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Rezensionen von peedee:
Zwei Fremde im Gespräch
In einem Zug von Daniel Glattauer
Eduard Brünhofer, gefeierter Autor von Liebesromanen – eigentlich müsste ich sagen, ehemals gefeierter Autor, denn er hat schon lange nichts mehr veröffentlicht –, sitzt im Zug von Wien nach München. Er ist nicht der grosse Redner, sondern eher der Schweiger, Nicker. Doch die jüngere Frau, die sich als Catrin Meyr vorstellt und ihm schräg gegenüber sitzt, sieht das anders: Sie will sich mit ihm unterhalten, und zwar über die Liebe.
Und was sie will, das kriegt sie auch. Es wird eine lange und unangenehme Reise werden, sofern sie nicht bald aussteigt…
Erster Eindruck: Mir gefällt die zweifache Interpretationsmöglichkeit des Buchtitels.
Grundsätzlich ist man ja höflich, auch im Umgang mit fremden Menschen. Daher kann man der Passagierin, die in Eduards Abteil Platz nehmen will, diesen nicht verweigern. Und leider kann er ihr auch nicht das kurzum begonnene Gespräch ausreden. Er hofft, dass sie – wie die jungen Leute heute eben so sind – kurzum ihr Handy zücken und im World-Wide-Web versinken wird. Aber nein. Catrin hat anderes im Sinn. Als sie von ihm erfährt, dass er seit vielen Jahren glücklich verheiratet ist, will sie alles über ihn, seine Frau Regina – genannt Gina – und die Liebe im Allgemeinen wissen. Wie kam es, dass er sich ausgerechnet dem Genre Liebesroman verschrieben hat? Und wie ist seine Frau so? Was hält sie davon, dass er auch mal „heisse“ Szenen beschreibt? Und so weiter und so fort.
„Ich liebe zwar die Menschen, ich liebe sie wirklich, aber eher schriftlich und durchaus in ihrer Abwesenheit.“
Das Buch (bzw. Büchlein) hat sich flüssig lesen lassen und war aufgrund des geringen Umfangs sehr schnell beendet. Die Geschichte war amüsant, unterhaltsam und bot auch Überraschendes. Am meisten erstaunt war wohl Eduard, als er plötzlich Gefallen an diesem Gespräch fand. Mir hat die lesetechnische Reise von Wien nach München sehr gut gefallen und daher vergebe ich gerne 4 Sterne.
Viel Stoff zum Nachdenken
In der Ruhe liegt die Kraft von Jennifer Dukes Lee
Immer schneller, höher, weiter! So lautet vielerorts das Credo. In der Geschäftswelt soll immer alles optimiert und beschleunigt werden und auch im Privatleben sollte vieles immer schneller gehen. Stopp! Die Autorin will den Weg zu einem entschleunigten Leben anhand des Lebens auf dem Land und dem Rhythmus der Jahreszeiten aufzeigen.
Kleine Dinge, die im Stillen wachsen und grosse Wunder darstellen…
Erster Eindruck: Ein unaufgeregtes, klares Cover – gefällt mir sehr gut.
Der Buchtitel ist in Verbindung mit dem Leben auf dem Land im Allgemeinen und in Bezug auf das geistliche Wachsen im Speziellen sehr gut gewählt.
Die Autorin hat ihr Buch anhand der Jahreszeiten in vier grosse Teile gegliedert: „Frühjahrsaussaat“, „Sommerwachstum“, „Herbsternte“, „Winterruhe“. Ich liebe die vier Jahreszeiten – obwohl ich sie nicht alle gleich gerne mag: Frühling, Zeit des Aufbruchs (meine Lieblingsjahreszeit); Sommer, Zeit der Unbeschwertheit; Herbst, Zeit des Rückzugs; Winter, Zeit der Besinnung.
