Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ulla:
wunderschöne Aufmachung, verwirrender Inhalt
Leuchten am Meeresgrund von Brad Fox
Das Sachbuch über die Erforschung der Tiefsee ist ein Hingucker. Das Cover lädt zum Blättern ein und dort findet man viele Zeichnungen von Meerestieren, Zeitungsausschnitte aus der damaligen Zeit und Fotos und man hofft, dass es auch für Lauen ein interessantes Buch sein könnte. Dies traf in meinem Fall nicht zu.
Vom Inhalt war ich enttäuscht. Die Hauptperson William Beebe ist im Jahr 1934 mit der Bathysphäre, einer Kugel die mit einem Kabel mit der Welt über Wasser verbunden war, in die Tiefsee abgetaucht. Bis zu 900 m, für diese Zeit etwas ganz außergewöhnliches. Er teilte den Menschen über Wasser live mit, was er dort sah. Dieser Teil war auch für mich interessant, er erzählte direkt seine Erlebnisse und Gefühle. Diese Teile wurden immer wieder unterbrochen von neuen Personen, die irgendetwas mit dieser Forschung zu tun hatten, was jedoch nicht nachvollziehbar war. Der Autor springt von einem Thema zum nächsten und dies mit einem schwer zu lesendem Schreibstil. Um die vielen Protagonisten zu überblicken wäre ein Personenregister mit kleiner Biografie hilfreich gewesen. Fazit, kein Buch für mich, für Meeresbiologen bestimmt ein interessantes Werk.
drei Freunde aus drei Ländern
Herrliche Zeiten - Die Himmelsstürmer von Peter Prange
Im Jahr 1871 sind die herrlichen Zeiten angebrochen, der Krieg ist zu Ende und man reist wieder. Vicky Paxton Stoks, eine junge Engländerin aus wohlhabender Familie trifft in Karlsbad auf den Deutschen Paul Biermann und den Franzosen Auguste Escoffier und schlichtet einen Streit zwischen den beiden ehemaligen Kriegsgegnern, die zu Freunden geworden sind.
Diese Begegnung bestimmt ihr Leben, sie halten Kontakt und treffen sich immer wieder. Paul als Ingenieur ist bei der Planung der Weltausstellung in Wien beteiligt und träumt von dem Auftrag bei der Gestaltung des Kurfürstendammes beteiligt zu werden. Vicky möchte ihre ererbten Firmenanteile für die Untertunnelung des Ärmelkanals einsetzen. Auguste arbeitet als Koch und träumt davon, sein eigener Herr zu sein, ein Restaurant nach seinen Vorstellungen zu führen. Während Vicky und Paul fiktive Figuren sind gab es den Koch Auguste wirklich und dieser hat nicht nur eine exzellente Kochkunst an den Tag gelegt, er hat vor allem die Abläufe in der Küche revolutioniert, noch heute arbeitet man nach seinen Vorgaben.
Die persönlichen Verwicklungen und Familiengeschichten sind nur ein Teil dieses außergewöhnlich gut geschriebenen Romans, weiterhin erfahren wir viel über die politischen und gesellschaftlichen Themen dieser Zeit. Die Auswirkungen der französischen Revolution, der Kolonialismus in Afrika, die Engländer in Indien, der Kampf um Frauenrechte, der in Deutschland aufkommende Judenhass, die Aufrüstung und der Wettbewerb zwischen Deutschland, England und Frankreich, wer die größten Errungenschaften erreicht. Zum Ende des Romans, das Jahr 1900 hat gerade begonnen, spürt man bereits das Zusteuern auf erneute Auseinandersetzungen unter den Völkern auch wenn die drei Freunde immer noch zusammenhalten.
Geschichtskunde auf höchstem Niveau und trotz der Länge des Buches ist kein Wort zu viel.
herzerwärmend ohne Pathos und Kitsch
Wohnverwandtschaften von Isabel Bogdan
Nachdem Jörgs Frau Brigitte viel zu früh gestorben ist, ist ihm seine Hamburger Wohnung zu groß und zu ruhig. Sein Sohn Sebastian lebt mit Frau und Sohn in Südfrankreich, er sieht sie kaum. So kommen zuerst der selbstständige Informatiker und leidenschaftliche Koch Murat, die arbeitslose, über 50-jährige Anke und als Neuzugang, die angestellte Zahnärztin Constanze mit in diese Wohngemeinschaft.
