Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Anjulia :
Löwenstarke Botschafterin
Sirga und Valentin. Die wahre Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft von Valentin Grüner
Löwin Sirga wurde als Jungtier von Valentin Grüner, einem Ranger und Naturschützer, gefunden. Er zog sie groß und zeigt Ausschnitte aus der daraus entstandenen Freundschaft in diesem Kinderbuch "Sirga und Valentin. Die wahre Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft". Durch ihren Social-Media-Account ist Sirga auch zu einer Botschafterin für die wilden Löwen der Kalahari geworden, auch wenn ich sie zumindest bis jetzt noch nicht kannte.
Besonders gut gefällt mir, dass deutlich wird, dass Sirga trotzdem ein freies, unabhängiges Löwenleben führt, zu dem auch Dinge wie die Jagd gehören. Auch geht das Buch darauf ein, dass sie nicht von einem Rudel aufgenommen wurde oder auch einmal medizinische Betreuung braucht. Trotzdem stehen zum Schluss die positiven Aspekte des gemeinsamen Lebens in der Kalahari im Vordergrund. Der Text, den der Autor wählt, ist gut verständlich. Die Zeichnungen im Buch sind eher einfach gehalten und großflächig gemalt. Trotzdem passen sie sehr gut zur Geschichte, sodass man sich Sirgas Leben in der Kalahari Wüste auf jeden Fall besser vorstellen kann. Besonders niedlich ist auch das kleine Erdmännchen, das auf den Seiten immer mal wieder auftaucht. Wem das noch nicht reicht, kann auch die Kosmos-App herunterladen. Dort befinden sich kurze Videos, in denen Sirga beispielsweise als kleine Löwin mit einer Flasche gefüttert wird, Valentin "umarmt" oder einen Jagdversuch startet. Am Ende des Buches findet man auch noch ein Interview mit Valentin sowie Fotos der beiden.
Insgesamt konnte mich dieses Buch über eine ungewöhnliche Freundschaft überzeugen und ich kann es für Kinder ab dem Vorschulalter weiterempfehlen.
Suche im winterlichen Tokio
Tokyo Seasons von Anne Pätzold
Eigentlich ist Caitlyn nur kurz beruflich in Tokio. Als ihr eigentlicher Rückflug ausfällt, probiert sie eine Dating App aus, die ihre Mitbewohnerin ihr empfohlen hat. Mit ihrem Match Will könnte die Chemie stimmen. Doch bald bemerkt Caitlyn, dass sie nicht mit Will, sondern mit dessen besten Freund Jude chattet.
Dieser bietet als Wiedergutmachung an, sie auf der Suche nach ihrem Vater zu begleiten, der vor Jahren nach Tokio gezogen ist und zu dem der Kontakt abgebrochen ist. Dabei entwickeln sich zarte Gefühle zwischen den beiden.
Tokyo Seasons von Anne Pätzold ist eine sehr zarte Liebesgeschichte. Mir hat der Schauplatz des winterlichen Japans bzw. Tokios sehr gut gefallen. Die Atmosphäre der Stadt wird sehr schön vermittelt. Man bekommt beim Lesen richtig Lust darauf Jude und seine Freunde in einem der vielen Restaurants zum Essen zu begleiten. Die Geschichte wird aus Caitlyns Perspektive erzählt. Sie wirkt auf mich tatsächlich sehr reflektiert. Ihre Suche nach dem Vater gestaltet sich als schwierig. Zum einen, weil sie unsicher ist, ob sie ihn überhaupt finden will, zum anderen wegen tatsächlicher Hürden. Durch Will und seine Freunde Emma und Jude sieht Caitlyn, was in ihrem Leben fehlt. Die Beziehung, die sich zwischen ihr und Jude entwickelt, ist sehr wertschätzend und vom Respekt vor den Grenzen des anderen geprägt. Wer hier eine große, flammende, leidenschaftliche Romance erwartet, ist hier falsch, auch weil Caitlyn wohl keine Person ist, die körperliches Verlangen entwickelt. Ein ganz großes Thema sind außerdem die toxischen Eltern, unter denen beide Protagonisten leiden.
Fazit: Eine sehr feinfühlige Liebesgeschichte mit nicht ganz leichter Hintergrundstory, in einer wundervoll atmosphärisch in Szene gesetzten Stadt.
