Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ulla:
Sachbuch über den Gerichtsmediziner Christian Reiter
Über Leben und Tod von Florian Klenk
Christian Reiter ist mit Leib und Seele Gerichtsmediziner. Seit frühester Kindheit interessierte ihn der Tod, woran ist wohl sein Hamster gestorben? Diese Neugierde brachte ihn im Medizinstudium in die Pathologie und seitdem hat ihn die Suche nach Todesursachen nicht mehr los gelassen. Er berichtet von spektakulären österreichischen Fällen, wie der doppelte Selbstmord des Kronprinzen Rudolf und seiner Geliebten, von der schwarzen Witwe, die Männer aus finanziellen Gründen sehr geschickt tötete.
Die Haare Beethovens werden zur Untersuchung seiner Todesursache und so hoffen sie, auch zur Erklärung seiner Taubheit eingesetzt, doch sind es wirklich seine? Seine Reise nach Thailand zur Klärung der Absturzopfer des Flugzeugs der Lauda Air entwickelt sich enttäuschend. Zahnabdrücke wurden nur bei den Nichtasiatischen Opfern genommen, viele der Toten wurden nicht identifiziert.
Doch es geht bei seiner Arbeit nicht nur um Tote. Vor Gericht hat er es mit Verletzten und Misshandelten zu tun um um denen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
Zu Beginn erfahren wir viel über die familiäre Vorgeschichte und die Kindheit Christian Reiters, langatmig und nur in wenigen Passagen wirklich von Interesse. Die historische Geschichte des Narrenturms, einst Psychiatrie, nun Museum und der vielen Ausstellungsstücke wird ausschweifend erzählt. Über Untersuchungsmethoden und Todesartfeststellung hingegen erfahren wir wenig, es wird nur kurz angerissen. Es ist mehr ein Sachbuch über Christian Reiter als über seine Arbeit.
konfus und sprunghaft
Nur nachts ist es hell von Judith W. Taschler
Als ältere Frau erzählt Elisabeth aus ihrem Leben. Sie wuchs mit drei Brüdern im ländlichen Österreich auf in einer Zeit, die von zwei Weltkriegen gezeichnet war. Ein Bruder starb während des ersten Weltkrieges und Eugen und Carl, Zwillinge, verband eine ganz besondere Geschichte, die auch in diesem Roman erzählt wird.
Elisabeths Wunsch war schon immer, Ärztin zu werden. Für die damalige Zeit, für eine Frau, nur schwer vorstellbar. Nachdem sie als Lazarettschwester im ersten Weltkrieg viel erlebt hat, hat sie, mit Eugens Fürsprache und den Rückhalt der Ärztefamilie ihres zukünftigen Mannes Georg, ihr Medizinstudium begonnen. Wir erfahren, welchen Repressalien Studentinnen ausgesetzt wurden, so dass viele abbrachen. In Wien hatte sie gemeinsam mit ihrem Mann eine Hausarztpraxis geführt, da er kriegsversehrt mit fehlendem Arm, Hilfe benötigte.
Weiterhin wird über das kompliziert Familienleben erzählt, über Liebe und Untreue, über die Nazizeit in Österreich und den zweiten Weltkrieg, über die unterschiedlichen Rollen der Frauen in Kriegs- wie in Friedenszeiten. Alles sehr interessante Themen und bei einigen hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht.
Enorm störend fand ich die ständigen Wechsel in den Zeiten, vieles wurde erst angeschnitten um dann Seiten später ausführlicher beschrieben zu werden. Nochmals Seiten danach wurden neue Ereignisse zu dem Geschehen hinzugefügt. In welcher Zeit, in welcher Handlung gerade berichtet wurde konnte man erst nach mehreren Sätzen durchschauen, da ging es schon weiter in eine neue Episode. Wie bei einer alten Frau, die auf ihr Leben erzählt und der beim Zurückblicken immer wieder etwas aus der Vergangenheit einfällt. Leider sehr konfus und sprunghaft.



