Kunden em pfehlungen
Rezensionen von peedee:
Ein sehr persönliches Puzzle
Das mörderische Christmas Puzzle von Alexandra Benedict
Edie O’Sullivan erstellt Kreuzworträtsel für die Zeitung, liebt Puzzles und hasst Weihnachten mitsamt all ihre Begleiterscheinungen. Am 19. Dezember findet sie vor ihrer Tür ein Päckchen mit einzelnen Puzzleteilen, die einen Tatort abbilden. Sie wird aufgefordert, das Rätsel bis Weihnachten zu lösen, wenn sie den Tod von mehreren Menschen verhindern will.
Edie sucht sich Unterstützung bei Sean, ihrem Grossneffen, der Polizist ist. Als das erste Opfer mit Puzzleteilen gefunden wird, verbietet Sean Edie, sich weiter in die Sache reinzuhängen – dies sei klar Aufgabe der Polizei. Aber Edie kann es nicht lassen…
Erster Eindruck: Das Cover passt sehr gut zum Buchtitel – gefällt mir.
Ein ausgesprochen interessantes Ermittler-Duo: Die 80-jährige Edie O’Sullivan und ihr Grossneffe bzw. Adoptivsohn DI Sean Brand-O’Sullivan. Edie hat in ihrem Leben verständlicherweise einiges erlebt. Und viele unschöne Dinge sind in der Weihnachtszeit passiert, daher kann sie diese Festivitäten überhaupt nicht ausstehen. Auch die letzte Beziehung zu ihrer Partnerin Sky ging zu jener Zeit in die Brüche. Sean ist bei Edie aufgewachsen und liebt sie, auch wenn sie ihre Gefühle hinter ihrer schroffen Fassade versteckt und sie dabei noch hinter Schloss und Riegel hält. Edie ist wirklich nicht gerade ein Sympathieträger. Mit ihrer Art versucht sie, sich zu schützen, da es Dinge gibt, die nie wieder ans Tageslicht kommen dürfen. Aber sie verletzt andere Menschen und stösst sie zurück. Immer wieder. Sie stürzt sich mit grossem Eifer darauf, dieses eine, sehr persönliche Puzzle zu lösen.
„Er war noch nicht einmal vierzig, fast noch ein Baby. Und Babys gegenüber konnte nicht einmal Edie hart bleiben.“ (Edie über Sean)
Edie spielt aufgrund ihrer Kreuzworträtsel-Erstellung immer mit den Worten und nimmt sie auseinander. Das stelle ich mir für die Übersetzung sehr schwierig vor, denn die Worte, die sich im Englischen ergeben, müssen auf Deutsch überhaupt nicht ähnlich bzw. buchbezogen sinnvoll sein. Mich hat der Krimi sehr gut unterhalten und die Auflösung war für mich schlüssig, auch wenn ich wohl niemals auf diese Lösung gekommen wäre. Von mir gibt es 4 Sterne.
Ein kleines, feines Buch
Die Weihnachtsliste von Janne Mommsen
Der kleine Spielzeugladen in Friedrichstadt ist eine Institution. Nein, eigentlich ist Hein, der Inhaber, selbst die Institution. Als er verstirbt, bricht eine Welt zusammen, denn die Friedrichstädter haben sich immer beim traditionellen Weihnachtsbasar von Hein mit Weihnachtsgeschenken eingedeckt. Heins Grossneffe Ben soll nun Haus und Laden auflösen, aber vorher noch die verschiedenen Spielzeuge ausliefern.
Nintje soll ihm dabei helfen. Ben hat nicht wirklich Zeit, denn er ist auf dem Sprung von Amsterdam nach Singapur, wo er künftig arbeiten wird. Aber die Situation bringt ihn zum Nachdenken. Ist das der Geist der Weihnacht?
Erster Eindruck: Mir gefällt das Bild, das sich von der Vorder- über die Rückseite des Buches zieht, sehr gut.
Als Ben in Friedrichstadt ankommt, scheint er in einer anderen Welt gelandet zu sein. Er wird gleich als Heins Grossneffe erkannt und geduzt – alle haben bereits auf ihn gewartet. Die drängendste Frage ist, ob der Weihnachtsbasar pünktlich stattfinden kann. Woher soll Ben das wissen?