Für Constanze soll es nur eine vorübergehende Lösung sein, sie hat sich gerade von ihrem langjährigen Lebensgefährten getrennt. Doch bald merkt sie, dass diese ungleiche Wahlfamilie ihr gut tut, das sie einander brauchen. Jeder hat seine Wünsche und Träume und diese werden uns abwechselnd erzählt. Jörg, noch keine 70 Jahre alt, möchte die Reise im Wohnmobil nach Georgien antreten, da wollte Brigitte immer hin, nun möchte er die Reise alleine durchführen, nur was benötigt er dazu? Anke hofft von Casting zu Casting auf eine Rolle, inzwischen ist ihr schon egal welche, nur schauspielern möchte sie wieder, wie ihr Freund, der die tollsten Rollen erhält und den sie schon lange nicht mehr gesehen hat. Zuerst ist der Prozess schleichend, sie bemerken es erst nicht, bis Jörg immer mehr vergisst. Droht ihre Wohnverwandtschaft auseinander zu brechen?
Ein herzerwärmender Roman ohne Pathos und Kitsch wird das Leben sehr unterschiedlicher Menschen und Charaktere erzählt. Lesenswert.
brisantes Papier
Gefährliche Betrachtungen von Tilo Eckardt
Das Preisgeld aus dem Literaturnobelpreis kommt Thomas Mann gerade recht um es in ein Sommerhaus an der kurischen Nehrung zu investieren. Das Haus liegt kurz hinter der deutschen Grenze in Litauen in einer Gegend, in der beide Sprachen gesprochen werden. Daher sucht der junge Zydrunas Miuleris den Kontakt zu Thomas Mann um den Roman „die Buddenbrooks“ ins litauische zu übersetzen.
Doch dazu kommt es nicht, denn bei dem ersten Treffen der beiden weht Mann ein wichtiges Papier davon welches Müller, wie er eingedeutscht von Mann genannt wird, einfängt und mit seinem fotografischen Gedächtnis speichert. In seiner Unterkunft schreibt er es aus dem Gedächtnis auf, nimmt es mit in die Wirtschaft und verliert es, oder wird es gestohlen. Der Text ist brisant, im Jahr 1930 kurz vor den Wahlen in denen sich Hitler auf die Machtübernahme vorbereitet und politische Gegner verfolgt. Das Gespann Mann und Müller begeben sich auf Spurensuche.
Die fiktive Detektivgeschichte wird zum Anlass genommen um mehr über den Menschen Thomas Mann zu erfahren. Der Sommer an der Ostsee, sein Arbeitsablauf, die Folgen seiner Bekanntheit, sein Familienleben wie auch seine Eitelkeiten, Stärken und Schwächen werden beleuchtet. Dabei kommt auch die Landschaft und die dort leben und arbeitenden Menschen nicht zu kurz. Man benötigt erst ein wenig um in diesen etwas altertümlich wirkenden, jedoch für die Zeit hervorragend passenden, Schreibstil hineinzukommen.
Wahlkampf in Altusried
Lückenbüßer von Volker Klüpfel; Michael Kobr
Kluftinger ist als Interims-Polizeipräsident in Altusried im Allgäu für den reibungslosen Ablauf der Antiterrorübung „Operation Alpenglühen“ zuständig. Alles läuft wie geplant bis neben den gestellten Verletzten ein echter Toter auftaucht. Der tote Polizist Lothar Schaller war gar nicht eingeteilt, was hatte er dort zu suchen? Doch nicht nur die Aufklärung des Todesfalls beschäftigt Kluftinger, er soll für die Kommunalwahl antreten.
Seine Partei hat noch einen Listenplatz frei, weit hinten, so dass er keine Chancen hat, gewählt zu werden. Aber auch dafür sind Fragebögen auszufüllen, Gespräche zu führen, ein Zeitungsinterview zu geben und als Kluftinger hört, das sein Gegenkandidat Dr. Martin Langhammer ist, möchte er nun doch gewählt werden. Die sozialen Medien, mit denen er sich überhaupt nicht auskennt, sollen ihm dabei helfen.
