Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Sternzauber:
Beeindruckend und berührend – eine besondere Entdeckung
Elbland von Claudia Rikl
„Elbland“ von Claudia Rikl hat mich sehr begeistert und auch das Cover dieses Buches mag ich sehr gerne. Einen direkten Zusammenhang mit der Geschichte kann ich zwar nicht erkennen, aber ich die natürliche Gestaltung in Grün- und Brauntönen mit den leuchtend gelben Blumen ist unglaublich kraftvoll und schön.
Dazu passen Titel und Autorinnenname hervorragend und es ergibt für mich ein stimmiges, sehr schönes Gesamtbild, das zum Lesen einlädt.
Erzählt wird die Geschichte von Nina, die sich nach dem Tod der Mutter plötzlich völlig verloren fühlt. Jahrelang hatte sie sich um diese gesorgt und gekümmert, sich immer nach Freiheit gesehnt, doch nun kann sie diese überhaupt nicht annehmen. Spontan fährt sie ins Riesengebirge, wo die Familie vor vielen Jahren ihren letzten gemeinsamen Urlaub verbrachte und versucht auf den Spuren ihrer Mutter, die dort geboren wurde, zu ergründen, was diese erlebt hat und warum ihre Familie auseinander brach. Kann sich Nina der Vergangenheit stellen und auch herausfinden, wer sie selber eigentlich ist?
Claudia Rikl ist es in diesem Buch, das von ihrer eigenen Familiengeschichte inspiriert wurde, gelungen, mich völlig zu fesseln und in ihren Bann zu zeihen. Ich kannte die Autorin bisher nicht, wurde aber vom Klappentext angezogen und habe mich sofort in die feine, poetische und teils wunderschöne Sprache dieser Geschichte verliebt. Ich mag ihre Art zu erzählen ausgesprochen gerne und habe auch Nina sehr schnell in mein Herz geschlossen. Die ProtagonistInnen der Geschichte wirken auf mich sehr authentisch und werden individuell gezeichnet, was sie lebendig und lebensnah macht. Ich konnte ihre Zerrissenheit, ihre Trauer, ihre Verlorenheit und das Unverständnis beim Lesen so gut spüren, genau, wie all die anderen Gefühle, die in dieser prallen Geschichte eine so wichtige Rolle spielen.
Die Autorin macht es ihren Figuren nicht leicht, sondern lässt sie all das Leben, all die Gefühle, all die Vergänglichkeit aushalten, durchkämpfen und durchleiden. So ist es auch für uns LeserInnen nicht immer leicht die Geschehnisse auszuhalten, aber es lohnt sich absolut und mich hat diese Tiefe sehr begeistert. Aber es geht bei Weitem nicht nur um Schwieriges und Belastendes und es ist wunderschön Nina in ihrer Entwicklung begleiten zu dürfen. Claudia Rikl erzählt auf zarte und leise weise, verpackt darin jedoch Großes, Persönliches und Geschichtliches, das auch heute (wieder) sehr relevant ist. Zusätzlich zu all der Lesefreude habe ich so auch von Umständen im damaligen Böhmen erfahren, die mir bisher nicht bekannt waren und konnte dazu lernen, was ich als sehr bereichernd empfunden habe.
Berührt hat mich außerdem die Widmung des Buches, die insbesondere an die Großmutter der Autorin geht und die mit einem Foto dieser Frau geziert wird. Der persönliche Bezug ist in diesem Werk sehr gut zu spüren und vielleicht macht das auch einen Teil der Intensität der Geschichte aus. Für mich ist „Elbland“ jedenfalls eine ganz besondere Entdeckung, die mich tief berührt hat und auch sicherlich nachklingen wird. Ich empfehle dieses Buch von Herzen allen LeserInnen, die sich mit Nina auf die Reise machen wollen – in die Vergangenheit ihrer Familie und zu sich selbst! Viel Freude dabei!
Trude Teiges erstes Buch – einfach wunderbar!
Der Gesang der See von Trude Teige
Das Cover von Trude Teiges neuem Buch „Der Gesang der See“ gefällt mir sehr gut, denn ich liebe das maritime Bild darauf sehr und in Kombination mit dem Titel und den anderen Angaben ergibt sich eine wunderbare Einladung, um das Buch lesen zu wollen.