Tarot, Kerzenmagie und ein tödlicher Fluch
Die Hexen vom Honeysuckle House von Liz Parker
Alle 13 Jahre, am 13. Oktober, stirbt jemand im Honeysuckle House. Die Hexenschwestern Florence und Evie Caldwell glauben jeweils auf ganz eigene Weise, eine Möglichkeit gefunden zu haben, um den Fluch zu brechen. Florence führt einen Buchladen, hat der Magie abgeschworen und Honeysuckle House seit vielen Jahren nicht mehr betreten.
Evie hat aus dem Haus eine verspukte Pension gemacht und nutzt ihre Magie für Gutes. Als sich nach dem letzten Todesfall der 13. Oktober zum 13. Mal nähert, müssen die Schwestern feststellen, dass der Fluch noch intakt ist. Das Geheimnis zur Rettung der von ihnen geliebten Menschen liegt in der Vergangenheit.
Die Hexen vom Honeysuckle House von Liz Parker ist Witchy Fantasy, ein Roman über zwei unterschiedliche Schwestern, einen Fluch und das Heilen generationsübergreifender Traumata. Toxische Familienbeziehungen und das aktuelle Thema Break the Cycle sind zentrale Themen, auch weil die Autorin hier auch eigene Erfahrungen einbringt. Vor allem Evie und Florences Beziehung zueinander ist ein wichtiger Punkt. Ich fand es schön, dass sich ihre Schwesternschaft trotz jahrelanger Meinungsverschiedenheiten durchsetzt. Florence ist dabei ein sehr zurückhaltender Charakter, der aufgrund des Fluches vor Bindung zurückschreckt. Evie ist eher offen und tatkräftig. Beide Hauptcharaktere konnte ich gut nachvollziehen. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven und auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt. Die Handlung des Buches spielt hauptsächlich in Florences Buchhandlung und im Honeysuckle House. Beide Orte haben gemeinsam, dass sie durch die Magie der Hexen praktisch zu Lebewesen geworden sind und auf ihre Art auch kommunizieren können. Dieser Aspekt hat mir gut gefallen, wobei Honeysuckle House durch den Fluch bedrohlich wirkt. Dazu gibt es Kerzenmagie, ganz viel Tarot und kleine (auch queere) Liebesgeschichten, die sich aber nicht in den Vordergrund drängen. Trotzdem empfand ich die Stimmung im Buch weniger herbstlich und cosy, als ich erwartet hatte.
Düsteres Prašina
DunkelZone von Vojtech Matocha
Jirka lebt in Prag. Als er eines Tages seinen Großvater in Prašina besucht, überschlagen sich die Ereignisse. Prašina, die DunkelZone, ein Stadtteil, in dem keine Elektrizität funktioniert, beginnt sich auszudehnen. Um dies zu verhindern, beginnt für Jirka und seine Freundin Em ein Wettlauf gegen die Zeit.
Aber sie haben dabei Gegner, die vor nichts zurückschrecken.
Mich hat an DunkelZone von Vojtěch Matocha vorallem das Setting und das Rätsel um die DunkelZone gereizt. Diese war dann auch erstaunlich düster. Nicht nur, dass keine elektronischen Geräte funktionieren, auch die Bewohner sind bestenfalls desinteressiert oder unfreundlich. Insgesamt ein sehr bedrohlich wirkender Ort. Die Geschichte beginnt auch direkt mit einer Verfolgungsjagd und einem tödlichen Unfall. Danach reiht sich eine gefährliche Situation an die nächste. Das Buch ist insgesamt sehr actionreich. Die Gegner sind finster und schrecken nicht vor Entführung, Körperverletzung und Androhung von Folter zurück. Gerade für ein Kinder- und Jugendbuch ab 11 hätte ich mir auch leichtere Momente gewünscht. Zu den beiden jugendlichen Hauptfiguren Jirka und Em konnte ich keine Beziehung aufbauen. Ihre Charaktere und Hintergründe blieben mir bei den ganzen Verfolgungsjagden und kritischen Situationen zu blass. Überzeugt hat mich wiederum die Hintergrundgeschichte zu Prašina und der Plottwist in der Handlung.
Insgesamt gebe ich eine eingeschränkte Empfehlung für ältere Kinder, die spannende, aufregende Geschichten lieben. Ein eher durchwachsener Auftakt zu einer Reihe, die ich wohl nicht weiterverfolgen werde.
