Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ulla:
was man bereit ist für sein Traum aufzugeben
Atmosphere von Taylor Jenkins Reid
Joan Goodwin ist eine beliebte und angesehene Astrophysikprofessorin, ihre ganze Leidenschaft gilt den Sternen. Als sie 1980 von ihrer Schwester erfährt, dass die Nasa jetzt auch Frauen für die Raumfahrt ausbildet will sie dabei sein. Auch wenn es heißt das sie sich von ihrer Familie, besonders von ihrer kleinen Nichte Frances, trennen muss.
Sich in einer von Männern dominierten Welt durchzusetzen ist das eine, die Ausbildung an sich verlangt ihr körperlich so einiges ab. Kollegialität und Missgunst wechseln sich ab bis die Gruppe für das neu geschaffene Space Shuttle Programm zusammenfindet und merkt, dass man sich auf den anderen bedingungslos verlassen können muss. Ein zukünftiger Astronaut lebt nicht ungefährlich, auch bei Tests kann einigen misslingen. Zu den Sternen zu fliegen darf sie nur mit einem untadeligen Ruf, es darf nicht herauskommen das sie die ebenfalls im Nasa Programm befindliche Pilotin Vanessa liebt. Für die damalige Zeit in den USA wäre von beiden der Traum dann zu Ende. Als ihre Schwester als Alleinerziehende mit ihrer Tochter überfordert ist nimmt Joan diese bei sich auf. Noch mehr Verantwortung und Heimlichtuerei.
Die, damals verbotene, Liebesgeschichte steht im Vordergrund der Handlung, doch so nebenbei erhalten wir interessante Einblicke ins Universum und das Nasa Programm für Astronauten, das zwar fiktiv ist, in dieser Zeitrahmen jedoch wirklich stattgefunden hat. Zusammenhalt und Kollegialität, Fürsoge für andere, Mut und Opferbereitschaft, was man für seinen Traum aufzugeben bereit ist, sind Themen, die einen großen Raum einnehmen. Sehr gut geschrieben, leicht lesbar, spannend und mit einen hoch interessanten Hintergrund versehen.
Politiksatire
Das Geschenk von Gaea Schoeters
Berlinerinnen und Berliner reiben sich verwundert die Augen als sie Elefanten durch die Stadt ziehen sehen. Und bei ein paar bleibt es nicht. 20.000 Tiere leben plötzlich, wie auch immer sie nach Deutschland gelangt sind, in und um Berlin. Sie sind ein Geschenk aus Botswana nachdem die deutsche Regierung die Einfuhr von Jagdtrophäen, insbesondere Elfenbein, verboten hat.
Die Probleme, die Botswana mit einer zunehmenden Population von Elefanten hat wird ignoriert. Nun steht die deutsche Regierung mit dem Bundeskanzler Winkler vor der schwierigen Aufgabe das Leben der Menschen und Elefanten zu koordinieren. Zurückschicken darf er die Tiere nicht.
Politische Machtkämpfe, die die Rechten befeuern, Landwirte mit zerstörten Feldern, Autounfälle mit erheblichen Personenschaden, folgen. Die Elefanten haben einen großen Futterbedarf und ebenso viel Ausscheidungen. Ein Chaos folgt auf dem anderen. Doch es gibt auch gute Seiten, die Natur erblüht.
In erster Linie ist der kurze Roman eine Politiksatire, Elefanten können in unserem Klima in freier Natur nicht überleben. Der Ursprung des Elfenbeinembargos und die Drohung aus Botswana, 20.000 Elefanten nach Deutschland zu entsenden, ist real. Der Schreibstil gefällt mir ausgesprochen gut und der Inhalt lässt einen nachdenklich zurück.
ernsthaft und humorvoll
Sputnik von Christian Berkel
In diesem dritten Teil über die Familiengeschichte Christian Berkels geht es hauptsächlich um ihn selbst. Autobiografisch angehaucht erleben wir den starken Beginn seines Lebens. Wie er im Mutterleib zu wachsen beginnt, wie er bei der Geburt in Atemnot gerät, wurde sehr stark und anschaulich erzählt.