Erzählt wird die Geschichte von der jungen Kristiane, die mit ihrer Familie auf einer kleinen Fischer-Insel an der norwegischen Westküste lebt und die ihrem Vater verspricht, den Lotsenposten, der seit Generationen in der Familie gehalten wird, auch weiterhin zu erfüllen.
Doch als ihr Mann stirbt und sie als Frau keine Schiffe geleiten darf, gerät ihr Versprechen in Gefahr und sie muss für ihre Zukunft schwerwiegende Entscheidungen treffen…
Eigentlich ist es nicht richtig, dass ich zu Beginn über Trude Teiges „neues“ Buch gesprochen habe, denn bei „Der Gesang der See“ handelt es sich eigentlich um ihr erstes Buch, das bisher allerdings nicht in Deutschland veröffentlicht worden war. Qualitativ steht diese Geschichte der „Großmutter-Reihe“ meiner Meinung nach jedoch in nichts nach, denn auch hier gelingt es der Autorin meisterhaft eine unglaubliche Tiefe und einen Sog in der Geschichte zu verorten, die mich regelrecht in das Geschehen hinein zieht. Ich durfte sehr intensiv mit den ProtagonistInnen fühlen (vor allem mit Kristiane) und finde sie authentisch sowie stimmig individuell gezeichnet. Das Inselgefüge mit all seinen Eigenheiten und bunten Charakteren wird wunderbar lebendig beschrieben und auch die Landschaft konnte ich mir beim Lesen sehr gut vorstellen. Zudem fand ich sehr interessant in eine ganz andere Zeit und mir unbekannte Welt eintauchen zu dürfen, die so eindringlich beschrieben und zum Leben erweckt wurde.
Irgendetwas an der Stimme dieser Geschichte empfinde ich trotzdem als ganz anders, als in den Geschichten der Großmutter-Reihe, ich kann jedoch leider nicht benennen, was das ist und dieses Empfinden nehme ich auch überhaupt nicht negativ war – „Der Gesang der See“ ist einfach eine ganz andere Geschichte, die aber absolut genau so lesenswert und wunderbar ist, wie die anderen Bücher von Trude Teige und ich freue mich sehr darauf, dass es ab August 2026 ein weiteres Buch geben soll, das die Geschichte rund um Kristina weiter erzählen wird.
Ideenreichtum für einen naturnahen Garten
Mein wilder, bunter Garten - Einfach naturnah gärtnern von Silvia Hardt
Ich mag das Cover von Silvia Hardts Buch „Mein wilder, bunter Garten“ sehr gerne. Es zeigt bereits einen Ausschnitt aus ihrem grünen Reich und dieser sorgt bei mir bereits auf den ersten Blick für große Lust aufs Gärtnern. Ein Highlight sind dabei für mich die Laufenten, die durchs Bild huschen und es, sowie den Garten, noch viel lebendiger erscheinen lassen.
In Kombination mit der modernen Schrift ergibt sich eine wunderbare Covergestaltung, die zum Entdecken einlädt und neugierig macht.
Aber auch das Buch an sich ist sehr hochwertig und ansprechend gestaltet. Im Inneren finden sich viele wunderschöne und anregende bunte Bilder aus dem Garten der Autorin und hier und da gibt es auch Zeichnungen, um einen Sachverhalt zu verdeutlichen. Die Texte sind gut gegliedert und ansprechend unterteilt, immer wieder fassen Tabellen Wissen kompakt zusammen und in „Hinweis-Blasen“ werden Informationen gestalterisch hervorgehoben. Jede Seite sieht anders aus und so bleibt das Entdecken im Buch immer spannend und abwechslungsreich. Ganz zu Beginn gibt es zudem eine übersichtliche Inhaltsangabe, mit der sich gesuchte Themen schnell finden lassen, es macht aber auch wirklich Spaß sich einfach treiben zu lassen und sich ungeplant auf den Seiten umzuschauen.
Silvia Hardt präsentiert uns LeserInnen zunächst Grundwissen zu naturnahen Gärten, um uns dann an Hand ihres grünen Paradieses die einzelnen Lebensräume eines solchen vorzustellen. Dabei überschneiden sich natürlich manche Inhalte und es ergibt sich ein stimmiges Bild. Sehr gut gefällt mir, dass die Autorin nicht auf Perfektion, oder darauf pocht, dass möglichst schnell viel verändert werden muss, um einen eigenen wilden Garten zu gestalten. Sie vermittelt vielmehr ganz entspannt, dass jede Maßnahme für einen naturnahen Bereich hilfreich und sinnvoll ist, wodurch sie meiner Meinung nach wunderbar Barrieren abbaut und Zugänge ermöglicht. In den gleichen Bereich fällt für mich z. B. auch die Aussage, dass Vielfalt wertvoller ist als die Maßgabe, dass ausschließlich einheimische Pflanzen genutzt und gepflanzt werden sollten und nichts desto trotz finden sich zum Abschluss des Buches Portraits einheimischer Wildpflanzen, die laut Autorin für einen naturnahen Garten wertvoll sind.
