Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ulla:
raus aus dem Schneckenhaus, auf nach Wien
Von hier aus weiter von Susann Pásztor
Marlene kann den Tod ihres Mannes Rolf nur mit Hilfe ihrer Valiumtabletten überstehen. Besonders jetzt, auf der Trauerfeier, in der Rolfs Söhne aus seiner ersten Ehe und deren Kinder Gesangseinlagen zum besten geben. Sie ist froh, wenn sie wieder alleine in ihrem Haus ist. Rolf war unheilbar krank und hat als ehemaliger Arzt seinem Leben selbstbestimmt ein Ende gesetzt.
Doch der Plan war ein anderer, sie fühlt sich von Rolf verraten. Auf Grund ihrer defekten Dusche ruft sie einen Klempner zu sich, der sich als ihr ehemaliger Grundschulschüler Jack entpuppt. Sie sieht, dass er in seinem Lieferwagen lebt und lädt ihn zu sich ein, das Haus ist groß genug. Jack entpuppt sich nicht nur als ein guter Gesprächspartner, er ist auch ein hervorragender Koch. Marlene kriecht langsam aus ihrem Schneckenhaus heraus. Bis ein Anruf aus Wien sie erreicht, Rolf hat dort einen Brief für sie hinterlassen, der nur persönlich ausgehändigt werden darf. Jack und die Ärztin Ida, die Rolfs Praxis übernommen hat, machen sie mit Marlene auf den Weg nach Wien.
Die Trauerbewältigung ist nachvollziehbar, emotional aber nicht rührselig beschrieben, die Protagonisten sind charakterstarke Persönlichkeiten und trotz mancher Schrullen und Fehler liebenswert dargestellt. Einzig die Fahrt nach Wien hat nicht nachvollziehbare und unrealistische Episoden, die nachteilig auf die Bewertung wirken.
typisches Dorfleben
Vielleicht hat das Leben Besseres vor von Anne Gesthuysen
Den Vorgängerband habe ich nicht gelesen, kam aber sofort in die Handlung hinein und die Personen des Dorfes Alpen am Niederrhein wirken gleich vertraut. Aus der Sicht der Pastorin Anna von Betteray wird das Alltagsleben geschildert, die Probleme und Problemchen, der Tratsch und die Lästereien und auch die Konflikte in der eigenen Familie.
Ihre Schwester Maria kann sich nicht um ihren Teenagersohn Sascha kümmern und so lebt dieser bei ihr. Ihre Mutter wartet auf einen angemessenen Schwiegersohn. Der Kommissar Volker käme schon in Frage, gerade jetzt, wo sie auch dienstlich miteinander zu tun haben. Raffaela, seit einem Unfall geistig behindert, wurde bewusstlos in einem Wassergraben gefunden. War es ein Unfall oder hat jemand nachgeholfen? Gerüchte und Unterstellungen machen die Runde. Die Mutter, Heike Müller, eine Schulfreundin Annas, ist mit der Fürsorge für Raffaela überlastet, lehnt Hilfe jedoch ab.
Das Dorfleben, wo jeder jeden kennt, wird sehr realitätsnah geschildert, die Protagonisten sind mit starken Charakteren und festen Meinungen ausgestattet, aber auch mit Hilfsbereitschaft und Zusammengehörigkeitsgefühl versehen. Mit viel feinsinnigem Humor geschrieben.
Unsterblichkeit, Segen oder Fluch
Für immer von Maja Lunde
Für immer leben, nicht sterben und keine Schmerzen zu spüren, ist das Ein Segen oder ein Fluch für die Menschheit? Mit diesem Thema setzt sich Maja Lunde in diesem Roman auseinander.
An einem Tag im Juni steht für die Menschen alles still während die Pflanzen und Tiere sich weiter entwickeln, der Lauf der Natur für sie bleibt.