Für mich war es das erste Buch der Autorin, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Mir hat ihr Schreibstil sehr gut gefallen, ebenso der Mix von Auszügen aus ihrem persönlichen Leben und der Bibel. Als Stadtkind wollte sie nie auf dem Land wohnen – und wo ist sie gelandet? Genau! Ihr Mann hat Jura studiert und bewirtschaftet nun die Farm – war sein Studium vergebens? Mitnichten. Sprüche von „Wohlmeinenden“, als sie aufs Land zogen und ihr Leben änderten, gab es genug. Aber was berechtigt Menschen, die Zukunftspläne anderer zu kritisieren? Wichtig scheint mir in diesem Zusammenhang, dass man sich nicht mit anderen vergleichen sollte (daran muss ich arbeiten, denn bei Vergleichen mit anderen ziehe ich oft den Kürzeren).
„Eine Maispflanze vergleicht sich nie mit der Pflanze neben ihr. Sie kämpft nicht gegen die Uhr an und zweifelt nicht daran, dass es eine Ernte geben wird.“
Ich habe mir so viele Dinge markiert, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Dazu gehören z.B. die folgenden Punkte: Träume dürfen ändern; keine Angst zu haben, bei langsamerem Tempo etwas zu verpassen; wir leiden unter Ablenkung und Ungeduld. Ein sehr interessanter Input war für mich auch, dass man negative Gefühle zeitlich begrenzt zulassen solle – und sie dann loslassen. Von mir gibt es 4 Sterne.
Wer jagt wen?
Der Kalmar von Sunil Mann
Marisa Greco und Bashir Berisha, Band 3: Herbert Russo, trotz des deutschen Vornamens ein waschechter Italiener, hat den Auftrag seiner Familie auszuführen und den untergetauchten Mafiaboss Lorenzo Sposato zu töten. Jahrelang konnte Russo in der Schweiz unter dem Radar leben, aber nun muss er handeln – oder er wird in Kürze selbst nicht mehr leben.
Privatermittler Marisa Greco und Bashir Berisha finden heraus, dass ein renommierter Anwalt mit Immobilien Geldwäsche im grossen Stil betreibt. Dieser erfährt jedoch, dass die beiden mehr wissen als sie sollten…
Erster Eindruck: Das Cover mit dem Gangster und einer Szene aus Zürich gefällt mir ausgezeichnet.
Dies ist Band 3 einer Reihe, kann aber unabhängig von den Vorgängerbänden gelesen werden (das Auslassen der spannenden Bände 1 und 2 geschieht jedoch auf eigene Gefahr!). Mir gefällt, dass es auch zum Wiedersehen mit einigen Protagonisten aus früheren Geschichten kommt.
Die Mafia hat ihre Leute im Blick, deponiert mal eben Pistolen mit Schalldämpfer für den nächsten Auftrag, bedroht diejenigen, die es wagen aufzubegehren… Herbert Russo, der Kalmar, der jahrelang unbehelligt in der Schweiz einen Feinkostenladen betreiben konnte, muss wieder als Auftragskiller arbeiten. Der Familie widersetzt man sich nicht. „[…] bei ihnen, da hält sich die ganze Familie an die Omertà, Schweigen ist gleichzusetzen mit Ehre. Ein unerschütterlicher Grundsatz.“ Da er sich um seine Frau und die beiden Kinder sorgt, hofft er, dass dieser Job der letzte dieser Art sein wird. Es läuft jedoch nicht rund für ihn. Es war zuweilen richtiggehend amüsant, wie er von einer verpassten Chance zur nächsten stolperte. Russo stellt fest, dass er offenbar nicht allein auf der Suche nach Sposato ist. Doch wer ist die eine Frau, die ihm in die Quere kam?
Marisa findet in den Unterlagen ihres verstorbenen Mannes einen USB-Stick mit Hinweisen auf Geldwäscherei seines früheren Arbeitgebers. Was ist da dran? Sie und Berisha gehen dem nach.
Joy, Faith und Belén sind Sans Papiers und seit vielen Jahren illegal in der Schweiz. Die Einblicke in ihren Alltag fand ich zutiefst deprimierend. „Sie stecken seit Jahren fest, obschon sie sich abmühen, geht es keinen Schritt vorwärts und ein Zurück kommt unter keinen Umständen infrage.“
Die Situation der Sans Papiers in der Schweiz, die früheren Gastarbeiter aus Italien, die Mafia und ihre grosse Reichweite sowie Geld und Gier sind nur einige der behandelten Stichworte. Die Geschichte wurde aus vielen verschiedenen Blickwinkeln erzählt; dies war sehr komplex und ich musste konzentriert lesen. Eine spannende und rasante Geschichte, die sich – man mag es kaum glauben – innerhalb eines Tages abspielt. Von mir gibt es 5 Sterne.