Nicht alles sollte zurückkehren
And The River Drags Her Down von Jihyun Yun
Soojins Schwester ist seit etwa einem Dreivierteljahr tot, Sie ist ertrunken und Soojin erträgt die Trauer um sie nicht mehr. Allerdings haben die Frauen aus Soojins Familie eine Gabe und können Verstorbenes ins Leben zurückholen. Die eigentliche Regel lautet dabei aber nur Kleintiere und Vögel. Als Soojin diese Regel bricht und ihre Schwester Mirae zurückholt, ist diese nicht mehr dieselbe wie vor ihrem Tod.
Sie kann nicht mehr in ihr altes Leben zurück. Immer mehr spürt sie den Drang des Wassers und ihr Bedürfnis nach Rache wächst.
Das Cover des Buches zeigt eine junge Frau vor blau grünem Hintergrund. Ihr Gesicht ist auf der einen Seite normal. Auf der anderen, eher verdeckten Seite, kann man den Verwesungsprozess erahnen. Insgesamt passt es gut zum Inhalt und zur Stimmung der Geschichte. Normalerweise liebe ich Farbschnitte, aber der Koi, dessen halbes Schuppenskelett man sieht, kommt mir nicht ins Regal.
And The River Drags Her Down von Jihyun Yun würde ich am ehesten als Young Adult Mystery mit leichten Horrorelementen beschreiben. Trauer, Sehnsucht, aber auch Rache sind durchgängige Themen. Die Geschichte wird zum Großteil aus Soojins Perspektive erzählt, man erhält aber auch Einblick in Miraes Sichtweise. Die Atmosphäre ist zeitweise bedrückend, man spürt Soojins Trauer und ihren Verlust. Der Versuch, die geliebte Schwester zurückzuholen war für mich tatsächlich verständlich. Als Leser merkt man das Unheil, das sich anbahnt und vor dem Soojin die Augen verschließt. Trotz einer eher ruhigen, für mich gut zur Geschichte passenden Erzählweise gibt es verstörende Szenen insbesondere in Hinblick auf Tod und Verwesung. Das Wasser, in dem Mirae gestorben ist, ist ebenfalls ein zentrales Element. Eine kleine, sehr, sehr zart Liebesgeschichte gibt es auch noch.
Insgesamt hat mir die Geschichte mit ihrer düsteren Atmosphäre gut gefallen. Ich kann das Buch weiterempfehlen, vor allem in seiner Kombination aus koreanisch angehauchtem Horror und tragischer Familiengeschichte.
Magische Miss Bennet
Stolz, Vorurteil und Hexerei von Melinda Taub
Ich gebe zu, dass es schon etliche Jahre her ist, dass ich das Original gelesen bzw. eine Verfilmung dazu gesehen habe. An die jüngste der Bennet-Schwestern Lydia konnte ich mich aber noch gut erinnern. Jung, naiv und ungestüm, so ist Lydia auch in diesem Buch und dazu gesegnet mit einer großen Portion an Magie.
Tatsächlich geht es in Stolz, Vorurteil und Hexerei von Melinda Taub weniger um Mr. Darcy und Elizabeth (bei denen ich mir nie merken kann, wer stolz ist und wer Vorurteile hat) sondern um Lydia Bennets Geschichte, die eindeutig mit Hexerei zu tun hat. Dass sie eine starke Hexe ist, steht schon in ihrer Kindheit fest. Ein Zauberer verwandelt eine Katze, die fortan ihre Schwester Kitty ist. Gleichzeitig muss sie sehr früh einen Pakt mit einem Dämon eingehen, der für den restlichen Verlauf der Geschichte entscheidend ist. Und auch der attraktive Mr. Wickham hat einen ganz anderen Hintergrund, als Jane Austen je für ihn vorgesehen hat.
Der Schreibstil der Autorin liest sich leicht und angenehm. Die Geschichte wird aus Lydias Perspektive geschrieben. Tatsächlich finde ich, dass die Autorin den Ton dieser vergangenen Ära sehr gut trifft. Dass Lydia sich ihrer Charakterschwächen bewusst ist und sie diese eigentlich auch nicht wirklich stören, macht sie trotz ihrer Fehler sympathisch. Die Kombination aus Regency und Fantasy hat mir sehr gut gefallen. Wer kann schon zu einem Leben zwischen Regency Bällen und Hexenzirkeln Nein sagen. Insgesamt finde ich die Geschichte sehr erfrischend und humorvoll. Einen kleinen, passenden Romance-Anteil gibt es zum Schluss auch noch.