Die Fotografin Jenny hat Krebs im Endstadium, jetzt könnte sie die gewonnene Zeit nutzen um für ihren Mann und ihre beiden Söhne da zu sein. Doch sie flüchtet sich hinter ihre Kamera. Das alte Ehepaar Margo und Otto haben ganz andere Vorstellungen von einem gelungenen Lebensabend. Da keiner mehr stirbt hat die Extremsportlerin und Adrenalinjunkie Ellen bei ihrem Job im Beerdigungsinstitut nichts mehr zu tun. Geburten gibt es auch keine mehr, Ungeborene bleiben unverändert im Mutterleib, es sei denn, man entschließt sich, sie mit einem Kaiserschnitt zu holen. Doch was passiert mit den Frühchen und mit deren Eltern?
Anhand dieser Protagonisten erleben wir was die Unsterblichkeit mit den Menschen macht und das gewonnene Zeit nicht immer gut ist. Sehr emotional und hervorragend geschrieben kann man sich selbst mit dieser Frage auseinandersetzen.
wer will Amys Tod?
Wir finden Mörder von Richard Osman
Amy Wheelers neuerster Auftrag ist der Schutz der berühmten, sehr reichen, schon ein wenig älteren Krimiautorin Rosie D‘Antonio. Sie lebt auf ihrer Privatinsel und wird von einem russischen Oligarchen bedroht, der ihren Tod fordert. In der Nähe der Insel wird ein Influencer ermordet und bei der Recherche stellt Amy fest das es in letzter Zeit mehrere getötete Influencer gab und sie selbst immer in der Nähe war.
Und nun wird sogar auf sie geschossen. Sie benötigt Hilfe, doch wem kann sie trauen. Ihr Schwiegervater Steve, ehemaliger Kriminalkommissar wird, gegen seinen Willen, zu Hilfe geholt. Steve, Amy und Rosie begeben sich mit Rosies Privatjet auf Spurensuche und Versteckspielen um die Morde aufzuklären und sich selbst in Sicherheit zu bringen. Konkurrierende Auftragsmörder sind hinter ihnen her.
Die Handlung ist realitätsfern, dem Lesevergnügen schadet dies jedoch nicht. Die Protagonisten sind skurril, verschroben und liebenswert und wer auf welcher Seite steht, wer die Guten und wer die Bösen sind, muss sich erst noch zeigen. Der Kriminalroman ist spannend und humorvoll, an die Protagonisten des Donnerstagsmordclubs kommen die Personen in diesem Buch leider, noch, nicht ganz heran.
intensive Gespräche
In einem Zug von Daniel Glattauer
Eduard Brünhofer ist, oder vielmehr war, ein sehr erfolgreicher Liebesromanautor. Seit einigen Jahren hat er nichts mehr zu Papier gebracht, nun wird sein Verlag ungeduldig. Er hat keine 5 Wochen bis zur Abgabefrist seines Manuskripts von dem es noch keine einzige Seite gibt. Jetzt sitzt er im Zug von Wien nach München um seine Ideen durchzusehen.
Dazu kommt er nicht, die Frau, die ihm schräg gegenüber sitzt, beginnt ein Gespräch, sie weckt sein Interesse und da die Zugfahrt 4 Stunden dauert ist er dem nicht abgeneigt. Die als Therapeutin arbeitende Catrin Meyr erzählt ein wenig über sich selbst, sie schafft es aber sehr geschickt die Fragen immer wieder zurückzuspielen, Eduard zum Reden zu bringen und Dinge aus ihm herauszuholen, die er normalerweise nicht preisgibt. Dinge über seine lange Ehe mit Gina, über seine Tochter Tanja, über seine Gefühle zu den beiden, über seine Einstellungen zu Liebe, Ehe, Treue, Sex, Freiheit und Geheimnisse. Während der Reise werden die Gespräche immer intensiver, auch die Störung eines italienischen Reisenden, der sich zu ihnen setzt, kann dies nicht aufhalten. Bis kurz vor München, wo Catrin ihn mit einer Mitteilung überrascht.