„Mein wilder, bunter Garten“ ist ein wunderschön gestaltetes Buch, mit vielen Tipps für Einsteiger und neugierige Gartenenthusiasten, die Lust haben sich auf niederschwellige Art und Weise mit der Idee eines naturnahen Gartens auseinander zu setzen. Für mein Empfinden braucht es für die Umsetzung an der ein oder anderen Stelle vielleicht weitergehende Literatur für Anfänger, aber zum Schmökern, Genießen und Ideensammeln ist dieses Buch wunderbar geeignet. Mir hat es große Freude gemacht den Garten von Silvia Hardt mit all den pflanzlichen und tierischen Bewohnern auf so sympathische und schöne Art kennen lernen zu dürfen und ich empfehle dieses Buch von Herzen gerne weiter – viel Freude beim Entdecken!
Freud und Leid auf dem Bauernhof in der Steiermark
Gekommen, um zu bleiben von Madeleine Becker
Ich mag das Cover von „Gekommen, um zu bleiben“ von Madeleine Becker sehr gerne. Das viele Grün und die Tiere erzeugen bei mir unmittelbar große Lust aufs Landleben und ich finde es auch schön, die Autorin gleich auf den ersten Blick ein wenig kennen lernen zu können. Die Gestaltung insgesamt strahlt dabei eine wunderbar harmonische Mischung aus ländlicher Nostalgie und Moderne aus, was mir sehr gefällt.
Und auch im Inneren des Buches erwartete mich eine sehr gelungene Gestaltung, beginnend in der Klappe, wo ich einen Plan des Hofes vorgefunden habe. In der hinteren Klappe wird zudem die Wald-WG vorgestellt und beides ist wundervoll individuell und kreativ umgesetzt. Außerdem bietet es mir Orientierung und nähere Einblicke, was ich sehr schätze. Außerdem gibt es zwei Bildteile, die mit vielen bunten Bildern der Tiere, des Hofes und der Menschen dazu aufwarten, was mir ebenfalls sehr gefällt.
Im Text erzählt Madeleine Becker von ihrem Neuanfang und von ihrem Ankommen in ihrem „Haus am Wald“. Mit ihrem Partner Lukas und etlichen Tieren ist sie vom Bauernhof ihrer Schwiegereltern in die Steiermark geflohen und hat dort mit ihnen ihr eigenes kleines Paradies am Waldrand geschaffen. Dieses ländliche Idyll ist jedoch keines Wegs frei von Chaos, Katastrophen, Verlusten und Herausforderungen und doch auch gesegnet mit ganz viel Freude, Zuversicht, Tierliebe, Mut und Glück im Moment.
Ich kenne keines der vorherigen Bücher der Autorin und auch ihre Beiträge des Bloggs @frau_freudig sind mir nicht bekannt. Trotzdem war ich sehr neugierig auf dieses Buch und darf nach der Lektüre verraten, dass ich eine anregende, interessante und auch berührende Lesezeit hatte. Madeleine Becker erzählt in sehr angenehmer Art und Weise, die mir das Gefühl gibt, dass sie mir ganz persönlich von ihrem Leben im Haus am Wald erzählt. Dabei hat es mich überrascht, wie offen sie ihr Leben, ihre Gefühle und Gedanken mit uns LeserInnen teilt und war immer wieder davon berührt – sowohl von Glück und Erleichterung, als auch von Angst und Schmerz. Sie lässt uns wirklich in ihre Welt eintauchen und so fahnden wir am Berg nach den entlaufenen Kühen, verjagen mit ihr den Bussard, der es auf die Hühner abgesehen hat, verfallen dem neuen Kater Theo und versinken im Schlamm, freuen uns über das erste Gemüse und über den Besuch enger Freunde, hadern mit Ungerechtigkeiten und versinken im Chaos immer neuer Anforderungen. Nicht zuletzt musste ich an mancher Stelle auch wirklich laut lachen, weil es einfach zu komisch war, was „Tier“ da so veranstaltet hat.
