Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ulla:
bigotte und selbstgerechte Gesellschaft
Dunkle Sühne von Karin Slaughter
In der Kleinstadt North Falls im Süden der USA feiert man mit einem Feuerwerk den Unabhängigkeitstag. Gleichzeitig ist es auch der Geburtstag von Madison, die dort auf ihre Freundin Cheyenne warten. Doch diese erscheint nicht und kurz darauf wird auch Madison nicht mehr gesehen. Deputy Emmy Clifton begibt sich mit ihrem Vater, dem Sheriff, auf die Suche nach den vermissten Teenagern.
Man findet ein überfahrenes Fahrrad und viel Blut, aber keine Spur der Beiden. Da Madison die Tochter ihrer Freundin seit Kindertagen, Hannah, ist, ist sie persönlich stark gefordert. In der Stadt kennt jeder jeden, die polizeiliche Arbeit wurde schon immer von einem Clifton erledigt und so wird es auch in der nächsten Generation werden. Man meint, keine Geheimnisse voreinander zu haben, doch hinter den Kulissen brodelt es. Die Frauen der Stadt können wichtige Berufe ausüben, zu Hause haben sie sich den Vätern oder Ehemännern zu fügen. Viele sind alkoholabhängig und gewalttätig und auch die Kirche nimmt eine gewichtige Rolle ein. Ein Teenager hat selbstverständlich keinen Freund zu haben, darf, trotz Pubertät, niemals den Eltern widersprechen und sich immer sittsam zu kleiden und zu benehmen. Sonst ist man selbst schuld, wenn was passiert.
Der sehr umfangreiche und mit einigen Wendungen versehene Thriller bringt das ganze Ausmaß einer bigotten und selbstgerechten Gesellschaft zur Sprache. Das Privatleben Emmys nimmt einen großen Raum in dieser spannenden Handlung ein. Die Persönlichkeiten wurden sehr gut herausgearbeitet. Etwas verwirrt haben mich jedoch Titel und Cover. Was hat ein Grizzly in den Südstaaten verloren und wer sühnt hier?
verhängnisvolle Beziehung
No Way Home von T. C. Boyle
Als Assistenzarzt lebt und arbeitet Terry in Los Angelos und behandelt im Krankenhaus auch Menschen wie die obdachlose Frances, die er sogar ins Herz geschlossen hat. Er ist pflichtbewusst, kompetent, aber auch überarbeitet und einsam. Als ihm mitgeteilt wird das seine Mutter ganz plötzlich verstorben ist fährt er in die Kleinstadt Boulder City in die Wüste Nevadas um sich um den Nachlass und um das Haus zu kümmern.
Er trifft auf Bethany, eine attraktive junge Frau, die frisch getrennt von ihrem langjährigen Freund Jesse obdachlos geworden ist. Nach einer gemeinsam verbrachten Nacht übernimmt Bethany das Haus inklusive der Hündin Daisy. Eigentlich findet sie Terry recht langweilig, ganz besonders im Gegensatz zu Jesse, der rau und auch zuschlagend, aber auch leidenschaftlich sein kann. Ihr bisheriges Leben war von Partys und Barbesuchen bestimmt, mit dem nur gelegentlich nach Boulder City anreisende Terry verläuft ihr Leben anders. Sie steht zwischen den beiden Männern, möchte mit keinem leben und kommt von beiden nicht los. Die beiden Männer kämpfen bis aufs Blut um die Zuneigung von Bethany.
Wir erleben drei sehr verschiedene Charaktere und aus jeder Perspektive fühlen wir mit den Protagonisten mit. Jedoch kann ich nicht alle Beweggründe nachvollziehen und die extreme Härte im Umgang verstört mich ein wenig. Ist das Leben in einer amerikanischen Kleinstadt wirklich so?
best friends
Eine von uns von Samantha Hayes
Als Teenager waren Gina, Laura, Annie und Sara beste Freundinnen. Sie beschäftigten sich mit Schminktipps und wie sie den attraktivsten Jungen der Schule, Matt, für sich gewinnen konnten. Nur Sara war anders, sie lud ihre Freundinnen nie zu sich nach Hause ein, duschte nach dem Sport nicht in der Schule und verhielt sich seltsam.
Doch ausgerechnet sie wurde Matts Freundin, bis sie plötzlich verschwand.