Zwei Fremde, die sich im Zug treffen und Gespräche führen, daraus besteht im Wesentlichen der Roman. Die Dialoge sind schriftstellerisch ganz hervorragend, Wortspiele und tiefgründige Debatten, interessante und außergewöhnliche Formulierungen zeichnen diesen Roman aus.
die Brüder Opgard
Der König von Jo Nesbø
Im kleinen norwegischen Ort Os hat Carl Opgard das sagen. Ihm gehört das neu entstandene Wellnesshotel und er baut gerade an seinem eigenen kleinen Palast. Seinen älteren Bruder Roy gehört die Tankstelle und ein Lokal und er träumt von einem Freizeitpark mit einer besonderen Achterbahn. Gerade jetzt werden Pläne vorgelegt, dass ein Tunnel gebaut werden soll und der Ort abgeschnitten wird.
Das können die Brüder nicht zulassen, ihr Einfluss und ihr Vermögen steht auf dem Spiel. Bereits in der Vorgängergeschichte haben die beiden ihre kriminelle Energie unter Beweis gestellt, so schrecken sie auch dieses Mal nicht vor drastischen Maßnahmen zurück. Sie versuchen es mit Bestechungen. Kurt, der nach seinem verstorbenen Vater der neue Ortspolizist ist, versucht nach wie vor die Brüder für den Tot seinen Vaters zur Rechenschaft zu ziehen. Auch ihm ist dabei jedes Mittel recht.
Aus der Sicht von Roy wird die Handlung sehr spannend erzählt und auch wenn man weiß dass Roy Menschen manipuliert und auch tötet, hat man Sympathie für ihn.
Puzzleteile
Wackelkontakt von Wolf Haas
In Wien lebt der als Trauerredner arbeitete Franz Escher recht zurückgezogen. Als Eigenbrödler meidet der Kontakt zu anderen Menschen und beschäftigt sich am liebsten mit puzzlen. Nun jedoch wartet er auf den Elektriker, der sich um die Steckdose in der Küche kümmern soll. In dieser Wartezeit nimmt er ein Buch über die Mafia zur Hand, ein Themengebiet, über das er schon viel gelesen hat.
Dieses Buch handelt von dem jungen Elio Russo, der gegen die Mafia aussagen will und im Hochsicherheitstrakt auf seine Entlassung ins Zeugenschutzprogramm wartet. Von seinem Zellengenossen Sven hat er ein deutsches Buch erhalten, um seine Deutschkenntnisse zu verbessern. In diesem Roman geht es um Franz Escher, der auf einen Elektriker wartet.
Im Laufe der Handlung wird immer wieder zwischen den beiden Erzählsträngen gewechselt, oft mitten im Satz, ohne dass man den Anschluss verliert. Wir nehmen teil am neuen Leben des Marko Steiner in Deutschland mit Frau und Kind, immer in Sorge vor Entdeckung. Wir erleben den verschlossenen Franz Escher, bei dem sich eine zarte Bande zu einer Arbeitskollegin entwickelt.
Literarisch außergewöhnlich kreisen die Geschichten umeinander herum, aufeinander zu, bis sie wie Puzzleteile ein Bild ergeben. Ein ganz besonderes Buch.
Familienzusammenhalt
Als wir im Schnee Blumen pflückten von Tina Harnesk
Der Winter im Norden Schwedens ist hart, besonders für das alte, kinderlose, samische Paar Mariddja und Biera, die in einem inzwischen heruntergekommenen Haus leben. Sie hat gerade von der Krebsdiagnose erfahren, sie hat nicht mehr lange zu leben. Ihr Mann Biera ist dement und benötigt ihre Hilfe. Doch Hilfe von anderen wollen sie nicht.
Mariddjas größter Wunsch ist es, den Sohn von Biera Schwester noch mal zu sehen, dass Kind, dass eine Weile bei ihnen lebte um dann mit der Mutter plötzlich und unauffindbar verschwunden ist. Ihren Kummer teilt sie der netten Telefonistin Siri mit, die sie um Hilfe bei der Suche bittet.
Ein weiterer Handlungsstrang befasst sich mit einem jungen Paar, Mimmi und Kaj sind in die von Samen bewohnte Gegend gezogen, nachdem Kajs Mutter starb.