Er bekam den Spitznamen Sputnik, da kurz vor seiner Geburt der russische Satellit Sputnik für Furore sorgte. Seine Eltern und seine Schwester Ada, über deren Leben in den vorherigen Bänden umfangreich berichtet wurde, werden, damit man problemlos ohne die anderen Bücher zu kennen der Handlung folgen kann, kurz vorgestellt. Wir erleben die Kindheit und Jugend bis zu den ersten Auftritten als Schauspieler mit, seine Zerrissenheit in allem nur halb zu sein, seine selbst gewählte Schulzeit in Paris, seine erwachende Sexualität und die erste Liebe. Der Wunsch, Schauspieler zu werden wurde von der kunstsinnigen Mutter früh durch das Hören von Schauspielplatten gefördert und so setzt er alles daran in Paris Theaterschauspieler zu werden. Er spricht perfekt französisch, doch seine Muttersprache lässt sich nicht verleugnen und er kehrt nach Deutschland zurück.
Der Roman beleuchtet einerseits das Leben Christian Berkels, andererseits erleben wir die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen in Deutschland mit. Die Verdrängung der Nazizeit bis zur RAF wird uns anhand dieser Familie wie ein Spiegel vorgehalten. Ernsthaft und humorvoll, bildgewaltig geschrieben.
verlassene Wohnwagensiedlung
Die Nacht von Marc Raabe
Dies ist nun der dritte Teil der Art Mayer Serie und es ist gut, die Vorgängerromane zu kennen. Die Rahmenhandlung baut aufeinander auf. Der Ermittler Art Mayer wohnt im gleichen Haus wie die achtjährige Milla, deren Mutter Dana vor einiger Zeit spurlos verschwand. Millas Oma wird zunehmend dement und Milla versucht alles, damit es keiner merkt.
In der Schule wird sie gemoppt und beobachtet, die Kampftechniken, die sie von Art gelernt hat, bringen ihr noch zusätzlich Probleme in der Schule ein. Art sucht intensiv nach Dana, bis er einen Tipp zu einer verlassenen Wohnwagensiedung erhält und dort einen angesehenen, gegen die rechte Szene ermittelnden Richter ermordet auffindet. Bei seinen inzwischen nur noch privaten Ermittlungen hat er Unterstützung von Nele Tschaikowski, die gerade in Elternzeit ist. Sie finden heraus, das Dana und der Ermordete sich in Jugendjahren kannten und dass in dieser Siedlung vor 15 Jahren Danas Halbbruder spurlos verschwand.
Einiges an diesem Fall wird arg konstruiert, die Handlungen mancher Personen wenig nachvollziehbar und unrealistisch, dennoch ist ein Thriller, den man kaum aus der Hand legen kann. Der Schreibstil und die Spannung sind äußerst gelungen und man will wissen, wie es mit Art und der kleinen Milla weitergeht.
Innenleben zweier Menschen
Unsere Suche nach Zärtlichkeit von Martin Ehrenhauser
Tagsüber arbeitet Sebastian Dumont in seinem eigenen Uhrmachergeschäft, das er von seinen früh verstorbenen Eltern übernommen hat. Seine meist schlaflosen Nächte verbringt er teils mit Anrufen bei seinem einzigen Freund, einem ebenfalls unter Schlaflosigkeit leidenden Arzt, teils als Telefonseelsorger.
Die Schicksale der Menschen lassen ihn nicht los, es sind es gelangweilte, die immer wieder anrufen und manche, die sich über Alltagsnichtigkeiten auslassen. Der Sturz von einem Dach, den er nicht verhindern konnte bewirkt, dass er nun bei dem verzweifelt klingendem Anruf einer Frau selbst aktiv werden möchte. Er nimmt eine Auszeit, schließt sein Geschäft ab und fährt von Brüssel ins südfranzösische Antibes um sich auf die Suche nach dieser Unbekannten zu begeben. Er trifft im Museum auf eine Frau, die ihn anzieht, die er kennenlernen möchte. Beide leben schon lange allein und es dauert, sich auf einen anderen einzulassen, sie haben eine unbeschwerte Zeit bis Sebastian ihr Geheimnis enthüllt.