Neben all den Anekdoten aus der Lebensgemeinschaft des Hofes, gibt es aber auch immer wieder Einordnungen von universellen landwirtschaftlichen Themen. Ich kann diese inhaltlich überhaupt nicht beurteilen, empfinde die Aussagen der Autorin jedoch als stimmig und sie wirken gut recherchiert. Mir haben sie vor allem mansch neuen Einblick geschenkt, denn viele Dinge wusste ich nicht, oder war mir deren Zusammenhänge nicht bewusst. Eine wunderbare Ergänzung ist zudem der Anhang des Buches, in dem es eine Liste zu Tiersichtungen auf dem Gelände des Hofes, sowie ein Glossar mit Begriffen gibt, die vielleicht nicht jedem Leser geläufig sind. Zudem gibt es ein einladendes und erklärendes Vorwort sowie eine Playlist zum Buch – ein tolles Gesamtpaket!
Auch wenn das Landleben mit den Tieren und dem eigenen Gemüseanbau ein zentrales Thema dieses Buches ist, so geht es doch auch ganz generell um einen Neuanfang, darum sich selber (wieder) zu finden, behutsam mit sich und seiner Umwelt umzugehen und seinen eigenen Weg bzw. Platz in der Welt zu finden. Daher kann ich dieses Buch nicht nur allen LeserInnen empfehlen, die Interesse an „tierischen Themen“ haben, sondern glaube, dass die allermeisten Identifikationspunkte in den alltäglichen und lebensnahen Inhalten finden werden – viel Freude bei eurer Reise in die Steiermark!
Mütter und Töchter
Das gute Leben von Nadine Schneider
„Das gute Leben“ von Nadine Schneider wird von einem Cover geziert, das mir sehr gut gefällt. Wenn man die Geschichte gelesen hat, weiß man, warum, die Weinblätter wunderbar zum Buchinhalt passen und ich bin sehr fasziniert von der Verflechtung dieser mit den Buchstaben des Titels, die für mich ein wunderschönes Bild ergeben.
Und auch die Farbgestaltung ist für meinen Geschmack sehr gelungen.
Die Geschichte erzählt von Christina, die das Haus ihrer Großmutter erbt und so an den Ort zurück kommt, an dem sie aufgewachsen ist. Eigentlich möchte sie das Haus ausräumen, kann sich jedoch nicht dazu überwinden und taucht stattdessen in das Leben der Frauen ihrer Familie zwischen Rumänien und Deutschland ein.
Nadine Schneider schreibt diese Geschichte in gut lesbarer und flüssiger Sprache, ich muss jedoch leider gestehen, dass mich ihre Art der Erzählung zum Großteil nicht so wirklich berührt hat. Irgendwie bleibt die Handlung für mich in weiten Teilen auf Distanz und als Leserin war ich oft nur unbeteiligte Zuschauerin. Das ist wirklich schade, denn die Geschichte hat an sich viel Potenzial und auch wirklich gute Momente.
So richtig nah ist mir keine der vier Frauen während der Lektüre gekommen und doch haben mich die unterschiedlichen Leben - von der Urgroßmutter bis zur Enkelin – sehr interessiert. Nadine Schneider webt ein fein verknüpftes Bild der familiären und emotionalen Bindungen dieser Frauen und auch, wenn diese stark problembehaftet und wenig liebevoll sind, spürt man doch, wie sehr diese an den Protagonistinnen ziehen und zerren und wie sehr sich alle 4 nach Unterstützung, Verständnis, Zugehörigkeit und Liebe sehnen. In diesen Punkten hat es die Geschichte dann doch geschafft mich zeitweise zu erreichen.
Das Hauptthema ist sicherlich die Beziehung zwischen den verschiedenen Frauen einer Familie und dazu gehören hier auch Verlust (der eigenen Identität) und Zurücklassen, Trauer, Unzufriedenheit, fehlende Liebe und Zuneigung, Sprachlosigkeit, Orientierungslosigkeit, Sehnsucht und viele andere Gefühle. Die Geschichte ist sehr melancholisch und geprägt von der Verlorenheit der Figuren, was für mich im Rahmen der Handlung ein stimmiges Bild ergibt. Und ich mag es auch sehr, dass die Geschichte auf verschiedenen Zeitebenen spielt, die wirklich gelungen miteinander verbunden sind.
