Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Ulla:

wie fern ist diese Zukunft?

Wenn die Bienen schweigen von Caryl Lewis

In einer unbestimmten Zukunft wird die 13-jährige Jess in ein Camp für Mädchen gebracht um dort per Hand Obstbäume zu bestäuben. Die letzte Biene ist bereits seit längerem tot, der Klimawandel hat zu einer Überhitzung der Erde geführt, es gab ein großes Artensterben das zu Hungersnöten und Wassermangel führte.

Es gab Aufstände und Plünderungen, Gewalt und Kämpfe und als letztes wurden die meisten Bücher verboten. Jess Mutter sorgte so lange sie konnte um sie und ihren Bruder, hat heimlich Bücher zur Seite geschafft und ihnen das Lesen und Schreiben beigebracht, bevor ihr Bruder Soldat werden musste und sie in das geschlossene Camp geführt wurde. Sobald die Mädchen ihre erste Periode bekamen, was durch die Mangelernährung spät erfolgte, wurden sie mit einem genetisch passenden Mann zwangsverheiratet und hatten Kinder zu gebären. Wenn sie zur Arbeit und zum Kinderkriegen nicht mehr taugten waren sie nutzlos.
Jess sieht was auf sie und die anderen Mädchen zukommt und sucht nach einem Ausweg, nach einer Fluchtmöglichkeit aus dem bewachten Bereich.
In diesem düsteren Zukunftsroman erleben wir einerseits den Freiheitsdrang von Eingesperrten und zu Zwangsarbeit herangezogenen, andererseits wird uns die zunehmende Umweltzerstörung vor Augen geführt und in was sie enden kann. Ohne Insekten kann die Menschheit nicht überleben. Die Frage für uns ist, können wir es verhindern und wie viel Zeit bleibt uns noch? Der Roman ist als Jugendbuch eingeordnet, für mich ist es ein Roman, den jeder lesen sollte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Ulla

Recht und Gerechtigkeit

DAISY – Und all deine Geheimnisse werden mir gehören von Melanie Raabe

Die 34-jährige Luca Palmer arbeitet tagsüber als Anwältin in einer Berliner Kanzlei. Sie hat in Nour eine Freundin der sie vertraut und kümmert sich in ihrem Haus um einen kleinen Jungen. Doch sie hat noch eine andere Seite. Sie übt Gerechtigkeit aus an Menschen, bei denen das Gesetz nicht greift.

Es sind Kleinigkeiten, ein paar gestohlene Uhren, die sie im Rotlichtmilieu verteilt oder wie bei ihrem letzten Einsatz, Taranteln in der Wohnung einer Journalistin mit Spinnenphobie zu platzieren. Dabei entkommt sie noch so gerade. Am nächsten Tag sieht sie überall in der Stadt verteilt Plakate, die auf sie deuten. Aus der Jägerin, die mit ihrem älteren Freund und Mentor Walther akribisch die Schwachstellen der Personen beleuchtet, die sie bestrafen will, ist eine Gejagte geworden. Wer steckt dahinter, was will die Person von ihr? Sie nutzt ihre Fähigkeit, Lügen zu entdecken, um die Person aufzuspüren. Es eskaliert, als sie eine Giftschlange in ihrer verschlossenen Wohnung findet.
In Rückblenden erleben wir eine Zeit vor 17 Jahren, in der sie als Schülerin erleben musste, wie reiche Söhne sich alles erlauben konnten und andere drangsalierten. Der Roman hat Spannung, die er hauptsächlich aus dem Psychologischem zieht. Ein paar Überraschungen gibt es, besonders mit der Verknüpfung mit der Vergangenheit, jedoch gibt es für mich einige nur schwer nachvollziehbare Wendungen in der Geschichte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Ulla

Ein Roman wie ein Fluss, mal gemächlich, mal mitreißend

Tage am Fluss von Jochen Mariss

Sara Harmsen hat den Hof und den Fährbetrieb von ihrem Vater übernommen und versucht ihr bestes, die vielen Arbeiten zu bewältigen. Die Schafe und Hühner müssen versorgt werden, Holz gehackt und gestapelt, Gras gemäht und getrocknet werden und vieles mehr. Sie lebt mit ihrer Hündin Luna alleine, sie ist wortkarg und menschenscheu.