Die Person, um die es hauptsächlich geht, ist bereits tot: Hein. Aber trotzdem ist er sehr präsent in dieser Geschichte. Ich fand es sehr berührend, wie er sich Gedanken um „seine“ Friedrichstädter gemacht hat, und immer das für sie passende Geschenk gefunden hat. Obwohl er wenig direkten Kontakt zu seinem Grossneffen Ben hatte, war er doch stets bestens über dessen Werdegang im Bilde. Er hat grosse Stücke auf ihn gehalten und ihn nicht umsonst als seinen Erben eingesetzt. Dies verursacht bei Ben ein schlechtes Gewissen, denn er hätte sich um einen besseren Kontakt bemühen sollen. Doch nun ist es zu spät. Kann er wenigstens den letzten Willen von Hein erfüllen? Und dessen Weihnachtsliste abarbeiten?
Mir hat das Buch sehr gut gefallen: Es ist ruhig und bringt einen zum Nachdenken über Sinn und Unsinn des Lebens. Es hat sich flüssig lesen lassen und war mit seinen nur 192 Seiten auch kurzum abgeschlossen. Von mir gibt es 4 Sterne.
Negative Grundstimmung bis zuletzt
Stille Nacht, mörderische Nacht von Silvia Götschi
Heiligabend auf der Riffelalp. Clothilde Anthamatten liegt tot im Schnee vor ihrem herrschaftlichen Anwesen Winterstern. Alles deutet auf einen Mord hin. Vierundzwanzig Gäste, allesamt Familie, sowie drei Hausangestellte sind auf Winterstern zugegen. Wer hätte ein Motiv, die reiche Clothilde aus dem Weg zu räumen? Enkelin Anna will herausfinden, wer ihrer Oma dies angetan hatte…
Erster Eindruck: Das Cover gefällt mir sehr gut; es passt gut zum Buchtitel.
Die Erzählung erfolgt in zwei Richtungen (Heiligabend bzw. rückwärts im Dezember) ist interessant, ebenso, dass die Erzählung aus verschiedenen Blickwinkeln erfolgt – die Leser:innen wissen mehr als der Einzelne.
Weihnachten ist die Zeit, in der vielerorts Streit ausbricht, da doch gleichzeitig auf „heile Welt“ und „liebe Familie“ gemacht werden soll. Auf Haus Winterstern ist dies insofern anders, als dass es sich um eine Schar Familienmitglieder handelt, die nervtötend und geldgierig ist. Die Kinder sind rotzfrech. Es wird gejammert, wo es nur geht. Witzig fand ich hingegen, dass die Familie, oktroyiert von Clothilde, gemeinsam Schneemänner baut. Mir gefällt die Vorstellung, so etwas als Tradition zu machen. Obwohl hier wohl niemand Freude daran hat – aber was tut man nicht alles für die Aussicht auf viel Geld?
Anna ist die Ich-Erzählerin des Buches. Selbstverständlich ist auch sie nicht frei vom Verdacht des Mordes.
Dies war für mich das vierte Buch der Autorin. Bisher kannte ich nur die Reihe um Allegra Cadisch („Jakobshorn“, „Mattawald“, „Bärentritt“). Da ich diese Bände jeweils gut bis sehr gut empfand, war ich sehr gespannt auf die vorliegende Geschichte. Ich lese sehr gerne Weihnachtskrimis, auch locked-room-mystery, und ich mag rabenschwarzen Humor. Also müsste dieser Krimi doch absolut passen, oder? Nun ja, leider nicht ganz. Es waren sehr viele Protagonisten (zuvorderst gibt es ein Personenverzeichnis) und gefühlt jeder hätte ein Motiv, die „liebe“ Clothilde zum Schweigen zu bringen. Fast alle Protas sind negativ eingestellt, missgünstig, geldgierig. Diese negative Grundeinstellung hat sich durch den ganzen Krimi gezogen. Ich war daher froh, als das Buch zu Ende war. Von mir gibt es leider nur 2 Sterne.