Wie auch bei anderen Punkten, habe ich das Ende als ambivalent empfunden. Auf der einen Seite passt es gut zur Geschichte und endet mit einem passend gesetzten Punkt, auf der anderen Seite lässt es mich doch mit vielen Fragen zurück. Mein Empfinden zu diesem Buch ist für mich selber nicht leicht einzuordnen und irgendwie zwiespältig: Ich habe es einerseits gerne gelesen, würde es aber momentan nicht erneut zur Hand nehmen und fühle mich andererseits in einigen Punkten nicht so wirklich wohl damit… Daher vergebe ich 3,5 Sterne und wünsche euch viel Freude beim eigenen Entdecken!
Erinnerungsarbeit und Innenschau
Ich möchte zurückgehen in der Zeit von Judith Hermann
Das Cover von Judith Hermanns Buch „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“ gefällt mir sehr. Die offene Türe auf dem Bild hat eine sehr hohe Symbolkraft und auch die Kombination mit Titel und Autorinnennamen ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Das gebundene Buch wirkt hochwertig und sehr stimmig.
Erzählt wird davon, dass die Autorin den Spuren ihres Großvaters folgt, der zur Zeit der Nationalsozialisten in der Waffen-SS eingesetzt war. Er hat sich während des zweiten Weltkrieges im polnischen Radom aufgehalten, wovon ein Foto zeugt und so macht sich die Autorin auf, um diesen Ort kennen zu lernen und mehr über diesen Mann, der ihr Vorfahre war, zu erfahren. Später reist sie weiter zu ihrer Schwester und deren Familie nach Neapel und spürt dort dem „Erinnern und Vergessen der folgenden Generationen nach“ (Zitat Klappentext).
Ich kannte bisher keine Texte der mehrfach preisgekrönten Autorin, war aber wirklich gespannt auf ihr Buch, zumal mich das Thema sehr interessiert. Judith Hermann hat mich mit einer Sprache überrascht, die einerseits sehr klar und schnörkellos daher kommt, andererseits aber viele Leerstellen offen lässt. Ich habe diese Erzählweise als stimmig zum Inhalt empfunden, muss aber auch gestehen, dass ich mich teilweise etwas schwer getan habe damit, weil ich mich etwas zurückgelassen fühlte. Ich hätte manchmal gerne näher an sie herangedurft und wurde doch irgendwie auf Distanz gehalten, bevor sie mich im nächsten Moment sehr intensiv in ihre Erzählung hinein gezogen hat. Für mich ein etwas ambivalentes und doch beeindruckendes und faszinierendes Erlebnis.
Judith Hermann wirft sehr bedeutsame und interessante Fragen auf, die mich während und nach der Lektüre beschäftigt haben und gerade in heutigen Zeiten finde ich es sehr wichtig, dass das Erinnern, das Hinschauen nicht in Vergessenheit gerät und das wir uns mit unserem Erbe auseinandersetzen. „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“ ist keine leichte Lektüre und sie fordert uns LeserInnen, macht aber aufmerksam auf wichtige Umstände und hallt nach – viel Freude beim Lesen!
Pflanzenliebe und Geheimnisse, jedoch mit ausbaufähigen Elementen
Emilia Blumenherz, Band 1 - Das geheime Pflanzeninternat von Usch Luhn
Das Cover dieses ersten Bandes über Emilia Blumenherz gefällt mir und meiner Nichte sehr. Es ist wirklich wunderschön mit den bunten Farben und den zauberhaft filigranen Goldverzierungen, die die Gestaltung noch zusätzlich aufwerten. Im Inneren sind immer wieder schwarz-weiß Zeichnungen zu finden, die sehr weich wirken und uns ebenfalls sehr gut gefallen.
Sie illustrieren die Handlung auf sehr schöne Weise und brachten uns noch mehr in die Welt von ganz besonderen Pflanzenliebhabern.
Erzählt wird in „Emilia Blumenherz – Das geheime Pflanzeninternat“ von Emilia, die mit ihren Eltern auf einer geheimen Insel lebt, auf der wertvolle Pflanzen geschützt und erhalten werden. Sie führt ein sehr glückliches Leben dort und liebt vor allem den Umgang mit ihren tierischen Freunden, doch eines Tages erfährt sie, dass sie in ein Pflanzeninternat gehen soll, wo ihre wichtigste Aufgabe darin besteht, eine sehr wertvolle und bedrohte Pflanze zu beschützen. Doch eines Morgens ist diese Pflanze einfach weg … und nun?