Am Liebsten sind ihr ihre Bücher, in deren Geschichten sie eintauchen kann. Bis sie als letzten Fährgast auf Leon trifft, der verletzt ist und Hilfe benötigt. Sie nimmt ihn mit und damit ändert sich ihr Leben komplett. Sie lernt die Hilfe und die Anwesenheit Leons zu schätzen. Doch ihrer Idylle am Fluss droht das Ende, das Dorf will eine Brücke bauen, direkt an ihrem Hof. Damit wird die ganze Natur zerstört, dagegen muss sie etwas tun. In Leon, der als Umweltaktivist vor der Polizei geflohen ist, findet sie einen Mitstreiter.
Der Roman wird im Wechsel mal aus Saras und mal aus Leons Sicht erzählt. Einerseits geht es um den Erhalt der Natur, andererseits haben beide Geheimnisse und Altlasten, die sie dem anderen verschweigen. Die verschlossene Sara lernt allmählich durch Leon, sich anderen zu öffnen. Der Roman ist wie ein Fluss, der mal langsam fließt und dann wieder Tempo aufnimmt und einen mitreißt. Der Schreibstil gefällt mir gut und die Aussage, die Natur braucht den Menschen nicht, der Mensch hingegen die Natur, sollte uns zu denken geben.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Ulla

Gesichter mit Geschichten

Theo in Golden von Allen Levi

Der 86-jährige Theo ist in die Kleinstadt Golden im amerikanischen Süden gereist, warum und wer er ist, bekommt man nicht aus ihm heraus. In einem Cafe sieht er eine ganze Reihe Bleistiftporträts von Gesichtern hängen, laut Barista leben diese Menschen in Golden und wurden von einer Fotovorlage gezeichnet.

Theo beschließt, da diese sehr guten Werke nicht teuer sind, einige zu kaufen und den Dargestellten zukommen zu lassen. Nach einiger Recherchearbeit und handgeschriebenen Briefen lädt er diese Menschen nacheinander auf eine öffentliche Bank zur Übergabe ein. Dabei erfährt er durch seine charmante und herzliche Art viel über diesen Menschen. Er hört sehr genau zu, was sie bewegt. Darunter sind so verschiedene Menschen wie eine Wirtschaftsprüferin, ein Raumpfleger oder die Obdachlose Ellen. Auch wir lernen diese Menschen kennen und lieben und manche Vorurteile verflüchtigen sich. Bei Asher, den Künstler dieser Werke, geht er bald ein und aus.
Was es mit dem ganzen Jahr, welches Theo in Golden verbringt, auf sich hat, erfährt man erst auf den letzten Seiten des Romans und versteht erst dann den ganzen Zusammenhang. Trotz der Länge war dieser Roman für mich an keiner Stelle langweilig oder langatmig. Er wurde sich Zeit genommen für die Beschreibung der Menschen, für ihre Geschichten. Dies alles in einem hervorragenden humorvollen und einfühlsamen Schreibstil, der mich gefangen genommen hat.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Ulla

toxische Ehe

Tödliches Verderben von Karin Slaughter

In diesem zweiten Band der Thrillerreihe um Sheriff Emmy Clifton hat diese gerade ihre Mutter beerdigt. Auf dem Weg zum Essen mit der Familie hört sie aus dem Haus der ehemaligen Polizistin und Freundin Allison Schüsse. Sie eilt dorthin, doch zu spät, Allison ist tot. Ihre 16-jährige Tochter Mandy konnte sich auf dem Dachboden verstecken, ist jedoch lebensgefährlich verletzt.

Ihre Schwester Jude, FBI Agentin im Ruhestand, wurde im Haus vom Täter verletzt und auch Deputy Cole, Emmys Sohn, ist mit am Tatort. Zeit zum Trauern um ihre Mutter hat Emmy nicht, sie ist voll in den Ermittlungen drin. Zusätzlich plagen sie Schuldgefühle, da sie nicht auf Allisons Hilferufe gehört hat. Diese steckte in einer toxischen Ehe, ihren Mann wollte sie immer wieder verlassen und hat es dann doch nicht geschafft. Nun hat sie tatsächlich die Scheidung eingereicht und gepackte Koffer und gefälschte Führerscheine lagen bereit. Dass Allison immer wieder geschlagen wurde war bekannt, aber auch an Mandy wurden Misshandlungen festgestellt. Und woher stammt das viele Geld, versteckt auf dem Dachboden?
Der Thrillerplot ist äußerst spannend und detailreich erzählt, der besondere Reiz der Handlung sind jedoch die privaten Seiten von Emmy und ihrer Familie. In der Kleinstadt in Georgia kennt man sich und die Hälfte der Bewohner ist ein Clifton mit Einfluss und Macht. Emotionen werden nur selten gezeigt und Männer betrachten Frauen als ihr Eigentum. Trotz der kleinteiligen Beschreibung der Polizeiarbeit ist der Thriller auf kleiner Seite langweilig. Der Schreibstil ist sehr gut und ich freue mich jetzt schon auf eine Fortsetzung.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Ulla