Nicht mein Fall
Single All the Way. A Christmas Roadtrip (Weihnachtliche Romance voll intensiver Gefühle) von Stefanie Hasse; Stella Tack
Samantha ist ein Riesen-Weihnachtsfan – sie kann es kaum erwarten, die Abende vor dem elterlichen Kamin in Aspen zu verbringen. Doch dann verletzt sich ihre Schwester, die Eltern wollen Weihnachten ausfallen lassen und ein Schneesturm legt den Verkehr in San Francisco lahm. Ihr Auto verweigert die eisigen Temperaturen und so gibt es nur eine Möglichkeit, doch noch nach Aspen zu kommen: mit den Zwillingsbrüdern Tristan und Nick mitfahren.
Tristan, der Bad Boy, hat ihr vor Jahren das Herz gebrochen…
Erster Eindruck: Das Cover gefällt mir gestalterisch gut, aber ich mag es nicht, wenn anhand des englischen Titels nicht ersichtlich ist, dass es sich um ein deutsches Buch handelt.
Als ich zu diesem Buch gegriffen habe, war es für mich aufgrund der Inhaltsbeschreibung nicht klar, dass es sich um New-Adult-Buch handelt.
Gegensätzlicher als die Zwillingsbrüder Tristan und Nick könnten Geschwister wohl kaum sein: Tristan, der Bad Boy, und Nick, der Schwiegermutter-Liebling. Und Samantha, die in einer Minute Tristan inbrünstig hasst, nur um in der nächsten Minute seine Attraktivität hervorzuheben und unter seinen Blicken fast dahinzuschmelzen.
Der Roadtrip von San Francisco nach Aspen würde bei perfekten Strassenverhältnissen 17 Stunden dauern. Aber Tristan und sein Bruder haben ganze 5 Tage dazu eingeplant. Wie lange haben sie über Weihnachten/Neujahr Urlaub, wenn sie nur für den Hinweg schon 5 Tage planen? Nun sitzen also drei Personen in Tristans „Baby“, wie er seinen Wagen nennt, davon sind zwei absolute Weihnachtsfans und einer – Tristan – ist der Grinch. Und wenn es 2:1 steht, ist klar, dass Weihnachten das omnipräsente Thema ist.
Für mich war es das erste Buch der beiden Autorinnen, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Die Sprache war locker-flockig, wohl passend für ein New-Adult-Buch, für mich aber manchmal zu salopp. Zudem war für mich Tristans Wandlung vom spätpubertierenden Bad Boy zum vernünftigen Geschäftsmann – innerhalb von ein paar Tagen! – absolut unrealistisch. Dazu kommen noch die vielen Slapstick-Elemente. Leider war ich nicht begeistert, von mir gibt es nur 2 Sterne.
Viele Emotionen
In Liebe, Helsinki von Madita Tietgen
In Liebe, Europa, Band 1: Annikki „Nikki“ Peltola ist finnische EU-Politikerin in Brüssel. Ein Klassentreffen führt sie in ihre Heimatstadt Helsinki zurück. Da ihre Zwillingsschwester nicht kommen konnte, gibt sich Nikki als sie aus, da sie sich vor dem Treffen mit ihrer ersten grosse Liebe Birger fürchtet.
Doch dieses Wiedersehen verliert an Brisanz, denn Nikki wird über Nacht in einen Skandal verwickelt: Ihr wird vorgeworfen, dass sie Bestechungsgelder angenommen hätte. Traurigerweise soll ihr Ex-Freund dahinterstecken! Sie versucht, sich von diesem Schock zu erholen, bevor sie um ihre Ehre kämpfen kann. Birger steht hinter ihr und lässt alte Gefühle neu aufleben. Kann aus ihnen etwas werden? Nikki hat ihre Liebe schon einmal für ihren Beruf geopfert…
Erster Eindruck: Ein sehr schön gestaltetes Cover – gefällt mir.
Dies ist Band 1 einer neuen Reihe. Die Geschichte wird abwechslungsweise aus der Sicht von Nikki und Birger erzählt. In diesem Band führt uns die Autorin in erster Linie nach Finnland.