Usch Luhn schreibt in angenehmer und kindgerechter Sprache, so dass das Lesen wirklich Freude macht. Doch ich muss leider gestehen, dass mir die Geschehnisse an vielen Stellen zu oberflächlich blieben und auch dramatische Handlungen oft so schnell abgehandelt wurden, dass sie mich nicht wirklich mitgenommen haben. Ich mag Emilia und auch andere Kinder des Internats sind mir durchaus sympathisch, der Autorin gelingt es aber leider nicht so recht, mich richtig mit ihnen fühlen zu lassen und das ist sehr schade. Denn die Geschichte an sich und sehr viele der magisch-fantastischen Besonderheiten sind wirklich super und absolut überzeugend, jedoch leider eben für meinen Geschmack nicht stark genug ausgearbeitet. Auch bei meiner Nichte musste ich feststellen, dass sie zwar gerne weiter gelesen hat, jedoch nicht wirklich begierig darauf war zu erfahren, wie es weiter geht und sie nicht wirklich gefesselt war…
Für uns wurde das Potenzial der Geschichte nicht ganz ausgeschöpft und doch möchten wir gerne erfahren, wie es weiter geht, so dass wir uns auf den zweiten Band im Juli freuen. Wir empfehlen dieses Buch für alle PflanzenfreundInnen, die Lust auf eine ruhige Geschichte mit tollen magischen Elementen haben, können auf Grund unserer Kritikpunkte jedoch keine volle Sternenzahl vergeben, sondern entscheiden uns für 3,5 Sterne – viel Freude beim Lesen!
Gefährlich, sehr lustig und richtig toll!
Dieses Buch ist gefährlich von Ben Clanton
Was für ein tolles Cover dieses interaktive Bilderbuch doch hat! Es weckt unmittelbar die wohlig-gruselige Vorfreude auf dieses gefährliche Buch und verführt regelrecht dazu herausfinden zu wollen, was denn da so los ist. Mir persönlich gefällt zudem die sehr reduzierte Farbwahl ausgesprochen gut und auch die klare Bildsprache sowie die gefälligen Buchstaben des Titels entsprechen meinem Geschmack sehr.
Im Buch wird es deutlich bunter, doch das bereits gelobte Konzept wird beibehalten. So bleibt die Bildsprache klar und reduziert, zeigt sich jedoch auch sehr aussagekräftig und fesselnd. Die Gefühle der kleinen Qualle sind wunderbar leicht zu erkennen und auch die Elemente, die für die Handlung entscheidend sind, sind immer sehr präsent. Die Bilder sind abwechslungsreich gestaltet und wirklich beeindruckend, so dass es nie langweilig wird und zwischen Text und Bild besteht eine wunderbare Einheit.
Das Bilderbuch lässt uns die kleine Qualle kennen lernen, die wir bereits auf dem Coverbild sehen und wir erfahren, dass sie einfach nur weg möchte aus diesem Buch, da sie nichts Gefährliches machen will. Doch auf ihrer Flucht schlittert sie in lauter gefährliche Situationen hinein, die wir mit ihr miterleben dürfen.
Dabei erleben wir die Geschichte nicht so, wie wir es aus anderen Büchern kennen, in dem etwas erzählt wird, sondern die kleine Qualle wendet sich von der ersten Seite an ganz direkt an uns und spricht mit uns! Sie berichtet, schlägt vor und gibt auch ganz klare Anweisungen, doch natürlich macht es besonders großen Spaß genau das zu tun, was die Qualle uns so eindringlich verbietet. Mein Neffe und ich haben unglaublich viel gelacht, wenn er die Kanone eben doch berührte oder sich entgegen der Anweisungen bewegte und laute Geräusche machte. Natürlich zielt die Handlung der Geschichte genau auf dieses Verhalten ab und es war wirklich spürbar, wie die Spannung in meinem Neffen stieg und er ganz begierig darauf war zu erfahren, was nun passieren würde – herrlich! Am Ende wurde uns sogar verboten, das Buch erneut zu beginnen, was wir aber selbstverständlich ignoriert und das Abenteuer gleich mehrfach hintereinander und seit dem immer wieder erlebt haben.