Er, der Korrekte, muss sich seinen Vorurteilen und Verhaltensmustern stellen, wie weit kann er sein eigenes Leben und seine Wertvorstellungen ändern?
Ein sehr langsamer und ruhiger, unaufgeregter Schreibstil nimmt uns mit in das Innenleben zweier Menschen, die auf der Suche nach Zärtlichkeit sind.
berührend ehrlicher Roman
Verheiratete Frauen von Cristina Campos
Die Hauptpropagandistin Gabriela ist eine freie Journalistin mit einer wöchentlichen Kolumne mit dem Thema „verheiratete Frauen“. Sie hat der schnellen Heirat zugestimmt, damit sie keine Fernbeziehung führen mussten. Sie liebt ihren Mann, doch begehrt sie den attraktiven und erfolgreichen Schriftsteller Pablo, der ebenfalls verheiratet ist.
Sie möchte mehr als nur Sex mit ihm, doch ist sie bereit ihren Mann und ihren fünfjährigen Sohn zu verlassen.
Ihre Freundin Silvia arbeitet als Fotografin, ist mit einem ihr intellektuell unterlegenen Mann verheiratet. Sie fühlt sich in der Aufgabe als Mutter mit zwei Kinder allein gelassen. Und sie stellt fest, dass sie eigentlich Frauen liebt.
Cosima wuchs in einem reichen, adligen Elternhaus auf mit allen Konventionen, die von ihr erwartet wurden und die sie nicht erfüllen konnte, is zu einer arrangierten Heirat mit einem Muttersöhnchen, der sie nicht im mindesten begehrt. Erfolg findet sie als Designerin, insbesondere mit senegalesischer Baumwolle.
Sehr einfühlsam werden die drei unterschiedlichen Frauenschicksale beschrieben, ihre Sorgen, Ängste, Hoffnungen, wie sie mehr vom Leben erhoffen, sehr offen wird über Sex erzählt, über Menstruationsprobleme und vergeblicher Kinderwunsch. Jede Frau hat etwas von dem erlebt was diese Drei erfahren haben. Auch über die Männer erfährt man wie sie zu dem wurden was sie sind und wie sie nicht aus ihrer Haut können. Wie Konventionen und Erwartungshalten, wie die Mütter das Leben der Kinder prägen.
Ein sehr berührender und ehrlicher Roman.
äußerst gelungenes Nachschlagewerk
Schauplätze der Weltliteratur von John Sutherland
Quer durch die ganze Welt werden wir in diesem Werk über die Schauplätze der Weltliteratur mitgenommen. Der Herausgeber hat das Buch chronologisch aufgebaut, wir beginnen im Jahr 1817 mit Jane Austins Anne Elliot im englischen Ort Bath und enden in der Jetztzeit im Jahr 2019 in den katalanischen Pyrenäen mit dem Werk singe ich, tanzen die Berge von Irene Sola.
Insgesamt werden 70 Romane vorgestellt, wobei ich nicht alle zur Weltliteratur zählen würde und mir manche unbekannt waren. In erster Linie geht es um die Orte, in denen die Romane spielen, reale oder fiktive, aber immer welche, die den Autoren wichtig waren.
Neben der Ortsbeschreibung wurde der Inhalt kurz erzählt, es gibt Hintergrundinformationen zu dem Werk, zum Autor und manchmal auch im Kontext der Zeit und politischen und gesellschaftlichen Begebenheiten.
Die Aufmachung des Nachschlagwerkes ist äußerst gelungen, zu jedem der 70 Romane gibt es Bildmaterial in Form von abgedruckten Gemälden, Stadtplänen, Landschaftsaufnahmen, Cover der Erstausgaben und vieles mehr. Einzig ein Lesebändchen hat mir gefehlt. Es ist ein Nachschlagewerk das ich bestimmt noch häufiger in die Hand nehmen werde.
das kurze, intensive Leben der Anita Berber
Der ewige Tanz von Steffen Schroeder
Im Jahr 1928 liegt Anita Berber in einem Berliner Krankenhaus, Schwindsucht nannte man damals die Krankheit Tuberkulose, die für viele tödlich endete. Auch die 29-jährige Anita weiß, das es zu Ende geht. Sie hatte ein aufregendes, außergewöhnliches Leben. Sie wuchs bei ihrer Oma Lu auf, ihre Mutter hatte als Sängerin weder Zeit noch Interesse an ihr, ihr Vater, ein berühmter Violinist, verließ die Familie und ignorierte auch Anita.