wie sollen wir leben

Alice im Land der Ideen von Roger-Pol Droit

Alice, zwischen Kind und Jugendliche, stolpert in ein Kaninchenloch. Sie trifft dort auf die kluge und die verrückte Maus, auf die Fee der Widerrede und ein Känguru. Diese Gruppe begibt sich auf eine Reise über Kontinente und Zeiten hinweg zu den wichtigsten Philosophen. Denn Alice umtreibt die Frage, wie wir, wie sie selbst, leben soll.

Vieles macht ihr Angst, die Erderwärmung und die Zerstörung der Welt, Kriege und die Veränderungen in unserem Leben durch die KI. Bei diesen Fragen soll sie Hilfe durch die Philosophie erhalten und so trifft sie zu Beginn auf Sokrates. Nebenbei erfährt man auch noch einiges über das Leben in der damaligen Zeit. Sie trifft auf Buddha und Nietzsche und es gibt Denkanstöße, die ihr gefallen und manche nicht oder weniger. Die Fee sieht in allem was sie erfahren auch einen Widerspruch und sät Zweifel an der Aussage der Philosophen während das Känguru in seinem unerschöpflichen Beutel immer wieder neue Informationen und Hintergründe bereithält.
Diese philosophische Reise ist sehr unterhaltsam und leicht verständlich geschrieben, auch ohne Vorkenntnisse gut nachvollziehbar und bringen einen selbst zum Nachdenken. Die Begebenheiten rund um die Reisegruppe lockern die ernsten Themen auf und sorgen für so manchen Schmunzler.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Ulla

tiefsinnig und leicht lesbar

Querfeldein von Alex Capus

Arnold wächst in einem schweizer Dorf nahe der deutschen Grenze auf. Bereits in seiner Jugendzeit war er ein unruhiger Geist, er wollte die Welt erleben und arbeitete so in verschiedenen handwerklichen Berufen immer nur für ein halbes Jahr. Bis er als Pflasterer sich auf Knien zum Kasino in Baden-Baden vorarbeitete und seinen Lohn beim Roulette setzte.

Er gewann viel Geld und beschloss, es in einen Gasthof zu investieren. Das Wirtshaus zur Moskau war stets gut besucht und als er Betty traf, sie heiratete und mit ihr 8 Kinder bekam, blieb er dort. Auch Betty hatte einen Hang nach Freiheit und besonders ihre älteste Tochter, die „verrückte“ Clara, streunte bereits als Kind tageweise umher. In der Schweiz hörte man bereits von den Veränderungen in Deutschland, die 1933 immer intensiver wurden. Hermann Weber, ein Schmuggler, hat es noch so gerade über die Grenze geschafft. Der kräftige und zupackende Hermann fand einen Platz in der Wirtschaft und in Claras Herzen bis er von Nazischergen zusammengeschlagen und über die Grenze nach Deutschland verschleppt wurde.
Die politischen Verwicklungen bezüglich Hermann Weber sind historisch belegt, die Liebesgeschichte fiktiv.
Neben dieser echten Geschichte gefällt mir an dem Roman die Schreibweise und Wortwahl, die liebevolle Beschreibung der Charaktere und Eigenheiten der Dorfbewohner und die Landschaft und die besonderen Herausforderungen im Grenzbereich zwischen der Schweiz und Deutschland. Ein tiefsinniger Roman der leicht lesbar ist.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Ulla

Jäger und Gejagte

Nebelbeute von Benjamin Cors

Mila Weiss ist Spezialermittlerin in der Gruppe 4, die Serienkiller zur Strecke bringt. Offiziell nimmt sie eine Auszeit und möchte diese in einem abgelegenem Ort in den Bergen verbringen. In den Wäldern soll sich der Serientäter Johannes Toblach versteckt halten, der mehrere Kinder entführt haben soll.