Besonders toll finde ich auch, dass das Ende dieses aufregenden und gefährlichen Abenteuers sehr „süß“ gestaltet wurde und so mit einem wohligen Gefühl endet. So können auch feinfühlige Kinder viel besser mit der Spannung und Aufregung der Handlung umgehen und das Leseabenteuer mit positiven Emotionen abschließen. Mein Neffe und ich sind auf jeden Fall absolute Fans dieses Buches und empfehlen es von Herzen allen kleinen und großen Abenteurern weiter!
Eine blumig-romantische Wohlfühlgeschichte
Der schwimmende Blumenladen von Amsterdam von Annabel French
Der Titel passt bei „der schwimmende Blumenladen von Amsterdam“ wunderbar zur Geschichte und gewährt einen ersten Einblick in diese, was ich sehr mag. Und auch die Covergestaltung gefällt mir sehr, denn die kräftigen Farben unterstreichen das Blumenthema sowie die spritzige Lebendigkeit des Romans sehr gelungen.
Und zudem gefällt es mir sehr, dass es trotz der verschiedenen Elemente nicht überladen ist und hervorragend mit den anderen Titeln der Reihe harmoniert, die im Buchumschlag zu sehen sind und die in den nächsten Monaten erscheinen werden.
Aber nun erst einmal zu dieser Geschichte, die von Rosie erzählt. Eigentlich lebt sie in London, findet dort aber nicht so wirklich ihren Platz in der (Berufs-)Welt und entscheidet sich recht spontan dazu, nach Amsterdam auszuwandern und dort einen Stand auf dem berühmten Bloemenmarkt zu betreiben. Trotz der Bedenken ihrer Familie gelingt ihr der Start ganz gut, doch ein anderer Händler macht ihr das Leben schwer und auch mit ihrem mürrischen Nachbar gerät sie immer wieder aneinander, denn der Künstler stört sich an Rosies lauter und fröhlichen Art. Und trotzdem findet Rosie ihn irgendwie ziemlich anziehend…
Annabel French war mir bisher überhaupt nicht bekannt, aber mit dieser blumigen Wohlfühlgeschichte hat sie mich wirklich überzeugt. Sie schreibt in sehr angenehm leicht-lockerer Sprache, die zur Art der Geschichte passt und hat mir Charaktere vorgestellt, die interessant sind. Rosie habe ich mit ihrer sehr positiven, zupackenden und immer optimistischen Art sofort ins Herz geschlossen und ihr sofort gewünscht, dass ihr Abenteuer gelingt. Um mit Max, dem mürrischen Künstler, warm zu werden, habe ich ein wenig länger gebraucht, aber seine Verhaltensweisen werden im Laufe der Geschichte immer verständlicher. Auch die anderen ProtagonistInnen der Geschichte sind für mich stimmig und passend eingewogen und das Setting in Amsterdam ist wundervoll beschrieben. An Hand der Geschichte hatte ich immer wieder das Gefühl selber mit Rosie durch die Straßen Amsterdams zu laufen und das leise Plätschern der Grachten zu hören. Eine tolle Ergänzung war an diesem Punkt eine Karte der Stadt, die in den vorderen Buchumschlag eingefügt ist und mir eine gute Orientierung in Stadt und Geschichte ermöglicht hat.
Wie bereits erwähnt, handelt es sich um eine absolute Wohlfühlgeschichte ohne stark belastende Inhalte. Und doch gibt es verschiedene Themen, die der Handlung eine gewisse Lebensnähe schenken und die allzu rosa-rote Brille vermeiden. Ja, ich muss zugeben, dass einige Punkte nicht besonders realistisch dargestellt sind (was Möglichkeiten oder Zeitabläufe angeht), aber das ist in einer solchen Geschichte in Ordnung für mich und unterstreicht den angenehmen „Wohlfühl-und-einkuschel-Faktor“ noch einmal. Eine Geschichte, die sich sicherlich wunderbar für gemütliche Lesestunden in der Frühlings- und Sommersonne eignet, mir aber auch jetzt im Winter ein paar warme Sonnenstrahlen aufs Sofa gezaubert hat. Ich empfehle „Der schwimmende Blumenladen von Amsterdam“ allen LeserInnen, die Lust auf einen spritzig-lebendigen Neuanfang in einer faszinierenden Stadt und romantische Begegnungen haben und freue mich auf die weiteren Bände der Reihe – viel Freude beim Lesen!