Ihr größter Wunsch war Tänzerin zu werden, und sie wurde es. Sie fiel auf durch fast nackte Tänze und einen sehr maskulinen Kleidungsstil. Auch im Stummfilm hatte sie Rollen, sie traf internationale und nationale Größen aus Film und Kunst. Sie war bisexuell und suchte ihr Leben lang nach Liebe und Anerkennung. Sie traf die falschen Männer und verfiel dem Alkohol, Heroin und Morphium und da immer Geld fehlte gab es auch immer wieder Skandale um die herum.
In dieser Biografie wird nicht nur das kurze, intensive Leben der Anita Berber erzählt, auch die Zeit der 20er Jahre in Berlin und Wien mit ihren Künstlern und politischen Veränderungen werden wie ein Sittengemälde thematisiert.
Rache einer Witwe
Wut und Liebe von Martin Suter
Noah und Camilla lieben sich, sie leben zusammen bis aus heiterem Himmel Camilla die Beziehung verlassen will. Sie liebt ihn immer noch, doch sie erhofft sich mehr vom Leben als in ihrem ungeliebten Job den erfolglosen Kunstmaler Noah durchzufüttern. Noah ist am Boden zerstört und sucht in der Kneipe bei einem Mojito Trost.
Ebenfalls vor einem Mojito sitzt Betty, seit drei Jahren Witwe. Die Schuld am Tod ihres Mannes gibt sie seinem Geschäftspartner, der ihren Mann bis zur Erschöpfung und mehreren Herzinfarkten hat arbeiten lassen. Dafür soll er büßen. Geld hat sie genug und Noah, der dringend Geld benötigt um Camilla wieder zurück zu bekommen, geht auf ihr unmoralisches Angebot ein.
Wir erleben ein junges liebendes Paar, das an den Alltagssorgen zerbricht, die Sorgen eines Künstlers, nicht gut genug zu sein, um Machenschaften im Kunstbetrieb um fragwürdige Geschäftsmethoden und Racheakte einer alten Frau.
Der Roman ist spannend mit immer wieder neuen Wendungen hervorragend geschrieben, lebhafte Dialoge mit gelegentlichen schweizerischen Ausdrücken und ein überraschendes, unerwartetes Ende stehen für ein rundum gelungenes Buch.
Antwerpen im Spätmittelalter
Die Gerüche der Kathedrale von Wendy Wauters
Erst vor kurzem war ich selbst in der Liebfrauenkirche in Antwerpen und kann mir jetzt beim Lesen dieses Buches die damalige Zeit besonders gut vorstellen. Die Autorin beschreibt die Zeit des Spätmittelalters Ende des 15. Jahrhunderts bis zum Jahr 1566. Sehr anschaulich erleben wir den Aufbau, die Erweiterung der Kathedrale, das Ziel reicher Bürger, Bruderschaften oder Handwerksverbände, einen eigenen Altar in dem Gotteshaus zu besitzen.
Die Kirche war nicht nur ein Ort des Gebetes, es war ein Treffpunkt, dort wurden Geschäfte abgewickelt. Einen besonderen Aspekt nehmen die Gerüche ein, wenn tausende von ungewaschenen Menschen sich in der Kirche versammelten, es nach Tieren und auch nach Verwesung roch, wenn zeitgleich zur Messe dort die Verstorbenen aufgebahrt wurden. Gerüche, vor die wir uns heute ekeln waren damals alltäglich und für die Menschen kaum wahrnehmbar.
Diese mittelalterliche Zeit in der aufstrebenden Stadt Antwerpen ist in ein sehr gut lesbaren Sachbuch erfasst, spannend und informativ. Sehr schön sind die farbenreichen, hochwertig gedruckte Gemälde, Zeichnungen, Kirchenpläne der damaligen Zeit ergänzt um aktuelle Fotos. Ein rundum gelungenes Buch.