Wenn der Weihnachtsmann verstummt
Der Weihnachtsmannmord von Anja Marschall; Carolyn Srugies
Das Traditionskaufhaus Härtling beschäftigt Eddi, den Weihnachtsmann, der täglich zwei Shows bietet und bei den Besuchern sehr beliebt ist. Doch dass seine letzte Show auch seine allerletzte sein würde, hat niemand erwartet – er fiel aus dem vierten Stock in den Tod. Ladendetektiv und pensionierter Polizist Kurt vermutet, dass Eddi ermordet wurde, denn mit seiner kriminellen Vergangenheit hatte er unzählige Personen gegen sich aufgebracht.
Kommissar Bronski sieht die Sache als Unfall an und konzentriert sich lieber auf den Diebstahl im benachbarten Juwelierladen. Kurt beginnt selbst zu ermitteln…
Erster Eindruck: Ein witziges Cover mit dem Weihnachtsmann – gefällt mir sehr gut.
Das war amüsant! Nun ja, nicht für den Weihnachtsmann, aber für mich als Leserin!
Corinna Rudloff leitet die Geschäfte des ehrenwerten „Härtling“. Als ich über sie las, hatte ich immer das Fräulein Rottenmeier aus „Heidi“ vor meinem inneren Auge. Streng und unsympathisch. Schon bald zeigte sich, dass bei ihr nicht alles so sauber abläuft wie es gegen aussen aussah. Aber das soll natürlich niemand erfahren. Als sie vom Inhaber des Kaufhauses vernimmt, dass dieses verkauft wurde, wird ihr schier anders, denn ihre persönlichen Pläne – die ausschliesslich zu ihren Gunsten sind – waren auf einen längeren Zeithorizont ausgerichtet. Jetzt kommt ein Wirtschaftsprüfer ins Haus und da ist noch der tote Weihnachtsmann… Die Geschäftsführerin hat es aber auch nicht leicht, oder?
Kurt und Bronski – einstige Berufskollegen und durch eine Frau entzweite Freunde – arbeiten gezwungenermassen wieder zusammen. Der Weihnachtsmarktbesuch endet feuchtfröhlich und mit schweren Brummschädeln am nächsten Morgen. Aber ihrer neu aufgelebten Freundschaft tat es gut.
Für mich war es das erste Buch der beiden Autorinnen, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Das Buch hat sich flüssig lesen lassen, vermittelte Weihnachtsflair, bot spannende Momente und auch Überraschungen – von mir gibt es 4 Sterne.
Das war sehr schön
Wintertraum in Lappland von Ruth Bennett
Thyra ist mit Leib und Seele Rentierzüchterin. Sie gehört zum indigenen Volk der Sámi und könnte sich nicht vorstellen, irgendwo anders als in Tjarojakk, Lappland, zu wohnen. Sie ist mit Ragnar, den sie seit Kindertagen kennt, verlobt. Einer Hochzeit sind die beiden aber bisher ausgewichen – wieso bloss? Zwei Besucher mischen das Dorfleben auf: Krister ist Schauspieler, sehr erfolgreich in den USA, aber in Lappland so gut wie unbekannt.
Er begleitet seinen Grossvater Ove, der aus dem Dorf stammt und es unbedingt noch einmal sehen will. Als Krister im Dorf ankommt, würde er am liebsten gleich wieder abreisen – er ist das Landleben nicht gewohnt…
Erster Eindruck: Das Cover mit den Polarlichtern widerspiegelt eine ganz spezielle Stimmung – gefällt mir.
Gleich beim Prolog habe ich schon etwas gelernt: Die Sámi unterteilen das Jahr nicht in vier, sondern in acht Jahreszeiten unterteilen. Sehr interessant.