Ihn will sie jagen und stellen. Im Winter bei Schnee und Kälte wandert sie auf der Suche umher und bringt Kameras zur Überwachung an. Seltsame Menschen, skurrile Charaktere und Eigenbrödler leben in dem Ort und Umweltschützer kämpfen gegen das Sägewerk und die massive Abholzung. Kurz nach ihrem Einzug in ihre Ferienhütte entdeckt sie einen Toten seltsam drapiert in einem Baum hängend. Aus der Ferne helfen ihr die anderen Mitglieder der Gruppe 4 und stellen fest, dass es hier eine Häufung von Todesfällen in den letzten Jahren gab. Verdächtigte gibt es viele und immer wieder neue Spuren. Als Mila Toblach endlich findet, oder er sie, wird es auch für sie gefährlich.
Der Thriller ist äußerst spannend und vielschichtig geschrieben. Mehrere Morde, viele Tatverdächtige und er alte Fall aus den Vorgängerbänden verschmelzen hier. Verschiedene Interessen und Lebensweisen treffen aufeinander in einer nur scheinbaren Idylle.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Ulla

Tod eines Kritikers

Klein aber tot von Jo Fischler

In der fiktiven Kleinstadt Knuffingen hat es einen Mord gegeben, der Journalist und Kritiker Friedrich Frank wurde tot aufgefunden. Da alle anderen Polizisten nicht auffindbar sind ist Jojo Wunder bei den Ermittlungen auf sich allein gestellt. Einwenig Hilfe erhält er von seinem Freund, der durch sein Hobby Modelleisenbahnbau, sich mit Tüfteleien und Puzzle auskennt.

Hinweise am Tatort deuten auf verschiedene Verdächtige, neben dem Bürgermeister zu Jojos Leidwesen auch seine heimliche Geliebte, die Blumenverkäuferin Liora Märklin, und seine Mutti, deren Restaurantessen von Herrn Frank gnadenlos schlecht gemacht wurde. Und was hat es mit den Treffen im Pärchensitz im Kino auf sich? Auf jeden Fall hat der als Journalist gefeuerte Frank über seine Verhältnisse gelebt.
Der gesamte Ort mit seinen Bewohnern wird sehr liebevoll beschrieben. Die Handlung ist eher humorvoll zu nennen obwohl auch immer wieder Spannung aufkommt. Da der fiktive Ort Knuffingen Teil der Hamburger Miniaturwunderwelt ist, gibt es immer wieder Bezug darauf, wie den Modellbastler mit Styropor beim Berge bauen, einen Märklinladen und die Blumenhändlerin mit Nachnamen Märklin. Ein liebenswerter Krimi mit viel süddeutschen Lokalkolorit.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Ulla

Schatten aus der Vergangenheit

Im Morgengrauen von Marc Raabe

Im Internet kursieren Videos von einer jungen Frau, die sich Kessy X nennt. Sie erzählt von ihrer privaten Begegnung mit dem Bundeskanzler Henrik Westphal, bei dem es zu Übergriffen und schlimmeren gekommen sein soll. Und nun ist der Kanzler verschwunden. Versteckt er sich, wurde er entführt oder ist er tot? Sein Freund aus Kindertagen, der Polizist Art Mayer, sucht nach ihm.

Bei seinem Besuch bei Juli, Henriks Frau und seine große Liebe, wird er zu einer Toten im U-Bahn Schacht gerufen. Die kopflose Frau trägt ein Eulentattoo, genau so eines, wie man auf den Video von Kessy X sieht. Mit seiner Partnerin Nele Tschaikowski, eine junge Mutter mit reichlich privaten Problemen, ermittelt er nun auch in diesem Tötungsdelikt. Bis Art Mayer selbst ins Visier der Ermittlungen gerät und er untertauchen muss.
Der äußerst spannende Thriller, der sich zwischen privaten und politischen Themen bewegt wird aus zwei verschiedenen Sichtweisen und Zeitabständen erzählt. Eine Sicht, vor Westphals Verschwinden, von Kessy X und die zweite aus Sicht der Ermittler nach dem Verschwinden. Es ist von Vorteil die Vorgängerbände zu kennen, da sich vieles auf die Vergangenheit im Umfeld von Juli, Art und Henrik bezieht, jedoch nicht zwingend nötig. Neben der Spannung gefällt mir die hervorragende Schreibweise und das Hineintauchen in alle Protagonisten.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Ulla