Hui, Klassentreffen… das mag ich überhaupt nicht. Ich war einmal bei einem, das ich mitorganisiert habe, aber das Erlebte hat mir gereicht: Es wurde geprahlt, es wurde über andere gelästert, die kurz den Raum verlassen haben… nein, danke! Doch nun zum Buch:
Nikki ist Politikerin. Um diesen Weg zu gehen, hat sie sich einst von Birger getrennt. Er hat sie ohne Gegenwehr ziehen lassen. Und nun das erste Wiedersehen nach so vielen Jahren – Nikki ist nervös. Ob er wohl merkt, dass sie nicht Aliisa ist, als die sie sich ausgibt? Sie sind zwar zweieiige Zwillinge, sehen sich aber extrem ähnlich. Birger ist überrascht, Aliisa zu sehen. Aber ihm wird schnell klar, dass es sich um Nikki handelt. Er versteht nicht, wieso sie sich als ihre Schwester ausgibt. Das Wiedersehen weckt bei beiden unterschiedlichste Emotionen. Aber am nächsten Tag ist plötzlich alles anders, denn Nikki steht vor dem Scherbenhaufen ihrer politischen Karriere: Sie soll Bestechungsgelder angenommen haben! Wie soll sie sich rechtfertigen? Wie kann sie ihren Wählern plausibel machen, dass sie stets integer gehandelt hat?
Politik, Beziehungen, Zwillinge, Verlust, Liebe – dies sind nur einige der behandelten Themen. Die Politik wäre so gar kein Beschäftigungsfeld für mich, denn ich könnte nicht damit umgehen, wenn unfaire Anschuldigungen in den Raum gestellt würden und/oder jemand ausfallend würde. Kritik in der Sache ja, aber unter der Gürtellinie nein. Ich finde, Nikki hat sich sehr gut geschlagen und mir hat gefallen, wie Birger sie unterstützt hat, um schlussendlich seine eigenen Ratschläge um die Ohren gehauen kriegte, die ihn zum Nachdenken brachten. Das Buch hat sich flüssig lesen lassen, war emotional und hat mir sehr gut gefallen. Von mir gibt es 5 Sterne und ich freue mich auf den Folgeband.
Wem kann man trauen?
Wir finden Mörder von Richard Osman
Wir finden Mörder, Band 1: Amy Wheeler ist Bodyguard und daher brenzlige Situationen gewohnt. Aber dass sie nun selbst zur Zielscheibe wird, ist neu. Ihr aktueller Job ist, in South Carolina auf die erfolgreiche Thrillerautorin Rosie D’Antonio aufzupassen. Da Amy nun schleunigst verschwinden muss, Rosie aber nicht alleine lassen will, nimmt sie sie einfach mit.
Zu Hause in England schiebt Steve Wheeler, Amys pensionierter Schwiegervater und seines Zeichens Ex-Polizist, eine ruhige Kugel – bis Amy ihn anruft und um Hilfe bittet…
Erster Eindruck: Mir gefällt das Cover im Retro-Stil sehr gut.
Dies ist Band 1 einer neuen Reihe. Da mir die Reihe um den Donnerstagsmordclub so gut gefallen hat, war ich gespannt auf diese neue Truppe.
Es sind interessante Ermittler: Amy, die taffe Personenschützerin, die täglich mit ihrem Schwiegervater telefoniert. Ihr Mann Adam reist selbst beruflich viel umher, so dass sich die beiden nicht allzu viel sehen. Adams Vater Steve freut sich auf die regelmässigen Telefongespräche mit Amy und berichtet ihr von „Trouble“, seinem Kater, und seinem gemächlichen Alltag. Rosie, die Thrillerautorin, deren Alter sich gemäss Wikipedia immer wieder nach unten korrigiert, sieht das Ganze wohl als Vorlage für eines ihrer nächsten Bücher. Und da gibt es noch etliche weitere, rätselhafte Figuren, die hier mitmischen. Aber über die möchte ich nicht zu viel verraten. Bemerkenswert ist jedoch ein gewisser François Loubet, der seine Drohbriefe mithilfe von ChatGPT verfasst – wow, da ist aber jemand wirklich up to date, oder? François ist natürlich nicht sein richtiger Name, das versteht sich von selbst. Einige der Protagonisten, die kurzum zu Leichen werden, sind allesamt aufstrebende Influencer. Klar, welche Jobs gibt es heute auch sonst noch?