Thyra lebt mit ihrem Grossvater Gösta zusammen. Man spürt, wie sehr sich die beiden lieben. Sie ist erfolgreich im Züchten der Rentiere, kann aber leider so gar nicht kochen. Als sie Gösta erzählt, welcher Besuch angekommen ist, ist er gleich in sich gekehrt. Eine spezielle Reaktion, denn so hat auch Ove, Kristers Grossvater, reagiert, als er das Auto, mit dem Thyra die Besucher abgeholt hat, als dasjenige von Gösta erkannt hat. Was ist mit diesen beiden Männern los? In einem sind sie sich einig: Sie wollen nicht darüber sprechen! Krister würde am liebsten gleich wieder abreisen, aber da er seinen Grossvater liebt, will er die zwei geplanten Wochen durchhalten. Als Schnee angesagt wird, ignoriert er die Warnungen der Dorfbewohner und gerät gleich in Lebensgefahr.
Lappland gehört zu Finnland. Daher hat es mich irritiert, dass Ove, gebürtig aus Tjarojakk, sagte, er könne nirgendwo anders leben als in Schweden… Ist das künstlerische Freiheit? Das Buch hat sich flüssig lesen lassen und die Geschichte lief wie ein Film vor meinem inneren Auge ab. Die Dorfgemeinschaft hat mich amüsiert, da sie „heimlich“ die aus ihrer Sicht überfällige Hochzeit von Thyra und Ragnar planen wollte. Die Bewohner meinten, sie würden auch gar keinen Druck auf die beiden ausüben, sondern nur vermehrt nachfragen, wenn es denn nun soweit sei. Herrlich! Ich weiss nicht, ob ich in Lappland mit dem vielen Schnee und dem wenigen Tageslicht dauerhaft leben könnte. Aber lesetechnisch bin ich voll zufrieden und vergebe gerne 5 Sterne.
Die Rückkehr ins Leben
Ein Garten voll Glück von Debbie Macomber
Joan fühlt sich einsam, wie sie sich eingestehen muss. Sie bietet einer jungen Frau, Maggie, ein Zimmer zur Untermiete an. Sie scheinen sehr unterschiedlich, und doch eint sie eines: Sie haben beide einen Menschen verloren und versuchen, die Trauer zu verarbeiten. Joan hat ihren Mann verloren und lange Zeit nicht mehr mal das Haus verlassen – sie hat auch ihren geliebten Garten vernachlässigt.
Maggie hat ihre Mutter verloren und versucht, so viele Stunden wie möglich zu arbeiten, um sich ihre Ausbildung zur Krankenpflegerin zu finanzieren und ihren alkoholkranken Vater zu unterstützen…
Erster Eindruck: Ein schönes Cover; sehr gut zum Buchtitel passend.
Joan ist bestürzt, als ihr bewusst wird, wie vernachlässigt ihr Garten aussieht. Sie hat ein Schreiben der Hauseigentümergemeinschaft erhalten, worin sie aufgefordert wird, ihren Garten auf Vordermann zu bringen, da ihr Haus ansonsten die der anderen abwerten würde. Sie braucht dringend fachmännische Unterstützung, die wieder eine Struktur in den Grünbereich bringen soll. Phil ist ihr gleich sympathisch, denn er liebt Blumen so wie sie. Somit steht dem Auftrag nichts im Weg. Maggie muss täglich viele Bälle gleichzeitig in der Luft halten: Sie arbeitet möglichst viele Stunden, um ihre Ausbildung und die Rechnungen für sich und ihren Vater zu bezahlen. Ihr bleibt kaum Zeit für sich selbst. Aber auch kein Geld, da ihr Vater das Geld, das sie ihm gibt, für Alkohol ausgibt. Sie kann dies nicht mehr ertragen und ist erleichtert, als sie das Zimmer zur Untermiete bekommt.
Beide Frauen haben mir sehr leid getan. Einen geliebten Menschen zu verlieren, ist eine sehr schwere Zeit, in der die Trauer einem schier den Atem nimmt. Aber beide haben mittlerweile den Punkt erreicht, wo sie wieder nach vorne sehen wollen und das weitere Leben in kleinen Schritten vorwärts gehen wollen. Sie tun einander gut. Ein Buch, indem es um Trauer geht, das aber nicht durchwegs traurig ist, sondern auch Hoffnung macht. Ein Buch, in dem es um Freundschaft geht, anderen zu helfen, aber auch darum, sich dem Leben und der Liebe wieder zu öffnen. Von mir gibt es 5 Sterne.
