen und auch, wenn die Handlung recht unaufgeregt angelegt ist, geschieht doch eine ganze Menge – in der Gemeinschaft, im Dorf und im Inneren der ProtagonistInnen.
Torsten Woywod erzählt in angenehm und flüssig lesbarer Sprache und seine Wortwahl unterstreicht für mich die Stimmung der Geschichte wunderbar. Marie ist eine, wenn nicht sogar die Hauptperson der Geschichte und ich mochte sie von Anfang an sehr gerne. Doch überhaupt ist es dem Autor gelungen Charaktere zu schaffen, die mir sympathisch sind, oder es wurden, und die mich auf eine Reise der eigenen Entwicklung mitnehmen konnten – wirklich toll! Dabei sind die ProtagonistInnen liebenswert eigenwillig und erkennbar gezeichnet von ihren Erlebnissen, was ich als sehr charmant und authentisch empfinde.
Alles in allem ist „Mathilde und Marie“ für mich ein absolut lesenswertes Buch für alle FreundInnen zarter Geschichten und ich liebe es sehr! Daher empfehle ich die Geschichte von Herzen und wünsche ganz viel Freude beim Lesen!
Außergewöhnlich intensiv und bewegend
Der Morgen nach dem Regen von Melanie Levensohn
„Der Morgen nach dem Regen“ wird von einem Cover geschmückt, das mich gleich auf den ersten Blick fasziniert hat. Ich glaube, dass das vor allem an der Lichtstimmung liegt, doch auch das Bild an sich, mit der Frau, die am Fenster steht und ins üppige Grün hinaus schaut sowie von reifen Äpfeln umgeben ist, gefällt mir einfach sehr.
Die Farben wirken lebendig und fröhlich, trotzdem nicht aufdringlich und es zieht mich wirklich in die Betrachtung des Bildes hinein.
Die Geschichte hat mich jedoch noch mehr begeistert und sehr tief berührt. Ich habe das Buch bereits vor einigen Wochen gelesen und denke nach wie vor immer wieder an die Geschehnisse, die intensiv in mir nachwirken.
Johanna und ihre Tochter Elsa stehen sich überhaupt nicht nah und haben so gut wie gar keinen Kontakt, denn Elsa hadert sehr mit der Tatsache, dass ihre Mutter früher beruflich ständig unterwegs war und kaum Zeit für sie und die Familie hatte. Als Johanna viele Jahre später das Haus ihrer verstorbenen Tante am Rhein erbt, das immer ihr Sehnsuchtsort war, besucht Elsa sie unverhofft. Der Kontakt der beiden Frauen ist schwierig und problembehaftet, doch nach und nach stellen sie sich ihrer Vergangenheit…
Für mich war dies das erste Buch der Autorin, doch es wird bestimmt nicht das letzte sein, denn ich mag ihren Schreibstil sehr. Sie schafft meiner Meinung nach eine sehr dichte Atmosphäre und erzeugt einen Sog, der mich einfach mitgenommen hat. Ich hatte oft Schwierigkeiten das Lesen zu unterbrechen, da mich die Handlung so gefesselt hat, dass ich das Buch gar nicht aus der Hand legen wollte.
Melanie Levensohn erzählt so intensiv, so nahbar und so authentisch, dass ich mich wunderbar einfinden und mit den ProtagonistInnen fühlen konnte. Sowohl Johanna als auch Elsa sind mir im Laufe der Geschichte immer mehr ans Herz gewachsen und obwohl, oder gerade weil, sie zwei sehr verschiedene Persönlichkeiten sind und mit unterschiedlichen Problemen kämpfen, waren beide Charaktere für mich sehr stimmig und toll ausgearbeitet. Mit einem feinen Gespür für die kleinen Zwischentöne und Details hat die Autorin wirklich lebendige und authentische Persönlichkeiten geschaffen, die mich in ihre Gefühlswelt, ihre Abgründe, Sehnsüchte und Wünsche haben eintauchen lassen – es passiert nicht so oft, dass ich mich bei der Lektüre so intensiv mit den Figuren verbunden fühle.
Die Geschichte ist definitiv kein Wohlfühlbuch, sondern ein sehr gelungenes und tiefgreifendes Portrait einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung. Es kommen äußerst sensible Themen zur Sprache (persönliche und allgemeine), es wird gerungen und zerstört, aber gerade daher ist es auch so wunderschön, wenn wir als LeserInnen dann die Entwicklung von Johanna und Elsa erleben dürfen.