Das Buch orientiert sich an einem großen Klassiker der Literatur, erzählt diesen nicht neu, sondern gibt Lydia Bennet ihre eigene, erzählenswerte Geschichte. Ich habe diese sehr gemocht und kann das Buch ausdrücklich weiterempfehlen.
Ein ungewisser Pakt
Chimaira: Malin & Maira von Sabine Giebken
Malin träumt davon, als Tänzerin für ein Schulmusical auf der Bühne zu stehen. Vielleicht würde der gutaussehende Yannick sie dann endlich auch bemerken. Leider kann sie ihre Unsicherheiten nicht gut überspielen. Maira, die Neue an der Schule, könnte die Lösung für ihr Problem sein. Dazu müsste Malin allerdings einen Pakt mit Maira schließen, der sie auch alles kosten könnte.
Chimaira: Malin & Maira von Sabine Giebken ist definitiv außergewöhnlich umgesetzte Urban-Jugendfantasy, da es sich um ein Wendebuch handelt. Es erzählt dabei die Geschichte sowohl aus Malins als auch aus Mairas Perspektive aber nicht parallel, sondern in zwei voneinander unabhängigen Teilen. Das Cover ist entsprechend gestaltet und passt sehr gut zu Mairas Magie. Ich habe mit Malins Teil angefangen. Malin ist sympathisch. In ihre Probleme kann man sich gut hineinversetzen. Probleme in Mathe, eine Familie, die sie liebt, aber chaotisch und peinlich ist, eine gute Freundin, aber keine große Clique und ständigen Vergleiche mit hübschen und talentierten Mädchen. Ich fand, man kann sehr gut mit ihrer Geschichte und ihrer Entwicklung mitfiebern. Durch den Pakt mit Maira kommt auch Spannung auf. Mairas Part ist, da man weiß, wie die Geschichte endet, zwar weniger aufregend, aber trotzdem lesenswert. Ihr Charakter war schwieriger, da sie Verlust und Schuld aus der Vergangenheit mit sich trägt. Eine Entscheidung von ihr könnte sowohl ihr als auch Malins Leben für immer ändern. Ein besonderer Reiz war für mich tatsächlich, zuvor bereits gelesene Szenen aus einer anderen Perspektive zu erleben. Sehr schön finde ich die Botschaft des Buches über Selbstbewusstsein und Selbstakzeptanz. Ganz kleiner Kritikpunkt: Die jeweiligen Enden der beiden Teile hätten etwas ausführlicher sein dürfen.
Der Roman dürfte vor allem Mädchen ab 12 ansprechen. Sowohl vom Schreibstil als auch von Inhalt finde ich diese Altersangabe auch passend.
Dra
When Dealing With Dragons. Drachengold von Dana Swift
Farren rettet bei einem Drachenrennen ausgerechnet James, den arroganten Jungen, den sie am wenigsten leiden kann. Beide konkurrieren um ein Stipendium, aber auch ihre unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten führt zu Reibungspunkten. Als James seine Verletzung ausgerechnet auf dem Gnadenhof ihrer Familie auskurieren will, steht plötzlich viel mehr als nur Farrens Herz auf dem Spiel.
When Dealing With Dragons – Drachengold von Dana Swift ist eine gelungene Mischung aus Jugendfantasy und Romantasy. Die Geschichte wird sowohl aus Farrens als auch aus James Perspektive erzählt. Ein ganz großer Aspekt nimmt natürlich die sich langsam entwickelnde Lovestory der beiden ein. Hier hat mich überrascht, dass James schon von Beginn an total in Farren verliebt ist. Insgesamt sehr süß und bedenkenlos für jüngere Teenager lesbar. Ein Highlight sind natürlich die Drachen, die sich vor allem durch unterschiedliche metallene Schuppen auszeichnen, und das darauf beruhende Magiesystem. Wie Farren und James sich für das Wohl der Drachen einsetzen, macht beide sympathisch. Besonders James ist insoweit auch eine Überraschung. Für ihn ist der Aufenthalt auf dem Hof schon im Bereich Found Family einzuordnen. Der Schreibstil der Autorin ist angenehm leicht lesbar und sorgt dafür, dass man schnell durch die Seiten fliegt. Spannende und ruhige, familiäre Stellen wechseln sich ab. Der Verlauf der Geschichte war stellenweise nicht ganz überraschend, was mich aber nicht gestört hat. Das Buch ist in sich abgeschlossen, was ich als sehr angenehm empfunden habe.
Insgesamt ein sehr schöner Drachenromantasy-Roman, der mich fesseln konnte.