25 Jahre später sind Gina und Matt verheiratet und haben zwei kleine Kinder, Annie ist eine erfolgreiche Schauspielerin und Sängerin geworden und auch Laura scheint ihr Glück gefunden zu haben. Als das neue Haus von Matt und Gina bei einem Brand, Kurzschluss einer elektrischen Leitung, unbewohnbar wird, bietet die sch gerade auf Reisen befindliche Annie ihnen ihr Haus an. Obwohl Gina nicht wieder an den Ort des Verschwindens von Sara ziehen wollte, nimmt sie das Angebot dankbar an. Kaum dort, steht die Haushälterin Mary hinter ihnen und nimmt immer mehr Anteil an ihrem Leben. Wer ist diese Frau, kann man ihr trauen? Die Nachfrage bei Annie beruhigt sie, bis wieder seltsame Dinge passieren.
Spannend geschrieben, wenn es auch vereinzelt Längen gibt. Was mich ein wenig stört ist die Naivität der Protagonisten in der Vergangenheit wie auch der Jetztzeit. Das mit mehreren, glaubhaften, Überraschungen versehende Ende macht das zwischenzeitlich Unglaubhafte wieder wett.
Norwegen im 2. Weltkrieg, Kollaboration und Widerstand
Wir sehen uns wieder am Meer von Trude Teige
Birgit ist eine junge Krankenschwester, die in Zeiten des 2. Weltkrieges von Oslo in den Norden Norwegens zieht um dort eine Stelle im Krankenhaus anzunehmen. Durch ihren älteren Förderer, bei dem sie viel über die russische Kultur und die Sprache gelernt hat, werden ihre Sprachkenntnisse für die dort zwangsinhaftierten russischen Soldaten und die verschleppten Zwangsarbeiter/innen benötigt.
Nur im Geheimen, die deutschen Besatzer dürfen es nicht erfahren. Birgit trifft auf die 16-jährige Ukrainerin Nadia, die direkt aus der Schule in ihrer Heimat in die Fischfabrik verschleppt wurde. Das Schicksal dieser jungen und doch starken Frau rührt sie und sie möchte helfen. Doch die Arbeit im Krankenhaus ist nicht ihre einzige Tätigkeit, sie hört ausländische Nachrichten ab und reicht diese Notizen weiter. Als sie sich in den geflohenen Soldaten Sascha verliebt, den sie auf dem Dachboden pflegt, wird es gefährlich.
Neben Birgit werden auch ihre beiden Freundinnen erwähnt, Tekla, die wir aus den Vorgängerbänden kennen, hat sich in einen Deutschen verliebt und hat Norwegen verlassen, die Familie hat keinen Kontakt mehr zu ihr. Die andere ist Anneliese, deren Eltern bekennende Nazis sind und so kollaboriert auch sie mit den deutschen Besatzern. Birgit hingegen gerät immer weiter in den Strudel des Widerstands.
Der Roman ist sehr detailliert geschrieben ohne auch nur ansatzweise langatmig zu werden. Sehr emotional erleben wir die Zeit Ende des 2. Weltkrieges in Norwegen und die Zeit danach, in der die Menschen wieder zu einen normalen Leben zurückfinden wollen, teilweise jedoch nicht können. Grausame Ereignisse werden ungeschönt erzählt. Ein ganz besonderer Roman, hervorragend geschrieben.
Familie mit Problemen
Onigiri von Yuko Kuhn
Aki ist die Tochter einer Japanerin und eines Deutschen, geboren und aufgewachsen in Süddeutschland. Damit befindet sie sich bereits zwischen zwei verschiedenen Welten. Ihre Mutter Keiko hat als junge Frau auf einer Busreise durch Europa die Freiheiten der westlichen Kultur genossen und beschlossen, deutsch und englisch zu lernen und nach Deutschland auszuwandern.
Hier traf sie auf Karl, deutlich jünger als sie selbst und, wie sich später herausstellte, deutlich reicher als sie. Die Ehe hielt nicht lange und Keiko kümmerte sich alleine um die beiden Kinder.
Aus der Sicht von Aki erleben wir mit, wie Keiko immer mehr in die Demenz verfällt, immer mehr vergisst. Sie beschließt, mit ihrer Mutter ein letztes Mal in deren alte Heimat zu Familie und Freunden zu reisen. Doch ist das mit dieser Krankheit überhaupt sinnvoll?
In episodenhaften Rückblenden wird Akis Leben geschildert, einerseits bei ihrer Mutter, andererseits in der herrschaftlichen Villa ihrer väterlichen Großeltern mit einer völlig anderen Kultur und Lebensart.