Ich kann mich nur wiederholen und versichern, dass dieses Buch einen festen Platz in meinem Herzen gefunden und mich sehr begeistert hat. Ich wünsche ihm viele weitere glückliche LeserInnen und euch viel Freude beim Kennenlernen dieser außergewöhnlichen Geschichte!
Faszinierend, spannend und interaktiv – es gibt so viel zu entdecken!
Wieso? Weshalb? Warum? Leuchte und entdecke - Weltraum von Carola von Kessel
Wir waren vom ersten Blick an begeistert von diesem Buch und das fing schon bei dem tollen Cover an. „Leuchte & Entdecke – Weltraum“ aus der Wieso?Weshalb?Warum?-Reihe ziert nämlich ein sehr spannendes Titelbild, das gleich Lust macht aufs Entdecken! Es wirkt geheimnisvoll und abenteuerlich, fängt die Dunkelheit der Nacht ein, weckt aber auch großes Interesse durch die Taschenlampe und die ansprechende Gestaltung.
Uns hat es direkt in seinen Bann gezogen und mein Neffe wollte es nicht mehr aus der Hand geben.
Wie auch bei den anderen Titeln der Reihe ist das Buch aus sehr festem Material hergestellt, das viele neugierige Kinderhände gut aushält. Eine Besonderheit, die wir bisher noch nicht kannten, sind jedoch die dunklen Folienseiten auf fast jeder Doppelseite, die durch die Nutzung der „Taschenlampe“ (im Buch enthalten) erhellen lassen. Auch, wenn es natürlich keine echte Taschenlampe ist und die Bildbereiche „nur“ durch das weiße Papier der Papp-Taschenlampe sichtbar werden, ist dieser Effekt wirklich beeindruckend und faszinierend. Er fokussiert die Aufmerksamkeit der Kinder in ganz besonderer Weise und ermöglicht ein sehr reizvolles Entdecken. Er macht zusätzlich neugierig und ist ein echtes Highlight!
Zum Glück fehlen aber auch die altbekannten Klappen auf den Seiten nicht! Sie sind meiner Meinung nach eines der Markenzeichen der „Wieso?Weshalb?Warum?-Bücher und machen uns immer wieder aufs Neue Freude. Ich finde es toll, dass das neue Highlight mit der Taschenlampe in so guten Einklang mit den bekannten Entdecker-Methoden gebracht wurde und das Buch bietet somit wirklich eine Menge Erkundungsspaß!
Die Bilder von Silke Voigt sind wirklich toll! Ich finde sie aber nicht nur ansprechend, sondern sie illustrieren die Informationen, die vermittelt werden sollen, auf wirklich sehr gelungene Art und Weise. Sie sind detailliert, ohne überladen zu wirken und ergänzen die Texte wunderbar. Auch die Farbgebung überzeugt mich und sie fangen den Zauber des Weltalls bei aller Sachlichkeit oft wunderbar ein.
Carola von Kessel hat die Texte dieses Wissensbuches verfasst und meiner Meinung nach ist es ihr sehr gut gelungen, die Informationen interessant aufzuarbeiten. Die Texte sind kurz und auf den Punkt gebracht, wirken aber trotzdem lebendig und holen die Kinder immer wieder in ihrer Lebens- und Interessewelt ab. Eine Besonderheit ist für meinen Neffen das Glühwürmchen, dass immer wieder auf den Seiten zu entdecken ist und das die Kinder direkt anspricht, zusätzliche Informationen beisteuert oder einfach humorige Kommentare abgibt.
Nicht ganz erschließt es sich mir, warum sich die Taschenlampe am Ende des Buches befindet und auch dort die Erklärungen zur Nutzung dieser zu entdecken sind – diese hätten für mich an den Anfang des Buches gehört. Doch dies tut unserer Begeisterung für dieses Buch keinen Abbruch und wir haben schon jetzt wirklich viel Zeit mit ihm verbracht. Immer wieder möchte mein Neffe das Buch noch mal anschauen, geht auf die Suche nach weiteren Details oder sucht erneut nach gezielten Stellen. Ich bin überzeugt davon, dass dieser Titel einen festen Platz im Regal bekommen wird und freue mich auf viele weitere interessant-spannende Momente mit dem Buch und meinem Neffen, denn es regt neben aller Entdeckerfreude auch zu Gesprächen an – einfach wunderbar!
Von uns erhält es eine ganz klare und überzeugte Leseempfehlung für alle kleinen und großen Weltallforscher und wir freuen uns auf weitere Bücher mit Entdecker-Taschenlampe!