Reihenstart mit 4 Sternen
Marillenknödelmord von Fanny Svoboda
Horvath, Band 1: Obstbauer Berti sagt zu einem Marillenknödel niemals nein. Hätte er doch besser, denn dieser letzte Marillenknödel wurde zu seinem tödlichen Verhängnis. Ein Täter ist schnell gefunden: Rudi Horvath, ebenfalls Obstbauer. Sein Bruder, Journalist und Krimiautor Horvath, wird von seiner Schwägerin um Hilfe gebeten.
Er solle ermitteln, denn er würde sich ja in solchen Dingen auskennen. Ja, in der Theorie. Aber in der Praxis? Mit seiner Freundin Mimi und Guru Shaman sucht er im kleinen Wachauer Dorf nach dem Täter…
Erster Eindruck: Ein schlichtes Cover, ein witziger Buchtitel – gefällt mir.
Horvath ist ein erfolgreicher Autor: Er hat offiziell bereits 7‘500 Bücher verkauft! Nicht schlecht, oder? Aber dazu soll sich Horvath noch selbst äussern. Nun zum Fall: Wie soll er einen „echten“ Fall lösen? In seinem Buch kann er gefahrlos ermitteln und im Falle einer Sackgasse einfach nochmals mit der Rückwärtstaste die Geschichte korrigieren. Auch Tote kann er bei Bedarf wieder auferstehen lassen. Aber in der Realität? Glücklicherweise kommt ihm sein Protagonist „Krüger“ zu Hilfe. Seine Freundin Mimi, die bei Gefahr auch gleich mal einen Chant von sich gibt, und Guru Shaman unterstützen ihn. Ich habe mich gleich gefragt, wieso jemand einfach einen Marillenknödel isst, der vor seiner Tür platziert wurde. Aber dann habe ich diesen Gedanken sofort wieder beiseitegeschoben, denn mit Logik muss man bei einem solchen Krimi nicht kommen.
Dies war mein erstes Buch der Autorin – ich habe auch noch keines von ihr unter ihrem Klarnamen gelesen, aber das werde ich nachholen. Das Buch hat sich flüssig lesen lassen, durch die Dialektausdrücke fand ich mich gut in der Region eingebettet. Ich sah die Protagonisten – in ihrer mehr als bunten Mischung – förmlich wie im Theater vor mir; ein unterhaltsamer Krimi mit Slapstickelementen. Wer einen Krimi mit einem „richtigen“ Kommissar erwartet, würde hier enttäuscht. Der mehr-oder-weniger erfolgreiche Autor Horvath – wie ist wohl sein Vorname? – und sein imaginärer Krimi-Kommissar Krüger kommen dem Ganzen eher zufällig auf die Spur. Marillenanbau, Leben auf dem Dorf, Polyamorie, künstliche Befruchtung, Lottogewinn – dies sind nur einige der behandelten Stichworte. Von mir gibt es für den Reihenstart 4 Sterne.
Bewertung für das E-Book (nicht Hörbuch)
Der Junge auf dem Foto von Nicole Trope
=== Die deutsche Version des E-Books ist im Katalog nicht verfügbar ===
Megan hat sich scheiden lassen und erzieht den sechsjährigen Sohn Daniel allein. Als sie ihn vor der Schule abholen will, wartet sie vergebens – ihr Kind ist spurlos verschwunden! Sechs Jahre später voller Kummer und Selbstvorwürfe kommt der Anruf, auf den sie immer gewartet hat: Daniel wurde gefunden! Er kommt nach Hause.
Laut Polizei wurde er von seinem Vater entführt, der aber nun in einem Brand ums Leben kam. Wie konnte Daniel fliehen? Wie ist es ihm all die Jahre ergangen? Er ist ein völlig anderer Mensch – Megan versucht verzweifelt, den geliebten Sohn in ihm wiederzuerkennen. Er hat zudem ein Geheimnis…
Erster Eindruck: Ein harmloses Cover, das nicht das Grauen verrät, das diese Geschichte beinhält.
