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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Ulla:

zum Miträtseln

Tod zur Teestunde (Susan Ryeland ermittelt 3) von Anthony Horowitz

Susan Ryeland ist nach einer gescheiterten Beziehung wieder zurück in London und arbeitet als freischaffende Lektorin. Das Geld ist knapp und so nimmt sie einen Auftrag an, der ihr gar nicht zusagt. Der Autor der Krimireihe über den Privatdetektiv Atticus Pünd lebt nicht mehr, dafür möchte Eliot Crace, der Enkel einer berühmten Kinderbuchautorin Miriam Pünd, nun eine Fortsetzung schreiben.

Wieder erwarten ist das Manuskript hervorragend. Pünd, inzwischen schwerkrank, wird von einer befreundeten reichen Engländerin, die in Südfrankreich lebt um Hilfe gebeten, doch bevor er sie erreicht ist sie vergiftet worden. Während wir mit Susan gemeinsam diese Handlung verfolgen bemerkt Susan Ähnlichkeiten mit der Familiengeschichte von Eliot, bei der die gesamte Familie unter der Matriarchin Miriam litt. Nachdem Eliot verbreitet, Miriam wurde vergiftet und er verrät in seinem Krimi den Täter, kommt er bei einem Unfall ums Leben.
Die Ebenen, das Krimimanuskript und die Handlung um Susan sowie die Auflösung der alten Familiengeschichte sind sehr spannend und schriftstellerisch hervorragend umgesetzt. Man wird zum Miträtseln animiert. Es ist von Vorteil die Vorgängerkrimis zu kennen, um die Hintergründe, die zwischenzeitlich angesprochen werden zu verstehen, zum Verfolgen dieser Handlung jedoch nicht unbedingt nötig.

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Glaube, Liebe, Hoffnung

In den Scherben das Licht von Carmen Korn

Der Winter 1946 in Hamburg ist extrem kalt, die Häuser zerbombt und der Wiederaufbau gestaltet sich schwierig. Wer wenigstens ein Dach über dem Kopf hat kann sich glücklich schätzen. So wie die ehemalige Volksschauspielerin Friede Wahrlich, die in ihren Keller den Teenager Gert aufgenommen hat. Seine Eltern leben nicht mehr, doch er hofft noch auf ein Wiedersehen mit seiner kleinen Schwester Barbara.

Kurz danach wird auch die junge elternlose Gisela in diese Wohngemeinschaft aufgenommen. Friede beschließt, ihr Haus auszubauen und eine Pension zu eröffnen. Lulu zieht ein, Ludwig, der als Schwuler den Hass von Vater und Brüdern auf sich zog und Robert, der beim Aufbau half. Nicht nur ihre Untermieter schleppen Probleme und Sorgen mit sich, auch sie selbst denkt immer noch an Viktor, den sie einst liebte und nicht half als er als Jude deportiert wurde. Sie alle hoffen auf das Wiedersehen mit Angehörigen von den sie hoffen, dass sie den Krieg überlebt haben und dabei entwickeln sich neue Freundschaften und Liebesbeziehungen.
Der Roman schildert den Wiederaufbau in einer zerstörten Stadt. Gut recherchiert und interessant geschrieben, für meinen Geschmack nur zu sehr weichgespült und zu viel Happy End, die wirklichen Gräuel der Kriegszeit werden nur am Rande erwähnt.

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wenn die Welt auf eine kleine Insel kommt

Mr. Saitos reisendes Kino von Annette Bjergfeldt

Carmelita, genannt Lita, wurde 1927 auf einer Tanzfläche in Buenos Aires von einem Unbekannten in Bugatti Schuhen gezeugt. Ihre Mutter Fabiola wurde als Säugling in einem Kloster abgegeben und wuchs dort auf, doch die Nonnen bekamen das übersprudelnde Temperament von Fabiola nicht in den Griff. Ihr Leben waren Schuhe, für die sie ein erstaunliches Verkaufstalent entwickelte und der Tango.