Wie kann es sein, dass Amy plötzlich zur Gejagten geworden ist? Wer will ihr etwas unterschieben?
Das Buch hat sich wohl flüssig lesen lassen, hat aber meines Erachtens zu viele Seiten. Der Wechsel der unterschiedlichen Protagonisten, die nicht einfach zu den „Guten“ oder „Bösen“ sortiert werden können, war zuweilen herausfordernd. Der Humor hat mir wie immer sehr gut gefallen – ich mag den britisch-schwarzen Humor! Die Spannung ging bei dieser Schnitzeljagd im Privatjet leider ein wenig unter. Von mir gibt es 3 Sterne, aber beim Folgeband bin ich sicher wieder mit am Start!
Sehr unterhaltsam
Hug me, Mr. Grinch von Allyson Snow; Amelia Lemon
Connor Bennett, der taffe Anwalt in Manhattan, hasst es zu warten, ebenso wie lahme Entschuldigungen. Und er hasst die Weihnachtszeit. Als sein Auto mit einer Radfahrerin kollidiert, versichert er sich kurz, dass sie wohlauf ist, drückt ihr seine Visitenkarte in die Hand und fährt weiter. Er konnte nicht ahnen, dass er diese Frau, Rachel, kurzum wiedersehen würde: sie ist Kuscheltherapeutin und seine Mutter hat ihm einen Entspannungstermin gebucht.
Diese unfreiwillige Begegnung will Connor nur so schnell als möglich hinter sich bringen…
Erster Eindruck: Das Cover ist auffällig, entspricht aber nicht so meinem Geschmack. Ich mag es nicht, wenn anhand des englischen Titels nicht ersichtlich ist, dass es sich um ein deutsches Buch handelt.
Connor ist ein Workaholic, wie er im Buche steht. Er ist fachlich wohl topp, aber zwischenmenschlich ziemlich eingerostet. Seit seine Freundin ihm vor vier Monaten den Laufpass gegeben hat, steht er – so die Aussage seiner Mutter, die zugleich Chefin der Familienkanzlei ist – neben sich. Interessant, dass seine Mutter eine Kuscheltherapeutin bucht. Als ich las, dass jemand gegen Geld mit fremden Menschen kuschelt, hat es mich schier geschüttelt. Ich war da ganz bei Connor, der es nicht so mit übermässigem Körperkontakt mit Fremden hat. Es war sehr witzig, als er von seiner Mutter zum Termin gebracht wurde und sie sich in die Küche setzte, um sicherzustellen, dass er die Stunde da bleibt. Rachel hat bisher nicht viele Kunden, daher ist sie für jede Empfehlung dankbar. Wenn sie sagt, welchen Job sie ausübt, muss sie diesen jedes Mal genauer erläutern, um sich zum horizontalen Gewerbe abzugrenzen. Schon allein aus diesem Grund würde ich so etwas niemals-nie-unter-keinen-Umständen machen wollen. Die Bezeichnung „Aktivierung von Rezeptoren durch Umarmungen“ macht es nicht viel besser.
Connor muss zugeben, dass an dieser Entstressungssache wohl doch etwas dran ist. Aber zugleich fühlt er eine gewisse Spannung. Oder ist es Anziehung? Von Rachel? Als er beginnt, sich etwas zu entspannen, platzt eine Bombe: sein verstorbener Vater hatte eine Zweitfamilie!
Die Geschichte war sehr unterhaltsam und ich sah diese vor meinem inneren Auge wie einen Film ablaufen. Ein bisschen kitschig, etwas übertrieben, ein wenig märchenhaft, aber das darf es bei mir zur Weihnachtszeit auch mal sein. Von mir gibt es 4 Sterne.
Eine nahrhafte Geschichte
Zürcher Verrat von Gabriela Kasperski
Schnyder & Meier, Band 9: Zürich, Mittsommer. Von der Opernhausbühne werden live Arien übertragen. Das Schauspiel wird abrupt beendet, als ein Mann tot im Orchestergraben aufgefunden wird. Erste Zeugenaussagen weisen darauf hin, dass die Chorleiterin Lou Müller die Täterin sei. Sie ist flüchtig.