Der Kriminalfall gerät in den Hintergrund, die politischen Verhältnisse, die Tücken eines Wahlkampfes und die Feindseligkeit der Bevölkerung nehmen den größten Raum in diesem sehr humorvoll und nachdenklich stimmenden Kriminalroman ein. Die Protagonisten sind einem in diesem bereits 13. Fall alle mit ihren Stärken, Fehlern und Schwächen ans Herz gewachsen. Der lockere Schreibstil ist äußerst lesenswert.
Geheimnis der Halbbrüder
Blutrotes Karma von Jean-Christophe Grangé
Während die Studentenunruhen in Paris im Jahr 1968 auf den Höhepunkt zusteuern will der junge Student Herve Suzanne, in die er sich verliebt hat, in ihrer Wohnung aufsuchen. Er findet sie in einer Yogaposition aufgeschlitzt und ausgeblutet von der Decke hängend. Er sucht Hilfe bei seinem älteren Halbbruder Jean-Louis, mit dem ihm wenig verbindet.
Er selbst wuchs gut behütet bei seiner Oma auf während Jean-Louis erst im Internat lebte und anschließend in der Fremdenlegion in Algerien Schreckliches erlebte. Inzwischen ist er Polizist, traumatisiert und drogenabhängig. Bei der Suche nach dem Mörder der jungen Frau finden sie die kurz danach getötete Cecile, Suzannes Freundin. Ist jetzt auch Nicole, die dritte Freundin in Gefahr. Zu dritt begeben sie sich auf Spurensuche bei der immer mehr in Richtung Indien weist und Herve das eigentliche Ziel der Morde ist.
Sehr ausführlich werden die politischen und gesellschaftlichen Themen der Studentenrevolte beschrieben, wie auch das Leben in Indien, deren Religionen und Sekten, deren Wertvorstellungen und der Alltag dieser Menschen. Diese ruhigen Abschnitte wechseln sich mit der Jagd nach dem Mörder und sehr brutalen Handlungen ab, sowie der Auflösung um das Geheimnis der Halbbrüder, die für Spannung sorgen. Insgesamt eine gelungene Mischung aus Brutalität, Spannung, Geschichte, Religion, Mystik, Gesellschaftskritik, Landeskunde und Familiengeschichte.
romanhaftes Sachbuch
Das Wesen des Lebens von Iida Turpeinen
Die Stellersche Seekuh, deren Geschichte sich durch die gesamte Handlung zieht, wurde erstmals 1741 vom deutschen Naturforscher Georg Wilhelm Steller entdeckt, als er mit Vitus Bering auf Entdeckungsfahrten ging. Das entbehrungsreiche Leben der Seeleute auf See und der Überlebenskampf der Schiffbrüchigen wird eindrucksvoll geschildert und wie die zutraulichen Tiere, die erstmals auf Menschen trafen dort abgeschlachtet wurden.
Teils war es zum Überleben der Seeleute notwendig, teils geschah es aus reiner Lust am Töten.
Zu späteren Zeiten, als Russland Alaska besiedelte, wurde die Seekuh erneut gesichtet und diesmal machten sich Forscher über dieses große, zutrauliche Tier her. Um sie zu studieren wurden sie getötet.
Heute gilt sie als ausgestorben.
Über Generationen hinweg wird erzählt, was mit den Zeichnungen und Skeletten dieses mächtigen Meeresbewohners geschah. Dabei werden die Menschen, die einen Bezug dazu hatten, mit ihrer Lebensgeschichte in die Handlung eingebunden.
Ein hochinteressantes wissenschaftliches Sachbuch in Romanform. Eine Pflichtlektüre für den Artenschutz.
überraschendes Erbe
Die Unmöglichkeit des Lebens von Matt Haig
In England führt die pensionierte Mathematiklehrerin Grace ein unaufgeregtes, vorbestimmtes Leben. Bereits als Kind ist ihr Sohn Daniel bei einem Unfall ums Leben gekommen, für den sie sich die Schuld gibt, und nun lebt auch ihr Mann Karl nicht mehr. Mit ihren 72 Jahren hat sie nichts mehr vom Leben zu erwarten bis ein Haus auf Ibiza erbt.