Panik riecht nach Butterkeks
Die unsichtbare Farbspur von Toni Moldabegga
Milo wächst ziemlich einsam bei seinen Eltern auf einer abgelegenen Wetterstation auf. Während die beiden herausragend Luftsyntagie beherrschen, muss Milo seinen eigenen Weg erst noch finden. Dazu dient die Volantur, eine mehrwöchige Orientierungsreise, durch Panelima. Er schließt Freundschaft mit Dylan und Elani, die in seiner Reisegruppe sind.
Gemeinsam kommen sie hinter ein Komplott, das das Gleichgewicht von Panelima empfindlich stört.
Die unsichtbare Farbspur von Toni Moldabegga ist am ehesten als (Jugend)-Fantasy mit Elementen einer Utopie einzuordnen. Zunächst habe ich Panelima tatsächlich für eine eigene Welt gehalten, insbesondere wegen der Magie ( hier Syntagie genannt), welche die Menschen wirken können. Lediglich Referenzen an Mozart, Chopin und Harry Potter, sowie die Erwähnung eines großen Krieges, lassen darauf schließen, dass die Geschichte in unserer Zukunft spielen könnte. Das Worldbuilding fand ich interessant. Die Verbindung zu Bäumen und Myzelien spielt hier eine große Rolle. Milo ist als Charakter eher zurückhalten und schüchtern bzw. unsicher. Er hat die besondere Fähigkeit Farben riechen zu können, die sich im Verlauf der Handlung vertieft. Weitere Charaktere sind die intelligente, wissensdurstige Elanie und die wagenmutige Dylan. Leider war das Leseerlebnis eher zäh und langatmig. Die Geschichte ist nicht spannend und verliert sich in Kleinigkeiten, wie zum Beispiel dem Anbau von Pilzen als Baustruktur. An gewissen Punkten sind mir die Jugendlichen auch zu unkritisch ihrer Gesellschaft gegenüber, manche Weisheiten hatten für mit etwas Küchentischphilosophisches. Irgendwie hatte ich bei dem Klappentext selbst erwartet, dass die Welt unangenehme Geheimnisse hat, die von der Gruppe gelüftet werden. Dem war aber nicht so. Rechtschreibung und Grammatik sollten vielleicht nochmal überarbeitet werden.
Fazit: Geschichte mit einer interessanten Idee, die sich beim Lesen ziemlich in die Länge zieht. Jüngere Leser und Leserinnen dürften wohl andere Bücher vorziehen.
Lesen verbindet
Schascha und der Buchspazierer von Carsten Sebastian Henn
Seit sie denken kann, sieht die neunjährige Schascha jeden Abend unter der Woche den "Buchspazierer" den Münsterplatz überqueren. Dieser ist bereits etwas betagt, arbeitet für eine Buchhandlung und heißt mit richtigem Namen Carl Kollhoff. Eines Tages beschließt Schascha, ihn zu begleiten, und lernt so seine unterschiedlichen Kunden kennen.
Eine ungewöhnliche Freundschaft entsteht und bald auch die Erkenntnis, dass nicht unbedingt das bestellte Buch auch genau das ist, was diejenige Person auch braucht.
Schascha und der Buchspazierer von Carsten Henn erzählt den Bestseller "Der Buchspazierer" als Kinderbuch aus Schaschas Sicht. Ich kenne das Original nicht, aber dieses warmherzige Buch, praktisch eine Liebeserklärung an Bücher und an das Lesen, konnte mich von sich überzeugen. Der Schreibstil ist eher ruhig und unaufgeregt. Es gibt Stellen zum Schmunzeln, und welche die zum Nachdenken anregen. Das empfohlene Lesealter ab 9 ( zum Vor- und Selbstlesen) ist berechtigt, denn nicht alle Themen sind leicht. Häusliche Gewalt, der drohende Verlust eines Zuhauses und auch Perspektivlosigkeit aufgrund des Alterns werden angesprochen. Dazu finden sich durch die liebevoll gestalteten Charaktere und deren Gemeinschaft aber Lösungen. Schascha als lebhafte, clevere, bücherliebende Protagonistin konnte ich bereits auf den ersten Seiten ins Herz schließen. Die vielen bunten Illustrationen runden die Geschichte um Schascha und den Buchspazierer sehr schön ab.
Fazit: Ein warmherziger Kinderbuchschatz für alle, die Buch und das Lesen lieben.