Auch Lita verbrachte ihre ersten Lebensjahre im Kloster bis sie beide es verlassen mussten. Wenig später, auf Grund politischer Unruhen, flohen sie auf einem Frachter und landeten auf der kanadischen Insel Upper Puffin. An den rauen aber herzlichen Menschenschlag musste sich Fabiola erst gewöhnen, während Lita in Oona sofort eine Freundin fand. Der Tierarzt heilte auch Menschen und nebenbei war er für den schulischen Unterricht der beiden Mädchen zuständig. Die Insel lag einsam und abgelegen, doch ein Mal im Jahr kam die Welt zu ihnen wenn Mr. Saito mit seinem Wanderkino neue Filme mitbrachte. Er begeisterte auch Lita und Oona mit seiner Arbeit und brachte ihnen das Schneiden der Filme und das Geräuschesammeln für die damaligen Stummfilme bei.
Wir erleben aus der Sicht von Lita wie ihr Leben und das der anderen Einwohner von Upper Puffin verlief und über das Erbe, dass ihnen Mr. Saito hinterließ. Über Jahrzehnte hinweg mit allen Höhen und Tiefen, über Streitereien und Zusammenhalt, über den Ausbruch des zweiten Weltkrieges und den Hass auf alles japanische, fühlen wir mit diesen Menschen mit.
Der Roman ist wortgewaltig und wartet mit vielen poetischen und fantasievollen Wortspielereien auf. Die Geschichte geht ans Herz ohne je ins kitschige zu verfallen. Eine klare Leseempfehlung.

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was ist Heimat, wo gehört man hin?

Trag das Feuer weiter von Leïla Slimani

Mia Daoud ist eine erfolgreiche Schriftstellerin in einer Krise. Ihr Neurologe rät ihr, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen und so fährt sie von Paris in ihr Geburtsland Marokko. Diese Rahmenhandlung gibt uns die Möglichkeit, in die Familiengeschichte der Daouds einzutauchen. Durch die Großmutter Mathilde, die aus dem Elsass stammt und mit ihrem Mann eine Farm bewirtschaftet haben Mia wie auch ihre jüngere Schwester Ines auch die französische Staatsbürgerschaft, in ihrer Familie wird französisch gesprochen, arabisch versteht sie kaum.

Ihre Mutter arbeitet als Gynäkologin, ihr Vater ist ein angesehener Banker in Rabat. Sie haben Personal, keinerlei Geldsorgen und auf eine gute Schulbildung wird Wert gelegt. Ihnen geht es anders als den meisten ihrer Landesgenossen.
Wir erleben die Zeit von 1980 bis in 2000er Jahre hinein, die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen des Landes und das Verhältnis Marokkos zum Ausland. Leila Slimani versteht es ganz hervorragend, Familiengeschichte mit ihren Alltäglichkeiten und den wechselnden politischen Verhältnissen in einer poetischen und fantasievollen Sprache zu vermitteln. Der Konflikt, welcher Kultur und welchem Land man sich zugehörig fühlt, wird beleuchtet. Es ist der dritte und abschließende Roman der Trilogie, es ist jedoch nicht erforderlich die beiden ersten Teile zu kennen.

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britische Agentinnen in Frankreich

Wir dachten, das Leben kommt noch von Elisabeth Sandmann

Gwen erhält als Mitarbeiterin der BBC den Auftrag, ein Buch über die SOE Agentinnen zu schreiben. Diese britische Spezialeinheit schickte französisch sprechende Agenten zur Zeit des zweiten Weltkrieges an Paris, darunter auch einige Frauen. Sie waren Funkerinnen, spionierten und sabotierten gegen die deutsche Besatzungsmacht, teils auch mit eigenem Engagement.

Gwen reist zu Recherchen nach Paris, auch, weil ihre vor 3 Jahren verstorbene Großmutter, eine österreichische Adelige, in dieser Zeit dort gelebt hat und ein Geheimnis hatte.
Eine dieser Agentinnen war Pat, die nun, im Jahr 1998, durch einen Anruf Gwens wieder an diese Zeit erinnert wird und versucht, sie zurück zu versetzen.
Wir erleben das Geschehen aus verschiedenen Blickwinkeln aus der Jetztzeit 1998 und aus der Sicht Pats aus den 1940er Jahren.
Diese Agentinnen haben damals einen wichtigen Beitrag geleistet, doch nach Kriegsende hat man sich noch für die Heldentaten der Männer interessiert.
Der Roman erzählt von vergessenen Frauen, gut recherchiert und geschrieben. Leider werden besonders im Umfeld Gwens sehr viele Personen kurz vorgestellt, über die man nichts weiter erfährt. Die ganzen Freundinnen und Familienangehörigen bis hin zu nur einmal auftretenden Nebenpersonen hätte man besser verzichtet. Das erschwert das Verständnis und auf Grund der Vielzahl an Namen verwirrt es nur.