Auf wenigen Seiten werden hier ganz unterschiedliche Welten aufgezeigt, intensiv und emotional geschrieben. Eine Familie mit Problemen, aber wer hat die nicht.
informativ und humorvoll
Cosmix von Laurent Schafer
Die Aufmachung dieses Sachbuches ist äußerst gelungen und springt einem sofort ins Auge. Doch das lustige Cover täuscht, das Buch ist keine einfache Kost, es ist nicht leicht zu lesen. In 222 Seiten wird die Entstehung des Universums, der Erde, Leben auf der Erde bis hin zum Menschen in Comicformat erzählt.
Eine Gruppe von alltäglichen Menschen nimmt uns mit auf diese Reise, in der aus Nichts alles entsteht. Das Rühren der Ursuppe in einer Fernsehkochshow wird sehr humorvoll erzählt und vieles kann man auch gut nachvollziehen, leider jedoch nicht alles. Es wird einiges an Wissen vorausgesetzt, viele Fremdwörter und Fachbegriffe benutzt von denen nur wenige mit Sternchen erläutert werden. Die Wahrscheinlichkeit bzw. Unwahrscheinlichkeit der Entstehung unseres Sonnensystems, der Erde und somit auch wir kommt immer wieder zur Sprache und wie ein Flügelschlag alles hätte ändern können.
Es wird sehr viel an Wissen vermittelt, meiner Ansicht nach jedoch ein wenig zu oberflächlich erklärt um für mich in allen Teilen verständlich zu sein. So hatte ich beim Lesen immer wieder Verständnislücken, kam aber in einem neuen Abschnitt wieder hinein. Die Art der Darstellung in Form der Graphic Novel ist hervorragend gelungen und die Protagonisten, die einen durch das Buch geleiten immer nahbar. Informativ und humorvoll.
Angst vor dem Sandgräber
Ihr werdet sie nicht finden von Andreas Winkelmann
Seit vor sieben Jahren seine Tochter Isabell auf einer Teenagerparty spurlos verschwand, ist das Leben von des Polizisten Jonas aus den Fugen geraten. Er und seine Kolleginnen und Kollegen suchten und ermitteln, bis sie einen Tatverdächtigen fanden. Jonas glaubte an die Schuld dieses Mannes und erstach ihn.
Jetzt ist er aus dem Gefängnis entlassen worden und will weiter nach den Gebeinen seiner Tochter suchen. Hilfe erhält er von der Privatdetektivin Franka. Diese erhielt den Auftrag einer älteren Frau ihre verschwundene Enkelin Silvia zu suchen. Die Autistin Silvia hatte nur eine Freundin, Isabell, und sie ist die Tochter des von Jonas getöteten Verdächtigen. Die finden Silvia schnell, doch eine Befragung der Autistin, die erst vor kurzem aus einer Therapieeinrichtung heraus ist, gestaltet sich schwierig. Sie hat Angst vor dem Sandgräber. Findet sich dort in der Sandgrube Isabells Leiche?
Der Thriller wird mal aus Sicht von Jonas, mal von Franka erzählt, mal in der Jetztzeit, dann wieder mit den Geschehnisse von vor sieben Jahren. Spannung ist da, es gibt jedoch aus ein paar Längen in der Handlung. Sehr gut werden die Charaktere der Protagonisten geschildert.
Annas Leben im Kontext der Zeit von 1866 bis 1932
Anna oder: Was von einem Leben bleibt von Henning Sußebach
Der Autor Henning Sußebach hat über das Leben seiner Urgroßmutter Anna Kalthoff recherchiert und daraus einen wunderbaren Roman geschrieben. Es ist ein Roman und keine Biografie, das wird immer wieder ausdrücklich erwähnt, da es viele Leerstellen in ihrem Lebenslauf gibt und diese in der Erzählung mit der damaligen Zeit und dem Leben in dieser Zeit gefüllt werden.
Anna wird 1866 geboren, mit 12 Jahren stirbt ihr Vater und ihre Mutter drängt sie zu einer Ausbildung als Lehrerin. In der Kleinstadt Cobbenrode im Sauerland beginnt sie ihre Lehrtätigkeit, wie damals üblich mit der Verpflichtung, ledig zu bleiben. Sie verliebt sich in den 4 Jahre jüngeren Clemens, gutaussehend, begehrt und durch sein Elternhaus gutbegütert. Beiden wird ihre Liebe verwehrt, erst 12 Jahre später, als Clemens Vater stirbt, gibt sie ihre Stelle auf und sie können heiraten. Statt in der Schule zu unterrichten kümmert sich Anna nun mit ihrem Mann um einen großen Haushalt, um die Landwirtschaft, das Gasthaus und die Post. Im Dorf ist sie die Fremde, mit einem jüngeren Mann verheiratet und packt überall mit an. Unüblich in dieser Zeit. Doch das Leben hat noch viele Wendungen und Schicksalsschläge für sie bereit.