Warum ist Müller geflüchtet? Wer ist der Mann? Wie kam er hinter die Bühne? Die Ermittlungen von Werner Meier, der im Publikum sass, und seiner Partnerin Zita Schnyder führen weit in die Vergangenheit…
Erster Eindruck: Auf dem Cover das schön beleuchtete Opernhaus Zürich – gefällt mir.
Dies ist Band 9 der Reihe, kann jedoch ohne Kenntnis der Vorgängerbände gelesen werden. Ich habe mich sehr gefreut, wieder von Zita, Werner und Co. zu lesen – man wird doch mit jedem weiteren Band ein bisschen mehr „Familie“.
Nach dem Prolog fängt schon das Rätselraten an. Bei der Opernvorstellung, bei der Werner und seine Tochter Lily anwesend waren, kommt ein Mann zu Tode. Für die Besucher scheint dies im ersten Moment Teil der Inszenierung zu sein, jedoch weit gefehlt! Der Mann, der nun tot ist, hat Lou Müller hinter der Bühne aufgelauert und bedroht. Aber das wissen vorerst nur die Leser:innen. Wer war er? Warum bedrohte er Lou? Warum und wohin ist sie geflüchtet? Eine volle Eventlocation für die Spurensicherung und Zeugenbefragung zu sperren, stelle ich mir grauenhaft vor. Wo anfangen? Wer kann sagen, was wichtig oder unwichtig ist? Wo ist Requisiteur Bolli? Was weiss die „Oberhexe“ Roncalli? Was sagt Opernleiterin Han Ly?
Die Ermittlungen führen weit in die Vergangenheit zurück, genauer gesagt bis ins Jahr 1940. Es geht somit um etwas, was im Zweiten Weltkrieg geschehen ist. Wie hängen die damaligen Ereignisse mit den aktuellen zusammen?
Es ist nicht einfach, etwas über das Buch zu schreiben, aber dabei nicht zu viel zu verraten. Daher lasse ich es lieber gleich bleiben. Nur so viel: die Geschichte ist sehr nahrhaft und bewegend. Wie von der Autorin gewohnt, sind die Anzahl der Protagonisten und deren Verflechtungen stets eine Herausforderung für mich. Sehr unterhaltsam ist auch immer die Kommunikation von Werner und Zita (oder sollte ich wohl besser sagen „Nicht-Kommunikation“?). Auch dieses Mal war es bis zum Schluss spannend, so dass ich erneut 5 Sterne vergebe – um George Clooney zu zitieren: „What else?“.
Gefühle, Gefühle, Gefühle…
Blackberry Island – Wo Wünsche den Weg weisen von Susan Mallery
Blackberry Island, Band 5: Daphne ist verheiratet und glückliche Stiefmutter von drei Kindern. Doch jetzt denkt ihr Mann, dass sie eine Affäre habe und der Haussegen hängt mehr als schief. Heather ist ohne Vater aufgewachsen, findet nun über Ancestry ihren leiblichen Vater und dessen Familie, was alles gerade sehr viel für sie ist.
Tori hat kein gutes Händchen mit Männern; zum Glück hat sie ihren besten Freund, mit dem sie das platonische Pärchen im Freundeskreis bildet. Doch plötzlich sind da Gefühle, die nicht mehr platonisch sind…
Erster Eindruck: Das Cover gefällt mir sehr gut, fällt aber im wahrsten Sinne aus der Reihe – es sieht ganz anders als aus die der ersten vier Bände.
Dies ist Band 5 der Reihe, kann aber ohne Kenntnis der Vorgängerbände gelesen werden. Wie bei der Autorin gewohnt, werden die Geschichten häufig aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt, was lebendig, aber auch zuweilen herausfordernd ist.