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reich und arm

The Business Trip von Jessie Garcia

Im Flug vom Madison nach Denver sitzen Jasmine und Stephanie nebeneinander. Jasmine hat ihr mühsam erspartes Geld in ihre Flucht von ihrem gewalttätigen und eifersüchtigen Freund Glenn investiert, Stephanie ist auf dem Weg zu einer Konferenz mit Nachrichtenkollegen. Sie selbst leitet einen Fernsehnachrichtensender, ist geschieden und ihr erwachsener Sohn entfremdet sich immer mehr von ihr.

Die beiden Frauen stellen fest, wie ähnlich sie sich sehen und so sieht Jasmine die Chance auf ein besseres Leben, wenn sie sich als Stephanie ausgibt. Sie stiehlt den Ausweis, doch wie soll sie an das Geld, die Kreditkarten herankommen? Sie muss auch auf die Konferenz und trifft dort auf Trent, ebenso Nachrichtenchef, reich, eingebildet und genauso sexistisch wie Glenn. Sie entwickelt einen perfiden Plan. Doch dann sind beide Frauen verschwunden.
Aus verschiedenen Perspektiven wird die Geschichte erzählt, zuerst aus Sicht von Stephanie und Jasmine, später kommen Kollegen, der katzensittende Nachbar, eine Freundin und Glenn und Trend hinzu. Wobei sich vieles wiederholt und aus anderer Sicht erneut erzählt wird. Es gibt viele Wendungen und nicht alles ist logisch, ganz besonders hat mich der Schluss und die Auflösung des Falles gestört. Das war eine Wendung zu viel um noch glaubhaft zu sein. Der Schreibstil und die Spannung hingegen haben mir sehr gut gefallen.

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komplexe Handlung mit Wendungen

Bad Actors von Mick Herron

Die Slow Horses mit ihren Chef Jackson Lamb sind eine Gruppe abgehalfterter Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes, teils aus dem aktiven Bereich, teils aus dem Bereich Recherche. Was sie eint ist die Versetzung aufs Abstellgleis, alle haben irgendeine Art von Dreck am Stecken, durch schlecht ausgeübte Arbeit oder persönliche Probleme mit Alkohol, Drogen oder mangelnder Impulskontrolle.

Sympathieträger ist jedenfalls keiner von ihnen. Für wichtige Dinge im Geheimdienst werden sie nicht benötigt, wie jetzt, da die Regierungsberaterin, die Schweizerin Dr. Sophie de Greer spurlos verschwunden ist. Bei einem offiziellen Treffen erscheint der Leiter des russischen Geheimdienstes, der sich seit Tagen unentdeckt in London aufhält und von dem keiner weiß, was er in diesen Tagen dort gemacht hat und wen er getroffen hat. Doch die Slow Horses finden eine Spur und mischen auch ansonsten mit, auf sehr unkonventionelle Weise.
Es ist von Vorteil die Vorgängerbände zu kennen um die unangepassten Charaktere besser zu verstehen. Die Handlung ist komplex und mit aktueller Politik aus dem Jahr 2022 versehen, was ein sehr aufmerksames Lesen erfordert. Immer neue Wendungen sorgen für Spannung und der berühmte trockene Humor kommt nicht zu kurz.

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Morde im Nachkriegsberlin

Die weiße Nacht von Anne Stern

Es ist kurz vor Weihnachten im zerstörten Berlin 1946. Fast alles liegt noch in Trümmern, es ist eisig kalt und tief verschneit und die Menschen hungern und frieren. Lou Faber, die im Widerstand war und außer Bruno, mit dem sie sich eine Wohnung teilt, alle ihre Freunde verloren hat, streift auf der Suche nach guten Fotos durch die Stadt um sie an eine Zeitung zu verkaufen.