Die Geschichte wird auf zwei Ebenen erzählt, einerseits beginnend von vor sechs Jahren und andererseits beginnend beim Auffinden von Daniel.
Das ist etwas, was man niemandem wünscht: Ein geliebter Mensch wird entführt und bleibt verschwunden. Auch Greg, Megans Ex-Mann, ist verschwunden. Nach der Scheidung durfte Greg Daniel jeweils samstagsabends zu sich nehmen. Megan war erst wieder ruhig, wenn Daniel wieder sicher bei ihr zu Hause war. Die Gewissheit, ihren geliebten Sohn bei sich zu haben, sollte sich über sechs lange Jahre nicht mehr einstellen. Eine Horrorvorstellung, wo man sich wünschen würde, endlich aus dem Alptraum aufwachen zu können.
Greg ist kontrollsüchtig, manipulativ und hochgradig psychisch gestört. Aus seiner Sicht ist er selbstverständlich der Einzige, der jeweils das Richtige tut und auch der Einzige, der Megan liebt, auch wenn sie sich immer wieder dumm anstellt und er sie dafür bestrafen muss. Als Leser:in möchte man gleich eingreifen und Megan beschützen.
Das Auffinden von Daniel ist wohl ein Glückstag, dem aber auch gleich eine Riesenernüchterung folgt, denn Daniel ist – logischerweise – nicht mehr der sechsjährige Junge von damals. Er ist bockig, verhöhnt seine Mutter, spuckt ihr Sprüche entgegen, die 1:1 von Greg stammen könnten. Megan versteht, dass er traumatisiert ist und sie ihm und sich selbst Zeit geben muss. Aber das ist so unendlich schwer…
Für mich wiederum ein wahrer Pageturner; ich konnte fast nicht schnell genug blättern, da ich unbedingt wissen musste, wie es ausgeht. Dies war für mich das vierte Buch der Autorin, nach „Die andere Ehefrau“, „Die Wahrheit über den Unfall“ sowie „Der Tag nach der Party“. Und was soll ich sagen? Erneut 5 Sterne. Aber nun benötige ich dringend wieder etwas Leichteres, Fröhlicheres.
Bringt mich zum Nachdenken
Lass mal reden von Daniel Böcking
In Zeiten von Social Media wird die Verbreitung von brisanten Themen immer schneller. Und die Meinungsbildung ebenso, wie sich in zum Teil sehr beleidigenden und vernichtenden Kommentaren – versteckt in der Anonymität – zeigt. Daniel Böcking ist Journalist und hatte viele Jahre nichts mit dem Christsein am Hut.
Doch seit seine Liebe zum Glauben entfacht wurde, will er anderen auch zeigen, wie viel er dadurch gewinnt. In diesem Buch zeigt er verschiedene Stichworte auf und beleuchtet sie aus der Sicht des Glaubens, aber auch aus seiner ganz persönlichen Sicht.
Erster Eindruck: Ein schlichtes Cover mit einem plakativen Titel – gefällt mir.
Ich habe zu diesem Buch gegriffen, da mich der Untertitel neugierig gemacht hat. Nur allein die beiden genannten Stichworte „Abtreibung“ und „Wokeness“ sind ja sehr polarisierend. Und wenn sich heutzutage jemand zum Christsein bekennt, wird er oft belächelt oder auch verurteilt (z.B. wegen den schwarzen Schafen, die es auch im Glauben gibt).
Es gibt immer Gründe, die für oder gegen etwas sprechen, so auch beim Thema Abtreibung. Doch wer bin ich, dass ich Menschen für ihre Entscheidung verurteilen könnte? Sie müssen mit ihrer eigenen Entscheidung leben, und nicht ich. Der Glaube beschäftigt sich nicht nur mit den Geschehnissen von vor über 2‘000 Jahren, nein er muss sich auch mit dem Jetzt und dem Morgen beschäftigen. Daher sind auch Cancel Culture, Digitalisierung, das Gendern, KI oder auch Wokeness zu thematisieren. Persönlich habe ich manchmal Mühe damit, wie gewisse Begriffe regelrecht „trenden“ und viele in diesem Strom mitschwimmen, zuweilen leider auch ohne Hintergrundwissen. Wenn dabei etwas ins Extreme abgleitet, ist es m.E. immer schädlich.