Mit der Verstorbenen, der ehemaligen Musiklehrerin Christina, hatte sie seit langer Zeit keinerlei Kontakt. Aus Neugier und um aus dem Alltagstrott auszubrechen, fliegt sie auf die Insel und findet ein heruntergekommenes Haus vor. Der Tod Christinas ist mysteriös, sie möchte für Aufklärung sorgen und auch der Grund warum ausgerechnet sie als Erbin eingesetzt wurde muss einen Grund haben.
Der Schreibstil Matt Haigs gefällt mir sehr gut, sehr einfühlsam nimmt er uns auf die Sorgen und Alltagsbeschwerden Grace mit, angenehm langsam schreitet die Handlung voran. Die Entwicklung von Grace wird uns in Form eines Briefes an ihren ehemaligen Schüler Maurice, inzwischen Mathestudent mit vielen Problemen, nahegebracht. Ein geschickter Schachzug. Die Handlung hingegen gleitet mittendrin ins übernatürliche, mystische hin und ist für mich nicht mehr logisch nachvollziehbar, das Ende völlig an den Haaren herbeigezogen. Schade.
wer ist Eric wirklich?
Stalker - Er will dein Leben. von Arno Strobel
Als Bühnenschauspieler bekommt Eric nur mittelmäßige Rollen, sein Bekanntheitsgrad ist gering bis er eine Rolle im Tatort erhält und seine Facebookzahlen durch die Decke schießen. Er freut sich über die vielen positiven Reaktionen, bis er die Antworten darunter, unter seinem Namen verfasst, sieht.
Abstoßend und arrogant wie diese sind, wird er schnell wieder fallen gelassen. Dieser Unbekannte gibt sich als der wirkliche Eric aus und da er selbst keinerlei Erinnerung an seine Kindheit hat muss er sich dem stellen. Seine einzigen Erinnerung als Elfjähriger sind ein brennendes Haus, in dem seine Eltern ums Leben kamen. Seine Großmutter, bei der er aufwuchs, ist inzwischen dement und keine Hilfe bei der Aufklärung. Und dann behauptet dieser andere auch noch, er hätte damals ein Kind ermordet und entführt seine Frau und seinen Sohn. Erst wenn er alles öffentlich macht lässt er die beiden frei.
Eine hochinteressante Geschichte bei der ich mittendrin Probleme mit der logischen Aufschlüsselung hatte, die sich durch mehrere neue Entwicklungen und ein überraschendes Ende jedoch alle auflösten. Sehr spannend.
Getränkevorlieben mit Rezepten
Trinken wie ein Dichter von Apollo Publishers
Gleich zu Beginn begeistert mich die sehr schöne Aufmachung des Sachbuches. Das Cover in rot ist, ganz besonders für ein Sachbuch, künstlerisch geschmackvoll gestaltet, der Leineneinband sorgt für eine griffige Haptik.
99 Autoren, alle bebildert, verraten uns ihre Lieblingsgetränke, angefangen mit dem Ältesten, William Shakespeare, der einen selbst angesetzten Gewürzmet, Metheglin, bevorzugte bis zu der jüngsten Autorin, R.
O. Kwons, die gerne Vodka Soda trinkt. Dass Johann Wolfgang von Goethe Weinliebhaber war, war mir bekannt, jedoch nicht, dass er den fränkischen bevorzugte.
Die Rezepte, die einfach umzusetzen sind sind liebevoll mit Zeichnungen versehen. Besonders angetan hat mir der Obstsalat mit Champagner, den ich bestimmt bald probieren werde.
Es ist ein Sachbuch, das auf fundierte Anekdoten oder sogar von den Autoren selbst verfasste Anmerkungen beruht warum sie diese Wahl getroffen haben, teilweise auch, wie und warum gerade dieses Getränk ihre Vorliebe ist.
Ein rund rum gelungenes Buch.