Der Roman fängt langsam, und leider auch ein wenig langweilig an, doch man wird belohnt, wenn man dabei bleibt. Viel wird über die samische Kultur, deren Mythen und die Zeit der Zwangsumsiedlung erzählt. Wichtig ist ihnen die Fürsorge füreinander und der Familienzusammenhalt. Aber auch Probleme, die jeden von uns betreffen können, wie Krebs oder Demenz, die Hilfsbedürftigkeit alter Menschen oder der Neuanfang eines jungen Paares werden thematisiert. Die Sprache ist ruhig und bildhaft.
Faschismus in England und Deutschland
Die Mitford Schwestern von Marie Benedict
Aus Sicht von Nancy wird das Leben und die politische Haltung und Einflussnahme der Mitford Schwestern ab 1932 geschildert. Nancy selbst ist die älteste und verarbeitet die Ereignisse und Einstellungen ihrer Familie in ihren Romanen, was zu so manchen Differenzen sorgt. Der Vater, adlig, einflussreich wohlhabend, wenn auch mit einen finanziellen Einbußen in der letzten Zeit, war nach dem großen Krieg ein Hunnenhasser, er ließ kein gutes Haar an den Deutschen.
Das änderte sich als seine Töchter Unity und Diana sich dem Faschismus in England, Diana war mit dem britischen Faschistenführer Oswald Mosley liiert, und Deutschland, Unity umgarnte Hitler, traf sich privat mit ihm, er richtete sogar eine Wohnung in München für sie ein, zuwandten. Bald waren auch die Eltern begeisterte Anhänger Hitlers. Jessica hingegen war im spanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Kommunisten aktiv. Nancy sah die Begeisterung für den Faschismus sehr kritisch und überlegte, ob sie ihre Insiderinformationen an ihren Cousin, Winston Churchill, weitergeben sollte.
Der Roman ist mit wechselnden, chronologisch aufgebauten Episoden der Schwestern erzählt. Der Schreibstil ist angenehm flüssig lesbar, weißt jedoch die eine oder Länge auf. Bisher habe ich von dem enormen Einfluss der Mitford Familie im Faschismus nichts gehört, so dass ich einiges dazu nachgelesen habe. Zumindest das Meiste in diesem Roman geschilderte entspricht nachweislich der Realität.
eher ein Jugendbuch
Das kleine Café der zweiten Chancen von Shiori Ota
Als kleines Kind galt Himari Misaki als Wunderkind am Klavier, sie konnte gehörtes sofort nachspielen. Ihre Mutter förderte und forderte sie und schickte sie in sehr jungen Jahren in ein Musikinternat in England. Dort erlitt Himari einen Unfall der ihre Hand stark beeinträchtigte. Die von der Mutter erhoffte Karriere war erledigt und Hamira kam wieder zurück nach Sapporo.
Vor dem ersten Schultag in der neuen Schule hatte sie große Angst vor Mobbing doch die guten Ratschläge einer älteren Frau auf dem Schulweg halfen ihr. Diese Frau erwähnte auch ein besonderes Cafe in dem sie sich treffen wollten. Doch auf dem Rückweg war das Haus nicht mehr da. Seltsam. Tage später machte sich Himari alleine auf den Weg in das Cafe um dort von der Möglichkeit zu hören, in die Vergangenheit an einen ganz bestimmten Ereignis zurückzukehren um Fehler zu korrigieren. Dafür hatte man genau so viel Zeit wie das Musikstück von John Cage dauert, das aus 4 Minuten und 33 Minute Pause besteht. Himari erlebt wie andere in der Vergangenheit ihr Leben ändern und wünscht es sich auch für sich.
Der Roman beschreibt die Sorgen, Wünsche und Hoffnungen einer Teenagerin recht gut und der Charakter von Himari wurde gut herausgearbeitet. Leider jedoch nur sie, alle anderen Protagonisten bleiben blass. Der Schreibstil ist eingängig, die Ausdrucksweise für eine Teenagerin wiederum zu erwachsen. Insgesamt eher ein Jugendbuch.