„Glaube ist auch immer emotional. Er kann geliebt, gelebt, aber auch gehasst werden.“
Für mich war es das erste Buch des Autors, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Das Buch hat sich flüssig lesen lassen; durch die Stichworte konnte es auch gut häppchenweise gelesen werden. Der Autor hat mich auf den Podcast „Unter Pfarrerstöchtern“ von zwei Pfarrerstöchtern, sprich Schwestern – eine Zeit-Redakteurin und die andere Theologie-Professorin –, aufmerksam gemacht. Von mir gibt’s für die Denkanstösse 4 Sterne.
Bittersüss
Das Leuchten der Berge von Katie Powner
Die Jensens leben seit Generationen in Moose Creek, Montana. Nur Bea ist ausgebrochen und nach Kalifornien gegangen. Als sie nun mit ihrem Mann Jeremy zurückkommt, warten verschiedene Herausforderungen auf sie: die unverarbeitete Trauer um ihre verstorbene Mutter Caroline, das zerrüttete Verhältnis zu ihrem Vater Mitch, die bevorstehenden Veränderungen.
Mitch hat das Gefühl, nach dem Verlust seiner Frau auch noch seine Tochter verloren zu haben. Doch nun ist sie wieder da. Sein Vater Randolf erzählt ihm, dass June Probleme mit dem Gedächtnis hat und zunehmend verwirrt sei. Was ist mit seiner Mutter los?
Erster Eindruck: Das Cover und der Titel gefallen mir ausnehmend gut. Das Licht strahlt für mich Hoffnung aus.
Die Geschichte wird aus drei verschiedenen Blickwinkeln erzählt: Oma June, Vater Mitch und Enkelin Bea.
June merkt, dass sich bei ihr etwas verändert. Das gefällt ihr gar nicht. Sie ist vergesslich, verwechselt Namen. Sie spürt, dass ihr die Zeit der Klarheit davonläuft. Sie hat ein Geheimnis, das sie seit Jahrzehnten hütet. Kann sie es erzählen? Mitch hat sich nach dem Tod seiner Frau sehr zurückgezogen und Bea mit ihrer Trauer allein gelassen. Sie ist dann weggezogen, was aber dem Wunsch von Caroline entsprach, die immer wollte, dass sie das kleine Städtchen verlassen sollte, um in die Welt hinauszuziehen. Bea hat geheiratet und kommt nun mit Jeremy, dessen Arbeitgeber Pleite gemacht hat und somit alle entlassen musste, nach Moose Creek zurück. Es soll nur vorübergehend sein, bis ihnen beiden klar ist, wie es weitergehen soll.
Die Geschichte ist bittersüss: Einerseits schwere Momente durch die Verarbeitung der Trauer und das Begreifen der fortschreitenden Demenz, andererseits leichte, fröhliche Momente, insbesondere wenn Grandma June ihre klaren Zeiten hat. Zum Schmunzeln gebracht hat mich auch die Eifersucht von Mitch auf seinen Schwiegersohn: er als Vater war doch immer der Mann, an den sich Bea wandte, und nun ist da plötzlich Jeremy. Immerhin ist Mitch bewusst, dass er völlig irrational handelt.
Verlust, Vergangenheitsbewältigung, Zukunft, Liebe, Glaube, Freundschaft – dies sind die behandelten Stichworte. Ich habe mich in Moose Creek sehr wohl gefühlt. Ich mochte insbesondere Frank, den Pastor und Freund von Mitch. Obwohl Mitch seit dem Tod seiner Frau Caroline nicht mehr zur Kirche ging und auch den Kontakt mit Frank mied, ist dieser trotzdem da, als Mitch ihn aufsucht. Von mir gibt es 5 Sterne.