Mitten im Schnee liegt eine weibliche Leiche wie aufgebahrt, mit gefalteten Händen. Für die Ermittlungen ist der Kriminalkommissar Alfred König zuständig, die auf Lous Fotos angewiesen ist und auch im weiteren Verlauf immer wieder mit ihr zusammen kommt. Die Polizei ist im Neuaufbau, man sucht nach Polizisten ohne Nazivergangenheit und so ist der ehemalige Soldat, der sich weigerte, bei einem Erschießungskommando einen Schuss abzugeben und in der Haft ein Auge verloren hat, die richtige Person.
Neben der Klärung der Morde erleben wir den Wiederaufbau im Nachkriegsberlin, den Überlebenskampf der Bevölkerung, die ohne dem verbotenen Schwarzmarkt keine Chance hätten. Die Sektoren, die zur Teilung der Stadt führen und die damit komplizierte Polizeiarbeit sind ebenso Thema wie die Aufarbeitung der Nazizeit und Reflexionen über eigene Versäumnisse und Schuld. Der Kriminalfall sorgt für Spannung und die gesellschaftliche und politische Situation dieser Zeit wurde ganz hervorragend beschrieben. Ich freue mich schon auf weitere Fälle von König und Faber.

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drei Monate im Leben Thomas Manns

Wenn die Sonne untergeht von Florian Illies

Sehr früh, bereits Anfang 1933, erkennt die Familie Thomas Mann die Gefahren, die das Leben in Deutschland mit den Nationalsozialisten mit sich bringt. Sie fahren in die Schweiz, noch mit der Hoffnung, bald in ihr großes Haus in München zurückkehren zu können. Doch die Lage verschlechtert sich zusehends und so suchen sie für ihr Exil eine angemessene Unterkunft.

Sie finden sie im beschaulichen Sanary in Südfrankreich. Dort treffen sie auf eine kleine Exilgemeinschaft mit Zweig und Feuchtwanger und Aldous Huxlex und bald auch auf Heinrich Mann mit seiner Nelli. Das Verhältnis der Brüder Mann ist nicht ungetrübt und mit der einfachen Nelli sind Gespräche schwierig. Probleme gibt es auch im Verhältnis des Vaters Thomas mit seinen sechs Kindern, die alle um die Aufmerksamkeit buhlen. Drogen, Alkohol und Medikamentenmissbrauch sind allgegenwärtig und die Freitodrate, auch in der Vorgeschichte, recht hoch. Wir erfahren über diesen Sommer in Sanary auch vieles aus der Familiengeschichte, über die Eltern Katia Manns, die wohlhabend und hochgebildet für ihren Mann ihre Karriere aufgab und die jüdischen Wurzeln Katias. Wissenschaftlich ist dieser Roman sehr gut anhand von Briefen, Tagebucheinträgen, Fotos und Beschreibungen von Zeitgenossen aufgearbeitet worden und dabei von einer erzählerischen Leichtigkeit, die es zu einem Lesevergnügen für Thomas Mann Kenner wie Laien macht.

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Mutterliebe

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels Roman. 09.10.2025. BB. von Kaiser Vea

Die Autorin Vea Kaiser schildert ihre Gespräche im Gefängnis mit der wegen Veruntreuung verurteilten Angelika Moser. Über drei Millionen hat sie innerhalb von 30 Jahren mit einer kreativen Buchführung und gefälschter Rechnungen aus dem Grand Hotel Frohner heraus auf ihr eigenes Konto geleitet. Angelika wuchs in ärmlichen Verhältnissen mit einer alleinerziehenden Mutter auf und träumte immer von einem besseren Leben.

Als Buchhalterin im Hotel bat sie der Chef um eine Manipulation der Bilanz um jüdische Forderungen abzuwenden. Sie ließ sich darauf ein, denn inzwischen ist sie selbst Alleinerziehend und das Geld knapp. Um ihren Sohn Sebastian ein besseres Leben als ihr eigenes zu ermöglichen hat sie immer wieder Geld aus dem Hotel veruntreut, das ihre gefälschten Rechnungen ohne Kontrolle akzeptiert wurden. Immer wieder traten Probleme auf, teilweise auch durch Angelikas Naivität. Wir erleben eine junge Frau, die sich zwischen drei Männer entscheiden musste, eine junge Mutter, die sich um ihr Kund sorgte, eine Buchhalterin in leitender Funktion, die zur Stütze des Hotels wurde und die meinte, zum Wohle ihres Sohnes kriminell werden zu müssen.
Trotz der Länge ist der Roman kurzweilig erzählt, der reale Hintergrund macht ihn glaubwürdig. Einen großen Raum nimmt die Problematik alleinerziehender Mütter ein, denen es immer an Zeit und Geld fehlt und die alles für ihr Kind tun würden. Sehr gut geschrieben.

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