Persönliche Entwicklung und Neuausrichtung einer Ehe – intensiv und authentisch
Die Liebe, später von Gisa Klönne
Der Titel fühlt sich für mich etwas sperrig an, aber ich mag das Cover von „Die Liebe, später“ mit dem abgewandten Frauengesicht und den harmonischen Farben. Dieses Bild alleine enthält schon eine Geschichte und das gefällt mir sehr.
Gisa Klönne erzählt in diesem Buch die Geschichte von Kora und Anselm.
Die beiden sind glücklich verheiratet und führen ein perfekt austariertes Leben zwischen Nähe und Distanz. Doch dann muss sich Kora einer schweren Herz-OP unterziehen und ihr ganzes Leben gerät aus den Fugen. Sie weiß nicht mehr, wer sie ist und was sie (noch) kann. Ihr Alltag, ihr Beruf und auch ihre Ehe stehen auf dem Prüfstand und während Anselm die Rente einreicht, Zeit mit Kora verbringen und sich den Traum eines Libellenteiches erfüllen will, flüchtet sie und beschäftigt sich mit Menschen, Erlebnissen und Gefühlen aus der Zeit als junge Frau…. Ob die Beiden sich selber und wieder zueinander finden werden?
Ich kannte bisher kein Buch der Autorin und wusste daher gar nicht, was mich bei dieser Lektüre erwartet. Somit wurde ich sehr positiv davon überrascht, dass Gisa Klönne in sehr angenehm flüssigen Stil schreibt, umgehauen hat mich jedoch die Intensität ihres Textes: Ich konnte in der Lektüre ganz in Koras Gedanken- und Gefühlswelt eintauchen, mit ihr fühlen, mit ihr zweifeln, hadern und neue Hoffnung schöpfen – denn die Geschichte wird aus ihrer Sicht erzählt. Ich war so nah an ihr dran und Gisa Klönne ist es gelungen sie so authentisch zu zeichnen, dass ich nie irritiert war – all ihre Handlungen, Gefühle, Gedanken und Zerrissenheiten, waren, wenn auch natürlich nicht immer logisch, für mich absolut nachvollziehbar und stimmig. Ich durfte mit Kora durch ihr Leben reisen, konnte durch Erfahrungen in früheren Jahren immer besser verstehen, warum sie sich nun fühlt, wie sie es eben tut und sie immer besser kennen lernen.
Aber neben den individuellen Belangen Koras, spielt auch die Ehe mit Anselm eine wesentliche Rolle im Buch. Es wird wunderbar deutlich, wie sehr sich die Gefühle und Bedürfnisse des einzelnen Menschen auf die Beziehungsqualität auswirken und wie sehr Veränderungen ein erfolgreiches und harmonisches Gefüge (zer-)stören können. Ich kenne bisher kein anderes Buch, das die fragile Beständigkeit einer Ehe so feinfühlig, so intensiv und so gekonnt einfängt und das Höhen und Tiefen so sensibel ausleuchtet.
Die ProtagonistInnen dieser Geschichte befinden sich in einem ganz anderen Lebensabschnitt als ich, beschäftigen sich mit ganz anderen Herausforderungen und stehen an anderen Wendepunkten – und doch hat mich die Geschichte erreicht, stark berührt und in ihren Bann gezogen, ich konnte mich mit Kora identifizieren. Besonders toll finde ich auch kleine Einschübe im Fluss der Geschichte, die immer wieder 5 Dinge aufzählen, die Kora und ihre Ehe noch näher beschreiben. Für mich ist dies ein tolles Element, das der Intensität noch mehr Tiefe verleiht und ich mochte es auch sehr, dass die Geschichte immer wieder aus verschiedenen Zeiten berichtet. So erfahren wir LeserInnen Geschehnisse aus dem Jetzt, genau so, wie aus der Zeit der OP und Rehabilitation oder aus früheren Jahren.
„Die Liebe, später“ ist für mich ein sehr lebendiges, intensives und authentisches Portrait einer Ehe, aber auch und vor allem einer sehr persönlichen Entwicklung. Es geht um Veränderungen, Neuanfänge, den Sinn des Lebens, eigene Bedürfnisse, Gefühle, die Aufarbeitung der Vergangenheit und Verluste, aber auch um Hoffnung, zweite Chancen und neue Möglichkeiten und um die Liebe in all ihren Facetten. Gisa Klönne ist ein sehr dichter und außergewöhnlicher Roman gelungen, der mich zum Nachdenken anregte und den ich von Herzen weiter empfehlen möchte – viel Freude beim Eintauchen!