Das vieles nur hätte sein können stört überhaupt nicht, man kann sich wunderbar in Anna hineinversetzen, mit ihr leben, lieben und leiden. Das Besondere an diesem Buch ist jedoch, das die Lebenszeit Annas von 1866 bis 1932 im Kontext zu historischen Ereignissen, Entdeckungen und Forschung gesetzt wird. Man erlebt eine Zeitreise in die deutsche Geschichte, lebendig erzählt.
man flieht und leidet mit Bird
Deckname: Bird von Louise Doughty
Heathers Karriere bei der Armee endete als sie sich mit einem Offizier, der ihre Freundin Flavia schwängerte und sitzen ließ, gewaltsam anlegte. Nach einigen Umwegen und der Fürsprache von Richard, einem Freund ihres Vaters, landete sie beim Geheimdienst. Inzwischen ist sie in den 50er Jahren und wurde von Richard in die neu gegründete Abteilung zur Untersuchung korrupter Geheimdienstler nach Birmingham versetzt.
Mit ihrem dort gekauften Traumhaus hat sie sich mächtig übernommen, da ist es gut, dass ihr Vorgesetzter Kieron Blythe ihr finanziell hilft. Bis man ihr selbst unterstellt, korrupt zu sein. Sofort hat sie zu verschwinden um ihre Unschuld und die Schuld ihres Chefs zu beweisen.
Wir erleben ihre Flucht detailliert mit, die lauernden Gefahren, die Einsamkeit, das Versteckspiel und die Angst vor Verfolgung. Wem kann sie trauen, sitzt im Cafe ein Agent, kann sie es wagen, telefonisch Kontakt aufzunehmen?
Während der Reiseepisoden gibt es immer wieder Rückblenden in früheres Leben mit ihren Eltern, mit ihrer Freundin Flavia und deren Tochter Adelina, in ihr Leben in London.
Es mehr ein spannender Roman als ein Thriller, man kann sich hervorragend in Heather, bzw. Bird, wie sie von ihrem Vater genannt wurde, hineinversetzen, man flieht, man lebt, man leidet mit ihr.
falsche Lieben
Wohin du auch gehst von Christina Fonthes
Während die Unruhen in Kinshasa ihren Höhepunkt zusteuern wirft ein Brief aus London Bijouxs Träume von einer künstlerischen Ausbildung über den Haufen. Ihre Eltern schicken sie zu ihrer Tante Mira in eine für sie völlig fremde Welt. Neue Schulkameraden und die englische Sprache machen ihr das Leben nicht gerade einfach.
Zudem drängt Mira sie zu Besuchen in der afrikanischen Gemeinde um einen sehr bestimmenden Pastor. Mira ist nicht nur extrem gläubig, sie ist nahezu besessen. Als sie herausfindet, das Bijoux lesbisch ist muss gehandelt werden. Eine mehrtägige Reinigung und Lossagung der Homosexualität bis zur arrangierten Hochzeit sollen sie von dem unafrikanisch Bösen befreien.
In einzelnen Episoden erfahren wir das Mira in ihrer Teenagerzeit in Zaire ganz anders war. Sie war lebhaft, ging gerne auf Partys u d war verliebt in einen mittellosen Musiker. Um diese Liebe zu unterbinden wurde Mira zu ihrer älteren Schwester und deren Mann geschickt um im Haushalt zu helfen.
Abwechselnd werden die weiteren Lebensabschnitte der beiden Protagonistinnen erzählt, ihre persönlichen Probleme aber auch das Leben im ehemaligen Zaire, jetzt Kongo, und in einigen europäischen Städten. Der Zusammenhalt afrikanischer Frauen, Männer, die größtenteils schwach sind, gewalttätig oder triebgesteuert, die politischen Verhältnisse und das Leben im Ausland werden thematisiert und sehr gut beschrieben. Manche Passagen sind ein wenig langatmig und es gibt Wiederholungen im Text, die für mich überflüssig sind und den Lesefluss hemmten.