Daphne ist ein Workaholic mit einer 80-Stunden-Woche. Wie sie ihr Eheleben und alle zwei Wochen auch Familienleben meistert, bedingt viel Organisation. Nun möchte sie gerne ein Kind. Ihr Mann Brody meint, es sei nicht der richtige Zeitpunkt. Aber der Kinderwunsch rückt eh in weite Ferne, als ihr eine Affäre mit einem Geschäftspartner unterstellt wird. Heather hat Mühe, Nähe und Gefühle zuzulassen, was sicherlich auch zulasten ihrer Mutter geht. Oh, ihre Mutter ist so etwas von schwierig und sieht sich immer als Opfer. Schuld an ihrer Misere ist selbstverständlich Heather. Ich stelle es mir sehr schwierig vor, mit über dreissig Jahren plötzlich seinen Vater und dessen Familie kennenzulernen. Tori und Grant sind beste Freunde und wohnen nebeneinander. Sie kümmern sich gegenseitig um ihre Hunde und hängen einfach viel zusammen ab. Als ein Wasserschaden ihre Wohnungen unbewohnbar macht, beziehen sie zusammen ein Mietshaus. Und da kommen plötzlich Gefühle auf, die Tori nicht brauchen kann…
Mir haben die drei Frauen sehr gut gefallen – es ist schön, wenn man solche Freundschaften hat. Das Buch war emotional, hat sich wie gewohnt flüssig lesen lassen und hat mich sehr gut unterhalten. Von mir gibt es 4 Sterne.
Eine sehr ruhige Geschichte
Winterzauber im kleinen Strandhaus am Meer von Annette Böhler
Herzklopfen am Meer, Band 1: Livias Vater ist verstorben. Nicht nur die Trauer, sondern auch die Verantwortung, die familieneigene Kanzlei weiterzuführen, scheinen Livia schier zu erdrücken. Sie flieht nach Fehrmarn, wo sie sich an schöne Familienurlaube erinnert. Doch der erste Tag auf der Insel lässt sie unüberlegt handeln und sie gerät in Seenot.
Sie wird von Birk gerettet und kann sich bei ihm im abgelegenen Strandhaus aufwärmen. Als sie am nächsten Tag eine Pension aufsuchen will, lädt er sie ein, zu bleiben. Eine ungewohnte Vertrautheit ist da und hilft beiden, positiver in den Tag zu starten…
Erster Eindruck: Das Cover entspricht gestalterisch leider nicht so meinem Geschmack.
Livia ist Juristin und hat mit ihrem Vater in der Kanzlei gearbeitet. Da er nun verstorben ist, musste sie weg von allem. Sie hat ihr Smartphone zu Hause gelassen und ist einfach losgefahren. Sie hat nicht einmal ihre Mutter über ihren Aufenthaltsort informiert. Das fand ich – bei allem Verständnis für ihre Ausnahmesituation – nicht in Ordnung, denn ihre Mutter trauert ebenfalls und muss sich nun auch noch um ihre Tochter sorgen. Auf der Insel „leiht“ sie sich ein Ruderboot aus und fährt aufs Meer hinaus. Sie hat das Gefühl, ihrem Vater dort näher zu sein. Keine gute Idee, wenn man ein Stadtmensch ist und sich mit dem Element Wasser und dem Wetter nicht auskennt. Zum Glück wird sie von Birk gerettet, dem Besitzer des Ruderbootes, der sich – wie sich herausstellt, zurecht – Sorgen gemacht hat, dass die Person, die mit seinem Boot unterwegs ist, Probleme kriegen könnte. Birk ist ein Einsiedler. Er lebt weit ab vom Schuss und mag es nicht, in Schubladen gesteckt zu werden. Hat er etwas zu verbergen?
„Du entscheidest ganz alleine, wer du bist und welche Regeln für dich gelten.“ (Birk)
Verlust, Trauer, Verantwortung und Neuorientierung sind einige der behandelten Stichworte. Dies war für mich das erste Buch der Autorin, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Das Buch hat sich flüssig lesen lassen. Es war insgesamt sehr ruhig, fast still – das klingt jetzt etwas merkwürdig, entspricht jedoch meinem Gefühl –, denn es kommen eigentlich nur Livia und Birk sowie dessen Neufundländer Maple vor. Als Nicht-Hundehalterin konnte ich bei der wiederholten Schilderung des Abschleckens des Tellers durch Maple ein Schaudern nicht unterdrücken. Von mir gibt es 4 Sterne.











